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Full text of "Neues Jahrbuch feralogie, Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde"

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FOKTHE  PEOPLE 

FOR  EDVCATION 

FOK  SCIENCE 

LIBRARY 

OF 

THE  AMERICAN  MUSEUM 

OF 

NATURAL  HISTORY 

Neues  Jahrbuch 

Mineralogie,    Geognosie,    Geologie 

und 

Petref akteiiku  iid  e, 

herausgegeben 


von 


I)r.  K,  C.  von  Leonhard  und  Dr.  H.  G,  Bronn, 

Professoren  an  der  Universität  zu  Heidelber{;. 


Jahrgang    1837. 


Mit     6     Tafeln. 


E.  Schweizer  bar  t'  s    Verlagshandlung» 

1837. 


Inhalt. 


I.     Abhandlungen. 


Si'tta 


B.  CoTTA  :  übor  die  bisherigen  Resultate  der  geognostisclien 

Unteisuchung^cn  bei  Hohnstein       .         .         «         «         .  1  —  9 

J.  Grimm:  der  Berg-  Büdeshögy  in  Siebenbürgen         .         ,  10—23 

Von    Voith:    der   Schlossberg    bei    Regenatauf   im    Regen-' 

Kreise    ,  .  .  .          .         .  .  .  .  .  24  —  29 

H.  G.  Bronn:    über   die   Kri  noi  deen-Reste   im  Muschel- 
kalk, mit  Tafei  II  (vrrgl.  S.   103)  ...          .  ,  30—33 

R.  Blum:  Mineralogische  Notitzen,  mit  Tafel  I,  e      .  .  34—37 

Lortet:  Ausflug  ins  /5<?r<?-Departement      ....  127 — 136 

Hehl:  geognostische  Beschreibung  des  Weilers  Berg  .  137  — 145 

Van  der  Wyck  :  über  die  Barometer  -  Höhenmessungen  des 

/JÄWw-Stiomes 146  —  162 

H.  G.  Bronn  :  über  das  Alter  und  die  organischen  Über- 
reste des  ilLiy/jX^r-Berkens  (vergl.  S.  430—431)         .  153—176 

A.  VON    Humboldt:    G'-ognostische    und    phvsikalisclie    Be- 

trachtunt;en  über  die  Vulkane  des  Iloihlandes  von  Quito  253 — 284 
R.  A.   Philippi  :    über    die    subfossilen    Seethior  -  Reste    \o\\ 

Pozzuoli  bei  Neapel^  und  auf  der  Insel  Ischia  (Tf.  III, 

Fg.  4,  5) 285—292 

R.  A.  Philippi:  Beschreibung  einer  neuen  Nerinea  und  einer 

neuen  fossilen  Art  Fe cten  (Taf.  III,  Fg.  i,  2,  3,  6,  7)  293—296 
Engelhardt  :  über  ein  neues  Vorkommen  von  krystallisiilem 

und  derbem  NickelantiinoivGlanz 297— 2S8 

B.  CoTTA :  über  organische  Gestalten  im  ScIUottwitzer 
Achat-Gange  (Tf.  III,  Fg.  8  —  13)         .  .  ,  .         299—303 

VoLTZ  :  erste  Notitz  über  das  Gonns  Aptychus  (vergl.  S. 

433) 304—312 

Engelhardt:  über  die  Formation,  in  welcher  di»*  Tifzen- 
Abdrücke  vorweltlicher  Tliicrc  in  der  i\;ih<'  von  Hild- 
burghausen auftreten,  und  über  das  Vorkommen  dieser 
Abdrücke,  mit  Taf.  IV 379—384 

L,  VON  Buch  :   über  Thitrmann's   Soulevemens  jitrassigues, 

cahier  II 385—38« 

A* 


-     IV    — 


Seit* 


Gr.  vom  Keyserling:  Bemerkungen  während  des  Übergan- 
ges von  Lotsch  nach  Bormio  durch  das  Marthel-Tha.] .         389—402 

H.  R.  Göppert:  über  das  Studium  der  fossilen  Hölzer        .         403—407 

Von  Hauer  :  über  das  Vorkommen  fossiler  Thier-Reste  im 
tertiären  Becken  von  Wien ,  —  und  Vergleichung  der- 
selben mit  den  Überresten  anderer  gleichzeitiger  Abla- 
gerungen, nebst  einigen  nachträglichen  Bemerkungen 
über  das  M/tyn-ier-Becken  von  H.  G.  Bronn         .         .         408--431 

VoLTZ :    zweiter  Vortrag  über  das  Genus  Aptychus    (vgl. 

S.  304) 432—438 

Heul:  Mittheilungen  über  verschiedene  Mineralien  und  Ge- 
birgsarten  der  südlichen  Halbkugel,  welche  von  Herrn 
TON  Ludwig  an  das  Königl.  Mineralien-Kabinet  in  /Stutt- 
gart abgegeben  wurden  ♦,....         506 — 621 

LoRTET  :  über  die  geologischen  Vorlesungen  des  Hrn.  Four- 

NET  in  Lyon .         522—535 

Von  Lbonhard:  über  Reibungs-Flächen  im  Allgemeinen  und 

Althaus  :    über    das  Vorkommen    der  Sandstein  -  Spiegel    in 

der  Gegend  von  Marburg,  mit  Tafel  V        »         .    '    .         536 — 644 

I.  J.  TscHUDi:  über  den  Homo  diluvii  testis^  Andrias 

Scheuchzeri 545—547 

Max.  Braun:  Beiträge  zur  Oryktognosie  Badens,  mit  Ta- 
fel VI      .         .         . 633-640 

Von  Leonhard  :  Gange  körnigen  Kalkes  im  Steinkohlen- 
Gebirge  unfern   Wolfstein  in  Rhfinbaiern     .         .         .         641 — 646 

Credner:  Beschreibung  einer  krystallisirten  Blauofenschlacke 

von  der  Eisenhütte  Luisenthal  im  Gothaischen      .         .         647—652 

H.  G.  Bronn  :  Notitzen  über  das  Vorkommen  der  Tegel- 
Formation  und  ihrer  FossiIrReste  in  Siebenbürgen  und 
Galizien ,  nach  den  von  Hrn.  von  Hauer  erhaltenen 
Mittheilungen 653—664 


IL      Briefwechsel. 

1.     Mittheilungen,  an  den  Geh.  Rath   von  Leonhard 
gerichtet,  von  den  Herren: 

Russbgger:  über  die  geognostische  Beschaffenheit  des  Tau- 

rus  (Tf.  I^  A,  B) .  39—40 

B.  CoTTA :  neue  Unterzeichner  für  Nachgrabungen  bei  Hohn- 

stein      ,         ,         . 40 

Von  Albbrti:  Gyps  des  Muschelkalks  bei  ßffAr/iacA  (Tf.  1  c,  d)  41 

B.    Cotta:     Ergebnisse    einer    neuen    Briinnenbohrung    zu 

Dresden .,,       .  41—42 

Russegger:  über  den  Libanon.  Fernere  Reisen  in  Ägyp- 
ten          169—170 

A.  von  Klipstein  :  Ergebnisse  einer  Brunnen  -  Bohrung  bei 

Alzey 170 

Zobel  :  Bohr- Versuche  um  Schrnmherg       ....  171 

G.  V.  Bloede  :  Petersburg;  miurralogische  Sammlungen; 
geoguostischcs  Veritulten  der  Umgegend  uud  Finnlands  ; 
Schema  einer  Felsartcn-Klassifikation    .         ,         ♦         ,  171  — 187 

Zkuschnbr:    Muschelkalk    und    seine    Versteineruogeo    in 

Schlesien 313 


-     V 


B.  CoTTA ;  Weibs  über  die  Phänomene  von  Zscheila,  Hohn 
stein  und  Weinböhla     ...... 

H.  Abich:  vulkanische  Forschungen  in  Italien    . 

B.  CoTTA :  Frühbeete  über  Erdbränden  zu  Planit% 

Fb.  von  Monitz:  Medicx  Spada's  Mineralien-Sammlung  in 
Born       .         .         •      ^  

V.  Voith:  Granit- Verhältnisse  in  der  Oberpfalz  . 

Johm  über  von  Rasoümovsky's  Tod     .... 

B.  CoTTA :  Ursprung  des  Kalkes,  Geschichte  der  Kalk-Ge 
birge       ......... 

HAVtiMAMN :  kohlensaures  Eisenoxydul  im  Anamesit      . 

J.  Berzelius:  Keilhau's  Granit- Theorie;  Hisingbr's  Le- 
thaea  Sueciea  ;  Sefstrüm's  RolUtein  Fluth  . 

J.  Grimm  :  Alaunfels  und  dessen  Gewinnung  in  Ungarn 

Russegger:  Kreide  und  Sandstein,  Einfluss  von  Granit  auf 
letzteren,  Porphyre,  Grünsteine  etc.  in  Ägypten  und 
Nubien  bis  nach  Sennaar 

B.  Studbb  :  Naturforscher-Versammlung  in  Neuvhätel  /  ür- 
GletscUcr ;  Neocomien ;  —  fortgesetzte  Forschungen  in 
Bündten  ......... 

B.  CoTTA :  verglaste  Schanzen  in  Böhmen  und  hausitz 


Seitt 

314 

439—442 

442 

442 

442—444 

444 

548—563 

553—554 
554—557 


665—669 


669—673 
673 


II.  Mittheilungen,  an  den  Prof.  Bronn  gerichtet,  von 
den  Herren  : 


Keilhait  :  Terebrateln,  Gaea  Norwegica;  Bockes 
Trilobiten .         ,         • 

Fr.  von  Mandelsloh :  Verniengung  von  Übergangs-  und 
jüngeren  Versteinerunj^en  in  Salzburg ;  Cirrus  de- 
p r e s s u s  ==  Pleurotomaria  granulata 

v.  Eichwald:  sein  Dinotheriumproavum    . 

Roemer:  die  Jura- Bildung  von  Fritzow  in  Pommern  ent 
hält  die  Versteintrungen  von  Portlandkalk  und  Coral 
rag 

Sili.iivian:  die  Amerikanischen  alten  Vogel-Fährten  rühren 
Zinn  Theil  vielleicht  von  Beutelthieren   her    . 

H.  V  Meyer:  die  Bayreuther  Petrefakten  -  Sammlungen 
über  Saurier,  Eryon,  Gryphaea,  Aptyrhus,  Iso 
crinus,  Chelocrinus,  Plateosaurus,  Ptero 
dactylus. 

VoLTz:  Cephalopoden,  Aptychus;  Mem.  de  la  Soc 
dabist   nat.  de  Strasburg,  Lief.  6;  neue  Nerineen 

Philippi:  Versteinerungen  aus  Helgoland;  ein  Vorkommen 
von  Schwefelkies   .         .         .         ,         .         .         .         • 

Zeuschner:  Terebrateln,  Lima  proboscidea;  der 
Karpathen-Sandstein  gehört  nach  den  Versteinerungen 
in  die  Oolithen-Reihe     ....... 

De  Vbrneiiil:  geognostische  Rpise  nach  dem  schwarzen 
Meere;  Studium  der  Übergangs  -  Formationen  ;  D'Ob- 
bigny's  Foraminiferen  und  K  rinoideen,  Deshayes' 
Versteinerungen  Belgiens;  Boue's  Reise  in  der  Türkei 

LiMoiTREDX  d.  Ä. :  Unio  antistrophodonta  und  Hip> 
popod iura  bei  Nancy,        .         .     _  . 

Göppbrt:  Kbnifereo  im  ScMesischen  Übergangs-Gebirge 


43 


43 

43—44 


187  —  188 
188 

314—316 

317 

317—318 

318 

318—319 

444 
445. 


-    VI 


Seite 


\ 

Roemer:  Kocn  und  Dijivkgp.'s  neue  Jura- Verstrinerungen 
von  der  Weser ;  Schuster  in  Osterwald ;  Rbttberg 
beobachtet  die  Schichten-Folge  um  Salzgitter  ;  —  Oo- 
lithe  und  Hiisthon  östlich  von  Braunschweig  f  Fort- 
»etzung  seines  Petrefakten-Werkes         ....         445—446 

H.  V.  Meyer:  tertiäre  Knochen  der  Schweitz ,  Microthe- 
riun»  Renggeri,  Rhinoceros  tichorhinus; 
Schildkröten;  D i  n o  t h e  r i  u  m  g i  g a n  t  e  u  m  ;  La» 
goniys  Öningeuüis,  Elephas  primigenius;  — 
Ptcrodactylus  von  Sofenhofen ;  —  Eryon  Hart-  ^ 
ni a  n  n  i ;  A s  t a c u s  I o  n g i  ni a n  u s ;  P r o s o p o n  ;  Sau« 
ri  er- Wirbel  im  NoocomienJ  Portland -Formation  von 
Sulothurn  mit  Ptcrodactylus,  (Vladrimosaurus 
Hugii  und  Säugethieren;  über  das  Maynzer; 
Becken .  .  .  .  557—562 

PuiLippi:    Lingula    und   Rotalia   im  Hiisthon    um  Grü" 

nenplan  .........  562 

V.  Ki.ipSTKiN  und  Kauf:  Gyps-Abgüssc  vom  Dinotherium- 

Schädel  ..........  663 

L.  Agassiz  :  Arbeiten  über  Fische  und  Echinodermen; 
L  a  m  I)  a,  R  h  a  p  h  i  o  d  o  n,  E  n  c  h  o  d  u  s :  (Kömg's)  Icones 
J'osnilium  sectiles ;  Reise  nach  Berlin    .         .         .         .  674 

H.  V.  Meyer:  Knochen  der  Bohnerze  von  Mösskirjch:  Rhi- 
noceros, Mastodon,  Hirsche,  Schweine;  Di- 
notherium,  Harpagodon,  Palaeotherium, 
Schildkröten,  Fische:  —  Saurier  und  Pem- 
phix  im  Muschelkalk  des  Fürstenh erg^ sehen i  fernere 
Knochen  in  der  Molassc ;  Mastodon,  Nager,  Wie- 
derkäuer, Palacotherien,  Rhinoceros,  Schild- 
kröten, Pterodactylus  :  Mi  cro  t  herium,  Eniys, 
Trionyjf,  Menschen,  Nager,  Manatus  ;  Choe- 
ropotamus  Meissneri      .         .         .         .         .         .         674— -677 


III.     Neueste   Literatur. 

A.     Bücher  (1833  —  1837). 

L.  V.  Buch;  BiiCKLANo;  Geologische  Erdkarte;  Goldflss  ; 
Hakse  ;  Kiirr:  Lindley  and  Hutton  ;  Philippi  :  R**=' 
Mineroloyie  ;  Rhino;  Schmidt;  Wackenhoueh  ;  üiiter- 
irtlische   Wunder  und   Schätze         .  .  .  .  .  45  —  46 

GiüLi ;  de  BopiALD;  NoRDEtssKioLD  ;  —  Brignoli  ;  BucklaM»  ; 
Bünel:  M'Cülloch;  Dutal;  v.  Ki,ipstein  und  Kaup  ; 
Link;  Da  Rio;   van  der  Wypk     .         .         .         •         .  189^190 

Besnard;  Carle  de  la  Manche ;  Germar;  Grateloup  ;  Hil- 
dreth;  JoAivMs ;  Thurmamn;  —  Abich;  Abich  j  Bück- 
Land;   Lyell;  Da  Rio;  Wibgmann  sen.  .  •  .  320  — 321 

FoRCHHAiviivrER  ;  —  Allan:  Boubee;  Featherstonhaüch  ; 
Leblanc  et  Walter;  Mammatt;  Marcel  de  Serres; 
Oppkrmann;  .J.  Phillips;  Savi;  Scortegagna  ;  —  Bey- 
RiCH ;  Bertrand;  Boue;  Brande;  Blchi^and  ;  By- 
LANDT  Palstercamp:  Fairholme  ;  GÖFi'KRT  ;  HisiNCKi. ; 
Hogard  ;  Jameson  ;  Kapp;  de  Kljpktejn  et  Kauf;  Lö- 
wic ;  Lo\^ry:  Lyell;  Murchikon  :  J.  Philmps  :  W. 
Phillips;  Studch;  Waltl;  —  Murchison    .         .         .         447—419 


-    VII    - 


Seite 


Lelland;  —  Fantonetti;   Featherstonhaugh;   Hildreth; 

Rogers;  —  Ducatbl;  Bischof;  Eudes  Deslongchamfs ; 

Germar  ;    T.    Humboldt;    Jackson;    Beck;    Mather; 

Emmons  ;     Conrad   und   Lardmer   Vanuxem  ;     Bronn  ; 

Bronn    .         .         »         »         .         .         .         .         .         ,         564—565 
YouNG    and  Bird  ;    —    Schulz  ;   —    Göppert  ;  Mantellian 

Museum;  —  Fromhbbz,  Hartmann,  Rozet  .         .         .        678—679^^ 

B.     Zeitschriften  (1S35  —  1837). 

Bulletin  de  la  Societe  geologique  de  France  ^  Paris  6^ 
(vergl.  1836,  S.  vii), 

1835,  VI,  p.  321—407 190 

1836,  VII,  p.  113—304 190—192 

VII,  p.  305—400 451 

1837,  VIII,  p.   1—192 451—452 

VIII,  p.   193-320 567—568 

Jahrbuch   für  den  Berg  •   und  Hütten  -  Mann    auf  das  Jahr 

1837 192 

The  London  and  Edinburgh  Philosophical  Magazine  and 
Journal  of  Science ,  contain.  the  Proceedings  of  the 
Qeological  Society  of  Londony  Lond.  8^  (vergl.  1836, 
S.  vii) 

1836,  VIII,  nro.  5—7 193—194 

IX,  nro.  1—7 194—195 

X,  nro.   1—5 449—450 

X,  nro.   6 565—566 

1837,  XI,  nro.  1  et  supplem 566 

XI,  nro.  1—2 679—680 

Transaction  of  the  Geological  Society  of  London,  4"  (1836, 

S.  viii), 
1837,  IV,  part.  2       .......  .  321 

Memoires  de.   la  Societe  geologique  de  France,  Paris  4^ 

(1835,   S.   77), 

1835,   II,   1,  2 321—322 

Annales  des  Mines,   Paris  €^  (1835,  S.  74), 

1835,  VIII,  livr.  1  —  3 •         .  322—323 

1836,  IX,   1—3 323 

X,   1—2    .          . 323—324 

X.  3         ...,-.,.          .  463—454 

1837,  XI.  1 454 

Glocker:  Mineralogische  Jahreshefte,  Heft  5  für  1835        .  454 

Engmsh  :  the  Mining  Journal  and  Commercial  Gazette,  vol. 

I—IV,  Nro.  1—84 454 


IV.    Auszüge. 

1.  Mineralogie,  Krystallographie,  Mineral-Chemie. 

Loewe:     Zerleofung  der  strahli^en  Blende  von  Przibram  .         •  47 

V.  KoBELL  :  über  das  Tellur- Wismuth  von  San  Jose  in  Brasilien  47 

F.  Schaffgotsch:    Analyse  eines  Jamesonit^  aus  Estremadura  .  47 

Weiss  :  über  das  Gyps-System       ...         .         *         .         .  48 

V.  Kobell:  über  den  Jamesouit  aus  Brasilien     .-       •        •        •.  48 


-    flu   ^- 


Seite 
48 
197 
197 
197 
197 
197 
325 
325 
325 


Loewe:     Analyse  des  BasaUes  und  der  Lava  vom  Ätna 
V.  Kobell:     Gewicht  des  Nickel-Wismutliglanzes 
BoiJiLLEr:  grosser  Barytspath-Krystall  bei  Clermont   . 
BiupELEv:     Geschiebe  von  Gediegen-Oold  in  Canada         « 
Devaux:  über  die  Naphthine  von  Bfaulieu,  Maine  et  Loire 
Besencenet:     Nachricht  über  dit*  Thermen  bei  Lavey         . 
Malaguti:  über  den  Ozocerit  der  Moldau        .         ,         , 
Ltchnelx.:     Untersuchung  des  Agalmatolithes        • 

„  „  „Specksteines  , 

Swaivberg:    chemische  Zusammensetzung    Amm^tfnt^/ie^r   Pia 

tin-Erze 325 

£HHK^BERG:  mikroskopische  neue  Charalitere  der  Mineralien        ,  325 
Dufrenoy:      Krystall-Form    und    Zusammensetzung   des   Bour 

nonits    .         ^         .          ,          .          .          .          .          .         »          ,  326 

Thomsoiv  :  Zerlegung  des  Rap  h  i  I i  t  o  s  von  Perih  in  Ober-Canada  326 

KüüER^ATSCH:     Untersuchung    des    Zinn  kiese s   von  Cornwall  327 

Berthier:  über  Kaolin  und  Thone           .         .         .         .         ,  '327 
JuKDAN :      Zerlegung    des  ICupfer-Antimon-Arsenik-Fahlerzes   von 

Andreasherg  .         .         •         « 328 

THomsoM      Analyse    des  Eisenspathes   in  Laven  der  Somma  328 

„              Zerlegung  des  Leeliths           .....  329 
Di'frenoy:  gewässertes  Tripelsulphat  von  Eisen,  Thonerde  und 

Kali  aus  der  Solfntara\         .         ♦         .         .         .         .         .  329 

Böse:  fernere  Bemerkungen  über  Rhodizit        ,         «         .         ♦  330 
Jordan:     über    den    Rammeis berg er    muscheligen    und   erdigen 

Ocber 330 

Thomson:  über  den  Rhodalitli  aus  Mandelstein  in  Irland        .  331 

„          über  de«  Dysulit  aus  Kalk  in  Ncw-Jerscy       ♦         .  332 

„          über  Vanadin-saures  Blei  von  Wicklow  in  Irland  332 
PcFBENOv:     Krystnilisation  und  Zusammensetzung  des  N.  Amer. 

Lauuionits       .          .          .          .          .          .          .          .          .          .  332 

Gaul'Ik:     Bildung  küustUchcr  Krystalle  unauflöslicher  Stoffe       ,  455 

Tmo.iisow;     Zerlegung  des  Per  Ist  eines       .          .          .          .          .  450 

,,             Analyse  des   Anfrimoliths   ans   TtJand    .          .          .  456 

Düfkknoy:  der  ApophylHt  von  Pny  de  In  Piquctle^  Auvergne  456 
Riivi!wi;lsbekg:     Zusammensetzung    des  Berthierits  von  Frei- 

btry          ...........  45^ 

Tuohisun:     Zerlegung  des  Davis  onits  aus  Aberdeen        .         .  457 

„             über  den   Huronit  aus  Nordamerika        .         .         .  45S 

„          -  Zerlcg-ung  der  Walkerde  der  OoHth-Formation         .  458 

8* >dbr  :     S  i  I  b  e  r  k  u  p  (v  r  g  1  a  n  z  von  Hudidstndt          .          .         .  458 

DuiHENoy:     Gedrif,   neue   MineraUGatfuiig  der  Pyrenäen           .  458 

Thohisop»:  über  den  Vermiculit  aus    Vermont            ...  459 

„          Analyse  des  Wasserhaltigen  Bneholzit's  van  Island  459 

DiiFRENOv:  ub»'r  den  Diaspor  des  Ural     .....  460 

H.  Scharf:     Analyse  der  Dürrenberger  Soole    ....  461 

A.  Damolr:   Zink-    und   Kupfer-haltiges  Vanadin-sauros  Bieroxyd  461 

Bons:     Analyse  des  Zinkerzes  vom  Puig  de  €'tbrera  bei  ArleS  462 

Thomson:     Analyse  des  Pipestone  in   Xord~Amerika       .         .  462 

„              Zerlp«;nng  des  C  u  m  m  i  n  g  to  n  i  t  s  aus  Masftachttxetts  462 
Brookr  :    kryslaJIojfraphische   Einerleiheit    von   Zeajfonit,    Gis- 

ni  u  n  d  i  n,   A  b  r  a  z  i  t,   Aricit   und  Phillipsit  .          .          .  463 

KoHTHALs:   Diuaiantcn  und  Platin  auf  Borneo        .         .         .  569 

Tuoimson:  Zerlegung  des  Cluthaliths  aus  Kiljtairik        .         .  569 

^  „  M     strahligen  schwefelsaure«  S  t  r  o  n- 

tians  aus  Ober-Canada &69 


~    IX    - 

Seite 
H.  J.  Brooks:   Ideijtität  Ton  Murcliisonit,    Moonstone  und 

Norwegischem  irisiren  den  Feldspat  he      ,         .         .  670 

H.  J.  Brooke  :  Identität  von  A  north  it  und  Biotin  vom   Vesuv  570 

FRirrKEKUAYN  :    Krystalltorni  einiger  Metalle         ....  670 
Taylor    zerlegt    Silber  •  hal  tigcs   Mangan  •  Peroxyd    aus 

Mexiko 571 

Thomson:  über  den  Steilit  vom  Clyde-KAus\    «...  571 

yy             „         ,t     Giottalit  von  Glasgow     ....  671 

„              „         „     Nemalit  von  Uoboken  in  New^Jersey    ,  572 
DoTB :     Polarisirung    positiver}     negativer     und     zweiachsiger 

Krystalle 572 

Dana:  Identität  von  Coiumbit  und  Thomson's  Torrelit  .  572 
Thomson:  Analyse  des  Retinal  its  aus  Sieder-Canada  .  .  573 
„  „  „  Lehuntits  aus  Mandclstein  von  Antrim  573 
BoASE :  Zusammensetzung  der  Cornwaller  Forcellan-Erde  573 
DovE :  Zusammenhang  optischer  und  krystallographischer  Ei- 
genschaften der  ßergkrystalle 574 

Shepard  :    Beschreibung  des  Edwardsits    aus  Gneiss  Connec- 
ticuts      .         , 574 

Piddington:    Analyse    eines    aus  Felsen    in    Indien   schwitzenden 

IMinerals            ..........  681 

Thomson:  Analyse  des  Bytownits 681 

„  „  „     Pech  Steins  von  Arran  und  aus  Sach' 

scn       .         .         .         .         .         .         .         .         .         .         .  682 

Bekthiek:   Analyse  eines  Silbcr-haltis^en   und  kohlensauren  Blei's 

im  Ch'freute  ■  Di'iit. 682 

H.  J.   Brooke  :  neu«'   Hemitrople  von   Quarzkrystallen   .         .         ,  682 

Thaulow  :   Analv.se  des    B  ou  I  a  ii  ge  rit  s  aus   Lap}/land                .  683 
Ch.  U.  Shkpakd:  über  Eremit,  ein  neues  Mineral  aus  CoimeC' 

ticut 683 

Fr.  V,  Kobej.l:  zur  Berechnung  der  Gestalten  des  tcsseraleu  Sy- 
stems        683 

II.  Geoloo^ie  und  Geoonosie. 

Pe'iheuik:  die  Geologie  der  /l//f'w.v-Gruhen  in   Finnmnrk  .         .  51 
DAiBEivif:      Durchschnitt    vulkanischer    Lagen    bei    Neapel    und 

wainie   Quelli-n   in   Cumfjiinia          ......  51 

Merian:  das  Kalkstj'in-Konglüuicrat  des  südl.  Schwur%wuldes    .  53 
Hericart  dh  Thiry:  artesischer  Brunnen  von  seltener  Steigliöhe 

in   Tours 64 

G.  Bischof:     Quellen-Verhältnisse  der  Osfseite  des  Teutuburger 

Waldes 54 

Hunter:      Ausbruch  eines  Torfmoores  in  Antrim,  Irland    .         .  5<> 

Düivioint:   Nctfiz  über  dir   Struktur  der  vulkanischen  Kegel.          .  61 

Deshayes:   die  Ten.ppiatur  der  Tertiär-Zeit            ....  63 

E.  DK  Beaumont:      Temperatur    der  Erdoberflache  in    der  tertiä- 
ren  Zeit   ........... 

E.  DE  Beatimont:      Bezicliungen  der  Dicke  des  ewigen  Eises  zur 

Temperatur,   und    r<niperatur-Zunahnie  nach  der  Tiefe  .          .  64 

EvERE-iT:     Klima,   worin   dif   fossile  Elephanten-Art  j^flebt             .  64 
Höüner:     ll«'ff»lic!it!)vs    In   Kinnelkohle    van  Fife.sfiire y    und  der 

Süsswasseikaik   von   Uurdiehouse 66 

Schmerling:  über  eine   Knoclienböhle  in  Luxemburg  ...  6t 

Sismonda:    Geognosie  der  Narhbar-Thaler   dar  Stura  und    Vinay  68 

Artesische  Brunnen  von  B^rgöl     .......  69 

M.  deSerres:    Flüssigkeit  der  Gebirgsmassen  bei  ihrer  Hebung  70 


63 


-    X    - 

Seite 
Clieniisclic  ZusammRnsetzung  einiger  mit  der  Steinkohlcn*Forroa« 

tioii  bei  Edinhurg  verbundenen  Gebirgsarten          ...  70 

V.  Bkeda:  zu  Zfist  heraufgebrachte  Erdarten  und  deren  Alter    •  71 

Geognostische  Wanderungen  in  Piemont      .         «         .         .         ,  73 

Buckland:  über  Entstehung  der  Höhlen       .         ,         ,         .         .  74 

Bertrand-Ge6lin  :  geologische  Notiz  über  die  Insel  Noirmoutiers  74 

Benoit:    Lagerung  und  Gewinnung  des  Bleierzes  von  Longwilly  75 

Dünn:  kann  die  F^uft  Blei  aufnehmen?         .....  76 

Boussingault:  über  die  warmen  Quellen  der  Kordilleren    .         .  76 

KoRTiiALS :  geogu.  Bemerkungen  \n  Aen  Padang^schen  Hochlanden  77 
£li£    de  Beaumont:      Ausdehnung   des  unteren  Tertiär-Systems 

im  Norden  Frankreichs 77 

Marmont:     Temperatur-Messungen  von  Quellen  des  Orients       ,  80 

Montmollin:     Abhandlung  über  das  Kreide-Gebirge  des  Jura    ♦  80 

Geolog.  Kongross  zu  Clermont  in  Auvergne  im  Herbst  1833       .  198 

Hütton:    Trapp  im  Bergkalk  von  Northumberland  und  Durham  207 

Savi:     Geologie  der  Insel  Elba ,  207 

Grosse  Malachit-Masse  aus  dem  Ural 208 

Hisiwger:  p^eognostische  Karte  von  Schweden     ....  209 

Artesischer  Brunnen  im  Granite  Schuttlands        ....  209 

Graves:     Granitgänge  im  Glimmerschiefer  von   Wicklow   .         .  209 

AIerian:  Zusammenstellung  der  Höhenmessungen  in  und  um  Basel  210 

Gregory,  Walker  und  Connell:     Analysen  der  Coprolithen      .  210 
GiBsoN  :  geologische  Verhältnisse  der  See'n  und  des  Thaies  vom 

Missisippi        ..........  211 

P.  W.  Forchhammbk:  der  Kopaische  See  und  seine  Abzugskanäle  212 

Unter  Lava  begrabene  Stadt  in  Amerika,  bei   Vera  Cruz           .  214 
Ergiebiger   artesischer  Brunnen    zu  Conge-sur-le-Cher ,    Indre^ 

et-Loire           ..........  214 

M'Adam  :     Geologie  der  Gegend  von  Fannet  in  Donegal     .         .  214 

Baddeley:  über  Bewegung  von  Blöcken  in  Meerestiefen    .         .  216 

„           Entdeckung  von  Gold,  in  Lower-Canada  .         .         ,  216 

'Bertrand-Geslin  :  Geologische  Mittheilungen  über  Tgrol  .         .  216 

Caldcleugh  :  das  grosse  Erdbeben  in  Chili   am  20.  Febr.  1835  .  333 

Caldcleugh  :   Ausbruch  des  Coseguina  in  der  Fonseca-Bay,  1835  337 

Lyell  :     Allmähliche  Hebung  des  Landes  in  Schweden        .         .  337 

Keilhau  :     Thatsachen  über  die    neuere  Hebung  Skandinaviens  .  337 

Pipcgel:  Senkung  der 'Westküste  Grönlands         ....  339 

Cautley  :  in  den  Sewalik-Bcrgen  gefundene  Säugethierreste      .  340 

Co^fant:     Paläotherien  u.  Ruminanten  im  Gyps  von  Aix  341 
pKSHAYES  :     die    sg.   C  y  t  h  e  r  e  e  n  -  Schichte   über   dem    Pariser 

Gypse  :  Glauconomya  und  C  y  r  e  n  e  1 1  a         .          .         .  342 

Dbshayes  :     Verschiedenheit   der  Kreide  -    und  Tertiär-Fossllroste  342 

D'Archiac:     Grobkalk  zwischen  Kreide  und  Töpferthon  bei  7W/'//rfo/i  342 

Ch.  D'Orbigny  :  neuerlich  bei  Meudon  entdeckte  Tertiär- Gebilde  344 

Lyell:     Kreide-    und  Tertiär-Schichten    von  Seeland  und  Möen  347 

Beck:     Zur  Geolojjie   Dänemarks,  Kreide  und  Tertiär-Bildungen  348 

A.  CuNNiNGHAivi:     Geognosie  von  New-South-Wales  .         .         .  351 

A.  V.  Humboldt  :  zwei  Versuche  den  Chimhorazo  zu  ersteigen  .  463 

M'Adam:     B^rffsturz  in  Antrim    . ^^5 

Dana:  der   Vesuv  im  Juli  1834 466 

J.  V.  Chabpeistibr:    Schlussfolgen  aus  den  Umwälzungen,  welche 

die  Aussenfläche  des  Schweitnerlandes  verändert  haben        .  467 
Venetz*   Walliser  Gletscher  und  erratische  Blöcke  in  Alpen  und 

Jura,, /      .         •    ^  ^72 

Smith  :     Änderung  in  Höhe  von  Land  und  Meer  in  Schottlattd  .  477 

Woodavard:  die  Crag-Formatiou  in  Norfolk  und  Suffolk     .        .  478 


-     XI     - 

Seite 

R.  Fitch:  dagegen 479 

Charlksworth:    über  Coralline  Crag,    und    mögliche   Missgriffe 

{          bei  Bestimmung  tertiärer  Ablagerungen  nach  den  Konchylien  479 

Derselbe,  zweite  Abhandlung  darüber  ......  480 

PiiCHARDsoN  :  chronülüg.  Ordnung  der  Gesteine  nach  organ.  Resten  482 
Hausmanm  „de  usu  fxfjerievtiurum  metallurgicarum  ad  disqui- 

sitioncs  geulogicas  aäjurandas"      ......  574 

Provana  de  Collegno:  geologische  Thatsachen  in  Oysans  ,         •  594 

B.  Studer  :  „die  Gebirgsmasse  von  Davus"  (Neuchät.  1837 J   ,  595 

Hausmann:  über  Schulz  „Descripcion  geognostica  de  Galicia^*  .  683 
HoDGsoN  Holdsworth:  Geologie  der  Knock  -  Maho»  -  Gruben  in 

Waterford 687 

J.  Ball:  Geologie  der  West-Gegcnden  der  Rocky 'Mountains     ,  688 
Ch.  Jackson  :    Trappgänge   in  Konglomeraten   und  Schiefern  um 

lioston     ,         .         . 689 

H.  Lloyd  :  Erscheinungen  im  Granit  bei  Dublin  ....  689 
P.  M BRIAN:    Gleiche  Wärme   an   der  Oberfläche  und  am  Grunde 

Hiessender  Wasser  .........  690 

Zippe  :  „die  Flötzgebirge  Böhmens  und  ihre  Kohlen-Führung"    .  690 

Keilhau:  über  die  Erdbeben  in  Norwegen 692 

J.  Apjohn  :  Trappgebilde  von  Limerick         .....  694 

Erdbeben  in  Chili,  1835,  am  20.  Febr. 695 

Erdbeben  in  den  Mohtcken,  1835,  am   1.  Novomb.        ,          .          .  697 

A.  Kindler:  Bildung  einig:er  Eisen-Erze       .         .         .         .         .  697 

Lord  :  Veränderung  der  Erdubeifläche  durch  die  Ströme      .          .  699 

Parker  King:  Geologie  der  Magellun^schen  Meerenge         .         .  699 

Erbreich:  das  ßraunkohlengebirge  des   Westcrwaldes         .         .  699 

Noeügerath:  das  Erdbeben   bei  Koblenz^  1834,  am   17.  Dec.       .  705 

Grosse  Masse   Gediegen-Kupfers  vom  Luke  auperior   .         .          .  706 

Erdbeben  auf  dem   Cop,  1835,  am   11.  Nov 707 

„           in   Rom,   1836,  am   10    Jänner 707 

Forster  :  über  die   Insel  Deception        .          .          .          .          .          .  707 

J.  Berzelius:  neue  Bestandtiieile  der  PoHrt- Quelle  in  Gothland  707 

D.  Brem-ster:  merkwürdiges  Stürk  Bernstein  aus  Ava       .         .  708 
R.  J.   iVluRCHisoN  :    Gruss  und   Alluvial  in   Hereford^    Salop  und 

Worcester,  und  über  Piiffstonp  oder  Travertin  .  .  .  708 
A.  Schneider  :    Felsbildungen    und    Eisenstein  -  Bergbau    in    den 

Karputhen  bei  Skole      ........  709 

Leymkric  :  Geologie  zwischen  Troges,  Nogcnt  nn^   Ressov          *  711 

W.  Jung  :    Analyse  der  Mineralquellen  zu  Neuenhnin  in  Hassan  711 

E.  Thirria  :  das  Jura-Kreide-Gebirge  in  Franche-Comte     .         .  712 
BoBLAYE  :    Scekonchylien    lebender  Arten   lajfern   über  dem  Hoch- 
wasser-Stande des  Meeres  in  Schottland       ....  718 

Riviere  dessgleichen  zu  St  MichelenV  H^rm  C^'^f^^^^J       •         •  "^^^ 

W.  J.   Hamilton:   dessgleirben  in    Fif'eshire  .         ....  719 

Grey-Eoi-uton:  dess^ieirlicn  in   Cheshire       .         .          .          .          .  720 
H.  E.  Strickland:   Land-  und  Snsswasser-Konchylien  mit  Land> 

Vierfüssern   im   Diluvial   von    IVorcestershire          .         .          .  721 

J.  Scouler:  Hügel  mit  See  Konchylien  lebender  Arten  bei  Dublin  721 

III.   Petrefaktenkunrle. 

de  Christol  :  Verglcirliung  der  gleichr.eitigcn  Säugethier  Bevöl- 
kerung in  den   zwei  tertiären   Becken  des   Herault-Dept.       ,  83 

Buckland  :      Neuentdecktes  Ptiesen  -  Reptil    über    Cornbrash    bei 

Buckingham   .         .         .         .          .         ...         .         .  90 

RAFiNEstiUE  bietet  125  Arten  fossiler  Pflanzen  aus  X.Amfrika  an  90 


-     XII    - 


Seite 


V.  Klips'1-rin  u.  Kauf:    „in  Rheinhessen  gefundener  Schädel    des 

Dinotlifiii  gigantei"         ........  91 

PüscH :     yyPüli'Hs  Paläonlologie" 95 

ScHiNZ  :  fossile  Säugethier- Knochen  der  Schweitzer  Molasse     .  97 

Lyell  :  fossile  Knochen  aus  Indien       ......  98 

V.  Buch :  über  P a  i  u d i  n  a  lu  u  1  ti  f o  r nii  s  Ziet.  von  Steinheim  •  98 

MouüKOT :     Versteinerungen  im  Muschelkalk  der    Vugesen    .         •  98 
EüDKs    Deslokgchamps  :     Riesen-Picptil    P  0  e  c  i  1  0  p  I  e  u  r  0  n    im 

Kalke  von   Caen     ...,.,.,.  99 
Philippi:  y,ßnumeratio  MuUuscurum  Steif iae   viventium  et  fossi- 

liurn^'  1836,  4*^         •    .     •         ♦         • iOl 

Agassiz:     Jiichinodernien  in  der  Kreide  Neuchätels      ,         .         .  102 

QuENSTEDT*.     Enkiinitcn  des  Muschelkalks  ,         .         ,         ,         ,  103 

£hbenb£kg:  fossile  Infusorien  in  kieseligen  Tertiär-Gesteinen     .  105 

„             weitere  Beobachtungen      .♦,,,,  106 

DujARDiN :     Infusorien  des  Polirschiefers  von  Bilin      .         ,         .  107 

Dk  Bkebisson  :  kielige  Decken  gewisser  Infusorien      ...  107 

Maver:  fossile  Infusorien  in  Polirschiefer  vom  Hahichtswnld      .  108 

Schmerling:     Kunst-Erzeugnisse  in  Lütticher  Knoclienhöhien    .  108 

DüVERNOY  :  fossile  Knochen  am  Bastberg  bei  Buxwiller     .         ,  109 

Nyst  u.  Galeotti:  neues  Arcaceen-Geschlecht :  T  ri  go  n  0  coelia  109 
Chaudrüc  de  Cruzamies  :    antediluvian.  Knochenlager  bei  Pons, 

Char eilte  itif'er.       .         »         .         .         .         ,         .         .         ,  lio 

Link:     Thier-Fahrten  im  Hildhurghäitser  Sandsteine  .         .         ,  110 

Kessler  und  Sickler  :  desgl.,  Heft  I  .         .         .          .         .         .  111 

PtOEMER  :  „Versteinerungen  des  N.-Deutschen  Oolithen-Gebirges", 

Abtheil.  II,  III 112 

Lefebvre  :  autt echte  Baumstämme  im  Grobkalk  von  Bourgy  Dor" 

dogne 117 

GopPERT  :  künstliche  Versteinerungen  von  Pflanzen    und  Thieren  117 

La  Joye  :  tertiäres  Geschlecht  Belemniten-artiger  Fossilien           •  117 

Drei  Mam  mon  t-Skelete  von  Podrese  in  Petersburg         ,         .  118 

Parrot  :  fossile  Knochen  am  BurtneckSce  in  Liefland      .         .  118 

V.  Humboldt  :     Thierfährten  im  Hildburghäuser  Sandsteine         .  122 

Bernstein-Insekten  der  Ostsee       .......  217 

Kauf:     Hippotherien  im  tertiären  Sande  bei  Eppelsheim        .  218 

Goldfuss  :     „Petrelakten  Deutschlands'^^ ,  V.  Lieferung          .         .  221 

Agassiz  :     yyJHonographie  des  Echinodermes**        .         .         .         •  223 

Becks:  Knochen   im  aufgeschwemmten  Boden  des  Münsterlandes  237 
DeshaVes  :       Bestimmung   einer    Sammlung    fossiler    Konchylieii 

'  Podviicns        .        « .239 

GÖppert  :  über  Entstehung  und  Zustand  fossiler  Pfianzon   .         .  241 

Virlet:  über  die  Tlnerfährten  im  Sandstein  von   Hildburghausen  243 

Croizet:  cbendarübcr 244 

,,            Nachtrag  hiezu       .          .          .          .          .          .          .          •  244 

Di;  Blainvili.e  und  Geoffroy  St.  Hilaire  :     Bericht    über  Des- 

hayks'  Betrachtungen  über  Belemnites       .         .         .         .  352 

V.  Sternberg  :     Geweihe  des  Riesengeweih-Hirsches  zu  Prag  .  353 
Leveillk  :  neue  Ammoneen  der  Kreide  und  Oolithe  :  Criocera- 

tites 365 

Lartet:    Vierfüsser-Knochen  der  Süsswasser  Bildung  von  Sansan  356 

^,           Fossile  Vierfüsser-Knochen  im  Ö^rs-Dept.     .         .         .  358 

„          Nachtrag  dazu:  Quadrumanen,  Vögel  u.  s.  w.      .  361 
De  Blainville  \ 

DuMERiL             f    ^ijgj,  dasDinotherium,  seinen  Bau  und  seine  • 

E.  Robert         /systematische  Stellung     /        .             ...  361 

Strauss  I 


-     XIII     - 


Seit« 


Williams:  S  a  ur  i  er -Knochen   der  Magneäiaukalk  •  ßrecci«  bei 

Bristol 363 

RiLEY   und  STüTCHBURy;     Palaeosaurus   und   Thecodonto- 

säur  US  von  da       .         .         .         »         *         *         .         •         .  364 

JoLY  :  neue  Kuochenhöhle  bei  Kabrigas  im  Lo2cr^-Dept.   .         ,  365 
Murton:     Fiscbzäline   in  Kreide    von  Alabama  und  Eintheilung 

der  iV.  Amerikanischen  Kreide       .««.••  367 

Grey  Ecerton:     Bau  des  Nackens  von  Ichthyosaurus  ,  368 

Zenker  ;    fossile  Korallen  :    Lithodendron    und    S  y  r  i  n  g  i- 

t  e  s  n.  ^.         .  . ^         •  •  369 

Qüensstedt:    Leistungen  in  der  Versteinerungs-Kunde  im  J.  1835  370 

Ehkenberg  :  weitere  Nachrichten  über  fossile  Infusorien        .  370 

„  desgl.        .  .  .  .  .  .  •         ♦         •  373 

CoNNELL :  Analyse  von  Fisch-Schuppen  in  Old  reth  von  Pertshire  373 

Falconeb  u.  Caütley:    Sivatherium  giganteum  aus  Indien  482 

Baker  u.  Duranu  :  fossile  Kinnlade  eines  Riesen-Vierhänders      .  489 
Steininger:     Lichas  [Conocardium]    und   Haplocrinite» 

aus  der  Ej/W 490 

Püel  :     Knochen  aus  der  Höhle  von  lirengues     .         .         .         «  490 

De  Blainvillk:  die  Quadrumanen- Reste  von  Sansan    .         .  491 

„  Folgerungen  daraus  über  früheres  Klima  .         •  491 

Ad. Brongniart :  versteinerte  Lykopodiaceen-Stämme  von^Mfun  491 

G.  B.  SowERBY  :  tertiäre  Nematura,  mit  Cyclostoma    verwandt  492 
Charlesworth  :  tertiärer  Atractodon,  mit  Fusus  verwandt 

^,  Verbreitung  von  Carchari  a  s  inegalodon  Ac 

MiLNE  Edwards:   fossile  Krustazeen:  Dromi  li  thes,  Brachyu 

r  i  t «  s  r  u  g  o  s  u  s  u iid  O  g  y  (I  r  o  m  i  t  e  s    . 
JüL.  Deöjardins  :     Scliildkröteu-Kuüchen  a^ui  Mauritius 
Lyell  :     KnorpeUisch-Wirbel  im  Lösse  des  ß///'«/i-Thales     , 
J.  DB  Carle  Sowehby  :    Tropaeum,  ein  fossiles  Cephalopodcn- 

Genus  der  Kreide 4^^ 

Quenstedt:  die  Stylolithen  sind  unorganische  Absonderungen  496 

Bbyrich:     ßA^i/iwc/e«;  Übergangs- Vorsteinerungen;  Goniatitee  497 

Babbage:  Pferdehuf-ähnliche  Eindrücke  in  Saudstein  .  .  601 

HiTCHCocK :  fossile  Fusstapfen  in  Sandstein  und  Grauwacke       .  602 

D'Alton:  tertiäre  Eden  taten- Panzer  der  Banda  oriental  .  603 

Alph.  de  Candolle:  kurze  Geschichte  der  fossilen  PHanzen        .  609 
M.  DE  Serres:  deutet  das  Vorkommen  von  Pflanzen,  welche  un- 

sern    tropischen    analu»:  sind ,    in    den  Steinkohlen    von    Ca- 

nada  und  der  Baffins-Bai  eine  Veränderung   in  der  Schiefe 

der  Ekliptik  an? 612 

Alph.  de  Candolle  :  Erwiderung  hierauf  .  .  .  .  •  613 
Wbtherell:  über  einige  fossile  Thier-Arten  de«  London-Thones  614 
j  Berendt  :  Blatta-Arten  in  Bernstein  der  Ostsee  -.  .  .  617 
R.  Fitch:  Mastodon-Zahn  im  Crag  von  Thorpe  bei  Sorwivh  617 
R.  Bakewell:  P«(I)  yde  r  m  e  n-Reste  im  Craz  Norfolks  .  .  618 
J.  Morris:  E  lep  h  a  n  te  n  -  Zähne  im  Sand  von  Surrey  .  .  619 
S  Woodward:  Mas  to  do  n-Reste  in  Tertiär-Schichten  Sorfolks  619 
Ehrewberg:  Olganische  Formen  gewisser  IMineralien  .  .  620 
Boütiuoi :  naturphilosoph.  Ansichten  von  Entstehung  der  Fos- 
sil Reste            . 621 

Delckos  :  Kiinoideen  zwischen  Lias  und  Oolithen  in  Buryund  ,  621 

El enn- Skelette  bei  Killaloe         .„.,*«..  621 

Fossile  Kanots  in  Lancashire        .......  621 

"Drei  Ma  mm  on  t- Skelette  von  Padresse  nach  Cronstadt  gebracht  621 
Ad.  Buongiviart:  die  Erd-Revolutionen  und  Entwickelung  der  Le. 

brnwesen 621 


493 
494 

494 
494 

495 


XIV    - 


Walfbrdin  :    aufrechte  Baumslaoime  der  Steiivkohlen  von  Treitil 
Düvbrnoy:  Dugoiig-Skelet  in  tertiärem  Kalke  am  Oberrhein 
DuvBaNov :  Notizen    über  fossile  Knochen  in  Elsass  u.  Jura 
J.  DB  CnRisTOL :  Charaktere  fossiler  Rhiuoceros-Arten     . 
Ch.  Stocken  :    theilweise  versteinertes  ifülzstück  aus  Römischer 

Wasserleitung  von  Eilsen  in  Lippe  .... 
H.  V.  Meyer:  fossile  Ochsen,  deren  Arten  und  Vorkommen 
Virlbt:  Quellen  von  Erdpech  in  Griechenland  u.  a.  Gegenden 
Th.  Bell:  fossile  Chelydra  von  Öningen  .... 
Patbuson  :  Fossil-Reste  der  Kohlen-Formation  ISfew^Havens 
VoLTZ :  über  Belemniten.. 
Kitzinger:  ?Rhacheosaurus  aus  Keuper 
Boüillet:  fossile  Süsswasser-Koachylien  der  Auvergne 
J.  MouLTRiB  :  der  Schädel  des  Quadalouper  Mensche  n-Skeletto 
R.  Wagner:    fossile  Katzen-    u.    a.    Knochen    in  Muggendorfer 

Höhlen 

H.  R.  Göppert:  yyde  floribus  in  statu  fossili" 

DüJARDiN :  fossile  Polyparien  der  Kreide 

Fossile  Elephanten- Reste  in  Amerika     .... 

P.  Merian  :  neue  R  h  y  n  c  h  o  1  i  t  h  e  n  -  Art  im  Unteroolith  von  Basel 

„  „  Keuper-Flora  um  Basel 

Retzius  :  fossile  Infusorien  in  Lappland  essbar    . 

Turpin:    mikroskopische    Körper  durchscheinender  Kieselgesteine 

Ehrbnberg:    I  n  f  US  0  ri  en- reiches  Bergmehl   von  Degernä  bei 

Lappland        .         .         ;' 

Ehrenberg:  dessgl.  von  Helsingfors  in  Finnland 

„  Infusorien  des  Poüp-Schiefers  von  Oran  in  Afrika 

G.  Jäger  :  „fossile  Säugethiere  Württembergs,  Heft  I" 


Seite 

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IV.  Verschiedenes. 


Mineralogische  Vcrhandl.  derBnffiÄc/t<fnVersamml.  zu  Bristol,  1836  123 

iVAHiTMWABD:  über  Salz-  und  Süsswasser-Quellen  in  iV.  ilwi^riTr«  125 

Braun  :     Quellen  aus  verschiedenen  Formationen  zu  Bayreuth    .  125 

AerolithenRegen  zu  Kandahar  in  Indien 126 

Verschüttete  Römerstrasse  in  Württemberg  ....  126 
Agassiz    erhielt    die    WoLLASxoN'sche  Medaille ,    Deshayes    Gold, 

für  ihre  Arbeiten     .........  126 

Mineralogische  Vortrage  der  deutschen  Naturforscher  in  Jena,  1836  244 
Obbrlin    und  Büchner  :    chemische  Gescliichtc    des    Toi-fcx    und 

Analyse  seiner  Asche      ........  375 

R*WG :  lebendes  Krinoideen-Genus  Holopus  von  Martinique     .  376 

Bohrbrunnen  zu  Brack  bei  Erlangen 376 

Laurie:  verschiedene  Chronologie  der  Sündflirth            .         .         .  376 

Stvder's  Mineralien  Sammlungen  zu  kaufen  und  tauschen           •  377 

BioT  :  über  ein  von  den  Chinesen  gegessenes  „Steinmehl^* .         ',  740 

Feuer-Meteore  von   1834 740 

EuDBS  Deslongchamps:  mineralogische  Verhandlungen  der  f.ixNK'- 

schep  Gesellschaft  der  Surmandie  im  Jahre  1835—1836       .  741 


über 

die  bisherigen  Resultate  der  geö-^ 

giiostischen  Untersuchungen 

bei  Molmstein^ 

von 

Jttrn.  Dr.  Bernhard  Cotta* 


(£ia  am  1^5.  Sept.  1836  bei  der  Versammlung  in  iena  gehaltener  Vortrag.) 


Es  sey  mir  erlaubt  hier  Einiges  über  die  Resultate  dejp 
geognostischeii  Untersuchungen  bei  Hohnstein  mitzutheilen^ 
welche  im  Laufe  dieses  Sommers  auf  Kosten  mehrerer  Freunde 
und  Beförderer  der  Geognosie  ausgeführt  worden  sind. 

Sie  werden  theils  durch  den  Vortrag  des  Herrn  Ober- 
bergrathes  Nöggerath  bei  der  vorjährigen  Zusammenkunft 
in  Bonn,  theils  durch  die  gedruckten  Mittheilungen  in  Vö 
Leonhards  und  Bronns  Jahrbuch  für  Mineralogie  die  Ent- 
stehung sowie  den  Zweck  jener  Untersuchungen  bereits 
kennen,  und  ich  brauche  desshalb  kaum  zu  wiederholen, 
dass  dieselben  unter  der  besonderen  Protektion  der  Herren 
Alexander  v.  Humboldt,  Weiss,  v.  Leonhard,  Rose,  Nau- 
mann und  Nöggerath  vorgeschlagen  und  ausgeführt  worden 
sind ,  und  zwar  in  der  Absicht j  um  die  merkwür- 
dige Grenze  der  Sächsischen  Kreide-Formation 
gegen  den  ZaM^/feer  -  G p a n i t  der  Beobachtung 
Jahrgang  1837.  1 


—     2     — 

zugänglicher  eu  machen  und  hierdurch  eine  endliche 
Entscheidung  über  die  Altersverhältnisse  dieser  aneinander- 
grenzenden  Gesteine  wo  möglich  herbeizuführen,  oder  wenig- 
stens vorzubereiten. 

Ehe  ich  zu  den  Resultaten  dieser  Untersuchungs- Arbeiten 
selbst  übergehe,  scheint  es  jedoch  gut,  Ihnen  jene  Kette 
von  Phänomenen,  welche  mit  Recht  die  Aufmerksamkeit  so 
vieler  Geologen  auf  sich  gezogen  hat,  noch  einmal  im  Zu- 
sammhange  ,  wenn  auch  nur  ganz  flüchtig  skizzirt,  vor  Au« 
gen  zu  führen. 

Zwischen  Meissen  und  Zittau  in  Sachsen  und  durch  ei- 
nen Theil  von  Böhmen  hindurch  werden  überall  die  Ge- 
steine der  Kreide  -  Formation  (Quadersandstein  und  Pläner) 
durch  krystallinische  Gebirgsarten  (Granit  und  Syenit)  scharf 
abgeschnitten,  und  bei  genauerer  Untersuchung  dieser  langen 
aus  W.N.W,  nach  O.S.O.  gerichteten,  also  dem  Laufe  ^QvElbe 
und  dem  Systeme  des  Riesengebirges  ziemlich  parallelen  Grenz- 
linie ergibt  sich,  dass  der  Granit  an  vielen  Orten  schräg 
über  der  Kreide,  an  anderen  wenigstens  senkrecht  ne- 
ben ihr  liegt.  Dazu  kommt  noch  der  besondere  und  ge- 
M'iss  höchst  merkwürdige  Umstand,  dass  zwischen  beiden, 
also  über  der  Kreide  und  unter  dem  Granit  an  mehre- 
ren Stellen  aufgerichtete  kalkige  Zwischenschichten  mit  Ver- 
steinerungen der  Jura  -  Formation  beobachtet  werden ,  der 
Jura-Formation,  die  doch  sonst  in  der  ganzen  Welt  nur  u  n- 
ter  der  Kreide  gefunden  worden  ist. 

Das  ganze  Phänomen  bietet  demnach  eine  totale  Um- 
kehrung der  gewohnten  Lagerungsverhältnisse  dar.  Granit 
oben,  Jurakalk  darunter  und  zuunterst  Kreide! 

Den  Granit  sieht  man  über  dem  Pläner  (dem  obersten 
Glied  der  Sächsischen  Kreide-Formation)  in  dem  Hohlwege 
bei  OberaUy  den  Syenit  eben  so  regelmässig  aufgela- 
gert in  dem  durch  Weiss  berühmt  gewordenen  Kalkbrnche 
bei  WeinbÖhla.  —  Die  Schichten  des  Pläners  sind  senk- 
recht am  Granit  aufgerichtet  bei  Nieder  -  IVartha  am  lin- 
ken j^/^-Ufer,  und  eben  so  am  Syenit  neben  dem  sogenanntes 


_     3     — 

Letzten  Heller  bei  Dresden,  —  Die  Pläner-Einschlüsse  !m 
Granit  bei  Zscheüa  übergehe  ich  als  nicht  mehr  hierher  ge- 
hörig, seitdem  man  erkannte,  dass  es  keine  Bruchstücke  sind. 

Der  Granit  ruht  ferner  theils  neben,  theils  ^uf  dem 
öuadersandstein  von  Dütersbach  bei  Hohnstein  ^  wo  er  dio 
Sandsteinschichten  aufrichtete,  bis  nach  Zittau,  Man  er- 
kennt es  ganz  im  Grossen  überall,  wo  die  Grenze  beider 
von  einem  tiefen  Thale  durchschnitten  ist;  denn  sie  lauft 
dann  theils  in  gerader  Linie  hindurch,  theils  macht  sie  so- 
gar einen  grossen  Bogen  in  das  Granit-Gebiet  hinein,  je  nach- 
dem nur  Nebeneinanderlagerung  oder  wirkliche  Überlage- 
rung Statt  findet.  Im  Kleinen  —  aber  um  so  bestimmter  — ^ 
erkannte  man  dasselbe  Verhältniss  in  den  Kalkeruben  bei 
Hohnstein^  Saupsdorf  und  Hinter hermsdorf  und  in  den  zahl- 
reichen jetzt  verfallenen  Schurflöchern ,  die  man ,  um  Kalk- 
stein zu«ifinden,  auf  dieser  Grenze  gegraben  hat.  Am  un- 
zweifelhaftesten und  am  grossartigsten  wurde  aber  diese 
Überlagerung  erst  durch  die  ELitblösungsarbeiten  dieses 
Sommers  nachgewiesen  und  Jedermann'  leicht  zugänglich 
vor  Augen  gelegt.  Bis  zu  einer  Tiefe  von  mehr  als  500 
Fuss  unter  die  gewöhnliche  Gebirgsoberfläche  wurde  da- 
durch die  Überlagerung  unter  einem  Winkel  von  30^^  gleich- 
massig  fortsetzend  gefunden. 

Die  beiden  speciellen  Haujitzwecke,  welche  durch  diesd  / 
Entblösungsarbeiten  erreicht  werden  sollten,  waren: 

1)  Die  Ermittelung,  in  welchem  Maase  die  Überlagerung 
des  Granites  Statt  finde,  um  zu  entscheiden,  ob  es  die  Folge 
einer  Unterwaschung  und  Unterlagerung  vorher  senkrech* 
ter  FeJsen  seyn  könne  oder  nicht,  und 

2)  Die  Trennung  der  Hohnsteiner  Schichten  mit  Jura- 
Versteinerungen  van  dem  benachbarten  Quadersandstein,  um 
zu  ermitteln,  ob  di^se  Schichten  auch  in  ihrem  physikali- 
schen Verhalten  sich  als  aus  der  Tiefe  emporgehoben  erge- 
ben, wie  man  es  aus  ihrem  petrefaktologischen  Charakter 
unbedingt  schliessen  muss. 

Um   ftun   die  Grösse   der  Überlagerung  recht  sorgfältig 

1* 


-     4     - 

aa  ermitteln,  wurden  am  Wartenherye ,  der  hier  das  rechte 
Gehänge  des  600  Fuss  tiefen  JPö^ews-Thales  bildet,  in  ver- 
schiedenen Tiefen  (neben  der  Strasse  von  Lohmen  nach  Hohn.'- 
stein)  zwei  steinbruchartige  Entblösungen  hergestellt;  denn 
obwohl  die  Aufvvärtsbeugung  der  Grenze  in  diesem  Thale, 
«a^h  Naumanns  vorläufiger  Berechnung,  an  sich  schon  einen 
Überhang  von  circa  1000  Fuss  mit  grösster  Wahrscheinlich* 
lieit  schliessen  lässt,  so  könnten  Zweifler  doch  noch  einwen- 
den 5  es  sey  dieser  Bogen  nicht  durch  die  schräge  Lage, 
sondern  durch  wirkliche  Beugung  einer  senkrechten  Grenz- 
fläche hervorgebracht.  Wie  wenig  wahrscheinlich  nun  auch 
diese  Aufstellung  gewesen  wäre,  da  eine  ähnliche  Beugung 
der  Grenzlinie  sich  noch  in  mehreren  Thälern  beobachten 
lässt,  so  hätte  sie  doch  von  einem  Unparteiischen  nicht  ohne 
Prüfung  von  der  Hand  gewiesen  werden  dürfen.  Der  Win- 
kel der  Grenzfläche  in  den  verschiedenen  Thaltieföii  musste 
leicht  über  die  Statthaftigkeit  dieses  Einwandes  entschei- 
den, und  hat  entschieden.     Doch  zur  Sache: 

Die^  obei'e  zu  dem  Ende  am  Wartenberge  gemachte  Ent* 
blösung;  welche  wir  mit  Nro.  I  bezeichnen  vi^ollen,  liegt 
ungefähr  400  Fuss  tief  im  Thale,  also  eben  so  tief  unter 
dem  gewöhnlichen  Niveau  der  Gegend.  Hier  wurde  die 
Grenze  ungemein  deutlich  aufgeschlossen,  sie  fällt  unter  ei- 
nem Winkel  von  25  bis  30°  gegen  N.O. 

Im  zweiten  Schürf,  etwa  noch  hundert  Fuss  tiefer  im 
Thale,  also  circa  500  Fuss  unter  der  Oberfläche  (mit  Nro. 
II  bezeichnet),  ist  die  Grenze  bis  jetzt  noch  weniger  be- 
stimmt zu  beobachten,  da  der  Granit  nicht  als  fester  Felsen  an- 
steht ;  doch  ersieht  man  bereits  mit  Bestimmtheit,  dass  sie  auch 
hier  höchstens  30°  gegen  N.  geneigt  seyn  kann. 

Nimmt  man  daher  den  Winkel  von  30°  als  den  Fall- 
winkel der  Grenze  für  die  ganze  Tiefe  des  Thaies  von  600 
Fuss  an,  und  berechnet  daraus  die  Grösse  des  Überhanges, 
so  erhält  man  als  runde  Summe 

1040  Fuss, 
ein  mit  der  Ber-ecbnung  aus  der  Grösse  des  Horlzontalbogens 


—     5     — 

ganz  übereinstimmendes  Resultat.  £s  ist  somit  als  sicher 
begründet  anzunehmen,  dass  der  Granit  bei  Hohnstein  gegen 
1000  Fuss  über  den  Quadersandstein  übergreift.  Denkt 
man  sich  hier  den  Sandstein  hinweg,  so  bleibt  ein  600  Fuss 
hoher,  unter  30^  überhängender  Granitfelsen  zurück,  unter 
dessen  gefährlichen  Schutz  man  allenfalls  die  ganze  Stadt 
Holinstein  hätte  bauen  können.  Wo  findet  sich  in  der  Na- 
tur etwas  Ähnliches?  Ein  solches  Phänomen  bliebe  un- 
wahrscheinlich, wenn  man  auch  annehmen  wollte,  dass  der 
jetzt  gänzlich  zerklüftete  und  verwitterte  Granit  zu  jener 
^eit  völlig  frisch,  fest  und  unzerklüftet  gewesen  sey. 

Um  zu  erfahren,  o-b  auch  unter  der  Thalsohle  der 
Überhang  noch  fortsetze,  liess  ich  etwa  110  Fuss  von  der 
Sandsteingrenze  entfernt  im  Granit  ein  Bohrloch  schlagen. 
Aber  leider.erreichten  wir  bei  72  Fuss  Tiefe,  wie  es  scheint, 
die  Grenze  noch  nicht,  das  mitgenommene  Gestänge  war  zu 
Ende,  und  die  Kosten  des  Tieferbohrens  würden  sich  durch 
die  Nothwendigkeit  grösserer  Vorrichtungen  über  die  vor- 
handenen Geldmittel  erhoben  haben:  ich  liess  desshalb  das 
Loch  verspunden  und  eine  Platte  mit  der  Inschrift  „Nro. 
III  Bohrloch^^  darauf  legen.  Es  kann  zu  jeder  Zeit  wieder 
geöffnet  und  fortgesetzt  werden.  Bei  50  Fuss  Tiefe  hatte 
der  Granit  eine  veränderte  Beschaffenheit  angenommen,  das 
ausgelöffelte  Bohrmehl  bestand  fast  bloss  aus  Quarz  und 
blauem  Thon,  die  Arbeit  ging  weit  leichter  und  schneller 
von  Statten  und  wir  glaubten  schon  sicher  die  Grenze  er- 
reicht zu  haben.  Allmählich  aber  fanden  sich  wieder  Glim- 
mertheile,  ein  und  zuletzt  hatte  das  Mehl  eine  ähnliche  Be- 
schaffenheit, wie  Anfangs  im  entschiedenen  Granit.  Ganz 
bestimmt  kann  ich  desshalb  nicht  sagen,  dass  das  Loch  noch 
im  Granit  steht,  aber  eben  so  wenig  lässt  sich  das  Gegen» 
theil  beweisen,  da  die  rothe  leicht  kenntliche  Thonlage  der 
Grenze  nicht  bemerkt  worden  ist. 

Aus  diesem  Bohrloche  resultirt  also  im  Grunde  nichts 
weiter,  als  dass  die  Grenzfläche  unter  der  Thal- 
sohle  wahrscheinlich   etwas   steiler   einfällt,  als 


—      6     — 

darüber.  Ein  endliches  Steilerwerden  der  Grenze  in  der 
Tiefe  muss  man  aber  ohnehin  und  bei  allen  Voraussetzun- 
ge|i  erwarten.  Hätte  die  Ortlichkeit  es  irgend  erlaubt,  so 
würde  ich  desshalb  das  Bohrloch  näher  an  der  Grenze  an- 
gesetzt haben.  Sicherer  und  anschaulicher  für  Jedermann, 
bleiben  immer  die  Entblösungen  über  Tage,  sie  sollen  dess- 
halb erweitert  und  fortgesetzt  werden,  so  lange  es  die  Geld- 
mittel erlauben,  über  deren  Verwendung  ich  den  Herrn 
Protektoren  genaue  Rechnung  abzulegen  habe,  während 
hier  nur  das  Allgeraeinste  davon  mitgetheilt  wei'den  kann: 
unterzeichnet  sind  bis  jetzt  326  Rthlr. 

eingezahlt •     189     >, 

ausgegeben  .  .  .  .  .  181  >, 
Bei  dieser  Gelegenheit  fühle  ich  mich  verpflichtet  die 
Bereitwilligkeit  zu  erwähnen,  mit  welcher  di^  Sächsische 
Regierung  auf  Veranlassung  des  Oberbergamtes  diese  Un- 
tersuchungsarbeiten unterstützte.  Der  fiskalische  Waldbo- 
den wurde  unentgeltlich  dazu  preisgegeben  und  der  Bohrer 
ohne  den  üblichen  ßohrzins  dazu  geliehen. 

Der  zweite  Hauptzweck,  nämlich  die  scharfe  Trennung  der 
Jura-Schichten  von  Quadersandstein  zu  ermitteln,  ist  bis  jetzt 
noch  nicht  in  dem  gewünschten  Grade  erreicht.  Der  Wunsch 
vom  Hohnsteiner  Kalkbruch  aus  durch  die  sogenannte  Sand- 
wand hindurch  einen  tiefen  Graben  bis  in  den  entschiede- 
nen Quadersandstein  treiben  zu  lassen,  musste  unerfüllt  blei- 
ben, da  der  betreffende  Grundbesitzer,  Herr  Hedenus,  aus 
besonderen  Gründen  es  nicht  gestattete. 

Die  Erweiterung  der  Schürfe  am  Wartenberge  lässt  nun 
aber  hoffen  —  da  auch  hier  die  Jura -Zwischenschichten 
aufgefunden  wurden  —  denselben  Zweck  zu  erreichen,  und 
hierauf  dürften  demnach ,  wie  erwähnt,  die  noch  vorhande- 
nen und  noch  zu  erwartenden  Geldmittel  hauptsächlich  zu 
verwenden  seyn. 

In  der  schwer  zugänglichen  und  durch  den  jetzigen 
Besitzer  für  Geognosten  sogar  gänzlich  verschlossenen  ffohn* 
Steiner  Kalkgrube    folgen   die   unter   30   bis    45  Grad  gegen 


~     7     - 

N.O.   fallenden  Schichten    von    oben    nach    unten    ui   dieser 
Ordnung  aufeinander: 
Granit, 

l"!  rother  und  weisser  Thon  (>,rothe  Lage*)  .  »  30'— 60' 
„schwarze  Lage^^  (blauschwarzer  Thon  und  Mergel)  2' — 20' 
Mergel  mit  Kalkknollen 2' -25' 

«I  Kalkstein 2'— 30' 

„Sandwand^*  (Konglomerat  mit  Kalkknollen)    .     •     ♦     ♦     • 

s  \ 

Quadersandstein. 

Analog  hiermit  zeigte  sich  die  Lagerung  auch  am  War- 
tenherge  {\  Meile  vor  Hohnstein\  nur  sind  da  alle  einzelnen 
Lagen  weniger  mächtig,  und  einige  (die  drei  mittlen)  feh- 
len ganz;  auch  zeigen  die  vorhandenen  bedeutende  Spuren 
von  Verrückungen,  Verdrückungen  und  Durcheinanderschie- 
bungen, so  dass  nur  im  Allgemeinen  dieselbe  Anordnung 
Statt  findet,  nämlich: 

Im  Schürf  Nro.  L 
Granit, 

blauer  Thon lj-*2', 

rother  Thon  mit  Sandsteinbrocken     .     ♦     ,     ,     1'— 3', 
Konglomerat,  dem  der  Sandwand  entsprechend,  mit  Am- 
monites    polygyratus  und  A.  Goverianus,   mit  Kalk- 
knollen und  grossen  Granitgeschieben,      •     ♦     « 
feinkörniger  Sandstein  isiit  vielen  Reibungsflächea. 

Im  Schürf  Nro.  II, 
Granit, 
blauer  Thon  •.,,.»♦,.•♦.♦  1', 

rother  Thon \ — 1', 

gelber  Sandstein, 

Konglomerat,  wie  in  Nro.  I ,  doch  mit  ausserordentlich 
vielen  Thoneisenstein-Geschieben.     Auch  jene  Ammo- 
niten  enthaltend. 
Sandstein  und  Konglomerat, 
Sandstein^ 


—     8     — 

Der  Granit  ist  überall  sehr  bestimmt  aufgelagert,  die 
anderen  Gesteine  liegen  stellenweise  etwas  verworren  durch- 
einander. Alles  diess  kann  erst  durch  die  (in  Jena  vorge- 
legten) Zeichnungen  recht  deutlich  werden,  welche  dem 
später  an  die  Subscribenten  zu  vertheileiiden  Hauptberichte 
zum  Theil  beizufügen  sind* 

Schluss. 

Dass    die  Ä^Äw^^e^wer-p- Zwischenschichten   wirklich   der 
Jura  -  Formation   angehören,    wie  zuerst  von  Graf  Münster 
und  Leopold  v.  Buch  nachgewiesen  worden  ist,  kann  nicht 
füglich  bezweifelt  werden.     In  meinen  geognostischen  Wan- 
derungen S.  141    u.  ff.    habe  ich   neuerlich  gegen  40  fossile 
jSpecies    in    diesen  Schichten  nachgewiesen,   von  denen  nur 
2    bis   3   zugleich   im  Jurakalk   und   in  der  Kreide  bekannt 
sind,   während    hingegen  12  sehr  sicher  bestimmte  mit  den 
übrigen  ausschliesslich  der  Jura  -  Formation  angehören.     Da 
nun   diese  Schichten  gleichwohl  deutlich  über  dem  öuader- 
sandstein  lieg'en,    so   ist  es  auch  nicht  zu  bezweifeln,    dass 
diese  Lagerung  eine  sekundäre  ist;  d.  h.  dass  diese  Schich- 
ten   früher  darunter  gelegen  und  durch  irgend  eine  gewalt- 
same   Veranlassung    darüber   gekommen    sind.       Denn    kein 
Besonnerer   wird   eines  einzelnen  Falles  wegen  —  bei  dem 
ohnediess   aufgerichtete  Schichtenstellung  und   viele   andere 
Erscheinungen   auf  gewaltsame   Bewegungen    hindeuten   — 
die   wohlgeordneten    und    durch    tausendfältige  Erfahrungen 
bewährten   Grundsätze   der    neueren   Geognosie    umstürzen 
und  glauben  wollen,  so  vielerlei  Thiere,  die  so  entschieden 
der   Jurasohöpfung   angehören,    hätten    an    einer   einzelnen 
Stelle    noch   während   oder  nach   der   Bildung   der   oberen 
Kreide  gelebt,  in  der  sie  übrigens  völlig  fremd  sind.   Die  un- 
gewöhnliche Auflagerung   des  Granites   deutet  zugleich  dar- 
auf hin,  dass  er  der  Störer  der  Ordnung  gewesen  sey;  da 
sich  aber  von  diesem  Granit  Geschiebe  und  Bruchstücke  in 
jenen  Juraschichten    finden,    und  da  ferner  viele  Beziehun- 
gen desselben   zum  Qi^adersandstein    nicht   wohl    gestatten, 


—     9     — 

ihn  für  später  entstanden  (später  festgeworden)  zu  halten, 
so  erscheint  allerdings  die  erste  von  Weiss  gegebene  Er- 
klärung, wonach  der  Granit  und  Syenit  des  rechten  JB/Ä- 
üfers  als  feste  fertige  Gesteinmassen  emporgehoben  und  hie 
und  da  zugleich  mit  einigen  anhängenden  Juratheilen  über 
den  Quadersandstein  und  Pläner  hin  weggeschoben  sind,  für 
den  Augenblick  noch  als  die  annehmbarste;  obwohl  auch 
ihr  noch  manches  Phänomen  entgegenzustellen  ist,  und  ob- 
wohl Herr  Professor  Weiss  selbst  diese  Ansicht  wieder 
aufgegeben  gehabt  zu  haben  scheint,  da  er  die  Pläner- 
Einschlüsse  im  Granit  bei  Zscheila  mit  uns  für  eingebackene 
Bruchstücke  hielt  und  in  Stuttgart  als  solche  vertheidigte, 
folglich  einen  zu  jener  Zeit  weichen  Zustand  des  Granites 
annahm. 

Möge  nun  die  endliche  Erklärung  ausfallen,  wie  sie 
wolle,  das  Phänomen  bleibt  jedenfalls  eines  der  grossartig- 
sten in  Europa* 


ik 


mmam 


Der    Berg  Büdöshegy^ 


von 


Herrn  Johann  Grimm 
za  Nagyag. 


Ein  Schreiben  an  den  Geb.Hafb  t.  LEorrBABi>. 


Scholl  vor  sehr  langer  Zeit  war  es  meine  Absicht,   Ih- 
nen Mehreres   über  die  geognostischen  Verhältnisse  Sieheit' 
hürgens    zur   Aufnahme    in   Ihr   Jahrbuch   der   Mineralogie 
und  Geognosie   mitzutheilen.     I>urch  Ihre    gefällige  Auffor- 
derung hiezu   von  Neuem  angespornt,   will  ich  nicht  länger 
weilen,   meinen   schon  lange  gehegten  Wunsch  zu  erfüllen, 
und  mehrere  Beobachtungen  aus  diesem  äusserst  interessan- 
ten   und     doch     noch    so    wenig    bekannten,     zum     Theil 
auch   ganz    verkannten,    Lande    zu   veröffentlichen.   —   Ich 
muss  gestehen,  ich  hätte  der  Gegenstände,  die  ich  mitthei« 
len   könnte,   in   sehr  grosser  Fülle   und  Menge,    besonders 
w^as    diejenigen  Verhältnisse    betrifft,    unter    welchen    das 
Vorkommen   der   Metalle   namentlich   des    Gediegen  -  Goldes 
und  der  Gold- und  Silber-führenden  Tellurerze  erscheint;  und 
ich   erkläre   mich   bereit,   Ihnen   hierüber  manches  Interes- 
sante  nach   und  nach  bekannt  zu  geben.     Den  Anfang  mei- 
ner Mittheilungen   will   ich  jedoch  nicht  mit  diesem  Gegen- 
stand,  sondern    mit  einer  Beschreibung  des  bekannten  Ber- 
ges BüdÖshegy  machen,  den  ich  vor  Kurzem  wieder  besuchte, 


—    11    — 

über  dessen  '  eigentliche  Beschaffenheit  manche  Irrthümer 
unter  dem  geognostischen  Publikum  verbreitet  sind,  die  ei- 
ner Aufklärung  bedürfen. 

Nach  der  Beschreibung,  die  der  sehr  verdienstvolle 
FicHTEL  in  seinem  Werke,  Beitrag  zur  Mineralgeschichte 
von  Siebenbürgen,  im  Anhange  des  ersten  Theils  von  Seite  121 
bis  133i  von  diesem  Berge  lieferte,  und  nach  den  Andeutun- 
gen des  Herrn  Boue,  die  aus  dessen  Werken  in  mehrere 
andei*e  und  letzthin  auch  in  das  Lehrbuch  der  Geologie  von 
Lyell  (deutsche  Übersetzung),  3.  Band,  1,  Abtheilung, 
Seite  163  aufgenommen  vi^orden  sind ,  muss  man  glauben, 
dass  in  dem  Trachyte  des  Büdöshegy  mehrere  Spalten  sich 
befinden,  die  heisse  schw^eflige  Dämpfe  ausdünsten 
und  Erscheinungen  darbieten,  die  mit  der  Solfatara  bei 
Neapel  und  mit  anderen  in  der  Nähe  thätiger  Vulkane  mehr 
oder  weniger  verglichen  werden  können.  — 

Ich  besuchte  diesen  Berg  vor  drei  Jahren  von  JBühzat^ 
und  jetzt  am  7,  August  zum  zweitenmal  von  AI  Torja  aus, 
diessmal  derselben  Tour  folgend,  wie  sie  Fichtel  machte, 
auf  dessen  Beschreibung  ich  ganz  hindeuten  kann,  die  mit 
Ausnahme  der  ultra-vulkanischen  Sprache  ziemlich  getreu  ist, 
und  nur  solche  Correktionen  nöthig  hat,  die  der  jetzige 
Stand  des  geognostischen  Wissens  erfordert.  —  Nach  mei- 
nen Beobachtungen  finde  ich,  dass  weder  Fichtel  noch  Bouk 
die  Eigenschaften  des  Gases  dieser  Art  Solfatara  genügend 
und  richtig  erklärten,  welches  Naturphänomen  wegen  seiner 
Eigenthümlichkeit  und  chemischen  Verbindung  den  Physikern 
und  Chemikern   vielleicht  noch  ganz  unbekannt  seyn  dürfte. 

Ehe  ich  zur  Beschreibung  der  eigentlichen  Solfatara 
übergehe,  will  ich  in  Kürze  die  Umgebungen  des  Berges 
Büdöshegy  berühren.  Derselbe  gehört  seiner  innern  Zu- 
sammensetzung und  seiner  Lage  nach  zu  dem  Trachyt-  und 
Porphyr  -  Gebirgszuge ,  der  von  der  Buliowinder  Grenze 
an  sich  fast  gerade  nach  Süden  hinabzieht,  gegen  Osten 
von  der  Maros  und  der  Alt  begrenzt  wird,  gegen  We- 
sten   sich    mehr     in    sanftere    Berge    und    Hügel    verliert 


-     12     - 

und  so  ein  Mittelgebirge  zwischen  den  östlichen  Grenzge- 
birgen und  dem  niedrigen  Hügellande  Siebenbürgens  zusam« 
mensetzt*  Der  BüdÖshegy  gehört  zu  den  letzten  Gliedern 
dieser  aneinandergereihten  Trachytberge,  An  seinem  Fusse 
und  an  dem  Gebirgssattel,  der  ihn  mit  den  südlicheren  Sand- 
steinbergen verbindet^  zieht  sich  schon  die  Scheidung  des 
Karpathen-Sandsteins  herum,  von  welchem  Gebilde  man  in 
dem  ganzen  Torjaer  Bache  bis  an  Büdvs  hinan  graue  und 
bläuliche  Specien  anstehend  findet,  bis  erst  am  unmittelba- 
ren Fusse  des  Berges  trachytische  Diluvien  die  Nähe  der 
Trachyt-Berge  verkündigen. 

Von  Buhzat  aus  zeigt  der  Weg  in  dem  starkbewachse- 
nen  Thale  des  Somborpatak  grösstentheils  zerstreut  umher- 
liegende Trachyt-Knauern,  die  bis  am  Fusse  des  Büdös  fort- 
dauern, wo  man  neuerdings  am  westlichen  Gehänge  Karpa- 
then  -  Sandstein  antrifft,  dessen  Grenze  daher  4i'cht  an  der 
steilen  Lehne  des  Berges  vorbeigeht,  welche  die  Schwefel- 
erzeugenden Höhlen  einschliesst.  Die  besagten  Trachyt- 
Knauern  und  einzelne  anstehende  Felsen  bestehen  aus  einer 
dunkelschmutzigrothen  oder  braun-  und  grau-rothen  Trachyt- 
Art  mit  vielem  weissem  Feldspath  und  einzeln  zerstreuten 
Glimmer  -  Blättchen.  Die  grösseren  Blöcke  und  die  Felsen 
sind  in  dünne  Platten  zerspalten.  — 

An  dem  Karpathen-Sandsteine  in  der  Nähe  der  Trachyte 
konnte  ich  weder  eine  Veränderung  oder  Umwandlung  sei- 
ner inneren  Masse,  noch  eine  bemerkenswerthe  Störung  sei- 
ner Lagerungsverhältnisse  wahrnehmen,  sie  müsste  nur  an 
der  nächsten  Berührungslinie,  mit  dem  Trachyte  seyn,  die 
ich  nicht  sehen  konnte.  Die  Art,  wie  beide  Gebilde  zu  ein- 
ander gestellt  sind,  ist  mir  daher  auch  unbekannt.  In  dem 
Torjaer  Bache  war  das  Streichen  des  Sandsteins  nach  Süd- 
west mit  nördlichem  Verflächungswinkel.  Die  Möglichkeit 
einer  Veränderung  und  Störung  der  innern  und  äussern 
Verhältnisse  des  Sandsteins  in  den  nächsten  Berührungs- 
punkten will  ich  jedoch  weder  bejahen  noch  verneinen.  Mir 
sind   viele   Scheidepunkte    dieser   Gesteine  in    Siebenbürgen 


-     13     - 

bekannt,  und  nur  bei  den  wenigsten  ist  der  Einfluss  des 
Trachytes  auf  seine  nachbarliche  Gesteinsmasse  bemerkbar. 
Über  die  fragliche  Scheidung  will  ich  mich  jedoch  nicht  be- 
stimmt erklären ,  obschon  ich  nicht  fern  von  der  Sotfatara 
neben  den  Trachytfelsen  eine  Partie  Sandstein-Schiefer  und 
Thon  fand,  an  denen  keine  Spur  einer  Einwirkung  zu  se* 
hen  war.  — 

Angelangt  an  dem  Fusse  des  Berges  sowohl  auf  deir 
westlichen  als  Östlichen  Seite  wird  die  Aufmerksamkeit  des 
Besuchers  auf  eine  Menge  von  Mineralquellen  und  Gas- 
Entwickelungen  hingelenkt,  die  gleichsam  die  Vorboten  oder 
Verkündiger  einer  noch  merkwürdigeren  Erscheinung  ge-» 
nannt  werden  könnten. 

FicHTEL  nimmt  fünfzehn  verschiedene  Sauerwasser  an. 
Ich  möchte  ihre  Zahl  für  grösser  ansetzen,  welche  alle 
wegen  ihrer  Verschiedenheit  eine  genaue  Beschreibung  und 
Analyse  verdienen. 

Auf  der  westlichen  Seite  des  Büdöshegy  sind  unter  den 
Mineralwassern  die  merkwürdigsten  in  den  Thälern  desFekete^ 
patak  und  Büdöspalah  Im  letzteren  Thalgrunde  entquilk 
aus  einem  moorigen,  schwarzen,  mit  kurzem  Schilfgrase  be- 
wachsenen Boden,  der  sanft  an  den  Büdös  ansteigt,  eino 
unzählbare  Menge  kleiner  Wässer  in  einem  Flächenraume 
von  mehr  als  100  Geviertklaftern.  Aus  dem  Gebrause,  wel- 
ches ihr  Hervorsprudeln  verursacht,  sollte  man  an  das  Em- 
porquellen einer  beträchtlichen  W^assermenge  denken;  und 
besonders  stark  und  geräuschvoll  sprudelt  das  W^asser  in 
einem  hier  ausgegrabenen  Bassin  hervor,  das  mit  Holz  ein- 
gefasst  ist  und  zum  Baden  dient.  Besucht  man  aber  den 
Gesammtabfluss  aller  in  diesem  Flächenraume  vorhandenen 
1^  Quellen  und  untersucht  jede  einzeln,  so  ist  der  Wasserab- 
fluss  kaum  zu  bemerken,  und  man  findet,  dass  es  nur  Gas- 
ausströmungen sind  5  die  in  dem  moorigen  wässrigen  Boden 
an  unendlich  vielen  Punkten  hervorbrechen  und  bei  ihrem 
Durchdringen  das  V^allen  und  Sprudeln  des  Wassers  her- 
vorbringen. 


—     14     — 

Ich  besuchte  beidemale  diese  Locale  bei  schönem  trecke« 
nem  Wetter,  wo  der  Moorgrund  ziemlich  ausgetrocknet  war, 
und  kann  vermuthen,  dass  bei  regnerischem  Wetter  und 
mehr  nassem  Boden  die  Gasausströmuug  mit  einem  grösse- 
ren Geräusche  von  sich  gehen  müsse ,  und  ebenso  glaube 
ich  nicht  zu  irren,  wenn  ich  diese  Mineralwässer  nicht 
als  eigentliche  aus  dem  Innern  des  Gebirges  hervorkommende 
Mineralquellen  5  sondern  als  in  dem  Moorgrund  befindliches 
süsses  und  Regenwasser  betrachte,  das  erst  durch  die  Ab- 
sorbtion  der  Gasarten  an  der  Oberfläche  des  Bodens  sich 
zu  Mineralwasser  umgestaltet. 

Der  Geschmack  dieser  Wässer  ist  sehr  stark  sauer 
und  schwefelig,  ebenso  auch  der  in  der  Umgebung  verbrei- 
tete Geruch,  besonders  gleich  über  dem  Boden. 

Von  diesem  Terraine  etwas  entfernt  im  Feketepaiah  be- 
finden sich  ähnliche  Mineralwasser  von  saurem  scharfem 
fichwefeligem  Geschmacke,  die  ebenfalls  zum  Bade  und  auch 
als  Augenheilmittel  benützt  werden* 

Die  Temperatur  dieser  verschiedenen  Quellen  ist  11® 
Reaumur.   Sie  entspringen  alle  aus  dem  Karpathensandsteine« 

Auf  der  östlichen  und  südliehen  Seite  des  Büdöshegy 
in  dem  Thale  des  Torjaer  Baches  und  des  kleinen  vom  BU- 
dös  herabkommenden  Gründls  sind  die  vielen  andern  ver- 
schiedenen Sauer wasser*  Sie  ziehen  sich  bis  an  den  Gebirgs- 
sattel  hinan,  der  den  Büdös  mit  den  südlicheren  Bergen 
verbindet.  Ihr  Geschmack  ist  sehr  vei^schieden,  bald  sauer, 
bituminös,  bald  gesalzen  u.  s.  w*  Einige  sind  trinkbar, 
andere  nicht,  und  selbst  das  Vieh  macht  eine  auffallendö 
Auswahl,  während  es  aus  einigen  mit  besonderer  Vorliebe 
säuft,  andere  hingegen  gänzlich  verschmäht.  Die  bemer- 
kenswerthesten  unter  ihnen  und  auch  die  wasserreichsten 
sind  die  Eine,  welche  Fichtel  die  inkrustirende  nannte, 
am  südlichen  Abhänge,  und  nicht  weit  von  derselben,  höher 
fast  um  Gebirgssattel  gelegen,  die  gute  trinkbare  Sauerquelle, 
Beide  setzen  viel  Eisenoxyd  (Fichtels  Bolus)  ab,  und  die 
erste  ausserdem  noch  Kalktufi;  von  welchem  an  dem  sanftea 


-     15     - 

Gehänge  eine  ganze  Ablagerung  besteht,  In  welcher  viele 
Muscheln  (ffeltces)unä.  Pflanzenversteinerungen  zu  finden  sind. 

Sämmtiiche  Quellen  des  südlichen  und  östlichen  Abhan* 
ges  entspringen  ebenfalls  aus  dem  Karpathen  -  Sandsteine* 
Ihre  Temperatur  ist  nicht  höher,  als  die  der  früher  beschrie* 
benen.  Bei  ihnen  zeigt  sich  jedoch  keine  so  häufige  Gas* 
ausströmung,  daher  auch  kein  so  grosses  Aufwallen  des 
Wassers,  und  sie  scheinen  als  Mineralwässer  schon  aus  tie- 
feren Punkten  hervorzuquellen. 

Statt  der  Gasentwicklung  aus  den  Mineralwässern  ver- 
räth  sich  dieselbe  an  mehreren  Punkten  des  östlichen  Ge- 
birgsabhanges  durch  einen  starken,  beissendcn,  schwefeligen 
Geruch,  der  viel  Ähnlichkeit  mit  demjenigen  hat,  welcher 
über  den  Mineralquellen  des  westlichen  Gehänges  empfun- 
den wird.  — 

Wir  haben  nun  die  nächsten  Umgebungen  des  BüdÖS» 
hegy  beschrieben,  und  zwar  den  südöstlichen  und  westlichen 
Abfall  desselben.  Der  nordwestliche  hängt  mit  anderen 
Trachyt-Bergen  zusammen  und  bietet  wenig  Interesse  dar» 

Wenn  man  nun  auf  dem  Gebirgssattel  angelangt  ist,  der 
den  besagten  Berg  mit  den  südlicher  gelegenen  Sandstein- 
bergen verbindet,  so  erhebt  sich  derselbe  in  ziemlicher  Höhe 
noch  hinan,  und  seine  Kuppe  steht  mit  nach  O.S.O,  gezo- 
genen schmalen  Rücken  vor  uns,  dessen  beiderseitigen  Ge- 
hänge sehr  steil  abfallen  und  dem  Berge,  von  S.O.  ange* 
schaut,  das  Ansehen  eines  ganz  isolirten  spitzigen  Kegels  ge- 
ben. An  dem  südlichen  Gehänge,  das  man  besteigt ,  zieht; 
jeden  Beobachter  am  ersten  der  kleine  Graben  an,  der  die 
unter  der  Dammerde  mit  trachytischen  Materialien  vermeng- 
ten Bimssteinstücke  entblösst,  welcher  Graben  von  FighteSi 
genau  beschrieben  wurde.  Der  Bimsstein  ist  von  ausgezeichne- 
ter Weisse  und  Leichtigkeit.  Die  Härte,  Schärfe  und  das 
Faserige  des  liparischen  Bimssteins  fehlen  ihm*  Er  ist 
weich,  oftmals  mit  den  Fingern  zu  zerreiben,  und  gleicht  ei- 
nem leichten  Schwämme,  dessen  Löcher  nach  einerlei  Rieh« 
tung  aneinandergereiht  oder  auch  gezogen  zu  seyn  scheinen« 


—    le- 
in der  Masse  findet  sich  ausser  kleinen  weissen  glänzenden 
Glimmerschüppchen    kein  anderes  Mineral.     Die  Grösse  der 
Bimssteinstücke   ist  die.  von  "einer  welschen  Nuss  bis  zu  ei- 
ner Kinderfaust.  Grössere  Stücke  konnte  ich  nicht  auffinden. 

Im  Graben  aufwärts  verlieren  sich  nach  und  nach 
die  Bimssteine,  und  es  bleibt  nur  ein  Gerolle  von  kleinen 
Trachytplatten,  die  theils  lose  umherliegen,  theils  von  einer 
trachytischen  weissgrauen  Erde  umhüllt  werden.  Hier  em- 
pfindet man  wiederum  an  mehreren  Punkten  den  scharfen 
schwefeligen  Geruch,  und  der  Ort  des  Ausströmens  des 
Gases  lässt  sich  leicht  finden,  wenn  man  sich  mit  dem  Ge- 
sicht zur  Erde  senkt  und  dieselbe  etwas  aufgräbt. 

Über  diesem  Trachytplatten-Gerölle  geht  man  zwischen 
Trachytblöcken  fort,  bis  man  zu  den  steilen  Felsen  gelangt,  die 
das  schroffe  südliche  Gehänge  des  Berges  zusammensetzen.  Die 
Art  des  Trachytes  in  den  herumliegenden  Blöcken  ist  von 
der  der  anstehenden  Felsen  ziemlich  verschieden,  und  bei 
einiger  Untersuchung  ergibt  sich,  dass  die  Varietät  des 
Trachytes  in  den  Blöcken  mit  der  der  höheren  Bergspitze 
genau  korrespondire ,  von  der  diese  Felsstücke  herabrollten* 

Man  kann  mehrere  Arten  Trachyt  annehmen,  die  je« 
doch  alle  in  einander  übergehen.  Ihre  Hauptfarbe  ist  weiss^ 
lichtgrau  und  lichtröthlichgrau. 

Die  lichtgrauen  Varietäien  haben  eine  mehr  feldstein« 
artige  grauliche  dichte  Grundmasse,  in  welcher,  nebst  sehr 
feinen  Kryställchen  von  aufgelöster  Hornblende,  ebenfalls 
aufgelöste  oder  unveränderte  grössere  Feldspathkrystallo 
und  einzelne  kleine  braune  Glimmerblättchen  zerstreut  vor- 
kommen. Die  Hornblende  ist  von  gelblich vreisser  Farbe 
und  erdig,  der  Feldspath  ganz  weiss,  ebenfalls  erdig,  und 
als  Seltenheit  in  dem  Kerne  einiger  Krystalle  glasig.  Das 
Gestein  ist  dicht,  häufig  aber  porös  und  zerfressen,  ziemlich 
schwer,  in  dünnen  Stücken  klingend  und  leicht  spaltbar. 

Diese  Varietät  geht  durch  allmähliche  Abstufungen  in  eine 
ganz  weisse  homogen  scheinende  Thonmasse  über,  in  wel- 
cher   jedoch    noch   die  erdigen  Feldspath  -  Krystalle    und 


I 


-     17     — 

mattglänzende  Glimmerblättchen  bemerkbar  sind.  Diese 
homogene  Masse  ist  leicht,  sehr  spröd,  leicht  spaltbar 
und  klingt  sehr  stark.  Sie  hat  ein  erdiges  Ansehen  und 
enthält  oft  häufige  kleine  Zellen,  wodurch  sie  sich  den  Bims« 
steinen  sehr  nähert. 

Eine  dritte  Varietät  ist  mit  graulichweisser  und  röthli- 
eher  Grundmasse  von  erdigem  Bruch  und  Ansehen;  in 
welcher  gelbliche  und  weisse  erdige  und  glasige  Feldspath- 
Krystalle  und  einzehie  Glimmerblättchen  eingewachsen  sind. 
Bei  näherer  Untersuchung  bemerkt  man ,  dass  die  röthliche 
Färbung  von  kleinen  Hornblende  -  Kryställchen  herrührt. 
Das  Gestein  ist  schwerer  als  die  früheren,  wenig  klingend, 
spröd  und  schwer  spaltbar.  —  Es  geht  allmählicli  in  eine 
ausgezeichnete  röthliche  Trachytart  mit  vorwaltenden  gla- 
sigen Feldspath  -  Krystallen  und  braunen  Glimmerblättchen 
über.  Die  Hornblende  besteht  in  diesem  Trachyte  aus  ein- 
zelnen kleinen  Krystallen,  übrigens  aus  äusserst  feinen  Kry- 
stall-Pünktchen,  die  dem  Gesteine  die  röthliche  Färbung  geben. 

Das  Gestein  ist  mehr  rauh,  zellig  und  ziemlich  schwer. 

Sämmtliche   Varietäten  hängen  stark  an  die  Zunge.  — 

Mit  ihrem  Übergänge  in  einander  steht  auch  ihr  äusse- 
res Lagerungs-  oder  ihr  Raum-Verhältniss  in  Verbindung.  — 
Während  die  letzten  rothen  x\rten  in  mehrere  Schuh  mäch- 
tige Spaltungen  zertheilt  sind,  ganze  kubische  Blöcke  for- 
miren ,  oder  auch,  besonders  die  letzte  Art,  eine  solide 
Masse  bilden  y  ist  die  weisse  homogene  Varietät  sehr  dünn 
gespalten ,  und  oft  nur  in  1  -  bis  |-zölligen  Platten  getheilt. 
Diese  Spaltungen  nehmen  daher  in  ihrer  Mächtigkeit  mit 
den  verschiedenen  Übergängen  zu  oder  ab. 

In  Hinsicht  des  Raumes  nehmen  die  rothen  eigent- 
lichen Trachyte  den  ersten  Platz  ein  ;  sie  setzen  die  ganze 
Kuppe  des  Berges  zusammen,  und  von  ihnen  rühren  auch 
die  vielen  Blöcke  her.  Die  weissen,  besonders  der  sehr  ee- 
spaltene  Trachyt,  sind  mehr  untergeordnet  und  auf  einzelne 
Punkte  beschränkt.  —    — 

Wenn     man    nun    an    dem    erwähnten    Orte ,    wo    die 
Jahrgang^  1837.  2 


—      18      — 

anstehenden  Trachytfelsen  beginnen,  neben  den  steilen  Wän- 
den östlich  fortwandelt,  so  empfindet  man  wiederum  den 
sauren  sehwefeh'gen  Geruch,  jedoch  viel  stärker  als  frü- 
her, und  man  ist  nun  wirklich  in  dem  eigentlichen  Be- 
reiche der  Solfatara.  Das  Gestein  besteht  aus  der  dritten 
Trachyt-Varietät.  Der  schwefelige  Geruch  kömmt  aus  einer 
Höhle  die  am  Fusse  eines  fast  senkrechten  Felsens  sich 
öffnet,  und  \\  Klafter  Länge  und  Weite  und  4  —  4^  Schuh 
in  ihrem  höchsten  Punkte  Höhe  hat.  Die  Wandungen  sind 
weder  glatt,  noch  stark  höckerig  oder  zerfressen ,  und  ähn- 
lich denen  der  Kalksteinhöhlen.  An  dem  tiefsten  Punkte 
der  Wände  ist ~  ein  leichter  Schwefelanflug,  über  welchen 
die  reinen  Trachytwände ,  nur  hie  und  da  mit  einzelnen 
Älaunkrystallen  beschlagen. 

Von  dieser  kleinen  horizontalen  Höhle  um  25 — 30  Klaf- 
ter am  Gehänge  mehr  östlich  entfernt,  aber  um  Etwas  höher  ge- 
legen, kömmt  man  erst  zur  eigentlichen  Solfatara^  oder  zur 
Schwefelhöhle,  die  dem  Berge  den'N&menBüdöshegt/ (Stinken- 
der Berg  oder  Schwefelberg)  gegeben  hat.  Das  Gestein  ist  der- 
selbe Trachyt  wie  bei  der  ersteren  Höhle,  nur  mehr  zerspal- 
ten und  zerrissen.  Die  Höhle  selbst  gleicht  mehr  einer 
mächtigen  Gesteinsspalte.  Am  Eingange  ist  sie  2  Klafter 
weit,  sich  in  der  Höhe  von  2  bis  3  Klafter  zuschliesend. 
Ihre  Länge  beträgt  3i  bis  4  Klafter.  Am  Ende  verengt 
sie  sich  auf  3  Schuh  Weite  und  S  —  9  Schuh  Höhe.  Ihr 
Boden  liegt  daselbst  um  6 — 7  Schuh  tiefer,  als  die  Sohle 
des  Eingangs,  und  man  geht  daher  fast  bis  zu  ihrem  Ende 
abwärts.  —  Sie  ist  so  ziemlich  gegen  die  Nordstunde  ge- 
richtet, und  an  allen  Punkten  in  ihrem  Innern  ganz  hell 
um  jeden  kleinsten  Gegenstand  vollkommen  deutlich  bis  in 
ihre  grösste  Tiefe  unterscheiden  zu  können.  — 

Wenn  man  zu  ihrem  Eingange  kömmt  und  in  selbe 
hineinschaut,  so  bemerkt  das  Auge  in  der  reinen  Atmosphäre 
nur  in  den  tiefsten  Punkten  der  Seitenwände  einen  Schwe- 
felansatz ,  sonst  gar  Nichts ,  was  die  Ausströmung  einer 
Gasart,    die  den  schwefeligen  Geruch  verbreitet,  verkünden 


—     19     — 

könnte.  Das  Athinen  ist  leicht  und  frei,  und  jeder,  der 
hier  unbekannt  ist,  wird  gleich  versucht,  in  die  kühle  Höhle 
tiefer  einzutreten ,  da  keiner  seiner  Sinne  etwas  Unge- 
wöhnliches oder  Schädliches  ahnen  kann,  —  doch  wie  man 
nur  4  Schritte  rasch  hineingeht,  so  ergreift  plötzlich  eine 
sauer  schmeckende  Luft  die  Lunge ,  das  Athmen  hört  au- 
genblicklich auf,  die  Augen  durchsticht  ein  brennender 
Schmerz,  und  man  eilt  zurück,  um  in  einer  besseren  Atmo* 
Sphäre  Erholung  zu  suchen. 

Tritt  man  aber  mit  Vorsicht  in  die  Höhle,  und  ver- 
weilt nur  kurze  Zeit  in  selber,  so  dass  jedoch  der  Oberleib 
noch  über  dem  Niveau  der  Eingangssohle  bleibt,  so  theilt  sich 
dem  untern  Theil  des  Körpers  allmählich  eine  Wärme  mit, 
die  bis  za  einem  sanften  Brennen  besonders  an  den  Ge- 
schlechtstheilen  anwächst,  ohne  jedoch  den  Körper  in 
Schweiss  zu  bringen.  Das  Athmen  bleibt  frei  und  unge- 
stört, und  wird  nur  augenblicklich  gehemmt,  wenn  man  tie- 
fer eintritt,  und  der  Mund  unter  das  Niveau  des  Eingangs 
sich  senkt. 

Es  ist  eine  schwere  Gasart  mit  einem  grösseren  Ge- 
wichte als  die  atmosphärische  Luft,  die  den  tiefsten 
R(ium  der  Höhle  einnimmt  und  sich  nur  so  weit'  erhebt, 
als  ihr  Ausfluss  gesperrt  ist,  der  auch  über  die  Eingangs- 
sohle nach  Aussen  wirklich  erfolgt.  Wenn  die  Sonne  in 
die  Höhle  scheint,  so  bemerkt  man  ein  stetes  Vibrii-en  des 
Gases  und  kann  dessen  Ausfliessen  bei  ruhigem  Wetter 
sehr  gut  wahrnehmen.  —  Die  Irrespirabilität  des  Gases  ist 
eben  so  gewiss,  als  seine  Unfähigkeit  das  Brennen  zu  beför- 
dern ,  indem  jeder  Lichtfunke ,  jeder  flammende  oder  glü- 
hende Körper  augenblicklich  erlischt,  kein  Stahl  Funken 
gibt,  kein  Feuergewehr  sich  entzündet.  Der  Mensch  kann  nur 
/  so  lange  darin  verweilen ,  als  er  mit  zugestopftem  Mund 
und  Nase  den  Athem  an  sich  halten  kann,  und  es  gab  sphon 
manche  Fälle,  wo  Unvorsichtigkeit  oder  Bravour  mit  dt  in 
Leben  bezahlt  wurden,  wie  auch  Fichtel  solche  Beispiele 
anführt. 

2* 


—     20     - 

Zu  den  benannten  Eigenschaften  des  Gases  gesellen  sich 
noch  Ändere,  die  die  eigentliche  Veranlassung  zu  Irrthümern 
gegeben  haben,  und  zwar,  dass  es  den  menschlichen  Kör- 
per erwärmt,  ohne  selbst  warm  zu  seyn,  dass  es  jedes  Me- 
tall besondei's  Gold  und  Silber  in  kurzer  Zeit  schwärzt 
und  an  den   Wänden  der  Höhle  Schwefel  absetzt. 

Bei  meinem  zweimaligen  Aufenthalte  daselbst  fand  ich 
jedesmal  die  Temperatur  dieser  Höhle  an  ihrem  äussersten 
Ende  am  Boden  und  an  mehreren  Punkten  desselben,  wo 
man  ein  Hervorströmen  des  Gases  vermuthen  kann ,  9  bis 
10  Grad  Reaumur,  während  ausserhalb  der  Höhle  im  Schat- 
ten das  Thermometer  18 — 19<*  zeigte,  und  dennoch  wurde 
Jeder  von  uns  in  der  Höhle  erwärmt,  wogegen  wir  uns 
ausserhalb  vor  Erkühlung  fürchten  mussten. 

Von  gleichem  Interesse  ist  die  Ansetzung  des  Schwefels. 
Derselbe  hält  genau  das  Niveau,  so  weit  sich  das  Gas  erheben 
kann ;  über  dieser  Grenze  verschwindet  er,  und  an  den  feuchten 
Wänden  zeigen  sich  nur  an  einzelnen  Punkten  ein  leichter 
Schwefelanflug  und  zerstreute  Alaunkrystalle.  Ob  die  Einwir- 
kung des  Schwefel-absetzenden  Gases  so  gross  sey ,  dass 
das;  angrenzende  Gestein  eine  Umwandlung  in  Alaunstein 
erlitten  hat,  wie  Herr  ßouE  angenommen  hat,  will  ich  nicht 
bejahen ,  indem  mir  der  Einfluss  nur  auf  die  Erzeugung 
von  Alaunblumen  an  der  Oberfläche  beschränkt  zu  seyn 
scheint.  Der  angesetzte  Schwefel  ist  völlig  rein,  schön 
schwefelgelb,  und  bei  einer  2 — 3  Linien  dicken  Rinde  strah- 
lig. Wie  viel  Schwefel  binnen  bestimmter  Zeit  abgesetzt 
wird ,    hierüber  sind  noch  keine  Versuche  gemacht  worden. 

Was  die  vulkanische  Sprache  Fichtel's  von  einem 
hohlen  schwankenden  Boden ,  von  Schwefelausströmungen, 
von  Knistern  und  endlich  von  dem  Schwärzerwerden  des 
Gesteins  gleich  einem  Schornsteine  weiter  aufwärts,  und 
dergleichen  verkündet,  verdient  folgende  Berichtigung.  Der 
Boden  der  Höhle  oder  Gebirgsspalte ,  durch  die  häufigen 
Besuche  ganz  ausgeglichen,  scheint  allerdings  aus  zusam- 
mengestürzten    Felsenstücken     zu    bestehen,     auf    welchen 


—     2J      - 

kleineres  Gerolle  sich  ansammelte  und  mit  der  Zeit  zu  ei- 
ner  festen  Sohle  zertreten  wurde.  An  den  Seitenwänden, 
besonders  an  der  Westseite  befindet  sich  noc^h  das  Gerolle, 
und  aus  diesem  und  zwischen  den  Wänden  strömt  das  Gas 
heraus,  welches  aber  das  Auge  nicht  wahrnehmen  kann,  — 
Mit  dem  Knistern  hat  es  dieselbe  Bewandniss,  wie  bei  allen 
Gasausströmungen,  wo  sich  das  Gas  durch  Wasser  den  Weg 
bahnen  muss.  Es  mag  hier  bei  regnerischer  Witterung, 
wo  das  Wasser  in  die  tieferen  Spalten  eindringt,  zu  ver- 
nehmen seyn.  Ich  hatte  nicht  das  Glück  es  zu  hören,  weil 
ich  diese  Spalte  bei  sehr  trockener  heisser  Jahreszeit  besuchte. 

Die  Schwärzerwerdung  des  Gesteins  ober  der  Höhle 
rührt  von  der  Veränderung  des  Trachytes,  den  ich  früher 
beschrieben,  und  von  schwarzen  Steinflechten  her,  die  die 
Felsenwände  überziehen. 

Dieses  ist  nun  die  eigentliche  Solfatara  des  Berges  Büdös- 
hegy.  Mehr  östlich  von  ihr  soll  eine  ganz  ähnliche  Spalte 
gewesen  seyn,  die  aber  einstürzte.  Zwischen  den  einge- 
stürzten herumliegenden  Trachytmassen  und  Blöcken  las- 
sen sich  noch  mehrere  solche  Spaltungen  wahrnehmen. 
ISoch  mehr  östlich  befindet  sich  an  dem  steilen  Gehänge 
die  dritte  jetzt  noch  offene  Höhle ,  die  man  allgemein  die 
Salzhöhle  nennt. 

Sie  ist  2^  Klafter  lang ,  1  Klafter  in  ihrem  höchsten 
Punkte  hoch,  und  4  6  Schuh  weit.  Ihr  Boden  ist  \\  bis 
2  Schuh  tiefer  als  ihre  Eingangssohle.  Es  zeigen  sich  hier 
dieselben  Phänomene ,  wie  in  der  früher  beschriebenen  \ 
nur  sind  die  Wände  über  dem  Schwefelansatz  häufiger  mit 
Alaun  u.  dgl.   Salzen  beschlagen. 

Es  ist  höchst  wahrscheinlich ,  dass  es  noch  mehrere 
derlei  Schwefel-führende  Höhlen  gegeben  haben  mag,  die 
nach  und  nach  einstürzten. 

Der  sehr  zerspaltene  und  zerrissene  Trachyt  dieses 
steilen  Berggehänges  kann  unmöglich  der  Zeit  trotzen ,  und 
so  müssen  nach  und  nach  alle  seine  offenen  Räume  der  Ver- 
sturzung  unterliegen. 


—     22      — 

Aus  dem  Gesagten  geht  hervor,  dass  die  Gasentwick- 
lung in  diesem  Berge  sehr  stark  und  auch  weit  verbreitet 
ist,  indem  man  mit  Recht  annehmen  kann  ,  dass  am  westli- 
chen Gehänge  in  dem  moorigen  ThaJgrunde  dasselbe  Gas 
Ausströme,  was  höher  oben,  ohne  in  Berührung  mit  Was- 
ser zu  kommen,  den  Schwefel  absetzt. 

Was  es  eigentlich  für  eine  Gasart  ist,  die  diese  be- 
schriebenen Eigenschaften  besitzt,  weiss  ich  nicht.  Ich  habe 
mein  eioenes  und  das  chemische  Wissen  mehrerer  Freunde 
zu  Rathe  gezogen,  in  mehreren  «eueren  chemischen  Wer- 
ken sorgfältig  nachgesucht,  ohne  eine  genügende  Aufklärung 
noch  erhalten  zu  haben.  —  Dass  Kohlensäure  der  Haupt- 
bestandtheil  davon  sey,  ist  klar,  welche  Gasart  aber  mit 
ihr  verbunden  ist,  aus  der  sich  der  Schwefel  ausscheidet  — 
bleibt  mir  unbekannt.  Bei  Vergleichung  der  Phänomene 
der  Schwefelhöhle  des  Büdöshegy  mit  den  Eigenschaften  der 
bekannten  Gasarten  und  ihrer  Verbindungen  finde  ich  keine 
einzige   Gasverbindung,  die  mit  ihr  übereinstimmend  sey. 

Wenn  ich  auch  nicht  sagen  will ,  dass  der  Büdöshegy 
ein  neues  oder  unbekanntes  Phänpmen  darbietet,  so  glaube 
ich  doch ,  dass  derselbe  mit  diesen  seinen  Eigenthümlichkei- 
ten  den  Physikern  und  Chemikern  noch  wenig  oder  gar 
nicht  bekannt  seyn  kann,  weil  die  Annahme,  dass  aus  sel- 
bem heisse  schwefelige  Dämpfe  hervorströmen,  so  allgemein 
verbreitet  ist. 

Wie  schon  Fichtel  bemerkt,  werden  diese  Schwefel- 
höhlen und  die  benachbarten  Mineralwässer  häufig  von 
Kranken  besucht,  die  hier  Heilung  der  Augen-  und  gich- 
tischen Schmerzen  zu  erhalten  wünschen,  und  es  fand  hier 
eine  grosse  Zahl  Leidender  schon  vollkommene  Genesung. 
Freilich  gehen  auch  Viele  ohne  Linderung  oder  noch  mit 
einem  grösseren  Übel  behaftet  von  da  weg  —  die  Schuld 
davon  liegt  aber  nicht  in  dem  Mangel  der  Naturkraft,  son- 
dern in  der  Unkeuntniss  des  Kranken,  oder  vielmehr  in 
dem  ünbekanntseyn  mit  der  eigentlichen  Heilkraft  dieser 
Gase    und  Wasser.    —    Man    verlangt    oft   die  Heilung    und 


—     23     — 

Behebung  jeder  Art  Augen  -  und  gichtisehen  Schmerzen  — 
also  eine  üniversalheJlkraft,  —  mit  der  aber  die  gütige  Na- 
tur nicht  aufwartet. 

Über  die  Art  und  Weise,  wie  an  diesem  Heilorte  für 
den  Leidenden  gesorgt  ist ,  schweige  ich ,  da  es  zu  dieser 
Beschreibung  nicht  gehört.  —  Ich  kann  nur  vor  der  Hand 
den  Wunsch  hegen,  dass  die  dortigen  Gase  und  Mineral- 
wässer einei^  chemischen  Analyse  unterzogen  würden,  um 
mit  ihren  Eigenschaften  bekannt  zu  werden. 

Ich  war  bei  meinem  jetzigen  Besuche  verhindert,  von 
dieser  Gasart  mehrere  Flaschen  aufzufangen ,  um  es  einer 
Untersuchung  unterziehen  zu  lassen,  und  erwarte  für  diese 
Absicht  eine  baldige  andere  Gelegenheit. 


Der 

Schlossberg   bei   Reg enstauf 

im  Regenkreise  des  Königreiches  Bayern  •% 


von 


Hrn.  Ober-Bergrath  von  Voith. 


An  der  äussersten  westlichen  Grenze  jenes  primären 
Gebirgszuges,  welcher  sich  vom  Fichtelgebirge  herab  über 
den  östlichen  Theil  der  Oberpfalz  bis  an  das  linke,  und  über 
den  rückwärts  liegenden  Baierischen  Wald  bis  auf  das  rechte 
Ufer  der  Donau  ausbreitet,  erhebt  sich  ungefähr  1|  geogr, 
Meilen  nördlich  von  Regensburg  bei  dem  Marktflecken  und 
Landgerichts  -  Sitze  Regenstauf  eine  ansehnliche,  die  Gegend 
weit  umher  beherrschende,  Granitkuppe ,  deren  Gipfel  einst 
eine  feste  Burg  der  mächtigen  Hohenstauffen  krönte.  Gegen 
N.  und  S,  wird  ihr  Fuss  von  Regenfluss  bespühlt,  und  sie 
selbst  dadurch  isolirt ;  gegen  S,  läuft  sie  in  die  kleine  Ebene 
aus ,  gegen  0.  wird  sie  von  einem  tiefen  ,  ziemlich  weiten 
Einschnitt  vom  anliegenden  Gebirge  getrennt :  nur  ein  un- 
gefähr   von    der  Hälfte    ihrer    Höhe    auslaufender   schmaler 


*)  In  der  von  dem  Freiherrn  v.  Moll  ehemal ,  nach  und  nach  unter 
verschiedenen  Titeln,  herausgegebenen  Zeitschrift  für  Mineralogie, 
Geognosie  und  Hüttenkunde  habe  ich  über  mehrere  merkwürdige 
Vorkommen  aus  den  Primär-  und  Sekundär-Formationeu  der  Ober^ 
Pfalz  Notizen  mitgetheilt.  An  diese  soll  sich  gegenwärtige  an- 
schliessen. 


-      25     — 

Rücken  verbindet  sie  in  N,0.  mit  demselben.  Sie  ist  gegen 
S.  und  O.  bequem ,  wiewohl  zunehmend  mühsamer  zu 
besteigen,  senkt  sich  gegen  W.  bedeutend  steiler  gegen  den 
Marktflecken  hinab,  und  steht  gegen  N.  beiläufig  zwei  Dritt- 
theile  ihrer  Höhe  fast  senkrecht  empor.  Das  untere  Drittel 
ist  gegenwärtig  noch  steil  genug,  um  es,  auf  geradem  Wege, 
unzugänglich  zu  nennen.  Gegen  N.O.  bricht  ungefähr  in 
der  Mitte  des  Abhanges  eine  Quelle  reinen  Trinkwassers 
hervor. 

Den  Gipfel  thellt  ein ,  wahrscheinlich  durch  Kunst  und 
zur  Befestigung  der  Burg  angebrachter  Durchbruch  aus  S. 
in  N.  in  zwei  ungleiche  Hälften.  Seine  Breite  beträgt  in 
S.  IS',  in  N.  36',  und  seine  Länge  auf  dem  Grunde  zwi- 
schen 70  bis  80'.  Auf  der  grössern  und  höhern  westlichen 
Hälfte  stand  das  nun  bis  auf  den  Grund  abgetragene  Schloss 
mit  seinen  Erdwällen  und  sämmtlichen  Befestigungswerken. 
Die  noch  längs  derselben  unversehrte  rechte  Wand  des 
Durchbruches  misst  an  den  höchsten  Punkten  36 — 38'.  Von 
der  östlichen  Hälfte  sind  bereits,  besonders  gegen  S. ,  viele 
und  grosse  Gesteinsmassen  in  den  Durchbruch  herabgestürzt. 
In  diesem  gewahrt  man ,  dass  der  Granit  unregelmässig  in 
Bänke  von  2 — 4'  Dicke  getheilt  ist ,  deren  Ablosungsklüfte 
sämmtlich  aus  S.  in  N.  sich  erheben ,  unter  der  höchsten 
Spitze  in  die  horizontale  Lage  sich  krümmen  und  gegen  W. 
streichen.  Sie  bedecken  einen  ebenfalls  horizontal  abge- 
theilten  Kern.  Der  Neigungswinkel  derselben  nimmt  von 
unten  nach  oben  (etwa  von  25  bis  48^)  beinahe  regelmäs- 
sig zu.  Vertikale  Klüfte  mit  geringer  wechselnder  Abwei- 
chung, einerseits  aus  S.  in  N. ,  andererseits  aus  0.  in  W. 
streichend ,  durchsetzen  sie  unverrückt  und  bilden  dadurch 
parallelepipedische  Blöcke. 

Südöstlich  von  dem  Eingange  in  den  Durchbruch  be- 
merkt man  eine  an  Umfang  und  Tiefe  wenig  bedeutende 
kesseiförmige  Senkung.  Da  hier  ehedem  die  Einfahrt  in 
die  Burg  allem  Anscheine  nach  war,  und  später  mancherlei 
Veränderungen    vor   sich   gingen,    so   mag    es   gegenwärtig 


—      26      — 

unentschieden  bleiben,  ob  sie  durch  die  Natur  hervorge- 
bracht oder  durch  JVIenscheniiände  veranlasst  viurde.  Das 
Terrain  dürfte  für  das  erstere  sprechen;  ich  musste  ihrer, 
wie  die  Folge  zeigen  wird,  erwähnen. 

Die  Masse  der  Kuppe  besteht  vom  Fusse  bis  zum  Gipfel 
aus  einem  und  demselben  grobkörnigen  Porphyr-Granit,  der 
sich  von  ihr,  als  dem  westlichen  Endpunkte^  aus  in  mächti- 
ger Ausdehnung  über  Kirn  und  Falkenstein  erstreckt.  Hier 
ist  er,  besonders  in  der  untern  Hälfte  der  Kuppe,  sehr 
locker  und  zur  Verwitterung  ungemein  geneigt ,  bei  Kirn 
und  Falkenstein  grösstentheils  hart  und  der  Lufteinwirkung 
wiederstehend ;  dagegen  hier  der  eingeschlossene  Feldspath 
immer  (in  das  6seitige  flache ,  an  beiden  Enden  mit  2  Flä- 
chen schief  zugespitzte,  2 — 4"  lange,  \\ — 2"  breite  Prisma) 
rein  auskrystallisirt,  dort  amorph  (mit  Andeutung  von  4sei- 
tigen  gleichseitigen  Prismen).  Schmale  {\  —  3'"  mächtige 
Quarzgängchen  und  noch  schmälere ,  streifenförmige  An- 
häufungen von  dunkeltombakbraunem  Glimmer  durchschwär- 
nien  ihn  in  verschiedenen  Richtungen.  Weder  von  einer 
andern  Felsart  noch  sonst  von  einem  fremden  Einschlüsse 
vermochte  ich  eine  Spur  zu  entdecken. 

Desto  mehr  überraschte  mich's,  als  ich  beim  Eintritte 
in  den  Raum  innerhalb  der  Erdwälle  an  der  Wand  eines 
dicht  am  östlichen  Rande  der  bereits  erwähnten  Senkung 
eröffneten  Steinbruches  auf  einmal  Gneiss  in  beinahe  senk- 
rechter Stellung  aufgerichtet  erblickte.  Bei  meiner  Anwe- 
senheit (im  Jahr  1834)  war  er  in  einer  Länge  von  40 — 50' 
entblöst,  und  in  S.  und  N.  ohne  das  mindeste  Anzeichen 
eines  Überganges,  von  dem  beschriebenen  Granit  begrenzt; 
im  Gegentheile  schied  ein,  wenn  ich  es  so  nennen  darf, 
etwa  halbzölliges  Saalband  jenen  von  diesem  scharf  ab.  Er 
streicht  beinahe  aus  S.  in  N. ,  mit  geringer  Wendung  nach 
0.,  schiesst  mit  einem  Fallwinkel  von  einigen  80^  ^^^^^^  W. 
ein ,  besteht  aus  2  —  C  dicken  Lagen  und  wird  auf  dem 
Kopfe  vom  Granit  4  —  6"  hoch  unregelmässig  bedeckt.     Die 


—     27 


Lagen  sind  unter  sich  parallel,  aber  in  ungleichen  Abständen 
stumpfwinkelig  und  zieirflich  scharfkantig  fächerförmig  gebo- 
gen, und  von  i"  bis  1'  mächtigen  vertikalen  (mit  den  ein- 
und  ausspringenden  Winkeln  fast  parallelen)  Quarzgäng- 
chen durchschnitten.  Häufige  Kluften  durchsetzen  ihn  in 
vertikaler  und  horizontaler  Richtung,  welche  seine  Gewinnung 
sehr  erleichtern. 

Den  eigentlichen  Umfang  und  die  ursprüngliche  Gestalt 
dieses  Gneissgebildes  konnte  ich  nicht  ermitteln,  da  die  Sohle 
des  weggebrochenen  Theiles  unter  Schutt  begraben,  und 
der  Kopf  des  noch  stehenden  unter  Granit  verborgen  ist. 
Aus  dem  in  N.W.  und  S.  nahe  am  Rande  der  Senkung 
anstehenden  Granite  ergibt  sich,  dass  seine  Ausdehnung  von 
S.  in  N.  sich  kaum  über  60'  erstreckte.  Am  Granite  und 
Gneisse  selbst  war  auf  den  Berührungsflächen  weder  Stö- 
rung der  Lagerung,  noch,  eine  theilweise  unbedeutende  Zer- 
bröckelung  ausgenommen,  Veränderung  im  Gefüge  zu  erkennen. 

Der  Gneiss  wechselt  sowohl  stellen-  als  lagenweise  in 
Schichtung,  Verhältniss,  Grösse  und  Farbe  der  Gemengtheile  und 
als  Folge  der  letztern  in  Härte  manchTaltig  ab.  Seltener  ist  die 
Schichtung  dickblättrig  und  geradlinig,  das  Korn  der  Gemeng- 
theile bis  erbsengross,  Feldspath  und  Quarz  graulichweiss 
und  vorherrschend  und  dann  der  Gneiss  so  hart,  dass  er  zu 
Pflastersteinen  für  die  Strassen  des  Marktes  gebraucht  wer- 
den kann;  gewöhnlicher  findet  man  die  Schichtung  sanft 
und  klein  wellenförmig,  Quarz  und  Feldspath  von  (verwit- 
tertem?) Glimmer  rostbraun  gefärbt,  den  sonst  schwarzen 
Glimmer  bis  beinahe  messinggelb ,  grössere  und  kleinere 
Partien  des  Glimmers  angehäuft  und  den  Zusammenhang 
alsdann  mehr  oder  weniger  aufgelöst.  Unregelmässige 
Granit-  und  Qujfrz-Gängchen  von  ^  bis  ^"  Mächtigkeit  und 
6"  bis  höchstens  8"  Erlangung  nach  dem  Streichen  und  Ver- 
flachen setzen,  besonders  im  letzten  Falle,  nach  allen  Rich- 
tungen häufig  auf.  Ein  Verfliessen  der  Gemengtheile  in 
einander   ist    mit  Zuverlässigkeit    sowohl    im  Gneisse    als  in 


—     28     — 

den  Granit  -  Gängchen  kaum  wahrzunehmen  ")•  Fremde 
Einschlüsse  scheint  er  nicht  zu  ent*halten.  Wenn  man  den 
Schlossberg  von  der  Südseite  aus  besteigt,  so  findet  man 
schon  nicht  ferne  von  dessen  Fusse  und  noch  häufiger  auf 
dessen  Gipfel  Bruchstücke  von  Thonporphyr.  Dessen  an- 
gebliche Lagerstätte  aufzusuchen  v^ar  die  Absicht  meiner 
Begehung;  allein  meine  Bemühung  war  fruchtlos.  Später 
erfuhr  ich,  dass  das  alte  Schloss  mit  selbem  erbaut  wurde. 
Dadurch  ist  zwar  wahrscheinlich,  dass  er  unweit  von  Regen- 
Stauf  anstehe,  doch  konnte  mir  Niemand  die  Stelle  auch 
nur  muthmaaslich  angeben.  —  Die  Farbe  des  Thons  geht 
aus  dem  Licht -Rothen  verschiedener  Schattirungen  bis  ins 
Dunkel-Kupferrothe  über,  bald  kann  er  leicht  mit  dem  Mes- 
ser geschähet  werden ,  bald  reisst  er  am  Stahle  Funken, 
Seine  Gemengtheile  sind  nach  dem  Verhältnisse  ihrer  Menge: 
1)  rother  und  grauer  Pinit  in  Gseitigen  Prismen  von  2  bis 
4'"  Länge,  einzeln  und  zusammengewachsen,  selten  Zwillings- 
Krystalle ;  2)  in  kleinen  Oktaedern  krystallisirter  bläulich- 
grauer Quarz;  3)  in  wenig  verschobenen  Prismen  krystal- 
lisirter röthlichweisser  undurchsichtiger  Feldspath,  meistens 
mehr  oder  weniger  aufgelöst,  zuweilen  aber  auch  mit  durchsich- 
tigem parallelem  Kerne  ,  und  4),  wiewohl  äusserst  sparsam, 
dunkel-tombackbrauner  Glimmer.  Pinit  und  öuarz  fallen 
beim  Zersetzen  der  Porphyrstücke  von  selbst  aus  dem  Teige ; 
Feldspath  und  Glimmer  hingegen  sind  innig  eingewachsen. 
Nie  wollte  mirs  glücken ,  vom  Feldspathe  eine  Endung  an- 
sichtig zu  werden  **). 

Auffallend  war  es    mir,    dass  die    unter    dem  Thonpor- 
phyre  zerstreuten  Trümmer  von  Dachziegeln,  welche  so  hart 

*)  Ich  muss  zugleich  auf  die  in  Fr.  v.  Moli.'«  Zeitschrift  initge- 
thcilte  Notiz  über  ein  g;angartiges  Vorkommen  des  Gaeisses  mit 
Andalusit ,  Schorl,  Feldspath  (Albit?)  und  Pinit  bei  Herzugau  im 
.  Granit  erinnern. 
*•)  Ich  kenne  die  geognostische  Skizze  der  Umgegend  von  Baden 
von  Marx  nur  aus  dem  Auszuge  in  diesem  Jahrbuch  von  1836, 
Hft.  II,  S.  101,  und  kann  desswegen  keine  weitere  Vergleichung 
anstellen. 


—      29     — 

gebrannt  sind,  dass  sie  am  Stahle  Feuer  reissen,  den  rothen 
Pinit  in  völlig  unversehrtem  Zustande  nicht  selten  enthalten.  — 
Dieser  Umstand  könnte  vielleicht  die  Entdeckung  des  Por- 
phyrs in  seiner  Lagerstätte  erleichtern. 

Entschiedene  vulkanische  Erzeugnisse ,  wie  sie  den  bei 
Lenau  (unweit  Kulmain)  ebenfalls  aus  dem  Granite  des  Fich- 
telgebirges  hervorragenden  kleinen  Porphyr -Hügel  *)  in  S. 
begleiten,  erscheinen  bei  Reg ensf auf  erst  bei  Schloss-  oder 
Hohen-Packstein,  9i  geogr.  Meilen  in  Norden. 

*)  Flurl's  Beschr.  der  baier,  Mndi  oberpfälzischen  Gebirge,  S.  493—515. 


über 

die    Rrinoideen-  Reste 

im   Muschelkalk, 


von 

H.   G.  Bronn. 


Hiezu  Tf.  II. 


Bisher  kannte  man  im  Muschelkalke  und  im  ganzen 
Trias-Gebilde  nur  Kopf-  und  Stiel-Theile  von  Enkriniten 
und  Stielglieder  von  Pentakriniten,  indem  man  von  den 
Pentakriniten  nämlich  alle  diejenigen  Entrochiten  oder 
Stiel-Theile  ableiten  zu  müssen  glaubte,  welche  auf  ihren 
Gelenk-Flächen  eine  strahlige  Zeichnung  in  Form  einer  fünf- 
blättrigen Blume  besitzen.  Nur  bei  Rhodocrini tes  echi- 
natus  GoLDF.  (?Äpiocrinites)  aus  dem  Coral  rag  war 
eine  etwas  ähnliche  Zeichnung  auf  einer  der  Gelenkflächen 
bemerkt  worden  ;  die  entgegengesetzte  Fläche  ist  einfach 
gestrahlt.  Erst  kürzlich  hat  man  dieselbe  fünfstrahlige  Zeich- 
nung auch  bei  Isocrinites  gefunden.  Man  konnte  ver- 
sucht seyn ,  jene  fünfblättrige  Zeichnung  als  nothwendige 
Folge  von  der  fünfkantigen  Form  derjenigen  Stiele  abzulei- 
ten, welche  sti'ahlige  Gelenkflächen  besitzen,  im  Gegensatze 
der  Arten  mit  drehrunden  Stielen.  Dass  jedoch  jene  Zeich- 
nung   von    dieser  Form    allein    nicht    abhängig    seyn    könne, 


—     31     — 

erhellet  u.  A.  aus  dem  Pentacrinites  s  übt  er  es,  dessen 
oft  stieli'unde  Säule  ebenfalls  die  fünfblättnge  Zeichnung 
der  Gelenkflächen  besitzt,  so  wie  aus  oben  erwähnten  Säu- 
len von  Rhodoerinites  echinatus,  die  ebenfalls  oft 
stielrund  sind.  Es  geht  mithin  daraus  hervor,  dass  weder 
diese  Zeichnung  den  Pentakriniten  ausschliessend  zustehe, 
noch  die  fünfkantige  Gestalt  der  Säulen  ein  nothwendiger 
Charakter  der  Pentakriniten  seye ,  wofür  ihn  Agassiz  ,  der 
jene  erste  Ansicht  zuerst  aufgegeben  zu  haben  scheint,  in 
einer  neulichen  Abhandlung  erklärt  hat. 

Was  nun  die  Krinoideen  des  Muschelkalkes  insbesondre 
betrifft,  so  hat  Öüenstedt  in  demselben  mittelst  eines  eige- 
nen Aufsatzes  *)  nicht  nur  eine  zweite  Enkrin  ite  n  -  Art, 
E.  Schlotheim ii  (wenn  es  nicht  eine  zufällige  Missbil- 
dung ist,  von  der  man  bis  jetzt  nur  den  einzigen  Fall  kennt) 
nachgewiesen ,  sondern  auch  wahrscheinlich  zu  machen  ge- 
sucht, dass  die  bis  jetzt  als  solche  angesehenen  Pentacriniten- 
Glieder  derselben  Formation  von  wirklichen  Encriniten 
herrühren,  wovon  der  Pentacrinites  dubius  Goldf.  in 
dem  obern  Theil  des  Muschelkalkes  zu  Rüdersdorf  bei  Ber- 
lin nur  in  getrennten,  gegen  die  Wurzel  hin  mehr  gerunde- 
ten und  theilweise  mit  Hülfsarmen  besetzt  gewesenen  Gliedern 
mit  Encrinites  liliiformis  vorkommend  (sjiäter  auch 
in  Thüringen ,  kürzlich  bei  Heidelberg  und  von  Decken  in 
Schlesien  gefunden)  von  ihm  als  Encrinites  dubius  auf- 
geführt, —  ein  grösseres  fast  6"  langes  Säuleiistück  von  Wal- 
tershausen in  Thüringen  aus  Schlotheim's  Sammlung  von 
scharf  fünfkantiger  Gestalt,  mit  gleichgrossen  und  nur  gegen 
die  Wurzel  mehr  abgerundeten  Gliedern  und  mit  einem  Quirl 
von  je  5  grossen  Hülfs-Ärmen  an  jedem  9. — 11.  Gliede  und 
mit  ähnlicher  Zeichnung  der  Gelenkflächen  wie  vorige  ver- 
sehen, frageweise  zu  jenem  Encrinites  Schlotheimii 
bezogen  wird. 


*)  Wiegmann's  Archiv  für  Naturgeschichte,  Berlin  1835,  II,  223—228, 
Tf.  IV. 


—     32      — 

Diese  Ansicht  rücksichtlich  der  Vereinigung  der  früher 
sog.  Pen  t  akriniten-Glieder  des  Muschelkalkes  mit  den 
Enkriniten  desselben  hat  sich  nun  durch  ein  vor  weni- 
gen Tagen  in  meine  Sammlung  gekommenes  Exemplar  als 
richtig  bestätigt.  Es  rührt  vom  Falkenkruge  bei  Detmold^ 
besteht  aus  der  untern  v<7ohlerhaltenen  Hälfte  der  Krone 
und  einem  9'"  lang  daran  sitzenden  Stücke  des  Stieles  und 
liegt  halb  hervorstehend  auf  einem  gelblichen,  zerfressenen, 
daher  Sandstein-ähnlichen  und  auf  der  Etiquette  für  Keuper- 
Sandstein  angegebenen  Kalksteine,  in  dessen  Nähe  Pflanzen- 
Abdrucke  vorkommen  sollen.  Ich  habe  dasselbe  auf  Taf,  II 
zeichnen  lassen.  Die  Krone  ist  kleiner  und  nach  unten 
schmäler  zugehend,  als  bei  E.  liliiformis  gewöhnlich  ist. 
Der  davon  erhaltene  Theil  hat  in  der  Mitte  1"  Länge  und 
oben  fast  eben  so  viel  Breite.  Die  Zusammensetzung  des 
Bechers  ist  genau ,  wie  bei  der  gewöhnlichen  Art :  über 
den  dritten  Becher -Täfelchen  beginnt  die  erste,  über  den 
fünften  die  zweite  Theilung,  worauf  einige  ganze,  viereckige 
Armglieder  folgen,  die  allmählich  in  zweizeilige  alternirende 
übergehen.  Das  Sä^ulenstück  ist  noch  9'"  lang ,  abgerundet 
fünfkantig,  mit  in  der  Mitte  etwas  vertieften  Seiten,  so  dass 
es  aus  fünf  aneinandergedrückten  runden  Stäben  zusammen- 
gesetzt zu  seyn  scheint,  und  zählt  25  —  26  Glieder.  Am 
unteren  Theile  des  Stieles  ist  jedes  4te  Glied  grösser  (höher 
und  breiter)  als  die  übrigen,  und  von  den  3  dazwischen 
liegenden  ist  das  mittle  wieder  etwas  grösser  als  die  2  an- 
dern; ganz  oben  gegen  die  Krone  scheinen  jene  grössten 
Glieder  etwas  näher  zusammenzurücken.  Weiter  unten  am 
Stiele  würden  die  Glieder  wahrscheinlich  einander  mehr 
gleich  werden.  Diese  grössten  Glieder  zeigen  auf  jeder 
ihrer  fünf  Seiten  eine  vertiefte  Gelenktläche  für  die  Hülfs- 
arme ,  von  welchen  auch  an  einigen  Stellen  noch  bis  3'" 
lange  Theile  erhalten  sind  mit  drehrunden,  fast  kugelförmi- 
gen Gliedern.  Am  Ende  der  Säule  sieht  man  eine  Gelenk- 
fläche,  welche  undeutlich  die  fünfblättrige  Zeichnung  der 
Pentakriniten  -  Flächen  besitzt;   die  grobstrahlige  Einfassung 


—     33     — 

der  5  Blätter  ist  nur  schmal ,  und  auf  jeder  Seite  eines 
Blattes  stehen  nur  2  —  3  Strahlen ,  welche  fast  so  dick  als 
lang  sind.  Von  dieser  Zeichnung  umschlossen  liegt  ein  ganz 
glattes,  ebenes  Feld,  in  dessen  Mitte  man  den  feinen  runden 
Nahrungskanal  sieht.  Die  Zeichnung  dieser  Flächen  scheint 
daher  spezifische  Unterschiede  von  denen  der  2  obengenann- 
ten Arten  an  Händen  zu  geben,  zwischen  welchen  selbst 
man  übrigens  aus  der  duENSTEDT'schen  Beschreibung  nur 
schwer  eine  bestimmte  Abweichung  erkennen  dürfte.  Ich 
nenne  diese  neue  Art  Encrinus  pentactinus. 

Es  ist  durch  diese  Beobachtung  mithin  ausser  Zweifel 
gesetzt,  dass  ein  Theil  der  bisher  dafür  geltenden  Penta* 
criniten  -  Glieder  des  Muschelkalkes  von  Encriniten  ab- 
stamme, und  ist  wahrscheinlich,  dass  alle  in  dieser  Formation 
von  solchen  herrühren. 


Jahrg^ang  183T. 


iiieralog'ische  Notizen 


von 


Herrn    Dr.  R.  Blum. 


Hiezu  die  Fig.  E  1 ,  2,  3  auf  Taf.  I. 


Einige  mineralogische  Beobachtungen,  welche  ich  vor  Kur- 
zem zu  machen  die  Gelegenheit  hatte,  erlaube  ich  mir,  da 
sie  nicht  ohne  einiges  Interesse  sind,  hier  mitzutheilen.  1) 
Das  Vorkommen  kleiner  Apophylli  t-Krystalle  am  Kai-' 
serstuhle  im  Breisgau  führt  schon  Walchner  in  seinem 
Hand  buche  der  gesammten  Mineralogie  (ßd.  I,  pg.  283)  an, 
ohne  jedoch  Näheres  darüber  zu  sagen.  Ich  fand  sie  vor 
einiger  Zeit  ebenfalls  in  den  Blasenräumen  des  Dolerit- 
Mandelsteins  des  Lützel  -  Berges  bei  Sassbach,  begleitet 
von  Hai'motom  und  Bitterspath,-  und  zwar  Krystalle,  die 
um  desswillen  noch  der  Beachtung  verdienen ,  als  sie  For- 
men zeigen,  die  zu  den  seltenern  gehören.  Es  sind  nämlich 
reine  quadratische  Oktaeder  und  deren  Verbindung  zu  Zwü- 
lings-Gestalten,  wie  ich  dieselben  auf  Taf.  I,  Fig.  2,  3  darge- 
stellt habe.  Die  Zusammensetzungsfläche  der  Individuen  ist 
parallel  einer  Fläche  des  Oktaeders  und  die  ümdrehungs- 
axe  auf  ihr  normal,  ein  Gesetz  der  Zwillingsbildung,  wel- 
ches im  Tetragonal-Systeme  auch  beim  Kupferkiese  vorkommt. 
Die  Krystalle  sind  zum  Theil  einzeln  aufgewachsen,  häufiger 


-      35      — 

aber  zu  Drusen  verbunden ,  0,5  —  2  Linien  gross ,  Glas- 
oder Perlmutter-glänzend,  wasserhell,  weiss,  bräunlich,  sogar 
ganz  schwarz,  welche  Färbung  jedoch  meist  mehr  oberfläch- 
lich ist  und  von  einem  Überzüge  von  Eisenoxydhydrat  her- 
rührt. Durch  letzteres,  das  zuweilen  auch  in  Gestalt  klei- 
ner Kügelchen  auf  den  Krystallen  sitzt,  um  welche  dann 
konzentrische  Farbenringe  sich  verbreiten ,  erhält  der  Apo- 
phyllit  nicht  selten  metallartigen  Glanz.  Auch  ist  er  manch- 
mal mit  Harmotom  überzogen,  so  dass  nur  Theile  der  Flächen 
sichtbar  sind.  —  Bei  dieser  Gelegenheit  will  ich  bemerken, 
dass  ich  schon  öfters  Analzim  in  einem  Phonolith  der  Ge-^ 
gend  von  Eichstetten  gesehen  habe ,  an  dessen  Vorkommen 
am  Kaisentuhle  aber  Eise\lohr  in  seiner  Beschreibung 
dieses  Gebirges  zweifelt.  Die  Krystall  -  Trapezoeder  sind 
1  bis  2  Linien  gross,  zu  Drusen  verbunden,  theils  farblos 
und  durchsichtig,  theils  weisslich  oder  gelblichweiss  und 
durchscheinend. 

2)  Im  Anhydrit  des  Segeberges  beobachtete  ich  B  o- 
ra^it  in  körnigen  Aggregaten.  Es  sind  rundliche  einge- 
wachsene Massen,  .^  —  4  Linien  gross,  aus  ganz  kleinen  kör- 
nigen Individuen  zusammengesetzt,  jedoch  ohne  starken 
Zusammenhalt,  indem  sich  die  einzelnen  Körnchen  leicht  ab- 
lösen lassen,  von  gelblicliweisser  und  orangegelber  Farbe 
und  ziemlich  starkem  Glasglanze.  Nach  Aussen  sind  diese 
körnigen  Partien  meist  mit  einer  Rinde  von  Borazit-Krystallen 
überzogen,  die  sich  zugleich  durch  weisse  oder  schwärzliche 
Färbung  und  einen  stärkeren  Glanz  zu  erkennen  geben. 

3)  Hyalith  habe  ich  in  der  porösen  Abänderung  des 
Anamesits  von  Steinheim  in  äusserst  merkwürdigen  Bil- 
dungen aufgefunden.  Er  überzieht  die  Blasenräume  dieses 
Gesteins  mit  einer  dünnen  Rinde,  oder  füllt  dieselben ,  wie- 
wohl sehr  selten,  ganz  aus.  In  ersterem  Falle  zeigt  er  sich 
theils  als  Überzug  von  gleichmässiger  Dicke,  theils  findet 
man  ihn  nach  einer  Seite  der  Poren  hin  bei  weitem  stärker 
angesetzt,  als  nach  der  anderen,  und  dann  ist  er  weiss, 
matt   oder   schimmernd   und  an  den  Kanten  durchscheinend, 

3* 


-     36     — 

Zuweilen  findet  man  die  Hyalith-Kruste  zusammengesetzt  aus 
lauter    aneinander- gereihten  Kugeln  und  ihre  Oberfläche  ist 
dann  Nieren-  oder  selbst  Trauben-förmig.    Merkwürdig  genug 
trifft    man    häufig    über  der  Hyalith  >  Rinde  Sphärosiderit  in 
kugelförmiger  Gestalt  abgesetzt,   so  dass  die  Bildung  dessel- 
ben offenbar  später  erfolgt  seyn  muss,  als   die   des  Hyaliths. 
Letzterer  findet  sich  aber,  ausser  in  den  genannten  Gestal- 
ten,   am  ausgezeichnetsten    noch    in    ästigen,    Stauden-  und 
Baum-förmigen  Gebilden,    die  durch  Aneinanderreihung  von 
Kügeichen  hervorgegangen  sind  und  sich  theilweise  so    zart 
und    fein,     wie    Spinnengewebe    zeigen.       Sie    stehen    theils 
einzeln  von  den  Wandungen  der  Blasenräume    ab,    sind  ge- 
krümmt,   gebogen    und    lassen  häufig  die  Aneinanderreihung 
der  Kugeln  nicht  mehr  deutlich  wahrnehmen,  so  dass  diese 
in  ein  Ganzes  verschmolzen  zu  seyn  scheinen ;    theils  finden 
sie  sich  aneinandergereiht  in  stengeligen  Gestalten,  und  durch 
Ästchen     so    mit     einander    verbunden,     dass     manche    der 
Hauptstcngel,  nur  auf  solche  Weise  gehalten,  frei  zu  stehen 
scheinen,     wenigstens    keine    Berührung    mit   den    Wandun- 
gen   wahrnehmen    lassen.      Sehr    selten    kommt    der  Hyalith 
in  kleinen  plattenförmigen  Aggregaten  vor.     Im  Allgemeinen 
zeigt  er  meist  einen  starken  Glasglanz,  ist  wasserhell,  weiss, 
schwärzlich  oder  gelblich ,  gleichsam  als  wäre  letztere  Fär- 
bung  durch    Eisen    hervorgebracht.     —    Der    Sphärosiderit, 
dessen    ich  oben  erwähnte ,    bekleidet  im  Ganzen  viel  häufi- 
ger   die  Wandungen    der  Blasenräume    des    Anamesits ,    als 
der  Hyalith;  überhaupt  möchte  wohl  das  kohlensaure  Eisen- 
oxydul einen  grösseren  Antheil  an  der  Zusammensetzung  je- 
nes Gesteins    von  Stemheim    haben ,    als  man  glaubt.      Auch 
kommt  es  hier  noch  in  ganz  eigenthümlicher  Form  vor,    es 
füllt   nämlich    in    dichten  Massen  die  Blasenräume  entweder 
ganz  oder  nur  theilweise  aus. 

4)  Am  Staurolith  beobachtete  ich  neuerlich  eine 
Krystall-Form,  die  meines  Wissens  nach  nirgends  angegeben 
ist.  Fig.  3  auf  Taf.  I  stellt  dieselbe  dar.  Es  ist  die  Ent- 
scharfseitung  (o)  der  geraden  rhombischen  Säule,  verbunden 


I 


—     37     — 

mit  der  Entstnmpfeckung  (p),  welche  aber  so  weit  vorge- 
schritten ist,  dass  die  Endflächen  verschwunden  sind,  und 
Kanten  mit  Winkeln  von  etwa  60**  über  denselben  gebildet 
werden.  Die  Krystalle  sind  klein,  nur  etwa  0,5 — 2  Linien 
lang,  allein  sehr  rein,  durchsichtig,  lichte  bräunlichroth,  und 
finden  sich  an  einem  Talk  -  Schiefer  am  Monte  Campione 
bei  Faido  in  der  Schweitz,  begleitet  von  anderen  Krystali- 
Varietäten  des  Stauroliths  und  von  Disthen. 


iMgiB|iiyi)if  iBfiJHJ«wKMmjiwauüJUB«*i^^  iiiiiMaaBüagfiaBiaaHWKaaHB^ 


Briefwechsel. 


Mittheilungen,  an  den  Geheimenrath  v.  Leonhard 

gerichtet. 

Gülek  in  Kleinasien,  16.  September  1836. 
Ich  habe  nun  den  ganzen  Sommer  im  Taurus  zugebracht  und  ihn 
kreutz  und  queer  durchstreift.  Eine  merkwürdige  Alpenkette,  deren 
Zentralzug  ganz  ohne  abnorme  Gesteine ,  ohne  sogenannte  Primitiv- 
Felsgebilde  ist.  Ich  habe  in  Folge  meiner  Reisen  in  diesem  Gebirgs- 
lande  zwei  Hauptdurchschnitte  vom  Mittelmeere  bis  in  die  Ebene  von 
Klein- Asien  und  eine  Menge  der  interessantesten,  lokalen,  geognosti- 
schen  Partie'n,  so  dass  ich  mich  auf  ihre  Zusammenstellung  freue.  Ich 
bin  erst  jetzt  von  einer  zweimonatlichen  Reise  zurückgekehrt,  die  ich  in 
den  westlichen  und  östlichen  Taurus  der  Paschalike  Adana  und  Mar- 
rasch  unternommen,  und  auf  der  es  mir  gelang,  besonders  gegen  Diar- 
bekir  zu  ,  in  mehrere  Gegenden  vorzudringen,  wo  noch  keine  Europäer 
waren,  indem  die  Kurden,  ein  sehr  räuberisches  Volk,  jede  Reise  dahin 
unmöglich  machten;  und  auch  jetzt  noch,  obwohl  das  Schwerdt  Ibrahims 
eine  Strasse  gemacht  hat ,  reist  man  nur  in  gewissen  Grenzen  ,  aber 
auch  da  ganz  sicher  und  ruhig.  In  bergmännischer  Beziehung  geschah 
diesen  Sommer  auch  ziemlich  viel:  so  wurden  im  westlichen  Taurus  die 
grossen  Brauneisenstein -Lagerstätten  in  Szamszadlar  und  Deirmande- 
ressi  aufgedeckt,  und  in  diesem  Winter  beginnt  man  mit  Niedertreibung 
eines  300'  bis  400'  tiefen  Bohrloches  auf  Braunkohlen  im  Braunkohlen- 
Sandstein  zu  Thor  Oglu,  Im  östlichen  Taurus  sieht  es  noch  besser 
aus:  da  fand  ich  die  Braunkohlen  im  Braunkohlen-Sandstein  zu  Gedikle 
und  untersuchte  die  reichen  und  in  ungeheurer  Masse  entwickelten 
Brauneisenstein  -  Lagerstätten  am  Janik  Tepessi  mit  55^  Eisengehalt, 
das  Thoneisenstein- Lager  bei  Korrumsza  mit  63g  Eisengehalt  und  die 
Eisenerz  -  Lagerstätte  bei  Maserle  und  Bagdschadschig.  An  beiden  er- 
steren  Orten  sind  die  Lokal- Verhältnisse  so  günstig,  dass  man  ohne 
Zweifel  schon  nächstes  Frühjahr  daselbst  mit  Anlegung  von  Eisenhütten- 


—     39     — 

Etublissements    beginnen    wird.     Hier   beschäftigten   wir  uns  immer  mit 
der  Zugutebringung  unserer  Bleierze  in  Flammeiiöfeu  :  sie  gelang  jedoch 
nie  so,    dass  ein   ökonomischer  Vortheil  daraus  erwachsen  möchte,    und 
ich  gab  nun  diesen  Gedanken    ganz    auf   und    lasse    im  Verlaufe    dieses 
Winters  einen  20'  hohen   Schachtofen  bauen ,    in    dem    ich    im    nächsten 
Sommer  die  Probeschmelzen  vorneinuen  werde.     Die  hiesigen  Erze  sind 
sehr  gemischt  und  bestehen   aus  Schwefelblei,  Schwefelcisen,  Schwefel- 
kupfer ,    Schwefelarsenik  ,    Schwefelzink    und     phosphorsaurem  Bleioxyd 
(Griinbleierz).     Nach  vorhergegangener  Röstung  dürfte  eine  Beschickung 
von  Kalkstein    mit    Thon    oder  Brauneisenstein    nicht    ungeeignet    seyn. 
Diese  Erze  halten  kein  Silber.     1»    8  Tagen    reise    ich    nach  Syrien    ab 
und  werde  mich  über  Bairut,    Damaskus  und  Jerusalem  an  das  Tudte 
Meer  und    von    dort    nach  Ägypten  begeben.     Im  Verlaufe  des  Winters 
(des  Europäischen)  habe  ich  im  Sinne  nach  Ober-Ägypten  und  Nubien  zu 
reisen  und  nächsten  Sommer    wieder    hieher    zurückzukehren.     Dass  ich 
in  Aleppo  einen  Basaltstrom  sali,  der  zwischen  tertiärem  Kalk  und  Tlion 
hervorgebrochen,  glaube  ich  Ihnen  schon  nn'tgetheilt  zu  haben.    Übrigens 
sah  ich  ,  besonders  im  BetreflF  scheinbarer  Enjporhebungen  auch  hier  iui 
Taurus  merkwürdige  Punkte.     So  sehen  Sie  hier  in  A  (Taf.  1,  Fig.  A) 
eine  Partie    des    geschichteten  Übergangskalkes  des  Zentral-Zuges  ,    auf 
die  ich  bei  meiner  Besteigung  des  über  12,000   Wien.  Fuss  hohen  Allah 
Tepessi  im  Bulgar  Dagh,  nebst  dem  Bagher  Dagh  in  Kasan  üglu  eine 
der    höchsten    Spitzen    des    Taurus ,    stiess ,    und    welches  Schichtungs- 
Verhältnisa    ich  dann  später  in  der  ganzen  Zentralkctte  sich  oft  wieder- 
holen sah.   —  Zwei  Reisestunden  von  ßagdschadschig  vvestlicii   fand  ich 
Glimmerschiefer,  welcher  aber  dem  Übergangs-Gebilde  des  Zentral-Zuges 
angehört    und    wahrscheinlich    nur    eine    ganz    lokale   Varietät    des  Thon- 
schiefers  ist,  welcher  mit  dem  Übergangskalke  wechselt  und  den  ich  auch 
sonst  nirgends  fand.     In  einer  hohen  Felswand  B  (Taf.   I,  Fg.  B)  sieht 
man    in    diesem  Glimmerschiefer  b  zwei    merkwürdio:e  Lagerstätten    von 
körnigem  Kalk  a  aufsetzen.      Dieselben  durchbrechen  die  Schichten  des 
Glimmerschiefers  ,    welche  aus  Nord  in  Süd  streichen  und  in  West  ver- 
flachen ,    ganz  lagerförmig  ,    ohne  sie  durchzusetzen  ,  seheinen  mir  aber 
doch  Gänge  zu  seyn.     Diese  Lagerstätten    Ijaben    eine    Mächtigkeit    von 
1  bis  2  Lachter ,    sind    dem  Verflachen    nach    über  50  l^achter  zu  sehen 
und  setzen  im  Streichen    durch    den    ganzen  Berg    durch.     Der  körnige 
Kalk   dieser  Gänge    ist    ebenfalls    geschichtet    und    seine  Straten    haben 
eine  Mächtigkeit  von  1  bis  2  Fuss.      Am  Hangenden  und  Liegenden  ist 
dieser  körnige  Kalk   nicht   nur    mit    dem   Glimmerschiefer  ganz  verwach- 
sen,   sondern    geht    auch    in    denselben    über   und  dieses  Eindringen  der 
Kalkmasse    in    die    des    Glimmerschiefers    ist    die    einzige  Veränderung, 
welche  dieser  letztere  an  der  Grenze  dieser  Lagerstätte  erlitt,  was  mir 
mehr  für  chemische  Ausscheidung,  als  für  Emporhebung  der  Kalkmassen 
zu  sprechen  scheint.     Die  Straten  des  körnigen  Kalkes  sind  ausgezeich- 
net und  scharf  wellenförmig  gebogen,  während  die  des  Glimmerschiefers 
ganz  unverändert,  selbst  in  der  Nähe  der  Kalkgänge,  in  ihrer  Richtung 


—     40     - 

bleiben.  Der  körnige  Kalk  unterliegt  sehr  schieferiger  Absonderung.  — 
Eine  sehr  merkwürdige  Felsbildung  beobachtete  ich  am  Junik  Tepessi, 
ebenfalls  im  östlichen  Taurus.  Den  Janik  Tepessi  liegt  schon  im  Be- 
reiche der  Voralpen ,  und  das  ganze  Berg-Terrain  daselbst  besteht  aus 
dichtem  Kalkstein,  den  ich,  wesentlich  verschieden  von  dem  des  Zentral- 
Zuges,  seinen  charakteristischen  Kennzeichen  zu  Folge,  als  ein  Parallel- 
Gebilde  unseres  Süd  ->  Deutschen  Alpenkalkes  (Bergkalk ,  alte  Kreide) 
anspreche.  Dieser  Kalkstein  zeigt  stellenweise  Eisengehalt,  welcher  so 
sunimmt ,  dass  er  in  den  herrlichsten  Brauneisenstein  von  55|{  Roh- 
eisengehalt übergeht.  Dieser  Eisenstein  geht  wieder  in  Kalkstein  über, 
und  dieser  wird  wieder  zu  Brauneisenstein,  so  dass  man  diese  Erschei- 
nung mehrmals  beobachten  kann.  Am  Janik  Tepessi  selbst  befindet  sich 
eine  natürliche  Höhle,  deren  Eingang  S*'  hoch  und  1^**  breit  ist.  Inner- 
halb des  Einganges  erweitert  sich  die  Höhle  zu  20°  Höhe  und  zeigt 
eine  Menge  Nebengänge.  Ihre  Ausdehnung  ist  noch  gar  nicht  bekannt. 
Am  Eingang  der  Höhle  ist  der  Kalk  eisenschüssig ,  weiter  in  ihrem  In- 
nern aber  brechen  wir  gegenwärtig,  ohne  mit  Bestimmtheit  die  Grenzen 
einer  Lagerstätte  angeben  zu  können,  den  schönsten  Brauneisenstein.  — 
Sehr  merkwürdig  sind  auch  die  Glaskopf  •  Gänge  im  Übergangskalke, 
wechselnd  mit  Euphotid-Gebilden,  bei  Bagdschadschig :  doch  merkwürdig 
sind  noch  eine  Menge  anderer  der  gesehenen  Dinge  und  ich  muss  mir 
die  Mittheilung  derselben  schon  auf  ein  frohes  Wiedersehen  im  Heimath- 
lande sparen. 

RUSSEGGER. 


Tharand,  1.  November  1836. 
Hiebe!  übersende  ich  Ihnen ,  als  vorläufigen  Bericht  über  die  Nach- 
grabungen bei  Hohnstein  j    einen  zu  Jena  in  der  geognostischen  Sektion 
gehaltenen  Vortrag,  mit  der  Bitte,  ihn  in  Ihr  Jahrbuch  aufzunehmen  *'), 

Es  unterzeichneten  ferner  zu  diesem  Unternehmen : 

Rthlr. 

Herr  Alexandbr  Brongniart  in  Paris        .        .        •        .        .        10 
ff    Bergverwalter  S.  Horstihaisn  in  Höchst    ....  1 

„    Berg-  und  Salinen-Inspektor  Martini  zu  Wilhelmglücks- 
brunn  bei  Eisenach 

Der  Verein  zur  Beförderung  des  Obstbaues  in  der  Oberlausitz 

Vorige  Summe 


Zusammen  .  .  .     329 
B.    COTTA. 


*)  S.  oben  8.  1. 


-     41     — 

Wilhelmshall  bei  Rottweil,  15.  Nov.  1836. 

Ich  bin  zurück  von  meiner  Reise.  Gar  Manches  sah  und  hörte  ich. 
was  für  mich  von  Wichtigkeit  war.  Sie  wissen  ,  dass  die  Gypse  mich 
besonders  interessiren  ,  und  so  wollte  ich  auch  das  Vorkommen  im 
Hörschel  -  Thale  bei  Eisenach  näher  untersuchen.  Es  gibt  allerdings 
mächtige  Gyps-Gänge,  der  Gyps  bei  Hörschel  aber  ist  der  des  Muschel- 
kalkes,  wie  ich  in  nachstehenden  Durchschnitten  (Taf.  I,  Fig.  C)  dar» 
thun  werde. 

Die  Wellenkalk-Schichten  bei  a  fallen  gegen  S.W.  unter  einem  Winkel 
von  20  bis  25^.  Oben  in  demselben  Steinbruche  liegen  sie  ziemlich 
horizontal.  150  Schritte  weiter  davon  entfernt  senken  sich  die  letztern 
Schichten  gegen  S.O.  unter  einem  Winkel  von  etwa  14®;  die  unteren 
Schichten  sind  hier  nicht  mehr  sichtbar.  Der  Kalk  in  der  Nähe  von 
bb  ist  entfärbt,  wolkig  gezeichnet,  bröckelig.  Der  Basalt  bei  b  endigt 
oben  in  eine  offene  Spalte. 

Der  Kalkstein  hat  wenig  Versteinerungen :  Mya  mactroides  ,  Lima 
striata,  Avicula  socialis,  Av.  Bronni. 

Der  Gyps  ist  ganz  ähnlich  dem  des  Muschelkalks.  Nach  oben  geht 
er  in  dolomitische,  thonige  und  mergelige  Gesteine  über. 

Näher  an  Städtfeld  wird  es  noch  deutlicher ,  dass  wir  es  hier  mit 
Muschelkalk  -  Gyps  zu  thun  haben  (Taf.  I ,  Fg.  D).  Das  Einschiessen 
der  gelben  Mergel  ist  nach  Norden  ,  ebenso  des  Wellenkalks  und  zwar 
unter  28*^.  Noch  näher  an  Städtfeld  ist  der  Wellenkalk  sehr  fest  und 
wellig  geschichtet.  Starkes  Einschiessen  gegen  S.W.  Noch  näher  am 
Orte  sind  die  Schichten  fast  senkrecht,  etwas  gegen  O.  geneigt.  Nahe 
an  Eisenach  bunter  Sandstein  ,  östliches  Einfallen  unter  48  bis  50*^. 
Auf  den  Höhen  liegt  der  Wellenkalk  ziemlich  horizontal. 

Aus  vorstehenden  Profilen  geht  hervor; 

1)  dass  der  Gyps  auf  Wellenkalk  liege,  und  von  den  bekannten  gelben 
Mergeln  bedeckt  werde,  dass  es  also  hier  wie  allerorten  im  südwestli- 
chen Deutschlande,  wie  in  Thüringen  und  Sachsen  an  der  Stelle  Hege, 
die  ihm  ursprünglich  angewiesen  war,  und  dass  es  also  kein  Gang  sey, 
sondern  einer  Gruppe  des  Muschelkalks  angehöre ,  und 

2)  dass  der  Basalt  solche  Störungen  hervorgebracht  habe ,  dass  es 
scheinen  könnte ,  als  ob  einzelne  Gebirgsglieder  gangweise  vorkämen, 
Bemerkenswerth  ist^  dass  die  Hebungen,  welche  im  Thale  sichtbar  sind, 
sich  nur  sehr  wenig  nach  den  Höhen  erstrecken,  dass  daher  die  Schieb« 
ten  dort  ziemlich  horizontal  liegen. 

V.    ÄLBERTI. 


Tharand,  20.  Nov.  1836.     - 
Herr  Zimmermeistcr  Siemen   hat  in  Dresden   einen    zweiten   artesi- 
schen Bronnen  bohren  lassen.     Im  Oktober  dieses  Jahres  erreichte  man 


—     42     - 

bei  859  Fuss  Tiefe  eine  stark  springende  Quelle  von  -f-  16"  R.  Tempe- 
ratur, welche  in  jeder  Sekunde  ungefähr  80  Dresdener  Kannen  wohl- 
schmeckendes Wasser  liefert.  Dieses  Bohrloch  liegt  in  Aev  Antonsstadt^ 
ungefähr  6600  Fuss  von  dem  auf  dem  Antonsplatze  entfernt.  Man 
durchbohrte  : 

57  Fuss  Sand  und  Kies, 

7«      „    Mergel  und  Kalkstein)  p,.__^^  ^^^  ^^^^^ 
40       „     reinenMergel  \ 

20      „     grauen  Sandstein  (Grünsand) 

859  Fuss. 

Bei  dieser  Tiefe  fiel  der  Bohrer  in  eine  Kluft ,  das  Wasser  drang 
mit  Macht  hervor  und  führte  eine  Menge  feinen  Triebsand  mit  zerbro- 
chenen Muschelschaalen  zu  Tage,  die  von  einer  kleinen  Bivalve  herrühren. 

Vergleicht  man  diese  Resultate  mit  denen  des  Bohrlochs  auf  dem 
Antonsplatze  (Jahrb.  1835,  S.  321),  so  ergibt  sich,  dass  der  Pläner  im 
SiEMEN'schen  Bohrloche  nicht  nur  eine  viel  bedeutendere  Mächtigkeit, 
sondern  auch  eine  weit  grössere  Tiefe  erreicht.  Sonach  scheint  auch 
der  ehemalige  Thalkessel  hier  noch  tiefer  gewesen  zu  scyn,  als  dort. 
Eine  so  ungewöhnliche  Mächtigkeit  von  780'  konnte  der  Pläner  über- 
haupt nur  in  einem  solchen  Kessel  erlangen. 

Angenommen  dass  die  Temperatur  des  ausströmenden  Wassers  = 
-f-  16®  R.  =  -|~  20"  C.  ,  zugleich  die  wahre  Temperatur  jener  860' 
unter  der  Erdoberfläche  liegenden  Stelle  des  Bohrloches  sey,  so  würde 
sich  daraus  ,  verglichen  mit  der  mittlen  Temperatur  der  Erdoberfläche 
bei  Dresden  =  -j-  ö''  C.  (die  der  Luft  ist  =  8,11"  C.)  eine  gleich- 
förmige Temperatur  -  Zunahme  von  1,20"  C.  auf  100'  Tiefe  ,  oder  von 
l"  auf  78'  Tiefe  ergeben.  Die  so  berechnete  Temperatur  -  Zunahme  ist 
jedoch  viel  grösser,  als  die  von  Reich  in  seinen  Beobachtungen  über  die 
Temperatur  des  Gesteins  sorgfältig  ermittelte ,  woraus  man  wohl  mit 
gutem  Grunde  schliessen  kann  ,  dass  das  Wasser  des  SiEMEiv'schen 
Bohrloches  eigentlich  aus  grösserer  Tiefe  kommt,  zumal  da  während  des 
Heraufsteigens  durch  die  kälteren  Erdschichten  wenigstens  bis  jetzt  noch 
einige  Erkaltung  stattfinden  dürfte.  Es  ist  zu  erwarten ,  dass  das  aus- 
strömende Wasser  künftig  noch  etwas  wärmer  wird.  Auch  der  ansge- 
spühtte  Triebsand  mit  den  kleinen  Muschelschaalen  scheint  der  Analogie 
nach  einer  tiefern  Schicht  des  Quadersandsteins  anzugehören,  und  durch 
eine  offene  Spalte  von  dem  strömenden  Wasser  bis  zum  unteren  Ende 
des  Bohrloches  emporgeführt  worden  zu  seyn. 

'  B.    CoTTA. 


—     43 


Mittheilungen,  an  Professor  Bronn  gerichtet. 

Christiania,  6.  Sept.  1836. 
In  Folge  Ihrer  Aufforderung  die  Terebrateln  betreffend,  werde 
ich  Ihnen  Alles  zur  Benützung  zusenden,  was  unser  königl.  Universitäts* 
Museum  davon  besitzt.  —  Mein  Freund,  Lektor  Bock,  wird  nun  endlich 
seine  vollständige  Arbeit  über  Tri  lobiten  erscheinen  lassen.  Ich  fange 
diesen  Winter  an  eine  Gaea  Norwegica  in  BeuUcher  Sprache  drucken 
zu  lassen. 

Keilhau. 


ürac/i,  7.  Okt.  1836. 

Ich  bin  von  meiner  Reise  nach  Salzburg  kürzlich  zurückgekehrt. 
Das  Beobachten  und  Sammeln  ist  dort  ausserordentlich  schwierig.  Or- 
thoceratiten  u.  a.  ausgezeichnete  Übergangs  -  Petrefakten  habe  ich 
nicht  linden  können.  Lill  scheint  mir  viele  der  seinigen  (die  Sic  be- 
schrieben) aus  Findlingen  herausgeschlagen  zu  haben ,  und  so  mögen 
ältere  Versteinerungen  mit  jüngeren  verwechselt  worden  seyn,  da  selbst 
auf  den  höchsten  Kalk  -  Alpen  noch  ürgebirgs  -  u.  a.  Geschieben  gefun- 
den werden  *). 

Der  bei  Zieten  abgebildete  Cirrus  depressusist  nichts  als  ein 
Steinkern  von  Pleurotomaria  granulata  (Zieten).  Namentlich 
besitzt  Hartmans  ein  Exemplar  mit  halb  abgelöster  Schaale,  woran  man 
dieses  genau  sehen  kann. 

Fr.  V.  Mandelsloh. 


Frankfurt  13.  Dez.  1836. 
Bei  meiner  Durchreise  durch  Darmstadt  hatte  ich  Gelegenheit,  die 
schöne  Sammlung  der  fossilen  Thierreste  aus  Eppelsheim  im  dortigen 
Museum  anzusehen  und  sie  unter  andern  mit  dem  von  mir  aus  Podolien 
beschriebenen  Dinothcrium  proavuni  zu  vergleichen.  Nach  genau 
mit  Hrn.  Dr.  Kauf  angestellten  Vergleichungen  ergab  es  sich,  dass  das 
Podolische  Dinotherium  um  vieles  grösser  gewesen  war ,  als  das 
Eppelsheimer  D.  giganteum;  denn  in  der  an  Zähnen  dieses  Dino- 
therium so  reichen  Sammlung  fand  sich  kein  Backenzahn,  der  den  von 
mir  (in  Nov.  Act  phys.  med.  Acad.  Caes.  Leop.  Nat.  Cur.  Tom.  XVII 


•)  Diese  Ansicht   scheint  um   so   mehr    der  Würdigung   werth ,    da  in  der  That  nieh- 
jrere  der  von  Lill  erhaltenen  Versteinerungen  in  Geschieben  liegen. 

Brokv. 


~     44     — 

part.  11  y  Tab,  LX,  fig,  1  —  5,  Bonnae  et  WraÜslainae  1835)  abge- 
bildeten Zähnen  an  Grösse  gleichgekommen  wäre;  auch  war  bisher  kein 
Backenzahn  dieses  Thiers  dem  Dr.  Kauf  vorgekommen  ,  der  so  stark 
abgekaut  erschien,  wie  der  in  Fg.  1  u.  2  {.  c.  abgebildete  Zahn.  Schon 
daraus  lässt  es  sich  annehmen^  dass  diess  Dinotherium  älter  gewe- 
sen war,  als  die  früher  beschriebenen  ;  dass  es  aber  auch  in  der  Zahn- 
Bildung  selbst  Verschiedenheit  genug  besitze,  um  als  selbstständige  Art 
zu  bestehen  ,  geht  aus  dem  sehr  abweichend  gebildete«  obern  Backen- 
zahne (denn  dafür  hielt  ich  ihn  früher  und  dafür  erkläre  ich  ihn  auch 
aufs  Neue  ,  es  ist  nämlich ,  auch  nach  Dr.  Kaup's  Meinung  ,  der  erste 
obere  Backenzahn  der  linken  Seite)  hervor,  der  an  seiner  innern  Wand 
^in  paar  sehr  tiefe  Gruben  hat ,  die  jenem  Dinotherium  von  dieser 
Gestalt  gänzlich  fehlen ,  der  andern  durch  die  Zeichnung  gut  ausge- 
drückten Unterschiede  nicht  zu  gedenken.  Der  in  Fg.  1  und  2  abge- 
bildete Zahn  bleibt,  wie  in  der  Abhandlung  bemerkt,  ein  untrer  Backen- 
zahn, und  steht  dem  dritten  Zahne  des  D.  giganteum  am  nächsten. 

Was  aber  noch  mehr  die  Selbstständigkeit  des  Podolischen  Riesenthiers 
charakterisirt ,  ist  —  der  auffallend  gebildete  Unterkiefer ,  dessen  gros- 
ses ,  höchst  sonderbar  gestaltetes  ,  von  mir  1.  c.  Tb.  LVI  und  LVII  ab- 
gebildetes und  für  das  Zwischenkieferbein  des  Podolischen  Mastodon 
gehaltenes  Fragment  ich  gegenwärtig  nach  eigener  Ansicht  und  Verglei- 
ehung  mit  dem  Unterkiefer  des  Dinotherium  giganteum  nur  dafür 
halten  kann.  Diess  hat  auch  um  so  grössere  Wahrscheinlichkeit ,  weil 
jene  Backenzähne  sich  mit  diesem  kolossalen  Fragmente  in  derselben 
Stelle  fanden  und  ganz  dieselbe  äussere  Beschaffenheit  mit  ihm  zeigen, 
wie  ich  diess  auch  a.  a.  O.  ausführlich  beschrieben  habe;  sie  sind  näm- 
lich stark  von  Eisentheilen  durchdrungen  und  daher  sehr  schwer. 

Diess  Unterkieferstück  unterscheidet  sich  also  nicht  nur  durch  be- 
deutendere Grösse  von  dem  des  Dinotherium  giganteum,  sondern 
auch  durch  andere  Krümmung  und  durch  ein  paar  höckerförmige,  starke 
Hervorragungen  in  der  Gegend  dieser  Krümmung,  so  wie  durch  eine 
tiefere ,  breitere  Grube  an  seiner  Oberfläche.  Auch  die  Nervenlöcher, 
I.  c.  Tb.  LYII  a,  b  sind  grösser  und  anders  gestaltet,  als  in  Dinothe- 
rium giganteum. 

Übrigens  findet  sich  diese  Art  in  einem  eisenschüssigen  grobkörni- 
gen losen  Sande ,  der  ohne  Zweifei  gleich  dem  Eppelsheimer  der 
obersten  Schicht  der  Tertiär- Bildung  oder  der  Schweitzer  Molasse  ent- 
spricht ,  und  wahrscheinlich  auch  in  Podolien  Bohnerz  enthält ;  aber 
merkwürdig  bleibt  das  Vorkommen  des  gemeinen  Opals  von  braunschwar- 
zer Farbe  in  den  Nervenlöchern  ,  die  ganz  damit  ausgefüllt  waren,  wie 
diess  a.  a.  O.  angegeben  ist. 

£•  Eichwald. 


BBB 


Neueste   Literatur. 


A.  Bücher. 


1S36. 


L.  DE  Buch  :  description  physique  des  iles  Canaries ,  suivie  d^une  indi- 
cation  des  principaux  volcans  du  glohe.  Traduite  de  VAllematid 
par  C.  BouLANGSR,  revue  et  augmentee  par  Vauteur;  in  8"  [S7J9 
pp.}  avec  un  atlas  de  12  pU.  in  fol.  i95  Francs]. 

W.  Buckland  :  Bridgewater  Treatise  on  Geology  and  Mineralogy ; 
with  56  plates.     II.  8^  Land,  [i  Pf.  IS  «/♦.]. 

Geologische  Karte  oder  synoptische  Übersicht  [!]  des  Zustandcs  der 
Erde  in  ihren  verschiedenen  Altern ,  auf  eine  Untersuchung  der 
Thatsachen  gegründet.     1  Blatt  in  Fol.,  Weimar. 

A.  GoLDFüss:  Abbildungen  und  Beschreibungen  der  Petrefakten  D^jm^cä- 
lands  und  der  angrenzenden  Länder ,  unter  Mitwirkung  des  Herrn 
Grafen  G.  zu  Münster  herausgegeben.  Fünfte  Lieferung ,  Düssel- 
dorf 1836,  in  Fol.  (Band  II,  S.  69—140,  Taf.  97—121). 

C.  L.  Hasse:  die  Eiaen-Erzeugung  Deutschlands  aus  dem  Gesichtspunkte 
der  Staatswirthschaft  betrachtet  ,  nebst  Vorschlägen  zu  ihrer  Ver- 
mehrung.    Leipzig,  442  SS.  8**. 

J.  G.  Kurr:  Gruudzüge  der  ökonomisch  -  technischen  Mineralogie,  für 
Ökonomen  und  Gewerbsmänner,  für  Real-,  Gewerbs-,  Land-  und 
Forst- wirthschaftliche  Anstalten,  443  SS.  8^,  mit  6  Kupfern  4^ 
Leipzig  [U  Thlr.]. 

LiNDLEY  and  W.  Hutton  :  the  Fossil  F^lora  of  Great  Britain.  London 
1836:  April-Heft,  enthält:  Pecopteris  abhreviata ;  Fenoides  argua- 
tus;  Equisetum  laterale;  Pecopteris  Haiburnensis ;  Brachyphyllum 
mammillare  ;  Carpolithes  conica ;  C.  Bucklandii ;  Hippurites  Ion- 
gifolia ;  Favularia  nodosa ;  Trigonocarpum  oblongum ;  Zamia 
lanceolata. 


_     46     - 

R.  A.  Philippi  :  Enumeratio  Molluscorum  Siciliae ,  cum  viventium  tum 
in  tellure  tertiana  fossilium  ,  quae  in  itinere  suo  observavit.  JS67 
pp.  et  i2  tab.  lithogr.  4®.  ßerolin. 

R  *  *  *  Mineralogie  des  gens  du  munde ,  ou  notices  generales  sur  les 
mineraux  les  plus  utiles  ä  la  Societe ,  Paris  in  IS^  [3  /r.  75  c.]. 

W.  Rhind  :  Excursions  illustrative  of  the  Geology  and  Natur al-History 
of  tlie  Environs  of  Edinburgh ,  with  woodcuts  and  i  plate.  Edin^ 
burgh,  120, 

C.  Schmidt:  Lehrbuch  der  populären  Mineralogie  für  Bürger-  und  Ge- 
werb-Scbulen,  VI  und  112  SS.  Leipz.  8°  [9  Gr.]. 

H.  Wackenroder  :  mineralogisch  -  chemische  Beiträge  zur  Kenntniss  des 
TÄwrtw^iscA^/i  Flötz-Gebirges:  HeftI,  Untersuchung  der  wichtigeren 
Gebirges  -  Arten  und  vorzüglicheren  einfachen  Mineralien  des  Flötz- 
Gebirges  bei  Jena ,  VIII  und  61  SS. ,  nebst  einem  idealen  Profile 
der  Jenaischen  Bergschichten  in  8°,  Jena  [6  Gr.]. 

Die  Wunder  und  Schätze  der  unterirdischen  Vl'^elt,  oder  die  Bergwerke, 
die  Metalle,  die  Edelsteine,  die  Steinkohlen,  das  Salz  u.  s.  w.  Für 
die  Jugend,  aus  dem  Englischen  übersetzt,  IV  und  183  SS.  mit  16 
Kupfern,  Stuttgart  8""  [16  Gr.]. 


i 


Auszüge. 


I.  Mineralogie,  Krystallograpliie,  Mineralcheniie. 

A.  LoEWE :  Zerlegung  der  strahligen  Blende  von  Frzi" 
bram  (Poggend.  Ann.  XXXVIII,  161  flF.).  Das  Mineral,  ausgezeichnet 
durch  seinen  bereits  von  Zippe  nachgewiesenen  Cadniium-Gehalt ,  bricht 
auf  Silber- haltigen  Bleiglanz -Gängen,  die  in  Grauwacke  aufsetzen  und 
nebst  Kalk-  und  Baryt -Späth,  Blende,  etwas  Eisen-  und  höchst  selten 
Kupfer-Kies  führen.     Resultat  der  Analyse : 

Schwefel 32,75 

Cadmiuui 1,78 

Eisen 2,20 

Zink 62,62 


99,; 


5 


Fr.  von  Kobell  :  über  das  Tellur-Wisniutb  von  San 
Jose  in  Brasilien  (Erdmann  und  Schweigger- Seidel,  Journ.  f.  Chem. 
VIII,  341).  Dieses  Mineral,  welches  in  körnigem  Kalk,  begleitet  von 
Glimmer,  von  Eisen-  und  Magnet-Kies  vorkommt,  stimmt  in  seinen  physi- 
schen Eigenschaften,  in  Farbe,  Glanz,  Spaltbarkeit,  mit  dem  Tetradymit 
von  Schemnitz  durchaus  überein. 


Graf  F.  Schaffgotsch  :  Analyse  eines  Jamesonits  aus 
Estremadura  (Poggend.  Ann.  XXXVIII ,  403  flF.).  Das  Mineral  ist 
derb  und  besteht  aus  kurz-  und  dickstängeligen ,  verworren  durcbeinan- 
der  gewachsenen  Zusammensetzungs-Stücken,  welche  rechtwinkelig  gegen 
die  Hauptaxe  vollkommen  ,  parallel  der  Hauptaxe  in  mehreren  Richtun- 
gen jedoch  nur  unvollkommenen  spaltbar  sind ,  so  dass  der  Längen- 
bruch der  Hauptaxe  parallel  gestreift  erscheint.    Dunkelbleigrau,  lebhaft 


—     48     — 

metallglanzend ;    graulichschwarzer    Strich.  Etwas    härter ,    als   Stein- 

fialz.     Spez.  Schw.  =  5,616.     Die  Analyse  ergab: 

Blei 39,971 

Antimon 32,616 

Schwefel 21,785 

Eisen 3,627 

Wismuth 1,055 

Zink 0,421 

99,475 
Das  Mineral  ist  demnach  nichts  anders,  als  ein,  mit  etwa  8^  Proz. 
fremden  Beimengungen  verunreinigter  Jamesonit. 


Weiss  :  über  das  Gyps-Systcm  (Abhandl.  d.  K.  Acad.  d. 
Wissensch.  in  Berlin  aus  dem  Jahre  1834 ,  Berlin ;  1836 ,  S.  623  flF.). 
Ein,  zum  Auszuge  nicht  geeigneter,  Nachtrag  zu  einer  Abhandlung  des 
Yerfs.  über  das  nämliche  Mineral-System. 


Fr.  V.  KoBELL :  über  den  Jamesonit  aus  Brasilien  (Erd- 
mann und  Scuweigger-Seidel,  Journ.  f.  Chem*  YIII,  342).  Das  Mine- 
ral kommt  derb  ,  theils  strahlig ,  theils  krystallinisch  körnig  vor ,  zeigt 
einen  sehr  deutlichen  Blätter-Durchgang  und  ist  dunkelstahlgrau.  Fund- 
ort Catta  Franca»  Bricht  in  einem  Quarz  •  Gange ,  begleitet  von 
Schwefel-Antimon  und  Schwefel-Blei* 


A.  LoEWE :  Analysedes  Basaltes  und  der  Lava  vom 
Ätna  (PoGCEND.  Ann.  d.  Phys.  XXXVIII,  151  £F.).  Der  Verf.  zerlegte 
den  Basalt  von  Wickerstein  bei  Querbach  in  Schlesien  y  um  zu  sehen, 
ob  ihm  eine  ähnliche  chemische  Zusammensetzung  eigen  sey ,  wie 
den  von  Ki^afroth  ,  R.  Kennedy  und  Chr.  Gmekin  untersuchten.  Für 
den  löslichen  Theil  ergab  sich  folgende  Zusammensetzung: 

Kieselerde 35,06 

Thonerde 25,98 

Eisenoxydul-Oxyd   .     .     .     10,39 

Kalkerde 9,43 

Natron 12,47 

Kali ,       1,28 

Wasser 6,07 

100,68 
Vom  Eisenoxydul-Oxyd  abgesehen,  das  als  eingesprengtes  Magneteisen 
betrachtet  werden  muss,  zeigte  sich  folgendes  Bestandtheilen-Verhältniss: 


—     49     — 

Kieselerde 39,13 

Thonerde 29,00 

Kalkerde 10,52 

Natron 13,92 

Kali 1,43 

Wasser 7,93 

100,93 
Nach  diesem  Resultat  lässt  sich  folgende  Formel  aufstellen : 

Na»  )    Si  +  2  AI  Si  4-  3  H. 

Der    gelatinirende    Gemengtlieil    ist    seiner    chemischen    Zusammen- 
setzung nach  ZeoHth-artig,  stimmt  aber  in  derselben  mit  keinem  bekann- 
ten Zeolithe  übercin ;  am  meisten  nähert  er  sich  dem  Tompsonit. 
Der  nicht  gelatinirende  Gemengt  heil  enthielt: 

Kieselerde 47,98 

Thonerde 9,10 

Eisenoxydul 16,51 

Kalkerde    ......     14,41 

Talkerde,    mit  einer  Spur 
von  Mangan    ,     ,     ,     .     12,97 

100,97 
Die  Analyse    zeigt    die  Zusammensetzung  des  Augits :    eine  Formel 
lässt  sich  aber  ungezwungen  daraus  nicht  entwickeln. 

Aus  der  ersten  und  der  letzten  Analyse,    die  Zusammensetzung  des 
Basaltes  als  Ganzes  berechnet,  zeigte  sich  folgendes  Verhältniss : 
Kieselerde       .     ,     «     .     .     41,18 

Thonerde 17,39 

Eisenoxydul-Oxyd    ,     ♦     .       6,15 

Eisenoxydul 8,18 

Kalkerde 11,82 

Natron 6,18 

Talkerde 6,43 

Kali 0,63 

Wasser 2,70 

99,66 
Aus  dieser  letzten  Zusammensetzung  lässt  sich  kein  weitrer  Schluss 
Eiehen;  die  vorhergehende  Untersuchung  zeigt  aber,  dass  der  analysirte 
lasalt  ein  Gemenge  von  krystallisirtem  Augit  mit  einer 
lerben  Zeolith-artigen  Masse  und  eingesprengtem  Magnet- 
sisen  ist.  Von  diesen  Geraengtheilen  waren  in  den  zerlegten  Stücken 
lenthalten  : 

Jahrgang  1837«  4 


—     50     — 


Augit 55,58 

Zeolith-arljger  Geinengtheil    .     39,81 
Magueteisea 4,61 

lOOjOO 

Die  analysirte  Ätna-hAva  bestand  aus  einer  grauen  Grundmasse, 
worin  kleine  graulichweisse  Tafel-artige  Krystalle  eines  Feldspath-ähnli- 
chen  Gemengtheils ,  schwärzlichgraue  Krystalle  von  Augit  und  kleine 
Körner  von  Olivin  eingewachsen  sind.  Den  Feldspath  -  ähnlichen  Ge- 
niengtheil  erklärte  G.  Rose  für  Labrador.  Er  findet  sich  in  der  Lava 
in  grösster  Menge ;  sparsam  kommt  Augit  und  noch  sparsamer  Olivin 
vor.  Die  Lava  ist  vom  Strom,  der  1669  Catania  zerstörte.  Die  Ana- 
lyse ergab: 

für  den  gelatinireu-    für  den  nicht  gelatini- 
den  Bestandtheil :         renden  Bestandtheü  : 


Kieselerde       .     . 

.     43,31     .     . 

.     .     54,76 

Thonerde  .     .     , 

.     12,83     .     . 

.     .     19,62 

Eisenoxydul    ,     « 

.     26,86     .     . 

.     .       5,93 

Kalkerde     .     .     • 

.       7,48     .     . 

.     •     11,22 

Talkerde    ,     .     . 

.     .       9,21 

Natron       .     .     . 

.       6,94     .     . 

Kali       .... 

1,56     .     . 

Manganoxydul     ♦ 

.     .       1,09 

98,98  101,83 

Demnach  enthält  die  Lava  als  Ganzes  berechnet : 

Kieselerde       .     . «  .     .     ♦  48,83 

Thonerde 16,15 

Eisenoxydul    .....  16,32 

Kalkerde 9,31 

Talkerde 4,58 

Natron 3,45 

Kali 0,77 

Manganoxydul     ....  0,54 

99,95 

Sämmtliche  Analysen  geben  ein  solches  Resultat,  woraus  sich  rich- 
tig auf  die  Zusammensetzung  der  Lava  schliessen  lassen  dürfte;  wahr- 
scheinlich ist,  dass  nicht  ein  Gemengtheil  allein  an  der  Auflüslichkeit 
in  Säuren  Theil  nimmt,  wesshalb  die  Bestandtheile  eines  jeden  für  sich 
nicht  angegeben  werden  können.  —  Bemerkenswerth  ist,  dass  die  Lava 
nicht  eine  Spur  Wasser  enthält,  während  der  Basalt  bis  jetzt  nie  ohne 
Wasser-Gehalt  gefunden  worden  ist. 


—     51      — 


II.     Geologie  und  Geognosie. 

J.  Pbtherick:  über  die  Geologie  in  der  Nahe  der  Aliens- 
Gruben  in  Finnmark  (Journ.  uf  the  geul.  Soc.  of  Dublin,  I,  67  etc.). 
Die  Gruben  liegen  in  der  kleinen  Meeres-Bucht  von  Kaafiord  {KöfUrd), 
nahe  an  der  Mündung  des  Flusses  Alten  und  am  Fusse  einer  Bergreihe, 
welche  aus  N.  nach  S.  zieht.  An  der  Küste  herrscht  eine  beständige 
Strömung  aus  W. ,  und  Baumstämme  aus  Amerika  werden  nicht  selten 
da  angeschwemmt.  Das  Ufer  steigt  in  Terrassen  an  ,  welche  aus  Roll- 
steinen bestehen  ;  unter  den  Geschieben  triflft  man  auch  Trümmer  man- 
cher Felsarten ,  die  längs  der  Küste  nicht  vorkommen.  Es  herrschen 
nämlich  hier  Hornblende  -  Gesteine  vor  ,  in  denen  die  Erze  ,  besonders 
Kupfer-Minen,  einbrechen,  welche  man  durch  einen  Stollen  abbaut,  der 
in  einer  Höhe  von  300  F.  über  dem  Meere  getrieben  worden.  Der 
Hauptgang ,  zumal  aus  Kalkspath  bestehend ,  streicht  aus  N.O.  nach 
S.W.  und  fällt  gegen  N.  unter  einem  Winkel,  der  zwischen  10  und  40** 
schwankt.  Andere  Gänge  (denn  es  gibt  deren  sehr  viele)  zeigen  nicht 
das  nämliche  Fallen  ,  aber  alle  bewähren  sich  als  mehr  oder  weniger 
ergiebig  und  selbst  bis  zu  Tage.  Einzelne  Kupferkies  -  Massen  ,  wie 
solche  liier  meist  isolirt  erscheinen,  waren  so  beträchtlich,  dass  sie 
mehrere  Tonnen  Erz  lieferten.  —  Mit  dem  Hornblende-Gesteine  wechselt 
bin  und  wieder  Chloritschiefer ,  dessen  Lagen  dem  Fallen  des  Haupt- 
Kupfererz-Ganges  ungefähr  parallel  sind.  Stellenweise  wird  das  Horn- 
blende-Gestein auch  von  schmalen  Strahlstein -Adern  durchzogen.  Bei 
Talvig ,  in  einer  Entfernung  von  10  {Englischen?)  Meilen  von  der 
Grube  ,  tritt  unmittelbar  über  dem  Hornblende  -  Gestein  ein  ausgezeich- 
net schöner  körniffer  Kalk  auf. 


Ch.  Daubeny:  Durchschnitt  vulkanischer  Lagen  unfern 
Torre  delV  Annunziata  an  d e  m  M e  e  r  e  s  b u  s e n  von  Neapel,  und  Be- 
merkungen über  die  aus  warmen  Quellen  der  Vulkane  von 
Campania  entwickelten  Gase  ( Jameson  ,  Edinb.  new  phil.  Juurn. 
1835,  July  —  Oktober ,  p.  221  etc.).  Die  Auffindung  einer  Therme 
auf  einer  Landspitze  unfern  der  Stadt  Torrf?  didV  Annunziata,  am  Fusse 
des  Vesuvs  veranlasste  Nachgrabungen ,  und  so  wurde  ein  deutlicher 
Durchschnitt  der  vulkanischen  Schichten  entblösst ,  welche  an  dieser 
Seite  den  Abhang  des  Feuerberges  überdecken;  man  erhielt  dadurch  die 
augenfälligsten  Beweisse  von  zwei ,  wenn  nicht  von  drei  Ausbrüchen 
vulkanischer  Materien  ,  welche  sich  über  die  Gegend  verbreiteten  ,  und 
zwar  im  Laufe  der  geschichtlichen  Zeit.  Die  Gesammthöhe  des  Hügels 
hinter  dem  Badhause  beträgt  68  F.;  die  oberste  Lage,  5  bis  10  F.  mäch- 
tig, bestellt  aus  Dammerde  ,  untermengt  mit  zersetzter  Lava.  Unmittel- 
bar  darunter    erscheint  Lava ,    im  Durchschnitt  5  F.    mächtig    und   dem 


—      52      — 

Ganzen  der  Masse    nach    tbeils  dicht  blasig  ,    am  Boden  aber  Bchlackig. 
In  einer  der  geräumigen  Weitungen    will    man  kohlensaure  Magnesia  in 
Menge    gefunden    habe.     (Der  Verf.    ist    geneigt ,    die  Gegenwart  jener 
Substanz    als   Folge   von    Sublimation    anzusehen.)     Unter  dieser  Laven- 
Lage    besteht    der  Abhang    des    Hügels    hauptsächlich    aus    wechselnden 
Schiebten  von  Lapiili  und  Schlacken  ,    zuweilen    gebunden   durch  vulka- 
nischen Sand.     Die  einzelnen  Lagen  sind  vielartig  gefärbt,   grau,    roth 
und  schwarz.     Nach  der  Tiefe  erscheinen  die  verschiedenen  Substanzen 
ziemlich    deutlich    abgeschieden.     In  der  Mitte  tritt  eine  Schicht  grauen 
TufFes  auf,  dichter  als  jener,  welcher  Herculanum  überdeckt;  die  Mäch- 
tigkeit   derselben    ist    ungleich    und  beträgt  höchstens   5  Fuss.     An  einer 
Stelle  wird  sie,  jedoch  nur  scheinbar,  durch  ein  Haufwerk  von  Blöcken 
vulkanischen  Materials  unterbrochen,    denn  es  setzt  dieselbe  als  schma- 
ler Streifen    gegen  W.   weiter  fort  und  nimmt  allmählich  an  Mächtigkeit 
wieder  zu,  bis  sie  die  alte  Stärke  erlangt.     Nach  allen  Seiten  hin  dürfte 
die  Tuft-Lage  von  Lapilii  -  Schichten  umschlossen  seyn.     In    niedererem 
Niveau    nimmt    man    noch    einige    ähnliche  Erscheinungen    von  geringer 
Bedeutung  wahr.     Bei    allen    ist   die  Dichtheit  Folge    der   überliegcnden 
Lapilii,    und  die  Tuffschichten  selbst  entstanden  durch  vulkanischen  Re- 
gen und  Strömungen;  diess  ergibt  sich  unter  andern  auch  daraus,  dass, 
mitten    in    einer  Lage  von  Lapilii    und    vulkanischem  Sand  ,    und  unter- 
mengt mit  Dammerde -ähnlichen  Material,    Schilfstengel  gefunden  wor- 
den ,  ähnlich  jenen  ,  welche  noch  heutigen  Tages  in  der  Nähe  wachsen. 
Noch    etwas    tiefer    traf   man    Wurzeln    und    einen    Theil    des  Stammes 
einer    Fichte    von    beträchtlicher    Grösse:    in    aufrechter  Stellung,    und 
ohne  Zweifel  an  dem  nämlichen  Orte,  wo  der  Baum  einst  wuchs.    Auch 
nahm  man  Ziegel -Trümmer    wahr    und    ein  Stück  zugehauenen  Holzes. 
AuLDJo    besitzt    einen  Theil    eines  Cypressen  -  Stammes    von    7  Fuss  im 
Umfang  und  4  F.  Höhe ,    welcher  früher  in  etwas  höherem  Niveau  und 
gleichfalls  in  aufrechter  Stellung  gefunden  worden  ;  das  Äussere  ist  ver- 
kohlt,    das  Innere   vollkommen    gut  erhalten.     Beim  Treiben  eines  Stol- 
lens  im  Innern  des  Hügels  —  in    einem  Niveau    ungefähr    10  F.    unter 
jenem    des   zuerst   erwähnten  Baum  -  Stückes  —  entdeckten  die  Arbeiter 
Reste    von   Mauern    und    Gebäuden    mit   Fragmenten  Römischer  Töpfer- 
Arbeiten  ,    Spuren  von  Fresko  -  Gemälden    und    eine    ansehnliche  Menge 
geschnittenen  Marmors.     Die    Ausgrabungen    werden    noch    fortgesetzt; 
so  viel  kann  als  ausgemacht  gelten,  dass  an  der  erwähnten  Stelle,  wenn 
nicht  Überbleibsel  einer  Stadt,  doch  solche  von  mehreren  Bauwerken  wahr- 
nehmbar   sind,    welche    durch  Ausbrüche   des    Vesuv    begraben    worden. 
Manche  waren  der  Meinung,  die  entdeckten  Gebäude  seyen  Reste  eines 
Ortes    genannt    Oplonti ,    welches    zwischen    Herculanum    und  Pompeji 
und  an  derselben  Stelle  lag,  wo  heutigen  Tages  Torre  delV  Annunziata 
zu  finden ;    Andere    glaubten    nur    an  Badehäuser  und  stützten  ihre  An- 
sicht   auf  einen    ausgegrabenen  Brunnen    und    auf  die  Säulen,    welche 
zur  Halle  desselben  gehört  haben  dürften.  Übrigens  scheinen  bei  Oplonti, 
den    uns    aufbewahrten    Nachrichten    zu    Folge ,    in    der    Römer  -  Zeit 


—     53     — 

Badehäu8er  gewesen  zu  seyn.  Der  Verf.  glaubt ,  die  Katastrophe  habe 
Äur  Zeit  der  grossen  Eruption  vom  Jahr  79  Statt  gefunden  ;  die  untern 
Lagen  der  vulkanischen  Bedeckung  wenigstens  scheinen  darauf  bezogen 
werden  zu  müssen  ,  die  oberen  sind  ohne  Zweifel  späteren  Ursprungs. 
Auch  die  Umstände ,  unter  welchen  die  erwähnten  pflanzlichen  Über- 
bleibsel gefunden  werden,  sprechen  dafür,  dass  die  Überschüttung  nicht 
auf  einmal,  sondern  in  verschiedenen  Perioden  erfolgt  sey.  —  —  Die 
neuerdings  aufgefundene  Therme  hat  eine  Temperatur  von  ungefähr  87** 
F.  und  ist  besonders  ausgezeichnet  durch  die  Menge  kohlensauren  Ga- 
ses, welche  entbunden  wird.  Aus  dem  nahen  Meereswasser  quillt  jenes 
Gas,  und  in  der  Umgegend  sollen  manche  Stellen  wegen  häufiger  Gas- 
Ausströmungen  frei  von  allem  Pflanzen-Wachsthum  bleiben.  Bei  Unter- 
suchung der  Thermen  von  Torre  deW  Annunziata  fand  sich ,  nachdem 
alle  Kohlensäure  sorgfältig  entfernt  worden  ,  dass  das  übrig  gebliebene 
Gas  aus  16  Theilen  Sauerstoff  und  84  Theilen  Stickstoff  bestehe  ;  die  Quelle 
von  St.  Lucia  bei  Neapel  ergab:  14,5  Sauerstoff  und  85,5  Stickstoff"; 
jene  von  Layo  dt  Amsanto  9  Sauerstoff  und  91  Stickstoff;  die  Acqua 
Santa  am  Berge  Vultur  10  Sauerstoff  und  90  Stickstoff;  das  Seewas- 
ser der  Solfatara  bei  Tivoli  9,5  Sauerstoff  und  90,5  Stickstoff.  Was 
die  bedingende  Ursache  der  Gegenwart  von  Stickstoff  in  Quellen  be- 
trifft, so  verweist  der  Verf.  auf  die  zwischen  ihm  und  J.  Davy  über 
diesen  Gegenstand  Statt  gehabten  Diskussionen. 


P.  Merian  :  über  das  Kalkstein -Konglomerat  am  westli- 
ch e  n  A  b  fa  1 1  des  südlichen  Schwarzwaldes  (Bericht  über  d.  Ver- 
handlungen der  naturf.  Gesellschaft  in  Basel,  1,  S.  38  ff.)-  Über  die 
verschiedenen  Flötz  -  Formationen  ,  welche  am  westlichen  Abhänge  des 
Schwarzwälder  Gebirges  sporadisch  zu  Tage  ausgehen,  und  namentlich 
über  das  Bohnerz  -  Gebilde ,  welches  als  das  jüngste  Glied  der  Jura- 
Formation  dieser  Gegenden  betrachtet  werden  muss  ,  findet  sich  über- 
greifend eine  ausgedehnte  Bildung  von  Kalkbreccie  weggelagert.  Sie 
hat  in  den  verschiedenen  Gegenden  eine  verschiedene,  zum  Theil  von 
ihrer  Unterlage  abhängige  Beschaffenheit,  erscheint  zuweilen  als  fast 
lose  Anhäufung  gerundeter  Kalk-Geschiebe  ,  zuweilen  aber  in  regelmäs- 
sigen Bänken  als  feinkörnige ,  fest  verbundene  Kalkbreccie  ,  welche  als 
geschätztes  Baumaterial  gebrochen  wird.  In  des  Verfassers  geognosti- 
scher  Übersicht  des  südlichen  Schwarzivaldes  wurde  die  Vermuthung 
aufgestellt ,  diese  Bildung  möchte  der  Molasse  -  Formation  angehören, 
welche  in  den  Umgebungen  von  Basel  mit  Auszeichnung  auftritt  und 
an  einigen  Stellen,  z.  B.  bei  Lörrach,  einen  grossen  Reichthum  tertiärer 
Meer  -  Versteinerungen  einschliesst.  Zur  vollständigen  Identifizirung 
fehlten  Versteinerungen,  welche  in  dem  Kalk -Konglomerate  vorhältuiss- 
mässig  nur  selten  vorkommen.  Eine  höchst  lehrreiche  Stelle,  welche  über 
die    vermuthete  Übereinstimmung    den    befriedigendsten  Aufschluss  gibt, 


—     54     — 

bieten  die  Umgebungen  der  Gypsgruben  von  Laufen  bei  Sulzburg  dar. 
Die  bunten  Mergel  des  Kcupcrs  zeigen  daselbst,  unmittelbar  an  Gneiss 
sich  anschliessend  ,  eine  ansehnliche  Verbreitung.  Sie  uYnschliessen 
Gyps  5  auf  welchem  in  mehreren  Gruben  ein  ausgedehnter  Abbau  im 
Gange  ist.  Der  Keuper  wird  unmittelbar  von  gedachtem  Kalkstein- 
Konglomerat  bedeckt ,  welches  auf  geringe  Erstreckungen  eine  grosse 
Verschiedenartigkeit  in  seiner  Beschaffenheit  zeigt.  Es  ist  zum  Theil 
sehr  feinkörnig,  mehr  oder  weniger  hart  und  bituminös;  an  anderen 
Stellen  erscheint  es  als  grobes  Konglomerat  und  umschliesst  Kalkstein- 
Geschiebe  ,  meist  Rogenstein,  von  1  —  2  F.  Durchmesser.  Drusenräume 
mit  Kalkspath -Krystallen  ausgekleidet  sind  sehr  häufig.  Ein  im  Jahr 
1832  eröffneter,  vom  Tage  aus  durch  das  Kalkstein  -  Konglomerat  bis 
zum  Gyps  hindurchgetriebener  Stollen ,  in  welchem  das  Konglomerat 
zum  Theil  durch  Spreng  -  Arbeit  aufgeschlossen  werden  musste  ,  gibt 
über  alle  diese  Verhältnisse  lehrreiche  Auskunft.  Zunächst  der  Stollen- 
mundlöcher sind  einzelne  ßänke  eines  feinkörnigen  höchst  bituminösen 
Konglomerats  mit  Steinkernen  von  Schaalthieren  erfüllt.  Sie  gehören 
den  Gattungen  Mytilus,  Cardium,  Venus,  Cerithium  an,  so  dass 
über  ihren  tertiären  Charakter  und  über  die  Richtigkeit  der  Unterord- 
nung dieses  Gebildes  unter  die  Molasse  -  Formation  gar  kein  Zweifel 
mehr  obwalten  kann. 


Hericart  de  Thury:  über  einen  artesischen  Brunnen  von 
seltener  Steighöhe  (Ann.  des  Mines ,  3»»<^  Serie,  T.  V,  p.  301). 
Zu  Tours  hat  man  in  einem  der  am  höchsten  gelegenen  Theile  der 
Stadt  einen  Brunnen  gebohrt,  der  in  24  Stunden  über  16,000  Hektali- 
ter  Wasser  liefert  und  dieses  18"'80  über  die  Bodenfläche  emportreibt. 
Er  misst  rSS""  Tiefe;  der  obere  Durchmesser  beträgt  0™105,  der  untere 
0"'090.  Bis  zu  einer  Tiefe  von  28™25  ist  der  Brunnen  mit  Eisenröhren 
ausgesetzt.  Das  Steigwasser  wurde  in  einer  2™10  mächtigen  Lage  von 
Grün-Sand  in  128°'50  Tiefe  aufgeschlossen.  Es  zeigt  sich  vollkommen 
klar;  seine  Temperatur  ist  =  17^5  C.  Aus  der  Tiefe  hat  das  Wasser 
Grün-Sand-Stücke  von  Nussgrösse  heraufgebracht  und  ausgeworfen. 


G.  Bischof  :  über  die  Quellen -Verhältnisse  des  östlichen 
Abhanges  des  Teutoburger  Waldes  (Erdmann  und  Schweigger- 
Seidel  j  Journ.  f.  prakt.  Chemie,  I.  B. ,  S.  321  ff.*).  Da  die  östliche 
Abdachung  des  erwähnten  Bergrückens  mit  verhältnissmässig  mehr  stei- 
len Abhängen  versehen  ,  und  mithin  die  Scheitellinie  desselben  seinem 
östlichen  Rande  ganz  nahe  ist ,   so   können  die  Quellen  in  diesem ,    der 


*)  Über  den  westlichen  Abhang  vgl.  Jahrb.  ISiH,  S.  55  ff. 


—     55     — 

Weser  angehörigen  ,  Wasser  -  Gebiete  niclit  so  zahlreich  und  ergiebig 
seyn  ,  wie  am  westlichen  Abhänge.  Dazu  konuut  noch  ,  dass  im  östli- 
chen Abhänge  die  älteren  Flötz  -  Gebilde  auftreten,  welche  nicht  in  dem 
Grade  zerklüftet  sind,  wie  das  Kreide-  und  Quudersandstein -Gebirge, 
uod  daher  in  ihrem  Innern  keine  so  bedeutende  Wasser  -  Ansammlungen 
gestatten  können.  Der  Muschelkalk  zeigt  zwar  auch  Zerklüftungen, 
aber  der  manchfaltigere  Wechsel  verschiedener  Kalkstein  -  Bänke  mit 
mehr  und  weniger  mächtigen  Mergel  •  Schichten  scheint  einer  grösseren 
Ausbildung  von  Spalten ,  Klüften  und  Höhlen  hinderlich  gewesen  zu 
seyn.  Auch  dürften  sich  die  Zerklüftungen  bei  Weitem  nicht  so  sehr 
in  die  Tiefe  hinabziehen,  wie  in  der  Kreide-Formation;  denn  die  Mineral- 
Quellen  im  TT'V*'^r  -  Gebiete,  welche  gewiss  das  meiste  Wasser  aus  Mu- 
schelkalk erhalten  ,  zeichnen  sich  durch  eine  niedrige  und  zum  Theil 
sehr  veränderliche  Temperatur  aus.  Der  bunte  Sandstein  zeigt  nur  in 
seinem  untern  Schichten  -  Systeme ,  wo  mächtige  Sandstein  -  Bänke  vor- 
walten, eine  ähnliche  Zerklüftung,  wie  der  Quader  •  Sandstein  ^  in  den 
jungern  Schichten  hingegen,  die  meist  aus  Mergelthon-Bänken  bestehen, 
ist  diess  weniger  der  Fall.  Letztere  dürften  eine  wasserdichte  Decke 
bilden,  um  so  mehr  ,  da  sie  zu  einer  sehr  bindenden  Thonmasse  verwit- 
tern. Auch  der  Keuper- Mergel  zeigt  ein  älinliches  Verhalten.  Der  Vf. 
richtet  sein  Augenmerk  zumal  auf  die  Mineial-Qutllon  im  Weser-Gebiet, 
Das  Gas,  welches  aus  den  Meinherger  und  Dribni'ger  Mineral-Quellen, 
so  wie  aus  der  sumpfigen  Wiesenfläche  bei  Istrup  sich  entwickelt ,  ist 
ein  sehr  reines  Kohlensäure  -  Gas.  Auch  das  Gas  an  der  sogenannten 
Wulfeshärte  bei  Vinsebeck  ^  so  wie  jenes,  weiches  sich  bei  Saatzen, 
Schmechtenf  Schörneberg,  Ret^lsen,  bei  Hof-Geismarj  Vulkmartten  u.  a. 
V.  a.  O.  aus  Mineral-Quellen  oder  aus  dem  Erdreiche  entwickelt,  dürfte 
fast  reine,  nur  hier  und  da  mit  Schwefel- Wasserstoff  gemengte  Kohlen- 
säure seyn.  Den  Sitz  aller  dieser  Kohlensäure -Exhalationen  haben  wir 
im  bunten  Sandstein,  oder  in  einer  noch  älteren  Formation  zu  suchen. 
Die  Verschiedenheit  in  dem  chemischen  Gehalte  der  Gas  -  Exhalationen 
am  westlichen  und  denen  am  östlichen  Abhänge  des  Teutohurger  Wal- 
des dürfte  daher  in  Beziehung  stehen  mit  den  Gebirgs  -  Formationen, 
aus  welchen  sie  hervorkommen.  Jene  entwickeln  sich  aus  Kreide  und 
scheinen  nichts  anders  zu  seyn,  als  atmosphärische  Luft,  die  einen 
Theil  ihres  Sauerstoffs  durch  Oxydation  kohlenstoffhaltiger  Substanzen 
eingebüsst  hat ;  diese  ,  welche  sich  aus  dem  bunten  Sandstein  entwick- 
len  und  aus  fast  reiner  Kohlensäure,  hie  und  da  mit  Spuren  von  Schwe- 
felwasserstoff vermengt  ,  bestehen  ,  können  daher  in  keinem  Falle  von 
atmosphärischer  Luft  abgeleitet  werden.  Es  *st  sehr  wahrscheinlich, 
dass  die  Kohlensäure  in  der  Gas  -  Exhalation  aus  der  warmen  Mineral- 
quelle zu  Lippspringe  und  jene,  die  aus  dem  Wasser  der  süssen  Quellen 
zu  Lippspringe  und  z;u  Paderborn  ausgetrieben  wurde,  nicht  denselben 
Ursprung  habe  ,  wie  die  Kohlensäure  der  Exhalationen  im  Flussgebiet 
der  Weser,  Es  ist  ferner  leicht  zu  begreifen  ,  dass  ,  sofern  der  bunte 
Sandstein    oder    die    noch    ältere    Formation ,    worin   Kohlensäure    ihren 


—     56     — 

Ursprung  nimmt,  sich  unter  die  jüngsten  Glieder  der  Flötz -  Formation 
am  westlichen  Abhänge  des  Teutoburger  Waldes  fortzieht ,  hier  diese 
Kohlensäure-Entwicklungen  nicht  mehr  zum  Vorschein  kommen  können^ 
da  die  mächtigen  Glieder  der  FIötz-Formation  zwischen  der  Kreide  und 
dem  bunten  Sandstein  ,  seyen  sie  auch  nicht  alle  vorhanden  ,  diesen  be- 
decken. Um  alle  diese  Glieder  mit  mehreren  dazwischen  gelagerten 
Wasser-  und  luft-dichten  Schichten  zu  durchbrechen,  fehlte  es  der  Koh- 
lensaure an  Expansivkraft,  oder  sie  wird  doch  nur  da  ,  wo  Muschelkalk 
oder  höchstens  Keuper  die  oberste  Decke  bildet ,  und  daher  ein  gerin- 
gerer Widerstand  zu  überwinden  war,  einen  Durchbruch  bewirkt  haben« 
Während  alle  bisher  beobachteten  Kohlensäuregas-Exhalationen  eine  den 
gewöhnlichen  Luftdruck  kaum  übersteigende  Expansiv  -  Kraft:  besitzen, 
zeigt  das  Kohlensäure  -  Gas  ,  welches  aus  der  Trinkquclle  zu  Meinberg 
sich  entwickelt ,  eine  bedeutende  Spannunge  Während  die  vom  Verf. 
untersuchten  Gas  -  Exhalationen  am  Laacher  See  höchstens  den  Druck 
einer  4  —  5  Zoll  hohen  Wassersäule  überwinden  ,  strömte  das  Gas  der 
Dousch  -  Röhre  zu  Meinberg  durch  das  Wasser  eines  ungefähr,  12  Zoll 
hohen  Gefässes  niclvt  nur  hindurch ,  sondern  das  Wasser  wurde ,  wie 
aus  einer  Feuerspritze ,  hoch  emporgeschleudert.  Ohne  Zweifel  kann 
daher  das  Gas  den  Druck  einer  mehrere  Fuss  hohen  Wassersäule  über- 
winden. Diess  sind  aber  noch  lange  keine  Expansivkräfte ,  wodurch 
mächtige  Gebirgslagen  emporgehoben  oder  durchbrochen  werden  könn- 
ten. Es  lässt  sich  übrigens  auch  leicht  begreifen,  dass  Kohlensäuregas, 
welches  aus  der  Tiefe  in  mit  Wasser  angefüllte  Kanäle  gelangt,  darin 
von  dieser  Flüssigkeit  unter  grossem  Druck  absorbirt  wird,  nothwendig 
seine ,  wenn  auch  Anfangs  noch  so  bedeutend  gewesene  Expansivkraft 
verlieren  müsse,  und  nach  seiner  Entbindung  aus  dem  Wasser  mit  einer 
den  Luftdruck  nur  etwas  übertreffenden  Spannung  zu  Tage  kommen 
werde.  Die  einfachste  Erklärung  der  Periodicitat  der  Gas-Ausströmungen 
aus  Mineral-Quellen  liegt  darin  ,  dass  die  verschiedenen  Ausströmungs- 
Kanäle  zu  verschiedenen  Zeiten  und  unter  verschiedenen  Umständen 
ungleich  geöflFnet  oder  verstopft  sind.  Zur  Regenzeit,  wo  der  Boden 
mit  Feuchtigkeit  imprägnirt  ist ,  bildet  derselbe  einen  luftdichten  Ver- 
schluss ,  und  das  Gas ,  welches  bei  trockenem  Wetter  aus  unzähligen 
Spalten  und  Offnungen  um  die  Quelle  herum  ausströmt,  wird  nun  durch 
diese  allein  hervorbrechen ;  enge  Kanäle  im  Boden  ,  enge  Spalten  im 
Gestein,  die  bei  trockenem  Wetter  den  Austritt  des  Gases  ohne  Schwie- 
rigkeit gestatten,  füllen  sich  bei  nassem  Wetter  an  und  lassen  das  Gas 
nicht  mehr  durch  u.  s.  w.  —  Sehr  auffallend  ist  die  niedrige  und  so 
veränderliche  Temperatur  der  Meinberger  Mineral  -  Quellen.  Der  Verf. 
fand  am  20.  April  1833  den  Neubrunn  -|-  4°,2  R. ,  und  die  alte  Trink- 
quelle  -{-  5®, 2  bei  -j-  4*^,8  Luftwärme.  In  ihrer  Veränderlichkeit  folgen 
dieselben  der  äussern  Luftwärme.  Die  so  veränderliche  Temperatur 
jener  Mineral  -  Quellen  bei  dem  reichen  Kohlensäure- Gehalt  dürfte  den 
augenscheinlichsten  Beweiss  liefern,  dass  ihre  Entstehung  nicht  tief  ge- 
sucht   werden    darf.     Die    Meinberg   umgebenden    Höhen    besteben   aus 


—     57     — 

Muschelkalk,  der,  wenn  auch  nicht  so  zerklüftet,  wie  Kreide,  doch  Spal- 
ten genug-  enthält,  um  die  Meteorwas«er  bis  in  die  vom  Keuper  erfüllte 
Thalmuide  gelangen  zu  lassen.  Hier  begegnen  sie  den  aus  buntem 
Sandstein,  oder  aus  grösserer  Tiefe  kommenden  Kohlensäuregas-Strömen, 
absorbiren  davon,  und  es  bildet  sich  ein  Kohlensäuerling,  welcher  sofort 
Eisen  und  kohlensaure  Erden  aus  den  Gebirgsschichten  auflösst.  Der 
starke  hydrostatische  Druck  des  Wassers  in  den  Kanälen  des  Muschel- 
kalks wird  aber  auf  gleiche  Weise  die  Absorption  der  Kohlensäure,  wie 
das  heftige  Ausströmen  des  überflüssigen  Gases  befördern.  Dass  dieses 
Wasser  nicht  tief  ins  Muschelkalk-Gebirge  eindringen  kann,  dass  ferner 
keine  bedeutenden  Wasser  -  Ansammlungen  darin  vorkommen  können, 
zeigt  die  Abhängigkeit  der  Temperatur  der  Quellen  von  der  der  Atmo- 
sphäre ;  dass  überhaupt  die  Meinberger  Säuerlinge  keinen  weiten  Lauf 
haben  könne  ,  zeigt  der  verhältnissmässig  geringe  Gehalt  derselben  an 
fixen  Bestandtheilen.  Sie  sind  sicher  ganz  nahe  an  der  Erdoberfläche 
gebildete  Mineralquellen ,  und  liefern  den  augenscheinlichen  Beweiss, 
dass  überall  Mineralquellen  entstehen  können  ,  wo  nur  Wasser  und 
Kohlensäuregas  -  Ströme  einander  begegnen.  Dass  Mineralquellen  nur 
in  Tiiälern  vorkommen,  während  oft  süsse  Quellen  noch  nahe  am  Gipfel 
hoher  Berge  angetroffen  werden,  rührt  nicht  davon  her,  weil  jene  nur 
in  grosser  Tiefe  entstehen,  sondern  weil  Kohlensaure-Exhalationen  nicht 
bis  zu  den  Hölien  der  Berge  gelangen,  indem  sie  schon  in  den  Thälern 
wegen  geringern  Hindernissen  Auswege  finden.  Eine  im  vorigen  Jahre 
an  einem  Grauwackenfelsen  ,  etwa  4  Fuss  über  einer  Mineralquelle  im 
Brohlthale  gemachte  Beobachtung  scheint  die  wichtige  Bedeutung  des 
Verwitterungs-Prozesses  für  die  Bildung  der  Mineral-Quellen  aufs  Neue 
darzuthun.  B.  fand  an  demselben  einen  weissen ,  wollähnlichen  Salz- 
beschlag; 0,6  Gr.  waren  zusammengesetzt  aus: 

Kohlens.  Natron     .     .     .     0,5012 

Schwefels.  Natron      .     ♦     0,0519 

Kochsalz        0,0469 

Die  Bildung  dieser  Effloreszenz  war  nicht  lange  vorher  erfolgt, 
auch  ist  die  Fläche,  an  welcher  sie  sich  zeigte,  erst  seit  6  Jahren  cnt- 
blösst.  Ahnliche  Effloreszenzen  in  dortiger  Gegend  findet  man  auch 
sehr  häufig  an  frischen  Mauern  ,  am  Bewürfe  von  Mauern  u.  s.  w.  Es 
ist  dieses  nicht  auffallend ,  da  alle  Materialien ,  womit  dort  gemauert 
wird:  Steine,  vulkanischer  Sand,  Trass  etc.,  mehr  oder  weniger  reich 
an  Alkalien  sind ,  und  nirgends  Kohlensäure  -  Exhalationen  häufiger, 
als  in  jenen  ganz  damit  erfüllten  Thälern  vorkommen. 

Da  die  Glieder  der  Flötz-Formation  Alkalien  gewiss  als  höchst  un- 
tergeordnete Bestandtheile ,  zum  Theil  wohl  kaum  Spuren  davon  enthal- 
ten :  so  sind  in  den  Mineralquellen  des  östlichen  Abhanges  des  Teuto- 
burger  Waldes,  welche  Kohlensäure-Strömen  ihre  Entstehung  verdanken, 
Natron  und  Kalisalze  ebenfalls  als  sehr  untergeordnete  Bestandtheile 
zu  erwarten ;  kohlensaure  Alkalien  fehlen  gänzlich ,  da  schwefelsaure 
und  Haloidsalze  von  Kalk  und  Magnesia  vorkommen»  —  Die  vonBaANDES 


—      58     — 

untersuchte  Schwefelquelle  bei  Meinberg  bestätigte  des  Verfs.  Ansicht 
über  Bildung  der  Schwefelquellen  durch  Zersetzung  schwefelsaurer 
Salze  mittelst  organischer  Substanzen.  —  Dass  auch  diese  Quellen 
keinen  tiefen  Ursprung  haben,  und  daher  um  so  mehr  die  Bildung  von 
Schwefellebern  in  den  obern  ,  mit  organischen  Überresten  imprägnirten, 
Erdschichten  von  Statten  gehen  könne ,  beweiset  ihre  niedrige  Tempe- 
ratur von  5*^  R.  bei  8*^,5  Luftwärme.  Zwischen  Brackel  und  Driburg, 
in  der  Nähe  von  Istrup  und  Schmechten,  im  sogenannten  31adhvl%  sah 
der  Verf.  die  Kohlensäuregas-Exhalationen  in  mehreren  mit  Wasser  an- 
gefüllten Gruben.  Da  das  Wasser ,  aus  welchem  die  Gasblasen  auf- 
steigen, nach  der  damit  vorgenommenen  Prüfung  sich  sehr  rein  verhielt, 
da  ferner  weder  an  der  Oberfläche  des  Bodens,  noch  bis  zu  einer  Tiefe 
von  3  Fuss  Ocker  -  Ablagerungen  zu  bemerken  waren  :  so  können  diese 
Gruben  5  obgleich  sie  ganz  das  Ansehen  von  Säuerlingen  haben,  nichts 
anderes  ,  als  reine  Gas  Exhalationen  (Gasquellen)  seyn  ,  die  durch  ,  auf 
der  Oberfläche  angesammeltes,  Regenwasser  treten'')«  Das  ausströ- 
mende  Gas  ist  reine  Kohlensäure.  —  Von  den  Dj'iburger  Mineralquellen 
bemerkt  der  Verf.  ,  dass  die  Kohlensäure  -  Entwicklungen  nicht  nur  aus 
den  Quellen  selbst,  sondern  an  vielen  Stellen  in  deren  Umgebungen 
sehr  bedeutend  und  ,  nach  der  Untersuchung  deren  aus  der  Trinkquelle 
zu  schliesseu  ,  sehr  rein  sind.  Die  Trinkquelle  fand  er  8^2,  und  diess 
scheint  ihre  konstante  Temperatur  zu  seyn.  Wenn  dieser  der  mittlen 
Quellen-Temperatur  von  Driburg  wahrscheinlich  nahe  kommende  Wärme- 
grad zwar  keinen  tiefen  Ursprung  der  Quelle  andeutet;  so  ist  solcher  doch 
wohl  da  zu  suchen ,  wohin  die  äusseren  Temperatur  -  Veränderungen 
nicht  meUr  dringen.  —  So  wie  sämmtliche  angeführte  und  ausserdem 
noch  mehrere  andere  auf  dem  östlichen  Abhänge  des  Teutoburger  Wai- 
des vorkommende  Mineralquellen  einen  gemeinschaftlichen  Charakter  be- 
sitzen, nämlich  mehr  oder  weniger  eisenhaltig  sind,  schwefelsaure  Salze 
als  prädomirende  Bestandtlieile,  Chlor-Metalle  oder  salzsaure  Salze  aber 
nur  in  geringen,  und  kohlensaure  Erden  in  gewöhnlichen  Mengen  ent- 
halten :  so  sind  auch  alle  Gas  -  Exhalationen  aus  ihnen  und  neben  ihnen 
von  gleicher  Beschaffenheit :  sie  bestehen  aus  fast  ganz  reiner  Kohlen- 
säure. Eben  desshalb  können  sie  nicht  von  atmosphärischer  Luft  her- 
rühren. Da  wo  diese  Minerahvasser  in  anhaltende  Berührung  mit 
organischen  Substanzen  kommen,  erleiden  die  schwefelsauren  Salze  eine 
theilweise  Zersetzung,  und  es  bilden  sich  Schwefelquellen.  —  Am  west- 
lichen Abhänge  daj^egen  gibt  es  gar  keine  Säuerlinge  ,  weil  es  an 
Kohlensäuregas-Strömen  fehlt.  Gas-Exhalationen  aus  den  süssen  Quellen 
findeu  sich  zwar,  sie  bestehen  aber  grösstenthcils  aus  Stickgas  mit  we- 
nigen Prozenten  SaucrstofFgas ,    und    enthalten    gar    keine  Kohlensäure. 


*)  So  bedeutend  auch  diese  Gas  -  Entwicklungen  demjenigen  vorkommen  mögen,  der 
die  ähnlichen  in  vulkanischen  Gegenden,  wie  namentlich  in  den  Unigebnngen  des 
liaacher  See''s  und  in  der  vulkanischen  Eifel  noch  nicht  gesehen  hat:  so  kommen 
sie  doch  gegen  diese  letzteren,  in  so  ungeheuerem  Riaasstabe  auftretende«  Entwick- 
lungen kaum  in  Betracht. 


—     59     — 

Nur  in  der  Gas  -  Entwicklung  aus  der  Therme  zu  Lippsprinffe  findet 
sich  neben  dem  Stickgas  etwas  Kohlensäuregas ,  aber  noch  weniger 
Sauerstoffgas 5  als  in  jenen.  Höchst  wahrscheinlich  rühren  alle  diese 
Exhalatiunen  von  atmosphärischer  Luft  her,  die  einen  Theil  ihres  Sauer- 
stoffs durch  Bildung  von  Kohlensäure  mittelst  Oxydation  Kohlenstoff- 
haltiger Substanzen,  welche  von  den  süssen  Quellen  absorbirt,  von  der 
Therme  theilweise  entbunden  wird,  eingebüsst  hat.  —  Was  die  Tempe- 
ratur der  Quellen  betrifft :  so  zeigen  am  östlichen  Abhänge  die  Mein' 
herger  Mineralquellen  grosse  Veränderlichkeit  und  Abhängigkeit  von 
der  äussern  Temperatur;  die  übrigen,  die  Pyrmonter  Mineralquellen 
(-j-  8°,3  bis  -|-  10°)  mit  eingeschlossen,  haben  einen  ganz  nahe  oder 
doch  nahe  konstanten  Temperatur-Grad.  Nur  die  letzteren  dürften  daher 
zu  den  Thermen  gehören.  Am  westlichen  Abhänge  besitzt  dagegen  eine 
grosse  Zahl  süsser  Quellen  eine  die  mittle  des  Orts  übersteigende  und 
höchst  wahrscheinlich  ganz  oder  nahe  konstante  Temperatur.  Alle  diese 
Quellen  gehören  daher  zu  den  Thermen,  Es  zeigt  sich  hier  die  merk- 
würdige Erscheinung,  dass  die  wärmste  unter  diesen  süssen  Quellen, 
die  wärmste  Paderquelle  (12^,96),  alle  obengenannten  Mineralquellen 
am  östlichen  Abhänge,  —  und  die  kältesten  unter  jenen  süssen  Quellen 
(6**,4,7'',7*',4)  während  der  kalten  Jahreszeit  selbst  noch  die  Meinberger 
Mineralquellen  (4^2)  in  ihrer  Temperatur  übersteigen.  Alle  diese  ver- 
schiedenen Verhältnisse  finden  in  Entfernungen  von  einigen  Meilen 
Statt.  —  Wenn  nicht  schon  Gastein  und  Pfäfers  ein  weit  mehr  in  die 
Augen  fallendes  Beispiel  darböten ,  dass  Wasser  mit  sehr  bedeutend  er- 
höhter Temperatur  der  Erde  entquellen  können ,  ohne  jedoch  mehr  an 
fixen  Bestandtbeilen  zu  enthalten ,  wie  die  wärmste  süsse  Quelle :  so 
würden  auch  die  warmen  unter  den  süssen  Quollen  am  westlichen  Ab- 
hänge des  Teutoburger  yiValAes  Belege  hiezu  liefern. 


W.  P.  Hunter:  Notiz  über  den  Ausbruch  eines  Torfmoo- 
res in  der  Grafschaft  Antrim  in  Irland  (Magaz.  vf  nat.  histf 
1836,  Mai  >  Biblioth.  univers.  de  Gei\eve  N.  S.  1836,  V,  184—187). 
Das  Torfmoor  Fairloch,  ein  Theil  des  Moores  von  Slvggan,  des  ausge- 
dehntesten in  Nord  -  Irland  ,  liegt  7  Englische  Meilen  von  Ballymena 
und  2  Meilen  von  Randalstown  zu  beiden  Seiten  der  Hauptstrasse  von 
Belfast  nach  Londonderry ,  und  nimmt  fast  gänzlich  eine  Fläche  von 
11,000  Acres  ein.  Die  Umgegend  ist  flach  ,  trocken  ,  von  einigen  ziem- 
lich tiefen  Längenthälern  durchschnitten,  deren  eines  nahe  am  Fairloch 
hinziehet. 

Am  17.  Sept.  1835  sah  man,  dass  dieses  Moor  begonnen  hatte,  sich 
in  seiner  Mitte  allmählich  zu  heben  ;  um  5  Uhr  Abends  hatte  es  30' 
Höhe  erreicht,  als  plötzlich  ein  Geräusch  wie  das  Brüllen  eines  heftigen 
Sturmes  bemerkt  wurde;  die  ganze  Fläche  des  Moores  senkte  sich  um 
einige  Fusse,  und  ein  Schlamm-Strom  setzte  sich  langsam  gegen  O.N.O. 


—     60     — 

in  Bewegung.  Einige  kleine  Unebenheiten  des  Bodens  hemmten  in  der 
folgenden  Nacht  seinen  Lauf;  am  Tage  des  18.  setzte  er  denselben  im 
Zickzack  einige  Ruthen  weit  ostwärts  fort  ;  in  der  nachherigen  Naht 
und  am  19.  früh  schien  er  in  seiner  Bewegung  einzuhalten  ,  schwoll 
aber  dabei  mächtig  an  ;  zwischen  12  und  1  Uhr  begann  er  mit  einem 
dem  früheren  ähnlichen  Geräusch  seine  Bewegung  aufs  Neue ,  ohne 
jedoch  bis  zum  21.  mehr  als  i  Meile  Weges  zurückgelegt  ru  haben. 
£inige  Heu  -  und  Getreide  -  Schober  hemmten  ihn  abermals  ,  bis  am  23. 
um  3  Uhr  Nachmittags  er  sich  plötzlich  mit  einer  Schnelligkeit  voran- 
stürzte ,  dass  man  ihm  im  schnellsten  Laufe  nicht  zu  entgehen  ver- 
mochte. Ein  von  einem  Hund  verfolgter  Haase  setzte  in  dieser  Zeit  in 
Sprüngen  bis  in  dessen  Mitte  hinein,  wo  er  im  Schlamm  versank,  wäh- 
rend der  Hund  schon  nach  wenigen  Sätzen  in  den  bodenlosen  Schlamm 
ganz  erschrocken  umkehrte.  Am  24.  erreichte  der  Strom  über  einen 
grossen  Strassen  -  Graben  hinweg  die  Landstrasse,  hob  sich  um  eine 
Strohhütte  bis  10'  Höhe,  stürzte  dann  mit  dem  Geräusche  eines  Wasser- 
falles auf  die  Strasse  herab,  zerstörte  dieselbe  in  einer  Lange  von  900', 
indem  er  sich  auch  über  sie  10'  hoch  erhob,  fällte  den  entgegengesetz- 
ten Strassengraben,  folgte  dann  dem  auf  ^  Meile  Länge  sehr  allmählich 
sich  senkenden  Längenthaie  und  hielt  darauf,  wie  um  neue  Kräfte  zu 
sammeln,  einige  Ruthen  vom  Maine -Fluss  inne.  Am  25.  stürzte  die 
Schlamm-Masse  in  den  Fluss  an  einer  Stelle  ,  wo  er  nur  4'  Tiefe  hat, 
trieb  dessen  Wasser  zurück ,  füllte  selbst  dessen  Bette  und  stieg  end* 
lieh  jenseits  aus  demselben  auf  das  umgebende  Weideland  über ,  bis 
zuletzt  das  zurückgestauete  Wasser  Stärke  genug  erlangte  ,  diesen 
Queer-Damm  zu  durchbrechen.  Da  einige  Toisen  tiefer  das  Flussbett 
plötzlich  um  12'  abfällt,  so  riss  der  Fluss  von  dieser  Stelle  an  den 
Schlamm  7  Meilen  weit  mit  sich  fort,  indem  er  hin  und  wieder  Torf- 
Stücke  ans  Ufer  warf  und  stellenweise  Überschwemmungen  bis  gegen 
den  Lough  Neagh  hin  veranlasste.  Der  Schlammstrom  aber  fuhr  bis 
zum  28.  fort  in  den  Maine  abzufliessen.  Die  Bauern  hatten  ihre  Woh- 
nungen auf  mehrere  Meilen  in  die  Runde  verlassen.  Als  sie  aber  end- 
lich zurückkehrten  ,  fanden  sie  eine  Menge  todter  Fische  umherliegen, 
so  dass  sie  noch  mehrere  Zentner  Salmen  und  Forellen  sammelten  :  nur 
die  Aale  schienen  sich  in  diesem  Schlamme  wie  in  ihrem  Elemente  zu 
bewegen.  Man  verlor  durch  dieses  Ereigniss  doch  nicht  mehr  als  70 
Acres  Bau-Land  und  eine  gewisse  Menge  Heu  und  Getreide  in  Schobern 
und  Brennmaterial ;  40  Arbeiter  hatten  mehrere  Tage  lang  an  Wieder- 
herstellung der  Strasse  zu  thun. 

Am  15.  Oktober  besuchte  der  Verf.  die  Gegend.  Der  Strom  hatte 
eine  Fläche  von  i^Meil.  Länge  und  200' — 300'  Breite  stellenweise  bis  zu 
30'  Höhe  bedeckt,  aber  ein  Ansehen  gewonnen,  als  ob  er  seit  Jahr- 
hunderten in  dieser  Weise  existirte.  Die  anfänglich  um  30'  gehoben 
gewesene  Ausbruchsstelle  sank  später  um  20'  unter  das  gewöhnliche 
Niveau  ,   so   dass  ein  kreisrundes  Wasserbecken  an  der  Stelle  entstund, 


—      Cl- 
an diejenigen  erinnernd,  die  sich  bei  dem  Erdbeben  in  Kalabrien  1793 
gebildet  hatten. 


Dumont:  Notiz  über  die  Struktur  der  vulkanischen  Ke- 
gel (VInstit.  1834,  p.  420 -—421),  mitgetheilt  der  Brüsseler  Akademie 
am  22.  Dezember  1834.  Eine  neuliche  Reise  in  der  Eifel  hat  dem 
Verf.  Resultate  geliefert ,  wodurch  sich  die  Bildung  der  vulkanischen 
Kegel  sehr  einfach  erklärt.  1)  Die  ErhebungsKegel  (insbesondere 
deutlich  jene  von  Kirchweiler  und  von  Mayen)  haben  in  der  Regel 
keine  Spur  eines  Kraters,  eine  kreisrunde  Basis,  spitze  Scheitel,  steile 
Seiten,  bestehen  auf  der  einen  Seite  aus  Schlacken-Massen,  auf  der  an- 
dern aus  geneigten  Schichten  dichter  Lava  oder  Tephrine ,  vi^elche  mit 
der  der  horizontalen  in  der  Ebene  übereinstimmt;  am  Fusse  dieser 
Schichten  endlich  findet  man  oft  einen  Strich  von  grossen  Blöcken  von 
ähnlicher  Natur  bedeckt.  Die  Lava  und  die  Tephrine  waren  bereits 
in  horizontalen  Schichten  abgesetzt  und  erstarrt ,  als  die  Schlackcnmas- 
sen  unter  ihnen  heraufdrangen,  sie  vom  Punkte  des  grössten  Andrangs 
aus  Stralen-artig  bersten  machten,  in  Sektoren  theilten,  die  Sektoren  mit 
dem  geringsten  Widerstände  dann  mit  emportrugen  und  die  andern  auf- 
richteten ;  die  zerstreuten  Blöcke  wurden  beim  Ausbruche  umherge- 
schleudert. —  2)  Erhebungs-Kraterc  entstanden  in  demjenigen 
Falle,  wo  die  Mehrzahl  jener  Sektoren  aufgerichtet  ward,  wie  Ettringen 
im  N.  von  Mayen.  Die  schlackigen  Massen  füllen  hier  nicht  nur  senk- 
rechte Spalten  zwischen  den  Sektoren  aus,  sondern  bedecken  auch  die 
aufgerichteten  Kreis-Ausschnitte  von  oben.  —  3)  Ausbruchs-Kratcrc 
scheinen  deutlich  ausgesprochen  in  der  Eifel  nicht  vorzukommen,  wenn 
nicht  etwa  der  auf  der  Höhe  des  Kalkberges  ganz  in  der  Nähe  von 
Gerolstein  nordwärts  dazu  gehört,  da  er  eine  deutliche  Aushöhlung  und 
schlackige  Laven  enthält.  —  4)  Krater-See' n.  Der  schönsten  einer 
ist  der  von  Uelmen ,  welcher  trichterförmig  im  Schiefer  -  Gebirge  und 
ohne  Spur  vulkanischer  und  geschmolzener  Materien  vorkommt.  Gleich- 
wohl sieht  man  Schichten  von  Konglomerat  aus  getrocknetem  Schlamm^ 
Schiefer-  und  Psanmiit-Trümmern  wie  von  der  anstehenden  Masse,  vom 
Krater-Rande  aus  rings  gegen  die  Ebene  hin  fallen.  OflFenbar  sind  diese 
Konglomerat -Schichten  das  Resultat  allmählicher  Schlamm  -  Ausbrüche 
aus  der  Krater  -  Öffnung.  Auch  bei  den  andern  vom  Verf.  besuchten 
Krater-See'n  findet  man  Schichten  schlammigen  Konglomerats  ,  welches 
aber  auch  Bimmssteine,  Schlacken  und  gewisse  Kugeln  aus  Albit,  Peri- 
dot,  Augit  und  Hornblende  (bei  Dann  vulkanische  Bomben  genannt) 
enthält ,  die  im  Augenblicke  des  Ausbruches  durch  diesen  Schlamm  hin- 
durchgeschleudert worden  seyn  mögen.  —  Ein  ähnlicher  Trichter  kömmt 
zwischen  Breis  und  Bockweiler  vor,  welcher  aber  kein  Wasser  ent- 
hält und  mithin  den  Namen  Kratersee  nicht  verdient.  Sein  Grund  ist 
mit  Wiesen  bedeckt,  seine  Wände  haben  nur  zwei  Ausschnitte  bei  Breis 


—     62     — 

und  bei  der  Mühle  von  Dreis,  durch  welche  die  Strasse  von  Uillesheitn 
nach  Kelberg  führt.  Man  findet  daselbst  Konglomerat  -  Schichten  aus 
Schlamm,  Ür-Schiefer  und  -Psammit  der  Gegend,  und  Bomben,  welche 
ganz  aus  körnigem  Peridot  bestehen,  dessen  körnige  Struktur  eben  auf 
ein  sehr  rasches  Erkalten  schliesseu  lässt.  —  Dumont  hat  die  Absicht, 
eine  geologische  Karte  von  Belgien  zu  liefern. 


Deshayes:  über  die  Temperatur  zur  Zeit  der  Bildung  der 
verschiedenen  Tertiär-Gebirge  (Vortrag  in  der  Akademie,  23. 
Mai  1836  =  4«/j«i.  d.  scienc.  nut.  Zoolog.  1836',  V,  289  —  298, 
"^  l^ Institut ,  1836,  IV,  162—163).  Theilt  man  die  Meere  vom 
Aurd-Kap  bis  Guinea  in  verschiedene  Zonen,  so  wird  man  in  jeder 
derselben  Mollusken  -  Arten  finden ,  die  ihr  eigenthümlich  sind  ,  und 
solche ,  die  sie  mit  der  nördlich  oder  südlich  benachbarten  gemein  hat, 
während  zugleich  die  Anzahl  der  Arten  von  N.  nach  S.  zunimmt.  So 
findet  sich  Buccinum  undatum  in  progressiven  Modifikationen  vom 
Nord-Kap  bis  Senegal.  Innerhalb  des  Polar  •  Kreises  leben  in  Norwe- 
gen und  Grönland  ^  WC  c\n  um  glaciale  und  Cardium  Groenlan- 
dicum;  vom  75^  bis  65"  Terebratula  psittacea;  vom  Norden 
Englands  bis  Dänemark  Tellina  Balthica,  Patella  Noachina, 
P.  testudinalis,  Natica  clajusa,  einige  Astarten  u.  s.  w.  ;  — 
in  der  Manche  an  den  Küsten  Englands  und  Frankreichs  Psammobia 
vespertina  *)  und  Pecten  irregularis;  die  Küsten  Spaniens  und 
Portugals  sind  fast  ganz  unbekannt  u.  s.  w. 

Der  Verf.  hat  nun  alle  tertiäre  Konchylien-Arten  Europä^s  mit  allen 
noch  lebend  bekannten  Arten  verglichen  und  hiedurch  folgende  Resul- 
tate erhalten  : 

1)  diese  tertiären  Bildungen  haben  keine  Arten  mit  den'  sekundären 
gemein  **) ; 

2)  sie  allein  enthalten  Arten ,  die  auch  noch  lebend  vorkommen, 
und  zwar 

3)  um  so  mehr,  je  jünger  sie  sind  ;  nämlich 

4)  die  altern  0,03,  die  mittlen  0,19,  die  jüngsten  0,52  ihrer  Arten  5 
5>  diese  dreierlei  Bildungen  sind  gewiss  nicht  gleichalt. 

Die  jüngsten  Tertiär-Bildungen  sind  entstanden,  als  die  Temperatur 
ziemlich  der  jetzigen  gleich  war.  Denn  die  Ablagerungen  in  Norwegen, 
Schweden,  Dänemark,  bei  Niz%a  und  in  einem  Theil  Siziliens  enthal- 
ten nur  solche  Arten  ,  die  in  den  nächsten  Meeren  noch  lebend  vorkom- 
men ;  die  übrigen  tertiären  um  das  Mittelmeer  her  erstandenen  in 
Spanien,  Frankreich,  Piemont,  Italien,  Sizilien,  Morea,  Algier  enthal- 
ten noch  viele  Arten  aus  diesem  Meere,  aber  auch  manche  ausgestorbene. 


*)  Doch  auch  im  IVlittelnieere.  Br. 

•■•'■>  Das    widerspricht   dem  Ergebniss   der  Untersuchungen  in  der  Kreide  Siid-FranJc- 
rticht.  Br. 


-     63     -^ 

und  einige  andere,  welche  jetzt  auf  die  wärmeren  Gegenden  des  Atlati» 
tischen  ,  des  Indischen  und  Ruthen  Meeres  beschränkt  sind ;  die  Tempe- 
ratur der  Mittelländischen  Gegenden  muss  daher  etwas  gesunken  seyii 
seit  der  Erhebung  der  Apenninen  und  des  Atlas.  Die  im  Norden  leben- 
den Arten  finden  sich  in  nördlichen  Becken ,  die  ioi  Süden  in  südliche- 
ren Becken  fossil. 

In  der  zweiten  tertiären  Epoche  ,  welcher  viele  kleine  Becken  in 
der  Mitte  von  Europa  angehören  (Superga,  Gironde,  Tourainey  Angers, 
Wien  ,  Podülicn  ,  Moscau  ,  Süd  -  Russland) ,  war  die  Temperatur  dieser 
Gegenden  viel  höher ,  als  jetzt;  denn  in  ihnen  finden  sich  200  Arten 
vom  Senegal  und  von  Guinea  wieder ,  darunter  jene  Arten  gerade, 
welche  jetzt  diese  tropischen  Küsten  am  besten  charakterisiren  :  Das 
Klima  war  tropisch. 

In  den  Formationen  der  ersten  Periode  (Paris ,  London,  Valogne, 
fast  ganz  Belgien  und  Holland,  einige  Punkte  der  Alpen,  Castelgom- 
berto,  Ronca,  kleine  Becken  Ungarns  und  der  Moldau,  Rlaye  im  Gironde' 
Dept. ,  ?  Alabama  in  Nord- Amerika)  hat  der  Verf.  nur  wenige  noch 
lebende  Arten  wieder  erkannt;  von  den  1400  Arten  des  P«m<;r  Betkens 
leben  noch  38 ,  meistens  in  tropischen  Gewässern ,  doch  gehen  einige 
auch  bis  in  die  Nordsee  hinauf. 

Aber  auch  die  Arten-Zahl  in  dreierlei  Formationen  entspricht  dreier- 
lei Zonen.  Am  80"  N.  Br.  wohnen  nur  8— 10  Arten;  an  unseren  Küsten 
in  der  Breite  des  Mittelmeers  gegen  600 ,  und  an  den  tropischen  Kü- 
sten von  Senegal  und  Guinea  900  Arten.  So  enthalten  auch  die  nörd- 
lich gelegenen  dritten  Tertiär -Becken  nur  wenige  Spezies,  die  gegen 
das  Mittelmeer  700;  die  zweiten  Tertiär-Becken  Europa's  1000,  die  er- 
sten 1400  (Paris  allein  1200  auf  etwa  2000  Quadratstunden)  und  zwar 
hauptsächlich  aus  tropischen  Geschlechtern. 

Nimmt  man  dazu  die  Pachydermen  und  Palmen  des  Pariser 
Beckens ,  so  dürfte  seine  Temperatur  noch  um  einige  Grade  höher  als 
jetzt  die  tropische  gewesen  seyn. 


E.  DE  Beaumont:  über  die  Temperatur  der  E  rd -Oberfläche 
in  der  tertiären  Periode  (Vortrag  bei  der  Akademie,  1836,  28.  Mai 
';^TInstitut  1836,  IV,  lSl—182).  Der  Verf.  glaubt  nicht  an  ein  tro- 
pisches Klima  (27^<*  C.)  der  Gegend  von  Paris  während  der  Grobkalk- 
Bilduug.  Denn  es  spreche  dagegen,  dass  die  Baum  -  Fahren  und  die 
Cycadeen,  Bewohner  unserer  Tropen,  so  wie  die  Fels-bauenden  Korallen, 
deren  Riffe  zur  Silurischen  und  vielleicht  noch  zur  Zeit  der  Steinkohlen- 
Bildung  bis  In glovlik  in  Nord  Amerika  in  69^"N.  Br.,  und  zur  Zeit  der 
Jura -Bildungen  wenigstens  bis  Kirkdale  in  Yorkshire  in  54**  Br.  ge- 
reicht, in  der  tertiären  Zeit  in  Europa  nirgend  mehr  vorkommen,  was 
wohl  hauptsächlich  der  Zunahme  der  Winterkälte  zuzuschreiben  seyn 
dürfte,  da  die  Abnahme  der  Sommer- Wärme  schon  von  sehr  früher  Zeit 
an  nicht  bedeutend  gewesen  seyn  könne,    —    Auf   der   andern  Seite  ist 


—     64     — 

zu  dieser  Zeit  um  Paris  das  Klima,  insbesondere  des  Winters  doch  noch 
warm  genug  gewesen,  um  den  Palmen,  den  Krokodilen  und  gros- 
sen Pachyderraen  zuzusagen,  deren  nächst  verwandte  noch  in 
Ägypten  leben,  während  zu  Tor  in  Arabien,  2°  Br.  südlich  von  Cairo, 
die  Fels-bauenden  Korallen  des  Ruthen  Meeres  aufhören.  Das  Maximum 
der  Winter-Temperatur  um  Paris  mag  also  damals  so ,  wie  jetzt  die  zu 
Cairo  gewesen  seyn,  und  da  das  Maximum  der  Sommer-Temperatur  jetzt 
fast  allerwärts ,  ausser  ganz  in  der  Nähe  der  Pole ,  gleich  ist ,  so  mag 
dieses  auch  in  der  geologischen  Periode  nicht  abgenommen  haben.  Die 
mittle  Jahres -Temperatur  würde  daher  für  Paris,  wie  jetzt  zu  Cairo, 
etwa  22°  C.  gewesen  seyn.  Was  die  grosse  Zahl  der  Konchylien-Arten 
im  Pariser  Grobkalk  betrifft,  worauf  sich  Deshayes  beruft,  so  haben 
solche  weder  alle  gleichzeitig  um  Paris  gelebt,  noch  kennt  man  die  der 
Äquatorial-Meere  so  vollständig,  wie  die  Pariser. 

Der  Überschuss  von  Wärme  ,  welche  die  Erd  -  Oberfläche  über  die- 
jenige besitzt ,  welche  ihr  die  Sonne  und  die  Atmosphäre  mittheilen, 
steht  in  einem  bestimmten  Verhältnisse  zur  Wärme -Zunahme  im  Innern 
der  Erde.  Die  Wärme-Zunahme  beträgt  jetzt  ^^„^  ^^^  ^®"  Meter,  und 
jener  Überschuss  ungefähr ^V*^.  Zur  Zeit  der  Steinkohlen-Bildung  kann 
jene  Zunahme  wohl  noch  ^^ ,  dieser  Überschuss  dann  aber  nicht  über 
^°  betragen  haben  ,  was  also  in  den  Klimaten  keine  wesentliche  Ände- 
rung bedingen  kann.  Da  diese  Änderung  aber  dennoch  Statt  gefunden, 
da  insbesondere  die  Polar  -  Gegenden  kälter  geworden  sind,  so  muss 
man  die  Ursache  davon  in  begleitenden  Umständen  suchen. 

1)  Das  Polar- Eis  existirte  in  der  ältesten  Zeit  noch  nicht.  Dessen 
Beseitigung  würde  heut  zu  Tage  noch  die  mittle  Temperatur  des  Poles 
von  etwa  —  25*^  auf  0^  heben. 

2)  Das  Meer  (dieser  Gegenden)  muss  daher  eine  von  unten  nach 
oben  weit  mehr  gleich  bleibende  Temperatur  besessen  haben ;  seine  Ober- 
fläche konnte  sich  zu  keiner  Jahreszeit  sehr  unter  die  Temperatur  der 
ganzen  Masse  abkühlen;  es  musste  sich  in  den  Polar- Gegenden  mit 
Nebel  bedecken,  sobald  die  Sonne  unter  den  Horizont  sank. 

3)  Da  die  Temperatur  in  der  Tiefe  der  Erdrinde  lOmal  so  schnell 
zunahm ,  so  mussten  fast  alle  Quellen  als  Thermen  erscheinen ,  des 
Nachts  den  Boden  in  Nebel  hüllen  ,  die  nächtliche  und  winterliche 
Wärme-Strahlung  unmöglich  machen,  und  so  den  Winter  und  die  Nächte 
und  die  Pole  wärmer  machen,  ohne  im  Sommer  gegentheilig  zu  wirken. 


Später  theilte  Elie  de  Beaumont  der  philomatischen  Gesellschaft 
eine  Formel  über  die  Beziehungen  der  Dicke  des  ewigen  (Polar-)  Eises 
zu  der  Temperatur  eines  gegebenen  Ortes  und  der  Temperatur-Zunahme 
nach  der  Tiefe  mit  {V Institut,  192—193). 


R.  E  VEREBT  :  über  das  Klima,  worin  die  fossile  Elep  h  an- 
te n-  Art   gelebt    (Asiatic  Society   Journ.  >►  N.  Biblioth.  univers. 


—     65     - 

1836,  II  j  153  —  159).  Mau  hat  das  Vorkommen  der  fossilen  Reste 
verschiedener  Raubthiere  und  Dickhäuter  in  England  und  überhaupt  im 
Nordj'n  von  Europa  als  einen  Beweiss  angesehen,  dass  diese  Gegenden 
meist  oine  tropische  Temperatur  besessen.  Aber  die  Nächstverwandten 
von  den  vier  am  öftesten  vorkommenden  unter  diesen  fossilen  Arten, 
nämlich  der  Elephant,  das  Nashorn,  das  Flusspferd  und  die 
Hyäne  leben  noch  heut  zu  Tage  am  Kap  beisammen,  weit  ausserhalb 
der  Wendekreise  [unter  32**  Br. ;  fast  wie  Kairo  unter  30**]  auf  der 
kälteren  Hemisphäre.  Übrigens  darf  man  von  dem  geographischen  Auf- 
enthalte einer  oder  einiger  Arten  nicht  auf  den  der  übrigen  schliessen, 
wie  man  am  Rennthiere  im  Gegensatze  der  übrigen  Hirsche  erse- 
hen kann  (Fleming).  Das  gilt  selbst  von  verschiedenen  Rassen  dersel- 
ben Thierart;  denn  wie  sehr  sich  auch  der  Haushund  über  der  ganzen 
Erd  -  Oberfläche  und  insbesondere  in  Indien  verbreitet  hat  :  nie  hat  man 
den  von  Terra  Nova  in  Indien  fortkommen  sehen.  Was  aber  den  fos- 
silen Sibirischen  Elephanten  anbelangt ,  so  war  er  durch  ein  Haur- 
Gewand  gegen  die  Wirkung  der  Kälte  geschützt,  und  Lyell  führt  das 
Zeugniss  des  Bischoffs  Heber  an,  dass  er  im  Himalaya ,  an  der  N.O.- 
Grenze des  Gebietes  von  Delhi  zwischen  dem  29**  und  30**  der  Breite 
einen  lebenden  mit  Haaren  bedeckten  Elephanten  gesehen.  Bei  des 
Verfs.  Nachfragen  erinnerte  man  sich  zwar  zu  Delhi  vor  langer  Zeit 
einmal  einen  behaarten  Elephanten  gesehen  zu  haben ,  aber  es  war  nur 
ein  anomales  Individuum  aus  der  weissen  Luxus-Rasse  der  Birmanischen 
Fürsten;  eine  besondere  behaarte  Rasse  gibt  es  dort  nicht.  —  In  York- 
shire  hat  man  neuerlich  die  E  le  ph  an  ten -Reste  in  Gesellschaft  von 
solchen  des  Amerikanischen  [?]  Bison  und  einiger  noch  jetzt  in  Eng^ 
land  lebenden  Süsswasser  -  Mollusken  gefunden  ;  was  aber  gerade  be- 
weisst ,  dass  das  Klima  nicht  viel  wärmer  als  jetzt  gewesen  seyn 
könne.  —  Von  den  6  in  der  Kirkdaler  Höhle  entdeckten  Raubthicr- 
Arten  existiren  noch  jetzt  (vollkommene  Identität  der  Arten  angenom- 
men) vier  in  Nord -Europa,  nämlich  der  Wolf,  der  Bär,  der  Fuchs 
und  das  Wiesel,  von  den  zwei  andern  aber,  dem  Tiger  und  der 
Hyäne,  findet  man  den  ersten  nach  Hodgson  (Säugeth.  von  Nepaul), 
zuweilen  an  der  Schneegrenze  des  Himalaya  ,  nach  Pemnant  im  Ge- 
biete des  ewigen  Schnee's  am  Ararat  in  Armenien,  angeblich  auch 
im  nördlichen  Theil  der  Halbinsel  Corea  in  Ost-China,  welche  von  344® 
bis  43**  N.  Br.  reicht,  und  deren  Klima  nicht  viel  von  dem  Pekings  im 
39"  Br.  abweichen  kann ,  wo  es  vom  November  bis  März  gefriert  und 
das  REAUMUR'sche  Thermometer  in  den  Winternächten  gewöhnlich  auf 
—  5*^3  steht.  Der  Tiger  kann  daher  noch  fast  in  einem  Klin'.a,  wie 
das  Englische  ist,  existiren,  wenfi  er  nur  feuchte  und  zusammenhängende 
Wälder  von  Herbivoren  bevölkert  findet ;  trockene  und  pflanzenarme 
Gegenden  übeviässt  er  dem  Löwen.  Die  Grenzen  der  Verbreitung 
der  andern  jener  Arten  ,  der  Hyäne ,  hat  der  Verf.  noch  nicht  genau 
ausmitteln  können.  Zwei  der  zu  Kirkdale  gefundenen  Thiere ,  das 
Wiesel  und  die  Wasserratte,  sind  nie  südlicher,  als  erstere  in  der 
Jahrgang  1837.  5 


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Berhertiy ,  letztere  iu  Sud -Europa  gefunden  worden.  Der  wilde  Ele- 
p  h  a  n  t  geht  von  Delhi  Nord  -  und  Höhen  -  vvärts  bis  auf  das  Gebirge, 
worauf  Nahun  4000'  über  dem  Meere  in  31**  N.  Br.  liegt.  Man  kennt 
zwar  die  mittle  Temperatur  des  Ortes  nicht  ;  nimmt  man  sie  aber  als 
das  Mittel  zwischen  jenen  der  in  fast  gleicher  Länge  und  Breite  lie- 
genden Städte  Seharumpour  in  looo'  ,  und  von  Mussoori  in  7000'  See- 
höhe an ,  so  erhält  man  =^  14"3  R.  ,  wahrend  Kirkdale  eine  mittle 
Tsmperatur  wie  Keswick  in  Cumberland,  nämlich  von  T**!  R.  besitzen 
wird ,  was  nur  7®2  R.  Unterschied  lässt.  Bcrückairhtiget  mau  aber, 
dass  Nahun  ein  exzessives  Klima  mit  sehr  heissem  Sommer  von  21°9 
mittler  Juni  -  Temperatur  und  mit  strengem  Winter  von  5^9  R.  mittler 
Januar-Temperatur  (Dift.  16**;  besitzt,  während  die  Temperatur  zu  Edith' 
bürg  in  dieser  Weise  nur  von  2*^2  R.  bis  12*'4  wechselt,  so  bleibt  für 
Schottland  nur  ein  Mehr  von  3"7  (für  Yorkshire  etwa  2^9  R.)  Winler- 
kältc ,  die  der  Elephant  zu  ertragen  hatte  ,  da  der  Abgang  an  höherer 
Sommer  -  Temperatur  ihm  niclit  nachtheilig  seyn  konnte.  Dieses  Mehr 
würde  aber  eine  andere,  daran  gewohnte  Rasse  gewiss  ertragen  haben, 
wenn  es  die  Indische  nicht  kann ,  wie  auf  den  Schottischen  Bergen 
und  den  Shetländischen  Inseln  Prassen  von  Pferden,  Rindern  und  Schafen 
da  vorkommen,  wo  die  der  Süd- En  ff  tischen  Weiden  zu  Giuud  gehen  wür- 
den. Vermochten  die  Afrikanischen  Elephanten  doch  sogar  ohne  weitere 
Gewöhnung  mit  Hanmbal  die  Alpen  zu  übersteigen  ,  wo  sie  vier  Tage 
in  den  Schneegegenden  zubrachten  ,  in  welchen  nur  wenige  zu  Grunde 
gingen.  Die  Insel  -  artige  Zerstückelung  Europa^s  in  jener  früheres 
Zeit  konnte  aber  schon  allein  hinreichend  gewesen  seyn,  das  Klima  um 
so  viel  milder  zu  machen,  als  es  der  Elephant  bedürfte.  Vielleicht  bat 
er  noch  mit  dem  Menschen  gleichzeitig  in  diesen  Gegenden  gelebt,  wie 
der  Löwe  noch  zu  Aristoteles  Zeit  Griechenland,  der  Elephant 
zu  Cäsar's  Zeit  Noj'd -  Afrika,  das  Hippopotamus  den  ]\il  bewohnte 
und  das  Nashorn  noch  vor  einigen  Jahrhunderten  bis  Attok  am  Indus 
westlich  ging,  während  es  jetzt  sich  auf  die  Wälder  im  Osten  des 
Ganges  beschränkt.  Und  werden  nicht  alle  diese  Thiere  früher  eine 
noch  grössere  Verbreitung  besessen  haben? 


L.  Horner:  über  das  Vorkommen  des  Megalichthys  in  ei- 
ner Kanuelkohlen  -  Schichte  im  Westen  von  Fifeshire ,  mit 
Bemerkungen  über  den  vorgeblichen  Süsswasserkalkstein 
von  Burdiehouse  (James.  Edinb.  «.  phil.  Journ.  1836,  XX,  309  —  320). 
Ein  Zahn  jenes  Fisches,  2"  lang  und  |"  dick,  dem  von  Hibbert  abge- 
bildeten {Edinb.  Transact.  XTII)  sehr  ähnlich,  eingeschlossen  in  Kannel- 
Kühle  von  Balbeath  in  Fifeshire,  2  Engl  Meil  östlich  von  Dunfermline, 
wurde  dem  Verf.  mit  der  Bemerkung  übergeben ,  dass  mit  dieser  an 
letztgenanntem  Orte  viel  verbrauchten  Kohle  schon  viele  ähnliche  Reste 
zerstört  worden  seyn  dürfte.  Das  Gebirge  zeigt  die  gewöhnlichen  Glie- 
der der  Steinkohlen  -  Formation  mit  vielen  Kohlen  -  Schichten  und  zahl- 
reiche  Rücken    und   Wechsel    bis    von    240'.     Das  Kohlciiflötz ,    welches 


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jenen  Zahn  geliefert ,  ist  23"  mächtig  und  Hegt  unter  schieferigem 
Sandstein  und  über  weissem  Sandstein,  in  gleichförmiger  Lagerung  mit 
offenbaren  Siisswasser  -  Schichten,  nämlich  Kohlen-Schiefern,  welche  an 
Abdrücken  von  Land-Pflanzen  reich  sind.  Dieses  Gebilde  scheint  nicht 
verschieden  von  jenem  von  B  ur  die  kons  e ,  obschon  Hibbert  an  letzterem 
Orte  ausnahmsweise  einen  Süsswasserkalk  —  als  Niederschlag  aus 
einem  Landsee  —  zu  erkennen  glaubt,  weil  keine  See-Konchylien -Reste 
wohl  aber  Landpflanzen  und  Entomastraca  darin  vorkommen  u.  s.  w. 
Da  aber  wahrscheinlich  alle  Kohlenlager  durch  abwechselnde  Holz-  und 
Schlamm-Anschwemmungen  an  den  Mündungen  grosser  Flüsse  im  Meere 
selbst  entstanden  sind,  und  keine  Erscheinung  zu  Durdiehouse  zu  einer 
entgegengesetzten  Annahme  nöthigt ,  so  ist  die  Bildung  der  Schichten 
an  beiderlei  Orten  auf  gleiche  Weise  erklärbar.  Ja  es  ist  zu  erinnern, 
dass  bei  Burdiehoiise  selbst  eine  mit  den  Fisch  -  reichen  Flötzen  fast 
gleichförmig  lagernde  Kalkschichte  wirklich  viele  Überbleibsel  von  Mee- 
resbewohnern enthält  ,  wenn  auch  nicht  von  Konchylien  ,  und  dass  die 
Pflanzenreste  in  dortigen  Kalklagen  dieselben  Arten  wie  in  Kohlenge- 
birgen sind.  Was  die  Fische  anbelangt ,  so  hat  Agassiz  selbst  keine 
Unterscheidungs-Zeichen  der  Süsswasser-  von  den  See-Fischen  angeben 
können;  Megalichthys  ist  zunächst  mit  Lepidostcus  verwandt, 
dessen  Arten  theils  in  Süsswassern,  theils  im  Meere  leben  und  die  übri- 
gen mit  vorkommenden  Geschlechter  Pygopterus,  Pulaeoniscus, 
Amblypterus  und  Eurynotus  sind  theils  dem  oft'cnbar  marinen 
Zechsteine,  theils  der  gewöhnlichen  Steinkohlen-Formation  tigen.  End- 
lich die  zahlreichen  Entomostraca,  nach  Hibbekt  aus  dem  Geschlechte 
Cypris,  konnten  in  Sümpfen  in  der  Nähe  des  Meeres  gelebt  haben  und 
ihre  Reste  dann  durch  Überschwemmungen  leicht  in  das  Meer  fortge- 
waschen worden  seyn  ;  vielleicht  gehören  sie  aber  auch  bei  nälierfr 
Betrachtung  zu  dem  sehr  ähnlichen  und  zunächst  verwandten  Ge- 
Schlechte  Cytherina  Lmk.  ,  dessen  Arten  im  Meere  zwischen  See- 
tangen und  Flüstern  sich  aufhalten.  So  dürften  denn  alle  Gründe  sich 
vereinigen,  die  Fisch -reichen  Kalkschichten  von  Burdiehouse  gleich  den 
übrigen  Gliedern  der  Steinkohlen  -  Formation  in  dieser  und  andern  Ge- 
genden als  ein  Strand-Gebilde  aus  Meeresbuchten  in  der  Nahe  von  Fluss- 
Mündungen  anzusehen. 


Schmerling  hat  auch  eine  Knoche  n  höhle  m  Luxemburg  entdeckt, 
worüber  er  am  8.  August  1835  an  die  Brüsseler  Akademie  berichtete 
(rinstitut,  1835,  111,  308—309).  Sie  liegt  l  Stunde  von  Villers-Sainte' 
Gertrude  am  Rande  der  Höhen  von  Kohlenkalk  auf  dem  linken  Ufer 
des  Aisne.  Man  kennt  und  besucht  sie  seit  langer  Zeit,  ohne  darin 
nach  Knochen  gegraben  zu  haben.  Eben  gelangt  man  zu  einem  ge- 
räumigen Portale,  worin  der  sanft  nach  0.  geneigte  Boden  aus  Pflanzen- 
Erde  und  Bruchstücken  der  anstehenden  Felsart  besteht.  Nördlich  von 
diesem    Portale    ist    eine    nicht    tiefe    Öffnung    voll    Lehm    (limon)    und 

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Steinen;  aber  der  85ni  lange  Haupt  «Gang  zieht  durch  eine  Om09  breite 
und  2™  hohe  Öflfnung  gerade  nach  Süden.  Allmählich  hinabsteigend 
gelangt  man  bald  in  den  weitesten  Theil  von  5™  Breite  und  6m  Höhe, 
voll  Stalaktiten  an  den  Wänden.  Die  Decke  senkt  sich  mit  den  Schich- 
ten nach  O.  Endlich  steigt  der  Boden  wieder  so  stark  an ,  dass  man 
nur  noch  auf  dem  Bauche  unter  ihr  fortkriechen  kann.  Den  Boden  der 
Höhle  bedeckt  eine  mächtige  Lage  von  Lehm  ,  mit  Geschieben  ,  Stein- 
stücken  und  Knochen,  die  am  Abhang  und  am  Ende  am  mächtigsten  zu 
seyn  scheint,  und  auf  welcher  wieder  dicke,  geschichtete  Stalagmiten 
ruhen  ,  nach  deren  Durchbrechung  sogleich  ein  unangenehmer  Geruch 
aus  dem  Lehme  aufsteigt.  Die  Knochen  liegen  theils  ohne  Ordnung  im 
Lehme  zerstreut,  theils  stecken  sie  im  untern  Theile  der  Stalagmiten. 
Eine  schwarze,  sehr  fett  anzufühlende  Erde  ist  hin  und  wieder  unter 
den  Lehm  gemengt ,  oder  über  die  Steine  und  Stalagmiten  verbreitet. 
Schon  die  erste  Nachgrabung  ergab  eine  Menge  von  Bären  -  Knochen 
(U.  spelaeus),  insbesondere  viele  Zähne,  Kinnladen,  Wirbel,  Rippen 
u.  s.  w.  Einige  Reste  eines  Wolfes  und  ein  Mittelfussbein  einer 
Katze,  kleiner  als  Felis  spelaen,  fanden  sich  dabei.  Hier,  wie  in 
der  Provinz  Lüttich ,  sind  die  Knochen  erst  vom  Fleische  befreit  in  die 
Höhlen  gekommen,  in  welchen  die  Thiere  nicht  selbst  gelebt  haben. 


A.  SisMONDA :  geogn  ostisch  er  Versuch  über  die  zwei 
Nach  bar -Thal  er  der  Stura  und  Vinay  (Mem.  d.  Accad.  d.  scienc, 
di  Turino  1833,  XXXVI,  1  —  10).  Das  Stura-Tha\  ist  von  Kalk  in 
Wechsellagerung  mit  Phylladen  und  Trümmer-Gesteinen  eingefasst,  von 
welchen  einzelne  Schichtenfolgen  sich  oft  ansehnlich  entwickeln ,  wäh- 
rend dieselben  an  andern  Stellen  zu  untergeordneter  Ausdehnung  herab- 
sinken ,  und  hiedurch  wie  durch  Übergänge  in  einander  und  allen 
Mangel  einer  bestimmten  Folge  beweissen ,  dass  sie  nur  einer  und  der- 
selben Formation  angehören.  Der  Kalk  setzt  südlich  bis  ins  Thal  von 
Vaudier  hinüber,  wo  Brüche  auf  schönen  graulichweissen  bis  blaulich- 
grauen  Marmor  in  ihm  betrieben  werden,  während  er  im  Stura  -  Thale 
selbst  nicht  Politur  -  fällig ,  im  Bruche  schuppig  bis  krystallinisch  er- 
scheint; nur  in  geringen  Massen  kommt  er  schwarz  vor,  bei  Majola 
schwarz  und  von  weissen  Spathadern  durchsetzt,  bei  Demonte  schwarz 
mit  gelber  und  weisser  Aderung  (wie  zu  Porto  Venere  bei  la  Spezzia) 
und  giau  mit  weissen  Adern.  In  der  Sonne  oder  künstlich  erwärmt, 
entwickelt  dieser  Kalk  einen  bituminösen  Geruch.  Er  geht  in  schiefe- 
rigen Kalk  über.  Zu  Borhone,  zwischen  Demonte  und  Aisone  enthält 
er  Grotten  und  bildet  Plateau's ,  über  welchen  er  sich  noch  hoch  in 
Steilen  Felswänden  erhebt.  —  Zu  den  Trümmer  -  Gesteinen  gehört  die 
Grauwacke,  Brongniart's  Anagenit,  welche,  wie  zu  Trient  im  Wallis, 
von  krystallinischen  Adern  durchzogen  ist,  und  aus  Ur-  und  Übergangs- 
Stein-Trümmern  besteht.  Längs  des  Thaies  erscheint  sie,  und  insbesondere 


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in  letzterwähnter  Gegend  nimmt  sie  die  tiefsten  Stellen  unter  den  Schie- 
fern ein,  dureil  die  sie  oft  ganzlich  vertreten  wird,  und  welche  mit  dem 
Kalke ,  gleich  mächtig  entwickelt ,  die  Hauptn)asse  der  Gebirge  zusam- 
mensetzen und  zuweilen  eine  wellenförmige  Schichtung  annehmen,  von 
Quarz-  und  Kalkspath -Adern  durchsetzt  sind,  welche  beiderlei  Stoffe, 
letztrer  öfters  in  schönen  grossen  Krystallen  ausgeschieden,  späthi- 
ges Eisen  mit  Eisenperoxyd  -  Hydrat  zu  Begleitern  haben.  —  Alle 
diese  Gesteine  schreibt  der  Verf.  der  Übergangs  -  Zeit  zu  ,  obgleich  im 
unteren  Theile  des  Thaies  noch  keine  organische  Reste  darin  gefunden 
worden.  Dagegen  sind  in  dessen  oberem  Theile  bei  Sambucco  Belem- 
niten  und  Amnion iten  „unwiderlegliche  Kennzeichen  der  Übergangs- 
Gebirge"  schon  von  Allioni  {Oryctugr.  Piem.  p.  50  ,  52)  entdeckt 
worden.  Am  Berffemoletto-Berge  im  Stura-Tha\  hat  der  Verf.  in  einem 
alten  Stollen  auf  Silber  -  haltij^es  Schwefelbley  neuerlich  kohlensaures 
Blei  in  gelblichen  bis  weissen  durchscheinenden  Krystall  -  Prismen  auf 
Quarz  entdeckt.  —  Das  Thal  von  Vinay ,  seiner  Bäder  wegen  bekannt, 
ist  ein  Zweig  des  vorigen ,  und  dringt  in  Gneiss  -  Gebirge  ein  ,  das  in 
Granit  und  Glimmerschiefer  mit  fast  vertikaler  Schichtung  übergeht. 
Der  sich  leicht  zersetzende  Feldspath  desselben  bildet  einen  sehr  frucht- 
baren Boden,  veranlasst  aber  auch  eine  Menge  von  Felsenstürzen  u.  dgl. 
Erscheinungen.  Eine  halbe  Stunde  hinter  den  Uadern  ist  ein  auf  beiden 
Seiten  des  Thalt-s  fortsetzender  fast  vertikaler  Gang,  welcher  Veran- 
lassung zu  ausgedehntem  Bergwerks-Betrieb  auf  Schwefelblei  gibt ,  das 
mit  etwas  Eisen-  und  Kupfer-Kies,  Schwefel-Antimon  und  -Zink  gemengt 
ist.  Die  Gangart  ist  derber  Fluss-saurer  und  etwas  kohlensaurer  Kalk, 
ersterer  von  blaulicher,  grünlicher  und  rosenrother  Farbe  und  in  Dru- 
sen würfelig  anschiessend.  —  Die  Corhorant  -  Berge  schliessen  dieses 
Thälchen  im  Hintergrunde :  sie  bestehen  theils  aus  Gneiss  und  Glim- 
merschiefer, theils  aus  Granit  mit  Porphyr-Struktur,  der  sich  unter  dem 
ersten  hervorhebt  und  ihn  dann  bedeckt  ,  folglich  „nicht  zum  neptuni- 
schen,  sondern  zum  plutonischen  Granite  gehört".  Der  Glimmerschiefer 
ist  nesterweise  grossblätterig  und  enthält  viele  lange  Prismen  schwarzen 
Turmalins,  den  man  bisher  für  Hornblende  gehalten,  und  Granaten  in 
entrandeten  Rhomben  -  Dodekaedern.  In  einigen  Gneiss  -  Blöcken  haben 
sich  kleine  Krystalle  grauen  Epidots  gefunden. 


Artesische  Brunnen  von  Bergöl  (VAbeille  de  la  Nouvelle 
Orleans  ^  le  Temps  1836,  4.  Juli  ;>  Froriep's  Notiz.  1836,  XLIX, 
343  —  344).  Als  man  vor  etwa  10  Jahren  nach  Salzquellen  bei  ßur- 
kesville  in  Kentucky  bohrte  und  bereits  eine  Reihe  fester  Schiebten 
durchteuft  hatte,  erhob  sich  aus  200'  Bohrtiefe  plötzlich  ein  Strahl 
von  Bergöl  12'  hoch  über  den  Boden  ,  der  anfänglich  75  Gallonen  in 
der  Minute  lieferte ,  aber  schon  nach  einigen  Tagen  aufhörte.  Als  das 
Ol  in  den   Cumberland  abfloss  und  sich  über  dessen  Spiegel  verbreitete, 


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versuchten  die  mit  dessen  Eigenschaften  unbekannten  Anwohner,  ob  es 
entzündlich  sey,  und  plötzlich  stund  der  ganze  Fluss  in  Flammen,  und 
das  Feuer  schlug  an  den  steilen  Ufern  empor,  wo  es  viele  der  höchsten 
Bäume  beschädigte.  Später  brachte  mau  durch  Aufpumpen  von  Salz- 
wasser noch  einmal  etwas  Bergöl  mit  herauf,  was  aber  dann  nicht 
wieder  gelang.  Doch  stieg  es  in  den  letzten  6  Jahren  noch  zweimal 
von  selbst  durch  und  über  die  Pumpe  empor.  Das  letzte  Mal  begann 
es  am  4.  Juli  1835  und  währte  6  Wochen,  so  dass  man  20  Fass  davon 
sammeln  konnte.  Ein  dumpfes  Geräusch  ,  wie  von  fernem  Donner  be- 
gleitete das  Ausströmen  und  über  der  Pumpe  erkannte  man  ein  sich  aus 
ihr  entwickelndes  Gas.  Das  Ol  ist  grün ,  wird  an  der  Luft  braun, 
riecht  scharf,  und  verflüchtiget  sich  rasch  aus  hölzernen  Tonnen. 


Marcbl  de  Serres  :  über  den  flüssigen  Zustand  der  Ge- 
birgs-Massen  im  Augenblick  ihrer  Emporhebung  {Vlnst.  1836, 
IV,  323).  Der  Berg  bei  Cette  besteht  aus  Jurakalk  und  aus  Moellon, 
welcher,  reich  an  fossilen  Resten  und  mit  vorigem  emporgehoben,  sich 
jedoch  kaum  über  den  Etang  von  Thau  erhebt,  um  sich  über- die  Jura- 
Gebilde  herzulagern.  Diese  selbst,  der  untern  Jura  -  Abtheilung  ange- 
hörig, bestehen  wieder  aus  dreierlei  Massen,  die  man  im  Steinbruch  del 
Rey  leicht  unterscheidet.  Der  obere  Theil  ist  ein  gelblicher  dichter  un- 
reiner Kalkstein  ,  dessen  dünne  Schiefern  geneigt  sind.  Darunter  folgt 
ein  graulicher  sehr  harter  Kalkstein  ,  dessen  mächtigere  Flötze  bis  fast 
Eum  Senkrechten  geneigt  sind.  Zu  unterst  kommen  röthliche  und  grau- 
liche Dolomite,  zum  Theil  Breccien  -  förmig ,  deren  noch  mächtigere 
Schichten  in  gleichem  Fallen  mit  vorigen  (nach  Stärke  und  Richtung)  ge- 
gen und  unter  das  Meer  einschiessen.  Da  diese  Massen  von  dem  tertiä- 
ren Kalke  an  mehreren  Stellen  bedeckt  werden ,  so  hat  ihre  Hebung 
erst  nach  dessen  Absetzung  Statt  gefunden  ;  mächtige  Spalten  sind  die 
Folgen  dieser  Hebung  gewesen ,  welche  später  wieder  von  Knochen- 
breccie  erfüllt  worden.  In  dem  genannten  Steinbruche  aber  hat  man 
kürzlich  eine  grosse  Spalte  in  dem  mittein  Theil  der  Juragebilde  geöff- 
net, welche  von  oben  her  durch  die  Masse  jenes  jurassischen  gelblichen 
Jurakalk- Schiefers  ausgefüllt  worden  ist,  welcher  auch  die  kleinsten 
Räume  und  Risse  derselben  erfüllt  hat  und  daher  zur  Zeit  der  Emporhe- 
bung sehr  dünnflüssig  gewesen  seyn  muss.  [Hier  wäre  sehr  ru  wün- 
schen, dass  die  mechanischen  Änderungen  näher  bezeichnet  worden 
wären  ,  welche  die  gelben  Kalkschichten  durch  theilweiscs  Abfliessen 
derselben  in  diese  Kluft  erfahren  haben.     D.  R.] 


Chemische  Zusammensetzung  einiger  mit  der  Stein- 
kohlen-Formation  bei  Edinburg  verbundenen  Gebirgsarten 
(Jambs.  Edinh.  n.  philos.  Journ.  i833j  Jitly ;  Nr.  XXIX ,  190  —  196), 


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Jambson  Iheilt  folgende  An«Iysen  mit,  die  von  einigen  „jungen  Freun- 
den" angestellt  worden  ,  nämiicli  1  und  4  von  Rob.  Walker  ,  2  und  3 
von  John  Drysdale  : 

1.  Schiefert  hon  von  IVardie  bei  Newhaven ,  wo  er  mit  Sand- 
stein und  bituminösen  Schiefein  wechsellagert:  brausst  nicht  mit  Säu- 
ren, noch  bildet  er  eine  Gallertc  mit  ihnen.  In  Rothgliihhitze  verliert 
er  mechanisch  gebundenes  Wasser  und  zerfällt  in  Trümmer,  Er  ent- 
hält 0,6000  Kieselerde,  0,1760  Alaunerde,  0,1521  Eisenoxyd,  0,0236 
Kalkerde,  und  verliert  in   der  Hitze  0,0441,   zusammen  0,9958. 

2.  Kompakter  Feldspath  von  den  Pentlands^  von  2,53  Eigen- 
schwere,  brausst  mit  Säuren  wenig  und  gibt  keine  Gallerte  mit  ihnen, 
ist  vor  dem  Löthrohre  für  sich  unschmelzbar;  auf  Platin-Draht  (Bloch?) 
erhitzt  mit  einem  Überschuss  von  Phosphorsalz  bildet  er  ein  durchsich- 
tiges farbloses  Glas.  Er  besteht  aus  0,7350  Kieselerde,  0,1123  Aliiun- 
erde  mit  einer  Spur  von  Eisen  ,  0.0250  kohlensaurem  Kalk ,  0,0355 
Potasche,  0,0380  Soda,  0,0460  Wasser  =  0,9920. 

3.  Griinstein  von  IVardie  von  2,873  Eigenschwere:  brausst 
mit  Säuren  ,  gelatinirt  aber  nicht  mit  ihnen  ;  vor  dem  Löthrohr  für  sich 
erhitzt  schmilzt  er  zu  schwarzem,  mit  Phosphorsalz,  zu  durchsichtigem, 
heiss :  gelbem ,  kalt :  farblosen»  Glase.  Besteht  aus  0,4400  Kieselerde, 
0,1140  Alaunerde,  0,2232  Eisen  (Protoxyd) ,  0,0880  Kalkerde,  0,0250 
Bittererde,  0,1050  Wasser  und  Kohlensäure  =  0,9952. 

4.  Feld  s  path-Gest  ein  von  War  die  ,  aschgrau,  dem  Labrador'- 
Feldspath  sehr  ähnlich,  aber  in  der  Zusammensetzung  sehr  abweichend. 
Es  erhebt  sich  unter  Sandstein-  und  Schieferthon- Schichten  herauf  und 
könnte  beim  ersten  Anblick  wohl  für  ein  neptunisches  Gebilde  gehalten 
werden,  sähe  man  es  nicht  deutlich  in  Grünstein  übergehen.  An  einer 
Stelle  hat  es  den  Schieferthon  aufgerissen  ,  der  (nun  in  ihm  eingebettet 
liegt,  und)  offenbar  eine  halbe  Schmelzung  erlitten  hat.  Es  brausst 
mit  Sauren  heftig,  gelatinirt  aber  niclit  mit  ihnen,  enthält  0,3720  Kie- 
«elerdo,  0,0975  Alaunerde,  0.2000  Eisen,  0,0857  Kalkerde  ,  0,0378  Talk- 
crde,  0,2080  Kohlensäure  und  Wasser,  zusammen   1,0010. 


Van  Bkeda  :  Betrachtungen  über  die  beim  Bruiiiienboh- 
reu  zu  Zt^ist  he  ra  u  fgebrac  hlen  Erdarten  und  deren  geologi- 
sches Alter,  vorgele.s.  im  Niederländ.  Instit.  d.  Wi.xsensch.  1835. 
24.  Januar  (^  Algemeene  Konst  -  en  Letter  -  Bode,  1835,  Kr.  x,  xr). 
Der  Verf.  bezieht  sich  auf  die,  schon  von  Wenckknbach  in  diesem  Jahr- 
buche, 1835,  S.  59  ff.  henihrlen  Verhältnisse.  Der  durchsunkene  Boden 
gilt  dem  Verf.  schon  lange  als  Diluvium  ,  nicht  Alluvium,  Solches  Di- 
luvium ist  auch  die  Molasse ,  daraus  besteht  das  ganze  Thal  zwischen 
den  Alpen  und  dem  Jura,  der  Fuss  der  Süd  Deutschen  Afpen,  die  Crau- 
Ebene  in  Süd-  Frankreich  u.  s.  w.  In  Holland  besteht  die  Amersfor- 
der  Ueide  daraus:   Quarz,  Sandstein,  Puddingstein,  Basalt,  Feuerstein, 


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Eisenstein,  Gneiss ,  Hornblende  kommen  theils  als  Sand  ,  theils  als  Ge- 
schiebe daselbst  vor.  Ihre  Abstammung  lässt  sich  südlich  bis  zu  den 
Ardennen  verfolgen.  Einige  nordische  Granit-  und  Gneiss- Blöcke  mö- 
gen darunter  vorkommen,  doch  ist  diese  Annahme  nicht  nothweudig  an- 
gezeigt. Aber  die  Grenzen  dieses  Diluviums  mit  den  Ablagerungen 
darunter  lässt  sich  in  dem  Bohrloche  bei  Zeist  schwer  nachweisen ,  da 
beiderlei  Gebirge  gleiche  Bestandtheile  enthalten.  Bis  zu  145  ütrechter 
Fuss  Tiefe  hat  man  offenbaren  Diluvial-Sand  und  -Gerolle;  tiefer  wech- 
sellagert Thon  damit ;  in  280'  Tiefe  tritt  Eisenhydrat  als  Bindemittel 
auf;  in  312'  traf  man  ein  Muschelstück  an,  in  380'  eisenhaltigen  Thon, 
welcher  Geoden  von  fiiseu- Hydro -Karbonat,  in  den  Höhlen  mit  Kreide, 
und  mit  von  Kreide  umgebenen  Feuersteinen  einschliesst.  Tiefer  kommt 
man  auf  eisenschüssigen  Sand ,  der  in  455'  ein  Stück  Holz  enthielt : 
von  460—468'  auf  dünne  Sandstein-Lagen  ,  mit  470',  478'  und  482'  auf 
platte  runde  Stücke  kalkhaltigen  Thones,  in  483'  bis  485'  auf  Holz.  — 
Nun  kann  das  Eisen  -  Hydrat  (280')  und  mehr  noch  das  Muschelstück 
<312'),  das  in  dem  Diluvial -Lande  mit  den  Geschieben  abgerundet  seyn 
wurde,  als  Beweiss  gelten,  dass  man  tertiären  Boden  erreicht  habe  ;  — 
ferner  die  Kreide- haltigen  Geoden  und  die  Feuersteine  (380'),  welche 
sich  auch  anderwärts  in  tertiären  Formationen  und  zumal  in  dem  dar- 
unter liegenden  Lignit- Gebirge  finden,  welches  mit  455'  —  456'  durch 
dikotyledonische  Braunkohle  mit  Pyrit  unmittelbar  angedeutet  ist ;  — 
die  Stücke  des  kalkigen  Thones  (470'  flF.)  entsprechen  endlich  der  Sep- 
taria  des  Londonthones.  Somit  ist  kein  Zweifel,  dass  das  Tertiär- 
Gebirge  von  280'  oder  doch  von  312'  an  bis  zu  485'  Teufe,  wo  man 
noch  weifer  bohrt ,  reiche.  Da  nun  der  Verf.  in  der  Gegend  von  Ant- 
werpen, Löwen,  Tongern  bis  Düsseldorf  u.  s.  w.  schon  früher  den 
plastischen  Thon,  den  London  -  Thon,  den  Bagshot  -  Sand  und  den  Crag 
nachgewiesen ,  so  darf  man  erwarten ,  alle  diese  Schichten  auch  in  dem 
Bohrloch  der  Reihe  nach  zu  durchsinken.  Das  Muschelstück  (312')  ist 
zur  Bestimmung  zu  unvollständig,  mag  aber,  nach  seinem  ockerfarbenen 
Ansehen  zu  schliessen ,  dem  Crag  angehören.  Die  Lignite,  dergleichen 
zwar  in  verschiedenen  Gliedern  der  Tertiär -Zeit  vorkommen,  mögen, 
den  Erscheinungen  im  Themse -Becken  entsprechend,  dessen  südwestli- 
cher B.and  nach  Holland  fällt,  die  des  plastischen  Thones  seyn,  dem 
zu  London  wie  zu  Paris  auch  die  Eisenerz  -  Geoden  angehören.  Aber 
diese  Bildung  mag  hier,  wie  auf  Wight ,  mit  dem  Septaria  -  haltenden 
London -Thon  in  eine  zusammenfallen.  Das  Diluvium  scheint  hier  ein 
grosses  Thal  im  London-Thon  auszufüllen.  Wann  man  aber  die  Kreide 
erreichen  werde,  lässt  sich  nicht  bestimmen,  da  derselbe  plastische  Thon, 
welcher  bei  London  lOO'  mächtig  ist ,  auf  Wight  von  1200'  Mächtig- 
keit erscheint. 


—     73     — 

Geognostische    Wanderungen    in    Piemont ,    und  zumal 
nach  der  Superga    (Bibl.  Ital.  1834,    De%. ;   LXXVI ,  449  —  453). 
SiSMONDA  und  Elie  de  Beaumoist   waren    seit    längerer  Zeit  verschiede- 
ner Ansicht  über  die  Hebungs-Zeit  der  Superga  gewesen.      Als  nun  im 
Herbste  1835  Elie  de  Beaümont    und  Dufrenoy  mit  L.  von  Buch  nach 
Turin    kamen  ,    beschlossen    sie    mit  Sismonda  und  Marmora  die  Sache 
näher  zu  untersuchen.     Sie  begaben  sich  nach  Gassino  und  von  da  über 
die  Superga  hinweg.     Sie  fanden,  zum  ersten  Male  anstehend,  Nummu- 
litenkalk,  welcher  mit  dem  sog.  Marmor  von  Gassino  und  einer  grossen 
Reihe  Kalk-  und  Macigno -Schichten  die  ol)ere  Sekundär  -  Formation  da- 
selbst ausmachten,  und  gelangten  über  diese  Bildungen  hin  in  die  tertiären 
Schuttgebilde  aus  Serpentin-,  Kalk-,  Euphotid-,  Porphyr-,  Granit-  u.  a. 
Geschieben.      Die    Schichten    der    letzteren    stimmen    in    ihrer    Neigung 
ganz  mit  denen  in  den  östlichen  Alpen  überein,  wornach  denn  Sismonda's 
Ansicht    für    bestätigt    erklärt    wurde ,    dass  deren  Hebung  erst  bei  der 
letzten  grossen  Revolution  Statt  gefunden    [womit    sich    gewisse  Folge- 
rungen   über    das    Alter    der  Superga- SchXchicn    beseitigen;    vergleiche 
Jahrb.  1832,    S.  245,    246].  —  Von   da   setzten    die  Reisenden  —  ohne 
L.  v.  Buch  —  ihren  Weg  nach  Genua  fort.     Jenseits  Baldichieri  sahen 
sie  Kalk-  und  Porzellan  -  Jaspis  [?  Diaspro]  -  Schichten,  aus  der  Zeit  der 
Jura- Bildung,    welche  von  Serpentinen  gehoben  und  verändert  worden. 
Von  Ochieppo    gingen    sie    durch    das   Craglia -Thal    nach  Bietla ,    wo 
nächst  dem  Heiligthume  der  Jungfrau  von  Oropa  Glimmerschiefer,  Ser- 
pentine und  Porphyr    anstehen,    welcher  mit  denen  der  Ost-Alpen  über- 
einstimmt   und    die    ersten    beiden    Felsarten    gehoben ,     zerrissen     und 
grosse  Blöcke  derselben  mit  in  die  Höhe  genommen  hat,    wornach  Elie 
DE  Beaumont  die  Hebungs-Zeit  ebenfalls  als  mit  der  der  Ost-Alpen  zu- 
sammenfallend ansieht.     Die  Hügel   von  Masserano   und  Ronco  gehören 
zur  obern  Tertiär- Formation  ;    doch  werden  an  ihrem  Fusse  Brüche  auf 
einen  Kalkstein    betrieben  ,    der  wieder  der  Kreide  anzugehören  scheint. 
Bei   Verrua:  Schichten,  gleichalt  mit  jenen  von  Asti.  —  Auf  dem  Wege 
nach  Monteu  und  Casal  Borgone    sah    man  Kreidekalk  wie  bei  Gassino 
unter  tertiären  Gesteinen,  wie  von  der  Superga,  verschwinden,  so  dass 
die  Hebungs-Zeit  mit  der  der  letzteren  übereinstimmt.  —  Cuneo.  —  Von 
Mondovi  bis  Bagnasco  herrschen  wieder  jene  tertiären  Schichten,  deren 
Streichen  und  Fallen  aber  von  jenem  an  der  Superga   sehr   abweichend 
ist   und    vielmehr   mit   dem   der  West- Alpen  übereinzukommen  scheint. 
Eine  Stunde  von  Bagnasco  wird  ein  mit  quarzigen  Hebungs  -  Gesteinen 
gemischter  Jura -Kalk  durch  eine  Ereccie  bedeckt,    in  welcher  Elie  de 
Beaumont  das  Ufer  des  alten  Meeres  vermuthet,  woraus  sich  die  Tertiär- 
Bildungen  abgesetzt  haben.     Jura-Kalk  mit  Ur  -  und  Hebungs-Gesteinen 
wechselnd  ,    hält  dann  bis  1  Meil.    über  die  Brücke  von  Nava  an  ;    hier 
wird  er  wieder  kompakt  und  spaltbarer,    Thonschiefer  zeigt  sich  in  der 
Höhe  häufig,  und  Alles  deutet  dahin,  dass  der  Kalk  von  hier  an  bis  ge- 
gen Pietra  zur  Kreide    gehöre ,    wo   wieder  Jurakalke    folgen ,    welche 
sich  mit  den  Dolomiten  von  Finale   vereinigen  ,   worauf  diese    bis   fast 


—     74     — 

nach  Savona  an  das  Urgebirge  bin  fortsetzen.  Die  Hebungszeit  aller 
dieser  Gesteine  scheint  mithin  nach  Allem  mit  der  der  Pyrenäen  zusam> 
nienzufailen;  dann  aber  scheinen  noch  spätere  Störungen  bei  der  Hebung 
der  West 'Alpen  die  Tertiär  -  Schichten  von  Mondovi  und  Dagnaseo 
betroffen  zu  haben. 


Buckland:  über  Entstehung  der  Höhlen  (Vortrag  bei  der 
Ashmolean  Society  in  Oxford  ]>  VInstitut  1836,  IV,  175—176).  Dau- 
BENV  hatte  bei  Gelegenheit  seines  Berichts  über  die  tiefen,  zu  MichetVs 
Town  bei  Cork  entdeckten,  mit  Sand  und  Lehm  unter  einer  St'ilagmiten- 
Rinde  angefüllten  Höhlen,  deren  Ausfüllung  nur  durch  enge  Öffnungen 
von  einem ,  jetzt  dort  nicht  mehr  aufzufindenden  Bache  habe  bewirkt 
werden  können,  die  Ansicht  geäussert,  dass  manche  Höhlen,  jene  mit 
hohen  Domen  ,  gewölbten  Decken  und  unregelmässigen  Verengerungen 
zumal ,  gebildet  werden  mussten  durch  Einschliessung  grosser  Gas- 
Massen,  di^  sich  von  unten  zur  Zeit  entwickelt  haben,  als  das  Gestein 
lio^ch  vt^eich  war. 

Dagegen  macht  Bucklano  seine  Ansicht  geltend  ,  dass  manche  von 
geraden  und  oft  parallelen  Spalten  durchsetzte  Höhlen  der  Kalkgebirge 
eine  mechanische  Entstehung  durch  Rücken  und  Wechsel  des  Gebirges 
gehabt  haben,  andere  aber  von  der  bei  Daübeny  angeführten  Beschaffen- 
heit von  der  lange  fortgesetzten  chemischen  Einwirkung  der  aus  Nach- 
bargebilden entwickelten  sauern  Gasarten,  insbesondere  der  Kohlensäure, 
herzuleiten  seyen.  Die  innere  Oberfläche  der  Höhlen  pflegt  in  der 
That  auch  sehr  zerfressen  zu  seyn.  War  die  Säure  an  fiiessendes 
Wasser  gebunden ,  so  musste  dieses  den  gelösten  kohlensauren  Kalk 
auch  sogleich  fortführen  mit  Hinterlassung  der  unauflöslichen  kieseligen 
Konkrezionen  an  den  Wänden  und  der  harten  in  der  That  oft  noch  aus 
diesen  hervorragenden  Versteinerungen.  Bloss  mechanisch  durch  Ein- 
schliessung von  Gas  konnten  sie  nicht  entstanden  seyn  ,  denn  das 
Nicht  -  Vorkommen  in  ihnen  von  solchen  organischen  Resten,  die  be<- 
trächtlich  älter  als  die  jetzige  Schöpfung  seyen,  die  im  Gestein  einge- 
schlossenen und  auf  einen  sehr  allmählichen  Niederschlag  desselben 
hindeutenden  Korallen  •  Bänke  j  die  dichte  Beschaffenheit  des  Gesteines 
selbst  im  Gegensatze  der  selligeu  Laven  (welche  wohl  Höhlen  von 
jener  Ent»tehungsweise  enthalten)  sprechen  für  die  letzte  Ansicht. 


,  ,  Bbrtraisd-Gesun  :  geologische  Notiz  über  die  Insel  Noir- 
m^ftUers  i  ui  Vend^e  -  D  e  p  t.  (Mem.  Soc,  geoh  de  France,  1834,  J,  //, 
3d7^330;  BulL  geol.  d.  Fr.,  S.  5^85  —  287).  Die  Insel  bietet  4  Ge- 
birgssysteme  dar:  1)  das  Primär -SyMem  auf  der  ganzen  N.  -  Küste  der 
Insel,  von  der  Spitze  lM:iieronde  bis  z.u  dem  des  Gehölzes  voa  la  Lande: 


—     75     — 

es  ist  ein  sehr  machtiger  Glimmerschiefer,  im  untern  Theile  Pegmatit, 
Granit  und  Gneiss  enthaltend,  und  in  grünen  Talkschiefor  übergehend, 
die  sich  den  Talkgesteinen  der  untern  Loire  verbinden.  Das  ganze 
System  fällt  mit  65°— 75°  O.N.O.  —  2)  Das  Sekundär-System  im  N.O. 
der  lusel ,  vorzüglich  beim  Gehölze  von  la  Chaise  entwickelt  und  in 
seiner  untern  Gruppe  ,  die  bei  la  Lande  auf  Talksehiefer  ruht ,  einen 
eisenschüssig  quarzigen  Sand  mit  kleinen  Exemplaren  von  Gryphaea 
columba  voll  Kiesel-Ringchen,  mit  Nummuliten  und  Echiniten-Stachela 
darbietend,  welcher  jenem  von  der  Insel  Aix ,  der  die  Ca  pr  inen  ent- 
hält, analog  zu  seyn  scheint;  —  in  seiner  oberen  Gruppe  einen  weissen 
oder  grauen,  kompakten,  durch  unvollkommene  Krystallisation  gebilde- 
ten Quarzit  darstellend  ,  der  in  den  obersten  seiner  2"  —  12"  mächti- 
gen Schichten  Pflanzen-Abdrucke  enthält  und  in  einen  weissen,  grauen 
oder  eisenschüssigen  Sandstein  übergeht,  jenem  von  Fontainebleau  ähn- 
lich. Beide  Gruppen  fallen  10"— lö**  nach  S.W.,  ruhen  folglich  in  abwei- 
chender Lagerung  auf  jenem  Urgebirge,  und  befinden  sich  in  gleichförmi- 
ger Lagerung  mit  dem  Grünsand  und  der  Kreide  der  Insel  Aix ,  von 
denen  sie  nur  eine  Fortsetzung  sind  ,  und  mit  welchen  ihre  Schichten 
gleichzeitig  aufgerichtet  worden  wären,  wie  der  Mont  Viso ,  nach  Elie 
DE  Beauivioist  nämlich  zwischen  der  Tuff  -  artigen  und  der  weissen 
Kreide.  —  3)  Das  tertiäre  System  tritt  nur  bei  niedrigem  Meercsstand, 
jedoch  in  sehr  grosser  Ausdehnung  auf  der  W.  -  und  S.W. -Küste  der 
Insel  hervor.  Es  ist  ein  gelber  kompakter,  sandiger,  etwas  glimmeri- 
ger Kalk  mit  Quarz  -  Geschieben ,  Nummuliten,  Nucleoliten  ,  Cassideln, 
Pecten  u.  s.  w.  Er  fällt  einige  Grade  nach  W.S.W,  und  kann  der 
oberen  Meeres-Formation,  dem  Moellon,  gleichgesetzt  werden.  —  4)  Das 
Schuttland  zerfällt  in  zwei  Gruppen.  Die  untere  besteht  aus  Qiiarz- 
und  Urfels -Trümmern  und  liegt  strichweise  auf  Quarzit  und  Grünsand, 
10' — 15'  über' der  höchsten  Meeres-Höhe.  Das  obere  ist  Alluvial-Gebirge 
aus  schwarzem  und  gelbem  Sand  mit  kleinen  Quarz  -  Geschieben ,  ist 
viel  ausgedehnter  als  voriges,  und  bedeckt  die  Süd  -  Seite  der  Quarzit- 
und  Grünsand-Hügel  und  die  Ebene. 


A.  Benoit  :  Beschreibung  der  Lagerung  s-  und  Gewin- 
nungs-Weise d«^s  Blei-Erzes  von  Lont/ivilly ,  Kantons  Bastognej 
in  der  Provinz  Luxemburg  (Bull.  geol.  de  France,  1833,  III, 
272  —  274).  Im  Jahr  1819  wurden  .die  ersten' Spuren  von  Bleiglanz 
zwischen  Lvngwilly  und  Nurhti  -  AHerf)t*rji  entdeckt;  jetzt  baut  man 
ihn  an  zwei  Orten  ab ,  die  ubgefäbr  in  der  Mitte  des  SchiefVr-Gebirg«  8 
der  Ardennen  liegen.  Dieser  Schiefer  ist  um  die  Giuben  im  Kleinen 
nicht  schieferig,  etwas  Kalk  -  ballige  führt  S  pirifer  en  ,  C  rinoid  oen 
n.  n.  undeutliche  Versteinerungen,  deren  Stelle  euwcilen  auch  durch 
späthigen  Kalk  ersetzt  ist.'  Die  Erzlager  geben  ausser  dem  Bleiglan» 
«cell  andere  Erze.     Der  Bleiglanz  bildet  längs  der  Schieferwände  Platten 


—     76     — 

von  0,005 --0,035m ,  erscheint  auch  in  Oktaedern,  selten  in  Wurfein,  ist 
gewöhnlich  blätterig,  zuweilen  kompakt  und  dann  meist  Antimon-haltig;. 
Das  kohlensaure  Blei  ist  meist  nächst  der  Oberfläche  und  verschwindet 
in  10™  —  12"»  Tiefe  gänzlich.  Es  erscheint  in  6seitigen  Prismen  ia 
Geoden ,  welche  im  Bleiglanz  wie  im  Schiefer  vorkommen  ;  in  nadeU 
förmigen  Krystallen  auf  Lücken  im  Gesteine  oder  als  Überzug  des  Blei- 
glanzes. Das  phosphorsaure  Blei  begleitet  das  vorige  in  sechsseitigen 
Säulen  und  Moos-artigen  Formen.  Das  Schwefel-Eisen  beginnt  in  Tie- 
fen zu  erscheinen ,  wo  die  zwei  vorigen  aufhören.  Es  ist  mit  dem 
Bleiglanz  und  Schiefer  zusammengewachsen.  Das  Schwefel-Zink  beglei- 
tet voriges,  ist  fein  in  den  Schiefer  eingemengt,  und  in  Dodekaedern  an 
den  Geoden  vorhanden  u.  s.  w.  Quarz  erscheint  vorzüglich  in  der 
Tiefe,  zuweilen  den  Bleiglanz  ersetzend,  oder  in  Krystallen  die  Geoden 
auskleidend.  Dodekaedrische  Krystalle  von  kohlensaurem  Kalk  über- 
ziehen die  Geoden,  oder  er  bildet  Gang-Trümmer.  Schwefel  bildet  zu- 
weilen leichte  Überzüge  in  den  Höhlungen  in  Bleiglanz,  und  Gyps-Kon- 
krezionen  setzen  sich  noch  täglich  an  den  untern  Gruben  -  Wänden  ab. 
Die  Erze  bilden  Nester  (Amas)  in  den  Schiefern  ;  sie  sind  gleichzeitig 
mit  ihnen  entstanden  ,  parallel  der  Schichtung ,  dem  Gesteine  innig  ver- 
wachsen, ohne  Saalbänder  u.  dgl. ;  auch  haben  sie  dieselben  Störungen 
erlitten ,  wie  die  Schieferschichten.  Nach  oben  zu  vereinigen  sich  meh- 
rere dieser  Nester,  wesshalb  man  sie  Gänge  nannte. 


A.  Dünn:  kann  die  Luft  Blei  aufnehmen  (Lund.  a.  Edinb. 
philos.  maga%.  1835,  VII,  77—78),  Eine  Abdunst-Schaale  mit  28  Pf. 
feuchtem  kohlensaurem  Blei  ward  im  wohlverschlossenen  auf  etwa  25° 
C.  erwärmten  Laboratorium  auf  ein  Sandbad  gesetzt  und  dort  der  ge- 
wöhnlichen Trocken -Wärme  von  höchstens  65°  C.  ausgesetzt;  8" — 12" 
hoch  darüber  waren  zwei  gewöhnliche  Blasbälge  in  Bewegung,  um  die 
aufsteigenden  Dünste  durch  eine  Röhre  und  durch  eine  Flasche  mit  12 
Unzen  destillirte.n  Wasser  zu  treiben,  und  nach  6  Stunden  zeigte  dieses 
Wasser  bereits  unzweifelhafte  Spuren  von  Blei.  In  einer  anderen  Partie 
Wasser,  durch  welches  der  Luftstrom  nicht  geleitet  worden  war,  hielt 
es  schwer,  Blei  zu  entdecken. 


BoussiNOAULT :  -über-  die?;warmeii  Quelleü  Aev  Kordilleren 
(vorgel.  b.  d.  Academie  des  Scienc,  iSSS,  48.  März  '^  James.  Edinb, 
n.  philos.  Joiirn.  ±833,  July  ;  XXIX,  i6i  -^  iS3).  Je  höher  hinauf  in 
Ätu  Anden  die  warmen  Quellen  vorkommen ,  desto  mehr  verlieren  sie 
von.  ihrer  hohen  Temperatur.  So  hat  die  Quelle 
Las  Trincheras  bei  Puerto  Cabello  nächst  dem  Meeresspiegel  97°      C. 

Mariara .in  476»"  Höhe      ...     64°      C. 

Onato in  702m      „         ...     44°,5  C. 


—     77     -- 

In  der  Trachyt-Formation  aber  und  zumal  nächst  den  Vulkanen  findet 
diese  stufenweise  Abnahme  nicht  Statt,  da  hier  eine  Lokal-Ursache  Ein- 
fluss  hat.  Eine  grosse  Anzahl  von  Analysen,  die  der  Verf.  angestellt, 
erweiset  auch  die  Übereinstimmung  der  aus  diesen  heissen  Quellen  sich 
entwickelnden  Gase  mit  jenen,  die  aus  den  Krateren  aufsteigen:  es  sind 
Kohlensäure  und  geschwefeltes  Wasserstoffgas.  So  sind  ferner  die 
Salze  dieser  Quellen  dieselben  ,  die  sich  im  Innern  der  Kratere  zu  bil- 
den pflegen. 

Merkwürdig  ist  indessen  noch  die  Veränderlichkeit  der  Temperatur 
der  heissen  Quellen  in  den  Anden,  v.  Humboldt  erhielt  nämlich  im  J. 
1800,  und  BoussiNGAüLT  und  Mariano  Rivero  i.  J.  1823  die  unten 
stehenden  Resultate  ihrer  Messungen,  nachdem  inzwischen  das  fürchter- 
liche Erdbeben  vom  26.  März  1812  die  Republik  Venezuela  heimgesucht, 
und  Caraccas  und  alle  Orte  an  der  östlichen  Kordillere  zerstört  hatte. 
V.  Humboldt  Boussingacjlt 

1800.  1823. 

Mariara '  QueWe     59«3  C.  64°     C. 

Las  Trincheras  1 )      „^       ^  92 «2 

Beide  Quellen  der  las  Trincheras  liegen  ganz  nahe  beisammen,  und 
erscheinen  in  Granit  -  Becken.  Beide  Beobachtungen  darin ,  von  1800 
und  von  1823,  sind  im  Februar  angestellt. 


P.  W.  Korthals:  geognostische  Bemerkungen  in  den  Pa- 
danghcheu  Hochländern  au?  Sumatra  (v.  der  Höven  en  de  Vriesb 
Tijdschrift  voor  natuurlijke  Geschiedenis  en  Physiologie ,  1834: ,  /, 
190—192).  Von  Padang  nach  Priaman  ist  die  Gegend  flach  ,  und  er- 
hebt sich  bis  zum  Fusse  einiger  aus  N.W.  nach  S.O.  ziehenden  bis 
3000'  hohen  Bergrücken  500'  hoch ;  bis  zu  2000'  Höhe  herrscht  Gneiss- 
Granit  vor ,  darüber  Jurakalk ,  ersterer  theils  in  senkrechte  Scheiben 
gesondert,  theils  ohne  Absonderungen.  Nordwestwärts  liegt  der  Singa- 
lang,  im  S.O.  der  Talang,  welche  Berge  gleich  dem  Ophir  {Passaman) 
und  Myrapi  sich  bis  zu  13000'  und  8000'  erheben.  Der  Singalang 
und  Myrapi  sind  gehobene  Trachyt-Berge,  welche  auf  granitischen  Ge- 
steinen ruhen  und  von  Kalkgebirgen  umgeben  sind.  Im  N.O.  des  Singa- 
lang liegt  das  Hochthal  Agam ,  worin  eine  alte  vulkanische  Formation 
meist  aus  glasigen  Bimssteinen  und  Trachyteu  vorkommt,  welche  einige 
Granit-,  Quarz-  u.  a.  Stücke  einschliessen. 


L.  Elie  de  Beaumont  :  Beobachtungen  über  die  Ausdeh- 
nung des  unteren  Tertiär-Systems  im  Norden  von  Frank- 
reich und  über  die  Lignit-Ablagerungen,    die   sich  daselbst 


—     78     — 

finden  (Mem.  Soc,  geol.  Franc.  1833,  /,  107  —  121,  Tf.  VII).  Elie 
DB  Beaumomt  denkt  sich  zur  Zeit,  wo  Cerithiuni  giganteum  noch 
lebend  existirte ,  zwei  grosse  Becken  an  den  Grenzen  Frankreichs 
noch  vom  Meere  bedeckt,  das  eine  im  Norden  über  den  Kanal  nach 
England  hinüberreichend  von  Gestalt  einer  unregelmässigen  Raute, 
deren  4  Eckpunkte  etwa  in  52"2'  N.  B.  mit  0*^8'  W.  L.  von  Paris, 
510  B.  mit  408'  Ö.  L. ,  48*>3'  B.  mit  0«6'  Ö.  L.  und  60»  B.  mit  0"6 
W.  L.  liegen  ,  so  dass  sich  Saliabury ,  Cherbmtrg ,  Valogne ,  Mastricht 
etc.  auf  deren  Grenze,  London,  Alun-Bay,  —  Bieppe^  Chaumont,  Paris, 
Compiegne,  Beauvais,  Roye ,  Laon ,  St.  Quintin,  —  Dünkirchen,  Brüs- 
sel, Vliessingen  etc.  mehr  im  Innern  befinden,  zwei  schon  damals 
gehobene  grosse,  den  Pyrenäen  parallel  ziehende  Inseln  aber,  die  als 
Isle  des  Wealds  in  England,  und  /.  du  Bray  in  Frankreich  be- 
zeichnet werden,  aus  diesem  Becken  hervorragten.  Das  andere  Becken 
zog  sich  zwischen  Bordeaux  und  Dax  von  der  W.Küste  her,  parallel 
den  Pyrenäen,  gegen  Toulouse  herein,  doch  so,  dass  jene  beide  Orte 
noch  in  das  Becken  fielen.  Die  Tertiär-Schichten  aber ,  von  deren  Ver- 
breitung DE  B.  spricht ,  sind  der  plastische  Thon  mit  seinen  Ligniten 
und  die  Äquivalente  von  beiden ,  welche  unter  dem  Grobkalke  mit 
Nummuliten,  mit  Cerithiuni  giganteum  u.  s.  w.  Hegen.  Jene 
Lignite  sind  nach  seiner  Ansicht  durch  Anschwemmungen  zweier  gros- 
sen Flüsse  entstanden,  die  sich  in  das  grössere  nördliche  Becken  ergos- 
sen ,  und  wovon  sich  der  eine  gegen  die  heutige  Insel  Portland,  der 
andere  gegen  Nervins  hin  ins  Meer  ergoss ,  und  jener  die  Lignite 
von  Alun  Buy,  dieser  die  von  Soissons  absezte.  Zur  Annahme  der  Exi- 
stenz dieser  Flüsse  führen  den  Verf.  mehrere  Betrachtungen.  Der  An- 
nahme der  erwähnten  zwei  Inseln  aber  kömmt  zu  Statten :  die  noch 
heutigen  Tages  auffallende  Höhe  der  entsprechenden  Landstriche ,  ihre 
Zusammensetzung  aus  Kreide ,  ohne  alle  Spur  von  einstiger  tertiärer 
Bedeckung,  und  eine  Menge  von  Quarz-  und  Glauconie-Körnern  in  allen 
Sandgebilden  des  untern  Tertiär -Systemes  in  jenem  Becken,  welche  so- 
gleich an  ähnliche  Theile  im  Sande  zwischen  der  untern  Schichte  der 
Weald-Formation  und  der  chloritischen  Kreide  erinnern  :  Gebilde,  welche 
dann  im  Umfang  jener  zwei  Inseln  grosser  Zerstöiung  durch  Wasser- 
Ströme  ausgesetzt  waren ,  und  durch  Abschwemmung  das  Material  zu 
jenen  neueren  aber  tiefer  Hegenden  Schichten  zu  geben  vermochten. 

Wenn  man  von  Gisors  und  Chaumont  sich  nach  Epernay  wendet 
und  in  einer  Bogenlinie  durch  Beaumont-sur-Oise ,  Clermont^en  -  Beau- 
twisis,  Nesle,  Harn,  La  Fere,  Laon,  Craone,  Reims  geht ,  so  hat  man 
zur  Rechten  eine  grosse  Ausdehnung  von  Plateau's  unbedeckten  Grob- 
kalkes, dem  der  plastische  Thon  unterlagert.  Zur  linken  aber  in  der 
nördlichen  Champagne,  in  der  Picardie  u.  s.  w.  erblickt  man  über  dem 
Schiefer  -  und  Steinkohlen  -  Gebilde  der  Ardennen  oder  über  der  Kreide 
viel  niedrigere  Plateau's,  die  aus  einer  losen  Ablagerung  in  Verbindung 
mit  dem  mittlen  Tertiär- Gebilde  des  Innern  von  Frankreich  bestehen, 
und    zerstreutliegende  Anhöhen    aus   einem  Sande ,    der    dem    am  Fusse 


-     79     - 

der  Grobkalk-PIateau's  zu  Tage  gehenden  analog  ist.    Dieser  schon  oben 
erwähnte  Sand    nämlich    ist    bald    mehr    oder  weniger  chloritisch ,    bald 
weiss,    enthält  oft  grössre  Quarzkörner,    bindet  sich  nicht  selten  zu  ei- 
nem  als  Strassen  -  Pflaster   brauchbaren  Sandstein  ,   der  hin  und  wieder 
einen  Muschelabdruck  einschliesst.      Über    ihm    sieht    man    dann    in  der 
Regel ,    wo    das  Gebirge    nicht  zu    weit    abgeschwemmt  worden ,   einen 
grünen    Thon     in    Wechsellagerung    mit    dünnen    Braunkohlenschichten, 
Vitriol  -  Erde,    bituminösem    und  Blätter- Abdrücke  enthaltendem  Thone, 
Sandstein  mit  B  lä  ttcr  res  ten  u,  s.  w.,  und  zuweilen  noch  die  un- 
tersten Glieder  der  mittlen  Tertiär-   oder   Grobkalk  -  Forn)ation.     So  die 
Anhöhe^    worauf  Cassel  (Dept.  da  Nord)  steht,    zu  Compiegne ,    Laon 
bis  nach  Belgien  und  England,  so  nach  der  Manche  zu  bei  Saint  Valery, 
Creil,  Sie.  Marguerite.  —  Einen  der  interessantesten  jener  Beweise  für 
das  Alter,  welches  Brongniart  den  Ligniten  von  Soissona   zuschreibt,  bie- 
thet  eine  Stelle  mitten  im  Dreiecke  zwischen  Cassel,  Laon  und  Cfiaumont, 
nämlich    die  Hochebene    des  Bois   de    Vermand    bei  St.  Quintin    in    der 
Richtung  von  Peronne ,  wo  nur  die  Braunkohle  wieder  vollkommen  ent- 
wickelt   ist.      (Auch    setzt  hier  ein  Rücken  durch  Kreide  und  Tertiärge- 
bilde hindurch.)      Nie  aber  hat  der  Verf.    irgendwo    in    diesem    bezeich- 
neten Gebiete  dieser   isolirten  Tertiär-Hügel  Braunkohlen  in  den  mittlen 
Tertiär  -  Schichten    entdeckt ,    und    wenn  er  gleich  nicht  behaupten  will, 
dass  solche  dort  nicht  existiren,  so  glaubt  er  solche  doch  in  allen  zwei- 
felhaften Fällen    dieser  Gegend ,   jener    altern  Formation    zurechnen    zu 
müssen.    —    Ein  anderer  belehrender  Punkt  zur  Bestimmung  des  Alters 
jener  Braunkohlen  ist  an  der  Seite  des  Thaies    von   Bierainont,    wo  die 
Landstrasse  von  Orville   nach  Conchg-les-Pots   ansteigt.     Über  Kreide, 
chloritischem    Sand,    graulichem    Töpfeithon  ,    Sand    mit    Bläüerresten, 
Lignit,    bläulichem  Thon    oder  Mergel,    folgt    ein    graulicher  Thon    mit 
Cerithien,  Austern  und  Bivalven,  die  wahrscheinlich  Cyrenen  sind,  in 
welchem  Falle  das  Zusammenvorkommen    dieser   Konchylieu    viele  Über- 
einstimmung mit  jenem  haben  würde ,    das    man    mit    den  Ligniten    von 
Marly  (Cvv.  Brongn.    Par.    1822,    H,    259),    von    Sainte    Marguerite 
(Brongn.  ib.  345),    Pourville    und   Varengeville   bei    Dieppe ,    und    von 
Castle  um  bei  Newhaven  in  Sussex  beobachtet  hat.      Aber  nach   einer 
Mittheilung    von    Prbvost    hätte    Deshayes    mehr    Ähnlichkeit    zwischen 
den  Muscheln,  die  gewisse  Lignite  des  Soijonnais  begleiten,  mit  denen 
von  Headen  Hill,   als    mit  jenen  des  London  Clay's  oder  unteren  Grob- 
kalkes gefunden.      Daher  sind  die  grünen  Thone   und  Mergel  ihrer  äus- 
serst beständigen  Lagerungs- Verhältnisse  wegen    wohl  bessre  Anzeigen 
des  Vorkommens  und  des  Alters    der  Braunkohlen,    als  die  paläontologi- 
schen Merkmale.     Noch  ist  zu  bemerken ,    wie  sich  aus  den  Lagerungs- 
Verhältuissen  an  den  Gebirgen  bei  Reims  ergibt,  dass,  wenn  diese  grü- 
nen Thone  und  Mergel  sich  in  dem  Grade  entwickeln,  dass  sie  alle  übrigen 
Schichten  des    untern  Tertiär  -  Systemes    des  Pariser  Beckens    ersetzen, 
die  Lignite  gleicliwohl  nur  auf  deren  untersten  Schichten  beschränkt  bleiben. 
Auf  der  beigegebenen  Karte  werden  noch  einige  ausser  Frankreich 


—     80     - 


gelegene  Gegenden  als  zur  Zeit  des  Cerithiuni  giganteum  noch 
vom  Meere  bedeckt?  angegeben ,  nämlich  ein  Strich  bei  Verona  und 
Vicenza  j  —  die  Wetterau  und  eine  Stelle  im  N.O.  von  Coblenz  (das 
Siehengebirge  ?)  wohl  ihrer  Braunkohlen  wegen ,  und  eine  andere  im 
unmittelbaren  Süden  von  Cassel  in  Hessen  [wo  aber  doch  wohl  nur 
jüngere  Bildungen  aus  der  Zeit  der  Molasse  zu  finden  seyn  möchten]. 


Der  Marschall  M^rmont  ,  Herzog  von  Ragusa  theilte  der  Fran- 
%ös*  Akademie  einige  Temperatur-Messungen  von  Quellen 
des  Orients  mit  (l' Institut,  i835,  IV,  76—77). 

Das  Bad  Kukurli  zu  Brussa  in  Bithynien  hat 84°  C. 

Das  grosse  Bad  Yeni  Kaplidja  in  Bithynien 64 

Die  grosse  Quelle  am  Fusse  des  Olymps 13,5 

Die  Quellen  des  Skamander 17,3 

Die  Quelle  des  Pacha  zu  Smyrna' 20,0 

Die  Thermen  zu  Siggia,  2  Stunden  von  Smyrna  ....     56,0 

Die  Quelle  des  Tantalus-See^s 14,5 

«  „       in  der  Ebene  von  Beyrut 21,0 

Eine  Quelle  zu  Balbec 15,0 

Die  Elysium-Quelle  zu  Jericho 20,0 

In  einem  Bade  der  erstgenannten  Quelle  zu  Brussa ,  welches  78® 
Temp.  hatte ,  sah  der  Verf. ,  so  wie  der  Östreichische  Arzt  Jeng  ,  einen 
Türken  lange  Zeit  verweilen.  Er  widerspricht  der  Behauptung  Arago's, 
dass  die  Rebe  bei  mehr  als  21°— 22<*  mittler  Temp.  aufhöre  fruchttra- 
gend zu  seyn  ,  und  dass  das  Klima  sich  in  Unter- Ägypten  u.  s.  w.  seit 
Moses  nicht  geändert  habe,  da  es  jetzt  zu  Kairo  im  Winter  15  —  20 
Tage  lang  anhaltenden  Regen  gebe  und  man  zu  Alexandrien  jährlich 
30 — 40  Regentage  zähle,  wo  es  sonst  nie  oder  fast  nie  geregnet  haben 
solle.  Er  leitet  diese  Veränderung  von  den  durch  den  Pascha  angeord- 
neten ausgedehnten  Pflanzungen  in  Unter  -  Ägypten  ab,  die  man  allein 
für  den  Bezirk  unter  Cairo  auf  20  Millionen  Stämme  anschlagen  kann. 
(Arago  vertheidigt  seine  frühere  Ansicht ,  indem  rücksichtlich  der  Rebe 
die  etwaigen  Ausnahmen  nicht  erheblich  oder  trefiend  seyen,  und  rück- 
sichtlich des  Regnens  die  früheren  Angaben  vielleicht  eben  so  übertrieben 
seyen^  als  die  jetzigen. 


A.  DE  Montmollin:  Abhandlung  über  das  Kreide-Gebirge 
des  Jura  {Mem.  de  la  Soc.  d.  scienc.  nat.  de  Neuchätel ,  1835,  I, 
49—65,  Tf.  III).  Das  Kreide-Gebilde  des  Neuchateier  Jura  mit  wenig 
abweichender  Lagerung  auf  dem  Portlandkalke  am  S.O.-Fusse  der  Jura- 
kette, zieht  sich  in  deren  Thäler,  besonders  die  Längenthäler  hinein  und 
bildet  im  Waadlande  auch  selbstständige  Hügelreihen,  ist  aber  meiKtens 


•     —     81     — 

von  Molasse   überdeckt  und   desshalb  bis  jetzt  weniger  beobachtet  ge* 
wesen.     Von  oben  nach  unten  zeigt  es  nachstehende  Schichtenfolge: 

e)  gelber  Kalk,  wenigstens 120' 

d)  gelber  Kalk  mit  glatten  kicseligen  Zwischen-Massen,  gleich 

dem  folgenden  reich  an  Versteinerungen 40' 

c)  gelber  Kalk,  theils  oolithisch  ,  mit  zertrümmerten  und  zer- 
rütteten Schichten,  wechsellagernd  mit  gelbem  Mergel      20' 

b)  blaugrauer  Mergel ,  nach  oben  wechsellagernd  mit  Trüm- 
mern von  Mergelkalk,  reich  an  Versteinerungen  mit 
und  ohne  Schaale 3q< 

a)  gelber  Kalk ,  theils  oolithisch  und  oft  mit  braunen ,  bis 
Erbsen  -  grossen  Eiseusilikat  •  Körnern  ,  mit  nicht  be- 
stimmbaren Versteinerungen 20' 

Durch  die  Auswaschung  des  Mergels  entstehen  Erdfalle  und  Gebirgs- 
Senkungen,  die  so  häufig  sind,  dass  man  an  ihrer  Verbreilung  die  Er- 
streckung dieser  Formation  erkennen  kann.  Die  Schichten  pflegen  mit 
10<*  — 25**  von  höher  ansteigenden  Jurakalk-Gebirgen  mit  oft  Dom  -  artig 
gewölbten  Flötzen  wegzufallen,  gegen  diese  Gebirge  selbst  jedoch  bilden 
sie  steil  abfallende  Mauern  ,  die  mithin  kleine  Thaler  auf  der  äusseren 
Seite  einfassen.  Jene  Lagerung  iai  Allgemeinen  und  die  fossilen  Reste 
insbesondere  berechtigen  jene  Schichten  als  einen  Theil  der  Kreide- 
Formation,  insbesondere  als  Äquivalent  des  Grünsandes  zu  betrachten. — 
Nach  des  Verfs.  Ansicht  bestund  der  Jura  Anfangs  aus  mehreren  paral- 
lelen niedrigen  gewölbten  Ketten  ,  welche  durch  eindringende  Meeres- 
Arme  getrennt  wurden,  aus  denen  sich  dieses  Kreide-Gebilde  mit  seinen 
Fossil  -  Resten  absetzte.  Am  Ende  der  Sekundär  -  Epoche  wurde  ein 
Theil  dieser  Küsten-Strecken  emporgehoben  ,  ein  anderer  weit  grösserer 
sank  tiefer  ein  und  wurde  von  Molasse  bedeckt.  Darauf  stieg  der 
ganze  Jura  mächtig  empor ,  die  meisten  jener  Thaler  wurden  Höhen- 
Thäler ,  die  Schichten  richteten  sich  auf,  die  Berge  barsten,  tiefe 
Schluchten  entstunden  und  waren  von  steilen  Abstürzen  einirefasst.  Alg 
endlich  die  Alpenkette  emporgehoben  wurde,  erfuhr  der  Jura  neue  Er- 
schütterungen und  Zerreissungen  ;  er  wurde  von  Alpengesteins-Blöcken 
bedeckt,  wovon  zwar  die  meisten  an  dessen  südwestlichem  Fusse  liegen 
blieben  ,  aber  manche  bis  in  die  Hochthäler  und  sogar  über  die  ganze 
Kette  hiuweggeführt  wurden.  —  Der  Verfasser  gibt  folgende  Liste 
von  Versteinerungen  aus  den  oben  bezeichneten  Gliedern  dieses  Kreide- 
Gebildes  *): 

b    c    d    e 

? Ichthyosaurus- Wirbel  von  Cote-aux-Fees  u.  Hauterive     b 

Pycnodus  n,  sp.,  Zähne e 

A  er  od  US  sp.  iridetf  ein  Zahn,  Coülon 

Hybodus  sp.  ind.,  ein  Zahn  zu  Hauterive b 


♦)  Vgl.  VoLTz  im  Jahrb.  1835,  S.  62,  und  Meruw  im  Jahrb.  18J5,  S.  58. 
Jahrgang  183$.  il 


—     82     —     • 

b    c    d     e 

Lara  na  sp.  ind.,  Zähne b  d*^) 

Hainites  sp.  ind.,  ein  rundes  Bruchstück  zu  Cressier  .  .  b 
Scaphites  obliquus  Sow.  einig'e  Indiv.  zu  Hauterive  .  b 
Nautilus  Simplex  Sow.   (ßovRGUET  fig.  311)    ziemlich 

häußg b 

Ammonites  asper  Mer.  (Bourg.  278^  281—284)  sehr 

veränderlich 

A  m.  sp.  ind.  (a  s  p  e  r  v.  Buch  ,    doch  mit  schneller  zuneh- 
menden Umgängen,  Bourg.  311,  312)      ...... 

A  m.  sp.  ind.  (Boukg.  267) .     b 

Am.  sp.  ind.  (    „         267),  ein  Macrocephale,  bei  NeuchO' 

telf   Valenyin  etc.      . b 

Belemnites  sp.  indetf  ein  elliptisch  zusammengedrücktes 

Bruchstück 

Trochus  gurgitis  Brgn « b 

),  ?Rhodani  Brgn.,  Kerne  häufig b 

„  sp.  ind.,  wie  an  der  Montagne  de  Fis  ....  e 

Mya  plicata  Sow.  | 

?Lutraria  gurgites  Begn.       ) 
Pholadomya  sp.  ind.  (Bourg.  145)  feiner  gestreift,  dicker 

als  Ph.  aequalis  Sow b 

Ph.  sp.  ind.,  kürzer,  weniger  schief  gestreift,  nicht  gemein     b 

Ph.  sp.  ind.  (Bourg.  153) b 

Venus  transversa  Sow.,  Kerne,  häufig 

Cardium  sp.  ind.  (Bourg.  108,  111,  112)  Kern    .... 

Cucullaea  sp.  ind..  Kerne 

Trigonia  alaeformis  Sow.,  sehr  gemein b 

„  sp.  ind.  desgl b 

Pinna  sp.  ind.,  längs  gestreift b 

„       sp.  ind.,  die  Schaale  z"'—\'"  dick d 

Perna  sp.  ind.,    Oberklappe  runzelig  längs  gestreift,    die 

untere  glatt b 

Pecten   5costatus  Sow.  zu  Gortßer,  Cute-aux-Fees      .    b 

„         cretosus  Defr.,  ziemlich  selten b 

„        ?orbicularis  Sow.,  Kern 

Exogyra  aquila  (Bourg.  85,  89  etc.,  verkehrt  gezeichnet)     b     c 

„  laevigata  Sow.    (Varietät  der  vorigen?)      .     . 

Terebratula   biplicata   Sow.    (Bourg.    196?)    sehr 

gemein bcd 

Ter.  depressa  Sow.  (Bourg.  181)  desgl b 

„      ?lata  Sow d 


*>  Wir  setien  den  Buch  staben  d  in  allen  Fällen,  we  die  Schichten  des  gelben  Kalkes 
über  den  Mergeln    nicht  näher  bezeichnet  sind. 

V.  R. 


—     83     — 

b    c    d 

Serpiila  heUciformis  Goldf.  (von  ihm  unrecht  in  Jura- 
kalk zitirt,  BouRG.  318,  319)  zu  üt.   Blaise     ....  d 

Serp.  ?socialis  Goldf.  (Boukg.  326,  327) c 

„       sp.  indeti  kürzer,  gewuudeuer,  anders  gruppirt,  als 
beide  vorige d 

Spatangus  retusus  *)  Park.  Goldf.  (wie  bei  Scrpula) 
zu  St  Blaise  (Bourc,  328—330) b 

Nucleolites  sp.  ind.  zu  Hauterive,  Neuchatel   ....  c 

yy  lacunosa  Goldf.  (Bourg.  331,  332)  selten     b 

Galerites  ?depressus  Lmk.  (doch  die  Stachelwarzen 
scheinen  etwas  grösser  und  anders  gestellt.  —  Bourg. 
334,  335)  zu  Hauterive,  selten b 

Clypeaster  sp.  ind.  (ähnlich  C.  Linkii,  aber  dem  After 
gegenüber  flach  gedrückt  und  die  Fühlergänge  anders 
gestaltet ;  Bourg.  352) ;  zu  Chatillon ,  Vauicset/on, 
Hauterive  und  an  der  Brevine       d 

Cidarites  sp.  ind.  (Bourg.  346,  346)  Stachelwarzen  klei- 
ner, als  bei  allen  GoLDFuss'schen  Arten,  sehr  gemein     b 

Cid.  vesiculosus  Goldf.  Stachein  sehr  gemein      ...  d 

Asterias  quinqueloba  Goldf.  Randtäfelchen  sehr  gem.     b 

Ceriopora  cryptopora  Goldf b 


III.    Petrefaktenkunde. 

J.  DE  Christol:  Ver gleich ung  der  gleichzeitigen  Säug«- 
thier-Bevölkerung  in  den  zwei  tertiären  Becken  des  HeraulU 
Depts.  {Ann.  d.  scienc.  nat.  183Ö,  B,  F,  i93~238,  Tf.  VI  und  VII). 
Die  zwei  Becken  sind  jene  von  Pezenas  und  von  Montpellier',  ihre 
hier  anzuführenden  Schiebten  ruhen  auf  Aer  Süd- Französischen  Muschel- 
Molasse  ,  sind  Äquivalente  des  obern  Meeres  -  Sandsteins  des  Pariser" 
Beckens ;  in  erstrem  aus  oft  aufgerichteten  und  gewundenen  Wechsel- 
lagern von  Süsswasserkalk ,  Psammit,  Peperino,  vulkanischen  TuflFen 
und  Breccien ,  Sand  und  Kies  bestehend  ,  in  welchen  die  Knochen  den 
Schichten  parallel,  überrindet  und  mit  keinen  andern  Seethier- Resten 
als  mit  einigen  Austern  und  Lamantin  >  Gebeinen  vergesellschaftet  sind ; 
im  letztern  erscheinen  bloss  horizontale  Quarz-  und  Kalk-Sandschichten, 
welche  auch  viele  See -Muscheln ,    Austern   und  Kerne   von  Dimyariern 


*)  Eine    ebenfalls    mitzutheilende  Abhandlung  von  AoAssiz   in    diesen   Memoiren   gibt 
•in«  vollständigere  und  berichtigte  Übersicht  der  Echinoderniea    dieser  Schichten. 

D.  R. 

6* 


~     84     — 

entlialten,  und  Baianus  miser  findet  sich  oft  auf  den  Knochen  ein. 
Die  Schichten  von  Pezenas  hatte  Brongniart  (tableau  des  terrains) 
irrig  den  Knochen  -  Breccien  beigerechnet.  Doch  sind  sie  keine  Spalt» 
Ausfüllung:  ein  ganzes  Thal  hat  sich  in  ihnen  ausgehöhlt. 

I.    Fossile  Knochen  des  Beckens  von  Pezenas, 

A.  Pachydermen. 

1.  Elephas:  die  Art  ähnlich  der  gemeinen  von  Cüvier  beschrie- 
benen mit  langen  Alveolen,  doch  grösser  und,  vi^ie  es  scheint,  sich  der 
Varietät  E.  meridionalis  Nesti's  anschliessend,  die  man  in  Italien 
und  Auvergne  findet.  Man  hat  Backenzähne  ,  Schädel-Theile,  Schulter» 
hlatt,  Humerus,  Femur,  Tibia,  Astragalus,  Wirbel  u.  s.  w.  Die  Leisten 
der  Backenzahn -Trümmer  sind  sehr  dick,  bis  zu  on«,o82  (an  der  leben- 
den Art  0">,06  bis  0>n,07)  5  der  Abstand  zwischen  den  äusseren  Rändern 
der  beiden  Condyli  des  Scbenkelbeins  ist  0ni,285;  der  entsprechende 
Queermesser  am  oberen  Kojjfe  einer  Tibia  0>n,215  ! 

2.  Hipp  opo  tarn  US -Reste,  von  der  Art  H.  major  Cuv. ,  sind 
minder  häufig  als  vorige:  ein  Schädel  ohne  die  Gesichts  -  Knochen  ,  ein 
oberer  und  ein  unterer  Eckzahn  ,  eine  Unterkiefer  -  Hälfte  mit  mehreren 
Backenzähnen,  ein  oberes  Humerus  -  Ende,  ein  Schulterblatt,  ein  Brust- 
Wirbel  u.  s.  w.     Der  Schädel  hat 

Höhe  am  Hinterhaupt On»,22 

Geringsten  Queermesser  hinter  den  Augenhöhlen         .         0'",12 
Abstand    des   oberen  Randes  des  Hinterhaupt  -  Loches 

von  der  Spitze  des  Hinterhaupts  ....         0™,ld 
Abstand  der  innern  Ränder  beider  Condyli  .         .         0™,0d 

Die  Hinterhauptfiäche  ist  gerade,  ohns  die  mittle  Vertiefung,  das 
Hinterhaupt  höher,  die  abschüssige  vordere  Fläche  steiler,  als  an  der 
lebenden  Art.  —  —  Der  obere  Eckzahn  vorn  mit  einer  Längenrinne, 
welche  dem  der  lebenden  Art  fehlt,  und  sonst  in  noch  mehreren  Charak- 
teren abweichend,  insbesondere  die  hintere  Rinne  seichter  und  in  ihrem 
Grunde  minder  eckig,  die  ebenfalls  kanellirte  Seitenfläche  ebener. 

3.  Equus:  Fuss-R-öhren,  Schulterblätter,  Femur,  Tibia,  von  denen 
des  gemeinen  Pferdes  nicht  verschieden. 

B.  Ruminanten. 

4.  Cervus  AIces.  Man  hat  zwar  viele  Knochen  von  Hirschen 
dieser  Grösse,  Wirbel,  Schulterblätter,  Oberarm-  und  Oberschenkel- 
Beine,  Tibien  u,  s.  w. ,  welche  aber  bei  dieser  und  den  zwei  folgenden 
Arten  fast  gleiche  Grösse  haben,  und  keine  spezifischen  Charaktere  dar- 
bieten. Dagegen  gehören  ein  Schädel  und  drei  Bruchstücke  vom  untern 
Theile  des  Geweihes  sicher  dieser  Art  an ;  zu  welcher  alle  bekannt  ge- 
wordenen Reste  bisher  nur  mit  Zweifel  bezogen  werden  konnten.  Der 
Schädel  ist  bis  auf  die  Gesichtsknocheu  vollständig  (Tf.  VI,  Fg.  1),  und 
fällt  vor  Allem  sogleich  kenntlich  auf:    durch    die  Konkavität  der  Basis 


—     85     - 

und  das  rasche  Ansteigen  des  obern  Theiics  der  Stirnc ,  etwa  wie  beim 
Höhlenbären,  doch  sind  hier,  statt  zweier  Stirnhöcker,  zwei  Vertiefun- 
gen vorhanden ,  welche  durch  eine  Lungen  -  Leiste  gelrennt  und  nach 
vorn  durch  eine  hohe  Schlangen-formige  Qucei  leiste  in  der  ganzen  Breite 
der  Stirn  begrenzt  sind ;  —  durch  die  horizontale  Richtung  der  nach 
aussen  stehenden  und  den  Augenhöhlen  sehr  genäherten  Rosenstöcke 
(worauf  die  Geweihe  sitzen),  welche  zwischen  sich  ein  gerundetes 
Queerjoch  auf  dem  Schädel  bilden,  der  vor  demselben  abschüssig,  hinter 
demselben  horizontal  ist;  —  durch  den  schiefen  Verlauf  der  Parieto- 
Interparietal  -  Naht.  Die  so  charakteristischen  kurzen  Nasenbeine  des 
Elenns  sind  jedoch  abgebrochen.  Dieser  Schädel  hatte  einem  jungen 
Individuum  angehört,  wesshalb  die  Nähte  deutlich,  aber  die  Anheftungs- 
weise  der  Muskeln  unvollkommen  erscheinen.  Einige  weitere  von  den 
Nähten  u.  s.  w.  entnommene  Charaktere  können  wir  ohne  Zeichnung 
nicht  verständlich  genug  wiedergeben.  Die  Ausmessungen  ergaben 
Grösste  Breite  des  Hinterhaupt-Beines  .  .  .  0»",150 
Abstand  des  oberen  Randes  des  Hiuterhauptloches  von 

dem  Scheitel  der  Hintcrhauptleiste  .  .  .  Om,070 
Abstand  zwischen  den  äussern  Rändern  der  Condyli  Om,095 
Scheitelmesser  des  Hirnkastens  ....         0"'.120 

Queermesser       „  „  ....         0"»,no 

Durchmesser  der  Rosenstöcke  .....  on'jOGO 
Unter  allen  Hirsch -Geweihen  ist  das  des  lebenden  Elenns 
(Tf.  VII,  Fg.  1)  am  merkwürdigsten  und  am  kenntlichsten  durch  seine 
VerHächung  und  durch  die  Hinwegrückung  des  Augsprossens  vom  Ro- 
senstock aufwärts  zur  Schaufel,  mit  welcher  er  zu  verscimielzen  pflegt. 
Diese  beiden  Merkmale  erkennt  man  auch  an  den  fossilen  Geweihen, 
wenn  sie  gleich  nur  Bruchstücke  sind.  Das  eine  derselben  (Taf.  VI, 
Fg.  5),  ein  von  der  Basis  an  nur  sechs  Zoll  langes  Fragment,  ist  den- 
noch lang  genug  um  den  Anfang  der  Schaufel  und  den  Mangel  eines 
tieferstehenden  Augsprossens  erkennen  zu  lassen.  Die  Oberfläche  hat 
nicht,  wie  beim  Edel  -  Hirsche ,  tiefe  Furchen;  die  Krone  ist  2,^"  dick, 
und  das  ganze  Bruchstück  dem  entsprechenden  Theile  am  lebenden 
Elenn  ganz  ähnlich.  Ein  zweites  Bruchstück  (Tf.  VI,  Fg.  6)  ist  fast 
eben  so  lang,  und  beginnt  oben  ebenfalls  sich  zur  Schaufel  zu  verfla- 
chen (mit  welcher  der  Augsprossen  verschmolzen  war),  obschon  es  seine 
Länge  einem  unten  noch  ansitzenden  Theile  des  Rosenstocks  verdankt. 
Ein  drittes  dem  ersten  ähnliches  (Tf.  VII,  Fg.  2),  welches  jedoch  nicht 
aus  diesem  Gebirgs-Becken,  sondern  von  der  Montagne  noire  bei  Castel- 
naudary  stammt,  zeigt  die  schaufeiförmige  Ausbreitung  noch  deutlicher. 
5.  Cervus  tarandus  fossilis  Cuv.  Schon  Cuvier  hatte  be- 
zweifelt, ob  die  von  ihm  dieser  Art  zugeschriebenen  Geweih -Reste 
wirklich  der  lebenden  Rennthier-Art  angehören.  Der  Verf.  glaubt,  dass 
an  einigen  derselben  die  Augsprossen  zu  hoch  für  diese  letzte  Art 
stehen,  und  findet,  dass  die  Eckzähne  und  deren  Alveolen  gänKÜch  man- 
geln.   Auch  scheinen  ihm  die  Zwischenkieferbeine  oben  an  die  Nasenbeine 


0,510 

0,450 

0,115 

0,085 

0,146 

0,115 

0,110 

0,080 

0,200 

0,130 

—     86     — 

aiizuAtosseii,  was  ein  dieser  fossilen  Art  eigener  Charakter  wäre.  Seine 
Untersuchungen  erstrecken  sich  auf  einen  sehr  zerdrückten  Schädel, 
woran  die  Backenzähne  noch  wenig  abgenutzt  gewesen ,  und  auf  einige 
Geweih  •  Stücke.  Der  Schädel  (Taf.  VII,  Fig.  3)  entspricht  durch  die 
Gesamnitheit  seiner  Charaktere  nur  dem  des  Rennthieres ,  insbesondere 
durch  seine  oben  sehr  flach  gewölbte  niedrige  und  langgestreckte  Form, 
das  gerade  Queer  -  Profil  zwischen  den  Rosenstöcken ,  die  Tiefe  und 
tjberwölbung  der  Thränengruben  ,  die  Kleinheit  des  leeren  Ptaumes  vor 
denselben.  Am  ähnlichsten  ist  er  überdiess  dem  der  folgenden  Art,  des» 
sen  Rosenstöcke  jedoch  den  Augenhöhlen  näher,  dessen  Queermesser 
grösser,  dessen  Stirne  mit  einer  Längenleiste  versehen,  dessen  Augen- 
bogen- Löcher  dreimal  so  weit  und  dessen  Schnautze  kürzer  sind.  Die 
verglichenen  Ausmessungen  ergeben: 

C.  euryce-  C.  tarand* 
r  o  s.  foss. 
Von   der   Occipital  -  Leiste   bis   zum    freien   Zwi- 
schenkiefer-Rand         

Abstand  zwischen  den  Suborbital-Löchern  .  ^ 
Länge  der  Backenzahn-Reihe  ...» 
Abstand  zwischen  den  Rändern  der  Condyli 

Breite  des  Hinterhaupts 

Die  Geweih-Reste  sind  häufig,  und  zwar  unvollständig,  aber  durch 
ihre  Grösse  und  an  ihren  wenigen ,  entfernt  stehenden  seichten  Fur- 
chen kenntlich.  An  keinem  derselben  war  der  untere  Theil  der  Stange 
vollständig  und  deutlich.  Nur  an  einem  besser  erhaltenen  Bruchstücke 
schien  unmittelbar  über  der  Krone  der  Augsprossen  abgebrochen,  war 
die  Basis  der  Stange  dreikantig  und  unmittelbar  über  der  0'",065  dicken 
Krone  sehr  zusammengedrückt.  Nach  andern  Bruchstücken  zu  urtheilen, 
war  die  Stange  weiter  hinauf  prismatisch,  und  besass  eine  lange  schmale 
Schaufel  mit  verbogenen  und  selbst  wieder  schaufeiförmigen  Enden 
(Tf.  VI,  Fg.  7,  8),  wie  bei  der  lebenden  Art. 

6.  Cervus  Euryceros.  Reboul  besitzt  einen  wohl  erhaltenen 
Schädel  dieser  Art,  wie  ihn  Cuvier  (IV,  Tf.  VI,  Fg.  9)  beschreibt:  mit 
dem  von  vorn  nach  hinten  gehenden,  untern  Theile  einer  Stange,  brei- 
ter Stirne  u.  s.  w.  Die  Bruchstücke  der  Geweihstange  sind  zylindrisch, 
nicht  flach  oder  prismatisch ,  wie  bei  voriger  Art ,  tief  und  dicht  ge- 
furcht (Tf.  VII,  Fg.  4).  Das  Zusammenvorkommen  dieser  Art  mit  dem 
ausgestorbenen  Elephanten  ist  hiedurch  ausser  Zweifel  gesetzt,  da  am 
Canal  d^Ourcq  die  Identität  der  Schichten  ,  welche  beiderlei  Reste  ent- 
hielten^ keineswegs  herausgestellt  werden  kann. 

7.  CerphusElaphus  oder  eine  ähnliche  Art  hat  zwei  tief  ge- 
furchte runde  Geweih-Bruchstücke  hinterlassen,  an  deren  einem  der  Aug- 
sprossen unmittelbar  über  der  Krone  entspringt. 

8.  B  0  s.  Davon  rühren  ein  hinterer  Backenzahn  des  Unterkiefers 
und  ein  Horn-Zapfen  her,  von  der  Grösse  wie  beim  Haus-Ochsen. 


—     87     — 

C.    Cetaceen. 

0.  M  0  n  a  t  u  8.  Dazu  gehören  einige  Rippen-Trümmer,  innen  ohne 
schwammiges  Gefüge,  kurz,  abgerollt  und  daher  vielleicht  nicht  aus  die- 
ser, sondern  ursprünglich  aus  einer  tiefer  gelegenen  Schichte,  obschon 
Seethier- Reste  diesem  Becken  nicht  gänzlich  fremd  Rind;  wie  denn  der 
Verf.  selbst  eine  Auster  in  derselben  Stelle  zusammen  mit  einem  Hip« 
popotamus-  und  einem  Hirsch-Gebeine  gefunden  hat. 

Die  Bestimmung  der  Reste  in  nachfolgender  Tabelle  sind  gänzlich 
das  Werk  des  Verfs.  ,  mit  Ausnahme  von  4  —  5  schon  von  Marcel  de 
Serres  und  Cutikr  angegebeneu  Geschlechtern. 


II.    Fossile  Wirbelthiere. 


in  den ,  dem  obern  Meeressande 
von  Pezenas , 

r 

Säuge 

1.  Elephas^):     grosse   Form,    sehr 
gemein. 

2.  Hippopotamua  major:  gemein. 

3.  Equns :  zwei  Arten  oder  Riisaen,  selten. 


4.  Bos  :  Art  unbestimmt,  selten. 

5.  Cervus  ?EIaphus:  selten. 

6.  —        Alces:  gemein. 

7.  —        Tnrandus:  sehr  gemein. 

8.  —        Eur  y  c  er  US  :  gemein. 


parallelen  Schichten  der  Becken 

von   Montpellier» 
t  h  i  e  r  e. 

1.  Elephas:  kleinere  Form,  sehr  selten 
(ein  Stoss-  und  ein  Backen-Zahn). 

2.  Hippopotamus:    einmal   zu    Co- 
nelle,  Cüv.,  doch  die  Schichte  zweifelhaft. 

3.  Mastodonangustidens:  gemein. 

4.  Rhinoceros  tichorhi-] 
nus:     (zumal   ein    Schädel   beir     sehr 
Cüv.  t.  IVy  addit.).  l  gemein. 

5.  Rh.    1  ep tor hinus  Chr.  1 
Vielleicht  noch  eine  dritte  Art. 

6.  Tapir :  selten. 

7.  Palaeotherium  :  sehr  selten. 

8.  Lophiodon :  sehr  selten. 

9.  Hipparion :  Knochen  sehr  selten,  ge- 
rollt. 

10.  Sus :  selten. 

11.  Bos:  Art  unbestimmt,  sehr  selten. 

12.  Cervus  ?  Elaphus  :  sehr  selten. 


13.  —  Capreolus  Cauvierii  Chr., 
von  der  Grösse  unseres  Rehbockes ;  gemein. 

14.  —  Capreolus   Tolozani   Chr., 
kleiner ;  gemein. 

15.  Antilope    Cordierii:     gross, 
wie  das  Elenn  ;  gemein. 

IB.  Felis?,  grösser  als  der  Serval;  selten. 

17.  —      ,  sehr  klein  ;  selten. 

18.  Hyaena:  von  der  Grösse  des  H.  ra- 
d  iata  ;  sehr  selten. 

19.  ürsus  ?,  ? 


*)  Die  Namen   der   durch    die  Häufigkeit  ihrer  Reste   für  jedes  Becken  bezeichnenden 
Geschlechter  und  Arten  sind  mit  gesperrter  Schrift  gedruckt. 


—     88     — 

von  Pexenasy  von  Montpellier. 

Säugethiere. 

t.  Manatns,  ?ob  aus  dicBen  Schichten?  20.  Manatus:    Knochen  sehr  gemein, 

im  Sande  noch  oft   aneinandergeleukt  lie- 
gend, fast  in  ganzen  Skeletten. 

21.  HalicoreCuvierii  Chr.  (H  i  p- 
popotamus  medius  Cnv.)  gemein. 

22.  Delphinus     mit    langer    Symphyee; 
selten. 

23.  Balaena:  gemein. 

24.  Physeter:    sehr   gemein,    zumal 
die  kegelförmigen,  gebogenen  Zähne. 

25.  Balaenoptera  (musculus ?)  sehr  selten. 

A  V  e  g. 

26.  Palmipcde,   grosse  Art,   n.   e.   ■. 
Vögel.  ^ 

Reptilien. 

27.  Crocodilus  :  sehr  selten. 

28.  Trionyx    Aegyptiacu«    Cna.  : 
üusserst  gemein. 

29.  Chelonia:  sehr  gemein. 

30.  Emy8  :  gemein. 

31.  Testudo:  gemein. 

Pisces. 

32.  Squalus:     mehrere    Arten,    eine 
riesenniässig  ;  im  Ganzen  sehr  gemein. 

33.  Raia:  zwei  unbekannte  Arten,  wo- 
von eine  sehr  gross  ;  sehr  gemein. 

34.  Do  r  ade:  sehr  gemein. 

Beide  Becken  haben  daher  aus  gleicher  Vorzeit  nur  6  von  30  Ge- 
nera g^emeinsam  aufzuweisen ,  worunter  zwei  noch  zweifelhaft ,  bei  den 
übrigen  die  Häufigkeit  der  Reste  in  gegensätzlichem  Verhältnisse  und 
die  Identität  der  Arten  fraglich,  nur  bei  Cervus  die  Reste  gleich  häutig;, 
aber  die  Arten  bestimmt  verschieden  sind. 

Von  Rhinoceros  tichorhinus  besitzt  Chr.  einen  wohl  erhalte- 
nen Unterkiefer  mit  seinen  noch  wenig  abgenutzten  Backenzähnen  und 
den  4  Alveolen  für  die  Schneidezähne^  welche  Camper  und  Cuvier  ge- 
läugnet,  Pallas  aber  schon  angegeben  hatte. 

Von  Rh.  leptorhinus  besitzt  der  Verf.  einen  ganzen  Schädel,  den 
einzigen  in  Frankreich,  und  selbst  in  ganz  Europa.  Denn  der  Ital. 
Schädel,  von  welchem  Cuvier  als  zu  den  Zähnen  dieser  Art  gehörig 
eine  Abbildung  raittheilt,  ist  nach  einem  andern  Bilde,  welches  der  Verf. 
vom  Prof.  Gehe  von  Turin  erhalten,  in  der  Weise  beschädigt,  dass  das 
Vordertheil  der  Nasenbeine  und  die  Nasen  -  Scheidewand  weggebro- 
chen sind,  so  dass  dieser  Schädel  zum  Rh.  tichorhinus  gehört  und 
eine  leptorhine  Art  (ohne  ursprüngliche  knöcherne  Scheidewand  der  Nase) 
wohl  gar  nicht  existirt.  Die  drei  vordem  Ersatz-Backenzähne  unterscheiden 
sich  daran  von  den  Milchzähnen  durch  einen  breiten  flache  n  Halskragcn 


-     89     - 

an  der  Innern  Basis,  und  beide  von  denen  der  vorigen  Art  durch  nur 
zwei  Vertiefungen  statt  dreien  in  der  Mitte  des  Zahnes,  indem  der  Ast 
des  hinteren  Queerjoches  nicht  bis  zur  Verbindung  mit  dem  vorderen 
fortsetzt,  wie  Cuvier  wohl  schon  angedeutet  hatte. 

Die  beiden  Reh-Arten ,  einer  Auvergner  fossilen  Art  sehr  nahe  stc« 
hend,  haben  dreizackige  Geweihe  und  den  Augsprossen  sehr  hoch  über 
der  Krone.  Ihre  Knochen  bleiben  in  der  Grösse  beständig  verschieb- 
den ;  findet  man  welche  von  mittlen  Dimensionen ,  so  sind  sie  jung 
mit  noch  nicht  verwachsenen  Epiphysen. 

Von  Antilope  Cordierii  —  welches  Geschlecht  hier  zum  ersten 
Male  unzweifelhaft  fossil  erscheint,  —  besitzt  Chr.  einen  Schädel  mit 
den  Knochenzapfen  der  Hörner,  welche  innen  dicht,  prismatisch,  wenig 
gebogen,  fast  senkrecht  und  über  1'  lang  sind. 

Von  Schildkröten  findet  man  zuweilen  ganze  Panzer;  zwei 
derselben  unterscheiden  sich  in  nichts  von  denen  des  Trio  nyx  Aegyp- 
tiacus:  sie  haben  am  Bauchpanzer  dieselbe  Zahl  und  Form  der 
Zacken  u.  s.  w. 

Hipparion  ist  ein  neues  Einhufer- Geschlecht  des  Vfs. ,  welches 
dem  Pferde  nahe  steht,  Thiere  von  kleinerem  Schlage  enthält,  und  von 
dessen  Gebeinen  er  (1831)  eine  so  grosse  Menge  bei  Cacuron  an  der 
Durance  oberhalb  ihrer  Einmündung  in  die  Rhone  gefunden ,  das»  er 
daraus  auf  eine  sehr  gesellige  Lebensweise  dieser  Thiere  schliesst.  Er 
will  eine  besondere  Abhandlung  über  dieses  Genus  geben. 

III.     Allgemeine    Betrachtungen. 

Diese  Sonderung  der  Arten  in  verschiedenen  Becken  ist  der  Ansicht 
derjenigen  Geologen  wenig  günstig,  welche  solche  aus  entfernten  Welt- 
Gegenden  durch  das  Meer  herbeiflössen  lassen.  Vielleicht  aber  darf 
man  die  zwei  erwähnten  Becken  als  die  Delta's  zweier  alten  Flüsse 
betrachten  ,  welche  die  Reste  der  Bewohner  ihrer  beiderseitigen  grossen 
Flussgebiete  mit  sich  zum  Meere  geführt  und  dort  mit  den  Auswürfen 
des  Meeres  vermengt  abgesetzt  haben ,  wo  sich  dann  die  Verschieden- 
artigkeit der  organischen  Reste  in  beiden  gleichalten  Becken  leicht  er- 
klären würde.  Das  Becken  von  Montpellier  mag  dem  Delta  der  Rhone 
entsprechen,  längs  deren  Laufe  die  aus  gleicher  Zeit  stammenden  Fossil- 
Reste  zu  diesem  Behufe  noch  genauer  zu  untersuchen  wären.  Dieser 
schon^  früher  gefassten  Ansicht  ist  eine  im  J.  1831  gemachte  Beobach- 
tung besonders  günstig,  wo  der  Verf.  nämlich  im  Durance -Thal  jene 
vielen  Überbleibsel  von  Hipparion,  von  denen  man  noch  zur  Zeit 
wenigstens  keinen  andern  Fundort  kennt,  in  Gesellschaft  zahlreicher 
Gebeine  von  Schafen,  Ochsen,  Schweinen  und  Nashornen  in  einem  Gebirge 
entdeckte,  das  er  für  gleich  alt  mit  den  Schichten  im  Becken  von  Mont- 
pellier hält ,  worin  die  abgerollte  Fussröhre  desselben  Geschlechtes 
(canon)  vorgekommen  ist.  —  Schwieriger  ist  es ,  den  Fluss  zu  finden, 
dessen  Delta  das  Becken  von  Pezenas  entspräche.  Spätere  Gebirgs- 
Hebungen    mögen   ihn    nach   andern  Richtungen   geleitet  und  selbst  die 


—     90     - 

deutliche  Spur  seines  früheren  Rinnsales  verwischt  haben.  Doch  das 
dritte  der  oben  erwähnten  Elenn  -  Geweihe  weiset  nach  der  Montagne 
noire  bei  Castelnaudary  am  Fusse  der  Pyrenäen  hin ,  wo  ein  ähnliches 
Geschiebe-Land  und  fossile  Knochen  mit  ganz  ähnlichem  äusserem  An- 
sehen  gefunden  werden,  wie  zu  Pezenas.  —  Der  fast  gänzliche  Mangel 
aller  Seethier-Reste  an  diesem  letzteren  Orte  scheint  ferner  anzudeuten, 
dass  das  Delta  unmittelbar  an  der  Flussmündung  in  einer  Bucht,  viel- 
leicht  selbst  in  einem  vom  Meere  abgeschnittenen  Etang  gebildet  wor> 
den,  während  die  Rhone  das  ihrige  weit  ins  offene  Meer  hinausgeschoben 
hätte,  wo  die  vielen  Seethier-Reste  mithin  leicht  dazwischen  abgelagert 
werden  konnten.  —  Beide  Becken  enthalten  übrigens  Reste  von  ausge- 
storbenen  Arten ,  deren  nächsten  Verwandten  nun  in  heissen  Zonen 
leben.  Wahrscheinlich  sind  jene  in  Folge  einer  Temperatur- Verminderung 
untergegangen ,  denn ,  wenn  auch  Elephanten  und  Nashorne  einst  viel- 
leicht einem  kälteren  Klima  gewachsen  waren,  als  jetzt,  so  ist  doch 
nicht  abzusehen,  wie  das  Flusspferd  und  Trionyx  Aegyptiacus 
hätten  in  Flüssen  leben  können,  die  sich  im  Winter  mit  Eis  bedecken. 


W.  BucKLAND :  Notiz  über  ein  neu  entdecktes  Riesen- 
Reptil  (Lond.  a.  Edinb.  philos.  Magaz.  1835 ;  VIT,  327—328).  Die 
Reste  dieses  Thieres  sind  in  einer  Thonschichte  unmittelbar  über  dem 
Cornbrash  bei  Buckingham  entdeckt  worden.  Das  Haupt -Stück  davon 
ist  das  Wirbelbein  von  einem  Reptile  grösser  als  von  Iguanodon. 
Es  misst  6^'  in  die  Länge  und  6^'  an  den  Gelenkfiächen  in  die 
Queere.  Beide  Gelenkflächen  sind  etwas  konvex ,  unten  schmäler ,  oben 
eingedrückt,  um  den  Rückenmark  -  Kanal  zu  bilden.  In  seiner  Mitte 
ist  der  Wirbelkörper  mehr  zusammengedrückt,  und  seine  Queerfortsätze 
sind  zu  einem  kleinen  Höcker  auf  jeder  Seite  reduzirt;  unten  an  seinen 
Gelenkflächen  sitid  grosse  schiefe  Ansatz  -  Stellen  für  ein  Gabelbein 
(unteren  Dornenfortsatz).  Die  Form  ist  sehr  abweichend  von  der  fast 
quadratischen  Gestalt  der  Schwanzwirbel  des  Iguanodon,  und  der 
untere  Theil  des  Wirbelkörpers  hat  keine  Durchbohrung  gleich  denen 
des  Plesiosaurus.  —  Andere  Knochen  von  entsprechender  Grösse, 
wahrscheinlich  vom  nämlichen  Genus,  sind  zu  Bradwell,  wenige  Mei- 
len N.W.  von  Buckinghatrij  in  der  Fortsetzung  der  nämlichen  Formation 
entdeckt  worden. 


Professor  Rafinesq^ue  in  Philadelphia  hat  in  Nord  -  Amerika  von 
Missouri  bis  zum  Atlantischen  Ozean  125  Arten  fossiler  Pflanzen  ge- 
sammelt ,  die  er  systematisch  benannt ,  im  Tausche  ausbietet  gegen 
andere  mit  richtig  angegebenen  Lagerungs- Verhältnissen. 


—     91     — 

A.  V.  Klipstein  u.  J.  J.  Kauf:  Beschreibung  und  Abbildun- 
gen von  dem  in  Rhein  -  Hessen  aufgefundenen  kolossalen 
Schädel  des  Dinotherii  gigantei,  mit  geognostischen  Mit- 
theilungen über  die  Knochen- führenden  Bildungen  des 
Mittelrlieinischen  Tertiär 'Becken  8  {Darmstadt  1836,  38  pp.,  4®  und 
ein  Atlas  von  4  Tafeln  in  Fol.). 

Diese  Schrift  wird  zugleich  Deutsch  und  Französisch  ausgegeben, 
letztre  Ausgabe  zugleich  als  Supplementheft  zu  Kaup's  yyossemens  foS" 
sils*^  bestimmt.  Zwei  Tafeln  mit  geognostischen  Durchschnitten  und 
Profilen  und  zwei  Karten  sollen  baldigst  nachfolgen. 

I.  GeognostischerTheil(32  SS.)  die  neptunischen  Bildungen 
Rheinhessens,  welche  im  Allgemeinen  in  gleicher  Ordnung,  wie  sie  hier 
genannt  werden,  von  Osten  nach  Westen,  von  den  Gebirgshöhen  gegen 
das  ÄÄ^iw-Ufcr  hinab  aufeinanderfolgen,  jedoch  bei  Nierstein  dem  Rheine 
schon  mit  dem  zweiten  Gliede  ganz  nahe  rücken,  sind  Jüngere  Grau- 
wacke.  Bunter  Sandstein,  Grobkalk  und  Tertiär- Sand,  welche  dem  mit- 
tein und  obern  Pariser  Grobkalke  entsprechen ,  und  Schwemmland. 
Über  einzelne  kleine  Flächen  verbreitet  dringen  plutonische  Bildungen, 
rothe  Porphyre  am  A^aÄe-Thale,  Augit-Porphyre  bei  Weinheim  u.  s.  w. 
empor.  Da  die  Karte  dem  Werkchen  noch  nicht  beigegeben  ist ,  halt 
es  zu  schwer  sich  von  der  Horizontal  -  Erstreckung  dieser  Gebilde  eine 
klare  Vorstellung  zu  machen ,  als  dass  wir  dabei  länger  verweilen 
dürften. 

Der  Grobkalk  zerfällt  in  eine  untere  und  eine  obere  Abtheilung. 
Erste  geht  längs  der  Westgrenze  desselben  an  altern  Formationen  zu 
Tage  (Weinheim,  Alzey,  Flonheim  bis  Kreuznach),  besteht  hauptsächlich 
aus  marinem  Sand ,  Konglomeraten  und  kalkigen  Sandsteinen ,  führt 
Bruchstücke  und  Körnchen  von  rothem  und  schwarzem  Porphyr  und  von  Quarz 
aus  den  Nachbargegenden,  und  enthält  Squalus-  und  Cetaceen -Reste 
und  viele  Seekonchylien  von  Arten  ,  welche  die  mittlen  Grobkalkbänke 
des  Parw^jr  Beckens  charakterisiren,  insbesondere:  Pectunculus  pul- 
vinatus,  Area  pectunculata  und  ven  ericardens  [?]j  Myaci- 
tes  affinis,  Ostreafossula  und  hippopus,  Voluta  marginella, 
Perna  maxillata  etc.  Hier  zeigen  sich  keine  Spuren  von  Laodthie- 
ren.  —  Die  obre  Grobkalk-Abtheilung  ist  weit  verbreiteter,  insbesondere 
zwischen  Maynz,  Ingelheim  und  Alzey ;  sie  besteht  zu  unterst  aus 
plastischem  Mergelthon  —  wohl  einem  Äquivalent  des  plastischen  oder 
Braunkohlen-Thones  —  mit  einzelnen  Kalkmergel-  und  Kalkstein-Bänken, 
welche  letzten  ,  während  der  erste  verschwindet ,  nach  oben  allmählich 
immer  mehr  überhand  nehmen  und  am  Rande  des  Beckens  viele  Land- 
und  Süsswasser  -  Konchylien  aus  den  Geschlechtern  Hei  ix,  Palu- 
dina,  Litorina[?],  auch  Cypris  aufnehmen,  während  sie  ander- 
wärts Quadr  u  p  e  d  en -Reste  und  See -Konchylien  ,  denen  der  oberen 
Pariser  Grobkalk-Abtheilung  entsprechend  (S.  23),  insbesondere  Ceri- 
thium  margaritaceum ,  C.  plicatum,  C.  eine  tum,  Cytlicrea 
laevigata,  Donax  incompleta,  Mytilus  Faujasii,  M.  Brardii, 


-     92     — 

Cyprina  islandicoides,  Ostrea  eduliiia,  Periia,  Mya,  Nerita, 
Murex,  Fusus,  Trochus,  Cardium  etc.  enthalten.  —  Der  tertiäre 
Sand  und  Sandstein  darüber  —  wohl  ein  Äquivalent  des  Pariser  Gyp- 
«es  (S.  22)  —  ist  bald  grell  von  vorigem  abgeschnitten,  bald  gebt  der 
Grobkalk  allmählich  in  ihn  über.  Zu  unterst  besteht  er  aus  Kies  und 
Gerolle  mit  oder  ohne  Sand,  nach  oben  erscheint  er  nur  mit  feinerm 
Korn.  In  diesem  Sande,  zumal  in  den  Kies-  und  Geröll -Lagen  ist  es, 
wo  die  vielen  Knochen  von  etwa  30  Landsäugethier  -  Arten  vorkommen, 
welche  Kauf  schon  grösstentheils  beschrieben  hat,  wie  man  sich  aus 
unserer  Anzeige  von  dessen  „Ossemens  fossiles"  erinnern  wird.  Nie 
kommen  Seethier- Reste  damit  vor.  Einen  allmählichen  Übergang  des 
Grobkalkes  durch  Mergel  in  jenes  Gerolle ,  Sand  und  Sandstein  beob- 
achtet man  zu  Oppenheim,  wo  Mergel,  Gerolle  und  Sand  Knochen  ver- 
schiedener Quadrupeden  geliefert  haben :  diese  Bildung  zeigt  dort  A' — 20' 
lind  mehr  Mächtigkeit.  Auch  unweit  davon,  am  Rost  bei  Guntersbhtm,  er- 
scheint sie  unter  ähnlichen  Verhältnissen  auf  dem  Grobkalk  -  Plateau 
12' — 14'  mächtig,  aber  mehr  zu  Sandstein  gebunden.  Zu  Findheim,  \\ 
Stunden  S.W.  von  Mayn%  liegt  der  Sand  oder  Sandstein  in  einer  Mäch- 
tigkeit von  12' — 16'  über  dem  Grobkalk  ,  durch  eine  Auflagerungsfläche 
zwar  scharf  von  ihm  abgeschnitten,  doch  in  seinem  unteren  Theile  noch 
Ton  Mergelstreifen  durchzogen ;  er  enthält  hier  kaum  einige  Spuren 
von  Knochen,  welche  sich  dagegen  reichlich  in  dem  Grobkalke  darunter 
einfinden,  der  ganz  mit  Süsswasser-Konchylien,  Paludiuen  *) ,  in  Gesell- 
schaft sehr  weniger  Seekonchylien,  tiefer  hinab  mit  Mytilus  Brardii,  an- 
gefüllt ist,  worunter  noch  ein  gelblichweisser  Knochen-führender  Kalk- 
stein folgt.  Das  mächtigste  Vorkommen  dieser  Sand-Bildung  ist  endlich 
jenes  zu  Eppelsheim  bei  Al%ey ,  woselbst  in  dem  bis  in  den  blauen 
Mcrgelthon  des  oberen  Grobkalks  eingeschnittenen  Thälchen  der  See» 
back ,  welche  1  Stündchen  tiefer  bei  Guntersheim  in  die  Rhein  -  Ebene 
hinaustritt,  sich  der  Knochen  -  führende  Sand  in  Mulden  und  Becken- 
formigen  Erweitungen  abgesetzt  hat,  aber  meistens  von  Diluvial -Lehm 
bedeckt  wird  und  stellenweise  Bohnerz -Lager  einzaschliessen  scheint. 
Kl.  folgert  aus  dieser  Erscheinung,  dass,  während  am  Rande  des  Beckens 
in  0.  und  N.  sich  die  jüngeren  Grobkalkschichten  noch  absetzten ,  die 
Mitte  desselben  sich  schon  aus  dem  Salz-See  des  Rhein  -  Beckens  erho- 
ben hatte  und  ihr  Boden  bereits  manchen  Veränderungen  unterlag,  indem 
ersieh  in  eine  Gruppe  von  Süsswasser-See'n  80' — 100'  über  der  Thalsohle 
umgestaltete,  deren  einer  sich  eben  zu  Eppelsheim  befand,  welcher  dann 
von  dem  grossen  See  durch  das  Thälchen  von  Guntersheim  herauf,  mithin 
aus  S.O.  Richtung,  mit  dem  Knochen- führenden  Sande  erfüllt  worden 
seye,  dessen  Mächtigkeit  nun  eben  wegen  der  Unebenheit  der  Grund- 
fläche im  nämlichen  Becken  von  2' — 30'  wechselt.  Unter  den  oft  durch 
Eisenoxydhydrat  gebundenen ,  untern  Geschieben  können  die  meisten 
nur  von  in  W.,  N.W.  und  N.  anstehenden  Gebirgs-Arten.  mithin  auf  einem 


*)Di  cse  Paludiaen  sind  aber  Salswa.sser-Bewohner.  Br. 


—     93     — 

Umwege  in  das  Thälchen  gekommen  seyn.  Die  Schichten  des  Knochen» 
führenden  Sand-Gebildes  von  Eppelsheim  erleiden  sehr  häufige  Verwer- 
fungen von  ^'  bis  zur  Höhe  von  fast  8';  die  Klüfte  schneiden  oben  am 
Diluvial- Lchinc  ab;  nach  unten  erreichen  sie  grösstentheils  den  Grob- 
kalk nicht,  obschon  sie  wohl  durch  die  ihn  in  geringer  Zahl  durchsetzen- 
den, aber  stärkeren  Klüfte  bedingt  seyn  mögen.  Knochenreste,  welche 
von  den  Verwerfungsflächen  getroffen  werden ,  sind  gewöhnlich  durch 
dieselben  getheilt  und  ihre  Theile  w«it  auseinander  geschoben.  Das 
grobe  Gerolle  ist  es ,  welches  die  meisten ,  insbesondere  die  grossen 
und  schweren  Knochen:  die  schwersten  zuweilen  etwas  in  den  blauen 
Mergelthon  darunter  eingedrückt ,  meistens  mit  Thon  oder  Kalk  uber- 
rindet  und  dann  besser  konservirt  enthält ;  im  eisenreichen  Gerolle 
dagegen  finden  sich  die  Knochen  davon  befreit  und  meistens  als  Ge- 
schiebe :  endlich  in  dem  feinen  Sande  darüber  liegen  nur  kleine ,  oft 
abgerollte  Knochentheile  einzeln  inne.  Die  länglichen  Knochentheilc 
liegen  horizontal  mit  ihrem  grösseren  Durchmesser  von  S.O.  nach  N.W., 
die  Schädeltheile  gewöhnlich  mit  den  Zähnen  nach  oben.  Die  Knochen, 
insbesondere  die  grösseren,  liegen  selten  in  einiger  Anzahl  beisammen  ;  nur 
zur  Bestimmung  unbrauchbare  Trümmer  sind  zuweilen  zusammengehäuft. 
Kopfreste,  Unterkiefer- Stücke  und  Zähne  sind  die  am  häufigsten  vor- 
kommenden Theile,  doch  Ict^tre  mit  Wurzeln  sehr  selten  :  an  diese  reihen 
sich  einige  Langknochen,  insbesondere  Oberschenkelbeine,  auch  Becken- 
Stücke;  Wirbel  sind  am  seltensten.  —  Die  Ursache,  wodurch  jene  zahlreichen 
Thier-Spezies  untergegangen  und  ihre  Gebeine  mit  Geiölle  und  Sand  aus 
dem  Rhein-  in  das  SeebachTha\  hinauf  bis  Eppelsheim  getrieben  worden 
seyen,  sucht  der  Verf.  in  der  Emporhebung  der  Kette  der  schwäbischen 
Alp  in  Elie  de  Beatjmont's  zehnter  Hebungs-Periode  nach  dem  Nieder- 
schlag des  Grobkalkes  ,  wodurch  mächtige  Wassermassen  in  der  Rich- 
tung des  Neckar-TUüiles  herab  ,  durch  das  Rhein-Thal  nach  dem  jensei- 
tigen Gestade  getrieben  worden  seyn  müssen. 

Die  diluvialen  Anschwemmungen  ,  insbesondere  der  Löss  dieser 
Gegenden,  können  mit  voriger  Bildung  nicht  verbunden  werden:  sie 
enthalten  nie  Knochen  -  Reste  der  in  voriger  vorkommenden  Vierfüsser- 
Arten ,  so  wie  die  in  ihnen  findlichen  Elephanten-  und  Ochsen- 
Gebeine  nie  in  vorige  hinübergehen. 

IL  Zoologischer  Theil.  Seit  den  19  Jahren,  da  die  um 
Eppelsheim  gefundenen  Knochen  zu  Tausenden  nach  Darmstadt  abge- 
liefert worden ,  sind  nur  6  mehr  oder  weniger  vollständige  Schädel  von 
weit  kleineren  Thieren  daselbst  vorgekommen,  nämlich  von  Rhinoce- 
ros  Schleiermacheri,  Acerotherium  incisivum,  Arctomys 
primigenia  und  Spermophilus  superciliosus;  daher  gerade  der 
Fund  des  mächtigen  Schädels  von  Dinotherium,  das  bisher  kaum 
4  anderweitige  Knochen  geliefert,  ganz  unerwartet  gewesen.  Leider 
soll  derselbe  nicht  für  die  Barmstädter  Sammlung  zu  den  übrigen  Re- 
sten   erworben   werden    [er   wird   wahrscheinlich    nach  Paris  kommen]. 


-     94     — 

Derselbe  lag  verkehrt  18'  tief  im  Knochensand-Gebilde,  mit  einem  Thcile 
seiner  obern  Fläche  noch  im  blauen  Mergelthon  eingesenkt.  Den  Zäh- 
nen zu  Trotz,  welche  Cuvier  dem  Tapir  zugeschrieben,  zeigt  dieser 
Schädel,  wie  auch  schon  aus  dem  früher  bekannt  gewordenen  Unterkie- 
fer hervorging,  nur  wenig  Verwandtschaft  mit  jenem  Geschlechte  und 
mit  andern  bekannten  Pachydermen,  sondern  nähert  sich  in  vielen 
Beziehungen  den  Schädeln  der  Eden  tat en-Ordnung.  Seine  auffaliend- 
st.eu  Charaktere  sind:  eine  ungeheure  Schläfengrube,  deren  beträcht- 
liche Tiefe  ganz  mit  dem  enormen  Schläfen -Muskel  zur  Bewegung  des 
kolossalen  Unterkiefers  erfüllt  gewesen  seyn  muss,  —  kleine,  nach  hin- 
ten offene,  über  den  2  vorderen  Backenzähnen  gelegene  Augenhöhlen, 
—  schwache  Jochbeine,  —  zwei  hochsitzende  Geleukköpfe  für  den  At- 
las, —  gänzlicher  Mangel  der  Nasenbeine  und  kurze  Stirnbeine ,  —  um 
einer  Ungeheuern  Grube  vorn  Raum  zu  geben ,  wo  die  zu  einem  mäch- 
tigen Rüssel  gehenden  Muskeln  Platz  finden  konnten,  —  eine  hinter 
den  Backenzähnen  gelegene  schmale  hintere  NasenöflFnung,  —  untre 
Augenhöhlen  -  Löcher  für  den  kolossalen  Augennerven  unter  dem  dach- 
förmig vorspringenden  Kieferknochen  neben  den  ersten  Backenzähnen 
gelegen,  —  die  enorme  Breite  des  Flügei-förmig  ausgebreiteten  Hinter- 
kopfes, —  und  eine  nur  unter  39^ — 40*^  an  dem  Stirnbeine  angrenzende 
Hinterhauptfläche,  unter  einem  Winkel  wie  er,  noch  etwas  stumpfer,  nur 
bei  den  Walen  vorkommt,  indem  er  bei  den  meisten  Säugethieren  ein 
beinahe  rechter  zu  seyn  pflegt.  Auf  jeder  Seite  sind  5  Backenzähne, 
deren  Reihen  sich  hinten  und  vorn  nähern.  Sie  sind  zweihügelig,  nur 
der  mittle  oder  dritte  ist  dreihügelig.  Die  vier  Tafeln  stellen  den  Schä- 
del von  vier  verschiedenen  Seiten  und  die  Backenzähne  nochmals  ins- 
besondere dar. 

Ganze  Länge  des  Kopfes 1,*"105 

Senkrechte  Höhe  vom  4.  Backenzahn  bis  zum  Rand  der  Schlä- 
fengrube          0,450 

Vom  Augenhöhlen  •  Rand    bis   zum    hintern  Rand  der  Schläfen- 
grube      0,450 

Tiefe  der  Schläfengrube 0,290 

Rüssel- Grube:    vom  Rand  der  Stirnbeine    bis    zur  Spitze    des 

Intermaxiilarknochens .         0,510 

Rüssel-Grube.     Grösste  Breite  derselben 0,440 

„  „  Grösste  Tiefe 0,150 

Breite  der  Stirnbeine  an  den  eingezogenen  Rändern  der  Schlä- 
fengruben       0,485 

Grösste  Breite  über  den  Augenhöhlen 0,780 

Länge  der  Stirnbeine  bis  zur  Hinterhaupt- Grähte  .  .  .  0,290 
Von  der  queeren  Hinterhaupt  -  Gräthe   bis  zwischen  die  2  Gc- 

lenkköpfe 0,385 

Grösste  Breite  des  Hinterkopfes  .         .         »         .         .  0,921 

Von  der  kleinen  Ohröffnung  bis  zur  Mitte  des  Keilbeins  .         .         0,378 


% 


95 


Breite,  welche  die  2  Gelenkköpfe  einnehmen 
Breite  des  Oberkiefers  am  2.  Backenzahn  .         .        . 

Breite  vom  1.  Backenzahn  bis  zum  Foramen  supraorbitale 
Von  der  Wurzel  des  1.  Backenzahns  bis  zur  Spitze   des  Intet 

maxillarbeines 
Länge  aller  5  Barkenzähne 
I.  Backenzahn,  Länge 

Breite  hinten 

„      vorn 
Länge 
Breite  hinten 

„      vorn 
Länge 
Breite  hinten 

„       vorn 
Länge 
Breite  hinten 

„       vorn 
Länge 

Breite  hinten 
,,       vorn 


» 

» 

IL 

» 

» 

IIL 

M 

» 

IV. 

n 

M 

» 

V. 

H 

» 

» 

)» 

0,328 
0,200 
0,061 

0,398 
0,453 
0,084 
0,084 
0,087 
0,075 
0,080 
0,089 
0,104 
0,085 
0,082 
0,098 
0,092 
0,094 
0,088 
0,080 
0,100 


Der  Verf.  wiederholt  hier  seine  anderwärts  ausgesprochene  Ansicht, 
dass  das  Thier  mit  seinen  Stosszähnen  die  Erde  nach  Wurzeln  aufge- 
wühlt, mit  seinem  Rüssel  diese  zu  Munde  geführt,  auch  sich  der  Stoss- 
zähue  zur  Fortbewegung  mit  bedient  habe. 


G.  G.  PuscH  :  Polens  Paläontologie,  oder  Abbildungund 
Beschreibung  der  vorzüglichsten  und  der  noch  unbeschrie- 
benen Petrefakten  aus  den  Gebirg s-Fo r m a  t i o n e n  in  Polen,  Vol^ 
hynien  und  den  Karpathen,  nebsteinigen  allgemeinen  Beiträgen 
zurPetrefakten-Kundeund  einem  Versuch  zurVervollständi- 
gungderGeschichtedes  Europäischen  Auerochsen.  E  r  s  t  e  L  i  e  fe- 
rn ng,  Bog.  1  —  10,  Tafel  I  — X  (Stuttgart  1836,  4*').  Wir  haben  bis 
jetzt  die  Polnisch  -  Karpathischen  Fossil -Reste  nur  sehr  unvollständig 
gekannt :  die  tertiären  durch  blosse  Diagnosen  von  Eichwal»,  und  bes- 
ser durch  ein  mit  Abbildungen  begleitetes  Werk  von  Dubois  de  Mokt- 
PEREUx ,  welcher  aber  keinen  so  grossen  Reichthum  an  Arten  zusam- 
mengebracht und  sich  nur  auf  Konchylien  beschränkt,  und  welche  beide 
ihre  Untersuchungen  nicht  bis  in  den  Freistaat  Polens  noch  bis  zu  den 
Karpathen  ausgehnt  hatten,  —  die  älteren  (aus  Kreide ,  Oolith,  Muschel- 
nnd  Übergangs-Kalk)  fast  bloss  durch  die  Namen-Verzeichnisse  von  Puscii, 
Zeuschner  u.  A.,  welche  jedoch  für  sich  allein  nicht  hinreichende  Gewähr 
richtiger  Bestimmungen  darbieten  konnten.  Die  Po^m*fÄeTertiär-Forraation 
ist   dem   Tegel   von    Wien    und   den  Bildungen   im   X^a/irff«  -  Dept.,   um 


-«^■ 


96     — 


Bordeaux  etc.  gleich ;  sie  enthält  die  bezeichnendsten  Fossil  •  Arten 
mit  ihnen  gemeinschaftlich ,  insbesondere  aber  im  Freistaate  Po- 
len eine  Reihe  von  solchen  bezeichnenden  Arten,  welche  in  den 
Volhynisch  -  Püdolischen  Provinzen  gänzlich  mangeln.  Da  uns  Pusch 
nun  in  vorliegendem  Werke  nicht  nur  alle  ihm  selbst  aus  Polen 
bekannte  Arten  aufzählt ,  sondern  auch ,  ausser  einigen  schon  ander- 
weitig abgebildeten  ,  aber  doch  noch  der  weiteren  Bestätigung  für  Po» 
len  bedürfende  Arten,  alle  neuen  Tertiär-  wie  Sekundär-  und  selbst 
Transitions-Vcrsteinerungen  abbildet ,  so  werden  wir  durch  dieses  Werk 
zum  ersten  Male  mit  den  Versteinerungen  und  somit  Formationen  Polens 
eigentlich  und  genau  bekannt  und  erlangen  mit  dem  Mittel  eigner  An- 
schauung und  Vergleichung  auch  die  Bürgschaft  für  die  Richtigkeit  des- 
jenigen, was  früher  uns  nur  namentlich  angegeben  war. 

Wir  wollen  hier  eine  summarische  Übersicht  des  Inhaltes  des  Iten 
Heftes  mittheilen: 


benannte  ab 
Arten,    de 

gebil* 
:e  Ar- 
ten. 

benannte  abgebil- 
Arten.    dete  Ar- 
ten. 

Fueoides     .    .    . 

6    .     . 

4 

Tridacna      .     .    . 

1     .     . 

1 

Pecopteris.     .     . 

3     .     . 

3 

Unio 

1      .     . 

1 

Sigillaria    .     .     . 

3     .     . 

1 

Trigonia      .     .     , 

1      .     . 

1 

Unbestimmtes  Blatt 

1 

Area 

7    .    . 

1 

Millepora    .     .     . 

1 

Nucula     .     .     .     . 

6    . 

3 

Lithodendron 

1 

Pectunculus  .     . 

7    . 

Q 

Scyphia   .     .     .     . 

1 

Cardium .     .     . 

13    .    . 

3 

Manon      .     .     .     . 

1 

Cardita    .     .     . 

2    . 

2 

Cyathocrinites  . 

1 

Isocardia     .     .     < 

3     . 

2 

Marsupites      .     . 

1 

Cypricardia    .     < 

1     . 

1 

Lingula  .     .     .     . 

1 

Vene  ricardia 

12     ,     . 

2 

Terebratula    .     , 

41     .     . 

19 

Cytherea      .     . 

9     . 

1 

Delthyris    .     .     , 

6     .     . 

1 

Astarte    .     .     . 

9     .     . 

1 

Leptaena     .     .     . 

1     .     , 

0 

Venus  .... 

.       2     . 

.       0 

Ostrea     .... 

2     .     . 

2 

Cyp rin a  .     .     . 

.       1     . 

1 

Gryphaea    .     .     . 

5     .     . 

1 

Mactra     .     .     . 

3    . 

1 

Exogyra  (Amphi- 

Crassatella     . 

4    . 

1 

dontes)      .     .     « 

2     .     . 

2 

Amphidesraa  . 

.       2     . 

2 

Pecten      .... 

7     . 
3     . 
3     . 

.      7 
2 
2 

Corbula  .     .     • 
Nebst  einigen  andern 

2    . 

2 

Lima 

Avicula    .... 

:  180 

90 

Catillus  .... 

5     . 

1 

Einige  Genera  wie  Gryphaea  und  Trigonia  hat  der  Verf.  mo- 
nographisch, nämlich  mit  Rücksicht  auch  auf  die  auswärtigen  Arten 
bebandelt.  Den  Terebratel-Arten  ist  häufig  das  Urtheil  v.  Bucu's  beige- 
fügt, dem  die  Originalien  zur  Bestimmung  übersendet  gewesen.  Endlich 
hat  auch  Ref.  nach  dem  Wunsche  des  Verf.  seine  Ansicht  über  die  Be- 
stimmung bei   einigen  Arten   beigefügt ,    ohne  jedoch    hiebei    alle  Arten 


—     97     — 

planmässig  untersucht  zu  haben ,  wozu  ihm  auch  ,  was  die  tertiären 
Arten  betriflFt ,  erst  während  des  Abdruckes  dieser  Bogen  glänzende 
Materialien  aus  Polen  wie  von  Wien  zugekommen  sind.  —  Nach  des 
Vfs.  Beobachtung  ist  auch  Terebratula  amphitoma  ein  Spirifer. 
Seine  Gründe,  dem  Geschlecht  Exogyra  Say  den  Namen  Amphi- 
donte  nach  Fischer  zu  crtheilen,  sind  nicht  genügend. 

Die  zweite  Lieferung  wird  noch  6  Tafeln  und  etwa  20  Bogen  Text 
enthalten  (der  Preis  des  Ganzen  ist  10  fl.  48  kr.).  Die  Ausstattun><^ 
des  Werkes  in  Druck  und  Papier  ist  äusserst  glänzend. 


ScHiNz :  über  einige  neuere  Entdeckungen  fossiler 
Säugethier-Knochen  in  der  Schweitz  (v.  Pommer  Schweitzerische 
Zeitschrift  fürNatur-  und  Hei  Ikunde,  1834,  I,  239—248).  Schinz 
hatte  bereits  in  den  Denkschriften  der  allgemeinen  Schweitzer,  naturh. 
GesellvSchaft  (1831,  I,  i,  61  ff.)  die  damals  bekannten  Oberreste  urwelt- 
licher Thiere  der  Braunkohlen  von  Egg  in  der  Schweitz  beschrieben. 
Seitdem  hat  er  vom  Biber  noch  den  grössten  Theil  einer  Unterkinn- 
lade und  einige  andere  Knochen  erhalten  und  ist  zur  Gewissheit  gelangt, 
dass  die  damals  fraglich  aufgeführten  H  i  pp  o  pot  am  us-Zähne  wirklich 
die  untern  mittlen  Vorderzähne  eines  solchen  Thieres  seyen ;  auch  ver- 
muthet  er  in  den  als  zweifelhaft  angegebenen  Mastodon  -  Zähnen  solche 
von  Dinotherium  giganteum. 

Ausserdem  hat  man  einen  von  Steinmasse  durchzogenen  Nashorn- 
Zahn  von  ganz  anderer  Art,  als  zu  Egg,  in  einem  Hügel  zu  Seelmat- 
ten  an  der  Grenze  von  Zürich  und  Thurgan   entdeckt. 

Meissner  hatte  im  X.  Stücke  seines  Museums  der  Nuturgeschichte 
Helvetiens  ein  Unterkiefer-Stück  aus  der  Mola.sse  von  Aarhurg  beschrie- 
ben ,  das  er  den»  Sus  Babyrussa  zuschrieb,  Cüvier  aber  als  eigene 
Art  eines  Chae  ropo  t  a  m  u  s,  C  h.  Meisneri,  bezeichnete.  Dazu 
scheint  nun  auch  ein  ganz  ähnliches  Stück  zu  gehören ,  welches 
vor  50  Jahren  mit  einem  Hirsch-Geweihe  u.  a.  Knochen  im  Muschelkalk- 
stein [Muschel -Molasse]  von  Mägenwyl  im  Aargau  entdeckt  worden 
und  seither  bei  einem  Antiquaren  gelegen  hatte. 

In  dem  harten  ,  als  Baustein  verwendeten  sog.  Quadersandstein  des 
Steinbruchs  Bulligen  beim  Dorfe  Schmeriken  in  St,  Gallen ,  welcher 
sonst  keine  Versteinerungen  zu  führen  pflegt,  zeigte  sich  eine  Ader 
von  Geschieben,  wie  Nagelfluh,  die  sich  in  eine  Zerklüftung  einge- 
schwemmt hätte,  und  in  welcher  Masse,  nicht  im  eigentlichen  Sandstein, 
ein  P  a  1  a  e  0  t  h  e  r  i  u  m -Rest ,  der  sich  im  Sandstein  vollkommen  genau 
abgedrückt  hatte,  mithin  nicht  spater  in  denselben  eingeschwemmt  seyn 
kann.  Es  ist  der  rechte  Unterkiefer  mit  allen  Backenzälmen,  doch  ohne 
Vorderzähne  und  Kronenfortsatz.  Er  entspricht  der  Grösse  nach  dem 
eines  starken  Schweines  und  hat  7"  Länge :  2"  mögen  hinten  fehlen. 
Er  scheint  zu  Cuvier's  P,  Aurelianense  zu  gehören. 

Jahrgang   1837.  7 


--     98     — 

Andere  Zähne  sollen  sich  neuerlich  in  dem  grossen  Schieferkohlen- 
Lager  gefunden  haben  ,  welches  die  Allmanns  -  Kette  durchstreicht  und 
bei  ütznach  abgebaut  wird. 


Lyell:  fossile  Knochen  aus  Indien.  Das  Museum  der  geolo- 
gischen Sozietät  in  London  hat  voriges  Jahr  eine  schöne  Sammlung 
fossiler  Knochen  aus  Indien  erhalten ,  welche  Capt.  Caütley  in  der 
Bergkette  gesammelt ,  welche  ,  früher  Siwalik  genannt ,  den  Fuss  des 
Himalaya  vom  Chinges  bis  zu  den  Sutluj-¥\i\ssen ,  oder  vom  30<*  —  31® 
N.  ßr.  umgibt  und  insbesondere  im  Westen  des  Jttmna  -  Flusses  daran 
sehr  reich  seyn  soll.  Sie  gehören  zu  den  Geschlechtern  Mastodon, 
Elephas,  Hippopotamus ,  Rhinoceros,  Sus,  Anthracothe- 
rium,  Equus,  Bos,  Cervus,  Antilope,  Canis,  Felis,  Gavia- 
lis,  CrocodiluSj  Emys,  Trionyx  und  zu  Cautlby's  und  Falconer's 
neuem  Geschlecht  Sivathcrium.  Auch  Fische  und  Konchylien 
sind  dabei  (Lond.  a.  Edinb.  Philus.  Magaz.  1836,  VIII,  325). 


L.  V.  Buch  hielt  bei  der  Sitzung  der  Berliner  Akademie  am  18. 
Januar  1836  einen  Vortrag  über  die  fossilen  Colimaceen  von  Stein- 
heim  in  Württemberg,  Er  sieht  mit  Rossmassler  die  Paludina  mul- 
tiformis  (v.  Ziet.  Taf.  xxx)  als  eine  Valvata  an,  weil  bei  diesem 
Geschlecht  ein  weiterer  Nabel  und  eine  grössere  Veränderlichkeit  der 
Formen  einer  Art  vorkomme,  auch  die  fossile  Art  einer  Valvata  bi- 
carinata  von  Texas  (zu  Wien)  sehr  ähnlich  seye.  In  ihrer  Gesell- 
schaft linden  sich  Überbleibsel  von  Fischen,  Rhinoceros  (Zähne), 
Reh;  Pferd,  Schildkröte  und  Sauriern. 


MoüGEOT :  über  die  Versteinerungen  des  Muschelkalks  in 
den  Departementen  der  Vogesen  und  ^ev  Meurthe  (Bull.  geol. 
Franc.  1835,  VI,  19—22).  Er  kennt  Zähne  von  Hybodus  plicatilis 
Ag.,  Zähne  und  den  ersten  Rückenflossen  -  Stachel  von  H.  longicornu 
Ag.  ,  Schuppen  von  Ptycholepis  Alberti  und  Pt.  maximus;  Gau- 
menzähne von  Acrodus  Gaillardoti  und  Placodus  gigas  Ag.  ; 
Zähne  von  Ps  am  modus  hc  teromorphus  Ag.  mit  Reptilien-Wirbeln 
(zu  Dumpaire)  ,  ähnlich  auch  im  Keuper  von  Bothenmünster  in  Würt- 
temberg gefunden;  den  Bauchpanzer  einer  Trionyx;  Wirbel,  Rippen 
und  Beckenknochen  von  Nothosaurus  Münst.  (Plesiosaurus  von 
Rehainvillers  Cuv.);  den  Unterkiefer  eines  ?Plesiosaurus;  Schuppen 
eines  ?Krokodils  (Luneville  und  Dompaire). 

Auch  PuToiv  erzählte  im  bunten  Sandsteine  zu  Clairfontaine  bei 
/Jwdwojunfcrn  Remiremmit  m  tlen  Vogesen  den  Eindruck  eines  dreieckiue« 


—     99      ~ 

rauhen  Körpers  gefunden  zu  haben ,  welcher  nur  etwas  grösser  auch 
in  den  ganz  tiefen  Schichten  desselben  zu  Soul%  -  les  -  Bains  vorgekom- 
men. Die  Pflanzen  -  Abdrücke  in  den  Brüchen  der  Vogesen  (Epinal , 
Sainte  Helene,  BandonvUle  bei  Blamont,  Ruaux  bei  Plomhieres)  finden 
sich  immer  im  bunten  Sandstein  selbst ,  im  Bas-Rhin-Dept.  aber  in  deti 
thonigen  Zwischenschichten  (ibid.  p.  17—19). 


EvDES  Deslongchamps  hat  bei  der  Linno'schen  Sozietät  der  Nor- 
niandie  im  Jahre  1835 — 36  einen  Vortrag  gehalten  über  ein  riesen- 
luäsiges  Reptil,  Poecilopleu  ron  ,  aus  dem  Kalke  von  Caen 
{Vlnstit  lS36y  IV,  311—312,  Auszug).  Im  Jahr  1835  fand  man  in  den 
Brüchen  zu  Maladrerie ,  \  Stunde  von  Caen,  von  dem  Skelette  eines 
sehr  grossen  Reptiles  21  Schwanzwirbcl,  viele  Rippen,  ein  Becken-Bein, 
ein  Schenkelbein,  ein  Wadenbein  -  Stück ,  4  Tarsus-Knochen,  die  Hinter- 
theile  einiger  Metatarsus  -  Beine ,  über  20  Phalangen  der  Hinterfüsse, 
wobei  drei  Klauen  -  Glieder  der  rechten  und  2  der  linken  Seite ,  einen 
linken  Humerus  ,  Radius  und  Kubitus  ,  2  Hand-Beine  und  2  Fingerglie- 
der, wobei  ein  Klauen  -  Glied  ,  ein  verstümmeltes  Rabenschnabel  -  Bein, 
doch  ohne  alle  Kopfknochen  und  Zähne.  Die  Länge  des  ganzen  Thieres 
scheint  wenigstens  25' — 30'  betragen  zu  haben. 

Die  Seh  wanz- Wirbel  haben  einen  vorn  und  hinten  wenig  vertief- 
ten Körper;  9  derselben  bildeten  eine  zusammenhängende  Pveihe  im  Vorder- 
theile ,  12  eine  ebensolche  im  Hintertheile  des  Schwanzes  und  zwischen 
beiden  mögen  12  andere  fehlen.  Sie  stimmen  in  einigen  Charakteren 
mit  denen  der  Krokodile,  in  andern  mit  solchen  von  Eidechsen 
überein,  ohne  sich  den  einen  oder  den  andern  ganz   anzuschliessen. 

Die  Rippen  sind  von  verschiedener  Art :  7  davon  sind  symmetrisch 
gebogen,  an  beiden  Enden  verdünnt,  woselbst  ihre  obre  Seite  rinnen- 
förn^ig  ausgehöhlt  ist.  .Sie  entsprechen  sicherlich  der  Mittellinie  der 
untern  Bauchwand,  denjenigen  ähnlich,  welche  in  der  Mitte  der  Bauch- 
muskeln bei  Chamaeleon,  Anolis  u.  a.  gefunden  werden.  Sieben 
andre,  hinter  ihnen  gelegen  ,  sind  in  Form  ähnlich ,  aber  aus  je  zweien 
durch  Ligamente  in  ihrer  Mitte  so  verbunden  ,  dass  sie  in  14  Knochen 
zerfallen.  Diese  letzten  Bauchrippen  waren  an  ihren  2  Enden  mit  ei- 
nem knöchernen  Griffel  oder  Ansatz  versehen,  welcher  mit  der  innern 
Hälfte  seiner  Erstreckung  auf  jener  äusseren  Rinne  befestigt  war,  so 
dass  sie  mit  ihren  Ansätzen  den  kleinen  Abdominal  -  Rippen  der  Kroko- 
dile sehr  ähnlich  sind.  Demzufolge  war  die  untere  Bauchgegend  lang 
erstreckt  und  das  Brustbein  konnte  nur  kurz  seyn  ;  die  untere  Bauchwand  be- 
stund aus  49  [?]  Knochenstücken  mit  einer  Anordnungsweise,  wie  bei 
gewissen  Eidechsen  und  den  Krokodilen.  —  Von  den  gewöhnlichen 
Seiten  -  Rippen  hat  man  viele  Bruchstücke  ,  aber  nur  eine  ziemlich  voll- 
ständige gefunden ;  allen  übrigen  mangelt  wenigstens  das  Wirbel-Ende. 
Doch  lassen  sich  dreierlei  Formen    erkennen  :    zylindrische ,   dreikantige 


—     100     — 

and  flache.  Die  meisten  zeigen  an  ihrem  hinteren  Rande ,  einige  Zoll 
vum  unteren  Ende  entfernt,  einen  rauhen  Eindruck  von  etwa  1^'  Länge, 
die  Anfiigungsstelle  eines  Stückes,  wie  es  als  rückwärts  gehender  Fort- 
satz bei  lebenden  Krokodilen,  beim  Teleosaurus  und  bei  den  Vögeln 
vorkommt.  Aus  Allem  aber  erhellet,  dass  bei  diesem  Thiere  der  Rippen- 
Apparat  zusammengesetzter  gewesen  seyn  müsse ,  als  bei  irgend  einem 
andern  bekannten  fossilen  oder  lebenden. 

Ein  langes  gebogenes  Knochenstück  scheint  dem  Becken  angehört 
zu  haben. 

Das  Schenkelbein  ist  ungeheuer  gross  und  von  der  rechten 
Seite,  aber  in  mehreren  nicht  genau  zusammenpassenden  Theilen  erhal- 
ten worden  ;  es  muss  wenigstens  2^'  lang  gewesen  seyn.  Sein  obres 
Ende  jedoch  ist  wohl  erhalten,  aber  von  ganz  andrer  Bildung,  als  bei 
allen  bekannten  lebenden  oder  fossilen  Krokodilen  und  Eidechsen ,  ins- 
besondere als  bei  Megalosaurus  (Cuv.  oss.  V,  ii,  pl.  xxi,  fg.  18,  19). 

Das  Wadenbein,  die  Handwurzel-  und  Mittelhand-Knocheu 
haben  eine  dem  vorigen  entsprechende  Grösse  und  sonder  Zweifel  ihre 
eigenthümlichen  Merkmale ,  die  sich  aber  in  dem  Auszug  aus  der  Ori- 
ginal-Abhandlung nicht  hervorgehoben  finden. 

Die  Klauen-Beine  der  Hinterfüsse  haben  Ähnlichkeit  mit  denen 
der  Krokodile,  doch  Hess  sich  ihre  Gesammtzahl  nicht  genau  ermitteln.  Die 
anderen  Phalangen  sind  ebenfalls  denen  der  Krokodile  ähnlich,  doch  kürzer. 
Der  linke  Humerus,  Radius  und  K  u  b  i  t  u  s  sind  wohl  erhal- 
ten, zeigen  aber,  ausser  der  dieser  Theile  überhaupt,  keine  Ähnlichkeit 
mit  denen  lebender  Reptilien.  Der  Humerus  ist  nur  halb  so  lang  und 
dick,  als  derFemur:  Radius  und  Kubitus  stehen  zu  ersterm  im  Verhält- 
niss  ,  so  dass  die  Vorder  -  Extremitäten  ,  gegen  die  hinteren  genommen, 
auffallend  kleiner  gewesen  seyn  müssen,  als  bei  den  lebenden  Reptilien; 
jedoch  auch  bei  anderen  fossilen  Arten  aus  der  Gegend  von  Caen 
findet  dieses  Statt,  hauptsächlich  beim  Teleosaurus,  dessen  Hinter- 
beine wohl  entwickelt  sind ,  während  die  vorderen  nur  als  Rudimente 
erscheinen. 

Von  den  zwei  vorderen  Phanlangen  ist  am  Klauen-Gliede 
der  vom  Nagel  umschlossene  Theil  wohl  erhalten  und  viel  stärker  gebo- 
gen, als  an  den  hinteren. 

Das  Thier  hielt  also  das  Mittel  zwischen  Krokodilen  und  Eidech- 
sen,  besass  die  Grösse  des  Megalosaurus,  von  welchem  man  schon 
einige  Jahre  früher  ein  schönes  Zahn-Fragment  im  nämlichen  Kalke  bei 
Quilly  gefunden  hatte,  scheint  sich  aber  auch  von  diesem  in  den  Wir- 
beln und  dem  Schenkelbeine  (den  einzigen  vergleichbaren  Theilen)  we- 
sentlich zu  unterscheiden.  Vielleicht  gehörten  ihm  die  grossen ,  hoh- 
len, kegelförmigen ,  erhaben  gestreiften  Zähne  an,  welche  man  zu  wie- 
derholten Malen  schon  einzeln  im  nämlichen  Kalke  von  Caen  gefunden 
hat.  Der  Verf.  nennt  es  Poecilopleuron  Bucklandii,  um  im  Gc- 
schlcrhtsnamen  den  Haupt  -  Charakter ,  die  Manchfaltigkeit  der  Rippen 
(von  nomikoi  und  rtktvpov)  auszudrücken. 


—     101      — 

Diese  Knochen  waren  in  fast  100  Kubikfuss  Steinmasse  «erstreul 
und  musste  mühsam  und  einzeln  herausgearbeitet  und  durch  drei  Mo- 
nat lange  Anstrengung  gereinigt,  untersucht,  geordnet,  abgebildet  und 
beschrieben  werden ;  manche  andre  sind  dabei  in  die  Brüche  gegangen. 
Einer  der  Gabelknochen  der  Schwanzwirbcl  zeigte  eine  beträchtliche 
Exostose,  einer  der  hinteren  Phalanzen  war  theilweise  durch  Caries  zer- 
stört. Zwischen  den  Rippen  lagen  abgerollte  kleine  Quarzstücke ,  wel- 
che dem  Kalkstein  ofifenbar  fremd  sind  und  zweifelsohne ,  wie  es  auch 
lebende  Krokodile  etc.  thun ,  der  Verdauung  wegen  vom  Thiere  ver- 
schlungen worden  und  so  in  den  Magen  zwischen  die  Hippen  gelangt 
waren,  in  Gesellschaft  eines  C  e  s  t  r  a  ci  o  n-Zahnes,  der  wohl  auch  von 
der  Nahrung  des  Thieres  abstammt. 

Das  Gestein  ist  der  schlechthin  so  genannte  Calcaire  de  Cacn, 
arm  an  Versteinerungen,  unter  welchen  der  Verf.  nur  Ammonites 
giganteus  Sow. ,  Belemnites  haatatus  Blainv.,  Nucula  n  u- 
cleus  n.  sp.,  Avicula  digitata  n.sp.  und  Mya  scripta  Sow.  zu 
bestimmen  vermochte. 


R.  A.  Philippi  :  Enumeratio  molluscoruai  SiciUae  cum  viventium, 
tum  in  tellure  tertiaria  fossilium ,  quae  in  itinere  suo  observavit. 
XIV  et  267  pp.  cum  XI t  tab.  lithogr.  in  4**  {Berolini  1836).  Der 
Verf.  hat  sich,  mit  dem  verewigten  Fkiedr.  Hoffmann  und  mit  Arnold 
EscHEii  VON  DER  LiNTH ,  vom  September  1830  bis  April  1832,  also  über 
\h  Jahre  in  Sicilien  aufgehalten,  um  die  Mollusken  des  Landes  wie  des 
Meeres  ,  die  noch  lebenden  und  die  fossilen  tertiären  zu  sammeln  ,  die 
Gehäuse  ,  wie  deren  Bewohner  zu  studiren  ,  und  die  lebenden  mit  den 
fossilen  zu  vergleichen.  Das  Resultat  dieser  Studien  ist  es,  welches  er 
uns  hi.r  mittheilt:  auch  hat  er  selbst  diejenigen  Konchylien  -  Arten,  oft 
mit  den  Thieren,  von  welchen  noch  keine  guten  Abbildungen  in  leichter 
anzuschaffenden  Werken  vorhanden  gewesen,  lithographirt ,  so  dass  die 
zahlreichen  Abbildungen  bei  diesem  Werke  —  an  270  Arten  —  hiedurrli 
einen  doppelten  Werth  erlangen. 

Was  die  lebenden  Arten  des  Mittelmeeres  betrifft,  so  hatten  wir  bis  jetzt 
hauptsächlich  die  stümperhatten  Beschreibungen  und  einige  Abbildungen 
von  Risso  über  die  bei  Niz%a  vorkommenden  Arten  (1826),  den  Ka- 
talog von  Payraudrau  nebst  vielen  guten  Abbildungen  über  die  Corsi- 
schen  Arten  (1826),  die  von  Costa  über  die  Siziliamschen  (1829),  die 
illuminirten  Abbildungen  in  der  Dcncription  de  VEgypte  und  ganz  neuer- 
lich die  guten  Beschreibungen  von  DESHArES  mit  vielen  illuminirten  Ab- 
bildungen \\\^e\  Expedition  scientifique  de  Muree  (1836),  welche  der  Verf. 
noch  nicht  benutzen  konnte,  so  wie  Contraine's  Arbeiten.  Costa  hatte  358, 
Payraudeau  366  lebende  Arten  gesammelt,  der  Vf  gibt  deren  über  500  (alle 
ohne  die  mikroskopischen  Polythalamien),  mithin  bei  weitem  die  vollstän- 
digste  Übereicht.    Die  fossilen  tertiären  Arten  SizUiena  waren  bisher  noch 


—     102     — 

nicht  eigens  gesammelt  und  beschrieben  worden;  doch  stimmen  sie  im 
Ganzen  sehr  mit  den  subapenninischen  überein,  deren  Beschreibung  und 
Abbildung  Brocchi  geliefert,  und  welche  Referent  mit  den  altern  ter- 
tiären zusammengestellt  und  aufgezählt  hat,  722  an  Zahl,  womit  haupt- 
sächlich verbunden  werden  muss,  was  Risso  a.  a.  0.  von  Nizza,  Mab- 
CBL  DE  Serres  aus  Süd-Frankreich  und  Deshayes  a.  a.  O.  aus  Morea 
bekannt  gemacht  haben.  Der  Verf.  nun  sammelte  350  tertiäre  Ar- 
ten in  Sizilien ,  eine  Zahl ,  welche  mit  der  der  lebenden  fast  gleich 
ausfallt,  wenn  man  die  vielen  lebenden  Land  -  und  Süsswasser-,  so  wie 
die  nackten  Mollusken  beseitigt.  Auch  bei  ihrer  Bearbeitung  hat  er 
leider  das  Werk  von  Deshayes  noch  nicht  benützen  können. 

Da  dem  Verf.  auf  einer  längern,  zu  diesem  Zwecke  unternommenen 
Reise  ein  fortgesetztes  Studium  der  Gegenstände,  die  Benützung  vieler 
beachtenswerthen  Privat-  und  öflFentlichen  Sammlungen  und  ausgezeich- 
nete literarische  Hülfsmittel  vergönnt  waren  und  ein  grosser  Fleiss  sich 
in  der  ganzen  Ausarbeitung  nicht  verkennen  lässt,  so  kann  das  Werk 
als  eines  der  allerbeachtenswerthesten  Erscheinungen  zum  Studium  der 
jüngeren  Formationen  Europas  angesehen  werden.  Es  beweiset  ferner 
einen  Reichthum  des  Mittelmeeres  an  lebenden  Mollusken-Arten,  den  man 
noch  vor  nicht  sehr  langer  Zeit  nicht  geahnt  hatte,  wesshalb  sich  auch 
gewisse  frühere  Ansichten  über  das  Verhältniss  der  tertiären  Europäi- 
schen Meere  zu  den  jetzigen  immer  mehr  als  ungegründet  erweisen.  Auch 
werden  hier  für  manche  tertiäre  Arten  die  lebenden  Analogen  entweder  zum 
ersten  Male ,  oder  richtiger  als  bis  jetzt ,  nachgewiesen.  Die  allgemei- 
nen Resultate  aus  dieser  Arbeit  hat  der  Verf.  bereits  selbst  in  diesem 
Jahrbuche  (1834,  S.  516— 520)  in  gedrängter  Weise  mitgetheilt,  und  er  erregt 
die  Hoffnung  solche  vielleicht  noch  ausführlicher  zu  bearbeiten.  Des 
Details  aber  ist  zu  viel ,  um  hier  auf  einen  weiteren  Auszug  aus  dem- 
selben eingeben  zu  können ;  auch  war  uns  die  Zeit  noch  nicht  vergönnt, 
das  Werk  in  dieser  Absicht  aus  kritischem  Gesichts-Punkte  zu  studiren, 
dessen  Anzeige  wir  dem  ungeachtet  nicht  verzögern  zu  dürfen  glaubten. 


L.  Agassiz:  Notitz  über  die  Fossil-Reste  des  Kreide- 
Gebildes  im  Neuchateier  Jura  (Memoir.  d.  Neuchät.  1836,  /,  p.  126— 
145,  pl.  XIV).  Der  Verf.  beschäftigt  sich  in  dieser  Iten  Abhandlung  nur 
mit  den  Echinodermen ,  findet  aber  überhaupt  nicht ,  dass  die  er- 
wähnten Schichten  *)  wie  einige  Geologen  glauben,  ein  Gemenge  von  Jura- 
und    Kreide-Versteinerungen  enthalten.     Er  beschreibt  ausführlich  : 

1.     Holaster  **)  complanatus  Ag.  128,  fg.  1.  (Lang ;  —  Bourg. 


*)  Vergl.  die  Abhandlung  von  MosxMotti»  über  dieselben,  die  wir  pag.  80  im  Auszug 
mittheilten.  D«  R- 

**)  Über  die   neuen   generischen  Namen   gibt    eine  andre  Abhandlung   de«  Verfs.   Re- 
eh«oschaft,  wovon  wir  «inen  Auszug  in  diesem  Jahrbuch  nacihliefern  werden.  D.  R. 


«»' 


—     103     — 

fg.  328,  1329  i  530,  343  u.  n. :  —  Echinus  Spafangus  Bbeyn  Echin. 
tab.  F,  fg.  3,  4  ;  —  Echinus  complanatus  Lin.  ed.  Gmel.  5  —  Spatangus 
Hclvetianus  Defr.  ;  —  Spatangus  rctusus  Lamk.  histf  Goldf.  Verstein.,  ; 
—  Spatangus  complanatus  Blainv;  —  Spatangus  argillaceus  Phill. 
Qeol.  Yorksh.  pl.  2^  fg.  4).     Zumal  im  oberen  Tlieile  der  Mergel. 

2.  Nucleolites  lacunosa  Goldf.,  Ag.  132  (Bourg.  fg.  331, 
332).     In  den  Mergeln. 

3.  Nucleolites  Olfersii  Ag.  133,  fg.  2,  3.     Vorigem  ähnlich. 

4.  Echinolampas  Montmollini  Ag.  134  fg.  4,  5,  6  (Ghelonite 
BouRG.  fg.  352).  In  den  Mergeln,  wie  im  gelben  Kalke  zu  Chätillon, 
Vauxseyon^  Hauterive  und  la  Brevine. 

5.  Echinolampas  productus  Ag.  135,  dem  Ech.  Kleinii 
ähnlich.  Aus  dem  obcrn  Theile  des  gelben  Kalkes  am  Mormont  bei 
hasarra'si. 

6.  Echinolampas  minor  Ag.  136.  Kerne  vom  nämlichen  Fund- 
ort aus  den  obern  Schichten  des  gelben  Kalkes. 

7.  Catopygus  obovatus  Ag.  136.    Mit  vorigem,  unvollständig. 

8.  Discoidea  macropyga  Ag.  137  ,  fg.  7,  8,  9  ;  dem  Gale- 
ritcs  depressus  Lamk.  ähnlich  (Bourg.  fg.  334 ,  335).  In  Mergeln  zu 
Hauterive. 

9.  Diadem  a  ornatum  Ag.  139  (Cidarites  ornatus  Goldf. 
123,  Tf.  40,  Fg.  10 ;  Bourg.  fg.  338).  In  blauen  Mergeln  ,  etwas  klei- 
ner, als  bei  Goldfuss. 

10.  Diadem  a  rotulare  Ag.  139,  Fg.  10,  11,  12  (Bourg.  336, 
337,  339,  340,  345,  346).  Gemein,  zumal  in  den  Mergeln,  bis  lo'" 
breit. 

11.  Salenia  peltata  Ag.  140,  Fg.  13—15.  Von  L,  Coulon  im 
obern  Theile  des  gelben  Kalkes  am  Mormont,  —  auch  längs  des  Mer- 
dasson  gefunden. 

12.  Cidaris  veticulosa  Goldf.  Stacheln  in  den  obern  Thei- 
len  des  gelben  Kalkes  zu  Neiichatel  und  am  Mormont  sehr  häufig. 

13.  Cidaris  clunifera  Ag.  142,  Fg,  16—18  (Bourg.  364). 
Stacheln ,  denen  von  C,  glandifcra  ähnlich ,  sehr  häufig  im  gelben  Kalk 
am  Mormont  und  Mail. 

14.  Arbacia  granulosaAG.  142  (Echinus  granulosus 
MÜNST.,  Goldf.  125,  Tf.  49,  Fg.  5).     Im  gelben  Kalk  am  Mormont 

15.  Goniasterporosus  Ag.  143,  Fg.  19—21.  Randtäfelchen, 
in  blauen  Mergeln  überall  gemein. 

16.  Goniaster  Coulon  i  Ag.  144,  Fg.  22—24.  Desgl.  zu 
Hauterive  und  am  Roc. 


QuENSXEDT :    über     die    Enkriniteu     des    Muschelkalks 
(WiBGM.  Arch.  i835,    II,    223—228).      Unter  35  der  schönsten,    theils 


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offeuen,  tliells  geschlossenen  Kronen  des  Encrinites  liliiformis  v. 
ScHL.  (E.  monilifortuis  Mill.)  findet  sich  auch  eine,  die  nach  ge- 
nauerer Untersuchung,  wenn  nicht  eine  Monstrosität,  eine  zweite  Art 
bilden  durfte,  wofür  Q.  vorschlägt  den  Namen  : 

1.  Ecrinites  Schlotheimii  (Tf.  IV,  Fg.  1).  Von  ihrem  dreh- 
runden Stiele  ist  nur  noch  das  obere  Ende  0,"7  lang  übrig,  das  über 
30  Trochiten  zählt,  wovon  5  mit  den  übrigen  abwechselnde  dicker  und 
breiter  hervorstehen.  Becken  unsichtbar.  Erste  und  zweite  Rippen- 
Glieder  und  das  Schulterblatt- Glied  wie  gewöhnlich;  doch  an  letatrem 
die  eine  (linke)  seiner  zwei  obern  Gelenkflächen  breiter  als  die  andre. 
Die  schmale  trägt  wie  gewöhnlich,  ein  Arm-  und  darauf  ein  Handwurzel- 
Glied  ,  worauf  sich  zwei  Hände  setzten ,  die  sich  in  zwei  (wahrschein- 
lich mit  Tentakeln  versehene)  Finger  theilen.  Die  breite  trägt  auch  ein  Arm- 
und  darauf  ein  Handwurzel- Glied,  deren  linke  Geleukfläche  aber  auch, 
wie  an  der  Skapula,  breiter  ist,  als  die  rechte,  und  nun  noch  zwei  ein- 
geschobene Glieder  aufcinanderträgt ,  auf  deren  obrem  erst  die  zwei- 
fingerigen  Hände  sitzen,  während  sich  die  rechte  Gelenkfläche  normal 
verhält.  Die  Skapula  trägt  mithin  rechts  einen  zwei-,  links  einen  drei- 
händigen Arm.  Ebenso  verhält  sich  die  zweite  Skapula,  links  von  dieser; 
ebenso  die  dritte  ,  ihr  zur  rechten  ,  nur  dass  an  ihr  die  breiteren  Flä- 
chen mit  den  eingeschobenen  Gliedern  nicht  links,  sondern  rechts  befind- 
lich sind.  Die  vierte  und  fünfte  Skapula  lässt  sich  nicht  beobachten: 
sie  würden  vielleicht  zu  einer  Unterscheidung  von  vorn  und  hinten  bei 
diesen  Thieren  leiten.  Diese  Krone  nähert  sich  auf  diese  Art  schon  et- 
was den  Pentacriniten  und  ist  kleiner,  als  bei  Encr.  liliiformis, 
nur  l"  dick  und  etwa  2'^  Preuss.  lang.  Die  Gelenkflächen  der  Trochiteu 
sind  unbekannt.  Dieses  Fossil  stammt  der  Etiquette  zu  Folge  vom 
Heinberg  bei  Göttingen. 

2.  Encrinites  dubius  (Tf.  IV,  Fg.  2).  In  Schlothbiivis  Samm- 
lung findet  sich  ein  gegen  5"  langes  ,  schönes  .Säulenstück  auf  charak- 
teristischem Muschelkalk,  zwischen  Friedrichrode  und  Waltershausen 
im  Gothaischen  gefunden  ,  das  Schlotheii»  alsPentacrinites  vul- 
garis bezeichnet  und  wovon  er  ein  Glied  in  seiner  Petrefaktcn  -  Kunde 
ni,  Tf.  xxix.  Fg.  2  freilich  sehr  schlecht  abgebildet  hat.  Es  ist  fünfkantig, 
seine  Seiten  sind  oben  stark  vertieft,  nach  unten  werden  sie  flächer 
und  dürften  sich  weiter  gegen  die  Wurzel  hinab  sogar  gewölbt  haben. 
Alle  0,"4  befindet  sich  daran  ein  Trochit ,  welcher  höher  als  die 
8  — 10  dazwischen  liegenden  Glieder  und  mit  5  runden,  über  l" 
langen  Seiten -Armen  versehen  ist.  Die  unteren  Glieder  der  Säule 
nehmen  an  Breite,  die  der  Arme  an  Länge  zu;  jene  tragen  auf  ihren 
Gelenkflächen  die  Zeichnung  wie  bei  den  Pentacriniten,  diese  ha- 
ben nur  eine  erhabene  Queerlinie  darauf.  Sie  stimmen  genau  mit  de-, 
nen  des  Pentacrinites  dubius  Goldf.  überein  und  liegen  zu  Rü- 
der sdorf  mit  denen  von  Encrinites  liliiforuiis  und  mit  Zähnen  von 
Dracosaurus  Bronn ii  in  grosser  Menge  beisammen,  und  gehen  dort 
selbst  bis  in  die  Nagel-Schichte  hinab,  welche  durch  ihre  Stylolithen 


—     105     — 

ausgezeichnet  ist,  die  dem  Verf.  nur  als  unorganische  Absonderun- 
gen erscheinen  ,  wie  er  nächstens  weiter  auseinandersetzen  will.  Ahn- 
liche Glieder  aus  andern  Gegenden  Thüringens,  ebenfalls  in  Muschel- 
kalk, sind  noch  viele  in  Schlotheim's  Sammlung.  Endlich  hat  von  De- 
CHBN  diese  Art  im  Schlesischen  Muschelkalk  entdeckt.  Die  scharfe 
Abgrenzug  des  Muschelkalkes  vom  Jura  -  Gebilde  überhaupt  macht  es 
dem  Verf.  wahrscheinlich  ,  dass  diese  Säulenstücke  ,  obschon  denen  der 
Pentakriniten  ähnlich  ,  doch  einem  andern  Geschlechte  und  zwar  den 
auf  den  Muschelkalk  beschränkten  Enkriniten  angehört  haben,  wess- 
halb  er  sie  mit  dem  Namen  Encrinites  dubius  bezeichnet, 

3.  Herr  von  Decken  hat  aus  dem  Schlesischen  Muschelkalke  auch 
solche  Trochiten,  deren  Gelenkflächen  die  Zeichnungen  der  Apiocriniten- 
Glieder  haben:  vielleicht  gehören  sie  zu  Encrinites    Schlotheimii. 


Ehrenberg:  Notiz  über  fossile  Infusorien  (Sitz,  der 
Berliner  Akademie,  1836,  27.  Juni  >  Vlnstit  1836,  271—272  und 
WiEGM.  Archiv  für  Naturgeschichte  1836,  III,  333  —  336).  Ein  Stück 
Kieseiguhr  oder  erdiges  Kiesel-Hydrat,  welches  man  in  den  Torfmooren 
zu  Franzensbad  in  Böhmen  findet,  wurde  vom  Porzellan  -  Fabrikanten 
Fischer  in  Carlsbad  an  den  Verf.  mit  dem  Bemerken  gesendet,  dass 
ihm  solches  aus  den  geglüheten  Skeletten  einiger  Navicula-Arten  zu 
bestehen  scheine. 

Ehrenbercs  mikroskopische  Untersuchung  bestätigte  diese  Ansicht: 
dieser  Kieseiguhr  besteht  fast  ganz  aus  wohlerhaltenen  Navikulen  mit 
einigen  Bacillarieen.  Die  durchscheinende  BeschaflFenheit  der  kiese- 
ligeu  Schaalen  und  der  Mangel  aller  organischen  Materie  darin  macht 
auch  die  Einwirkung  eines  starken  Feuers  wahrscheinlich  ;  da  aber  fast 
die  ganze  Masse  aus  N.  viridis  besteht,  welche  in  den  Sümpfen  um 
Berlin  so  häufig  ist ,  so  ist ,  gegen  Fischer's  Ansicht ,  die  Entstehung 
dieser  Materie  auf  dem  Meeresgrunde  nicht  wahrscheinlich.  Auch  im 
Torfe  dortiger  Gegend  erkennt  man  leicht  die  Naviculae  mit  einigen 
andern  Arten  des  Süsswassers,  jedoch  vergesellschaftet  mit  einer  vorherr- 
schenden Menge  ganz  fremder  Formen.  Das  von  Klaproth  analysirte 
Exemplar  Kieselguhr  von  I sie  de  France  und  ein  ebenfalls  von  ihm  her- 
stammendes von  Santa  Fiora  in  Toscana,  welche  im  Bertiner  Mineralien- 
Kabinet  niedergelegt  sind  ,  bestehen  ganz  aus  Bacillarieen,  den 
noch  lebenden  Arten  fast  durchaus  ähnlich ,  und  aus  einigen  Spiculae 
von  See-  und  Süsswasser-S  p  ongien,  fast  oline  alles  Bindemittel.  Schon 
1834  hatte  E.  die  Akademie  benachrichtigt,  dass  H.  Rose  und  er  Kützings 
Entdeckung  boslati^^t  hätten,  dass  nämlich  die  Panzer  der  Bacillariee  n 
ganz  aus  Kie^iclerde  bestehen,  so  dass  jene  Fossilrestc  nur  als  unmittel- 
bare Überbleibsel  dieser  Infusorien  zu  betrachten  sind.  Ferner  hat  E. 
seit  mehreren  Jahren  beobachtet,  dass  die  ockergelbe  Substanz,  welche 


—     106     — 

sich  auf  dem  Grunde  mancher  Bäche  und  Gruben  oft  in  grösserer  Mäch- 
tigkcit  absetzt  und  in  der  Hitze  sich  wie  Eisenoxyd  röthet ,  in  ihren 
Massetheilchen  die  Form  einer  Bacillariee  darbiete ,  welche  er  als 
Gaillonella  ferruginea  (Taf.  X)  abgebildet  und  beschrieben  hat. 
Im  Besondern  hat  derselbe  bisher  fossil  entdeckt: 

A.  im  Kieseiguhr  von  Franzensbad  lauter  Bacillarieen, 
nämlich:  1.  Navicula  viridis  die  Hauptmasse  bildend,  von  ungleicher 
Grösse,  selbst  bis  zu  f  Linie  Länge,  2.  N.  gibba,  3.  N.  fulva,  4.  N. 
li b  r i i  e,  5.  N.  s  t r  i a  t u I a,  6.  N.  v i  r  i d u  1  a,  7.  G o m p  h  o n e m  a  p  a- 
radoxuro,  8.  G.  clavatum,  9.  Gaillonella  varians,  welche 
alle  ihren  lebenden  Analogen  gänzlich  gleichen  ,  und  wovon  nur  5  und 
6  dem  Salzwasser  angehören. 

B.  In  den  Torfmooren  von  Franzensbad  ebenfalls  nur  B  a  c  i  1 1  a- 
rieen:  Navicula  granulata  als  vorherrschende  und  lebend 
nicht  bekannte  Form,  2.  N.  viridis,  3.  Bacillaria  vulgaris,  4. 
Gomphonema  paradoxum,  5.  Cocconeis  undulata,  wovon 
diese  vier  noch  lebend  vorkommen  ,  aber  nur  die  letzte  sich  in  Salz- 
wasser findet. 

C.  In  Bergmehl  von  Santa  Fiora,  durch  Klaproth  analysirt,  auch 
nur  Bacillarieen:  1.  Synedra  capitata,  eine  sonst  nicht  be- 
kannte, die  Hauptmasse  bildende  Art,  2.  S.  ulna,  3.  Navicula  librile, 

4.  N.  gibba,  5.  N.  viridis,  6.  N.  capitata,  7.  N.  Zebra,  8.  N. 
phoenicenteron,  9.  N.  inaequalis  (alle  noch  in  Süsswassern 
lebend),  10.  N.  viridula  (aus  Salzwasser),  11.  N.  granulata,  12.  N. 
follis  (beide  sonst  unbekannt),  13.  Gomphonema  clavatum,  14. 
G.  paradoxum,  15.  G.  acuminatum  (alle  aus  Süsswassern  bekannt), 
16.  Cocconema  cymbiforme  (dgl.)  ,  17.  Cocconeis  undulata 
(aus  Salzwasser),  18.  Gaillonella  Italica  (neue  Art)  ;  auch  Spi- 
culae  einer  S  p  o  n  g  i  a  oder  S  p  o  n  g  i  1 1  a.     Endlich : 

D.  In  Klaprotu's  Kieseiguhr  von  Isle  de  France  ebenfalls  nur 
Bacillarieen,  als:  1.  Bacillaria  vulgaris?  die  Müsse  haupt- 
sächlich zusammensetzend,  noch  im  Meere  lebend,  2.  B.  major  (neu), 
3.  Nav.  gibba  (noch  lebend  in  See-  und  Süss-Wassern),  4.  N.  neue  Art, 

5.  N.  bifrons.     Nur  in  diesem  Minerale  dominiren  die  marinen  Arten. 


Ehrenberg's  weitere  Beobachtungen  über  fossile  Infu- 
sorien {ibid.  30.  Juni  ^  Vlnstit  273).  Alle  vom  Verf.  untersuchten 
schieferigen  Tripel  und  Polirschiefer,  welche  zum  Theil  \om  Harz  kommen 
sollen,  aber  wahrscheinlich  alle  vom  Kritzscheiberg e  bei  Bilin  in  Böhmen 
herstammen,  wo  mächtige  Schichten  daraus  bestehen,  sind  fast  ganz  aus 
Gaillonella  distans,  einer  neuen  Art,  in  Gesellschaft  von  P  o  d  o-  | 
sphenia  nana,  einem  neuen  Genus,  von  Navicula  scalprum? 
und  von  Bacillaria  vulgaris  zusammengesetzt,  welche  letzteren 
zwei  in  Salzwasser   noch   lebend   vorkommen.     Der  Polirschiefer  enthält  \ 


I 


—     107     — 

noch  Pflanzen- Abdrücke  und  Leuciscus  papyraceus  Bronn.  — 
Der  M  c  n  i  I  i  t  enthält  nur  undeutliche  Spuren  von  G  a  i  1 1  o  n  e  1 1  a 
d  i  s  t  a  n  s.  Diese  Art  hat  höchstens  ^Is  Linie  Länge ,  nur  selten  ist 
sie  noch  etwas  grösser,  und  ein  Kubikzoll  jenes  Schiefers  enthält  we- 
nigstens 21,000  Millionen  solcher  Thiere. 


DujiRDiN  hat  Ehrbnberg's  Beobachtungen  an  Polirschiefern  von 
Bilin  wiederholt  und  bestätigt.  Er  beschreibt  die  Thierchen  ausführli- 
cher ,  welche  denselben  zusammensetzen.  Sie  haben  0,010  bis  0,016 
eines  Millimeters  Breite  und  erscheinen  in  Form  gegliederter  Walzen- 
förmiger Röhren  aus  aneinander  gereiheten ,  etwas  flach  gedrückten 
Ringen  gebildet,  deren  jeder  eine  äusserst  dünne  Scheidewand  darbietet. 
Die  übrigen  Polirschiefer  in  den  mineralogischen  Sammlungen  zu  Paris 
bieten  unter  dem  Mikroskope  nur  kleine  Kieselkörnchen  dar  ohne  orga- 
nische Spuren.  Die  Schiefer  von  Bilin  und  Santa  Fiora  scheinen  dem 
Verf.  sehr  neuen  Ursprungs  und  etwa  wie  die  Niederschläge  des  Gt'y- 
$ers  entstanden  zu  seyn  (flnstit  1836,  IV,  245). 


De  Brebisson:  über  die  kieseligen  Decken  der  Infusorien 
iVInst  1836,  IV,  378).  Der  Verf.  hat  am  14.  Nov.  der  Französischen 
Akademie  Nachricht  von  seinen  Versuchen  über  die  Diatomeen- 
Familie  der  Infusorien  mitgetheilt.  Am  meisten  beschäftigte  er  sich 
mit  Fragilaria  pectinalis,  die  aus  flachen  oder  schwach  rinuen- 
förmigen  Fäden  besteht,  welche  an  ihren  dicht  gedrängten  Gliederungen 
leicht  entzweibrechen.  Im  Wasser  entwickelt  sie  sich  in  Form  röthlich- 
brauner  Flocken  •,  getrocknet  wird  sie  zu  einem  blättrigen ,  grünlich- 
weissen,  sehr  glänzenden  Staube,  der  sich  zart  anfühlt,  wie  der  schup- 
pige Talk  von  Brian^on.  Vor  dem  Löthrohr  behandelt ,  verbrannte 
zuerst  etwas  fettige  Materie  aus  dem  Zwischenraum  der  Decken.  In 
der  Weissglühhitze  verbreiteten  diese  Theile  einen  ausserordentlichen 
(Krystall)  Glanz.  Nach  dem  Erkalten  unter  dem  Mikroskop  untersucht 
ergab  sich,  dass  diese  nur  ^^^  Millimeter  dicke  Fäden  durch  jene  Hitze 
nicht  die  mindeste  Form  -  Änderung  erfahren.  Die  Gliederchen  oder 
Fächerchen  waren  leer  geworden ,  aber  die  zartesten  Streifen  hatten 
sich  wie  im  Lebon  erhalten.  Die  Kalzination  im  Schmclztiegel  ergab 
dasselbe  Resultat.  Die  vorher  grünliche  Masse  war  weiss  geworden, 
trocken  ,  rauh  anzufühlen  ,  durch  Salpetersäure  unangreifbar.  Sie  war 
reine  Kieselerde,  wie  auch  daraus  hervorging,  dass,  mit  Kali  -  Hydrat 
geschmolzen,  sie  ein  in  Kali  lösliches  Glas  gab. 

Viele  Arten  von  Melosira,  Diatom  a,  Gomphonema,  Frust  u- 
Ha  eben  so  behandelt,  gaben  dasselbe  Resultat:  alle  lieferten,  ohne 
sich  zu  entformon  ,  eine  weisse  staubartige  Materie  ,    die  sich  ganz  wie 


-      108      ~ 

Tripel  verhielt.  Eiirenberg's  Navicula  viridis  gibt  nach  der  Kal- 
sinirung^  einen  weisslichen  Staub^  der  unter  den»  Mikroskope  sich  ganz 
übereinstimmend  zeigt  mit  dem  Kiesel  -  Niederschlag  von  Fran%ensbad. 
Die  Arten  der  durch  Kützing  von  den  Diatomeen  abgesonderten  Des- 
midaceen-  Sektion  verhielten  sich  dagegen  sehr  abweichend ,  und 
erwiesen  eben  auch  hiedurch  das  Gegründete  dieser  Trennung.  —  Tur- 
PiN  bestätigte  den  grössten  Theil  dieser  Beobachtungen. 


Dr.  Mayer  fand  fossile  Infusorien  nicht  im  Kieseltuff  über 
Hornstein  in  der  Braunkohlen  -  Formation  von  Rott  im  Siebengebirge ; 
nicht  in  der  schieferigen  Braunkohle  vom  Stösschen  bei  Lin%  am  Rhein 
{Rheinland  -  Westphalen  I,  339);  nicht  im  faserigen  Holzopal  von  Lei- 
mersdorf  an  der  Ahr ,  noch  in  Kieseiguhr  von  Island;  wohl  aber  im 
Polirschiefer  vom  Habichtswald  in  Hessen^  der  fast  ganz  daraus  zusam- 
mengesetzt war.  Sehr  schmale  Naviculae  ^g'"  laHg(?N.  gracilis) 
fanden  sich  vorwaltend  in  Gesellschaft  von  noch  kleineren  Arten  desselben 
Geschlechts,  von  Bacillariae,  Synedrae  u.  s.  w.  (Frorieps  Notiz. 
1836,  L,  54). 


Schmerling:  über  Kunst  -Erzeugnisse  in  den  Lütticher 
Knochenhöhlen  (Bullet,  geol.  1835,  VI,  170  —  173).  1)  In  der 
Höhle  von  Chokier,  links  an  der  Wand  zwischen  Rhinozeros- Gebeinen, 
lag  ein  grob  dreikantig  zugeschnittenes  Knochenstück ,  auf  den  Seiten 
wohl  polirt,  an  der  Basis  von  einem  künstlichen  Loche  mit  ungleichen 
und  abgerundeten  Rändern  schief  durchbohrt,  das  vielleicht  einmal  als 
Zierrath  gedient  haben  mag.  —  2)  In  der  Höhle  von  Engis ,  welche 
einen  Menschel  -  Schädel  u.  a.  Gebeine  geliefert ,  ist  ein  zugespitztes 
Knochenstück  vorgekommen ,  woran  man  die  Spuren  des  Schneide^ 
Instrumentes  wohl  erkennt.  Es  hat  die  Form  einer  Nadel  und  mag 
zum  Bohren  gedient  haben.  An  der  Basis  ist  es  von  Stalagmit  umhüllt ; 
es  scheint  von  einem  Fisch  herzurühren.  —  3)  In  der  Höhle  von  Fond- 
de- Forest  sind  einige  regelmässig  geschnittene,  kleine  Stücke  Hörn 
von  nicht  zu  bestimmender  Thier-Art  vorgekommen.  4)  Endlich  ent- 
halten mehrere  Knochen  -  Höhlen  Feuerstein  -  Stücke  von  regelmässiger 
und  gleichartiger  Form,  und  zwar  in  einiger  Häufigkeit,  wenn  sie  auch 
viele  Knochen  einschliessen.  Ihre  Länge  und  Breite  sind  veränderlich ; 
sie  besitzen  eine  ebene  und  eine  dreikantige  Seite ,  deren  Flächen  von 
fast  gleicher  Grösse  und  deren  äusseren  Ränder  scharf,  die  Enden  stumpf 
sind;  vielleicht  sollten  diese  Steine  dazu  dienen,  Pfeilspitzen  und  Messer 
zu  machen.  —  Es  ist  nicht  möglich,  dass  diese  Kunst- Erzeugnisse  erst 
nach  der  Ausfüllung  der  Höhlen   in    dieselben   gelangt  und   mithin    (wie 

I 


—      109      - 

die  Menschenknochen  auch)  neueren  Ursprungs  soyen,  als  die  Knochen 
der  ausgestorbenen  Thiere  [welche  aber  zweifelsohne  sich  auf  sekundä- 
rer Lagerstätte  befinden.    Br.]. 


Düvernoy:  fossile  Knochen  vom  Bastberg  bei  Bouxwiller 
(Strasburger  Akad.  1836,  15.  Juni  >  V Institut  1836,  IV,  345).  Bis 
jetzt  man  das  Genus  Lophiodon  von  Tapir  nach  den  Zähnen  unter- 
schieden, den  Schädel  des  ersten  aber  noch  nicht  gekannt.  Ein  solcher 
hat  sich  kürzlich  mit  andern  Lophiodon  -  Resten  im  Süsswasserkalk  zu 
Bouxwiller  gefunden.  Er  scheint  etwas  zerdrückt ,  die  Nasenbeine 
fehlen ,  aber  die  Stellung  der  sehr  weiten  ,  fast  bis  zum  Scheitel  rei- 
chenden Schläfengruben  ist  das  unterscheidenste  Merkmal  zwischen  diesem 
und  dem  Tapir -Schädel.  Die  Backenzähne  sind  noch  wohl  daran  er- 
halten. 

Von  gleichem  Fundorte  stammt  ein  Kieferstück  mit  2  Backenzähnen, 
deren  einer  5 ,  der  andere  4  in  zwei  Queerjoche  geordnete  Höcker 
besitzt,  und  welches  von  einem  Thiere  aus  dem  Seh  wein -Geschlechte, 
kleiner  als  das  Pekari  herstammt.  Auch  den  Eckzahn  eines  Schweines 
hat  der  Verf.  von  dort  erhalten. 


Nyst  und  Galeotti  Notiz  über  ein  neues  Konchylien- 
Geschlecht  aus  der  Familie  der  Arcaceen  {Bull.  d.  VAc.  r. 
4e  Bruxell.,  1835^  II,  287—296,  u.  348).  Dieses  bereits  von  Dbshaybs  als 
solches  angedeutete  Genus  ist  aus  einer  Anzahl  bisheriger  Pectuncu- 
lus-  und  Nucula-Arten  gebildet,  welche  sich  durch  eine  dreieckige 
Schlossband -Grube  (daher  der  Name,  von  rptif^  yodvia  und  \oiKos  = 
Dreieck-Grube)  vi)n  der  Form  wie  bei  Pect  en  oderMya,  welche  in  der 
Mitte  in  oder  unter  der  Zahn -Reihe  liegt,  und  durch  den  Mangel  der 
winkeligen  Anheft-Linien  für  ein  äusseres  Schlossband  auf  dem  Schloss- 
felde unter  den  Buckeln  auszeichnen.  Die  Arten  zerfallen  in  zwei 
Reihen,  inPectunculaceen  und  in  Nuculaceen,  je  nachdem  sie  aus 
einem  jener  beiden  Genera  entnommen  sind.  In  der  lebenden  Schöpfung 
werden  beide  Gruppen,  jene  durch  Pect,  multistriatus  Desh.  vom 
Rothen  Meere,  diese  durch  Area  (Nucula)  minuta  Lm.  Brocch., 
N.  pella,  N.  Nicobarica,  N.  rostrata  repräsentirt.  Die  fossilen 
Pectunculaceen  sind  Pect,  granulatus Lmk.,  P.  a u r i t o i d e s  Galeotti, 
P.  auritus  Brocchi,  P.  scalaris  Sow.,  P.  nanus  Desh.,  P.  lima 
Gal.,  ?P. nuculatusLiviK.,  alle  tertiär;  dann  N u  cu  la  Desh ayesiana 
DucHAST.,  N.  striata^  N.  acuminata,  N.  minuta,  N.  nitida,  N. 
mucronata,  N.  emarginata,  N.  deltoidea,  N.  laevigata,  N. 
amygdaloides,  N.  palma,  N.  lanceolata;  und  noch  eine  Anzahl 
zweifelhafter  Arten  aus  beiden  Abtheilungen. 


—      110     — 

Chaudruc  de  Cruzannes:  über  eine  antediluvische  Kno* 
chen-Ablagerung  zu  la  Soute  bei  Pons ,  Charente  inferieure,  vor- 
geles.  b.  d.  Paris,  Akad.  1834,  19.  Mai  (f  Institut  1834,  II,  165—166). 
Unter  einer  6''  dicken  Dammerde  -  Schichte  liegt  eine  weiche ,  Kreide- 
artige Bank  mit  mehreren  Kalkstein-Stücken,  welche  an  ihrer  Nordseite 
l'  dick  ist,  gegen  Süden  aber  sich  verliert  und  mit  4  Tüisen  Erstreckung 
aufhört.  Darunter  folgt  eine  horizontale  Wechsellagerung  von  lehmiger 
und  von  sandiger  Erde,  welche  ockerfarbig  und  weiss  geädert  ist  und  harte 
Kalk  -  Geschiebe  und  die  Knochen  enthält.  Sie  hat  nirgend  über  3' — 4' 
Mächtigkeit,  und  ruht  auf  einer  horizontalen  Ablagerung  loser  Fels- 
blöcke. Die  Knochen  sind  sehr  zahlreich,  stammen  von  Ochsen, 
Pferden,  Wölfen,  riesenmäsigen  Elephanten,  einem  grossen 
Tiger,  mehreren  Nashornen,  Hippopotamen,  Hirschen  und  vie- 
len Nagern,  als  Haasen,  Kaninchen,  Ratten  u.  s.  w.  Auch 
solche  von  Büffeln,  Bisonten,  Renn- und  Elenn-Thieren  und,  wie 
es  scheint,  von  Hyänen  kommen  vor.  Diese  Knochen  sind  nicht  ver- 
steinert. Wo  sie  mit  der  Kreide  zusammenhängen ,  hangt  diese  fest  an 
ihnen  an  ,  während  sie  selbst  weich  und  zerreiblich  sind  und  es  an  der 
Luft  noch  mehr  werden.  Kunst-Erzeugnisse  hat  man  nicht  dabei  be- 
merkt. —  Zu  Bringues  (Lot)  und  zu  Pey  de  VA%e  {Dordogne)  hat  man 
vor  einigen  Jahren  ähnliche  Ablagerungen  gefunden. 


Link  :  über  die  Thier-Fährten  im  Hildbiirghäuser  Sand- 
steine (eine  Vorlesung  bei  der  Französ.  Akademie  am  26.  Oktober 
1835,  Atin.  sc.  nat  1835,  B,  IV,  139  —  141  und  Bibl.  univers.  Scienc. 
et  Arts,  1835,  LIX,  395  —  399).  Link  hat  im  August  1835  drei  der 
Steinb^che  untersucht,  worin  diese  Fährten  vorkommen  (s.  Jahrb.  1835, 
S.  230)  und  im  Allgemeinen  Sickler's  u.  A.  frühere  Beobachtungen  be- 
stätigt gefunden.  Er  unterschied  vier  Arten  von  Fährten.  Bei  der 
bereits  als  der  gewöhnlichsten  bekannten  Art  schien  ihm  das  Schnüren, 
das  Voreinandersetzen  der  rechten  und  linken  Extremitäten  nicht  allein 
in  einer  geraden  Linie ,  sondern  sogar  so  im  Kreutz ,  dass  die  Daumen 
nach  aussen  gekehrt  zu  seyn  scheinen ,  sehr  auffallend ,  und  er  schrieb 
es  einem  Gehen  „enfauchant"  zu.  Das  Nahebeisammenseyn  der  Vorder- 
und  Hinter-Fährten  seye  Folge  des  Gehens  im  Trott  „amble**  [ist  falsch  f 
vgl.  oben].  —  Er  theilt  ferner  die  Ansicht  Münster's  ,  dass  diese  Fähr- 
ten von  einem  Reptile  herstammten ,  weil  alle  Säugethiere  mit  abge- 
sondertem Daume  Sohlengänger ,  von  den  Sohlen  aber  keine  Spuren 
hinter  den  Abdrücken  sichtbar  seyen.  [Ist  auch  beim  lebender  Bären 
nicht  der  Fall],  Link  führt  die  Batrachier  als  Beispiele  von  Reptilien 
mit  abgesondertem  Daum  und  oft  kleineren  Vordertatzen ,  die  Salaman- 
der als  Beispiele  trottender  Pieptilien  und  das  Chamaeleon  als  einzig 
vorkommendes  Beispiel  von  „671  fauchant^*  gehenden  Reptilien  an.  [Die 
wiederholt    aufgestellte    Annahme,    dass    diese    Fährten    von    Reptilien 


—    111    - 

abstammen  miissen,  hat  sicher  wohl  nur  den  Grund  im  Hinterhalte,  dass 
man  bis  jetzt  keine  Säugethier- Reste  in  so  alten  Gebirgs  -  Formationen 
kannte.]  Das  erhabene  Maschenwerk  [eine  gar  nicht  so  seltene  Er- 
scheinung in  verschiedenen  Sandstein  -  Gebilden]  leitet  er  von  Wurzeln 
oder  vielmehr  Wurzelstöcken  ab,  die  wie  bei  Acorus  calamus  an  der 
Oberfläche  des  Sumpfbodens  uraherkröchen  und,  wie  an  einem  2u  Paris 
gesehenen  Exemplare  von  Taxus  ausnahmsweise  der  Fall,  sich  an  den 
Kreutzungs-Punkten  regelmässig  aufeinander  geimpft  hätten ! 


Die  Plastik  der  Urwelt  im  Werra-TbaAe  bei  Hildburghausen, 
oder  C.  Kessler:  die  vorzüglichsten  Fährten-Abdrucke  ur- 
weltlicher Thiere  im  bunten  Sandsteine  aus  den  Sandstein» 
Brüchen  der  Umgegend  von  Hildburghausen ,  treu  nach  der 
Natur  gezeichnet  und  lithographirt,  mit  einem  Vorwort 
herausgegeben  von  Sickler.  Erstes  Heft,  8  SS.  in  klein  fol., 
Viriith.  Tafeln  und  1  Karte  in  doppeltem  Formate.  Hildburgh  1836, 
klein  fol. 

Der  Text ,  welcher  nur  in  einem  kurzen  Vorwort  und  einer  Erklä«> 
rung  der  Tafeln  besteht,  ist  ganz  von  Sickler,  dessen  eben  gemeldeten 
Tod  wir  beklagen;  doch  dürfte  die  Herausgabe  des  2ten  Heftes  dieser 
erwünschten  Arbeit,  deren  Hauptsache  die  Abbildungen  sind,  darum 
nicht  ins  Stocken  gerathen ,  womit  das  Werk  dann  geschlossen  seyn 
würde.  Das  Vorwort  bestätigt  die  früheren  Angaben  über  die  Lage, 
die  Höhe,  die  Schichtenfolge  und  die  Gesteins  -  Formation  in  den  Stein- 
brüchen, welche  diese  Fährten  liefern  (s.  Jahrb.  1835,  S.  231  — 232).  Es  ist 
und  bleibt  bunter  Sandstein  ,  wie  er  an  vielen  Stellen  am  Fusse  des 
dortigen  Muschelkalk  -  Höhenzuges  zu  Tage  geht.  Die  Karte  (schon 
eine  ältere  des  Herzogthums  Meiningen)  wird  dienen  ,  sich  über  die 
Lage  der  Steinbrüche  noch  besser  zu  orientiren.  Die  Tafeln  steif 
len  vor : 

Taf.     I,    eine   4^'    hohe    und  7\'  lange  Platte  mit  Fährten  -  Pveihen  von 
Cheirotherium  raajus  S.  ,  Ch.  minus  S.  und  noch  einer 
dritten  Thier-Art  (ist  ans  Pariser  Museum  verkauft). 
„      II,  vorzüglich  vollkommene  Abdrücke  der  Vorder-  und  Hinter-Tatze 

von  Ch.  majus. 
„     III ,  andere  dergleichen. 

„  IV ,  desgl.  von  der  Hintertatze  :  die  Nägel  abgebrochen  ,  weil  sie 
durch  die  modellirende  Thonschicht  hindurch  bis  auf  den  dar- 
unter liegenden  Sandstein  gedrungen  waren  und  daher  die 
Verwachsung  des  später  auf  erstere  aufgelagerten  Sandsteins 
mit  letzterem  gestattet  hatten. 
„  V.  Desgl.  eine  Platte ,  worauf  die  4  Füsse  zugleich  in  ruhender 
Stellung  ein  wenig  geschobenes  Viereck  bildend ,  und  dann 
wieder  die  zwei  Fasse  der  rechten  Seite  voranschreitend  er- 
Jahrgang 1837.  8 


-      112      - 

scheinen.     AuffaUend  ist ,    wie    nahe    die  Vorderfiisse    bei  den 
Hinteifüäseu    in    der  Ruhe  gestanden.     [Das  ist  doch  auch  oft 
bei  sonst  langbeinigen  AfFen  der  Fall]      Steinbrecher  Winzer 
besitzt   diese    und    eine    ähnliche    aber   minder  deutliche  Platte 
noch. 
Taf.  VI.     Beiderlei  Tatzen    von  Ch  iro  theriu  m    minns,    in  mehr  aus- 
geführter Zeichnung. 
„      VII.  Vier    ausgeführte    Tatzen    der    dritten ,    auf    der   ersten  Tafel 
angeführten  Thier-Art,  wobei  der  Daum  weder  abgerückt  noch 
in    anderer  Richtung  befindlich  und  beiderlei  Füsse  fast  gleich 
sind,  nur  der  voranstehende  Fuss  etwas  grosser  ist. 
Hier    niüsste    also    entweder    der   Vorderfuss    wirklich    grösser    ge- 
wesen seyn ,  als  der  Hinterfuss,  wovon  dem  Ref.  kein  Beispiel  bekannt 
ist ;  —  oder   das  Thier    ging  Pass    und   überholte    dabei   den  Vorderfuss 
mit    dem  Hinterfuss ;    der  Passgang    ist    aber    unseres  Wissens  nur  der 
Giraffe  und  wenig  künstlich  gebildeten  Pferde-Rassen  eigen,  die  jedenfalls 
sehr  weit  von  diesem  Thiere  entfernt  stünden;  —  oder  endh'ih  dasTiiier 
setzte    den  Hinterfuss   jedesmal ,    statt   hinter  oder  in  die  Vorderfährten 
derselben  Seite    (wie    gewöhnlich)    vor    den  Vorderfuss  der  entgegenge- 
setzten Seite  5    was  ein  sehr  starkes  Übereinanderwerfen  der  Beine  vor- 
aussetzt.     Die    Abbildung    genügt    nicht    zu    entscheiden ,    ob    jedesmal 
zweierlei    Füsse    derselben    oder    entgegengesetzter    Seite    voreinander- 
steheuj  obschon  einige  Verhältnisse  auf  Letzteres  hindeuten. 

Es  ergibt  sich  aus  diesem  Hefte   1)  dass  bei  beiden  Chirotherien 
alle  vier  Finger  immer,    der  Daumen    nie    mit   Nägeln    versehen    sind; 

2)  die  Hintertatzen  von  Ch.  majus  sind  aufXf.  I  u.  II  =  8"  lang,  4" 
breit,  die  vorderen  3i"  lang  und  2^"  i*.  breit.  [Nach  den  Proportionen  der 
Zeichnung  ist  die  volle  Schrittweite  fünffach  die  Länge  der  Hintertatzc.] 

3)  Chirotherium  minus  hat  einen  bedeutend  kleineren,  mehr  vorn 
und  in  die  Queere  stehenden  Daumen  und  weit  längere  oder  schmälere 
Zehen,  und  eine  normale  Schrittweite  [nämlich  zwischen  dem  rech- 
ten und  dem  linken  Hinterfusse]  von  1'  2h"  Nürnh.  Maas  besessen. 
[Der  Zeichnung  zufolge  sind  seine  Hinter  -  Tatzen  nur  halb  so  lang 
und  breit,  als  bei  ersterer  Art,  die  Schrittweite  aber  ist  0,9^  so  gross  als 
dort,  oder  Simal  so  lang  als  die  Hintertatze  selbst.]  4)  Die  Tatzen 
des  dritten  Thieres  haben  2^"  Länge  und  l|"  Breite  ;  die  mittein  seiner 
5  Zehen  sind  etwa  so  lang ,  als  die  Fusssohlen ,  und  alle  spitz  durih 
die  Nägel ;  5)  [diese  Thiere  ferner  für  Beutelthiere  zu  halten ,  bleibt 
kein  Grund  übrig].  6)  Den  Beweiss,  welchen  Sichler  bei  Taf.  IV  zu 
führen  meint,  dass  die  oft  erwähnten  Flechtwerke  von  Pflanzenwurzeln 
herrühren,  können  wir  nicht  als  bindend  anerkennen. 


Fr.  Ad.  Roemeii  :    die  Versteinerungen    der    Norddentschcn 
Oolithen- Gebirge.     Zweite  und   dritte  Abtheilung,  enthaltend  neuen 


—     113     - 

Titel,  Text  von  S.  65  —  68  u.  76—218  u.  Tf.  I— XVI  (Ratmi/ver  J836, 
in  gr.  4*^).  Hiermit  wäre  das  Werk,  dessen  Anfang  wir  im  J.  1835, 
S.  730  —  733  angezeigt  haben,  nicht  nur  vollendet ,  sondern  auch  um  4 
Tafeln  über  den  ersten  Plan  erweitert  und  die  anfänglichen  12  Tafeln 
(gratis)  umgezeichnet,  verbessert  und  wohl  lithographirt  in  den  Händen 
des  Publikums. 

Die  geognostische  Gliederung  dortiger  Gebirgslagen  betreffend,  so 
benachrichtiget  uns  der  Verf.  brieflich  ,  dass  er  nun  mehrere  Beweise 
gesammelt,  dass  der  Hilsthon ,  nicht  nach  seiner  anfänglichen  Meinung 
unter,  sondern  über  der  ganzen  Wealden -Formation  liege,  was  als  eine 
doppelt  merkwürdige  Erscheinung  zu  betrachten  wäre ,  da  die  letztre  in 
England  einige  merkwürdige  Fossil-Arten  (I  g  u  a  n  o  d  o  n  z.  B.)  mit  der 
Kraide  gemein  hat,  wie  der  Hilsthon  manche  mit  denen  der  Ooliihe 
übereinkommende  Arten  enthält. 

Die  Änderungen  auf  den  umgedruckten  Seiten  66  und  68  bezwecken 
die  Ersetzung  der  zwei  früher  angegebenen  Placunen,  in  welchen 
wir  Cirripedier-Rcste  verniuthet ,  durch  eine  andere  neue  Art,  PI.  j  u- 
rensis,  und  die  Bemerkung,  dass  die  untenfolgende  Av  i  cu  la  spondy- 
loides  wohl  ein  wirklicher  Spondylus,  aber  Pecten  velatus 
keineswegs  der  GoLDFUss'sche  Spondylus  velatus  seyn  möge. 

Das  Werk  gibt  nun  ferner  die  Beschreibung  von 
XI.     Lima:    a.    aus    Lias :    1.    pectinoides,    2.    duplicata,  3.  al- 
tern ans,    4.    gigantea ;    b.  aus  Coralrag:    5.    grandis,    6.    rigida, 
7.  ovalis,    8.  striatula,    9.    aviculata,    10.    tumida,    11.  semilunaris, 

12.  fragilis,  13.  alata.  14.  suban  tiq  u  ata ,  15.  proboscidea  ;  c.  aus 
Portlandkalk:  16.  densepunctata  •,  d.  aus  Hilsthon:  17.  e  long  ata,  18. 
ßubrigida,   19.  plana,  20  striata. 

XII.     Posidoniat  1.  Bronnii,  2  Buchii  [scheint   wenig  Ähnlich- 
keit n)it  dem   Geschlecht  zu  haben], 

XIII.  Inoccramus:  1.  pernoides,  2  nobilis,  3.  rostratus,  4.  e  1- 
lipticus,  5.  cinctus,  6.  amygdaloides,  7.  dubius,  8.  substriatus. 

XIV,  Perna:    1.  mytiloides,  2.  quadrata,  3.  rugosa. 

XV,     Gervillia:    1.    aviculoidcs ,    2.  angustata,    3,    tetra- 
g  0  n  a. 

XVI.  Avicula:  1.  aequivalvis ,  2.  macroptera,  3.  multf- 
c  0  s  t  a  t  a  ,  4.  costata ,  5.  sexcostata  ,  6.  spondyloides,  7.  mo- 
diolaris. 

XVII.     Pinna:    1.    lineata,    2.    conica. 
XVIII.     Mytilus:    1.  pectinatus,    2.  pernoides,    3.  jurensis,  4. 
acutus,  5.  p  a  r  V  u  s. 

XIX.  Modiola:  a  in  Lias:  1.  minima,  2.  laevi« ,  3,  Hillana, 
4.  ventricosa,  5,  depressa ;  b  im  Dogger:  6.  cuneata;  c  in  Coral- 
rag: 7.  cancellata,  8.  bipartita,  9.  imbricata ,  10.  fornicata; 
d  in  Portlandkalk:    11.    subaequiplicata ,    12.    varians;    e    in  Hilsthon; 

13.  rugosa,  14.  p  u  1  c  h  e  r  r  i  m  a. 

8* 


—     114     — 

XX.     Unio:    1.  subporrectus,   2.  eonvexus,  3.  planus. 
XXI.     Trigoiiia:    1.  iiavis,    2.  clavellata,    3.  angulata,   4.  h  y- 
brida,  5.  costata ,  6.  (Opis  ?)  sexcostata. 

XXII.  Nucula:  1.  Hausmanni,  2.  Menkei,  3.  arcuata, 
4.  subglobosa,  5.  striata,  6.  vaiiabilis ,  7.  rostrata ;  —  8.  gi- 
gantea,  9.  subclaviformis,  10.  elllptica  ,  11.  lacr  ym  ae  f  or- 
mis,  12.  inflexa,  13.  intermedia,  14.  s  üb  trigon  a,  15.  cordata^ 
16.  ae  q  uil  ater  aus,  17.  subovalis. 

XXIII.  Area:  1.  liasina,  2.  bipartita,  3.  lincolata,  4.  im- 
perialis,  5.  decussata? 

XXIV.  CucuUaea:    1.  elegans,    2.  texta,    3.  Goldfussii, 
4.    ro  tun  data,  5.  Hoffnianni,  6.  ovata,  7.  parvulä,  8.  Inf  lata. 

XXV.  Isocardia:  1.  excentrica,  2.  obovata,  3.  striata,  4. 
orbicularis,  5.  dorsata,  6.  parvuIa,  7.  leporina. 
XXVI.  Cardium:  1.  ed  uliforme. 
XXVII.  Venus:  a  aus  Lias :  1.  liasina,  2.  unioides;--b.  aus 
Coralrag  :  3.  carditaeformis,  4.  trapeziformis,  5.  carinata, 
6.  depressa;  —  c  aus  Portlandkalk  5  7.  Brongniarti ,  8.  n  u  c  u  1  a  e- 
formis,  9.  isocardioides  [haben  zum  Theil  nur  wenig  vom  Habitus 
dieses  Geschlechtes  und  das  Schloss  ist  unbekannt],  10.  acutirostris^ 

11.  parvula;  —  d  aus  Hilsthon:  12.  su  bin  Flexa. 

XXVIII.  Astarte:  1.  com  plan  ata,  Voltzii,  3.  striato- 
sulcata,  4.  subtetragona,  5.  pulla,  6.  rotundata,  7.  plana,  8. 
curvirostris,  9.  sulcata,  10.  dorsata,  11.  scalaria. 

XXIX.     Cyrena:      1.     orbicularis,     2.     parvirostris,      3. 
o  b  t  u  s  a,  4.  f  a  s  c  i  a  t  a,  5.  t  r  i  g  o  n  a,  6.  s  u  b  1  a  e  v  i  s,  7.  m  a  c  t  r  o  i  d  e  s, 

8.  lato-ovata,    9.    majuscula,    10.    caudata,    11.    excavata, 

12.  elongata,  13.  angulata,  14.  n  u  c  u  1  a  e  f  o  r  m  i  s. 

XXX.  Lucina:  1.  substriata,  2.  minima,  3.  lyrata,  4.  plana. 

XXXL  Corbis:    1.  ?laevis. 

XXXII.  Teilina:     1.    rugosa,    2.    corbuloides,     3.  incerta, 

4.  ovata,  5.  convexa. 

XXXIII.  Amphidesma:  1.  rotundatum,  2.  recurvum. 

XXXIV.  Mactra:  1.  acuta,  2.  trigon  a,  3.  callosa. 
XXXV.  Lutraria:  1.  gregaria,  2.  donacina. 

XXXVI.     Corbula:  1.  trigona,  2.  rostralis. 

XXXVII.     Mya:  1.  rugosa. 
XXXVIII.     Panopaea:    1.  elongata. 

XXXIX.  Pholadomya:  1.  ambigua,  2.  decorata,  3  Htterata,  4.  fidi- 
cula ,    6.  ?  ovalis ,    6.  Murchisonae ,    7.  angulifera ,    8.    canaliculata, 

9.  decem  costata,  10  coraplanata,  11.  concentrica ,  12.  paucico- 
stata,  13.  hemicardia,  14.  acuticosta,  15.  orbiculata,  16  Protei, 
17  parvula  [einige  dieser  Arten  scheinen  uns  nur  Alters-Verschieden- 
heiten zu  seyn]. 


—     115     — 

XL.    Dentalium:  1  cylindricum. 

XLI.     Patella:    1  papyracea,    2  niinuta,  3  cancellata,    4  ir» 
r  eg  ul  aris. 

XLIl.     Emarginula:  1  Goldfussii. 

XLIII.     Bulla:  1  Hildesiensis,  2  suquadrata,  3  spirata,  4 
suprajurensis. 

XLIV.     Buccinum:    1  laeve,  2  subcarin  a  tu  m  ,  3  cassidi- 
forme,  4  fusiforme,  5  parvulum,  6  sublineatuni. 

XLV.     Fusus:  1  minutus,  2  carinatus  [existirt  schon],  3  cu^- 
v  i  c  a  u  d  a. 

XLVI.     Potaniides:  1  carbonarius. 
XLVII.     Cerithium:  1  echinatuin,  2  septeraplicatum,  3  limae- 
forme,  4  carbonarium. 

XLVIII.  Nerinaea:  1  Visurgis,  2  Gosae,  3  constricta,  4  tu- 
berculosa,  5  nodosa  [ist  weder  die  Voltz'scIic  Art,  noch  überhaupt 
eine  Nerinea,  da  sie  keine  Falten  hat];  6  Sequana ,  7  fasciata  [kaum 
die  VoLTz'sche  Art !]. 

XLIX.     Pteroceras:  1  Oceani. 

L.     Rostellaria:  1  costata,  2  caudata. 
LI.     Scalaria:  1  Münster  i. 

LH.     Pleurotomaria:  1  tuberculosa,  2  oruata,  3  granulata, 
4  suprajurensis. 

LIIL     Trochus:  1  duplicatus,  2  imbricatus,  3  helicinoides, 
4  triangulus,  5  discoideus,  6  grandis,  7  tuberculosus,  8 
minutus,  9  obsoletus,  10  scalaris,  11  jurensisimilis. 
LIV.     Cirrus:  1  depressus,  2  cancellatus. 
LV.     Turbo:    1  cyclostoma  ,    2  quadricinctus  ,  3  pri  ncep  s  ,  4 
viviparoides,  5  punctato-sulcatus,  6  clathratus. 
LVL     Turritella:  1  quadrilineata. 
LVII.     L  i  1 1  0  r  i  n  a  :  1  c  0  n  c  i  n  n  a. 

LVUI.  Nerita:  1  jurensis ,  2  puUa,  3  ovata  [eher  eine  Na- 
tica  ?],  4  h  e  m  i  s  p  h  a  e  r  i  c  a. 

LIX.     Natica:    1  globosa,  2  dubia,  3  macrostoma,  4 
ventricosa,  5  turbiniformis,  6  ?sub  nodosa. 

LX.     Melania:  1  striata,  2  Heddingtonensis,  3  lineata,  4Bron- 
nii,  5  abbrcviata,  6  harpaeformis. 

LXL     Paludina:lcarbonaria,  2  nitida. 
LXn.     Helix:    Ipusilla    [kaum    eine  Helix !    eher    der  Anfang 
eines    andern    grösseren    Konchyls?],    2pisum,    3  expaiisa    (Helicina 
expansa  Sow.). 

LXIIL  B  e  1  e  m  n  i  t  e  s  :  a.  Laevigati :  1  breviformis,  2  conulus,  3 
striatulus,  4  laevis,  5  inaequalis,  6  subquadratus,  7  sub- 
depressus,  8  digitalis  ,  9  subclavatus ,  10  clavatus  ,  11  pistilliformis ,  12 
pistillum;  —  b.  apice  sulcati:  13  tenuis,  14  o  r  n  i  t  h  o  ce  p  h  alu  s, 
15  subaduncatus  ,  16  impressus  ,  17  paxillosus  ,  18  bisulcatus,  19  com- 
pressus,  20  trisulcatus,  21  pyramidalis,  22  quinquesulcatus,  23  auoma- 


—     1J6     -^ 

lus,  24  Aalensis;  —  c.  basisulcati:  25  semihastatus,  26  (Acthiocamax  ?) 
fusiformis,  27  Blainvillii ,  28  canaliculatus ,  29  subhastatus,  30 
plaiiohastatus;  —  d.  ba»!  fissi :  keine. 

LXIV.  Nautilus:  1  aratus  ,  2  truncatus  ,  3  lliieatus  ,  4  s  i  n  u  o- 
8  u  8,  5  dorsatus. 

LXV.  A  ni  in  0  u  i  t  e  s  :  a.  Goniatitae  5  —  b.  Ceratitae  ;  —  c.  Arie- 
tes :  1  Bronn  ii;  —  d.  Falciferi :  2  Murchisouae,  3  falcifer,  4  Lithen- 
siS)  5  sprpeutinus,  6  radians,  7  depressus,  8  pinguis,  9  fonticola;  — 
e.  Amalthei :  10  Amaltheus,  11  costatus,  12  cordatus^  13  concavus,  14 
discus ,  15  Lamberti;  —  f.  Capricorni :  16  angulatus  ,  17  scutatus  ,  18 
capricoruus,  19  bipunctatus,  20  Natrix,  21  interruptus,  22  fimbriatus  ;  — 
g^.  Planulati:  23  anguinus  ,  24  annularis  ^  25  planulalus  ,  26  biplex ,  27 
triplicatus,  28  ?giganteus,  29  Leachi,  30  Paikinsoni,  31  bifurcatus ;  — 
h.  Dorsati :  32  Davoei ;  —  i.  Coronarii:  33  striatus,  34  Huraphresiauus, 
^5  dubius ,  36  crenatus ,  37  Blagdeni :  —  k.  Macrocephali :  38  tumidus, 
3^  Kublaevis,  40  inflatus;  —  1.  Armali:  41  biarmatus^  42  perarmatus;  — 
m»  Dentati :  43  Jason,  44  Noricus  ;  —  n.  Oruati :  45  Pollux. 

LXVI.     Ryncbolites:  1  Voltzii. 

Zusätze  und  Berichtigungen  :  Verschiedenen  Formations-Gliedern  in 

jenen  Gegenden  sind  folgende  Arten  gemein  : 

Lias.      Dogger.     Oxford-     Coral-    Portland-   Wälder-  Hilsthon. 
thon.  rag.  kalk.  thon. 

7  Cerithium  echinatutn    id.    .    .    id 

?Ammonites  Jahson       ....    id.      .     .    id , 

Cellopora  orbiculata id.     .     .   id id. 

Serpula  volubilis id.     .     .   id id. 

Terebratula  perovalis id.     .     .   id id. 

Pecten  lens id.     .     .    id id. 

Exogyra  spiralis id.     .     .   id id. 

Trigonia  elavellata id.     .     .   id 

„         costata id.     .     »   id 

Terebratula  biplicata id.     .     «    id 

?Ammonites  perarmatus id.     .     .   id 

Das  früher  als  Walkerde  (bei  Geerzen)  bezeichnete  Gebilde  ist 
Bradfordthon.  —  Der  Dolomit  wird  unmittelbar  von  Coralrag  überlagertj 
hat  gleiche  Petrefakten  und  wird  um  so  mächtiger ,  je  mehr  letzterer 
in  seiner  Entwicklung  zurücktritt.  —  Des  Verf  s.  Portlandkalk  entspricht 
Thürmann's  und  Thirria's  Portlandkalk  und  Kiuimeridge  -  Thon  zusam- 
men ,  die  sich  auch  dort  unterscheiden  lassen,  wie  denn  Exogyra 
virgula  nur  in  letzterem  vorzukommen  scheint;  doch  gehen  beide 
Mehr  allmählich  in  einander  über ,  und  haben  viele  Arten  gemein.  — 
Glyphea  Meyeri  [bloss  ein  Stück  einer  sehr  grossen  Scheere ,  daher 
das  Genus  sehr  zweifelhaft]  Tf.  XII,  Fg.  14  stammt  aus  Portlandkalk 
von  Uppen  bei  Hildesheim.  —  Der  Hilsthon  ist  keineswegs  mit  Thirria's 
ierrain  du  minerai  de  fer  pisiforme  zu  vergleichen.  —  Emys  Menkii 
aus  dortiger  Kohleubildung  im  Wälderthon  ist  Taf.  XVI  ,  Fg.  11  abge- 
bildet. —  Nachzutragen  sind  noch  folgende  Arten  und  Änderungen. 
LXVII.     P  o  1 1  i  c  i  p  e  s  :  1  H  a  u  s  m  a  u  n  i. 


—      117     — 

Pcx5ten   octocostatus    wird   richtiger  P.  soptcmcostatus  benannt 
weiden;  —  19  F.  subimbricatus,  20  P.  clathratusj  21  P.  so- 
ll d  u  s  sind  neue  Arten.     Plicatula  arm  ata  desgl.,  —  so  wie 
U  n  i  0  t  r  i  g  0  n  u  s. 

Eine  Aufzählung  der  bei  dieser  Arbeit  benützten  Werke  ,  eine  An- 
gabe des  Inhaltes  der  einzelnen  Tafeln  und  ein  Register  über  die  Gat- 
tungen macht  den  Beschluss. 

Die  Tafeln  geben  noch  einige  Stücke  von  Reptil-Zähnen  ,  deren  im 
Text  nicht  gedacht  ist. 

Dieses  schöne  Werk  gewährt  die  Überzeugung  ,  dass  manche  Kon- 
chyiien  -  G<^ncra  ,  die  man  nur  für  tertiär  zu  halten  geneigt  war ,  auch 
schon  in  beträchtlich  tiefern  Gebirgsschichten  vorkommen. 


Der  Ingenieur  Lefebvre  hat  im  Grobkalke  von  Bourg  auf  dem 
rechten  Ufer  der  Dordogne  zwischen  Bluye  und  Cub%ac  aufrecht  ste- 
ll ende  Baumstämme  von  18"  Dicke  und  40'  Höhe  gefunden,  welche 
verschiedene  Gesteins-Schichten  durchsetzen,  und  deren  innere  pflanzliche 
Materie  ganz  durch  Thon,  die  Rinde  durch  einen  bituminösen  kohligen 
Stoff  verdrängt  ist ,  an  dessen  äusserer  Oberfläche  allein  man  noch 
Spuren  einer  ehemaligen  Organisation  erkennt  {Hüllet,  geol.  1835, 
VI,  :838). 


GoppERT  trug  1836  bei  der  Naturforscher- Versammlung  in  Jena  und 
in  einem  Briefe  an  die  Französ.  Akademie  vor,  dass  er  dahin  gelangt  scy, 
vegetabilische  und  animalische  Körper  in  kurzer  Zeit  zu  mineialisireu. 
Er  legt  sie  in  konzentriite  Erd  -  und  Metalloxyd  -  Auflösungen  (Kalk, 
Eisenoxyd) ,  bis  sie  damit  hinreichend  imprägnirt  sind  ,  und  setzt  sie 
dann  einem  heftigen  Feuer  aus,  wo  die  organischen  Bestandthcile  zer- 
stört werden  und  die  unorganischen  mit  Form  und  Textur  der  ersten  zu- 
rückbleiben {^Institut,  183G,  IV,  397). 


LaJoye:  tertiärer  Belemnit  (Bull,  geoL  1835,  IV,  428  —  429). 
La  Joye  zeigte  der  geologischen  Sozietät  einen  fossilen  Körper  vor,  den 
er  aus  den  Mergclgruben  von  Assy,  im  obern  Theile  des  Pariser  Grob- 
kalkes ,  dem  Gebirge  des  Valmondois  entsprechend,  erhalten  hat,  und 
für  einen  Belemniten  erklärt,  obschon  er  sich  von  diesem  Geschlechte 
durch  seine  Form  und  durch  beiderseitige  Rinnen  [?]  entferne.  Defrance 
hat  diesen  Körper  bereits  gekannt  ,  und  den  Sepien-  Knochen  nahe 
gestellt.  Desuaves  nimmt  an ,  dass  er  ein  besonderes  Genus  zwischen 
Belemnites  und  Beloptera  bilden  müsse.  Er  hat  eine  Alveole  und  strahlig- 
faserigere  Textur. 


—     118     — 

Drei  M  a  m  ni  o  u  t  •  Skelette  sind  aus  einer  Höhle  der  Insel  Podrese 
kürzlich  nach  Petersburg  gebracht  worden  (Bullet  geol.  de  France, 
1834,  V,  440). 


Paruot  :  Versuch  über  die  fossilen  Knochen  am  Ufer  des 
See 's  von  Burtneck  in  Liefland  (Memoir.  de  VAcad^  de  St.  Petersb. 
1836,  VI.  ser.  ;  scienc.  phys.  IVy  ii,  p.  1—94;  pl.  I~VIII).  Diese 
gelehrte  Abhandlung  des  berühmten  Akademikers  füllt  ein  ganzes  Heft 
der  Memoires  aus.  Das  Resultat  ist,  dass  diese  Knochen  —  Knochen 
sind  ,  obschon  dem  Verf.  ,  welcher  gestehet ,  sich  mit  zoologischen  Stu- 
dien nie  besonders  beschäftigt  zu  haben,  Brandt^  Pander,  Ratiike  und 
Lenz  helfend  zur  Seite  gestanden. 

Der  Burtneck-See  liegt  in  58<'54'N.  Br.  und  42°  40' W.L.  von  F£?rro 
im  TFo^mrtr<?r  Kreise.  Seine  Mitte  ist  107  Werst  S.W.  von  Dorpat;  seine 
Länge  aus  N.W.  nach  S.O.  beträgt  1 1  ^  und  seine  Breite  5  Werste.  Der  Sedde- 
und  Ritje-Fluss,  der  Wrede-  oder  Gelgau-  und  der  Seele-Uppe-Bach  u.  e.  a. 
ergiesseu  sich  von  N.,  0.  und  S.  in  denselben;  er  fliesst  in  N.W.  durch 
die  Salis  ins  Meer  ab.  Seine  Ufer  sind  sehr  flach ;  \  Werst  davon 
hat  er  erst  3'  Tiefe,  welche  56'  Engl,  nirgends  übersteigt;  sein  Spiegel 
liegt  129^'  Par.  über  dem  Baltischen  Meere.  Nur  von  N.O.  her  zieht 
sich  eine  Hochebene  gegen  das  dem  Abfluss  entgegengesetzte  Ende  des 
See's  und  eine  Strecke  an  beiden  Ufern  desselben  hin  ,  und  fallt  in  50' 
Entfernung  von  ihm  jähe  oder  fast  senkrecht  gegen  denselben  ab ,  so 
dass  noch  ein  flacher  Saum  zwischen  dem  See  und  der  bis  450'  hohen 
Wand  übrig  bleibt,  der  nicht  über  3'  ansteigt.  Über  dieser  Wand  er- 
beben sich  Schloss  und  Dorf  Burtneck^    wo    des  Vfs.  Sohn  Pfarrer  ist. 

Jener  Saum  ist  ohne  Vegetation,  von  Kies  gebildet  und  mit  Granit- 
und  Kalk-Geschieben  bedeckt.     Ein  feinkörniger  nicht  sehr  harter  Sand- 
stein mit  Glimmerschüppchen,  der  in  Liefland  und  Esthland  sehr  verbrei- 
tete rothe  Sandstein  Engelhard's  ,    welcher    an  der  Luft  leicht  zerfallt, 
auch    mit    rothen    und    weissen    Sandlagen,  wechselt ,    geht    am    untern 
Theile  der  Wand  zu  Tage   und  wird   von   einem    losen  Sande  von  ähn- 
licher   Natur    überlagert ,     auf   und    in    welchem    viele    Skandinavische 
Granit  -  Blöcke     zerstreut     liegen.       In    jedem    Frühlinge ,     wenn    der 
Schnee    schmilzt    und    die    Eisdecke    des    See's     zerbricht,     steigt     das 
Wasser  des  See's  5'  —  6'    über    seinen    gewöhnh'chen    Stand ,    die  dann 
herrschenden  N.W.-Winde  werfen  eine  Menge  Eisblöcke  auf  jenen  Saum 
vor  der  Felswand,    veranlassen    häufige  Einstürze    derselben,    wodurch 
Sand  und  Granit- Blöcke  herabkommen,  wovon  der  erste  durchwaschen, 
die  letzteren  aber   bei   späterem  Andringen  der  Eis  -  Blöcke  fast  jährlich 
etwas  weiter  in  der  Richtung  nach  der  Wand    zurückgetrieben   werden, 
daher   die  Landicute   wohl   auch   behaupten,    das  Eis  habe  alle  dort  lie- 
genden Blöcke  aus  dem  Grunde  des  See's  herbeigeführt.  Auf  diesem  Saume 
ivst    es    nun   auch   allein ,    wo  sich   eine  grosse  Menge  fossiler  Knochen 


—     119     — 

findet ;  man  sucht  sie  eben  so  vergeblich  in  dem  anstehenden  Gesteine, 
welches  die  Wand  bildet,  als  an  anderen  Stellen  des  Ufers,  daher  auch 
sie  von  dem  See  angespült  seyn  müssen :  in  kleinen  Stücken  nur,  weil 
in  einiger  Tiefe  die  Wogen  nicht  mehr  Stärke  genug  haben,  grössere  in 
Bewegung  zu  setzen. 

Die  fossilen  Knochen  bestehen  in  eigentlichen  Knochen ,  Panzer- 
stücken und  Zähnen,  wozu  sich  einige  Korallen  gesellen. 

Von  den  Knochen  hat  man  an  1200  grössere  und  kleinere  Bruch- 
stücke gesammelt ,  wovon  der  Verf.  die  wichtigsten  nach  ihrer  Form, 
zelligen  Beschaffenheit,  Eigenschwere  u.  s.  w.  beschreibt.  Es  ist  ein 
Tibia-Stück  darunter.  Die  Zellen  dieser  Knochen  sind  parallelepipedisch, 
fadenförmig  aneinandergereihet,  überall  von  gleicher  Art. 

Von  knochigen  Bedeckungen  eines  Thieres  hat  man  über  300  Bruch- 
stücke gefunden.  Von  den  abgebildeten  besitzt  keines  viel  über  einen 
Quadrat -Zoll  Ausdehnung  (Fg.  1  —  28).  Ihre  Dicke  wechselt  von  1"' 
bis  zu  18'".  Die  dickeren  besitzen  in  ihrer  Mitte  oder  an  einer  Seite 
ebenfalls  eine  zellige  Textur,  jedoch  verschieden  von  der  der  Knochen; 
nächst  den  natürlichen  Oberflächen  sind  sie  feinzelliger,  mithin  dichter, 
dunkler,  braunroth  oder  schwarzbraun  und  glänzend,  dunklem  Bernstein 
ähnlich.  Diese  Beschaflfenheit  verliert  sich  bald  allmählich  in  die  grob- 
zellige  des  Innern ,  bald  steht  sie  scharf  begrenzt  nur  einer  obersten 
dünnen  Schichte  zu.  Dieses  Innere  hat  manchmal  ein  unregelmässig 
faseriges  Ansehen,  bald  zeigt  es,  zumal  bei  dickeren  Bruchstücken,  eine 
Menge  zylindrischer  Zellen ,  welche  2  --  3mal  so  lang  als  dick  sind. 
Die  Oberfläche  ist  mithin  gewöhnlich  glänzend ;  sie  ist  selten  ganz 
eben  ,  sondern  dicht  bedeckt  von  runden  ,  länglichen  oder  vielseitigen, 
halbkugeligen  oder  abgestutzt  kegelförmigen,  glatten  oder  strahlig-ästig 
durchfurchten  (sternförmigen),  festen  oder  aus  übereinanderliegenden 
Schichten  gebildeten  Höckerchen,  welche  meist  ganz  ohne  Ordnung  ver- 
theilt,  an  der  Basis  4'"  bis  2'"  breit  sind,  und  von  welchen  jene  Fur- 
chen bis  zu  denen  der  Nachbarn  fortsetzen ,  indem  sich  an  der  Basis 
gewöhnlich  jede  Furche  in  2  oder  3  trennt.  Gewöhnlich  stehen  nur 
Höckerchen  von  einer  Art  auf  einer  Fläche  (d.  h.  auf  einem  der  klei- 
neren Bruchstücke)  beisammen.  Hin  und  wieder  zieht  eine  grössere,  in 
ihrem  Grunde  glatte  Furche  über  die  Oberfläche  hin ,  ohne  alle  Bezie- 
hung zu  dem  Höckerchen,  so  dass  sie  solche  bald  ganz,  bald  theilweise 
wegnimmt.  Manchmal  ist  die  Oberfläche  unrcgelmässig  gerippt.  Jene 
Höckerchen  scheinen  da,  wo  beide  Oberflächen  erhalten  sind  ,  auch  der 
unteren  anzugehören.  Manchmal  gehet  ein  einzelnes  oder  gehen  einige 
runde  Löcher  tiefer  in  diese  Knochendecken  hinein.  Manche  Stücke 
dieser  Decke  sind  mit  einer  dünnen  gelben,  bei  stärkerer  Vergrösserung 
körnig  und  faserig  erscheinenden  Substanz  bald  durchaus,  bald  nur  auf 
den  Höckerchen,  bald  allein  in  den  Vertiefungen  überzogen,  welche  der 
Vf.  als  eine  abnorme,  pathologische  Sekretion  des  Thieres  betrachtet.  — 
Andere  etwas  ähnliche  Decken  -  Stücke    finden    sich  am  Ufer  des  Ligat- 


■^k^ 


—     120     — 

Flusses  beim  Gute  Paltemar  Im  Kreise  Wenden  (Fg.  29  —  33)  und  in 
einem  weissen  Saud-Gestein  bei  Dorpat. 

Von  Zähnen  hat  der  Verf.  118  Bruchstücke  zusammengebracht  und 
glaubt  sie  in  Kürze  nicht  besser ,  denn  als  Saurier  -  Zähne  bezeichnen 
zu  können.  Alle  sind  gebogen  kegelförmig ,  der  ganzen  Länge  nach 
kanellirt,  ohne  besondere  Wurzel.  Die  einen  sind  kurz  (Dicke  etwa 
=  0,4  der  Höhe)  bis  l"  lang,  an  der  Basis  verdickt,  mit  einem  Queer- 
fichnitte,  welcher  aus  einer  grösseren  und  einer  kleineren  halben  Ellipse 
zusammengesetzt  ist,  so  dass  der  Zahn  in  seiner  ganzen  Länge  etwas 
zweischneidig  wird ,  an  der  Basis  bald  nur  mit  1  —  6  Haarröhrchen 
durchzogen,  bald  mit  einer  kegelförmigen  Höhle,  welche  0,4  der  ganzeu 
Höhe  erreicht.  Die  andern  Zähne  sind  lang  (wohl  gegen  l\"  laug  und 
unten  nur  y'g — ^-^  so  dick)  stärker  gebogen,  zusammengedrückt,  mehr 
an  der  Basis  (Zusammendrückung  =  3:2  oder  2:1),  als  in  der  übri- 
gen Länge,  ebenfalls  entweder  mit  1 — 3  Haarröhrchen  durchzogen,  oder 
mit  einer  rund  konischen  Höhle  versehen.  Die  Zähne  der  ersten  Art 
mögen  nach  den  Zeichnungen  30 — 40  vertikale  Riefchen  zählen,  welche 
von  unten  an  eine  Strecke  aufwärts  noch  von  einer  vertieften  Linie 
getheilt  sind.  Auch  in  denjenigen  dieser  Zähne,  welche  mit  einer  konischen 
Höhle  versehen  sind ,  findet  man  über  derselben  1  —  6  Haarröhrchen, 
welche  mit  deren  Spitze  zusammenhängen.  Alle  diese  Zähne  bestehen 
aus  einer  innern  knochigen  Masse  und  einem  äusseren  ,  nach  oben  an 
Dicke  zunehmenden  Schmelz-Überzug. 

Die  Korallen  sind  Catenipora  labyrinthica  Goldf.  cum 
variet. ,  C.  escharoides  Lmx.  ,  Eschara  ? nov.  s/?. ,  Astraea  ge- 
niin ata,  A.  concin  nata  GoLDP.  und  Cyathophyllum  heliant  hol- 
des GoLDF.,  welche  durch  weissen  körnigen  Chalcedon  versteinert  sind. 
Die  Körnchen  erscheinen  auf  der  Oberfläche  dieser  Körper  in  kugeliger, 
oder,  wo  sie  dichter  einandergedrängt  sind,  polycdrischer  Gestalt,  habeif  0,1 
bis  0,5  Linie  Durchmesser  und  sind  aus  mehreren  —  bis  9  —  konzentri- 
schen Schichten  zusammengesetzt,  wovon  die  äussersten  dicker  sind  als 
die  innern.  [Diese  Erscheinung  hängt  mit  dem  Phänomen  der  Kiesel- 
ringchen  zusammen  :  es  würde  jedoch  unsers  Wissens  der  einzige  Fall 
seyn,  wo  sich  Kugeln  statt  Ringen  gebildet  hätten.]  Der  Verf.  erklärt 
die  Bildung  dieser  Kugeln  durch  Anschiessen  der  Chalcedon  -  Masse  an 
kleine  Spitzchen ,  womit  die  Oberfläche  der  Cyathophyllen  etc,  bedeckt 
gewesen ,  und  deren  konzentrische  Schicliten  durch  Unterbrechungen 
dieses  Prozesses.  [Diese  Korallen  sind  übrigens  offenbar  nur  Geschiebe, 
Trümmer  von  Transitions-Gebirgeu,  und  nur  sehr  zufällige  Gesellschaf- 
ter dieser  Kochen-Reste.] 

Mehrere  Gelehrte  haben  geglaubt,  jene  Knochen-Reste  seyen  Korallen- 
Trümaier,  wesshaib  der  Verf.  weitere  Versuche  über  Eigenschwere  und 
chemische  Zusammensetzung  derselben  veranstaltete.  Die  Knochenrestc 
besitzen  ein  grösseres  spezifisches  Gewicht,  als  frische  Knochen.  Das  der 
Tibia  eines  Pferdes  ist,  nach  dem  vom  Vf.  verbesserten  Stereometer  von 
Say,  =2,247;  das  der  fossilen  Tibia  =  2,910  ;  das  der  übrigen  Knochen 


—     121     — 

3,060  bis  3,512.  —  Die  fossilen  Korallen  besitzen  gleich  22  vom  Verf. 
in  dieser  Hinsicht  untersuchten  lebenden  Arten  keine  Spur  von  phos- 
phorsaurem ,  sondern  nur  kohlensauren  Kalk.  —  Frische  Knochen  ent- 
halten nach  Berzelius  wesentlich  animale  Materie,  phosphorsaure  Kalk- 
und  Talk-Erde  und  kohlensaure  Kalkerde  ,  bei  verschiedenen  Thieren  in 
sehr  veränderlichen  Proportionen.  Einzelne  untersuchte  Stückchen  der 
fossilen  Knochen  von  Burtneck  gaben  dem  Verf.  thierische  Materie  (^ 
bis  ^  so  viel,  als  die  frischen  Menschen-  und  Rinder-Knochen  enthalten) 
nie  fehlend  bei  einer  ganzen  Reihe  von  Versuchen  desselben.  Die  ge- 
nauere Zerlegung  eines  fossilen  Knocheustucks ,  ergab  folgende  Zusam- 
mensetzung : 

Thierische  Materie 0,0621 

Phosphorsaure  Kalkerde     .....  0,6917 

Kohlens.  Kalkerde 0,0577 

Phosphors.  Talkerde 0,1500 

Quarzsand  und  Eisen-Tritoxyd  .     .     .  0,0176 

Das  Verhältniss  der  phosphors.  zur  kohlens.  Kalkerde  ist  =  1  :  12, 
was  unter  allen  bei  Berzelius  angeführten  Zerlegungen  frischer  Knochen 
am  meisten  einestheils  mit  dem  Verhältnisse  beim  Hecht  (1 ;  9)  ,  andern- 
theils  mit  dem  beim  Ochsen  (1:15)  übereinstimmt,  und  sich  am  wei- 
testen von  dem  beim  Frosch  und  Löwen  (1;39,7  und  1:38)  und  beim 
Lamm  und  Menschen  (1:4  und  1:4,7)  entfernt,  so  dass  aus  dieser 
Zusammensetzung  keine  weitere  Folgerung  gezogen  werden  kann ,  als 
die :  jene  Reste  seyen  wirkliche  Knochen  und  keine  Korallen.  Auch 
das  Verhältniss  der  phosphors.  Talkerde  zur  phosphors.  Kalkerde  ist 
bei  diesen  fossilen  Knochen  sehr  gross  =  1 : 4,6,  beim  Menschen  = 
1:45,7,  beim  Ochsen  1:28.  Die  Analyse  ergibt  ferner,  dass  die  fossilen 
Kil^chen  keine  versteinernden  Bestandtheile  enthalten,  welche  ihre  oben 
erwähnte  grosse  Eigenschwere  veranlasst  haben  könnten  ■,  diese  lässt 
sich  nur  erklären  durch  das  Verschwinden  einer  die  gewöhnliche  überstei- 
gende Menge  thierischer  Materie  und  somit  relatives  Überwiegendwerden 
der  Erdbestandtheile  nach  ihrem  Gewichte.  —  —  Die  Decken  -  Stücke 
mit  straligen  Höckern  sind  es,  welche  Fischer  von  Waldheim  als  Hyd- 
nophora  (H.  Cuvierii,  H.  Mollii,  H.  Freieslebenii)  beschrieben 
und  Lamarck  unter  Monticularia  aufgenommen  hat.  Dass  es  keine 
Korallen  seyn  können,  geht  aus  der  innern  Textur  der  Höckerchen  selbst 
wie  ihrer  Unterlage,  aber  auch  daraus  hervor,  dass  die  Achse  dieser 
angeblichen  Sternzellen  nicht  hohl  ist  um  einen  Polypen  als  Bewohner 
aufzunehmen ,  mithin  diese  gar  keine  Zellen  sind  ;  —  die  chemische 
Zerlegung  zeigt  aber  auch  hierin  ein  beständiges  Vorwalten  des  phos- 
phorsauern  Kalkes ,  wenig  kohlensauren  Kalk  und  viel  mehr  thierisciie 
Materie  ,  als  vgu  den  Polypen-Bewohnern  je  darin  zurückgeblieben  seyn 
könnte.  —  —  Auch  die  Zähne  hat  man  für  Korallen  (Cyathophyllen) 
und  Hippuriten  halten  wollen  ,  worauf  eine  undeutlich  strahlige  Textur 
ihres  Innern  hinzudeuten  scheint.     Aber  die  Details  ihrer  Bildung  selbst 


—     122      — 

so  wie  die  Ergebnisse  der  Analyse  sprechen    auch    hier  dagegen.    Die 
letztere  ergab: 


Thieriscbe  Materie    .    .    . 
Eisen-Tritoxyd       .     .    •     . 

Quarzsand 

Phosphors.  Kalk-  und  Talk- 
Erde      , 

Kohlensaure  Kalkerde    .     . 


Grane. 


1,965 
7,094 
Oj035 

36,250 
4,972 


Decimal-Quoten. 

mit  ohne 

dem  beigemengten  eisenschüssigen 

Quarzsand. 
.     .0385     .     .     .     .04549 
.     .1391 
.     .0007 


.7190 

.0975 


.83912 
.11509 


Summe     50,316     .     .     .     .9867     .     .     .     .99970 
Verlust       0,684     .     .     .     .0133     .     .     .     .00030 

Der  thierischen  Materie  ist  demnach  nur  halb  so  viel,  und  auch  die 
Phosphate  sind  in  viel  geringerem  Verhältniss  vorhanden ,  als  bei  den 
Knochen. 

Die  Resultate  sind  nun:  die  Knochen  können  von  grossen  Säuge- 
thieren,  Amphibien  oder  riesenmässigeu  Fischen  stammen  ;  sie  sind  nicht 
versteint,  enthalten  viel  Phosphat  und  haben  einen  Theil  ihrer  thierischen 
Materie  verloren ;  die  Decken  -  Stücke  deuten  durch  ihre  beträchtliche 
Dicke  auf  Riesen  -  Reptilien  oder  -Fische  hin,  und  zwar  von  mehreren 
Arten;  die  Zähne  eister  Art  können  nur  von  Sauriern  stammen,  deren 
Genus  nicht  näher  bestimmbar  ist;  einer  derselben  bei  Dor/?«f  gefunden, 
deutet  auf  ein  Thier  von  mehr  als  30'  Länge;  die  langen  Zähne  zweiter 
Art  rühren  von  einer  bis  jetzt  unbekannten  Thierklasse  her;  die  Koral- 
len sind  durch  Kalk-  oder  Kiesel-Masse  versteinert  und  daher  aus  einer 
altern  Formation  abstammend. 


v.  Humboldt:  Note  über  die  Fährten  eines  Vierfüssers  in 
der  bunten  Sandstein-Formation  v  on  Hildburghausen  (Vovles, 
b.  d.  Paris.  Akad.  am  17.  Aug.  1835  ^  Ann.  scienc.  nat.  1835,  IV, 
134 — 138,  Tf.  V).  V.  Humboldt  entscheidet  sich  nicht  bestimmt  für  ein 
Beutel  thier:  er  findet  die  Hinterfüsse  zu  fleischig  und  den  Daumen 
daran  zu  stark ,  erwähnt  daher  auch  der  Ähnlichkeit  der  Fährten  mit 
denen  von  Lemur  und  verwahrt  sich  gegen  jeden  Gedanken  an  Reptilien, 
insbesondere  Krokodile.  Auch  Roulin  findet  in  einer  Note  das  Gelien 
„pw  fauchanV*  sehr  auffallend,  doch  besinnt  sich  einer  der  Redaktoren 
jenes  Journals,  solches  in  einer  Menagerie  am  langlippigen  Bären  beob- 
achtet zu  haben.  [Wir  machen  darauf  aufmerksam,  dass  Thiere  mit  solchem 
^  Gange  hochbeinig  seyn  müssen  und  nicht  allzuleicht  mit  den  Vorder- 
füssen  —  nur  etwa  mit  der.Fussspitze  —  auftreten  können.]  Die  bei- 
gefügte Abbildung  der  Vorder-  und  Hinter- Fährte  ist  sehr  schön,  nach 
einem  Original  in  Berlin. 


—     123     ^ 
IV.  Verschiedenes. 

Mineralogische  Verhandlungen  der  Britischen  wissen 
Schaft  liehen  Versammlung    zu  Bristol  im  August  1836  (James. 
Edinb.  n.  phil.  Journ.  1836,  XXI,  319-368). 

I.     Oryktognosie  und  Mineral-Chemie  etc. 

Ettrick  gab  die  Form  eines  Blasrohres  an,  wodurch  dessen  Gebläse 
80  stark  wird,  wie  das  unter  Wasserdruck  hervorgebrachte. 

Daübeny  hielt  einen  Vortrag  über  den  gegenwärtigen  Stand  unserer 
Kenntnisse  von  den  Mineral-Wassern. 

MusitKT  zeigte  metallisches  Eisen  vor,  das  er  dadurch  erhalten, 
dass  er  Eisenerz  mit  wenig  Kohle  einer  lang  fortdauernden  Hitze,  ohne 
Schmelzung,  aussetzte. 

Datjbeny  erklärte,  dass  er  erwiesen  habe,  dass  die  Sublimation  der 
kohlensauren  Talkcrde  ein  ganz  mechanischer  Prozess  sey,  mithin  für  v. 
Buch's  Theorie  der  Dolomisation  nicht  zur  Grundlage  dienen  könne. 

II.     Geologie    und    Geognosie. 

Charlesworth  las  über  die  Wirbelthier  -  Reste  im  Crag  von  Nor- 
folk und  Suffülk.  Es  sind  Zähne  von  Carcharias  megalodon  Ao. 
von  Suffülk,  so  gross  wie  aus  den  Tertiärschichten  vou  Malta \  Zähne 
von  Squaius  bei  Orford\  Reste  von  Platex  Ag.  zu  Cromer]  u.  a. 
Fischknochen  ;  —  Mineralisirte  Knochen  der  Extremitäten  von  Wasser- 
Vögeln  ;  —  einige  Zähne  von  Mastodon  angustidens,  aus  der 
Gegend  um  das  Kirchspiel  Withinyham  in  Norfolk.  —  Conybeare 
führt  an ,  dass  nach  Lyell  die  tertiären  Konchylien  des  Crag  eben 
so  viele  noch  lebende  Arten  in  der  obern  als  in  der  untern  Abtheilung 
enthielten. 

BowMANN  sprach  über  die  Knochenhöhlen  von  Cefn  in  Den- 
higshire.  Stalaktiten  sieht  man  im  vorderen  Theile  der  Höhlen  ;  Kno- 
chen ,  die  oft  von  Wasser  abgerollt  sind ;  keine  Schädel ,  keine  Ko- 
prolithen. 

Sedgwick  und  Murchison  theilten  eine  Klassifikation  der  alten 
Schiefergebirge  von  Devonshire  und  Bemerkungen  über  die  wahre  La- 
gerung der  C  u  1  m  -  Absetzungen  im  zentralen  Theile  dieser  Grafschaft 
mit.  Ausführlicher  sollen  dieselben  der  geologischen  Gesellschaft  vor- 
gelegt werden,  worauf  wir  verweisen. 

De  LA  Beche  legte  einen  Theil  der  von  Genie  aufgenommenen  geo- 
logischen Karte  von  Devon  und  Cornwall  vor,  und  wies  den  allgemeinen 
Parallelismus  gewisser  grosser  Dislokations-Linien  in  den  Erz-führenden 
wie  in  den  Erz  -  leeren  Distrikten  nach.  Die  Linien  scheinen  ihm  in 
gleicher  geologischer  Zeit  entstanden  ;  der  Erz-Reichthum  aber  von  lo- 
kaleren Ursachen  bedingt.  Die  günstigsten  Bedingnisse  für  das  Vor- 
kommen von  Zinn   und  Kupfer   sind   die  Nähe    der  Verbinduugs  -  Linien 


^      124     — 

zwischen  dem  Granitischen  und  dem  Schiefer-Systeme,  das  Eindringen  von 
Granit-  und  Porphyr  -  Dykes  (Elvans)  in  beide,  das  Vorkommen  grosser 
die  Erzgänge  durchsetzender  Dislokations-Liuien  (cross-courses). 

Phillips  sprach  über  die  Verbreitung  der  Felsblöcke  in  Nord- 
England. 

Stutchbüry  und  Riley  berichteten  über  einige  neulich  entdeckte 
Saurier  aus  dem  Magnesian-Konglomerat  über  Kohlenkalkstein  von  Dura- 
Jiam  Down,  Sie  bilden  zwei  neue  Genera  Palaeosaurus  und  The- 
cadontosaurus,  an  denen  insbesondere  die  Wirbelsäule  merkwürdige 
Übergänge  zwischen  Sauriern  und  Fischen  darbietet. 

Hopkins  hielt  einen  sehr  wichtigen  Vortrag,  theoretische  Ansichten 
entwickelnd  über  geologische  Hebungs  -  Erscheinungen  [der  Auszug  bei 
Jameson  gibt  keine  klare  Ansicht  des  Wesens  dieses  Vortrags]. 

Fox  sprach  vom  EinHuss  verschiedener  Salz  -  Auflösungen  in  den 
die  Gesteine  durchdringenden  Wassern  auf  die  elektro  -  magnetischen 
Erscheinungen.  So  auch  von  dem  der  Richtung  der  Gebirgs  -  Spalten 
nach  der  Weltgegend  :  da  bekannt  sey,  dass  in  den  meisten  Theilen  der 
Erdoberfläche  die  Erzlagerstätten  aus  0.  nach  W.  oder  aus  N.O.  nach 
S.W.  streichen. 

A.  Crosse  von  Broomfield)  Somerset  y  erzählte  auf  die  an  ihn  er- 
gangenen Aufforderungen ,  obschon  er  kein  Geologe  und  nur  etwas 
Mineraloge  sey,  von  den  von  ihm  erdachten  Verbesserungen  Voltaischer 
Einrichtungen  und  von  den  auf  seinen  Gütern  hergerichteten  kolossalen 
Voltaischen  Apparaten.  Er  hatte  in  den  Quantock  Hills  eine  Höhle 
zwischen  Schiefer  und  Kalkstein  gesehen  ,  in  der  die  Oberfläche  der 
einen  Seite  —  des  Schiefers  —  mit  Arragonit-,  die  Wände  der  andern  Seite  — 
des  Kalksteins,  —  mitKalkspath-Krystallen  bedeckt  gewesen.  Dann  habe 
er  Theile  von  beiden  Gebirgsarten  unter  Wasser  längere  Zeit  (10  Tage 
lang)  galvanischer  Wirkung  ausgesetzt  und  so  künstlich  aus  dem  Schie- 
fer Arragonit-,  aus  dem  Kalkstein  Kalkspath  - Krystalle  dargestellt.  Im 
dunkeln  Keller  hatte  er  dasselbe  Resultat  mit  einem  vierten  Theile 
derselben  Kraft  schon  in  6  Tagen  erhalten.  Er  hatte  dieselben  Ver- 
suche wohl  hundert  Male  mit  gleichem  Erfolg  angestellt,  und  hält  sich 
völlig  überzeugt,  dass  es  möglich  sey,  Diamanten  und  alle  anderen  Kry- 
stalle auf  diesem  künstlichen  Wege  darzustellen.  Krystallisirter  Quarz, 
blaues  und  grünes  Kupfer  -  Karbonat ,  Chrysocolla  ,  Kupfer  -  Phosphat, 
Kupfer  -  Arseniat  ,  nadeiförmiges  Blei  -  Karbonat ,  Blei  -  Sulphat ,  weisses 
Antimon  und  viele  andere  Mineralien  zu  erhalten  war  ihm  bereits 
gelungen. 

Charlesworth  sprach  über  einige  Irrthümer  in  Lyell's  Bestimmung 
des  Alters  tertiärer  Bildungen  nach  Proceuten  lebender  Arten. 

FoRBES  hielt  einen  Vortrag  über  die  Gcognosie  der  Pyrenäen  und 
deren  Beziehung  zu  den  warmen  Quellen   derselben. 


.      —      125     — 

NAHumWAaD:  über  Salz-  und  Sü  sswasser-Qu  eilen  (Sillim, 
Amer,  Jourru  of  Scieuc.  1830  ^  July ;  XVIII,  379  —  380).  Es  wird 
aBgenommcn,  da.ss  natürliche  und  Bohr-Quellen  nur  dann  über  die  Erdober- 
fläche hervortreten,  wenn  in  ihrer  Nähe  Hügel  und  Berge  sich  erheben, 
in  welchen  Wassersäulen  befindlich  sind,  die  nach  der  Theorie  der  koni- 
munizirenden  Rohren  das  Wasser  jener  Quellen  über  den  Boden  her- 
aufdrücken. Wie  soll  man  es  aber  nun  erklären,  wenn  beim  Niedergehen 
mit  400' — 900'  tiefen  Bohrlöchern  von  der  Spitze  der  Hügel  eine  reich- 
licliere  Wasserquelle  gefunden  wird,  als  wenn  man  160  —  300  Ruthen 
weit  von  den  Hügeln  weg  in  der  Ebene  bis  zu  gleicher  Tiefe  bohrt? 
Und  in  der  That  werden  Salzlecken  in  diesen  gesammten  westlichen 
Gegenden  (W.  schreibt  von  Marietta  im  0/«'a- Staate  aus)  an  der  Erd- 
oberfläche und  gewöhnlich  an  der  Spitze  von  Anhöhen  gefunden.  Da- 
gegen kommen  einige  der  reichlichsten  unter  iimeu  am  Fusse  der  nie- 
drigsten Hügel  hervor ;  dort  ist  man  zu  grosser  Tiefe  niedergegangen, 
so  wie  auch  in  ThÜlern  200  Ruthen  von  nicht  hohen  Hügeln  entfernt ;  aber 
ohne  Erfolg ,  man  rausste  die  Arbeit  aufgeben.  Die  Einwohner  dieser 
Gegend  nehmen  als  Axiom  an,  das  auf  10 — 12jährige  Erfahrungen  beim 
Bohren  nach  Salzquellen  gegründet  seye,  dass  man  mit  dem  Bohren 
auf  den  höchsten  Hügeln  und  womöglich  mit  festem  Gestein  beginnen 
müsse.  Meilenweit  ist  keine  Spur  von  Salzwasser  zu  entdecken.  Aber 
mit  einer  Tiefe  von  170' — 800'  erhalten  sie  eine  starke  Soole  ,  welch« 
von  freien  Stücken  über  die  Oberfläche  hervorköninit  und  in  einigen 
Brunnen  10' —  12'  über  «lie  Eitle  «teigt,  ohne  nachzulassen.  In  alhn 
diesen  Fällen  haben  die  BruiiUcn  von  der  grössten  Tiefe  und  auf  dem 
Scheitel  der  höchsten  Hügel  Wasser  mit  der  giössten  Gewalt  hervorge- 
trieben. Diese  Hügel  haben  60'  —  200'  Höhe.  Wie  steht  es  hier  mit 
jener  Theorie  ?  —  Noch  sind  viele  andere  Soolbrunnen  30  —  40  Meilen 
von  jenem  Orte  am  MitsFdnyum- River ,  bei  Zanesville  und  am  Leading 
Creek  in  der  Grafschaft  Meigs,  die  schönes  Salz  geben. 


F.  Braun  :  über  die  Quellen  aus  v  e  r  s  c  Ii  i  e  d  e  n  e  n  Forma- 
tionen bei  Bayreuth  (Kastner  Arch.  f.  Chem.,  1834,  VIII,  225—227). 
Die  aus  dem  Keupcr  kommenden  Wasser  haben  wenig  freie  Kohlensäure, 
wenig  Kalk-  und  Natron-Karbonat,  Spuren  von  salzsauren  und  schwefel- 
sauren Salzen  und  veränderen  ihren  Bestand  während  langer  Röhren-s 
Leitung  wenig.  Das  Wasser  des  Muschelkalks  enthält  viel  Kohlensäure 
und  um  so  mehr  Kalk  -  Karbonat ,  je  länger  es  sich  im  Muschelkalke 
bewegt,  öfters  bis  zur  Tuffbildung;  auch  Natron -Karbonat  und  etwas 
Natron-  und  Kalk  -  Sulphat  mit  Spuren  salzsaurer  Salze;  zum  Brauen 
ist  es  unbrauchbar ;  in  der  Nähe  seines  Ursprungs  halten  sich  Fische 
nicht  gut  darin,  indem  sie  bald  krank  und  steif  werden  und  abstehen, 
während  es  nach  einem  eiustündigen  Laufe  in  Röhren  ,    wo  es  um  0*^,3 


—     126     —       . 

wärmer  wird ,  die  Fische  lange  gesund  und  schmackhaft  erhält ,  wahr- 
scheinlich in  Folge  chemischer  Änderung  auf  Kosten  des  Kalkkarhonats 
[oder  in  Folge  des  Verlustes  der  freien  Kohlensäure  ?].  Der  bunte 
und  der  Keuper  -  Sandstein  geben  das  beste  Wasser  mit  sehr  wenig 
freier  Kohlensäure,  wenig  Kalk-,  Natron-  und  Bittererde  -  Karbonat  und 
nur  Spuren  von  salzsauren  Salzen  und  zuweilen  etwas  Eisen. 


Ein  Aerolithen- Regen  ist  zu  Ende  Novembers  1833  zu  Kanda- 
har in  Indien  gefallen.  Sie  waren  so  häufig  und  gross  ,  dass  mehrere 
Dächer  durchlöchert  wurden  oder  einstürzten.  Ein  12jähriges  Kind, 
welches  einen  dieser  Steine  im  Hofe  holen  wollte ,  wurde  von  einem 
nachfolgenden  erschlagen.  Darnach  folgte  ein  so  dichter  Nebel,  dass 
ihn  die  Sonne  drei  Tage  lang  nicht  durchdringen  konnte  —  eine  in  die- 
sen Gegenden  unerhörte  Erscheinung  {Ann.  d.  voyag.  1834,  Juni,  II, 
415  —  416). 


Römerstrasse  im  Württembergischen  aufgefunden.  "  An  der 
Grenze  des  Beurener  Thaies  wurde ,  auf  Siegmaringenschem  Gebiete, 
eine  mit  grossen  Quadern  sorgfältig  gepflasterste,  20'  breite  Römerstrasse, 
2  bis  3'  unter  der  Dammerde  gefunden.  Der  Boden  über  derselben  ist 
mit  hochstämmigen  Tannen  bewachsen.  (Zeitungs-Nachricht). 


Agassiz  erhielt  von  der  geologischen  Societät  in  London  am  19. 
Februar  1836  die  WoLLASTOw'sche  Medaille  für  sein  Werk  über  fossile 
Fische ,  und  Deshayes  25  Pf.  Sterling  aus  der  WoLLASTON'schen  Stif- 
tung für  seine  Forschungen  über  tertiäre  Konchylien. 


Ausflug  ins  Isere  -  Departement 

Im   Monat   August   1S36, 


von 

Herrn  Dr.  Lortet. 


(Auszug  einer  brieflichen  Mittheiluug;  an  den  Geh.  Rath  v.  Leonhard.) 


Seit  längerer  Zeit  schon  versprach  ich  Ihnen  Nachricht 
zu  geben  über  meine  Wanderung  nach  Bourgd'  Oisans»  Ich 
habe  meinen  Reiseplan  bei  Weitem  nicht  so  vollständig  aus- 
führen können,  wie  es  mein  Vorsatz  war;  Warmholz,  der 
mich  begleiten  sollte,  büsste,  zwei  Tage  vor  meiner  Ankunft, 
das  Leben  ein.  Hingerissen  durch  seinen  Eifer  und  durch 
einen ,  nicht  selten  an  Unvorsichtigkeit  grenzenden  Muth 
stürzte  der  Unglückliche,  in  der  Nähe  der  Grube  Pisse- 
noire,  von  einer  1200  Fuss  messenden  senkrechten  Höhe 
herab.  Alle  Bergleute  beweinten  den  eben  so  unterrichte- 
ten und  thätigen,  als  liebenswürdigen  jungen  Mann. 

Die  eiförmige  Ebene,  welche  von  L^on  bis  Bourgoin 
sich  erstreckt,  überschritt  ich  schnell.  Die  Bourbre,  den 
Landstrich  durchfliessend ,  erhält  ihr  Wasser  aus  Sümpfen, 
welche  augenfällig  Überbleibsel  eines  See's  sind,  von  dem 
ich  später  reden  werde. 

Bei  la  Tur  du  Pin  besuchte  ich  die  Braunkohlen-Gruben, 
ohne  etwas  Neues  von  Bedeutung  zu  finden.  Zum  Theil 
Jahrgang;  1837.  ^ 


•        -     128     — 

hat  der  Abbau  unter  oifenem  Himmel  Statt.  Die  alten  Al- 
luvionen ,  Sand  und  Rollstücke ,  haben  zum  Theil  grosse 
Mächtigkeit.  Sie  ruhen  auf  einer  Lage  graulichblauen  Tho- 
nes,  und  unter  dieser  tritt  die  Braunkohle  auf.  An  den 
Braunkohlen  sieht  man  sehr  deutlich  das  Holz  -  Gefüge  und 
die  Rinde ,  allein  nach  Früchten  oder  Blätter  -  Abdrücken 
suchte  ich  vergebens.  Das  Liegende  der  Braunkohlen  macht 
ein  ähnlicher  Töpferthon  aus.  Wenn  Herr  Gueymard  in 
seiner  y^Mineralogie^  Geologie  et  Metallurgie  du  Departement 
de  l'Isere^^  s«g^  *i^ss  der  zuletzt  erwähnte  Töpferthon  das 
Liegende  der  Braunkohle,  eine  bis  jetzt  nicht  ausgemittelte 
Mächtigkeit  habe ,  dass  in  früherer  Zeit  ein  Schacht  von 
mehr  als  100  Fuss  niedergebracht  worden,  um  neue  Braun- 
kohlenlagen aufzufinden,  dass  man  jedoch  selbst  mit  jenem 
Sehacht  die  Thonbank  nicht  durchbrochen  habe,  welche  in 
allen  Gemeinden  getroffen  worden,  wo  die  Braunkohlen  vor- 
kommen u.  s.  w. ,  so  ist  diess  durchaus  ungegründet :  an 
mehr  als  zehn  Stellen,  wo  Braunkohlen-Gewinnung  Statt  hat, 
kann  man  sich  überzeugen,  dass  die  Thonlage  nicht  stärker 
als  zwei  bis  drei  Fuss  ist  und  dass  sie  auf  Rollstücken  ruht. 
Die  zur  Wasser -Loosung  dienenden  Stollen  stehen  meist  in 
der  fraglichen  Thon- Schichte. 

Gleymard  behauptet  ferner:  weder  in  der  Braunkohle, 
noch  im  Thon  sey  irgend  eine  Spur  von  organischen  We- 
sen getroffen  worden.  Auch  diese  Angabe  muss  ich  wider- 
legen; es  sind  Muscheln  verschiedener  Art  vorhanden  und 
im  Jahre  1S36  hat  man  einen  Kopf  von  zwei  Fuss  Länge 
gefunden,  der  leider  zerbrochen  und  beinahe  ganz  vernich- 
tet worden.  Nach  der  Aussage  der  Arbeiter,  so  wie  nach 
einigen  kleinen  Knochen  -  Fragmenten  zu  urtheilen  dürfte 
jener  Kopf  vom  Riesen-Tapir  abgestammt  haben. 

In  N.O.  von  la  Tour  du  Pin  und  bis  nach  Corbelin  er- 
strecken sich  Hügel  von  tertiären  Meeres-Ablagerungen.  — 
Bei  Voreppe  gewinnt  man  schöne  Molassen,  die  auf  dem  Kalk 
des  Grünsandsteines  ruhen.  Auch  weisser  und  gelber  Sand 
wird    gewonnen,    der    zur  Bereitung    von  Ziegelsteinen    für 


—     129      — 

die  Glasöfen  dient.  Im  Sande  kommen  quarzige  Nieren  vor, 
welche  durch  ihre  streifigen  Farben-Zeichnungen  ein  Agath- 
ähnliches Aussehen  erlangen,  der  Masse  nach  aber  zum  Sand- 
stein gehören. 

Von  Grenoble  aus,  der  durch  die  pittoresken  Kalkmassen 
ihrer  Umgebung  berühmten  Stadt,  folgte  ich  dem  Graisivati- 
dan-Thale  längs  der  Isere  am  linken  Ufer  hinansteigend  und 
erfreute  mich  an  dem  schönen  Kalk  -  Gehänge  des  entgegen- 
liegenden Ufers.  Die  Gestein  -  Wände  sind  senkrecht  abge- 
schnitten und  gewunden,  wie  die  Bastionen  einer  gigantischen 
Befestigung.  Zwei  in  bestimmter  Weise  geneigte  Ebenen 
endigen  eine  jede  der  einzelnen  steilen  Abdachungen.  Die 
AUuvionen  schwarzen  Sandes ,  welche  die  Ebenen  bilden, 
scheinen  eine  grosse  Mächtigkeit  zu  haben.  Auf  dem  linken 
Ufer,  dem  ich,  wie  gesagt,  folgte,  sieht  man  den  Kalk  nicht 
wie  an  der  andern  Fluss-Seite  in  fast  wagerechte  Schichten 
getheilt;  hier  erscheinen  seine  Lagen  überall  beinahe  verti- 
kal aufgerichtet.  —  Man  könnte  glauben,  in  ein  schönes 
Schweitzer -'Yh^X  versetzt  zu  seyn;  aber  der  unedle  Baustyl 
der  Häuser  und  die  Unreinigkeit  der  Bewohner  enttäuschen 
sehr  bald  den  Reisenden. 

Von  Grenoble  bis  Goncelin  hat  man  zur  linken  Seite 
*  Ale  Isere  mit  ihren  AUuvionen,  und  rechts  schwarzen,  Be- 
lemniten  führenden  Kalk.  Auf  dem  Wege  nach  Allevard 
durchschneidet  man  die  kalkige  Kette ;  die  Profile  haben 
Ähnlichkeit  mit  der  von  Studer  beschriebenen  Flysch-Gruppe. 
Der  Kalk  streicht  bei  Allevard  urtgefähr  in  der  dritten 
Stunde,  Er  führt  Belemniten  und  Ammoniten.  Letztere 
stehen  immer  senkrecht  auf  den  Blättern  des  Kalks,  ihre 
Spirale  ist  regelmässig  elliptisch  ,  die  grosse  Achse  der  El- 
lipse bis  doppelt  so  lang,  als  die  kleine  erstere  parallel, 
diese  senkrecht  auf  die  Ebene  der  Gesteinsblätter ,  wie 
meine  beigefügte  Handzeichnung  angibt*).    Diese  Form  scheint 


')  Diese  Zeichnung  stellt  eine  Art  aus  der  Familie  der  Arietes  dar, 
von  etwa  6"  Durchmesser.      '  D.  R. 

9* 


—     130     - 

die  Wirkung  mechanischer  Zerdrückung  zu  seyn,  obschon 
auffallen  muss,  dass  sie  so  regelmässig  und  ohne  Bruch  ent- 
standen ist. 

Auf  dem  rechten  Ufer  des  JBredal ,  welcher  in  der 
Schlucht  von  Allevard  seinen  Lauf  hat,  trifft  man  Gyps- 
Ablagerungen  in  der  Mitte  der  Kette ;  sie  werden  durch 
Steinbruchbau  gewonnen.  Die  Gypse  streichen  ungefähr  h. 
4.  und  finden  sich  in  der  Nähe  Anthrazit -führender  Sand- 
steine 3  welche  derselben  Richtung  folgen ,  aber  nach  den 
Alpen  hin  sich  senken  unter  Winkeln,  die  zwischen  40  und 
80*^  wechseln.  Diese  Sandsteine  sind  grau,  grünlich,  oder 
röthlich  gefärbt  und  dienen  beim  Bau  von  Hohöfen.  Durch 
das  Feuer  werden  sie  gebleicht ,  porös  und  erscheinen  wie 
durchdrungen  mit  wurmförmigen  Metall  -  Massen  *).  —  Der 
Sandstein  ruht  auf  talkigen  Schiefern ,  deren  Lagen  senk* 
recht  stehen  und  h.  3 — 4  streichen;  sie  sind  es,  welche  die 
Eisenerz-Lagerstätten  enthalten. 

Man  weiss  nicht,  in  welcher  Zeit  die  ersten  Erze  hier 
gewonnen  wurden;  gegenwärtig  findet  man  sehr  viele  Gru- 
benbaue, so  dass  das  Werk  weit  mehr  leisten  könnte,  wenn 
zureichendes  Brenn*Material  vorhanden  wäre. 

um  die  Stollen  de  la  Taillat  zu  befahren  muss  man 
die  Höhe  ersteigen ,  welche  Allevard  und  das  Hüttenwerk 
beherrscht.  Sie  ist  in  dem  Grade  mit  losen  Fels  -  Blöoken 
(blocs    erratiques)    von  Granit,    von  Grauwacke   und   andern 


*>  Herr  Dr.  Lortet  theilte  mir  vou  dem  durchs  Feuer  geg:angenen 
Sandstein  sowohl,  als  von  dem  ungeglühten  mit.  Der  letzte 
enthält  zahllose,  sehr  kleine,  aber  dennoch  zum  Theil  mit  freien 
Augen  erkennbare  Eisenkies-Krystalle,  scharf  und  bestimmt  ausge- 
bildete Pentagon-Dodekaeder.  Der,  aus  den  Hohöfen  entnommene, 
in  der  oben  beschriebenen  Weise  umgewandelte  Sandstein  zeigt 
wicht  einen  Eisenkies  -  Krystall  mehr;  diese  haben  denkwürdige 
Umwandelungen  erlitten ,  denn  statt  ihrer  enthält  die  geglühte 
Masse  überall  kleine  Draht  -  förmige ,  zähnige  und  zackige  Theil- 
chen  von  stahlgrauer  Farbe  ,  welche  nach  einer  damit  vorgenom- 
nen  Untersuchung  Schwefeleisen  sind  ,  aber  in  einem  andern  Ver- 
hältnisse ,  als  der  Eisenkies.  Zu  einer  vollständigen  Analyse 
reichte  die  Menge  nicht  hin.  L. 


-      131     — 

Trümmer-Gebilden  bedeckt  dass  der  Kalkstein,  woraus  der 
Berg  besteht,  nur  mit  Mühe  zu  sehen  ist.  Auf  dem  Gipfel 
erblickt  man  die  „Gold-Grube  am  Gletscher/^  Rein  Bergmann 
würde  wagen,  in  den  alten  Bau  einzudringen.  Seltsame 
Dinge  erzählte  sich  das  Volk  von  dieser  mine  des  Genevois^ 
wie  die  Grube  auch  genannt  wird.  Zu  gewissen  Zeiten 
soll  nämlich  ein  Fremder  gekommen  seyn  und  einen  der 
Einwohner  als  Führer  zum  Gletscher  verlangt  haben.  In 
der  Nähe  der  Öffnung  angelangt  Hess  sich  der  Donner  hören, 
Blitzschläge  folgten  auf  Blitzschläge ,  und  aus  der  Mitte 
eines  dichten  Nebels  fiel  ein  Ha^el  von  Steinen  nieder.  Der 
erschreckte  Führer  sieht  seinen  Fremden,  einen  Verbündeten 
des  bösen  Geistes,  nicht  mehr,  und  entflieht  u.  s.  w. 

Von  Pinsot  folgte  ich  stets  dem  Laufe  des  Azeins]  zu 
meiner  Linken  erheben  sich  die  granitischen  Höhen  des 
grand  charnier  und  des  grand  glader,  Jenseits  la  Fernere 
gelangt  man  zur  combe  de  madame  und  zu  den  sepf  lacs. 
Der  Fusssteig  führt  dicht  an  mehreren  Fels-Mauern  vorbei, 
in  denen  Epidot-Gänge  zu  sehen  sind. 

Die  sieben  See'n  liegen  in  verschiedenen  Niveaus  und 
sind  voneinander  geschieden  durch  Dämme,  welche  theils  aus 
anstehendem  Fels  gebildet  scheinen,  theils  sind  es  ungeheure 
Moränen ,  Folgen  von  Einstürzungen  nachbarlicher  Höhen. 
Alles  Gestein  ist  Gneiss,  der  sich  jedoch  stets  mehr  oder 
weniger  granitisch  zeigt.  Dieses  Thal,  wenn  man  den 
Verwüstungs-Ort  mit  solchen  Namen  belegen  will,  zeigt  im 
höchsten  Grade  alle  Spuren  furchtbarer  Katastrophen,  Zer- 
reissungen,  Brüche  in  mehreren  Richtungen.  Man  möchte 
glauben ,  dass  die  kahlen  Piks  zu  beiden  Seiten  emporstei- 
gend erst  seit  Kurzem  von  einander  getrennte  Felsmassen 
sind.  Jährlich  stürzen  zahllose  Blöcke  herab  und  bis  zu 
den  Seen  hin.  — •  Jenseits  des  letzten  See's  wird  die 
Schlucht  sehr  eng;  senkrechte  Felsmassen  erheben  sich  zu 
beiden  Seiten,  Von  hier  bis  zur  Ölte  nichts  als  steile  Ab- 
stürze, wechselnd  mit  Schutthaufen  von  Felsen-Brüchen,  so 


—     132     — 

dass  man  ohne  einen  dieser  Labyrinthe  wohl  kundigen  Füh- 
rer sich  leicht  verirren  könnte. 

Beim  Hinabsteigen  vom  Rivier  nach  Allemont  sah  ich 
Grand  Bots,  wo  eine  Eisenspath-Lagerstätte  in  Talkschiefer 
abgebaut  wird.  Man  überschreitet  alsdann  zu  wiederholten 
Malen  Gneiss  und  Talkschiefer,  welche  im  Wechsel  mit  ein- 
ander auftreten  und  deren  Lagen  fast  senkrecht  stehen. 

Das  Schmelzwerk  und  das  Dor{  Allemont  liegen  auf  einem 
schwarzen,  thonigen  Kalkschiefer,  welcher  über  Talkschiefer 
gelagert  ist. 

Ohne  Ihnen  alles  Bekannte  über  die  Chalanches  wieder- 
holen zu  wollen,  ohne  mich  auf  Details  einzulassen,  wie  Sie 
solche  in  Thury's  Abhandlung  nachlesen  können  *),  will  ich 
auf  jene  Thatsachen  mich  beschränken,  welche  mir  am  auf- 
fallendsten waren.  —  Die  talkigen  Schiefer  mit  Granaten  am 
Fusse  des  Berges  dienen  als  ein  sehr  vorzügliches  Material  zum 
Bau  der  Schmelzöfen ;  den  schieferigen  Kalk  gewinnt  man,  um 
denselben  zur  Dach-Bedeckung  zu  benutzen.  Gneiss,  Diorit, 
Hornblende -Gestein  sind  die  Felsarten,  woraus  der  Berg 
besteht;  alle  gehen  in  vielartiger  Weise  in  einander  über 
und  so  werden  zahllose  Varietäten  erzeugt,  für  welche 
man  nicht  selten  keine  Namen  hat.  In  der  Höhe  des  Ber- 
ges zumal  herrscht  das  bunteste  Durcheinander.  Der  yyClot- 
Chevalier^^ ,  welcher  das  Ganze  beherrscht ,  besteht  aus 
Anthrazit-führendem  Sandstein  mit  Pflanzen  -  Abdrücken.  — 
Dieser  berühmte  Berg  des  Chalanches  ist  mit  so  vielen  Stol- 
len durchlöchert ,  dass  man  deren  Gesammt  -  Erstreckung, 
nach  den  Gruben -Rissen  zu  urtheilen ,  wohl  auf  zwanzig 
Stunden  anschlagen  könnte. 

Vom  Schraelzwerk  Allemont  begab  ich  mich  nach  Bourg 
d  Oysans.  Der  Weg  führt  über  eine  weit  erstreckte  Alluvial- 
Ebene.  Zur  Rechten  hat  man  die  Schutthaufen  der  Felsen- 
Brüche  des  Cornillons ,  wo  Gelegenheit  geboten  ist  manch- 
faltige  Hornblende-Gesteine  sammeln  zu  können,  zur  Linken 


*)  Journal  des  Mines,   Vol.  XX. 


-      133      -^ 

ist  das  Romane  he -Thal,  und  jenseits  des  Flusses  der  Kalk 
mit  Belemniten  von  Villard -Reculas.  Aus  der  Ferne  schon 
lassen  sich  die  gewundenen  Schichten  dieses  Kalkes  von  den 
Gneiss-  und  Glimmerschiefer -Lagen  unterscheiden,  inmitten 
welcher  die  Sarenne  sich  ihr  Bette  grub  und,  einen  Wasser- 
fall bildend,  in  die  Romanche  hinabstürzt.  Unverkennbar 
zeigen  sich  die  Kalk- Schichten  am  meisten  gewunden,  je 
näher  dieselben  den  plutonischen  Massen  befindlich  sind. 
Sie  man  dieses  amphitheatralisch  im  primitiven  Boden  aus- 
geweitete Thal ,  die  sehr  scharfe  Scheidung  des  Kalkes  und 
den  kleinen  Kegelberg  in  der  Mitte  erblickt ,  so  wird  man 
geneigt,  an  einen  Erhebungs-Krater  zu  glauben.  Wohl  ver- 
diente diese  Örtlichkeit  einer  detaillirten   Untersuchung. 

Auf  dem  Romanche -\]{ev  gewähren  die  Kalk  -  Schichten 
besonders  interessante  Ansichten,  Der  Cornillon,  Infernet 
und  l'ailiefer  zeigen  ähnliche  geognostlsche  Zusammensetzung, 
wie  die  Chalanches :  Gneiss  und  Talkschiefer  in  Hornblende- 
Gesteine  übergehend.  Die  Kalk  -  Schichten  sind  horizontal, 
geneigt ,  senkrecht  und  vielartig  gewunden.  Sie  führen 
viele  Kiese. 

Von  Bourg  -  dOysans  kehrte  ich  —  da  mir  die  Zeit 
fehlte  5  bis  zu  den  Bergen  de  la  Grave  und  Lantarel  vorzu- 
dringen —  auf  meinen  Schritten  zurück,  der  Romanche  fol- 
gend, um  nach  Vizille  zu  gehen.  In  diesem  Thale,  welches 
die  wihle  Romanche  durchströmt,  zeigen  sich  die  Berge  an 
deren  rechtem  Ufer  nackt  und  zerrissen  vom  Gipfel  bis  zum 
Fusse ;  nicht  leicht  dürfte  eine  Stelle  zu  finden  seyn,  wo 
man  Schichten-Biegungen  und  Zerreissungen  besser  studiren 
kann.  Häufige  Fels-Stürze  bringen  Massen  und  Bruchstücke 
von  den  Gipfeln  herunter,  und  so  ist  Gelegenheit  geboten, 
alle  Felsarten-Abänderungen,  die  hier  vorhanden  sind,  kennen 
zu  lernen:  Gneiss,  Glimmer-  und  talkiger  Schiefer,  Horn- 
blende-Gestein, Quarz  mit  Chlorit-Parzellen  und,  wie  in  den 
Chalanches^  vielartige  Übergänge  aus  einem  Gestein  ins  an- 
dere. Bis  in  die  Mitte  des  Thaies  rollten  niedergestürzte 
ungeheure  Blöcke,    20  bis  30  Fuss   nach   allen  Dimensionen 


—     134     — 

messend ;  sie  brachen ,  aber  der  Bruch  ist  so  frisch ,  die 
Theile  befinden  sich  einander  so  nahe,  dass  man  glaubt  die- 
selben leicht  wieder  an  einander  fügen  zu  können.  Von 
Chichilianne  nach  Vizille  tritt  das  Thai  weiter  aus  einander; 
die  Gehänge  werden  sanfter ;  kleinere  und  mehr  zugerundete 
Bruchstücke  bilden  die  Alluvionen  der  Romanche, 

Bei  Vizille  wird  Gyps  gewonnen.  Er  setzt  eine  ge- 
waltige Masse  im  Belemniten  führenden  Kalk  zusammen, 
woraus  auch  der  Conex-Berg,  bekannt  durch  seine  schönen 
Fels  -  Gestalten ,  besteht.  Eine  andere  Gyps  -  Ablagerung  ist 
nicht  weit  davon  bei  Champ  zu  finden.  Man  steigt  am  Ge- 
hänge hinan,  welches  mit  vielen  losen  Granit  -  Blöcken  be- 
deckt ist,  der  Berg  besteht  aus  thonigem,  schicfrigem  Kalk. 
Auch  Massen  eines  Konglomerates  werden  getroffen,  in  dem 
Quarz-  und  Granit-Trümmer  durch  ein  kalkiges  Zäment  ge- 
bunden erscheinen.  Bis  Champ  lässt  sich  der  Kalk  verfolgen» 
Man  sieht  das  Gestein  in  der  Nähe  des  Gypses ,  oder 
da,  wo  dasselbe  mit  der  Variolite  du  Drac  (einer  Abände- 
rung der  sogenannten  Wacke  ?)  zusammentrifft.  Letztere 
Felsart  bildet  einen  mächtigen  Gang.  Die  Gyps  -  Schichten 
stehen  senkrecht  und  sind  denen  des  Kalkes  parallel.  Es 
dürfte  kaum  in  Frage  zu  stellen  seyn,  dass  der  Kalk  in 
Gyps  umgewandelt  worden;  man  erkennt  in  letzterem  noch 
die  Blätter-Struktur  des   ersteren. 

Von  Vizille  begab  ich  mich  nach  Vriage^  dem  Vaul' 
naveys-Thsile  folgend.  Die  Höhen  zur  Rechten  bestehen  aus 
Talkschiefer,  in  welchem  Gestein  die  Eisenerz -Lagerstätten 
aufsetzen,  welche  bei  Pierre  plate,  bei  la  grande  Combe,  Sie* 
Julie  und  des  Halles  abgebaut  werden.  Ich  besuchte  den 
letzteren  Ort;  das  gewonnene  Erz  ist  ein  grossblättriger 
Eisenspath.  —  Die  Berge  zur  linken  Seite  des  bemerkten 
Weges  bestehen  ganz  aus  dem  schwarzen  Kalk  mit  Be- 
lemniten. 

Wie  es  scheint ,  so  benutzten  schon  die  Römer  die 
Wasser  von   Vriage ,   welche    übrigens    keine  Thermen   sind. 


—     135     — 

Nach    den    Analysen    der    Herren   Berthier  ,    Breton    und 
GuEYMARD  enthalten  dieselben: 

Kohlensauren  Kalk 0,000120 

Schwefelsauren  Kalk 0,000710 

Kohlensauren  Talk 0,000012 

Schwefelsauren  Talk 0,000395 

Schwefelsaures  Natron 0,000840 

Salzsaures  Natron 0,003560 

Freies  geschwefeltes  WasserstoflFgas  0,000013 
Hydro-Sulphat  von  Kalk-  und  Talk- 
Erde      0,000110 

Kohlensäure,  Spur. 
Stickstoff   6  Kubik  -  Centimeter   auf 
das  Litre. 

0,005760 

Die  Wasser,  mit  denen  man  täglich  2—300  Tropfbäder 
Jiefern  kann,  leisten  bei  Flechten  und  andern  Haut -Krank- 
heiten wesentliche  Dienste, 

Um  Von  Vriage  ins  Isere-Th-A  zu  gelangen,  verfolgt 
man  eine  Schlucht  im  schwarzen,  Belemniten -  führenden 
Kalk.  Diesen  Weg  wählte  ich,  als  ich  nach  Grenoble  zu- 
rückkehrte. 

Es  war  mein  Wunsch,  ehe  ich  den  schönen  Landstrich 
verliess ,  die  y^grand  Chartreuse^^  noch  einmal  zu  sehen.  Ich 
wählte  die  y^route  du  Sapey.^^  Mergeliger  Kalk,  sodann 
grauer  Kalk  von  zahllosen  weissen  Adern  durchzogen,  sind 
die  Gesteine,  welche  man  trifft.  Auf  dem  ganzen  Wege 
und  weit  oberhalb  des  Sapey  liegen  sehr  viele  lose  Blöcke 
von  Granit  und  Hornblende  -  Gesteinen.  Nahe  beim  Sapey 
überschreitet  man  einen  zum  Grün  -  Sandstein  gehörigen 
Kalk,  auffallend  durch  seine  schneeweise  Farbe  und  durch 
die  seltsam  gestalteten  Felsmassen,  welche  er  bildet  Am 
denkwürdigsten  schienen  mir  die  mit  dem  Namen  yyles  grands 
rocher s^*  bezeichneten ,  oberhalb  des  Sapey ;  ihre  Formen 
sind  ganz  besonders  charakteristisch.  Sie  ähneln  vier  ge- 
waltigen Brücken  -  Pfeilern ,  deren  Bogen  eingestürzt  sind. 
Bis  zur  grande  chartreuse,  und  bis  zum  Gipfel  des  grand  Som, 
dem  erhabensten  Punkt,  bleibt  der  Kalk  immer  derselbe.  — 


—      136     — 

Was  über  einen  mächtigen  Granit-Gang  gesagt  worden,  der 
im  AJpen-Thale  von  Bovinan  den  Kalk  durchbrechen  soll, 
fand  ich  nicht  bestätigt.  Ich  sah  nur  Sandstein  -  Masse,  — 
Erst  bei  Saint-Laurent-du-Pont  findet  man  andere  Gesteine: 
Lias,  Molasse  und  darüber  Diluvium.  Kalk  und  Molasse  hal- 
ten bis  Poncier  an.  Von  hier  bis  Voreppe  nur  Molasse  und 
Diluvium. 

Von  Voreppe  aus  besuchte  ich  zum  zweiten  Male  la 
Tour  du  Pin  und  Corbelin,  um  nach  Morestel  mich  zu  be- 
geben, wo  mich  die  Kalkstein-Ablagerungen  und  die  Dimensio- 
nen eines  See's  interessirten ,  welcher  in  diesen  Gegenden 
existirte,  als  der  Damm  des  /JÄowe- Falles  noch  höher  war. 
Auf  meinen  verschiedenen  Wanderungen  beging  ich  alle 
Grenzen  dieser  gegenwärtig  fast  ganz  ausgetrockneten 
Sümpfe,  in  denen  man  beim  Gewinnen  des  Torfes  ungeheure 
Eichenstämme  trifft ,  fast  so  schwarz ,  wie  Ebenholz.  Beim 
Graben  bis  zu  gewisser  Tiefe  findet  sich,  zumal  in  den  öst- 
lichen und  westlichen  Theile  der  Sümpfe,  ein  schöner  grauer 
Sand,  ähnlich  dem  des  Rhone \  es  wird  von  Anwohnenden 
auch  als  Rhone -^vmA  bezeichnet,  und  man  behauptet,  dass 
der  Fluss  hier  ehedem  seinen  Lauf  gehabt,  —  Bei  niederem 
Wasser  kann  man  deutlich  sehen ,  dass  die  Schichten  der 
den  Damm  bildenden  Kalk -Felsen  gegen  S.O.  fallen.  Bei 
Hochwasser  wird,  da  die  Schlucht  ziemlich  eng  ist,  ein  Theil 
der  Sümpfe  vom  Rhone  überströmt,  die  Wasser  dringen  bis 
in  die  Nähe  von  Morestel  vor. 


Geognostisclie  Beschreibung 

des 

Weilers     Berg, 


von 


Herrn  Bergrath  Dr.  Hehl. 


Der  Weiler  Berg  wird  von  S.O.  nach  N.W.  von  dem 
sogenannten  Mühlrain ,  von  N.W.  nach  N.  von  der  von 
Stuttgart  nach  Kannstadt  führenden  Chaussee,  von  N.  nach 
S.O.  vom  Neckar  begrenzt. 

Die  hier  vorkommenden  Gebirgsarten  sind  der  Süss- 
wasserkalk  und  der  plastische  Thon  der  tertiären  Forma- 
tion, und  das  Alluvium« 

Der  Süsswasserkalk,  der  zur  Jüngern  Süsswasserkalk- 
Formation  gehört  und  sich  vorzüglich  in  der  Umgegend  des 
den  Weiler  durchfliessenden  Nesenbachs  findet,  scheint  das 
Produkt  des  Niederschlags  aus  demselben  zu  seyn,  als  das 
Stuttgarter  Thal  zwischen  dem  Hügel,  auf  dem  die  Kirche 
in  Berg  liegt,  und  zwischen  dem  Rosenstein  noch  geschlos- 
sen war,  und  die  Flötze  von  Süsswasserkalk ,  die  auf  den 
vormaligen  Hirschbad-Wiesen  vorkamen,  jetzt  aber  meist  ab- 
gebaut sind,  zur  nämlichen  Zeit  abgesetzt  wurden. 

Er  kommt  theils  im  Nesenbach  links  von  der  Chaussee, 
theils  rechts  vor,  und  wurde  vor  mehreren  Jahren  beim 
Graben  eines  Kellers  aufgedeckt ;  er  findet  sich  von  .gelblich- 
brauner Farbe,  dichtem  Bruch,  ist  hart  und  klingend,  und 
auf  den  Ablosnngs  •  Flächen    meist   mit   einer  braunen  Rinde 


—    las    — 

von  Eiseiioxyd  überzogen ;  da  er  nur  einige  Fuss  tief  auf- 
gedeckt wurde,  so  lässt  sieh  seine  Mächtigkeit  nicht  angeben, 
die  übrigens  nicht  bedeutend  seyn  mochte. 

Der  plastische  Thon,  der  grösstentheils  den  Boden,  die 
eigentliche  Grundfläche  von  Berg  bildet,  und  hauptsächlich 
durch  die  Bohrversuche  auf  artesische  Brunnen  aufgeschlos- 
sen wurde,  besteht  grösstentheils  aus  abwechselnden  Schich- 
ten von  blaulichgrauem  Thon  und  Mergel  von  8  —  22  Fuss, 
welche  wahrscheinlich  durch  Wasser- Strömungen  von  den 
nordwestlich  gelegenen  Bergen  hier  abgesetzt  wurden  und 
das  Ideine  Bassin  ausfüllten,  auf  dem  jetzt  Berg  erbaut  ist  5 
er  findet  sich  ausserdem  noch  in  der  Nähe  von  Oeffingen^ 
1  Stunde  von  Kannstadt ,  3  —  4  Fuss  mächtig  auf  Muschel- 
kalk abgesetzt. 

Der  Muschelkalk  wurde  übrigens  bei  den  bisherigen 
Bohrarbeiten  in  Berg  noch  nie  erbohrt,  unerachtet  er  in  der 
Nähe  von  Kannstadt  in  mächtigen  Bänken,  durch  die  sich 
der  Neckar  sein  Flussbett  ausgewaschen  hat ,  ansteht  und 
die  obersten  Schichten  desselben  in  Stuttgart  beim  Abteu- 
fen von  Pumpbrunnen-Schächten  in  einer  Tiefe  von  30  Fuss 
gewöhnlich  durchsunken  werden. 

Bedeutender  in  Hinsicht  auf  Ausdehnung  und  Mächtig- 
keit, als  die  beiden  vorhergehenden  Formationen  ist  die  des 
Alluviums  am  Mühlrain  und  an  dem  Hügel,  auf  dem  die 
Kirche  steht,  welche  beide  den  Flächenraum  von  Berg  süd- 
lich und  westlich  einschliessen. 

Dieses  Alluvium  wurde  wohl  damals,  als  sich  der  Neckar 
sein  Flussbett  unterhalb  Kannstadt  noch  nicht  ganz  gebildet 
hatte,  und  diese  Gegend  noch  ein  kleiner  Landsee  war,  von 
den  Geschieben,  die  der  Neckar  derzeit  noch  führt,  abge- 
setzt und  aufgehäuft,  und  bildete  somit  die  über  dem  Was- 
serspiegel des  Kanals  bestehenden  Höhen,  welche  theils  aus 
grösseren,  theils  kleineren  und  meist  platten  Geschieben  von 
Faust-  bis  öuadratzoll  -  Grösse  und  noch  kleineren  bestehen, 
und  unter  denen  sich  Gerolle  von  Liaskalk,  Marlysandstone, 
Liassandstein ,     meist    aber    von    dichtem    oberen    Jurakalk, 


& 


—     139     — 

letzterem  von  verschiedenen  Abstufungen  des  Weisslich-  bis 
Bräunlich-Gelben  linden ,  vrelche  lose  in  einem  leberbraunen 
Mergel  liegen,  mitunter  aber  durch  ein  Bindungsmittel  von 
weisslichgelbem  oder  graulichgelbem  Keupersandstein  aus 
dessen  obersten  Schichten ,  aber  meist  nicht  sehr  fest  zu- 
sammengebacken sind,  und  theils  grössere,  hin  und  w^ieder 
in  der  oben  erw^ähnten  Geschiebmasse  liegende  Brocken  von 
mehreren  Kubikfussen ,  theils  auch  w^eiterhin  fortsetzende 
Bänke  bilden,  und  sich  an  die  Schichten  des  rothen  Keuper- 
mergels,  aus  denen  der  höllische  Bühl  besteht,  anlehnen. 

Das  Merkwürdigste,  vras  in  Berg  sich  in  Beziehung 
auf  Geognosie  findet,  ist  der  Reichthum  von  artesischen 
Brunnen,  die  sich  beinahe  an  jedem  Punkt,  wo  man  bohrt, 
zeigen. 

Bekanntlich  finden  sich  die  artesischen  Brunnen  in 
Frankreich  und  namentlich  im  Pariser  Becken  da ,  w^o  eine 
schief  geneigte  Fläche  von  Süsswasserkalk  mit  plastischem 
Thon  bedeckt  ist,  und  die  atmosphärischen  Wasser,  die  sich 
durch  den  Süsswasserkalk  niedersenken,  durch  den  plasti- 
schen Thon  zurückgehalten,  beim  Bohren  in  dem  Bohrloch 
und  über  dasselbige,  je  nach  dem  Höher -Liegen  des  Süss- 
wasserkalks,  aufsteigen. 

Alle  diese  Quellen  aber,  die  man  in  der  IMähe  von  Paris 
erbohrt  hat,  führen  süsses  Wasser 5  von  6 — 8**  R.  Tempe- 
ratur, die  Quellen  in  Berg  und  Kannstadt  hingegen  sind 
salzige  Stahlwasser  von  einer  Temperatur  von  14 — 17.]^  R. 
Ohnerachtet  nun  letztere  mit  den  Französischen  Quellen  in 
so  fern  ein  gleiches  geognostisches  Vorkommen  haben ,  dass 
sie  ebenfalls  unter  den  Schichten  des  plastischen  Thones  er- 
bohrt wurden,  so  weiset  doch  der  bedeutende  Gehalt  an 
mineralischen  Bestandtheilen  und  kohlensaurem  Gas,  haupt- 
sächlich aber  die  erhöhte  Temperatur  derselben,  welche  sich 
bei  allen  Veränderungen  der  Atmosphäre  gleich  bleibt,  dar- 
auf hin,  dass  dieselben  nicht  wohl  aus  den  untern  Flötzen 
des  Muschelkalks  entspringen,  sondern  in  grösserer  Tiefe 
durch    einen    wahrscheinlich   galvanischen    Prozess   gebildet 


—     140     — 

werden.  Denn  keimen  sie  aus  dem  Muschelkalk  ,  so  wären 
es  gewöhnliche  Salzquellen  von  8  —  11®  R.  und  würden 
nicht  in  solch'  grosser  Quantität,  auch  nicht  als  Steigwasser 
erscheinen.  Dass  übrigens  die  Wärme  der  Quellen  in  meh- 
rerer Tiefe  zunimmt,  zeigt  sich  bei  Sulz  am  Neckar^  wo 
die  Temperatur  der  Soole  je  nach  verschiedenen  Tiefen  von 
9  —  13®  R.  wechselt  5  und  bei  den  Quellen  im  Wüdbad, 
welche  mit  23i  —  30®  R.  unmittelbar  aus  dem  Granit  her- 
vorströmen, 

Sämmtllche  in  Württemberg  erbohrte  Quellen  lassen 
sich  daher  unter  nachfolgende  drei  Rubriken  bringen : 

1.  Süsse  Wasser, 

2.  Sauer- Wasser  5 

3.  Salzsoolen. 

Erstere  sind  entweder  Steigwasser  {fontaines  jaillitsan^ 
tes)  von  8  — 11®  R.  und  gehören  dann  in  die  Kategorie  der 
artesischen  Brunnen  Frankreichs^  die  oben  angeführt  wur- 
den 5  oder  sie  haben  eine  Temperatur  von  23  —  30®  R.  und 
dann  kommen  sie  aus  Granit. 

Die  Sauerwasser  sind  entweder  Steigwasser  oder  nicht; 
erstere  haben  eine  Temperatur  von  14^  —  175^®  R. ,  letztere 
von  8  —  10®;  nur  die  wärmeren  sind  Steigwasser;  beide 
scheinen ,  wie  oben  schon  erwähnt  worden ,  Produkte  eines 
in  grösserer  Tiefe  fortdauernden  Prozesses,  und  nicht  Re- 
sultate einer  mechanischen  Auflösung  zu  seyn ,  und  bei  den 
wärmeren  dürfte  wohl  die  erhöhte  Temperatur  in  Verbin- 
dung: mit  dem  bedeutenden  Gehalt  an  kohlensaurem  Gas 
Ursache  ihres  hohen  Steigens  aus  dem  Bohrloch  seyn,  da 
die  Erbohrung  bei  mehreren  mit  einer  Explosion  beglei- 
tet war. 

Die  Salz  -  Soolen  sind  ohne  Zweifel  Produkte  der  Auf- 
lösung von  Salzstöcken  in  den  untersten  Schichten  des 
Muschelkaliis  durch  Tagwasser;  sie  haben  eine  Temperatur, 
die  10®  R.  nicht  übersteigt,  und  werden  durch  Pumpen  aus 
der  Tiefe  gehoben. 

Derzeit  finden  sich  in  Berg  folgende  salzige  Stahlwasser: 


—     141     — 

1)  die  Quelle  auf  dev  Neckar-Insel  {Kannstadter  MAvkung) '^ 

2)  die  artesischen  Brunnen  der  mechanischen  Spinnerei; 

3)  der  artesische  Brunnen  in  der  Kunstmühle; 

4)  der  artesische  Brunnen    von  Hrn.  Klotz  {Kannst,  M.). 

1.  Die  Sauerwasser-Quelle  auf  der  Insel  bei  Berg,  die 
ton  dem  Mühl  -  Kanal  und  dem  Neckar  gebildet  wird ,  hat 
eine  Temperatur  von  14<^  R. ,  und  nach  Herrn  Staatsraths 
von  Kielmei'Er's  Untersuchung  nachfolgende  Bestandtheile 
in  einem  Pfund  zu   16  Unzen  : 

Salzsaures  Natron     ...  19        Gr. 

Kohlensauern  Kalk    .     .  .  7,86   — 

Schwefelsauern   Kalk     .  •  5,2      — 

Schwefelsaure  ßittererde  .  4          — 

Kohlensaures  Eisen        .  .        1,68    — 

Kohlensaures  Gas      .     .  .  16,1  Kubik-Zoll. 

Schwefel- Wasserstoifgas  .  2,22        — ; 

sie  wurde  schon  vor  längerer  Zeit  gefasst   und  häufig  nach 

Stuttgart  als  Trinkwasser  gebracht. 

2.  Die  artesischen  Brunnen  von  der  mechanischen  Spin- 
nerei in  Berg. 

Im  Jahr  1830  wurden  etwas  oberhalb  Berg,  in  einer 
kleinen  Entfernung  von  der  Chaussee  rechts,  durch  Herrn 
Bockshammer  drei  Quellen  erbohrt,  welche  aber  im  Jahr 
1831  durch  5  andere  etwas  tiefer  liegende ,  erbohrte  Quel- 
len sich  wieder  verloren;  diese  5  Quellen  bilden  jetzt  ein 
kleines  Bassin  von  einigen  100  Fuss  im  Durchmesser,  wovon 
eine  in  der  Mitte,  die  4  andern  in  den  Ecken  des  Bassins 
sich  befinden;  sie  lieferten  bei  einer  Bohr-Tiefe  von  117 — 1615 
Fuss  anfänglich  eine  Wasser-Masse  von  170  Kubik-Fuss  in 
einer  3Iinute ,  mit  einem  der  Mineral  -  Quelle  auf  der  Insel 
bei  Berg  ziemlich  gleichen  Gehalt  und  einer  Temperatur 
von  15  —  17^  11.,  und  stiegen  anfänglich  26  Fuss  über  das 
Bohrloch. 

3.  Die  Quellen  bei  der  Kunstmühle  wurden  i.  J.  1833 
erbohrt^  das  obere  Bohrloch  war  wenig  ergiebig,  das  untere 


-     142     — 

ergoss  aber  17 J  W-Urt,  Eimer  Wasser  in  einer  Minute;  die 
Temperatur   ist   wie   bei    der  Mineral  -  Quelle   auf  der  Insel 

=  140  R. 

4.  Die  Quelle  von  Hrn.  Klotz,  ebenfalls  auf  der  Insel, 
wurde  auch  im  Jahr  1833  erbohrt  und  gab  anfanglich,  bei 
einer  Temperatur  von  15|^^  R.,  9  Württetnh,  Eimer  in  einer 
Minute. 

Deren  Bestandtheile  sind  nach  einer  Untersuchung  des 
Herrn  Prof.  Degen  folgende: 

In  1000  Theilen  =  479,500  Milligram  Wassers 

1,1018     .     .     Kohlensaurer  Kalk  528,3  Milligr, 

O5O8IO     .     .     Kohlensaure  Bittererde  39,9       — 

0,0429     .     •     Kohlensaures  Eisenoxydul 

mit  Thonerde  20,6       — 

0,8168     .     .     Schwefelsaurer  Kalk  391,7       — 

0,6557     .     .     Schwefelsaure  Bittererde     314,4       — 
0,0092     .     .     Schwefelsaures  Natron  4,4       — 

2,0579     .     .     Chlor-Natrium,  Kochsalz      986,8       — 
4,7653  Thle.  ^,  "^85,1  Milligr. 

100  Maas-Theile  Wasser  enthalten  i 02,97  Maas-Theile  koh- 
lensaures Gas  von  0^  Temperatur  unter  einem  Druck  von 
337  Pariser  Linien. 

Die  Schichten  -  .Folge  der  Gebirgsarten  des  im  Jahr 
1831  niedergeschlagenen  mittlen  Bohrlochs  im  Bassin  der  me- 
chanischen Spinnerei  war:  aßwij  q'i 

''  Dammerde .     13' 

Fundament  eines  alten  Gemäuers 

(Wasserthurm)  .  .  .  .7'  3" 
Rothe  Thonerde  (Lehm)  .  .  '  3'  V 
Konglomerat  mit  Bruchstücken 

von  Tuffstein 4'  0" 

Letten  und  Thon       ....     13'  1" 

Blauer  Mergel 9' 

Blauer  Thon  ,..♦.♦  S' 
Blauer  Mergel,  weich  «  ♦  ♦  8' 
Das  erste  Wasser  kam  zu  Tag  bei    67'  3" 


—     143     — 

Gelber  Mergel 2'  1" 

Grauer  Mergel 2'  7" 

Vermehrtes  Wasser  10  Kubikfuss  in  der  Minute. 

Blauer  Mergel IS'  3" 

Blauer  Thon 6' 

Blauer  Mergel 22' 

Vermehrtes  Wasser. 

Blauer  Thon 16' 

Blauer  Mergel 2' 

Vermehrtes  Wasser. 

Wasser-Kluft 27' 

Wasser-Menge  in  einer  Minute  30  ,Kubik-Fuss. 

Die  Sohle  des  Bohrlochs  besteht  aus  schwärzlichem 
sehr  hartem  Kalksteine,  Süsswasser-Kalk. 

Die  weiteren  Bohr-Löcher  auf  den  4  Ecken  des  Bassins 
sind  118'  1J56'  150'  und  152'  tief,  und  haben  im  Ganzen 
die  ähnliche  Schichtenfolge;  bei  keinem  zeigte  sich  aber  die 
grosse  Wasser-Kluft  von  27'  sondern  es  fanden  sich  entwe- 
der kleinere  Klüfte  von  1  —  3',  dazwischen  2  —  3'  mächtige 
Mergel-Lager  oder  Thon  in  Schlamm,  Torf-Letten. 

Auch  bei  den  drei  ersteren  niedergeschlagenen  Bohr- 
Löchern  fanden  sich  die  ähnlichen   Schichtenfolgen. 

Die  Schichtenfolge  der  Gebirgsarten  in  dem  1833  nie- 
dergeschlagenen Bohrloch,  Sf.  Joseph,  des  Herrn  Klotz  auf 
der  Neckar-Insel  war  folgende : 

Durchmesser  der  Deuchelmündung  7"  Duod.  Maas. 
Angeschwemmter  Thon  mit  feinem 

Sand 6' 

Erde  und  kleines  GeröUe    ...       4' 
Blauer  Thon 4' 


Lockerer  Kies,  Alluvium     ...     10 


Erde  mit  Gerolle 3' 

Felsen  (Sandstein),  wahrscheinlich 

ein  grosses  Geschiebe      ...  1' 

Blauer  Mergel IS' 

Sandstein,  wahrseheinl.  wie  Nr.  6       1' 
Jahrgang  1837.        ,  10 


-     144     — 

Blauer  zarter  Mergel      ....       3' 
Süsswasserkalk 4' 

Hier  zeigte  sich  Wasser,  welches  dintenhaft  schmeckte,  von 

10^  R.  zu  3  Kubikfuss  in  einer  Minute. 

Blauer  Sandstein,    wahrscheinlich 


wie  Nr.  6  und  8 Si 


Blauer  Mergel 1' 

Gelber  Sandstein ,    Liassandstein- 

Geschiebe 1' 

Grauer  harter  Sandstein      .     .     ♦       8' 

Blauer  Thon 1' 

Vermehrtes  Wasser  zu  4  Kubikzoll  in  einer  Minute. 
Blauer  Sandstein,    wahrscheinlich 

hydrothionsaurer  Süsswasserkalk    3|^' 
Gelber  Stein,  Liassandstein?    *     ♦  6" 

Fette  Erde,  Torf-Letten?    .     ,     .      12'  10'' 

Harter  Mergel 1' 

Blauer  Thon,  plastischer  Thon     ♦      11' 

Harter  Mergel 6' 

Blauer    sehr    fester  Thon ,    wahr- 
scheinlich wie  Nr.  20      ,     ♦     .       9' 

Wasserkluft 4' 

Hier  erfolgte  eine  heftige  Gas-Entbindung  mit  Wasser- 
Explosion  und  einem  donnerähnlichen  Knall  5  der  Brunnen 
warf  einen  ganzen  Karren  Steine ,  Thonstücke  und  Sand 
heraus;  die  Temperatur  war  15^^  R.  und  die  Wassermenge 
9'   Württemb.  Eimer  in  einer  Minute. 

Die  ßestandtheile    der  Quellen    der    mechanischen  Spin- 
nerei   und  in  der  Kunstmühle    möchten    sich    wolil    ziemlich 
gleich  seyn ,    und  werden   von  den  zwei  angegebenen  Analy- 
sen   nicht    differiren;    sie  sind,    so  viel  hierorts  bekannt  ist, 
noch  nicht  chemisch  untersucht. 
Höhen-Bestimmunoen  in  Pariser  Füssen  über  dem  Meere, 
Höllischer  Bühl   .     .     ,     .     .     .     .     .     811' 
Mühlrain,  höchster  Punkt      .     t     .     .     778' 
Kirche  zu  Berg.  Eingang       ....     777' 


—      145     — 

Bassin  mit  den  5  artes.  Brunnen   der 

mechanischen  Spinnerei     •     ,     .     .  721' 

Artesischer  Brunnen  von  Klotz    .     ,  706' 

Mineralquelle  auf  der  iWcÄör-Insel     ,  697' 

Niveau     des    Kanals ,     unterhalb     der 

Brücke  beim  Wasserhaus       .     ♦     ,  684' 

Artesischer  Brunnen  in  der  Kunstmühle  682' 

Temperatur  der  verschiedenen  Quellen  : 
Ostliche    Quelle    in    dem    Bassin     der 

mechanischen  Spinnerei     .     ♦     .     .     14J®  Reaum, 
Mittle  Quelle  allda 14|0       — 

Bei  6i°   R.  Luft-Temperatur : 
Artesische  Quelle  in    der  Kunstmühle     14**         — 

Luft-Temperatur  4j^**  : 
Artesische  Quelle  bei  Klotz      «     .     ,     14®         — 
Mineralquelle  auf  der  Insel  .     ,     •     .     14®         

Luft-Temperatur  4®. 


10» 


Ba 


Über 

die  Barometer  -  Höhenmessiingen 

des 

ÄA^i^-Stromes. 

Ein  Nachtrag  zu  dem  Aufsatz  im  dritten  Hefte  dieses 
Jahrbuches  von  ISSS,  S.  258, 

von 

Herrn  General  Freiherrn  van  der  Wyck. 


Es  lag  in  dem  erwähnten  Aufsatze  nicht  die  Tendenz, 
den  früher  gemachten  Barometer  -  Höhenmessungen ,  in  Be- 
zug auf  ihre  Genauigkeit  und  die  darauf  gegründeten  Be- 
rechnungen 5    von    wem  sie  auch  seyen ,    zu  nahe  zu  treten. 

Wir  setzen  voraus  ,  dass  diese  Beobachtungen  und  Be- 
rechnungen mit  der  höchsten  Genauigkeit  veranstaltet  und 
dabei  die  vollkommensten  Instrumente  benutzt  wurden.  Un- 
ser Zweifel  liegt  im  Verhalten  der  Atmosphäre« 

Wenn  man  das  Wasser  als  flüssigen  Kör}3er  betrachtet, 
so  kann  es  keinem  genauen  Beobachter  entgehen ,  dass  in 
demselben,  wenn  es  sich  im  lliessenden  Zustande  befindet, 
viele  Erscheinungen,  w^elche  man  geneigt  ist  für  Unregel- 
mässigkeit zu  halten ,  vorkommen.  Diese  Erscheinungen 
sind  mit  der  Natur  des  Wassers  verbunden  und  beziehen 
sich  hauptsächlich  auf  die  relative  Höhe  des  Wasserspiegels 
und  auf  die  Richtung  des  Stromes. 


—     147     — 

Der  Wasserspiegel  eines  Flusses  ist  da,  wo  der  Strom 
dio  meiste  Schnelligkeit  hat,  das  ist  unter  dem  Stromstriehe, 
der  —  wenige  Ausnahmen  abgerechnet  —  gewöhnlich  mit 
der  Stromrinne  oder  dem  Thalweg  zusammenfällt,  sichtbar 
höher,  und  dessen  öueerdurchschnitt  bildet  also  eine  para- 
bolische Linie.  Beim  Auf-  oder  Untergehen  der  Sonne  geht, 
für  den  gegenüberstehenden  Beobachter,  die  Spiegelung  der- 
selben auch  nicht  weiter,  als  bis  zum  Kulmlnations- Punkt 
dieser  Linie :  ein  Beweis  ihrer  konvexen  Krümmung.  Die- 
ses Verhalten ,  welches  sich  beim  Anschwellen  des  Stro- 
mes immer  stärker  zeigt',  wird  selten  durch  lokale  oder 
momentane  Störungen  unterbrochen.  Dessen  ungeachtet  gibt 
es  Hydrauliker  von  Ruf,  welche  das  Gegentheil  behaupten 
und  dociren,  dass  die  Oberfläche  eines  fliessenden  Wassers 
einen  zylindrischen  Hohlspiegel  bilde.  Sie  müssen  durch 
ihre  eigene  Sinne  getäuscht  seyn.  Wir  wollen  ihnen  Auto- 
ritäten entgegenstellen,  welche  verdienen  beachtet  zu  wer- 
den. Nachdem  Bossut  den  Beweis  voran  hat  gehen  lassen, 
schliesst  er:  Ainsi  la  rivierc  doit  alors  former  ä  la  surface 
une  courbe  convexe  d'un  bord  ä  lautre  y  ou  dans  la  sections 
latitudinale  *).  D'Aubuisson  de  Voisins  ,  zugleich  grosser 
Geognost ,  drückt  sich  viel  bestimmter  aus ,  da  er  sagt :  La 
section  transversale  de  la  surface  dune  riviere  presente  encore 
une  forme  remarquable ;  Cest  nne  courbe  cotwejce ,  dout  le 
sommet  correspond  au  fil  de  leau  (Stromstrich) :  ä  partir  de 
ce  point  de  plus  grande  vitesse  le  niveau  baisse  de  part  et 
dautre  jusqu'aux  bords ^  et  il  baisse  dune  quantite  tantot 
egale ,  tantot  inegale  vers  chacun  d'eux.  Plus  la  vitesse  des 
differentes  parties  du  courant  est  grande ,  et  plus  leur  eleva- 
tion  respective  est  considerable  **). 


*)  Tratte  theorique  et  experimental  (V Hydrodynamiqtte  par  Charles 
Bossut,'  Paris  1795,  T.  II,  p.  269. 

**)  Tratte  d'Hi/draulique  ä  Vnsage  des  Ingenieurs  ,  par  J.  F.  D^Au- 
BUissoN  DE  Voisins  ,  Ingenieur  en  Chef  au  Corps  royal  des 
Mines  ;  ä  Paris  1834,  p.  139. 

Als  S-chüler  von  Werner    ist    er    den  Ansichten    seines  grossen 


—      148     - 

DieKohäsion  des  Wassers  in  Verbindung  mit  derStrom- 
schnelligkeit  spielt  bei  dieser  Erscheinung  wohl  die  Haupt- 
rolle. — 

Nicht  weniger  merkwürdig  sind  die  Wider-  und  Wirbel- 
Ströme  5  welche  sich  überall  einstellen ,  wo  die  Ufer  der 
Flüsse  durch  hervorragende  Theile  ungleich  sind.  Öfters 
gehen  die  Widerströme  eine  ganze  Strecke  Strom -aufwärts, 
und  die  Fischer  wissen  sie  sehr  gut  zu  benutzen,  wenn  sie 
mit  ihren  Kähnen  bergan  fahren.  Diese  Widerströme  ver- 
ursachen bedeutende  Biegungen  und  wogende  Bewegungen 
im  Wasserspiegel. 

Bei  den  Mündungen  der  Flüsse  in  Weltmeere ,  wo 
Ebbe  und  Fluth  herrschen ,  werden  andere  Erscheinungen 
wahrgenommen,  welche  ebenfalls  auf  eine  Verschiedenheit 
in  der  Höhe  des  Wasserspiegels  deuten.  —  Wenn  die  Fluth 
kommt,  spürt  man  diese  zuerst  am  Ufer,  so  dass  es 
hier  Strom-aufwärts  geht,  während  in  der  Mitte  die  Aus- 
strömung noch  in  voller  Kraft  ist.  Auch  hat  man  mehrmals 
in  der  Tiefe  andere  Strorarichtungen  wahrgenommen,  als  an 
der  Oberfläche  des  Wassers. 

Sind  auf  den  Flüssen  solche  Abwechslungen  in  der 
Höhe  des  Wasserspiegels  bemerkbar,  —  um  so  viel  mehr 
herrschen  sie  im  Ozean. 

Ebbe  und  Fluth,  worin  viele  und  noch  unerklärte  Un- 
regelmässigkeiten vorkommen;  beständige  und  abwechselnde 
Strömungen  in  verschiedenen  Meeresgegenden  und  Richtun- 
gen 5  durch  die  Seefahrer  aller  Zeiten  beobachtet  und  be- 
schrieben 5  genügen  um  darzuthun  ,  dass  der  Wasserspiegel 
des  W'eltmeeres ,  was  dessen  relative  Höhe  betrifft ,  den 
verschiedensten  Veränderungen  und  Abwechselungen  unter- 
worfen ist. 

Um  wie  viel  mehr  müssen  solche  Abweichungen  in 
der   fast    SOOmal    leichteren    atmosphärischen   Luft,     welche 


Meisters  getreu  geblieben ,  bis  die  ueueren  Theorien  auch  bei  ihm 
Eingang  fanden. 


—      149     — 

mit  der  Höhe  an  Leichtigkeit  zunimmt,  Statt  haben  ?  —  Hie- 
EU  kommt  noch  die  wichtige  Rolle ,  welche  die  Elastizität 
bei  den  Luftbewegungen  spielt. 

Mass  man  nicht  in  der  Atmosphäre  Ebbe  und  Fluth 
mit  grösseren  Schwankungen  und  beträchtlijcheren  Unregel- 
mässigkeiten als  im  Weltmeere  annehmen  ?  An  verschie- 
dene Zonen  dieser  Erde  sind  verschiedene  Luftströmungen 
gebunden ,  hier  regelmässig ,  dort  veränderlich.  Nach  den 
verschiedenen  Weltgegenden  oder  Gestaden  äussern  sie  sich 
in  höchster  Kraft  oder  sie  verhalten  sich  in  einem  mehr 
ridiigen  Zustande.  In  gebirgigen  Gegenden  sind  nicht  weit 
von  einander  gelegene  Thäler  Öfters  sehr  verschiedenen  me- 
teorischen Erscheinungen  unterworfen.  Es  ist  keine  Sel- 
tenheit, zwei  oder  drei  Wolkenscluchten  in  verschiedener 
Höhe,  jede  in  einer  von  der  andern  abweichenden  Richtung 
forttreiben  zu   seilen. 

Wenn  schon  das  Wasser  in  Tiefen  mit  mehr  Geschwin- 
digkeit strömt  und  dessen  Spiegel  über  denselben  sich  auch 
mehr  erhebt,  kann  dieses  denn  aurh  nicht  in  der  atmosphä- 
rischen Luft  über  Thäleni  Statt  haben  ?  —  Wir  vermuthcn, 
dass  einige  meteorische  Erscheinungen  darauf  hindeuten. 
Wenn  die  Wolken  z.  ß,  durch  westliche  Winde  getrieben, 
die  Vogesen  oder  das  ^aarc?/-Gebirge  verlassen  und  sich  über 
das  Rhein-ThRl  verbreiten,  scheinen  sie  öfters  höher  zu  stei- 
gen, indem  sie  sich  brechen  und  keinen  Regen  mehr  ergies- 
sen,  bis  sie  sich  wieder  auf  die  Gebirge  des  Schivarzwaldes 
und  des    Odemvaldes  senken  und  anliäufen. 

Bei  solch'  einem  ungleichartigen  Verhalten  der  Atmo- 
sphäre kann  man  als  gewiss  annehmen ,  dass  es  Lokalitäten 
gibt ,  w^o  die  relative  Höhe  der  Atmosphäre  nicht  mit  der 
umliegenden  oder  mehr  entfernten  gleichen  Schritt  hält, 
und  auch  wo  die  relative  Höhendifferenz  in  einem  Sinne 
fortwährend  abweichend  bleibt,  so  dass  dieselbe  dadurch, 
nach  Barometer  -  Bestimmung  entweder  zu  nieder  oder  zu 
hoch  angegeben  wird. 

Im    5ten    Bande    des    neu     bearbeiteten     physikalischen 


—     150     — 

Wörterbuches  von  Gehler,  Artikel  Höhenmessung,  findet 
uian  schon  (S.  322  u.  f.)  merkwürdige  Abweichungen  an- 
gegeben, —  aber  das  Vertrauen  auf  die  Barometer  -  Höhen- 
Messungen  wird  noch  viel  mehr  geschwächt,  wenn  man  die 
Abhandlungen  von  Ermai%  (Beobachtungen  der  Grösse  des 
Luftdrucks  über  den  Meeren,  und  von  einer  bestimmten  Be- 
ziehung dieses  Phänomens  zu  den  geographischen  Coordina- 
ten  der  Orte ;  Poggendorf  Annalen  der  Physik  und  Chemie, 
23.  Band,  1831,  S.  121),  von  Schouw  (über  den  Mittelstand 
des  Barometers  am  Meeresufer,  ibid.  26.  Band,  1832,  S. 
395)  und  von  Bessel  (über  Höhen-Bestimmungen  durch  das 
Barometer,  ibid.  36.  Band,  1885,  S.  187)  zu  Rathe  nimmt. 
Letzter  drückt  sich  darüber  sehr  bestimmt  aus,  da  er  sagt: 
,>Die  Anwendung  des  Barometers  zur  Messung  des  Hö- 
henunterschiedes zweier  Punkte  beruhet  auf  der  Voraus- 
setzung des  Gleichgewichtes  der  Atmosphäre ;  sie  würde 
nichts  zu  wünschen  übrig  lassen,  wenn  diese  Voraussetzung 
mit  vollem  Rechte  gemacht  werden  könnte.  Dann  könnte  als 
wahr  angenommen  werden,  dass  die  Höhe  des  Quecksilbers 
im  Barometer  dem  Gewichte  der  über  demselben  befindli- 
chen Luftsäule  proportional  wäre,  während  dieses  nicht  an- 
genommen werden  kann,  wenn  diese  Luftsäule  oder  ein 
Theil  derselben  ,  eine  dem  Horizonte  nicht  parallele  Bewe- 
gung hat.  Auch  würden  Schichten  der  Atmosphäre  von 
gleicher  Dichtigkeit  horizontal  seyn ,  und  man  würde  die 
Messung  des  Höhenunterschiedes  zweier  Punkte  mit  voller 
Sicherheit  erhalten ,  diese  Punkte  möchten  beide  in  einer 
Lothlinie,  oder  in  kleinerer  oder  grösserer  Entfernung  von 
einander  liegen.  Bei  dem  Zustande  der  Atmosphäre,  so  wie 
er  wirklich  ist,  ist  nicht  mit  Sicherheit  darauf  zu  rechnen, 
dass  das  Barometer  das  genaue  Maas  des  Gewichtes  der 
über  demselben  befindlichen  Luftsäule  angebe ;  noch  viel 
weniger  aber  kann  auf  die  Horizontalität  der  Luftschichten 
von  gleicher  Dichtigkeit  gerechnet  werden.  Die  Störungen 
dieser  Horizontalität  sind  oft  so  gross  und  anhaltend ,  dass 
der  aus  den  Beobachtungen  eines  ganzen  Monats  abgeleitete 


—     151     — 

mittle  Unterschied  der  Barometerhöhen  zweier  30  —  40 
Meilen  von  einander  entfernten  Punlite  mehr  als  eine  Pariser 
Linie  von  der  Wahrheit  abweichen  kann,  wie  unter  Anderem 
aus  den  sorgfältigen  Beobachtungen  dieser  Art  hervorgeht, 
welche  die  astronomischen  Nachrichten  früher  von  Altana 
und  von  Apenrade  mitzutheilen  pflegten.  Obgleich  also  das 
Barometer  in  keinem  Falle  eine  völlig  sichere  Bestimmung 
des  Höhen  -  Unterschiedes  zweier  Punkte  geben  kann ,  so 
wächst  doch  die  Unsicherheit  mit  der  Entfernung  der  mit 
einander  zu  vergleichenden  Punkte  so  sehr,  dass  der  Fall,  in 
welchem  sie  in  einer  Lothlinie  liegen ,  als  der  bei  Weitem 
vortheilhaftere  angesehen  werden  muss.*^ 

Übrigens  leuchtet  aus  den  Angaben  des  Prof.  Schouw 
zur  Genüge  hervor,  dass  noch  viel  zu  thun  übrig  bleibt,  ehe 
man  mit  dem  Mittelstand  des  Barometers  am  Meeresufer 
ins  Reine  kommt.  Die  verschiedenen  Weltgegenden  und 
Gestaden  nach  Breite  und  Klima  liefern  bedeutende  Varia- 
tionen, welche  berücksichtigt  werden  müssen,  —  und  diese 
sind  im  Allgemeinen  noch  nicht  hinlänglich  beobachtet. 

Was  die  ungefähre  Berechnung  des  Rhein '  Gefälles  an- 
belangt ") ,  so  ist  diese  seiner  Art  nach  einzig  hypothe- 
tisch und  kann  nie  auf  eine  solche  zuverlässige  Genauig- 
keit Anspruch  machen.  Indessen ,  wenn  man  Gelegenheit 
hat,  einen  Fluss  Jahre  lang  zu  beobachten  und  dabei  einige 
genaue  partielle  Abwägungen  in  Überschlag  bringen  kann, 
wie  der  Obrist  Tülla  wahrscheinlich  gethan  hat ,  so  kann 
man  der  Wahrheit  schon  sehr  nahe  kommen.  Obschon  der 
von  mir  gemachte  Überschlag  nicht  durch  solche  Beobach- 
tungen unterstützt  war,  so  bleibe  ich  doch  der  Meinung,  dass 
er  der  Wahrheit  näher  kommen  möchte ,  als  die  bei  uns 
bekannten  Barometer-Bestimmungen.  Übrigens  kann  es  seyn, 
dass  ich  das  Gefälle  von  den  Niederländischen  Grenzen  bis 
Königswinter    zu    gross  ,     dagegen    dasjenige    von    dort    bis 


*>  Man  sehe  Jahrgang  1836,  2.  Heft,  S.  195  dieses  Jahrbuches. 


—      152     — 

Bingen  zu  gering  angeschlagen  habe,   was  sich  aber  für  Mann- 
heim kompensiren  würde. 

Der  Zweck  meines  Aufsatzes  war  nur  eine  nähere  Un- 
tersuchung in  Anregung  zu  bringen.  Das  erhaltene  Resultat 
aus  Barometer-Höhenmessungen  für  Mannheim ,  in  Vergleich 
mit  dem  örtlichen  klimatischen  Verhalten,  kommt  uns  immer 
zu  nieder  vor.  Um  allen  Zweifei  zu  heben,  wäre  es  zu 
wünschen,  dass  die  Regierungen  der  ÄÄe/w  -  Ufer  -  Staaten 
sich  zu  der  Ausführung  von  genauen  Nivellirungen,  wie 
in  den  Niederlanden  geschehen,  entschliessen  könnten.  Die- 
ses wäre  in  geologischer  Hinsicht  von  grossem  Interesse  5 
aber  noch  viel  wichtiger  für  die  Hydrotekten  des  iJÄem-Ufers, 
welchen  bis  jetzt  die  ßasis  fehlt,  worauf  sie  ihre  Opera- 
tionen mit  Zuverlässigkeit  zu  gründen  vermögen,  vorzüglich 
in  Rücksicht  der  sogenannten  Rektifikationen,  welche  an  ei- 
nigen Stellen  vorgenommen  werden  und  immerhin  gewagt 
bleiben,  so  lange  sie  nicht  mit  Berücksichtigung  des  Ver^- 
haltens  vom  ganzen  Strome  vorgenommen  werden.  Sollen 
indessen  solche  Nivellirungen  mit  der  gehörigen  Zuverlässig- 
heit geschehen,  so  müssen  sie  auf  beiden  Ufern  zugleich 
vorgenommen  werden,  und  die  zu  diesem  Zweck  Operiren- 
den  müssen  von  Zeit  zu  Zeit  ihre  Verrichtungen  aneinander 
prüfen  und  berichtigen,  wo  es  Noth  thuf^ 

Es  wäre  zu  wünschen,  dass  die  i?Äe2W-Ufer-Hydrotekten 
von  unterhalb  Mannheim  an  bis  zur  Niederlätidischen  Grenze 
dasjenige,  was  ihnen  über  das  Gefälle  des  /?Äe/w*,  wenigstens 
für  den  Theil,  worüber  sie  die  Aufsicht  führen,  bekannt  ist, 
veröffentlichten;  wahrscheinlich  wäre  daraus  ein  Ganzes  zu 
bilden ,  welches  sich  den  TüLLA'schen  Angaben  anschlies- 
sen  könnte. 


über 

das   geologische  Alter  und  die  organischen 

Ueberreste   der   tertiären  Gesteine  des 

Maynzer  -  Beckens , 

von 

H,  G.  Bronn. 


In  der  Schrift  meiner  verehrten  Freunde  v.  Klipstein 
und  Kauf  über  den  Dinotherium-Schädel  (vgl.  Jahrb.  1837, 
S.  91  ff.)  ist  eine  Parallelisirung  der  Maynzer  Tertiär- 
Formation  mit  der  mittlen  und  oberen  Abtheilung  des  Pa- 
riser Grobkalkes  unter  dem  Gypse,  und  eine  Gleichstellung 
des  zu  oberst  liegenden  Knochen -führenden  Sandes  bei 
Alzey  mit  dem  Pariser  Gypse  selbst  enthalten,  welche  mich 
zur  gegenwärtigen  Untersuchung  über  das  Alter  jener  Schich- 
ten veranlasst,  so  ferne  es  aus  den  organischen  Einschlüssen 
gefolgert  werden  kann;  da  nämlich  das  Maynzer  Becken 
keine  anderweitigen  Gesteine  enthält,  welche  zu  einer  Be- 
stimmung des  Alters  nach  Maasgabe  der  Lagerungs  -  Folge 
dienen  \i.öni\t^n  ^  und  da  die  lithologische  Ähnlichkeit  der 
Gesteine  bei  Maynz  mit  denen  bei  Paris  oder  andern  be- 
kannten Punkten  nicht  so  gross  ist,  dass  daraus  ein  evidenter 
Beweiss  für  das  Alter  der  Maynzer  Schichten  cntnoiDnien 
werden  könnte. 

Schon  vor  13  Jahren  haben  die  beiden  Herausgeber 
dieses  Jahrbuchs  das  Maynzer  Becken  mit  mehreren  Freunden 
in  der  Absicht  zu  bereisen  begonnen,  um  eine  geognostische 


—     155     — 

Beschreibung  davon  zu  liefern,  was  inzwischen  über  ander- 
weitigen Berufs-Geschäften  unterblieben  ist.  Die  geognosti- 
schen  und  Petrefakten-Sammlungen  aber,  so  wie  die  schrift- 
lich aufgezeichneten  Beobachtungen,  sind  inzwischen  sorgfältig 
aufbewahrt  und  gelegentlich  bereichert  worden.  Die  For- 
schungen Kaup's  haben  seither  wichtige  Materialien  für 
eine  Arbeit  über  dieses  Becken  geliefert,  und  Klipstein 
hat  in  der  angeführten  Schrift  Thatsachen  über  die  Lagerungs- 
Folge  der  dortigen  tertiären  Schichten  unter  sich  mitge- 
theilt,  welche  aufzusammeln  nur  bei  einem  oft  von  ihm 
wiederholten  Besuche  dieser  Gegenden  und  zum  Theil  mit- 
telst der  von  ihm  geleiteten  Nachgrabungen  nach  fossilen 
Knochen  möglieh  war.  Obschon  ich  die  Gegend  sonst  nach 
allen  Richtungen  bereist  hatte,  so  muss  ich  gestehen,  dass 
mir  einige  Verhältnisse  erst  durch  diese  Schrift  klar  geworden 
sind.  Indem  ich  seinen  und  Kaup's  Forschungen  einen  Theil 
der  früher  von  den  Herausgebern  gesammelten  Beoba^tun- 
gen  und  das  Resultat  der  Untersuchungen  über  sämmtiiche 
mir  von  dort  her  bekannt  gewordne  Fossil -Reste  beifüge, 
ergeben  sich  Mittel  zur  Vergleichung  mit  den  Tertiär- 
Bildungen  anderer  Gegenden,  woraus  ein  genügendes  Resul- 
tat hervorgehen  dürfte. 

Diese  Vergleichung  auf  eine  vollständige  Weise  durch- 
zuführen ist  mir  inzwischen  erst  seit  einem  Jahre  möglich 
geworden ,  in  welchem  ich  durch  Hrn.  Puzos  noch  eine 
grosse  Anzahl  fossiler  Konchylien  aus  dem  Becken  von  Bor- 
deaux zum  Eigenthum ,  durch  die  Herren  Staatsrath  von 
Eichwald  und  Professor  Pusch  fast  alle  von  ihnen  in  Polen 
gefundenen  tertiären  Konchylien  zur  Untersuchung  und  gros- 
sentheils  zum  Eigenthum,  und  endlich  durch  den  Vizepräsi- 
denten der  Kais.  Hofkammer,  Herrn  v.  Hauer,  alle  von  ihm 
bis  jetzt  im  Wiener  Becken  gesammelten  (über  300)  Arten  zur 
Vergleichung  und  auch  meistens  für  meine  Sammlung  erhalten 
habe.  Durch  diese  Bereicherungen  meiner  Sammlung  bin  ich 
denn  auch  zuerst  zur  Überzeugung  gelangt,  dass  die  3  oben 
genannten  Becken,   wie  E.  de  Beaumont  und  Deshayes  aus 


—     136     — 

verschiedenen  Gesichtspunkten  gefolgert  *),  wirklich  einer 
mittlen  tertiären  Abtheilung  zwischen  dem  Grobkalke  und 
der  Subapenninen  -  Formation  angehören ,  nachdem  ich  sie 
früher  mit  letzterer,  der  sie  allerdings  weit  näher  als  der 
ersteren  stehen ,  und  mit  welcher  sie  gegen  ein  Drittheil 
ihrer  Arten  (Deshayes  gibt  nur  0,19  an)  gemein  haben, 
vereinigt  gelassen  hatte. 

Die  von  Kauf  so  trefflich  beschriebenen  Säugethiere 
des  Mainzer  Sandes ,  des  obersten  Gliedes  der  dortigen 
Tertiär-Formation  ,  sind  einschliesslich  einiger  Fisch  -  Reste, 
folgende  **)  : 

A.  R  a  u  b  t  h  i  e  r  e» 
I,  Gulo,  Vielfrass:  neue  Art. 

1.  diaph  orus, 
II.  Felis,  Katze:  4  Arten, 

2.  aphanista, 

3.  p  r  i  s  c  a  , 

4.  ogygia, 

5.  antediluviana. 
III.  Agnotherium:   1  Art, 

6.  antiquum. 
IV»  Machairodus:  1  Art, 

7.  cultridens  (ürsus  cultridens),  auch  zu 

Puy-de-D6me  und  in  den  Subapenninen 
Toscanas» 

B.  Nagethiere. 
V.  Cricetus,  Hamster:  1  Art. 

S.  vulgaris,    von   der   lebenden  Art  nicht 
wesentlich  verschieden. 
VI.  Palaeomys:  1   Art, 

9.  castoroides, 
VII.  Chalicomys:  1  Art, 
10.  Jägeri. 

*)  Vgl.  Jahrbuch  1832,  S.  245. 
**)  Die  neuen  Arten,  deren  Benennung  kein  Autor-Name  beigesetzt  ist, 
sind  alle  von  Kauf  benannt. 


—     157     — 

VIII.  Chelodus:  1  Art, 

11.  typtts. 
IX.  Arctomys:  1  Art, 

12.  pr iniig enia. 
X.  Spermophilus:   1  Art, 

13.  saperciliosus. 

C.     Wiederkäuer. 
XI,  Dorcatherium:   1  Art , 

14.  Naui, 

XII.  Cerviis,  Hirsch:  5  Arten, 

15.  Bartholdi, 

16.  anoceros, 

17.  trigonoceros, 

18.  curtoceros, 

19.  dicranoceros. 

D.     Dickhäuter. 

XIII.  Dinotherium:  2  Arten,  welche  vielleicht  zusam- 

men  gehören.      Eine    dritte    Art    im    Polni- 
schen Tegel. 

20.  giganteum:    zu    Wien    (wo  —  ob   in 

gleicher  Formation?  —  auch  Masto- 
don  angustidens  vorkommt), 

21.  ?Cuvieri*)    (D.  Bavaricum   v.  Mey.) 

zu  Georgensgmünd  y  ?  Fürth  ^  Cominge^ 
Carlat-le-Comte  und  zu  Chevilly  ^  mei- 
stens mit  Mastodon  longirostris 
(?M.  angustidens)  und  Acerothe- 
r  ium. 

XIV.  Tapirus,  Tapir:  2  Arten. 

22.  priscus, 


*)  Die  Arten  Dinotherium  uiaximum,  D.  medium,  Rhinoce- 
ros  hypselorhinus,  Moschus  antiquus,  Cervus  bra- 
chycerus,  welche  v.  Meyer  nach  Kauf  anführt ,  finde  ich  bei 
diesem  nicht  angegeben ;  zum  Theile  sind  es  auch  Synonyme  von 
obigen. 


—     158     — 

23.  a  n  t  i  q  u  u  s.  ^^^ 
XV.  Chalicotherium:  2  Arten , 

24.  Goldfussii, 

25.  antiquum. 

XVI,  Sus,  Schwein:  4  —  5  Arten, 

26.  antlquus, 

27.  fogygius, 

2S.  palaeochoerus, 

29.  antediluvianus, 

30.  ?diluvianus   (stammt   aus  dem  Rheine 

selbst,  daher  die  Formation  unsicher), 

XVII.  Pugmeodon:   1   Art, 

31.  P.  Schinzii, 

XVIII.  Acerotherium:   1  Art. 

32.  incisivum,    findet  sich  nicht  allein  im 

Sande  von  Eppelsheiniy  sondern  auch 
im  Kalkstein  unter  diesem  hei  Maugen- 
heim ,  Mombach^  Windheim  und  Boden- 
heim  unfern  Maynz  mit  vielen  Süss- 
wasser  -  Konchylien  ;  —  ausserdem  zu 
Georgensgmündj  Wien,  Avaray  xxn^Ab- 
heville^  öfters  mit  D  i  n  o  t  h  e  r  i  u  m. 

XIX.  Rhinoceros,  Nashorn:  3 — 4  Arten, 

33.  Schleie rmacheri,   auch   zu   Georgens- 

gmünd , 

34.  Goldfussii, 

35.  m  i  n  u  t  u  s    Cuv.    theils    wirklich    zu  Ep^ 

pelsheim,  theils  im  Sande  bei  Weinheim 
mit  Fla i- Zähnen;  —  anderwärts:  mit 
Elephant,  Höhlenbär  und  Hyäne 
zu  Moissac  ^  und  in  den  Höhlen  bei 
Lunel  vieily  Pondres  und  Souvignar- 
gues. 

36.  leptodon:  bei   Wiesbaden,  vielleicht  in 

einem  anderen  Gebirge. 


-     158     - 

XX,  Hippotherium  (Equus  v.  Meit. ,  fHipparion 
Christol  *):    2    Arten.       Eine    unbestimmte    Art 
glaubt  DüVERNOY  in  der  Knochenbreccie  von  Mont- 
beliard  mit  Höhlenbär>Resten  gefunden  zu  haben. 
37.  g  r  a  c  i  1  e  :  auch  im  Bohnerz  der  Württem- 
bergischen Aipy  aber  auf  sekundärer  La- 
gerstätte. 
3S.  nanum. 

XXI.  Mastodon:  1  Art, 

39.  longirostris;  auch  zu  Georg ensgmänd 
und  Pu^  de  Dome, 

£.     Cetaceen. 

XXII.  .     ,     40.  Rippen    und   Wirbel    im    Sande    unter 

dem  Mainzer  Kalk  bei  Flonheim  etc. 

F.     Fische. 

XXIII.   Squalus,  Hai,  im  Sande  bei   Weinheim ^ 

Iin  Mülasse  u.  oberem 
Meeressand  d.Schweitz, 
in  Steyermarh,  zuNeu- 
dör flhei  Wien,  zu  Mont- 
pellier, in  Sicilien,  bei 
Brüssel, 

Der  Eppelsheimer  Sand  bei  Ahey  hat  demnach  36  —  38 
Arten  von  Landthieren  aus  21  Geschlechtern  geliefert ;  9 
dieser  Geschlechter  bestehen  noch  in  unserer  Schöpfung, 
12  sind  ausgestorben.  Von  36  Arten  ist  eine  noch  am  Le- 
ben und  sind  35  ausgestorben;  von  diesen  kommen  nur  7 
auch  andervt'ärts  vor  auf  primitiver  und  ist  eine  in  den  Bohn- 
erzen  auf  sekundärer  Lagerstätte  beobachtet  worden.  Von 
jenen  sieben  gehört  nur  eine,  Rhinoceros  minutus,  mit 
Gewissheit    der    dritten    Tertiär  -  Formation    an;    auch    von 


*)  Wenn,  was  jetzt  noch  nicht  zu  entscheiden  ist,  Hipparion  zu  Hip- 
potherium gehört ,  so  scheint  er  in  Süd  -  Frankreich  in  höheren 
Schichten  als  zu  Mayn%  vorzukommen^  obschcn  de  Christol  diese 
Sciiichten  als  Äquivalente  des  Pam.  obern  Meeressandes  betrachtet. 

4k 


—     159     — 

Machairodus  in  Italien  lifxnn  es  der  Fall  seyn  ;  mit  Hippo- 
tlieriuni  ist  es  zweifelhaft;  unter  den  übrigen  Fundorten  ist 
keiner  dem  Alter  nach  durch  die  Lagerungsfolge  bestimmt; 
doch  glaube  ich  die  wichtigsten  unter  ihnen :  die  Auvergne^ 
Georgensgmünd  *)  und  Wien ,  von  welchen  wenigstens  die 
ewei  ersten  eine  grössere  Zahl  ihrer  Lagerung  nach  be- 
kannter und  zur  Vergleichung  geeigneter  Arten  darbieten,  der 
Analogie  ihrer  Fossil-Reste  nach  für  gleich  alt  mit  dem  Maynzer 
Becken  hellten  zu  müssen.  Was  Wien  betrifft,  so  ist  we- 
nigstens aij  bekannt  vorauszusetzen,  dass  dort  eben  die  mittle 
Tertiär-  oder  die  Tegel-Formation  sehr  entwickelt  ist,  obschon 
auch  möglich  wäre,  dass  die  dort  vorkommenden  der  ange- 
führten Knochen-Reste  aus  Diluvial-Boden  stammten.  End- 
lich deuten  auch  die  fossilen  Begleiter  des  Dinotherium  zu 
Clievilly  und  dem  benachbarten  Avaray  auf  Bildungen  über 
dem  Gypse  hin. 

Vergleicht  man  nun  die  Land-Säugethiere  des  Maynzer 
Beckens  mit  denen  des  Grobkalkes ,  so  haben  beide  auch 
nicht  eine  Art  und,  wie  es  scheint,  nicht  ein  Geschlecht 
gemein.  Insbesondere  fehlen  die  im  Gypse  so  häuiigen  und 
bezeichneten  Genera  An  oplotherium,  Palaeotherium  **), 
Lophiodon,  Choeropotamus,  Adapis  u.  s.  w.  bei 
Maynz  gänzlich.  Dagegen  finden  sich  hier  schon  mehrere 
Arten  aus  den  Geschlechtern  Cervus,  Rhinoceros,  Ma- 
stodon  und  von  dem  Pferde-ähnlichen  Hippotherium, 
welche  jugendlichen  Formationen  angehören  und  sich  nirgends 


*)  Vgl.  Jahrb.  1835,  S.  357,  wo  v.  Meyer  ausdrücklich  anführt,  dass 
Georgensymünd  auch  nicht  eine  fossile  Art  mit  Paris,  wohl  aber 
einige  mit  Montabusard  und  Montpellier  gemein  habe.  "Wenn  er 
aber  ferner  angibt,  dass  wenigstens  die  Genera  mit  denen  des  Pa- 
riser Gypses  grösstentheils  übereinstimmten ,  so  kann  ich  dagegen 
in  seiner  eigenen  Aufzählung  ausser  Palaeotherium  (P.  Aure- 
lianense)  auch  nicht  ein  gemeinschaftliches  finden. 
**)  Eine  Palaeo therium-Art ,  P.  Aure li anense,  findet  sich  zwar, 
wie  erwähnt,  zu  Georgensgmünd  mit  vor;  diese  Art  aber  scheint 
jünger,  als  die  übrigen  zu  seyn  :  sie  kommt  noch  zu  Montabusard, 
Toulouse  und  Friedrichs gmünd  vor ,  weuu  nicht  etwa  verscbie- 
dene  Arten  hier  vermengt  worden. 
Jahrgang  1837.  11 


-^      160     — 

im  Pariser  Gypse  oder  dessen  unzweifelhaften  Äquivalenten 
zeigen,  —  Wenn  daher  die  Analogie  des  Vorkommens  der 
fossilen  Knochen  von  Maynz  irgend  etwas  zu  erweisen  ver- 
mag, so  deutet  es  auf  die  erste  Tertiär- Bildung  gar  nicht, 
auf  die  dritte  wenig,  aber  stark  auf  die  mittle  hin,  welche, 
wie  sclion  erwähnt,  Manches  mit  der  dritten  gemein  hat. 
Was  diese  letztere  aber  vorzugsweise  bezeichnen  kann  : 
Elephant,  Höhlenbär  und  Hyäne,  Ochsen  und 
Riesen-Elenn,  findet  sich  nicht  zu  Maynz.  Daher  dür- 
fen wir  denn  auch  die  D  i  n  o  t  h  e  r  i  e  n  ,  das  A  c  e  r  o  t  h  e- 
r  i  u  m  i  n  c  i  s  i  V  u  m  ,  M  a  s  t  o  d  o  n  1  o  n  g  i  r  o  s  t  r  i  s  ,  Rhino- 
c  e  r  o  s  S  c h  1  e  i  e  r  m  a  c  h  e  r  i  und  d ie  ?  H  i  p  p  o  t  h  e  r  i  e  n  als 
die  bezeichnendsten  Säugethier  -  Arten  der  zweiten  Tertiär- 
oder der  Tegel-Formation  betrachten. 

Die  Cetaeeen- Reste  vermögen  keiiie  nähere  Auskunft 
zu  geben. 

Vif^as  die  Squalu  s- Arten  anbelangt,  so  scheinen  sie 
den  zwei  letzten  Tertiär  -  Gebilden  allein ,  und  der  Tegel- 
Formation  hauptsächlich  anzugeliören.  Bei  Alzey  führt  sie 
Klipstein  in  dem  Sande  mit  C  e  t  ac  e  e  n- Resten  an,  der 
unter  allen  dortigen  Tertiär- Bildungen  \»^g^\  ich  erhielt  sie 
von  JVeinheim  hei  Aizey,  ohne  die  Lagerung  genau  zu  kennen. 


Zu  einem  gleichen  Resultat,  wie  die  der  Knochen,  führt 
uns  nun  die  Betrachtung  der  fossilen  Crustaceen-  und 
Testaceen-  Reste,  welche  in  den  Kalk-,  Mergel-  und  Lehm- 
Bänken  über  dem  Sande  mit  C  e  ta  c  e  e  n- Resten  und  Hai- 
Zähnen,  und  unter  dem  mit  Säugethier-Knochen  vorkommen, 
wobei  ich  jedoch  noch  bemerken  muss,  dass  ich  unter  einer 
sehr  grossen  Anzahl  von  Arten  die  Hälfte  der  wenigen, 
welche  Klipstein  und  Kauf  anführen,  nicht  wieder  erkannt 
habe.  Zur  Erleichterung  der  Übersicht  bei  deren  Aufzäh- 
lung stelle  ich  die  anderweitigen  Fundorte  (ausser  dem  Mayn- 
%er  Becken)  in  vier  Rubriken  zusama»en:  unter  L  nämlich 
den  Pariser  Grobkalk    einschliesslich    des    Gypses    (P.)    und 


—     161     — 

die  Bildung  von  Castellgomherto  (C.)j  unter  II.  den  obern 
Meeressand  von  Parü  (Par.) ,  das  Gebilde  von  Bordeaux 
(B.)^  den  Tegel  des  Wiener  Beckens  {W,)  und  Polens  (P.)) 
unter  III.  die  Subapenninen  -  Formation  Italiens  (/.)  Sici- 
liens  (S.)  und  Nord  -  Deutschlands  (D.) ,  so  wie  den  Crag 
Englands  (£,)  ;  unter  IV.  die  Wohnorte  der  noch  lebend 
vorkommenden  Arten. 

Die  Molasse  der  Schweilz  bedarf  noch  einer  wiederhol- 
ten Untersuchung  {Seh.)  ^  indem  sie  zw&.y  in  ihren  Meeres- 
Schichten  nur  Konchylien  -  Arten  der  dritten  Formation 
darbietet,  aber  in  ihren  Ligniten  Säugethier  -  Reste ,  wie  es 
scheint ,  höheren  Alters  enthält.  Die  Gegend  von  Mont- 
pellier (M.)  scheint  Bildungen  der  zweiten  und  der  dritten 
{Perpignan)  Formation  zugleich  zu  enthalten.  Wir  rechnen 
daher  etwas  zweifelhaft  die  Molasse  zur  dritten,  den  Moel- 
lon  Montpelliers  mit  Beaumokt  zur  zweiten,,  den  obern  Mee- 
reskalk daselbst  zur  dritten  Formation. 


I. 


I.  B  a  1  a  11  u  ff :  1  Art,  vom  Peters- 

^^rg 

II.  Cypraea:  1  Art. 

2.  Cypraeacites     inflatus    von 
ScHL.,  nicht  Lamk. 

III.  ?  C  a  s  s  i  fl  a  r  i  a :   1  Art,  Wirths- 

mühle 

IV.  Murex:  1  Art,  Veter sherg  , 
V.  Tritonium:  1  Art. 

6.  Apenninicum  nob.var.'') 
VI.  Fasciolaria:  1  Art,  Wirths- 

mühle. 

7.  ?Fusus  affinis  Bronn  Ital. 
?  Turbinella  Lynchi   Bast. 

VII.  Pleurotoma:  1  Art,   Wirths- 

mühte. 

8.  BorsoniBAST.t?«r. <Mme<f« 

VIII.  Cancellaria:  1  Art,  Wirtht- 

mühle. 

9.  ?cancellata,     var,     ohtuse 

costuta 

IX.  Cerithium:  7  Arten. 

10.  gibbosumEicHw.  Wirths- 
mühle  Pniinutum  Serr.  ' 


11.  III.  IV. 


')  Var :  dente  labri  secundo  majore. 


W, 


i?ß.) 


B,  W, 


P.W. 


(?/.) 


(?!•) 


11* 


fMUtelm. 


162     — 


X. 
XI. 

XII. 
XIII. 

XIV. 
XV. 


XVI. 


11.  erenatum    Defr.    r. 
tumida,  Wirthsmühle 

12.  varicosuni    Defr., 
Wirthsmühle       .     . 
Muricites      substriatu 

SCHLOTH.  .      .      . 

13*    m  ar^  a  r  i  t  a  ce  u  m 

Brcn.    Weinh.     .     . 

Muricites     granulatus 

ScHLOTH.    .      .      . 

id.  var.  Hattenheim 
14.  ?  c  i  II  c  t  u  m  Bruo.  var 

überall 

Murex  trieinctus  Broc 
Muricites    incrustatus 

ScHLOTH.     .      .      . 

Muric.     subrostellatus 

ScHLOTH,     .       .       . 

C.  nodosum  Ejchw. 
C.  disjunctum  Eichw 
15«  plicatuni  Lk.  Überali 
Muric.  rostellatus  Schi. 
16.  =  Turbinites  laevissi 
mus  Sohl.   Weinh. 
Tornatella:  lArt,  Wirths 

mühle. 
Trochus:  3 Arten,  Wirths 
mühle. 

18.  excavatus  Ergn. 

19.  20.  unbestimmt 
Scalaria:  1  Art,  Wirthsm 

21*  ?muItiIamellaBA8T 

var. 

Natica:  2  Arten. 

22.  crassatinaLK. (?wo) 
Helicites     ampuUaceus 

ScHLOTH 

23.  Guilleminii  Payr.  . 
Neritina:  1 — 2  Arten,  Op- 
penheim. 

24.  Neritites        cochleatus 
SCHLOTH 

Paludina :  3  Arten. 

25.  ?  1  e  n  t  a  Sow.  v.  iHfrti/n« 

26.  acutaLK. überall, östl. 
Helicites    paludinarius 

ScHLOTH 

27.  inflata  nob.   Maynz 
etc. 

Helicites        gregarius 

ScHLOTH 

Helix:  1 — 2  Arten,  einzeln, 
Ostseite. 

28.  nemoralis  Lin.   .     . 


PC. 


C. 


II. 
W, 


B.  (M.  *; 


IV.  P.   B. 


Par.  P.  B. 


III, 
/, 

I. 
I,E. 


IV. 


I. 


Nizza. 


nach  Lamirck 
Formation  ? 

B.  P. 


?P. 
W. 


W.  (M.) 


Buxwilk 


zu  Ponchartrain '., 
Ä.        Mittelm, 


(Seh.) 
(Ulm.) 


Mittelm, 


Deutschi. 


*)  Die  von  M    de  Serrks  abgebildete  Art  mit   dem  Synonym  C.  mar- 
ginatum  ist  doch  vioHeieht  noch  verschieden  von  der  Maynser, 


—     163 


XVII.  Cyclostoina:  1  Art,  ein- 
zeln, Neustadt,  vielleiclit 
adcrustirt. 

29.  elegans  Drp.         .     . 
XVIII.  Bulla:  2  Arten,  Wirthsm. 

30.  angistoma  Desh. 
Bullacites     cylindricus 

SCHLOTH 

31.  n.  sp 

XIX.  Eniarginula;    1   Art , 

Weinheim. 

32.  ?fenestrella  DrBois 
Patellites        fissuratus 

ScHLOTH 

XX.  PPileopsis:   (Patelloides) 
1  Art. 

33.  compressiuscula 
ElCHW 

XXI.  Dentalium:  \  Art,  un- 
vollständig      

XXII.  Corbula:  1  Art. 

34.  nuclcus  Lk.   (C.  ru- 
gosa  attctt)  .     .     .     . 

XXIII.  Crassatella:  lArt,  neu, 

Weinheim. 
XXIV.  L  u  c  i  n  a  :    2  —  3    Arten  , 

Wifthsmühle. 

36.  squamulosa  Lk. 

37.  (ähnlich  L.  elegans)    . 
XXV.  T  e  1 1  i  n  a :  1  Art,  Wirthsm. 

XXVI.  Diplodonta:  1  Art. 
XXVII.  Cyprina:  2  Arten. 

40.  islandicoides  a;/c<^ 
Neustadt  etc.      .     .     , 

41.  affinis Bronn,  Wein- 
heim 

XXVIII.  C  y  r  e  n  a  :  2  Arten. 

4,2.    ähnlich    C.    Sowerbyi 

Bast 

Venerites       .subaratus 

.    ScHLOTH.        .       .      . 

43.  Venerites       siniillimus 
ScHL.,  am  Ostrand 
XXIX.  Crassina:    1  Art ,  ähn- 
lich Venus  dysera. 
XXX.  Venus:  1  Art,  Weinh. 
45.  ähnlich  V.  laevigataLK. 
XXXI.  Isocardia:  1  Art,  neu, 

Wirthsmiihle. 
XXXII.  Ven  ericardia:  1 — 2  Ar- 
ten, Wirthsmiihle. 

47.  scalaris  <;t  chamae- 
forniis  Sow.      .     .     . 

XXXIII.    Cardium:  2  Arten. 

48.  ähnlich     C.   Fallasia- 
num  Bast 


II.  III. 


B. 


P. 


P.  W. 


Par.  W. 


IV. 


Beutschi, 


B.  W.  P. 

(Sek.) 


W. 


L  S. 


Mittelm. 


I. 
I. 


E. 


—     164 


l. 


p. 


49.  zwischen  C.  planatum 
und  C.  irreguläre    .     . 

XXXIV.  Nucula:  1—2  Arten. 

50.  margaritacea  Lmk. 
Petersberg     .... 

XXXV.  Area:  1  Art. 

51.  noduiosa  Brocchi    . 
XXXVI.  Pectunculus:  2  Arten, 

Wirthsmülde, 

52.  pulvinatus,  «?.Brgn. 
DüB.  5  nicht  Lamk. 

53.  n,  sp.  =  Chamites 
arcatus  Schloth.    .     . 

Arcacites     pectun- 
culatus  ScHL.  .     , 
XXXVII.  Coelogonia:  1  Art. 

54.  Brardii  /;.,  Mayn%\i, 
Ostrand 

Mytilus  BrardiiBRGN. 
Mytulites       pernatus 
iSciiLOTflr 
XXXVIII.  Perna:  l  Art,  Alze'y, 

55.  maxillata  Lmk.  .     . 

XXXIX.  Pinna:  Trümmer ,    Op- 
penheim. 
XL.  Pecten:  1 — 2  Arten. 

67.  p  i  c  t  US  Gldf.  Wein- 
heim       

68.  ?varius  Lamk.  teste 
MüNST.  ;  sehr  unvoll- 
kommen       

XLI.  Ostrea:    1  Art ,  Flohn- 
heim,  untrer  Sand. 
59.  callifera  Lmk. 

Ostracites  fossula  Schl. 

Unter  diesen  59  Arten  sind  nur  53  in  einem  Zustande^ 
der  eine  nähere  Vergleichung  und  Bestimmung  zulässt;  sie 
allein  werde  ich  daher  auch  nur  in  Rechnung  bringen,  näm- 
lich mit  Ausschluss  von  Nr.  1,  17,  24,  34,  56  und  58. 

Unter  den  41 ,  resp,  36  Geschlechtern  ist  kein  aus- 
gestorbenes. 

Von  den  53  Arten  würden 

a)  1  sehr  zweifelhafte  in  der  I.  Formation  allein  (25), 

b)  2  wohl  im  Pariser  Becken ,  aber  über  dem  Gypse  (36, 

59,  auch  15) , 

c)  3  in  den  drei  Tertiär-Formationen  zugleich  (14,  15,  50), 

worunter  Nr.  50  auch  noch  lebend, 

d)  7  nebst   einigen   zweifelhaften   allein    im  Tegel  (8,  10 


11. 

III. 

B,  W. 

I.   S, 

W.  P. 

l.S. 

W. 

? 

k  B. 

(Ulm.) 

B.  (test 
Serr.) 

I. 

Par, 

IV. 

Mittelm. 
Mittelm. 


—      165     — 

27,  30,  33,  36,  59),  eiiiscliliesslich  dem  obern  Mee- 
ressande, 

e)  7  nebst    zweifelhaften    in    der    II.    und    III.    Formation 

gemeinsam  (6,   11,   13,  40,  47,  54,  55), 

f)  3—4  eben  so,  und  zugleich  lebend  (23,  26,  34,  51), 

g)  2  in  der  III.  Formation  allein  (12,  41), 
h)  0  in  dieser  und  zugleich  lebend, 

i)   1—2  allein  lebend  (28,  21)?)  vorkommen. 

Berücksichtiget  man ,  dass  aus  der  mittein  Tertiär- 
Formation  noch  am  wenigsten  Arten  bekannt  sind,  und  dass 
dieselbe  überall  eine  grosse  Anzahl  ihrer  Arten  ,  vielleicht 
ein  Drittheil  mit  der  dritten  gemein  hat,  so  würden  die  fos- 
silen Arten  bei  Maynz  ihrer  Zahl  nach  unzweifelhaft  bei 
Weitem  am  meisten  mit  denen  der  Tegel-Formation  überein- 
stimmen ;  denn  21  (0,40)  derselben  sind  in  dieser  auch  an 
anderen  Orten  vorgekommen;  die  rehitjvgrosste  Anzahl  (7)  hat 
sich  im  Tegel  aliein,  und  eine  eben  so  grosse  in  diesem  und 
der  Subapenninen  -  Formation  zugleich  gefunden ;  aus  der 
Grobkalk-Formation  allein  kommt  auch  nicht  eine  unzweifel- 
hafte Art  vor;  aus  der  Subapenninen- Formation  allein  nur 
zwei  Arten,  von  deren  zweiter  ich  zudem  nur  ein  einziges 
Exemplar  gefunden  habe ;  die  andere  wird  sich  wahrschein- 
lich auch   noch  anderweitig  in   Tegel   entdecken  lassen. 

Was  die  Qualität  der  Arten  anbelangt,  so  möchte  ich 
unter  den  aufgeführten  die  Pleu rot oma  Borsoni,  Pileop- 
sis  compressiuscula  und  etwa  Bulla  angistoma  für  die 
bezeichnenderen  für  den  Tegel  halten,  da  sie  sich  bis  jetzt 
in  ihm  ausschliesslich  und  an  mehreren  Orten  gefunden 
haben.  Dagegen  fehlen  allerdings  diejenigen  Arten  gänzlich, 
welche  ich  nach  beiden  Gesichts-Punkten,  der  Menge  und  ihrer 
ausgezeichneten  Form  wegen  ,  überhaupt  als  die  charakteri- 
stischsten Arten  des  Tegels  ansehe,  und  welche  wahrscheinlich 
den  tieferen  Abtheilungen  demselben  angehören ,  nämlich  : 
Conus  acutangulus,  Ancillaria  glandiformis, 
Voluta  rarispina,  ßuccinum  baccatum,  Pyrula 
rusticula,    Pleurotoma     tuberculosa,     Turritella, 


—     100     — 

Archimedis,  Natica  compressa,  Veiiericardia 
Jouanetti  etc.  Dieser  umstand  und  die  verhältnissmässig 
sehr  grosse  Menge  zugleich  der  dritten  Periode  angehöriger 
Arten  deutet  mehr  auf  eine  obere  Abtheilung  des  Tegels, 
als  auf  tiefere  Schichten  desselben. 

Dagegen  ist  wieder  die  Anzahl  der  noch  lebend  vor- 
kommenden Arten,  6—7  im  Ganzen,  für  die  zweite  Tertiär- 
Formation  sehr  gering,  da  sie  nur  0,12  beträgt,  während 
sie  nach  Deshayes  0,1  S  ausmachen  sollte. 

Ein  anderes  Von  dem  der  übrigen  gleichzeitigen  See- 
becken abweichendes  Verhältniss  wird  durch  den  Aufent- 
haltsort eines  Theiles  der  darin  vorkommenden  Konchylien- 
Arten  in  süssem  oder  doch  brackischem  und  abwechselndem 
Wasser  (so  viel  sich  nämlich  aus  der  Analogie  mit  den 
nächst  verwandten  lebenden  schliessen  lässt)  angedeutet: 
durch  seine  Cerithien  nämlich,  die  sich  zum  Theile  den 
Potamiden  näheren,  welche  Bewohner  der  Flussmündun- 
gen seyn  sollen;  —  durch  seine  Cyprina  islandicoides, 
welche,  wenn  auch  sogar  dem  Genus  nach  von  C.  isla ndica 
verschieden ,  doch  eine  ähnliche  Lebensweise  gehabt  zu  ha- 
ben scheint;  —  durch  seine  2  Cyrena- Arten,  deren  Ge- 
ßchlechtsverwandten  Fluss-Bewohner  sind,  und  welche  sich 
in  mehreren  Schichten  in  ziemlicher  Häufigkeit  finden;  — 
durch  seine  Coelf)gonia  Brardii  und  seine  Paludina 
acuta  und  P.  in  f  lata,  welche  an  wenigen  Orten  ganz 
fehlen ,  aber  unterhalb  Maynz  sogar  für  sich  allein  die 
Schichten  in  einer  Mächtigkeit  von  35'  —  40'  zusammen- 
setzen ;  —  endlich  die  einzeln,  aber  in  diesen  letztern  doch 
ziemlich  oft  vorkommenden  Landschnecken  aus  dem  Ge- 
sehlechte  Helix.  Diese  alle  sind  es,  wegen  deren  man  noch 
jetzt  die  ganze  oder  einen  grossen  Theil  der  Formation  als 
eine  Süsswasser- Bildung  bezeichnen  hört.  Wenn  wir  aber 
die  Cöelogonien  undPaludinen,  welche  hier  in  so  unge- 
heurer Anzahl  vorkommen  und  daher  am  meisten  Licht  über 
die  Bildung  dieser  Gesteine  müssen  verbreiten  können,  näher 
prüfeu ,    so  gelangen   wir    zu   einem  andern  Resultate.     Die 


—     167     ~ 

nächst  verwandten  nämlich  von  C  oel  ogonia  Brardii  sind 
Mytilas  cochleatus  Nyst  ,  welcher  sich  erst  neulich  in 
einem  geschlossenen  Salz  -  Becken  bei  Antwerpen  mit  B  a- 
lanen  u.  a.  Seekonchylien  gefunden  hat,  und  Mytilus 
polymorph  US,  welcher  in  der  Donau ,  der  Wolga y  dem 
Kaspüchen  Meere,  den  gesalzenen  See'n  bei  Königsberg  und  in 
einem  mit  der  Themse  verbundenen  Becken  zum  Ausbessern 
von  Seeschiffen  wohnt  und  im  vorigen  Jahre  mit  dem  ersten 
Holländischen  Rhein  -  Schiffe  auch  bis  Mannheim  gekommen 
ist,  also  Bewohner  süsser  sowohl  als  gesalzener  Binnenwasser 
ist  und  nur  nicht  im  offenen  Meere  vorkommt.  Partsch 
hat  im  vorigen  Jahre  noch  4  Arten  dieses  Geschlechtes  aus 
dem  Tegel ,  unter  dem  Namen  Congeria  beschrieben, 
welche  sieh  dort  mit  Süsswasser-  (Melanopsen  etc.)  und  See- 
Konchylien  zusammenfinden.  Die  kleine  Paludina  acuta, 
welcher  bei  Maynz  die  F.  inflata*)  überall  beigesellt  ist, 
bewohnt  noch  jetzt  in  unsäglicher  Menge,  so  dass  man  sie 
mit  den  Händen  zusammenhäufen  kann  ,  die  Etangs  an  der 
Küste  von  Süd  "  Frmnhr eich  und  Italien,  seichte  und  ruhige 
Theile  des  Meeres,  welche  durch  längs  der  flachen  Küste 
hinziehende  Sandbänke  von  dem  offenen  Meere  getrennt, 
aber  der  stärkeren  Verdunstung  wegen  wohl  noch  salziger 
sind,  als  dieses.  Es  ist  daher  weder  nöthig  noch  möglich 
anzunehmen ,  dass  diese  Milliarden  von  Individuen  durch 
Bäche  aus  irgend  welchen  kleinen  Pfützen  vom  Lande  her- 
abgeführt worden  seyen.  Die  Schaalen  der  Landschnecken 
deuten  dagegen  allerdings  an ,  dass  die  Küste  von  ihrem 
jetzigen  Ablagerungs-Orte  nicht  fern  gewesen  seyn  könne. 

Alle  vorhin  genannten  Konchylien ,  w^elche  mit  Aew 
wirklichen  See-Konchylien  durcheinander  vorkommen,  deuten 
daher  auf  ein  zwar,  vielleicht  von  seiner  Emporhebung  her, 
noch  mit  Salzwasser  versehenes,  aber  wenigstens  in  späte- 
rer Zeit  vom  offenen  Meere  abgeschlossenes  ruhiges  Becken 


*)  Von  letzterer  Art  habe  ich  noch  keine  guten  Exemplare  erhalten 
können.  Wird  sie  sich  von  Yalvata  obtusa  genügend  unter- 
scheiden ?  • 


—      168     — 

hin,  welches  wahrscheinlich  durch  die  beständige  Zuflüsse 
von  Süsswasser  und  dessen  Abfluss  in  Vermischung  mit  dem 
Salzwasser  sich  allmählich  aussüsste  und  durch  Niederschläge 
den  Boden  auffüllte,  während  vielleicht  zu  gleicher  Zeit  sein 
Spiegel  durch  tieferes  Einschneiden  der  Abflusssfchwelle  sich 
senkte,  und  das  Becken  sich  allmählich  trocken  legte.  Die 
letzten  See  -  Konchylien  mussten  nun  zu  Grunde  gehen. 
Kleine  Inseln  erhoben  sich  anfänglich  aus  dem  Wasser, 
welche  allmählich  immer  mehr  zusammenflössen  und  für 
Sumpf-bewohnende  Pachydermen  ein  willkommener  Aufent- 
haltsort wurden.  Der  Rhein  änderte  inzwischen  seinen  Lauf 
wiederholt,  und  bewirkte  hiedurch  neue  Unregelmässigkeiten 
in  den  vielleicht  schon  unregelmässig  abgesetzten  Schichten, 
wie  denn  noch  jetzt  nachweisbar  ist,  dass  er  gerade  in  der 
Gegend,  um  die  es  sich  hier  handelt,  einst  eine  ganz  andere 
nach  Westen  ziehende  Richtung  besessen  habe.  Durch  die 
hier  mitgetheilte  Ansicht  würde  sich  die  Isolirung  dieses 
mittel-tertiären  Beckens  Deutschlands  von  allen  gleichzeiti- 
gen Bildungen  erklären.  * 


Briefwechsel. 


IMittbeiluiigcn,  an  den  Gelieimenrath  v.  Leonhard 

gerichtet. 

Alexatidria,  19.  Nov.  1836. 
Ich    bin    im    Besitze   Ihres    lieben    Briefes    vom    20.  März  d.  J.  und 
danke  Ihnen    auf  das   Herzlichste    dafür.     Meine   Rückreise    aus  Klein- 
Asien   nach  Ägypten   war    sehr   interessant.     Ich  besuchte  den  grössten 
Theil  des  Libanon,  war  bei  den  Zedern,  bestieg  die  höchste  Spitze  des 
Libanon,  den  Gebbel  Makael,    dessen  Höhe  Ehreneerg  zu  12,800  Par> 
F.  beiläufig;  angibt  (ich  habe  meine  Barometer-Beobachtungen  noch  nicht 
ausgerechnet)  ,    bereiste    den    ganzen  Antilibanon    und  war  in  Baalbech 
und  Damaskus.     Die  Höhen  -  Angabe  des  Libanon    scheint    mir    viel    zu 
gross ,  und  ich  glaube  kaum,  dass  seine  höchste  Spitze  9000  Par.  Fuss 
erreicht    und    schätze  die  Meereshöhe  der  Zedern  auf  6000  P.  F.     Ich 
habe  ein  Barometer- Nivellement    der    bereisten    Punkte    in  Händen    und 
habe  mit  guten  Instrumenten  und  sorgfältig  beobachtet,  zur  Kalkulation 
aber  noch  keine  Zeit  gefunden.     Das  Centrale    des  Libanon   sowohl   als 
des  Antilibanon   besteht   aus  Bergkfdk ,    carb  oniferou  s    limestone, 
auf  dem   der  Kohlensandstein  aufgelagert  ist.     Letztrer   führt  Steinkoh- 
lenlager, von  den«n  die  zu  Makla  ain  el  Bed,  zu  Bsedilin  und  zu  Mar 
Hanna  el  Kenniset  bereits  im  Abbau  stehen.     Der  Bergkalk  führt  Stock- 
artige Lagerstätten  von  Eisenstein  von  ungeheurer  Ausdehnung  bei  Mar 
Hanna   el   Schuähe.     Die   Eisenerze ,    welche    darauf  einbrechen  ,    sind 
Brauneisenstein  ,    Eisenocker   und    herrlicher  Spatheiscnstein.     Der  Koh- 
lensandstein   sowohl ,    als    der    Bergkalk    werden    von    häufigen    Diorit- 
Gängen     durchsetzt ,      welche     höchst     interessante     Modifikationen     im 
Schichten  -  Systeme  der  beiden  Felsgebilde    bedingen.     Die  Gehänge  der 
beiden  Gebirgszüge   in  Ost    und    West   bilden    Kreide,    Kreide  -  Mergel 
und  Braunkohlen  -  Sandstein  ,    welclie  beide  ersteren  Kreide  -  Gebilde  be- 
sonders im  Antilibanon^  wo  der  Kohlensandstein  fast  ganz  verschwindet, 
ungeheure  Entwicklung  zeigen.     Wie  vom  Taurus,  so  wurden  auch  vom 
Libanon  und  Antilibanon  geognostische  Karten    und    eine  Menge  Durch- 
schnitte verfertigt,   die   einst   ein  hübsches  Ganzes    bilden    werden.     In 


—      170     — 

wenigen  Tagen  werde  ich  von, hier  nach  Ober-Ägypten  und  Nubien  ab- 
geiien  und  wahrscheinlich  bis  Waddi  Haifa  meine  Reise  fortsetzen,  um 
von  dort  aus  den  noch  ganz  unbekannten  Gebirgszug  zu  untersuchen, 
der  in  Dongola  sich  durch  die  Nubische  Wüste  bis  ans  Meer  zieht.  Von 
Nubien  ist  mein  Plan,  nach  Kenne  zurückzukehren,  mich  nach  Kosseir 
am  Rothen  Meere  zu  begeben  und  von  dort  nach  Arabien  zu  gehen. 
Ob  mich  nun  meine  Reise  sogleich  an  den  Sinai  führt,  oder  ich  südlich 
nach  Hedjas  und  Jemmer  mich  wenden  werde ,  weiss  ich  noch  nicht. 
Bei  meiner  Rückkehr  aus  Klein  -  Asien  fand  ich  endlich  zu  Beirout  in 
Syrien  meine  Instrumente,  und  bin  nun  ausser  dem  noch  nicht  angekom- 
menen Boussol-lnstrumente  mit  Azimut-Kreis,  Fernrohr  und  Höhenbogen, 
im  Besitze  von  zwei  Barometern  zum  Höhenmessen  ,  vielen  Thcrmome- 
tenij  einem  Photometer,  Thermohygrometer,  Hypsometer,  mehreren  Aräo- 
metern ,  Elektrometern  zur  qualitativen  und  quantitativen  Untersuchung 
der  Luft-Elektrizität ,  astatischen  Nadeln  ,  Sextanten  ,  Boussolen  ,  Fern- 
röhren ,  einem  Mikroskope ,  welches  bis  270,000nial  in  area  vergrössert, 
einem  elektrochemischen  und  einem  thermoelektrischen  Multiplikator, 
einem  Inklinatorium  ,  von  Probierwagen,  Löthrohr-Apparat,  Reagentien- 
Kasten  und  einem  sehr  stark  wirkenden  magneto  -  galvanischen  Apparat 
mit  grossen  Hufeisen-Magneten.  Sämmtliche  Instrumente  sind  in  Wien 
verfertigt  und  wirklich  von  seltener  Schönheit  und  Genauigkeit. 

RuSSEGGSR. 


Darmstadt,  22.  Dez.  1836. 
Bei  dem  Versuch  auf  das  Erbohren  einer  Springquelle  zwischen 
Weinheim  und  Offenheim  bei  Alzey  wurde  zuerst  vom  Tage  herein  der 
untere  Grobkalk  (unterer  tertiärer  Sand  mit  kalkigen  Sandsteinen  und 
Konglomeraten,  Pectunculus  pulvinatus,  Ostrea  hipoppus  etc.) 
40'  mächtig  dur<^hsunken.  Hierauf  ging  man  wieder  durch  .eine  Reihen- 
folge von  Sandsteinschichteu  mit  sandigen  Schieferthonen  abwechselnd 
(Old  red  Sandstone),  50'  mächtig.  In  einer  Tiefe  von  90'  erreichte  man 
ein  dolomitisches  Gestein ,  in  welchem  man ,  da  die  Arbeit  darin  in 
Folge  der  beträchtlichen  Festigkeit  desselben  in  hohem  Grade  erschwert 
wurde,  den  ohnehin  keinen  Erfolg  versprechenden  Versuch  aufgab»  Ob 
mir  gleich  aus  verschiedenen  Teufen  desselben  Bohrproben  zukamen,  so 
darf  ich  mir  doch  nicht  erlauben,  darüber  zu  entscheiden,  ob  der  in  der 
Tiefe  erreichte  Dolomit  eine  Einlagerung  im  Old  red  Sandstone  bildet 
(es  zeigen  sich  darin  untergeordnete  krystallinische  und  dichte  Kalkmassen 
nordwärts  dieses  Punktes  in  geringer  Entfernung  bei  Niederhausen  au 
der  Nahe,  zwischen  Duchroth  und  Hallgarten  etc.),  oder  dem  Bergkalk, 
oder  gar  dem  Grauwackeukalk  angehört.  Er  ist  grobkörnig,  gelblich- 
grau und  brausst  schwach  mit  Säuren. 

A.  V.  Klipstein. 


—     171      — 

Ludivigsthal,  im  Januar  1837  *). 

Der  bisherige  Bolirversucli  in  Schramberg  wird  nun  wohl  sein  Ziel 
in  der  Tiefe  von  754'  erreicht  haben,  da  man  bereits  8'  in  einem  rotheii 
Feldstein-Porphyr  gebohrt  hat,  der  ohne  Zweifel  das  Liegende  der  Stein- 
kohlen-Formation  bildet  und  in  den  Granit  übergehen  wird,  wie  diess 
hier  am  Rande  dee  Beckens ,  wo  der  Granit  sich  emporhebt ,  häufig  be- 
obachtet werden  kann. 

Indessen  habe  ich  bereits  etwas  entfernter  von  Schramberg,  im  so- 
genannten Kirnbachthale  einen  neuen  Versuch  angefangen ,  wo  ich 
eine  grössere  Erhebung  der  Schichten  vermuthete  und  somit  hoffen 
konnte,  die  Kohlen -Formation  in  geringerer  Teufe  zu  erreichen.  Den 
Versuchschacht  liess  ich  am  tiefsten  Punkte  des  Thaies  im  Todtliegen- 
den  ansetzen  ;  bei  der  jetzigen  Jahreszeit  und  dem  starken  Zudringeu 
von  Wassern  konnte  derselbe  aber  nur  10'  niedergebracht  werden.  In 
einer  Tiefe  von  7'  traf  ich  auf  Bünke  einer  Porphyr- Brecci« ,  in  der 
noch  3'  abgeteuft  wurden.  Jetzt  ist  man  in  einer  Tiefe  von  26'  noch  in 
demselben  Gestein.  Die  Erscheinung  dieses  Gesteins  ungefähr  in  der 
Mitte  des  vom  Todtliegendcn  erfiiliten  Beckens ,  von  dem  bisher  keine 
Spur  in  Schramberg  bekannt  war,  gibt  mir  einige  Hoffnung,  dass  die 
dortigen  Versuche  doch  noch  gelingen  könnten.  Ganz  ähnliche  Gesteine 
bilden  in  andern  Gegenden  nicht  selten  das  Hangende  der  Kohlen- 
Formation,  und  es  sollte,  wenn  diese  Analogie  nicht  trügt,  dieselbe  iiicr 
auch  beträchtlich  höher  liegen  ,  als  an  der  Stelle  des  bisherigen  Bohr- 
Versuchs.  Wenn  man  nicht  wieder  in  das  Todtliegende  kommt,  was 
ich  jedoch  nicht  vermuthe ,  so  werden  die  künftigen  Arbeiten  bald  Auf- 
schluss  geben. 

Zobel, 


St.  Petersburg,  J?.  Januar  1837. 
Petersburg  hat  für  das  naturhistorische  Wissen  recht  anziehende 
Seiten.  In  mineralogischer  Hinsicht  sind  es  vorzüglich  die  reichen 
Schätze  der  zum  Theil  prachtvollen  Russischen  Mineral  -  Vorkommnisse, 
die  ausser  dem  berühmten  Museum  des  Berg -Instituts  auch  noch  in 
andern  öffentlichen  Sammlungen  und  in  zahlreichen  Privatkabinetten  au- 
gehäuft sind.  Aber  auch  Vieles  des  Ausgezeichnetsten  von  auswärtigen 
Mineralien  ist  hier  zu  finden  ;  eine  Vereinigung  wahrhaft  gigantischer 
in-  und  aus-ländischer  Vorkommnisse  hat  aber  ganz  insonderheit  das 
Museum  des  Berg -Instituts  aufzuweisen,  durch  dessen  Schätze  über- 
haupt das  Auge  eben  so  geblendet,  als  das  Interesse  auf  die  leb- 
hafteste Weise  in  Anspruch  genommen  wird.  Da  ich  mich  bei  einer 
andern  Gelegenheit  in  nähere  Betrachtungen  des  Berührten  einzulassen 
gedenke,  so  erspare  ich  für  jetzt  ein  weiteres  Detail  darüber. 

*'}  Mitgetbeilt  von  Herrn  Bergratb  Dr.  Heua. 


—     172     ~ 

In  geologischer  Hinsicht  ist  derjenige  Theil  der  Umgegend  von  Pe- 
tersburg  von  erheblichem  Interesse,  welcher  Ihnen  bereits  aus  Panders 
Beiträgen  zur  geognostischen  Kenntniss  von  Russland  bekannt  seyn 
wird.  In  dieser  Arbeit  ist  Fleiss  und  Sorgfalt  unverkennbar  an  Tag 
gelegt;  doch  nach  dem  jetzigen  Stand  der  Geologie  lassen  sich  denn 
doch  noch  der  Sache  andere  Ansichten  abgewinnen.  —  Ich  würde  Ihnen 
einen  bereits  darüber  verfassten  Aufsatz  für  das  Jahrbuch  beigelegt 
haben  ,  wenn  ich  nicht  die  Absicht  hegte  ,  erst  noch  einige  Beobachtun- 
gen an  entfernteren  Punkten  anzustellen ,  um  dessen  noch  gewisser  zu 
werden j  was  sich  mir  als  Resultat  ergeben  hat:  inzwischen  glaube  ich 
wenigstens  Einiges  davon  berühren  zu  dürfen.  Wie  Sie  wissen,  sind  die 
Meinungen  über  das  Alter  des  Zarskoe  Seloer ,  so  wie  über  das  des 
Esthländischen  Kalksteins  nicht  .alle  gleich  übereinstimmend.  Vorzüglich 
Engelhardt  und  der  Engländer  Strangavays  sind  bekanntlich  als  Wi- 
dersacher derer  zu  betrachten ,  welche  in  jenem  Kalkstein  ein  Gebilde 
der  Übergangsepoche  sehen  ;  beide  wollen  ihn  für  ein  neueres  Erzeug- 
niss  gehalten  wissen.  Es  ist  allerdings  wahr,  die  ganze  aus  Kalkstein, 
Sandstein  und  mehr  Schieferthon  als  Thonschiefer  bestehende  Forma- 
tion, so  wie  ihr  Bruder,  der  Kalkstein  von  Narwa  und  Reval ,  habei^ 
einen  starken  Anstrich  von  dem  Charakter ,  welcher  zum  Theil  den 
neuen  Flöt?-  und  selbst  Tertiär- Gebilden  eigen  ist  5  namentlich  ist  die 
ganz  söhlige  Schichtung,  das  lagenweise  Vorkommen  einer  Grüuerde- 
artigen  Substanz  und  der  an  Petrefakten- Fragmenten  reiche,  zuweilen 
lockere  Sandstein  geeignet,  solche  Erinnerungen  hervorzurufen  ;  aber, 
wenn  man  nicht  allen  bisherigen  Erfahrungen  zuwider  gerade  denjeni- 
gen Petrefakten,  w^elche  als  die  bezeichnendsten  für  das  Übergangs- 
Gebilde  gelten,  eine  ganz  andere  Deutung  unterlegen,  und  dagegen 
anderen  Merkmale  aus  der  petrographischen  Beschaffenheit  entnommen 
ein  grösseres  Vorrecht  einräumen  will,  als  ein  solches  für  normale  Fels- 
arten  heutigen  Tags  zugestanden  werden  kann  ,  so  niuss  man ,  ohne 
gegründete  Einrede,  die  berührten  Bildungen  als  Übergangs  -  Gebirge 
ansprechen.  —  Höchstens  könnte  etwa  für  die  gegentheilige  Meinung 
nur  noch  angenommen  werden  ,  dass  die  jdem  Kalkstein  zustehenden 
Orthoceratiten,  Trilobiten  und  Terebrateln  schon  einer  Gebirgs  -  Bildung 
angehört  hätten ,  aus  deren  gänzlicher  Zerstörung  und  Auflösung  die 
jetzige  hervorgegangen  sey,  und  die  fast  meist  nur  als  Fragmente  im 
Sandstein  inliegenden  organischen  Überbleibsel  vermöchten  einer  sol- 
chen Vorstellungsweise  das  Wort  zu  reden;  aber  bei  allem  dem,  dass 
ein  solcher  Fall  nicht  unmöglich,  so  mangeln  wenigstens  dem  Kalkstein 
an  den  Punkten,  wo  er  jetzt  zu  beobachten  ist,  die  Kriterien,  welche 
diess  zu  bekräftigen  im  Stande  wären.  Überdem  steht  die  Zarskoe  Ä^- 
loer  Formation  sammt  der  damit  identen  Esthländischen  ja  nicht  isolirt 
da.  Sie  hat  unstreitig  ihres  Gleichen  in  dem  Skandinavischen  XJbergangs- 
Gebirge ,  und  ist  jedenfalls  eben  so  gleichbedeutend  mit  der  von  Podu- 
lien ,  die  insgesaramt  von  bewährten  Gebirgs  -  Forschern  als  achtes 
Übergangs  -  Gebirge    anerkannt    worden    sind.      Da    übrigens    dort    der 


—     173     — 

Sandstein  im  Allgemeinen  über  dem  Kalkstein  liegt,  während  er  in  der 
Umgegend  von  Zarskoe  Selo  diesem  zur  Unterlage  dient ,  so  ginge 
hieraus  ganz  offenbar  die  Wechsellagerung  beider  sich  wiederholenden 
Gruppen,  und  daniit  zugleich  als  ausgemacht  hervor  ^  dass  alle  3  Fels- 
arten, die  hier  erscheinen,  nur  Glieder  einer  und  derselben  Forma- 
tion  wären.  Ob  endlich  der  Sandstein  mit  dem  rothen  Übergangs- 
Sandstein,  und  der  Kalkstein  mit  dorn  Bergkalk  zu  parallelisiren  wären, 
diese  Erörterung  behalte  ich  mir  später  vor.  Vieles  spricht  dafür.  — 
Nur  einer  Erscheinung  will  icli  noch  hier  mit  einigen  Worten  gedenken, 
welche  die  fragliche  Formaiion  auch  von  einer  andern  Seite  noch  recht 
anziehend  macht.  S(hon  Pander  glaubt  bei  Gelegenheit,  wo  er  den 
Kalkstein  mit  dem  Skandinavischen  Übergangs  -  Gebilde  vergleicht,  die 
starke  Schichten  -  Senkung  dieser  letztern  dem  Einflüsse  der  dort  damit 
verbundenen  abnormen  Gesteine  zusciireiben  zu  müssen  ,  um  hierin  eine 
Erklärung  für  die  Schichtenhorizontale  von  jenem  zu  linden.  Und  in 
der  That  stehen  damit  auf  eine  überraschende  Weise  einige  Erscheinun- 
gen im  Einklang.  Es  sind  diess  die  zwar  kleinsten  aber  nichts  desto 
weniger  lehrreichen  und  fjappautcn  Profile  an  den  Ufern  der  Pulkowüf 
wo  der  dem  Kalkstein  zur  unmittelbaren  Unterlage  dienende  Schiefer 
gewaltsamer  Weise  zerrüttet  und,  indem  er  wie  Kegel  in  den  Kalkstein 
eingeschoben  ist,  theils  dessen  söhlige  Schichtung  in  eine  gewölbte  ver- 
wandelt ,  theils  auch  die  Schichten  gänzlich  zersprengt  hat.  Pandkr 
glaubt  das  Verhalten  durch  eine  Selbstentzündung  des  Schiefers  veran- 
lasst; doch  man  sieht  hier,  wenn  auch  niclit  in  der  Wirklichkeit,  doch  im 
Geist,  ein  abnormes  Gebilde  im  Aufsteigen  begriffen,  was  sich  aber  über 
ein  gewisses  Niveau  nicht  erheben  konnte,  um  dieOberfläche  zu  erreichen. 
In  Finnland  habe  ich  ausser  der  Umgegend  von  Pitkaranda  und 
den  Punkten,  die  ich  auf  einer  flüchtigen  Reise  dorthin  beiührte,  nur  we- 
nige genaue  Beobachtungen  zu  machen  Gelegenheit  gehabt ;  aber  das 
was  ich  gesehen ,  hat  mir  die  Überzeugung  rerschaflt ,  dass  eine  ge- 
nauere Untersuchung  dieses  Landes  sehr  gewichtsvolle  Resultate  im 
Geist  der  neueren  Geologie  liefern  möchte.  Allerdings  fehlt  hier  das 
Beisammenseyn  von  plutonischen  und  neptunischen  Gebilden  und  damit 
auch  die  bedeutungsvollen  Beziehungen  zwischen  beiden,  denn,  ausserdem 
Thonschiefer  und  seiner  Sippschaft,  scheinen  auffälliger  Weise  alle 
normalen  Gebilde  in  Finnland  zu  fehlen  ,  und  ob  am  Ende  nicht  jenen 
auch  eine  andere  Stelle  anzuweisen  wäre ,  ist  eine  Frage  ,  die  sich  fast 
immer  mehr  aufdrängt.  Als  Ersatz  aber  für  den  Mangel  an  evidenten 
Wassererzeugnissen  ist  eine  ziemlich  bunte  Vielartigkeit  von  Feuerpro- 
dukten in  einem  grossen  Maasstab  entwickelt  und  somit  gewiss  ein  rei- 
cher Stoff  zur  Beobachtung  des  gegenseitigen  Verhaltens ,  als  gleich- 
zeitig gegen  den  Thonschiefer ,  geboten.  Ein  Umstand ,  der  übrigens 
auch  in  Finnland,  wenigstens  strichweise,  günstig  für  solche  Beobach- 
tungen seyn  dürfte  ,  das  sind  die  oft  meilenweit  erstrekten  Waldbrand- 
stätten. Nächst  aller  Vegetation  ist  hier  auch  fast  jede  Spur  von  Damm- 
erde   zerstört ,    so  dass  schauerlich  kahle  Gebirgsscheitel  zum  Verscheiu 


—     174     — 

kommen,  die,  wenn  sie  sich  auf  wahre  Gesteine  erstrecken,  dem  Auge 
dann  wie  Landcharten  vorliegen.  Es  gewährt  diess  mitunter  recht  be- 
lehrende und  frappante  Ansichten.  So  ist  es  zuweilen  äusserst  interes- 
sant ,  auf  so  entblössten  Gesteins  -  Plateaus  zu  sehen ,  wie  theils  nur 
Glimmer-Anhäufungen  in  linearen  Richtungen,  theils  schon  Gneiss-artige 
Parthie'n  gleich  Strömen  granitische  Massen  durchziehen.  Andererseits 
bemerkt  man  stellenweise  wieder  Granit-Durchkeilungen  in  den  ihm  be- 
nachbarten Gesteinen  biossgestellt,  oder  auch  Gesteinscheiden  ,  die  bald 
einander  parallel  gehen  ,  bald  in  einander  eingreifen.  Von  solchen  Er- 
scheinungen muss  ich  einige  Ortlichkeiten  anführen.  Eine  der  ersten 
Art  bietet  in  der  Umgegend  von  Pitcaranda  vorzugsweise  ein  Gneiss- 
artiger Dioritschiefer  dar,  und  ein  Punkt,  wo  sie  auf  eine  recht  deutliche 
Weise  zu  sehen,  ist  unweit  des  kleinen  Wasserfalls  bei  Korinoa  an  der 
Strasse  von  Pitcaranda  nach  Kittel.  In  einem  hier  entblössten  Streifen 
der  letztern  Felsart  von  20  bis  30  Schritt  Breite  schlängeln  mehrere 
Granitärme,  in  Abständen  von  kaum  einigen  Fäden,  herum.  Sie  sind 
jeder  von  1  bis  3  Fuss  mächtig,  und  machen  mit  dem  h.  7  streichenden 
und  steil  einschiessenden  Hornblende-Gestein  mehr  und  weniger  schmale 
Winkel.  Punktweise  setzen  sie  ab  und  legen  sich  nur  theilweise  wie- 
der an ,  denn  einige  keilen  sich  ganz  aus.  Die  Schichtung  des  Horn- 
blendegesteins zwischen  den  Granitästea  ist  mitunter  etwas ,  aber  nur 
schwach  ,  bemerkbar  verrückt ,  doch  von  Merkmalen  erlittener  Verände- 
rung auf  den  Kontaktflächen  ist  nichts  zu  sehen.  Seitwärts,  einige  100 
Schritt  davon  ,  steht  am  Gebirgsabhang  Granit  an  ,  der  sowohl  weiter 
Gehäng-aufwärts,  als  längs  desselben  fortsetzt,  aber  der  Zwischenraum 
zwischen  ihm  und  dem,  welcher  die  Einkeilungen  bildet,  ist  mit  Damm- 
erde bedeckt.  Gleichwohl  ist  es  augenscheinlich ,  dass  diese  letzteren 
nur  die  Ausläufer  von  jenem  sind  ;  denn  indem  sie  sich  mit  ihrem  stär- 
keren Ende  unter  der  Dammerde  verstecken  ,  spitzen  sie  sich  mit  dem 
entgegengesetzten  zum  Theil  in  den  Dioritschiefer  aus.  Nichts  würde 
hier  naqh  der  jetzt  herrschenden  Vorstellungsweise  natürlicher  als  die 
Annahme  seyn  :  dass  der  Granit ,  nachdem  er  den  Schiefer  zersprengt, 
von  unten  in  denselben  eingedrungen  sey.  Ich  bin  einerseits  von  der 
feurigen  Bildung  beider  Gesteine  überzeugt ,  doch  kann  ich  mich  nicht 
bestimmen ,  dieses  Vorkommen  hier  so  zu  deuten ,  wie  es  erscheint. 
Eben  so  möchte  ich  aber  auch  noch  solchen  Zweifel  auf  eine  andere 
Deutung  ausdehnen,  die  einem  anderweitigen  Verhalten  beider  Felsartcn 
unterzulegen  seyn  würde.  Es  ist  das  die  zweite  Art  der  Erscheinung, 
die  ich  oben  berührte,  und  die  darin  besteht,  dass  die  Scheiden  dieser 
Gesteine ,  die  in  der  bezeichneten  Gegend  in  mehrmaligem  Wechsel 
auftreten ,  stellenweise  zusammenlaufen ,  so  dass  eine  oder  die  andere 
abgeschnitten  scheint.  Unter  Berücksichtigung  des  erst  berührten  Vor- 
kommens möchte  auch  hier  der  Schiefer  die  durchbrochene  Masse  seyn  ; 
aber  gerade  diesem  treten  Umstände  entgegen ,  worin  schon  zum  Theil 
die  Gründe  liegen  ,  welche  eine  solche  Annahme  für  beiderseitige  Vor- 
kommnisse in  Frage  stellen.     Vorerst   sind   die  Granitstriche   meist  viel 


—     175     - 

breiter  als  wie  die  Schieferstreifon ,  sodann  behauptet  die  Schieferung 
von  diesem  im  Allgemeinen  gleiche  Neigungswinkel,  und  endlicli  lassen 
sich  weder  Einschlüsse  von  Schiefer  im  Granit,  noch  Konglomerat-artige 
Bildungen,  und  auch  keine  Ergebnisse  feuriger  Einwirkung  auf  den 
Gesteinsscheiden  wahrnehmen.  Nun  wäre  es  aber  doch  wohl  wunderbar, 
wie  sich  bei  so  gewaltigen  Zerberstungen ,  als  die  dominirenden 
Granitmassen  voraussetzen ,  noch  so  regeivolle  Verhältnisse  hätten  er- 
jalten  können  ,  und  noch  wunderbarer ,  dass  sich  im  Granit  nicht  ein 
Theil  des  Schiefers  wiederfinden  sollte,  der  zum  Weichen  gebracht  wor- 
den ist.  Wenn  demnach  hier  mehr  au  gleich-,  als  an  ungleich- zeitige 
Bildung  zu  glauben  seyn  würde ,  so  möchte  daraus  aber  auch  hervor- 
gehen, dass  sowohl  die  Verzweigungen  des  Granits  in  den  Schiefer,  als 
das  stellenweise  Ineinandergreifen  beider  nur  Verhältnisse  wären ,  die 
auch  bei  gleichzeitiger  Entstehung  abnormer  Gesteine  Statt  haben 
könnten.  Es  würden  Erscheinungen  ähnlieh  denen  seyn ,  die  uns  so 
häufig  an  Handstücken  aus  mehreren  Mineralien  bestehend ,  oder  an 
Krystallkrusten  entgegentreten.  Dass  nun  aber  auch  überhaupt  Finn- 
lands Gebirgssystem  mehr  nur  in  einige  grosse  Gruppen ,  als  in 
vereinzelte  Bildungen  zerfällt,  darauf  weisen  mehrere  gewichtsvolle 
Umstände  hin.  Der  eine  und  wichtigste  ist,  dass  namentlich  zwischen 
Gneiss-artigom  Granit,  Gneiss,  Glimmerschiefer,  Gneiss- artigem  Syenit 
und  Diorit- Kriterien  gegenseitiger  Durchbrechung  zu  fehlen  scheinen. 
—  Ein  zweites  Verhältniss  ist  die  innerliche  Entwicklung  der  Felsarten 
gewissermaasen  aus  einem  Stamm ;  in  der  petrographischen  Beschaf- 
fenheit der  einen  Felsart  sind  zugleich  die  benachbarten  mit  angedeutet, 
und  so  gibt  es  fast  mehr  Zwitter-,  als  ein  Normal-Gestein.  Engelhardt 
stellt  dieses  Verhalten  ,  in  dem  von  ihm  bereisten  grossen  Landstrich 
zwischen  dem  Finnischen  und  Bottnischen  Meerbusen  ,  mitunter  recht 
tre£Fend  heraus,  eben  so  wie  zum  Theil  auch  den  Verband  der  zwischen 
den  meisten  Gesteine  im  Grossen  Statt  zu  haben  scheint.  Es  ist  diess  ein 
gleichfalls  sehr  beachtungswerthes  Verhalten  und  tritt  vorzüglich  da 
deutlich  hervor,  wo  Granit  und  Syenit  sich  der  schiefrigen  Textur  an- 
nähern ,  dagegen  Gneiss  und  Dioritschiefer  in  ein  körniges  Gefüge  sich 
verlaufen.  Gewiss  ist  eine  solche  Wechselverkettung  nicht  mit  der 
Wechsellagerung  normaler  Formation  zu  vergleichen  ;  aber  wo  bei  dem 
Zusammen- Vorkommen  plutonischer  Gesteine  Zerrüttungen,  Breccie, 
Veränderungen  auf  den  Kontaktfiächen,  so  wie  überhaupt  Beschaffenheits- 
Zustände  fehlen ,  die  man  nothwendig  als  Begleiter  von  feuerjlüssig 
emporgetriebener  Massen  voraussetzen  muss ,  sobald  sie  mit  andern  be- 
reits erstarrten  in  Konflikt  treten ,  in  solchen  Fällen  können  solche 
Fels -Arten,  doch  kaum  anders,  als  nur  einer  Formation  angehörig 
betrachtet  werden,  selbst  wenn  gegenseitige  Durchsetzungen  Statt 
finden.  —  Läge  hierin  eine  Regelwidrigkeit,  so  würde  es  nur  ein  Be- 
weiss seyn,  dass  die  Natur  noch  ganz  andere  Wege  bei  Hervorbringung 
mancher  abnormen  Gesteine  befolgen  müsse,  als  die  sind,  welche  unsere 
jetzige  Vorstellungsweise  davon  begreift.  Aber  selbst  auch  für  eia 
Jahrgang  1837.  12 


-      176      — 

bedeutend  hohes  Alter  von  wenl«?stens  einem  Theilc  des  Finnischen  Ge- 
bii'gs-Komplexes  möchte  vielleicht  ein  Umstand  sprechen.  Es  würde  diess 
die  im  Allgemeinen  horizontale  Lagerung  der  oben  erwähnten  Übergangs- 
Formation  seyn.  Denn  indem  dieselbe  wahrscheinlich  jenes  Gebirgs- 
System  zur  Unterlage  hat,  mussten  sich  in  diesem  Falle,  wenn  sich 
letzteres  überhaupt  erst  spater  gebildet ,  nothwendig  noch  ganz  andere 
und  entschiedenere  Veränderungen  offenbaren,  als  die  kleinen  partiellen 
Erhebungen  in  der  Umgegend  von  Zarskoie  Seloe  sind.  Es  scheinen 
diese  letztern  vielmehr  auf  nur  vereinzelte  Eruptionen  hinzuweisen, 
wodurch  vielleicht  die  Felsartcn  in  dem  benachbarten  Schweden  verviel- 
fältigt worden  sind.  —  Und  sollte  endlich  nicht  auch  noch  in  der  Ent- 
blössuRg  aller  Flötze  und  Tertiär- Gebilde  innerhalb  Finnlands  Felsarten- 
Gebietes  ein  Beweiss  liegen  ,  dass  dieses  weniger  in  vereinzelten 
Bildungen  ,  als  vielmehr  in  Masse  und  zu  einer  Zeit  Platz  genommen 
habe,  die  noch  weit  vor  der  Bildungsepoche  normaler  Formationen  lag? 
Den  entgegengesetzten  Fall  anzunehmen ,  nämlich  dass  alle  Gebirgs- 
arten  Finnlands  neuer  als  die  modernsten  Glieder  der  Flötzreihe,  und 
ein  Theil  davon  aus  Umwandlung  dieser  hervorgegangen  sey ,  dafür 
sprechen  weder  Thatsachen  noch  Gründe.  —  Ich  gestehe,  dass  diess 
meist  nur  Muthmaasungen  sind  ,  und  dass  der  Mangel  neptunischer  Er- 
zeugnisse ein  grosses  Hinderniss  ist,  überzeugende  Beweisse  zu  erlan- 
gen, aber  auch  schon  sorgsame  und  unbefangene  Untersuchungen  werden 
dem  Ziele  näher  führen.  So  viel  ist  wenigstens  gewiss ,  dass ,  wären 
die  geognostiscben  Verhältnisse  von  Finnland  nur  so  genau  bekannt, 
als  es  die  unbedeutenden  Mineralvorkommnisse  sind ,  die  Wissen- 
schaft sich  eines  grossen  Gewinns  zu  erfreuen  haben  möchte.  Ange- 
nommen aber  nun,  dass  wirklich  in  dem  Allem,  was  ich  eben  Muthmaa- 
sungen genannt ,  weniger  Halt  läge ,  würde  dann  nicht  auch  die  Frage 
entstehen  ,  ob  nicht  überhaupt  die  Wernerschen  Urgesteine  überall  da, 
wo  sie  gruppenweise  und  vorzüglich  in  wechselseitiger  Verkettung  mit 
Gneiss  und  Glimmerschiefer  und  ohne  Veränderungen  in  ihrem  ursprüng- 
lichen Seyn  hervortreten,  Glieder  einer  Formation  wären,  hervorge- 
gangen aus  einer  und  derselben  feuerflüssigen  Masse?  Und  wären 
am  Ende  nicht  auch  entscheidende  Gründe  vorhanden,  solche  Felsarten- 
Verbände  immer  noch  für  den  Fuss  der  normalen  Gesteine  und  für  äl- 
ter, als  alle  Formationen  von  diesen  zu  halten  ?  Unstreitig  ist  wohl 
so  manche  allere  Ansieht  durch  die  jetzigen  mit  zu  Boden  geschla- 
gen worden ,  auf  die  man  früher  oder  später  wieder  zurückkommen 
dürfte ;  und  was  hat  übrigens  auch  vorzüglich  die  WERNER'schen  Ur- 
gebirge  erschüttert ,  als  dass  man  einerseits  das  Agens  gewechselt, 
und  andererseits  Gesteine  in  und  über  neueren  Ablagerungen  beobach- 
tet hat ,  die  durchgehends  nur  unter  diesen  hätten  liegen  sollen.  Aber 
steht  der  Schluss  von  der  Neuheit  einiger  auf  alle  nicht  mit  einer  Menge 
Thatsachen  in  Widerspruch?  sollte  es  sich  nicht  ebenfalls  mit  dem,  was 
uns  über  die  Veränderungen  unserer  Erdrinde  vorliegt,  recht  gut,  und 
mit  einem  feurigen  Agens  noch  besser  als  mit  einer  wassrigcn  vortragen, 


—      177     - 

in  einem  Theil  der  plutonischen  Gebilde  gerade  die  ersten  Ergebnisse 
von  der  damaligen  Erdrinde  -  Bildung  oder  Umbildung  zu  erkennen  und 
sie  als  die  Grundanlässe  zu  den  neptunischen  Absätzen  anzusehen?  Die 
Epoche  ,  in  welcher  die  Natur  sich  vorzugsweise  der  Bildung  minerali- 
scher Massen  hingegeben  hatte ,  sollte  man  sich  wohl  nicht  anders 
denken,  als  dass  ihre  Erzeugnisse  auch  jener  Thätigkeit  entsprechen. 
Indem  diess  ausschliesslich  bei  dem  WEUNEa'schen  der  Fall  ,  bleibt  nur 
die  nähere  Erscheinung  auffällig,  dass  mehrere  zugleich  in  und  über 
neuern  neptunischen  Ablagerungen  auftreten ;  denn  in  den  Gesteinen, 
womit  die  Bildung  primitiver  Felsarten  nach  einer  langen  Pausse  sich 
wiederholt  hätte,  sollte  man  nicht  mehr  Granite,  Syenite  u.  s.  w.  ,  son- 
dern Gebilde  erwarten  ,  die  sich  zu  diesem  ,  wie  etwa  die  tertiären  zu 
den  Übergangs-  und  ältesten  Flötzgebirgs  -  Arten  verhielten:  es  würden 
dem  Charakter  solcher  nur  allein  die  Dolerite,  Trachyte,  Basalte  u.  s.  w. 
entsprechen.  Aber  ist  es  wirklich  auch  mit  aller  Evidenz  dargethan, 
von  allen  Seiten  als  unumstösslich  ausgemacht  anzusehen,  dass.  nament- 
lich Granit  neuer  als  die  Kreide  wäre  ?  Gewiss  liegt  doch  wohl  Anstös- 
siges  darin,  eine  Felsart,  die  so  eng,  so  innig  mit  andern  verknüpft  ist, 
welche  noch  nie  über  so  neuen  Gebirgs  -  Erzeugnissen  gesehen  worden 
sind,  gewissermaaseu  auf  gleiche  Stufe  mit  Gesteinen  wie  Basalt,  Pho- 
nolith  ,  Trachyt  etc.  gesetzt  zu  sehen  ,  die  sämmtlich  nur  unter  sich, 
aber  keinen  Zusammenhang  mit  dem  haben ,  womit  der  Granit  be- 
freundet ist. 

Derjenigen  Meinung,  welche  mehrere  schiefrige  Felsarten,  wie  den 
Gneiss,  Glimmer-  und  Thon-Schiefer ,  aus  früher  existirenden  Gesteinen 
durch  feurige  Einwirkung  sich  umgewandelt  vorstellt,  sieht  man  in 
Finnland  übrigens  auch  durchgehcnds  widersprochen.  Uno  wie  wäre 
es ,  nächst  den  schlagenden  Gründen  ,  womit  auch  bereits  Sie  gegen 
diese  Hypothese  schon  angekämpft  haben  ,  auch  nur  möglich  sich  jene 
Felsarten  nur  allein  als  Metamorphosen  zu  denken,  wenn  man  nicht 
gleichzeitig  auch  den  Granit,  Syenit,  Diorit  und,  insofern  auch  diese 
wieder  die  engsten  Seiten-Verbindungen  haben,  die  meisten  plutonischen 
Gesteine  hierher  rechnete.  Am  Ende  wäre  diess  der  konsequenteste, 
aber  unstreitig  ein  sehr  naturwidriger  Weg,  und  dieser  Vorwurf  trifft 
wohl  auch  im  vollem  Maase  jene  Hypothese.  —  Gewiss  kann  der  Thon. 
schiefer,  wegen  seines  zweideutigen  Charakters  und  Stellung,  nicht 
mehr  als  ein  rein  neptunisches  Gebilde  gelten;  diese  Ansicht  hat  sich 
mir  noch  lebhafter  überall  da  aufgedrungen,  wo  ich  ihn  neuerdings  in 
Finnland  wiedergesehen  habe.  Gleichwohl  wäre  es  aber,  wegen  des 
anderseitigen  Verbundenseyns  mit  evidenten  Vl^asser-Erzeugnissen  ,  eben 
so  naturwidrig  ihn  dagegen  wieder  ausschliesslich  für  ein  Feuergebilde 
halten  zu  wollen  ;  aber  er  scheint  ein  Gestein  zu  seyn,  in  dem  die  Na- 
tur gewissermaaseu  einen  Fingerzeig  gelegt  haben  dürfte,  dass  ein  Wech- 
selverkehr zwischen  neptunischen  und  plutonischen  Bildung«  -  Kräften 
Statt  haben  könne.  Und  in  der  That  wäre  wohl  die  Vorstellungsweise 
ungereimt ,    wenn     angenommen    würde ,    dass    während    submariniscb- 

12* 


—      178      — 

plutonische  Eruptionen  von  schlammartigcn  Materien  oder  nur  theil- 
weise  davon  erfolgt,  solclje  gleichzeitig  neptunische  Niederschläge  her- 
vorgerufen und,  indem  beide  in  bald  nähere  bald  entferntere  Beziehungen 
getreten,  derartige  Zwittergesteine  wieThonschiefer  und  andere  damit  ver- 
vi^andte  Felsarten,  oder  selbst  auch  abwechselnd  Massen  von  bald  mehr  rein 
neptunischer,  bald  mehr  rein  plutonischer  Natur  erzeugt  worden  waren?  — 
Dürfte  es  am  Ende  nicht  sogar  auch  wahrscheinlich  seyn,  dass  gewisse 
Schicht-  und  Lagen-weise  Vorkommnisse  von  abnormen  Gesteinerr  inner- 
halb einer  normalen  Fels  -  Formation  insofern  als  gleichzeitige  Erzeug- 
nisse mit  dieser  betrachtet  werden  könnten,  dass  sie  hei  ihrer  Erhebung 
zur  Erdoberfläche  von  neptunischen  Niederschlägen  ,  die  sie  veranlasst, 
erfasst  und  umschlungen  worden  wären?  und  möchten  hiedurch  nicht  so 
manche  noch  räthselhafte  Wechsellagerungen  von  abnormen  und  norma- 
len Gesteinen  eine  genügende  ungezwungene  Erklärung  finden  ?  Auch 
von  einem  höhern  Gesichtspunkt  aus  sollte  die  Annahme  eines  Wech- 
selverkehrs plutonischer  oder  vulkanischer  und  neptunischer  Gewalten, 
und  ein  momentweises  Zusammenfallen  beider  der  Vorstellungsweise  i 
von  der  spätem  Erdrinde-Bildung  mehr  zusagen  ,  als  wenn  beide  scharf 
abgesondert  in  ihren  Wirkungen  gedacht  werden. 

Weiter  will  ich  meine  Zweifelsfragen  nun  nicht  häufen ,  sondern 
nur  noch  zu  einigen  Bemerkungen  übergehen  ,  die  ich  nachträglich  der 
kurzen  Skizze  von  der  Pitkarandaer  Erzlagerstätte  zugesetzt  wünschte, 
welche  aus  einer  Mittheilung  an  Freund  Püsch  ins  2.  Heft  des  Jahr- 
buches von  1836  übergegangen  ist.  Indem  ich  hierin  jene  Lagerstätte 
mehr  für  eine  Lager-,  als  eine  Gang -artige  angesprochen,  habe  ich  da- 
durch nichts  weiter  als  eine  Bildung  bezeichnen  wollen,  in  deren  Natur 
und  Beschaffenheit  mehr  Gründe  für  ein  mit  dem  Granit  gleichzeitiges 
als  späteres  Erzeugniss  zu  liegen  scheinen.  —  Ich  glaube ,  dass  eine 
solche  Annahme  sich  keines  sonderlichen  Einganges  erfreuen  wird  ,  und 
es  ist  auch  schwierig  in  einem  massigen  Gestein,  wie  der  Pitkarandaer 
Granit  ist,  darüber  mit  voller  Gewissheit  abzusprechen.  Gleichwohl  ist 
die  Frage,  ob  überhaupt  alle  Lagerstätten  in  abnormen  Gesteinen 
und  insonderheit  gewisse  in  Granit,  für  gleichzeitige  Bildungen  gel- 
ten können  oder  nicht,  nicht  unwichtig,  und  so  will  ich  wenigstens 
spezieller  hier  noch  die  Gründe  anführen  ,  welche  in  dem  vorliegenden 
Fall  der  ersten  Annahme  das  Wort  zu  reden  scheinen.  Wie  schon  au 
a.  O.  angeführt,  ist  die  Pitkarandaer  Erzlagerstätte  in  verschiedene 
Gesteinslagen  getheilt,  wovon  einige  ihrem  Bestand  nach  an  der  Gebirgs- 
Zusammensetzung  im  Grossen  Antbeil  haben.  Im  Einzelnen  greifen  wohl 
stellenweise  Lagen  in  einander  ein  ,  aber  im  Ganzen  ist  ein  gewisser 
Parallelismus  nicht  zu  verkennen,  und  mit  ihm  stimmt  wieder  im  Allge- 
meinen das  Streichen  der  Gebirgsarten  in  der  Nachbarschaft  überein. 
Im  Hangenden  und  Liegenden  findet  mehr  ein  festes  Verwachsenseyn 
Statt,  als  im  Besteg  zu  sehen  ist;  Ergebnisse  feuriger  Einwirkung 
aber  scheinen  ganz  zu  fehlen.  Eben  so  ist  nichts  von  Reibungskonglo- 
Y^eraten  und  Einschlüssen  von  Gebirgs-Fragmenten    noch  vorgekommen.    ■ 


—     179     — 

Von  Harnischen  und  Drusenräumen  lässt  sich  auch  nichts  bcmciken, 
und  die  kleinen  ,  welche  sich  von  diesen  stellenweise  gezeigt  hüben, 
stehen  nicht  mit  den  Erwartungen  im  Verhältniss,  die  man  sich  von 
einem  bis  10  Lachter  mächtigen  Gang  machen  sollte,  in  welchen  Mineral- 
Substanzen  einbrechen,  die  so  geneigt  zur  Krystall-Bildung  sind.  Wich- 
tig ist  es  weiter  5  dass  sich  weder  im  Hangenden  noch  im  Liegenden 
Seitentriimmer  abziehen;  eine  Erscheinung,  die  so  häufig  mit  Gängen 
verbunden  ist  und  mit  solchen  ,  die  man  sich  als  ausgefüllte  Spalten- 
räume denkt,  fast  immer  verbunden  seyn  muss ,  vorzüglich  wenn,  wie 
hier,  eine  so  bedeutende  Mächtigkeit  Statt  hat.  Sodann  ist  die  Erzfiih- 
rung,  nicht  wie  in  der  Regel  bei  den  Gängen ,  ohne  Ordnung  vcrtbeilt, 
sondern  sie  haftet  mehr,  ähnlich  der  von  Flotzlagen,  an  gewissen  Schich- 
ten. Endlich  gehört  es  unter  die  Minorität  der  bei  Gängen  vorkoannen- 
den  Verhältnisse,  dass  die  Erzführung  zu  Tage  ausgeht,  wenigstens  mit 
mächtigen  reichen  Mitteln ,  so  wie  dass  ein  Gang  isolirt  aufsetzt ;  was 
beides  hier  der  Fall  ist. 

Wenn  man  alle  diese  Verhältnisse  zusammcnfasst  und  nicht,  wie 
so  häußg  der  Fall ,  auf  eine  naturwidrige  Weise  nur  Einzelnes  heraus- 
hebt, so  glaube  ich  kaum,  dass  sich  ein  evidentes  Gangvorkommniss, 
sey  es  durch  Infiltration  von  oben  ,  oder  dur<h  Emporsteigen  von  unten 
entstanden  ,  mit  einem  solchen  Charakter  vcrträ<jt.  —  Nur  die  einziire 
Gemeinschaft  mit  Gangverhaltcn  liegt  in  dem  starken  Neigungswinkel 
von  30  bis  wohl  70  Grad;  inzwischen  dieselben  Ursachen,  die  so  häufig, 
ohne  sichtbar  zu  seyn,  normalen  Felsarten  eine  solche  Stellung  ge- 
ben ,  können  auch  hier  wirksam  gewesen  seyn.  Ausserdem  entspricht 
der  fragliche  Fallwinkel  aber  auch,  denkwürdiger  Weise,  im  Allgemeinen 
der  Nebenaneinanderstellung  der  benachbarten  Gebirgsmassen  ,  nament- 
lich des  gneissigen  Diorits  ,  und  wenn  man  von  diesen  ,  wie  ich  oben 
näher  entwickelt ,  mehr  gleich-  als  ungleichzcitige  Entstehung  anzuneh- 
men veranlasst  ist,  so  verhält  sich  die  befragte  Lagerstätte  gerade  eben 
so  zum  Granit,  wie  dieser  zu  den  mit  ihm  vergcsellschalteten  Felsarten; 
Alles  scheint  in  einem  harmonischen  Verhältniss  zu  stehen,  und  das  Ver- 
halten im  Grossen  das  im  Kleinen,  so  wie  umgekehrt  dieses  jenes  zu  er- 
läutern. —  Wie  ich  die  Verhältnisse  von  der  Pitknrandaer  Erzlager- 
stätte hier  dargelegt ,  zeigte  sie  sich  bei  meiner  Anwesenheit  daselbst, 
in  vier  abgeteuften  Schächten  «nd  einigen  aufgeworfenen  Schürfen  und 
Überröschen ,  zusammen  auf  einer  Etandur  von  circa  \  Werst  gelegen. 
Leicht  möglich,  dass  im  Verfolg  ausgedehnterer  bergmännischer  Arbeiten, 
BeschafFenheits -Zustände  aufgeschlossen  werden,  die  im  Widerspruch 
mit  den  bisher  bekannten  stehen  ;  aber  ob  solche  dann  die  Grundan- 
fiicht ,  von  letzteren  entnommen,  zu  ändern  vermögen,  das  wird  von 
der  Summe  derjenigen  abhängen,  die  unter  einander  eine  gewisse  Über- 
einstimmung und  keinen  Widerspruch  gegen  äussere  Verhältnisse  /.eigen. 

Wohl  sollte  ich  nun  meine  lang  ausgesponnenen  Mittheilungen 
schliessen,  aber  ich  muss  wirklich  Ihre  Geduld  noch  einige  Augenblicke 
für  einen  Gegentand  in  Anspruch  nehmen  ,    der    mich    kürzlich  ,    als  ein 


—      180      — 

Seltcnzweig  meiner  grössern  Arbeit,  einige  Zeit  beschäftigt  hat.  In 
Ihrer  für  alle  Zeiten  schätzbaren  Charakteristik  der  Felsarten  ist,  so 
wie  auch  in  dem  neuen  Lehrbuch  der  Geognosie  und  Geologie ,  für  die 
mineralogische  Felsarten  -  Klassifikation  insonderheit  die  Textur  zum 
Anhalten  genommen ,  während  den  diessfalsigen  Arbeiten  von  HAtry, 
Brongniart  und  Cordier  wieder  vorzugsweise  der  Bestand  zu  Grunde 
liegt.  In  beiderlei  Methoden  ist  den  Anforderungen  entsprochen ,  die 
sich ,  in  so  weit  es  thunlich  ,  an  eine  rein  mineralogische  Klassifika- 
tion der  Gebirgsarten  machen  lassen.  Wie  wäre  es  aber  nun  wohl, 
wenn  man  den  Zweck  einer  Zusammenreihung  der  Felsarten  im  Kleinen, 
im  Gegensatz  zu  ihrer  Anordnung  im  Grossen  oder  der  geologischen 
Aufstellung ,  weniger  in  Durchführung  ein  oder  des  andern  Gesteins- 
Verhältnisses  ,  als  vielmehr  darin  suchte ,  durch  gewisse  Abtheilungen 
und  Gruppirungen  derselben  alle  solche  Verhältnisse  an  und  zwischen 
ihnen  recht  herauszustellen,  welche  gleich  tief  eingreifend  in  ihre  Natur 
als  von  Bedeutung  für  das  geologische  System  sind.  Allerdings  würde 
eine  derartige  Klassifikationsweise ,  weniger  Zweck  an  sich  selbst ,  als 
vielmehr  nur  ein  Mittel  für  einen  höhern  Zweck  ,  aber  vielleicht  gerade 
dadurch  das  seyn ,  was  sie  am  Ende,  bei  dem  Mangel  an  einer  zuver- 
lässigen Basis  —  einer  Felsarten-Sppzies  —   nur  eigentlich  seyn  könnte. 

Erlauben  Sie  mir  nun  die  Giuiidzüge  hiervon  folgen  zu  lassen. 

Das  erste,  was  sich  bei  einem  Überblick  der  Felsarten  herausstellt, 
ist  unstreitig  die  mineralogische  Einfachheit  von  einem  Theil  derselben, 
und  die  mineralogische  Zusammengesetztheit  von  einem  andern,  woraus 
sich  die  beiden  Haupt- Abtheilungen  der  mineralogisch  einfachen 
und  mineralogisch  zusammengesetzten  Felsarten  ergeben.  Das 
Sachrichtige  dieser  Eintheilung  wird  auch  noch  durch  einen  Schluss 
von  einer  andern  Seite  bestätigt.  Geht  man  nämlich  von  dem  Gesichts- 
punkt aus  ,  dass  die  krystallinisch  zusammengesetzten  Gesteine  gewis- 
sermaasen  dieBlüthe  unter  den  Felsarten,  so  wie  es  die  krystallisirten  Sub- 
stanzen im  Mineralreich  sind,  so  erscheint  die  mineralische  Zusammengesezt- 
heit  der  Felsarten  überhaupt  als  ein  deutungsvoller  Beschaffenheitszustand, 
und  die  Felsarten,  denen  er  eigen  ist,  als  eine  Gruppe  eigenthümlicher  Art, 
die  einen  Gegensatz  in  den  einfachen  verlangt.  Keine  andere  obere  Abtheilung 
der  Felsarten,  ihrer  mineralogischen  Beschaffenheit  nach,  möchte  diese  an 
Deutsamkeit  zu  ersetzen  vermögen,  wie  auch  diess  durch  Ihre  Klassifika- 
tionsmethode ausgesprochen  ist.  Bringt  man  nun  die  Reihe  der  einfachen  Fels- 
arten in  zwei  ünterabtheilungen,  nämlich  a)  in  die,  we  1  ch  e  als  ein  fache 
Mineral -Substanzen  gleichzeitig  die  Zusajiimensetzun  g 
gewisser  Felsarten  bilden,  und  b)  in  die,  welche  keinen  we- 
sentlichen Antheil  daran  haben,  so  wird  dadurch  ein  bedeutungs- 
volles Verhältniss  herausgestellt,  was  zwar  in  keinem  unmittelbaren 
Zusammenhang  mit  der  mineralogischen  Beschaffenheit  steht,  aber  woran 
sich  recht  interessante  Beziehungen  knüpfen  lassen.  So  reihen  sich 
2.  B.  in  der  erst  bezeichneten  ünterabtheilung  ganz  ungezwungen  alle 
Gesteine  zusammen,  namentlich:  Quarzfels,  Feldspathfels,  Glimmerfels, 


—     181     — 

Talkfels,  Chloritfelsj  Honiblendefels,  Augitfels.  Granat-  und  Magncteiseii- 
fols,  denen  die  neuere  Geologie  eine  durcligehends  feurige  Entstehung-  zu- 
schreibt ;  während  in  der  Sten,  nur  mit  einigen  Ausnahmen,  die  neptunischen 
Gesteine  ihren  Platz  einnehmen,  wie  namentlich  :  Dolomit-,  Kalk-,  Gyps-, 
Salz-  und  Schwefelfels,  Steinkohlen,  Braunkohlen  und  Torf.  In  der 
ersten  dieser  Abtheilungen  a)  herrscht  in  der  Regel  vollkommene  Rein- 
heit vor,  dagegen  findet  in  der  andern  b)  schon  meist  Verunreinigung 
durch  fremdartige  Materien  Statt.  Auch  in  mineralogischer  und  geogno- 
stischer  Beziehung  sind  die  Gesteine  von  je  den  beiden  Abtheilungen 
nielir  unter  sich,  als  gegenseitig  befreundet,  und  ausserdem  schliesscn 
sich  die  von  a)  an  die  chemisch  gebildeten,  die  von  der  b)  an  die  nielir 
mechanisch  erzeugten  Felsarten  an  5  denn  ein  Theil  des  Kalkes  und 
Gneisses  ist  streng  genommen  doch  nur  ein  Triimmergestein ,  worin  die 
Thcilchen  nur  den  höchsten  Feinheitsgrad  erreicht  haben  ;  und  so  sind 
beide  gewissermaasen  wieder  ein  Fingerzeig  für  die  Abmarkung  der 
Gruppen  innerhalb  der  zusammengesetzten  Felsarten.  In  Bezug  auf 
diese  nun  selbst  ist  der  Unterschied ,  welche  zwischen  den  che- 
misch und  mehr  mechanisch  gebildeten  Gesteinen  dieser  Abtheilung  so  in 
Entstehung,  wie  in  dem  mineralogischen  Charakter  derselben  obwaltet, 
ein  zu  tief  eingreifendes  Verliältniss,  als  dass  es  nicht  in  einer  Felsarten- 
Aiifslellung  im  Kleinen  für  die  obersten  Unterabtheilungen  ergriffen 
und  so  durrh  den  Felsarten-Typus  einer  jeden  zur  Anschauung  gebracht 
werden  sollte.  Unverkennbar  hat  diese  Abtheilung  aber  auch  noch  Ge- 
steine, welche  durch  eine  gewisse  Zweideutigkeit  des  Charakters,  weder 
ganz  der  einen  ,  noch  ganz  der  andern  von  den  angedeuteten  Unterab- 
theüiuigen  anzugehören  scheinen.  Es  sind  diess  wahrscheinlicli  auch 
in  Rücksicht  auf  Entstehung  Zwittergestoine,  und  so  möchte  durch  eine 
besondere  aus  ihnen  zu  formirende  Unterabtheilung,  zwischen  den  bereits 
bemerkten  eing^eschoben  ,  der  Fingerzeig  der  Natur  befolgt  werden, 
welche  diese  in  ihr  Äusseres  gelej^t  hat.  Sonach  würden  sich  dann 
für  die  Abtheilung  der  zusammengesetzten  Felsarten  3  Unterabthei- 
lungen ergeben ,  denen  später  vielleicht  noch  die  umgewandelten  Ge- 
steine als  eine  4te  angeschlossen  werden  könnte,  falls  es  den  weitern  For- 
schungen gelingen  sollte,  die  Umwandlung  für  alle  die  Gesteine  ausser  Zwei- 
fel zu  setzen,  in  deren  Charakter  eine  Andeutung  dazu  liegt.  —  Einen 
passenden  Namen  für  jede  dieser  ünterabtheilungen  wage  ich  nicht  vor- 
zuschlagen;  vorläufig  will  ich  sie  nur  durch  krystallinische,  krystal- 
linisch  -  mechanisch  e  und  mechanisch  zusammengesetzte 
Felsarten  bezeichnen.  Diese  Ausdrücke  sind  ungeeignet  :  aber  abge- 
sehen davon,  dass  sie  an  Entstehung  erinnern,  so  steht  damit  doch  d^r 
mineralogische  Felsarten  -  Charakter  in  vollkommenem  Einklang.  Als 
Repräsentant  für  die  krystallinisch  zusammengesetzten  Felsarten  bildet 
sich  vorerst  eine  grosse  und  charakteristische  Gruppe  aus  allen  denje- 
nigen Gesteinen,  die  wie  Syenit,  Diorit ,  Gabbro ,  Eklogit ,  Itakolumit, 
Eisenglimmerschiefer ^    Glimmerschiefer,  Gneiss,  Granit,  Protogyu  und 


—      182      — 

Topasfels,  mit  stark  hervortretenderKrystallinität,  Gleich  mäs- 
»igkcit  in  der  Entwicklung  der  Bes  tan  dt  heile  und  Stetig- 
keit darin  verbinden.  Da  die  Verbindung  von  2  oder  3  Mineralsub- 
stanzen zu  einem  oder  dem  andern  dieser  Gesteine  einen  wesentlichen 
Unterschied  in  ihrer  Beschaffenheit  begründet  ,  so  würde  dieses  nicht 
unwichtige  Verhältniss  durch  2  Untergruppen,  etwa  mit  der  Bezeichnung 
2-  und  Sgliedrige  Gesteine  herauszustellen  seyn.  Indem  in  der  ersten 
die  7  zuerst  aufgeführten,  in  den  letzten  die  4  später  genannten  Fels- 
arten, ihren  Platz  einnehmen  würden,  dürften  sich  hierdurch  Gesteine 
zusammengesellen,  die,  so  wie  im  Grossen,  grösstentheils  eng  an  einander 
gekettet  sind.  —  Einen  deutungsvollen  Charakter  tragen  nun  wieder  alle 
die  Gesteine  zur  Schau,  in  denen  Krystallinität  und  mineralo- 
gische Zusammensetzung  gewissem!  aasen  einer  Verkap- 
pung  unterliegen.  Die  Gruppe,  welche  sie  bilden,  dürfte  nament- 
lich Schaalstein,  Aphanit,  Dolerit,  Trachyt,  Melaphyr,  Phonolith,  Wacke, 
Basalt  und  Lava  umfassen.  Wenn  sich  nun  wohl  auch  theilweise  in 
der  Zuvsamniensetzu ng  eines  oder  des  andern  dieser  Gesteine  eine  ge- 
wisse Stetigkeit  zeigte  und  hier  und  da  selbst  auch  das  krystallinische 
Gefüge  sich  etwas  öffnet,  so  dass  Glieder  dieser  Gruppe  an  die  vorher- 
gehende anstreifen  5  so  haften  an  solchen  Analcgie'n  doch  immer  Be- 
sthaffenheitszustände,  welche  der  eben  berührten  Gruppe  im  Allgemeinen 
fiemd  sind.  Es  sind  diess  vorzüglich  die  Neigung  zum  Dichten  und 
dabei  zugleich  auch  wieder  zur  Porphyr-,  Mandelstein-  und  Lava-artigen 
Textur,  in  Verbindung  mit  der  Tendenz,  Mineralsubstanzen  aufzuneh- 
men und  sich  diese  zum  Theil  selbst  ganz  eigenthümlich  zu  machen, 
die  vorzugsweise  den  neuesten  Feuer-Produkten  eigen  sind.  Man  könnte  die 
Charakteristik  dieser  Gruppe  kurz  so  ausdrücken,  dass  man  sagte:  die 
Natur  hätte  mit  ihnen  gewisse  sogenannte  Urgesteine  wiederholen 
wollen,  aber  schon  die  Bedingnisse  zur  Entstehung  dichter  und  blasiger 
Gesteine  vorgefunden.  Als  Träger  einer  ganz  eigen  th  um  liehen 
Natur  zeigt  sich  endlich  noch  der  Po  rphyr.  Indem  er  sich  an  beide  zu- 
letzt betrachtete  Gruppen  anschiiesst  ,  ist  er  doch  eigentlich  keiner  bei- 
zuzählen. Er  steht  durch  seinen  petrographischen  Charakter  eben  so 
zwischen  beiden  mitten  inne ,  wie  gewissermaasen  durch  sein  Ver- 
halten im  Grossen  ,  und  so  dürfte  sich  eine  besonders  aus  ihm  zu  bil- 
dende Gruppe  rechtfertigen  ,  zu  der  man  etwa  noch  den  Pyromerid  als 
Anhang  rechnen  könnte.  Sie  würde  übrigens  am  naturgemässesten 
auch  ihre  Stelle  zwischen  jenen  beiden  Gruppen  einnehmen.  — 
Alaunstein,  Pechstein,  Perlstein,  Bimsstein,  Obsidian  und  Jaspis,  so  wie 
verschlackter  Basalt,  verschlackte  Lava  u.  s.  w.  dürften  als  Anhang 
diese  ganze  Abtheilung  schliessen.  Nun  noch  ein  Rückblick  auf  sie 
geworfen,  so  zeigt  die  schliesslich  beigefügte  bildliche  Darstellung  eines 
Netzes,  wie  sie  sämmtliche  Felsarten  im  Allgemeinen  miteinander  ver- 
binden ,  aber  im  Einzelnen  wieder  um  mehrere  Mittelpunkte  versammelt 
sind,  denen  die  dargelegten  Gruppen  entsprechen.  —  Die  2te  Unter ab- 
(beilung  der  krystalli  nisch-m  echanisch  zusammengesetzten 


—     183     — 

Felsarlen  würden  vorzugwejse  durch  den  Tlionschiefer  mit  seiner  Sipp- 
schaft und  gewissen  Qnarzsandsteinen  reprasentirt  werden  ,  wenn  sich 
nicht  vielleicht  am  Ende  auch  noch  gewisse  Grauwackenschiefer ,  der 
Kieselschiefer  und  selbst  ein  Theil  des  Schaalsteins  hierher  rechnen 
lassen.  Es  ist  dicss  allerdings  nur  eine  kleine  Anzahl  von  Gebirgsar- 
ten,  aber  beschränkt  man  sie  auch  seihst  nur  auf  die  Thonschiefer-Suitc 
allein,  so  verlangt  deren  räthsclhaffes  Wesen,  ihr  Schwanken  zwischen 
rein  chemisch  und  mechanisch  -,  zwischen  plutonisch  -  und  neptunisch- 
gebildeten  Gesteinen  eine  Stellung ,  die  solchem  Charakter  entspricht, 
der  auf  das  Räthselhafle  ihrer  Entstehung:  hinweisst.  Mit  Unrecht 
würde  man  den  Thonschiefer,  petrographisch  betrachtet,  der  vor- 
hergehenden ünterabtheilung  beizählen ,  obwohl  er  eng  mit  Gneiss 
und  noch  fester  mit  Glimmerschiefer  verbunden  ist ;  aber  eben  so  we- 
nig kann  er  naturgemäss  unter  die  regenerirten  Erzeugnisse  gesetzt 
werden,  obwohl  er  in  die  Grauwacke  und  diese  umgekehrt  in  ihn  über- 
geht. Dasselbe  möchte  wegen  seiner  Verwandtschaft  mit  Schaalstein, 
Diorit  und  andern  ähnlichen  abnormen  Gesteinen  Statt  finden  ,  wenn 
man  ihm  eine  Stelle  neben  einem  oder  dem  andern  von  diesen  anweisen 
wollte;  überall  da  möchte  sein  Platz  nicht  so  naturgemäss,  als  isolirt 
in  der  Mitte  zwischen  diesen  allseitigen  Gebilden  seyn.  Werden  übri- 
gens die  zahlreichen  Zwittergesteine  berücksichtigt ,  die  sein  Übergang 
bald  in  diese  bald  in  jene  Gcbirgsarten  herbeiführt,  so  ist  am  En<Ie 
auch  der  Kreis,  womit  er  sich  umgibt,  gar  nicht  gering,  und  bei  Allem 
dem  die  Gruppe,  die  daraus  entspringt,  im  Total  -  Charakter  genug 
scharf  abgeschlossen.  —  In  Absicht  endlich  auf  die  3te  Unter  ab* 
Iheilung  der  mineralogisch  zusammengesetzten  Felsarten,  die  me- 
chanisch-zusammengesetzten, so  würde  hier  ausser  den  drei 
Gruppen,  welche  die  Sandstein  -  Konglomerate  und  Tuflfe  bilden, 
noch  zuvor  eine  4te  aus  denjenigen  Gesteinen  anzunehmen  seyn,  welche 
als  höchst  innige  Gemenge  von  bald  mehr  thouigen,  bald  mehr  kalkigen 
oder  kieseligen  Theilchen ,  den  Mergelschiefcr  ,  Klebschiefer ,  Polirschie- 
fer,  Kohlenschiefer  und  den  Thon  umfasste.  Im  Ganzen  lässt  sich  zwi- 
schen allen  4  Gruppen  ein  ähnlicher  netzförmiger  Zusammenhang 
erkennen ,  wie  solchen  die  Gruppen  der  krystallinisch  zusammen- 
gesetzten Felsarten  zeigen;  junge  Gemenge,  Sandsteine,  Konglo- 
merate und  Tuffe  gehen  alle  wechselseitig  in  einander  über.  Da 
übrigens  der  Gruppirung  dieser  Abtheilung  überhaupt  nur  die  Awf- 
gabe  zum  Grunde  liegen  kann  durch  die  Auffassung  des  mineralogischen 
Charakters  vorzüglich  die  verschiedenen  Beschaffenheits  -  Zustände  und 
Verbindungen  herauszustellen ,  in  welchen  sich  zerstörte  Felsartcn  hier 
regenerirt  befinden ,  so  kann  es  nicht  anders  seyn  ,  als  dass  hiernach 
auch  die  einzolnen  Glieder  innerhalb  einer  jeden  Gruppe  demgemäss 
arrangirt  werden.  Indem  ich  im  Nachfolgenden  bei  noch  einigen  zu 
gebenden  Details  hierauf  zurückkomme  ,  bedarf  es  hier  nur  noch  der 
generellen  Bemerkung,  dass  den  Scbluss  der  gesammten  Felsarten- 
Aufstellung    die   Gesteins  -  Fragmente   des    Schuttlands,    als   Anhang, 


—     184     — 

machen  würden.  —  Gegenwärtig  erlaube  ich  mir  nur  auf  einige  Einzel- 
heiten einzugehen.  Das  bisher  nur  bei  einigen  Felsarten  angehängte 
Wort  Fels,  wie  bei  Quarzfels  etc.,  möchte  auf  eine  sehr  sachgeroässe 
Weise  für  alle  mineralogisch  einfachen  Gesteine  anzunehmen  seyn.  Es 
lässt  sich  damit  die  doppelte  Bedeutung  verbinden :  einmal  um  anzuzei- 
gen ,  dass  nur  die  grössere  mehr  sclbstständige  Masse,  z.  B.  von 
Quarz,  Feldspath,  Glimmer  u.  s.  w.  aber  nicht  die  kleinen  bloss  orykto- 
gnostischen  Vorkommnisse  derselben  GeRteine  ins  Gebiet  der  Felsarten  ge- 
hören, und  sodann  als  Bezeichnung  für  den  Stamm  einer  Felsart,  oder 
wenn  ich  statt  dessen  den  Ausdruck  brauchen  darf,  einer  Felsarten- 
Spezies,  um  hieran  gewisse  Abänderungs  -  Gruppen  gewissermaasen  als 
Arten  anzuschliessen.  In  Beziehung  auf  diese  selbst,  bo  geht  eine 
Feststellung  derselben  bei  sämmtlichen  Felsarten  aus  der  Nothwendig- 
keit  hervor,  dass  wo  von  einer  petrographischeu  Gesteins-Klassifizirung 
die  Rede  ist,  alle  solche  stetige  Haupt  -  Abänderungen  einer  Gebirgsart, 
besonders  herausgestellt  werden  dürften  ,  welche  an  der  Zusammen- 
setzung von  Formationen  Antheil  haben,  von  diesen  letztern  aber  selbst 
als  nur  ganz  alleinigem  Gegenstand  der  Geologie  hierbei  um  so  mehr  gänz- 
lich abstrahirt  wird ,  als  verschiedene  Formationen  fast  gleiche  Gesteine 
haben ,  und  gegentheilig  wesentlich  verschiedene  Abänderungen  eine 
und  dieselbe  Formation  zusammensetzen.  Gewiss  gehen  solche  Abarten 
einer  Felsart  keineswegs  aus  willkürlichen  Abstraktionen  hervor,  sie 
liegen  in  der  Natur  einer  jeden  begründet,  und  ihre  Feststellung  im 
mineralogischen  Felsarten  -  System  dürfte  vielleicht  von  noch  höherer 
Wichtigkeit  für  den  Geologen  ,  als  die  Absonderung  einer  Mineral- 
Gattung  in  Arten  für  den  Mineralogen  seyn.  Von  solchem  Gesichts- 
punkt ausgehend ,  möchte  nun  vorerst  in  der  Reihe  der  einfachen  Fels- 
Arten  der  Quarzfels  in  reinen  Quarz,  thoniges ,  kalkiges  und 
eisenschüssiges  Quarzgestein;  der  Dolomit  in  reinen  Dolomit,  kie- 
seliges, thoniges,  bituminöses  und  einsenschüssiges  Dolomitgestein  ;  der 
Kalkfels  in  reinen  Kalkstein,  kieseliges,  thoniges,  mergliges,  talkiges, 
thonig  -  kalkiges  ,  thonig- eisenschüssiges  ,  bituminöses  und  chloritisches 
Kalkgestein  ;  der  Gypsfels  in  reinen  Gyps  und  thoniges  Gyps  -  Gestein  ; 
der  Salzfels  in  reines  Steinsalz  und  gypsig  -  thoniges  Salzgestein;  der 
Schwefelfels  in  reinen  Schwefel  und  thoniges  Schwefelgestein  zerfallen. 
Eben  so  dürften  sich  auch  aus  den  Formationen  der  Sandsteine  und 
Konglomerate  die  wesentlichsten  Gesteins  -  Verschiedenheiten  absondern 
und  nach  dem  Vorherrschen  gewisser  Felsarten -Trümmer  und  dem  vor- 
waltenden Kitte  etwa  folgende  Arten  annehmen  lassen:  vom  Sand- 
stein: Quarz-Sandstein  —  kieseliger,  thoniger,  kalkiger,  mergliger,  tho- 
nig eisenschüssiger;  —  Fels  -  Sandstein  (der  Sandstein  verschiedener 
Formationen  aus  mehrfachen  Urfelskörnern  zusammengesetzt)  —  kiese- 
liger, thoniger,  kalkiger,  thonig  -  eisenschüssiger ,  mergliger;  Grau- 
wacken-Sandstein  ;  Porphyr-Sandstein  (der  grösste  Theil  des  Todliegen- 
den) :  thoniger,  kalkiger,  thonig-eisenschüssiger,  mergliger ;  von  K  o  n- 
glomerat:  Grauwackeu- Konglomerat,  Fels-,  Kiesel-,  Kalk-,  Knochen-, 


-     185     — 

Trapp-,  Trachyt-  und  Bimsstein -Konglomerat.  Endlich  in  Ansehung 
der  Tuffe,  so  möchten  die  bis  jetzt  bestimmten  Arten  giltig  bleiben  kön- 
nen. —  Ein  ganz  .anderes  Verhalten  ,  wie  die  zeither  betrachteten  Ge- 
steine in  Beziehung  auf  Fixirung  von  Abarten  ,  zeigen  die  abnormen 
Felsarten.  Bei  diesen  dürften  am  naturgemässesten  die  Übergangsstufen 
aus  einer  Felsart  in  die  andere  dafür  ergriffen  werden,  und  nächstdem  noch 
die  stetigen  Abänderungen  ,  in  welchen  der  Nurmal  -  Charakter  einer 
jeden  Felsart  am  Deutlichsten  ausgesprochen  ist.  Und  offenbar  liegt 
auch  in  der  Charakterwandlung  der  meisten  hier  bezeichneten  Gesteine 
ein  deutungsvoller  Zug,  wichtig  noch  dadurch,  dass  er  darauf  hinweisst, 
wie  eng  alle  dieselben  unter  einander  verknüpft ,  und  wie  sie  alle  aus 
einer  Quelle  geflossen  zu  seyu  scheinen.  Zugleich  hat  aber  auch  noch 
die  systematische  Herausstellung  solcher  Beschaffenheits  -  Zustände  den 
Nutzen ,  dass  sie  alle  Beziehungen  darlegt ,  in  welchen  die  Gesteine 
gegenseitig  zu  einander  stehen,  und  am  Ende  auch  zeigt,  wie  wahr- 
scheinlich mehr  Felsarten  -  Spezies  (diesen  Ausdruck  nur  analogisch 
gebraucht)  angenommen  worden  sind ,  als  es  wirklich  in  der  Natur 
gibt.  —  Zur  Bezeichnung  der  obiger  Gestalt  herauszustellenden  Arten 
gewährt  nun  wieder  die  zeither  schon  mitunter  in  Gebrauch  stehende 
Weise,  nämlich  dass  man  von  einem  Mittelgestein  den  Namen  der 
ihm  zunächst  stehenden  Felsarten  als  Hauptwort,  und  den  von  der  ent- 
fernteren adjektivisch  gebraucht,  das  geeignetste  Mittel  mit  dem  Namen 
zugleich  einen  Tlieil  der  Charakteristik  zu  geben.  So  möchte  dann 
unter  Andern  der  Syenit  iucl.  Zirkon  -  und  Hyperslhcn  -  Syenit  zerfal- 
len :  in  normalen ,  granitischen  ,  gneissigen ,  porphyrischen  und  dioriti- 
schen,  der  Diorit  sammt  Dioritschiefer  in  normalen  ,  porphyrischen,  sye- 
nitischen ,  gabbroartigen ,  gneissigen  ;  der  Gabbro  mit  Serpentinfels  in 
normalen,  serpentinischen  und  dioritischen  •,  der  Glimmerschiefer  in  nor- 
malen ,  gneissigen  und  Thonschiefer- artigen  ;  der  Gneiss  in  normalen, 
granitischen,  Glimmerschiefer  -  artigen ,  syenitischen,  dioritischen;  der 
Granit  in  :  normalen  ,  gneissigen  ,  porphyrischen  ,  syenitischen ,  Schrift- 
granit und  Greisen ;  der  Porphyr  in  normalen ,  granitischen ,  syeniti- 
schen ,  dioritischen  ,  trachytischen  ,  Sandstein  -  artigen  ;  der  Dolerit  mit 
Anamesit  in :  normalen ,  basaltischen  und  wackeartigen  :  der  Trachyt  in 
normalen,  porphyrischen,  phonolithischen ,  basaltischen  und  lavaartigen; 
der  Phonolith  in  normalen ,  wackenartigen ,  basaltischen  und  trachyti- 
schen ;  der  Basalt  in :  normalen ,  doleritischen  ,  wackenartigen  ,  pho- 
nolitischen  und  lavaartigen;  die  Lava  in:  normale,  basaltische,  trachy- 
tische.  —  Vielleicht  lassen  sich  die  hier  gemachten  Annahmen  noch 
vermehren,  und  auch  verändern,  und  eben  so  die  Gesteine,  die  hier 
unerwähnt  geblieben  sind,  auf  ähnliche  Weise  abtheilen;  inzwischen 
galt  es  hier  mehr  nur  eine  Andeutung  der  bekanntesten  Gesteins- 
Verschiedenheiten  gewissermaasen  Beispiels  -  weise ,  als  eine  genaue 
Durchführung.  Diese  Bemerkung  erlaube  ich  mir  auch  noch  auf  die 
weiter  oben  dargelegten  Absonderungen  der  einfachen  und  mechanisch 
Eusamraengesetztea  Felsarteu  auszudehneo.  •—  Das  Ganze  ist  überhaupt 


—     186     — 

nur  ein  Versuch ,  der  auf  eine  nachsichtige  unparteiliche  Beurtheilung 
Anspruch  macht,  und  sodann  vielleicht  später  vollendeter  ausgeführt 
werden  durfte. 


Ormtmake 


Endlich  hätte  ich  nur  noch  einige  Worte  über  beiden  gefügten 
Entwarf  der  bildlichen  Darstellung  eines  Übergangs -Netzes,  die  ab- 
normen Gebirgsaiten  betreffend,  anzuführen.  Durch  nähere  und  ent- 
ferntere Stellung  der  hierauf  verzeichneten  Gebirgsarten  ist  wenig- 
stens im  Allgemeinen ,  so  weit  es  thunlich  war ,  der  grössere  oder 
niedrere  Grad  der  Verwandtschaft  angedeutet  worden  ;  während  aus  der 
Über-  oder  Nebeneinander-Stellung  die  mehr  unmittelbaren  geraden  Über- 
gänge, im  Gegensatz  zu  den  Seiten-Übergängen,  auf  die  durch  schräge 


—     187     — 

Verblnduiigs-Linien  hingezielt  worden  ist,  augenfällig  seyn  sollen.  Für 
Anfänger  und  überhaupt  auch  nur  für  diese  hat  die  bildliche  Darstel- 
lung der  Felsarten-Gruppen  unstreitig  entschiedenen  Nutzen  ;  denn  sie 
zeigt  mit  einem  Blick  die  gesammten  Verwandschaftcn  und  Übergänge 
der  Gesteine  untereinander.  Wird  damit  noch  die  Anwendung  gewisser 
Zeichen  für  die  Haupt -Charaktere  eines  jeden  von  diesen  verbunden,  so 
legt  sich  dadurch  gewisserraaasen  der  wichtigste  Theil  der  Charakteri< 
8tik  vor  Augen.  Zu  solchem  Ende  lassen  sich  am  besten  die  2gMedri- 
gen  Felsarten  durch  Kreisabschnitte,  die  dreigliedrigen  durch  Dreiecke, 
die  mehrgliedrigen  durch  Vielecke  ausdrücken  ,  innerhalb  deren  der 
Name  des  Gesteins,  an  jeder  Ecke  der  Figur  aber  der  Anfangsbuchstabe 
von  dem  Gemengtheil,  und  an  den  Seiten  die  Zeichen  der  Textur  ge- 
setzt werden  dürften;  wofür  etwa  das  Zeichen  ^  =  schiefrig,  ^  = 
körnig,  ^  =  porphyrartig  und  O  =  mandelsteinartig  bedeuten  könn- 
ten. Und  um  solche  Zeichensprache  noch  ausdrücklicher  zu  machen ,  so 
dürfte  der  Buchstabe  für  den  vorwaltenden  Bcstandtheil  immer  zu  oberst 
oder  rechts  an  die  Figur ,  und  das  Zeichen  für  die  Haupt  -  Textur  an 
die  untere  Seite  zu  setzen  seyn.  Da  wo  bei  Gesteinen  gleichzeitig 
mehrere  Texturen  zusammen  vorkommen,  möchte  für  die  Haupt -Textur 
das  Zeichen  verdoppelt,  und  daneben  die  Zeichen  für  die  übrigen  mit 
jenen  verbunden  werden.     • 

G.  V.  Bloede. 


Mittheilungeiij  an  Professor  Bronn  gerichtet. 

Hildesheim ,  6.  Januar  1837. 

Im  siebenten  Bande  von  Karsten's  Archiv  hat  sich  Klöden  durch 
einen  Aufsatz  das  Verdienst  erworben ,  zuerst  das  bei  Fritzow  unweit 
Commin  in  Pommern  anstehende  Kalklager  genauer  beschrieben  und 
es  als  zur  Jurabildung  gehörig  erkannt  zu  haben.  Aus  den  darin  vor- 
kommenden Versteinerungen  zieht  er  das  Resultat,  dass  jene  Ablagerung 
zu  denjenigen  Schichten  des  Oolithenkalkes  gehöre,  die  sich  zwischen 
dem  Inferior-Oolite  und  dem  Coral  rag  finden  und  dass  die  untern  Lagen 
eben  dem  Inferior  Oolite,  die  obern  dem  Coral  rag  entsprechen. 

Ich  habe  vor  einigen  Tagen,  ebenfalls  durch  die  Güte  des  Professors 
Grassmann  zu  Stettin ,  etwa  30  Spezies  Fritzowscher  Versteinerungen 
erhalten  und  nach  ihrer  Bestimmung  eine  von  der  obigen  abweichende 
Ansicht  von  ihrem  Fundorte  bekommen. 

Es  Hessen  sich  nämlich  folgende  Spezies  sicher  erkennen: 

1.  Cidarites  Hoffmanni  Roem. 

2.  Pholadomya  paucicosta  Roem.  (Ph.  producta  nach  Klödbn?). 

3.  Terebratula  bi plicata  Sow. 


—     188     — 

4.  Avicula  modiolaris  v.  Münster. 

5.  Perna  mytiloides  Sow. 

6.  Melania  abbreviata  Roem. 

7.  Cardium  eduliforme  Roem. 

8.  Cucullaea  longirostris  Roem.  (C.  oblonga  n.  Klöden?). 

9.  Trichites. 

10.  Terebratula  pinguis  Roem. 

11.  Modiola  imbricata  Sow. 

12.  Ostrea  solitaria  Sow.  (O.  gregaria  nach  Klöden?). 

13.  Nerinea  Visurgis  Roem. 

14.  Nerinea  fasciata  Roem. 

Undeutlicher  erhalten  war  Cerithium  lim ae forme  Roem.;  ein 
Steinkern  gehört  vielleicht  der  Ostrea  duriuscul  a  an,  ein  anderer 
wahrscheinlich  dem  Hippopodium  ponderosum.  Die  mir  als  Me- 
lania striata  und  heddingtoaensis ,  Lutraria  grcgaria,  Trochus  reticu- 
latus ,  Plagiostoma  rusticum  und  Unio  abductus  mitgetheilten  Fossi- 
lien waren  unrichtig  bestimmt. 

Die  Versteinerungen  1  —  9  incl.  finden  sich  in  hiesiger  Gegend,  bis 
auf  Terebr.  biplicata  ,  ausschliesslich  im  Portlandkalke ,  die  übrigen  nur 
im  Coralrag ;  jene  werden  daher  auch  bei  Fritzow  den  obern  Schichten, 
diese  den  altern  angehören.  Versteinerungen  älterer  Schichten  und  na- 
mentlich des  Inferior  Oolithe  habe  ich  von  dort  nicht  gesehen.  Aus 
der  genauem  Übereinstimmung  der  Petrefakten  ergibt  sich  wohl  zu- 
gleich, dass  die  Ablagerung  bei  Fritzow  auch  zum  Vl^esersystem  des 
Jura  gehört. 

ROEMER. 


New-Haven,  Yale  College,  24.  Jänner  1837. 

Sie  werden  den  Aufsatz  über  die  Vogel  fährten  im  Red  Sandstone 
gelesen  haben,  welchen  Prof.  Hitchcock  vor  einem  Jahre  in  dem  Arne^ 
rican  Journal  mitgetheilt  hat.  Derselbe  wird  bald  einen  zweiten  über 
solche  Fährten  folgen  lassen.  Es  wird  sich  als  möglich  erweisen,  dass 
einige  derselben  von  Vierfüssern,  vielleicht  von  Beutelthieren  herstammen. 

SlLLIMAN. 


Neueste    Literatur. 


A.  Bücher. 


1833—1835. 


G.  GiULi :  Storia  di  tutte  le  acqite  minerali  dt  Toscana,  ed  uso  medko 
delle  medesime,     Sienüf   VI  Voll.  8^, 

1835. 

V.  DB  BoNALD  :  Mo't'se  et  les  Gfiologues  modernes^  ou  le  recit  de  la  ge» 
iiese  compare  aux  theories  tiouvelles  des  savans  sur  Vorigine  de 
lunivers ,  la  formation  de  la  terre ,  ses  revolutions ,  Vetat  primitif 
des  etres  divers,  qui  Vhahitent.     Aviynon,  /,  iS"  [l  fl.  4  kr.]. 

Nils  Nordenskiol»  :  Beskrifning  af  de  i  Finland  funne  mineralier» 
Första  Haftet,  Helsingfors.  8^, 

1836. 

Brignoli:  Rela%ione  accademica  delV  ultima  eruzione  accaduta  nel 
vulcanetto  aereo ,  cosidetta  Salsa  di  Sassuolo ,  nel  Modanese  e 
consideraziuni  geognostiche  intorno  alle  Salse  e  loro  cause,  64 
pp.,  i  tav.,  Reggio. 

W.  BucKLAND :  Geologie  and  Mineralogy  considered  with  Reference  to 
Natural  Theologg.  London  (1836)  11,  voll.  S.  with  87  plates, 

H.  Bunel:  Apercus  geologiques  et  paleontologiques.  Notions  sur  la 
tbeorie  des  puits  forees.  Hauteurs  de  quelques  points  du  Depar- 
tement  du  Caltmdos.     Brovhure  de  30  pp.  in  9^.     Caen. 

M'Culloch:  A  Geological  map  of  Scotland ,  published  by  Order  of 
the  Lords  of  the  Treasury  by  S.  Arrowsmith  ,  4  grosse  Blätter, 
fein  illumkiirt,  mit  1  Band  Text  [5  Guineeii],  Edinburgh. 

H.  DuTAL :  Atlas  universel.  Tableau  de  geologie  et  des  revolutions  du 
globe.     Feuille  xxxix.  Paris  chez  Vauteur. 

A.  V.  Klipstein  und  J.  J.  Kauf;  Beschreibung  und  Abbildungen  von 
dem  in  Rheinhessen  gefundenen  kolossalen  Schädel  des  Dinotherii 


* 


~     190      - 

gigantei,  mit  gcognostlschen  Mittheilungen  über  die  Knochen- 
führenden  Bildungen  des  Mittel-RheinisehenTerliixr-Beckens.  Darm- 
stadt, 4",  Atlas,  in  fol. 

H.  F.  Link:  Le  monde  primitif  et  V antiquite  expUques  par  Vetuda  de 
la  natitre,  traduit  de  VAllemand  sur  la  deuxieme  edition  par  J. 
J.  ClemenT'Mullet  II,  8^.  Paris  [12  fr.}. 

Nie.  Da  Rio  :  Orittologia  Eugauea  y  con  2  tav.  in  4*^.     Podova. 

H.  J.  VAN  DER  Wyck:  Übersicht  der  Rheinischen  und  Eifeler  erlosche- 
nen Vulkane  und  der  Erhebungs -Gebilde,  welche  damit  in  geogno- 
stischer  Verbindung  stehen,  nebst  Bemerkungen  über  den  technischen 
Gebranch  ihrer  Produkte.  2te  Ausg.  Mannheim,  VI  und  122  S. 
[12  gr.]. 

B.    Zeitschriften. 

f.     Bulletin  de  la  Societe  geologigue  de  France  (Par.  8^). 
1835,    VI,    S.    321—407,    Ende  (vgl.  Jahrb.    1835,    S.  464— 
465  '•'). 

D£8HAY£S :  berichtigte  Bestimmung  einer  von  Andrzejowski  an  Boue  ge- 
schickten Sammlung  tertiärer  Konchylien  Podoliens,  S.  321  —  322. 

Ausserordentliche  Versammlung  zu  Mezieres ,  Ardennen. 

Ausflug  um  Mezieres,  S.  324—327. 

„        durch  Poix  nach  Ättigng,  S.  328—332. 

„       von  Attigng  über  le  Chesne  und   Vendresse  nach  Mezieres ,  S. 
332—334. 

Verhandlungen  über  das  Gesehene:  Grünsand  bis  Lias,  S.  334 — 340. 

RozET :  Versuche  um  das  Maximum  der  Neigung  einer  Ebene  zu  be- 
stimmen, worauf  sich  Niederschläge  absetzen  können,  S.  340 — 341. 

Ausflug  nach  Deville,  S.  311. 

VAN  Breda  zeigt  Abbildungen  vor ,  wonach  es  scheint ,  dass  die-  Apty- 
chen  ein  fester  Theil  des  Mundes  von  Ammoniten  gewesen,  S.  345. 

Ausflug  nach  Givet,  S.  345—348. 

„        von  Givet  nach  Namiir,  S.  349 — 350. 

Umgegend  von  Namur,  S.  350 — 353. 

Verhandlungen  übei  das  in  den  letzten  Tagen  Gesehene,  S.  353 
bis  357. 

$.    Bulletin  de  la  Societe  geologique  de  France  (Par.  8^}. 

1830,    8.   Febr.  —  4.  Juli;    VII,  113—304  (vgl.  Jahrb.  1836, 
S.  265— 26&. 

Coq.üant:  mineralogische  Notitz  über  f  Esterei  und  im  Allgemeinen  über 
das  Far-Dept.,  S.  107—116. 


*)  Ein  Theil  dieses  Bandes  S.  65  —  321  ist  uns  noch  immer  nicht  zugekommen,  unge- 
achtet unserer  oft  wiederholten  Requisitionen. 


—     191     — 

Du  CoLLEGNo:    Betrachtungen    über   die   Versuche  Rozet's    und    Dk  la 

Beche's  über  das  Maximum  der  Neigung,   auf  welcher  sich  Nieder- 
schläge absetzen  können,  S.  116 — 118. 
Rozet's,   Boblaye's,  Boubee's,  de  Beaumont's  Verhandlungen  darüber, 

S.  118—120. 
RozET :    Bemerkungen    über   die   plutonischen    Felsarten    einiger   Theile 

der  Kette,  welche  die  Saone  von  der  Loire  trennt,  S.   120 — 123. 
Dk  Verneuil  :    über  das  Cambrische ,  Silurische  und  Kohlen  -  System  in 

Wales,  S.  127—132. 
Cu.  d'Orbigny:    über    den    Schacht   im    Grobkalk   zu  Fontainebleau ,    S, 

135—136. 
Rozet  :    fernere  Beobachtungen    im    nördlichen  Jura  (Bullet   VI,   192), 

und  über  den  Asphalt  von  Pyrimoui,  S.   136 — 143. 
Drouet:  über  die  Teredina  per  Sonata,  S.  143  — 146. 
CoQUANT :    die  Menschenknochen,    vi^elche  1834    in    den  Muschel- Haufen 

von  St.  Michel- en-V  Herrn  (Vetidee)  gefunden  worden,  sind  nicht 

gleichen  Alters  mit  diesen,    S.  147—150,  und  Verhandlungen  dar- 
über, —  S.  151. 
A.  Sedgwick  :    über   die  Lagerungs  -  Folge  alter  Schichtgebirge  in  Cwm- 

berland,  S.  152  —  155. 
L.  V.  Buch:  über  Spirifer  und  Orthis,  S.  155  —  156  (Jahrb.  1836, 

S.   175—184). 
L.  V.  Buch:  Grobkalk  von  Dubois  in  Armenien  gefunden,  S.  166 — 158 

(ib.  359—360). 
ViRLET :  über  Verwandlung  eines  Schiefers  bei  Dublin,  S.  160. 
Ch.    d'Orbignt  :    über    einen    Durchschnitt    im    tertiären    Kieselkalk    bei 

Munceaux,  zwischen  Paris  und  St    Germain,  S.  161  —  168. 
Picard:  über  das  Kreide  -  Gebirge  von  Puurrain  (Yonne) ,  S.  168  —  170. 
Boubee  :    über  den  Zucker  -  körnigen  Kalk  der  Pyrenäen,    S.  170  —  171 

vgl.  S.   178. 
Hildreth  :  über  einige  Gesteine  am  Ohio,  S.  173. 

Deshayes  :  über  Klassifikation  der  Brachiopoden  (zu  S.  155),  S.  174— 175. 
Beck:  desgl.   176-177. 
Dufrenoy:  über  den  Zucker- körnigen  Kalk  der  Pyrenäen  (vgl.  S.  170) 

S.  178—180,  und  Verhandlungen  darüber. 
d'Archiac,  Dufrenoy,  d'Omaliüs,  Boubee  über  die  Kreide  im  S.W.  von 

Frankreich  (S.  182—183). 
Robert  :    geologische    Beobachtungen    auf   der    zweiten   Reise    mit    der 

Corvette    „la    Recherche*^ ,    besonders    über    die    Insel    Goree  ^    S. 

184  —  191. 
Coquant  und  Dufrenoy:  über  den  tertiären  Gyf>s,  S.  191. 
Ch.  Kp.ferstein  :  über  die  Umbildungen  der  Schichten,  S.  197 — 199. 
CoquANT  und  Deshayes  :   über   die  Mergelbank   mit  Cythereen  über  dem 

Pariser  Gypse,  S.  200. 
Deshayes  :  über  den  Übergang  von  Kreide  zu  Grobkalk,  S.  200—201. 

Jahrgang  1837.  13 


—      192     — 

Alluaud:     über  einen  umo^ewandelten  Granit   mit  Quecksilber  von  Pey- 

rat  im   Vienne-Dept  S.  203  —  206. 
Sismonda:    über  eine  fossile  Trionyx  Aegyptiacus   und  Cancer 

punr  tu  latus  in  der  Provinz  Alvu,  S.  207  nebst  Abbild. 
Thitrmann:   Bericht  über  die  Beschäftigungen   der  geologischen  Sozietät 

im  Jura,  während   ihrer  Versammlung  zu  BesanQon  im  Herbst  1835. 

S.  207  —  211.  (Jahrb.   1835,  S.   667.) 
Leymerie:     über  die  Geologie  des  /?Äo/jtf-Dcpts.  S.  211   —  216. 
Cboizet:     Neuere    Beobachtungen    am     Gr^r^ourn-Berge    bei    Clermont, 

S.  216  —  217. 
Lartet:     über    den  Süsswasserkalk    von  Sansan  (Gers)    und    die    darin 

vorkommenden  Vierfüsser-Knochen,  S.  217  —  220. 
ViRtET :     über  die  Sandstein-Platte  mit  Thierfährten  von  HildburghatiseUf 

S.  220  —  224. 
B.  Studbr  :     Einleitung   zu    seinem  Werke   über  die  Geologie  der  west- 
lichen Schweizer-Alpen,   S.  225  —  252. 
J.  De  Christoi.  :     Beobachtungen  in  der  Cevennen-GruTpipe,  S.  253  —  258, 

nebst  Tabelle. 
Croizet  :     über    die    Sandstein-Platte    mit    Thierfährten    von    Hildburg- 
hausen, S.  259  —  260,  und  265  —  266. 
De  Lalandb  :     über    die    Hebung    des    Bodens   bei   der    Insel    Santorin. 

S.  260  —  261. 
Walferdin:     Thermometer-Beobachtungen  in  Brunnen  des  Kreide-Bodens, 

S.  261  —  262. 
L.  A.  Chaubard  :     Notiz  über  die  fossilen  Knochen,  welche  man  im  S.W. 

Becken  Frankreichs  entdeckt  hat,  S.   267    -  272. 
D'Archiac:     Grobkalk    zwischen  Töpfer-Thon    und    Kreide    bei  Meudon, 

S.  272  —  272,  und  Verhandlungen  darüber  —   S.  276. 
VoTLZ  :     über  Aptychus  ,  Belomniten  ,    Patella  papyracea,    S.  277  —  278 

(vergl.  Jahrb.   1836,  S.   187). 

—  über  die  Versteinerungen  des  Kreidegebirges  bei  Neuchätel,  S.  278 
—  279  (vgl.  Jahrb.   1835,   S.  62). 

HuoT  theilt  der  Gesellschaft  einen  Belemnites  niucronatus  von 
Sympheropol  in  der  Krimm  mit,  S.  280. 

D'Orbigny  :  über  das  neulich  zu  Meiidon  entdeckte  Gebirge  (S.  272  ff), 
S.  280  —   291   und  294  —   295. 

Elie  de  Beaumont  und  Deshayes  Verhandlungen  darüber,  S.  291  —  293. 

PAiLiiKTTE :     Prüfung    einiger    geologischen    Thatsachen,     welche  im  W. 

Tbeile  der  alten  Vrovinz  Bretagne  beobachtet  worden,  S.  295  —  304. 

3.  Jahrbuch  für  den  Berg-  und  Hütten-Mann  auf  das 
Jahr  1837,  hgg.  von  der  königl.  Akademie  in  Freyberg  (143  SS. 
gr.  8<*)  Freyberg  [16  gr.] 


-     193     — 

4.  The  London  and  Edinburgh  Philosophical  Magazine 
and  Journal  of  Science  (and  Proceedings  of  the  Qeo- 
logical  Society  of  London)  London  i836,  Nro  48  —  57, 

1836,  May,  VIII,  5. 

W.  Hopkins  Auszug  aus  einer  Abhandlung  über  physikalische  Geologie, 
mit  einer  weiteren  Auseinandersetzung  gewisser  mit  diesem  Gegen- 
stände verbundenen  Punkte,    Schluss.   S.  357  —  366. 

Grey  Egerton  alphabetischer  Katalog  der  fossilen  Fische  in  der  Samm- 
lung des  Lord  CoLE  und  der  seinigen,  mit  Angabe  der  Fundorte  und 
der  Lagerung  [227  Arten],  S.  366  —  373. 

A.  Caldcleug:  Bericht  über  die  vulkanische  Eruption  von  Coseguina 
in  der  Fonseca-Bay ,  gewöhnlich  Conchagua-Kiiste  genannt,  an  der 
Westküste  von  Miltelamerica,  S.  414  —  415. 

1836,  Juni,  VIII,  6. 

C.  T.  Becke  :  über  die  vormalige  Ausdehnung  des  Persischen  Meerbu- 
sens und  die  Nicht-Identität  von  Babylon  und  Babels  als  Antwort 
an  Carter,  S.   506  —   515  (F.  f.). 

1836,   VIII,  7  (Supplem.). 

E.  Chareesworth  :  über  den  Crag  von  Suffolk  und  die  Trüglichkeit  der 
jetzt  gebräuchlichen  Methode  zur  Bestimmung  des  relativen  Alters 
tertiärer  Schichten,  F.  f.,  S.  529  —  538. 

Forkes  :  über  die  Temperaturen  und  geologischen  Beziehungen  ge- 
wisser warmen  Quellen,  besonders  deren  in  den  Pyrenäen  ;  und  über  Be- 
stätigung des  Thermometers,  S.  551    —  553. 

Proceedings  of  the  Geological  Society  of  London  1835,    Decemb.  16 

bis  1836,  März  23. 

Beck:     Bemerkungen  über  die  Geologie  von  Dänemark,   S. 553  —  556, 

Strickland:  über  das  landeinwärts  fliessende  Meerwasser  zu  Cepha^ 
lonia,   S.  556  —   557. 

Lyell  :  über  das  Vorkommen  fossiler  Hay-Wirbel  im  Rheinischen 
LÖSS  bei  Basel,  S.  557  —  558. 

W.  RicHARDsoN  meldet  das  Vorkommen  von  Selenit  im  Sande  des 
plastischen  Thones  zu  Bishopstone  bei  Herne-Bay,  S.  558. 

Bayfield  :    über  den  Transport  von  Felsblöcken  durch  Eis,  S.  558  —  559. 

R.  Griffith:  über  die  Syenit  -  Gänge  und  Glimmerschiefer  bei'm 
Goodland  cliff,  und  Kreide  zu  Torr  Eskert  südlich  am  Fair 
Head  in  der  Grafschaft  Antrim,  S.  559  —  560. 

De  LA  Beche  :  über  die  Schiefer-Gesteine  im  Norden  von  Cornwall,  S.  561. 

R.  J.  MuRCHisoN :  über  die  geologische  Struktur  von  Pembrockshire, 
insbesondere  über  die  Ausdehnung  des  Silurischen  Felssystems  in 
den  Felswänden  an  den  Küsten  dieser  Grafschaft,  S.  561  —  566. 

13* 


—     194      — 

R.  J.  Murchison:  über  die  Verschiedenheit  der  Geschieb-  und  Alluvial- 
Massen  in  Ä.  Wales  von  den  nördlicheren  in  Lankashire,  Cheshire, 
N.  Salop  und  einigen  Theilen  von  Worcester  und  Gloucestery 
S.  566  —  571. 

J.  Leigii:  Beobachtungen  über  einen  Fleck  von  rothen  und  bunten 
Mergeln  mit  fossilen  Konchylicn  zu  Collyhurst  bei  Manchester^ 
S.  571  —  573. 

Browne's,  Lawrence's  und  Stevens'  Nachricht  von  Seewasser-Ströh- 
men ,  welche  auf  der  Insel  Cephalonia  ins  Land  hineingehen, 
S.  573  —  574. 

Svkes:  über  die  Gesteine  bei  den  Höhlen  von  Ballybunian  an  der 
Küste  von  Kerry ,  S.  574. 

A.  Crichton:  Bericht  über  einige  fossile  Pflanzen-Reste  im  Sandstein 
unterdem  Kohlenkalk  von  Ballisadiere  in  Sligo,  Irland,  S.  674—  675. 

Caütley:  über  die  Säugethiere-Reste  in  den  Sewalik-Bergen  am  süd- 
lichen Fusse  des  Himalaya  zwischen  dem  Sutluy  in  dem  Ganges^ 
S.  575  —  577. 

A.  RiLEY  und  S.  Stutchbury  :  Beschreibung  einiger  Fossil-Reste  von 
drei  *S'aurter-Arten,  welche  im  Herbst  1834  im  Magnesian-Konglo- 
merat  von  Durdham  Down  hei  Bristol  gefunden  worden,  S.  677  —  679. 

Mddge:  über  die  Knochen-Höhlen  von  Yealm~Bridc/e,  6  Mcil.  SO. 
von  Plymonth.,  S.  579  —  580. 

1836,  July,  IX,  1. 

BoASE :  Bemerkungen  über  Hopkins  Untersuchungen  in  der  physikali- 
schen Geologie,  S.  4  —   19. 

E.  RüpPEi. :  Beobachtungen  über  die  fossilen  Genera  Pseudoammonites 
und  Ichtyosiagonites  im  Kalkstein  von  Solenhofen,  S.  32  —  34  (eine 
erneute  Feststellung  der  im  Jahrb.  1830,  S.  403  —  404  mitgetheil- 
ten  Ansichten). 

C.  T.  Becke:     (Fortsetz.  von  VHl,  515)  S.  34  —  42. 

1836,  August,  IX,  2. 

Th.  Weaver:  über  die  Kohlen-Gebirgs-Reihe  der  vereinten  Staaten, 
S.  124  —  132. 

1836,  Septemb.  IX,  3. 

J.  W.  F.  Johnston:  über  die  wahrscheinliche  Ursache  gewisser  opti- 
schen Eigenschaften,  welche  D.  Brewster  an  Chabasie-Krystallen 
beobachtet  hat,  S.  170  —  171. 

W.  Hopkin's  Antwort  auf  Boasb's  Bemerkungen  über  dessen  Untersu- 
chungen in  der  physikalischen  Geologie  (F.  f.),  S.  171  —  176. 

H.  Falconer  und  P,  C.  Cautley:  über  das  Sivatherium  giganteuni, 
ein  neues  fossiles  Rumianten  -  Geschlecht  aus  dem  Marcanda-T\\»\<* 
in  der,  Äti?flt^iÄ  Kette  der  Sub-HimalayaBcige  (F.  f.),  S.  193  —  201. 


—     195     — 

1836,  Okt.,  IX,  4. 
W.  C.  Williamson:     übrr   die  Kalksteine    in    der  rsähe  von  Manchester 

(F.   f.),  S.  241   —  249. 
Falconer  und  Cautley  (SchJuss  zu  S.  201),  S.  277  —  283. 
H.  F.  Talbot:     über    optische   Erscheinungen    an   gewissen  Krystallen, 

S.  288  —  291. 

1830,  IX,  5. 

W.  C.  WitLiAMsoN :  über  die  Kalksteine  in  der  Nähe  von  Manchester 
(zu  S.  249),  S.   348  —  356. 

J.  Mitchell:  über  die  Schichten  unmittelbar  über  der  Kreide  in  den 
Grafschaften  um  London,  S.  356  —  360. 

W.  Hopkins  Antwort  auf  Dr.  Boase's  Bemerkungen  über  Hopkin's  Un- 
tersuchungen in  der  physikalischen  Geologie  im  July-Hefte  (zu  S.  179), 
S,  366  —  370. 

Proceedinys  ofthe  (feologicul  Society  of  London,  1836,  13.  und  27.  April. 
J.  Prestwjch:     Abhandlung    über    die    Geologie    in    Coalbrook  Dale, 

S.   382   —   387. 
R.  W.  Fox:     über  die  Bildung  der  Erzgänge,  vS-  387. 

1836,  IX,  6. 
R.  CownNG  Taylor  :     über  die  Steinkohlen-Reihe  in  den  vereinten  Staa~ 

ten  von  Nord-Amerika,  S.  407  —  411. 
Behzeliit»:     über  Meteorsteine,  S.  429  —  442. 
]\.  Th.  Wetherell:     Beobachtungen  über  einige  Fossilien    des   London- 

Thones,  insbesondere  über  diejenigen  organischen  Reste,  welche  im 

Tunnel  der  London- Birminghamer  Eisenbahn  gefunden  worden  sind. 

S.  462  —  469. 

1836,  IX,  7  (Suppleni.). 

Proceedings   of  the  Geological  Society  of  London,    1836,  Mai  11,  25. 

und  Juni  8. 
R'.  J.  Murchison:     über    die    Silurischen     und    andere   Gebirge     von 

Dudley   und    dem   Wolverhamptoner  Kohlenfeld,     nebst  Beweiss, 

dass  der  Quarzfeis  von  Lickey  mit  dem   Carrtdfoc-Sandstein  gleich 

alt  sey,  S.  489  —   495. 
R.  A,  Cloyne  Austen:     über  den  Theil  von  Devonshire  zwischen  den 

Quellen     des    Ex    und    Berry     und    der    Küste    und    Dartmoor, 

S.  495  —  496. 
K.  J.  Murchison:     Notitz    über    das  angebliche  Vorkommen  der  Lias- 

Foruiation  in  Afrika,     S.  496. 
G.  Frankland:     Notitz    über   die   Maria-Insel  auf  der  Ostkäste   von 

Vandiemensland,  S.  496  —  497. 
J.  RoBisoN  Wright  :     «bor   die    Geologie    der  Gegend   im  SW.-TheJIe 

des  Daventry,  S.  497. 


—     196     — 

Ph.  Grey  Egbrton  :     Notifz  über   das  Vorkommen  von  Seekonchylien 

in  einem  Geschieb-Lager    zu  Narley  Bank  in  Cheshire ,    S.  497. 
L.  Hunter:      Bemerkungen    zu   einem    Durchschnitt   durch    den    Ober- 

Lias   und  Mergelstein   von   Yorkshire ,    um    die    geringe  Vertical- 

Verbreitung  der  Ammoniten-    und   anderer    Schaalthier-Arten    und 

ihren  Werth  als  geologische  Zeugen  zu  würdigen,  S.  497  —  498. 
R.  Fitch:     über  die  Entdeckung  eines  Mastoden-Zahnes  im  Crag  von 

Thorpe  bei  Norwich,  S.  499. 
Ch.  Stockes:     Notitz    über  ein,    zum  Theil   durch    kohlensauren  Kalk 

versteinertes   Stück   Holz   und   einige    Bemerkungen    über    fossile 

Hölzer  überhaupt,  S.  499  —  500. 
Ph.  Grey  Egbrton,    Weitere  Notitz   über    einige  Eigenthümlichkeiten 

in  der  Struktur  der  Nacken-Gegend  beim  Ichthyosaurus,  S.  500. 
Sedgwick  und  Williamson  Peile:  über  die  Kohlenfelder  an  der  NW. 

Küste  von  Cumherland,  S.  501  —  503. 
Über  künstliche  Krystali-Bildung   (aus  Whewell's  Bericht  im  Report 

on    the   first    and    second  Meetings   of    the   British  Association 

p.  374  —  379),  S.  537  —  540. 


iwnaiiiNWWii  iiy  hin  ihiiib— — —— iKa 


II    s    z    ü    g    e. 


I.  Mineralogie,  Krystallographic,  Mineralcheinie. 

Nach  Fr.  v.  Kobell  ist  das  spezifisclie  Gewicht  des  Nickel-Wis- 
muthg^lanzes  =  5,14:.  (Ekdmann  und  Schujbigger- Seidel  Juurn, 
für  Cbem.  VIII,  342). 


Bi'iLLET  theilte  der  Soc.  (feol.  de  France  Nachricht  mit  von  einem, 
neuerdingfs  am  ßer^e  Four  la-Baraque  zwischen  Clermont  und  Tssoire 
aufgefundenen  Barytspath-Krystall  von  ungewöhnlicher 
Grösse',  er  misst  acht  Zoll  in  der  Länge  und  wiegt  üher  11  Pfund. 
Am  Pfty  de  Corent  kam  vor  Kurzem  ein  Octaeder  von  Titan  eisen 
vor,  dessen  Kantenlänge  30  Millimeter  betrug. 


Baddeley  berichtet  von  einem,  im  Bette  eines  kleinen  Flusses, 
30  Meilen  gegen  S.W.  von  Queheck ,  gefundenen  Geschiebe  Gedie- 
gen-Goldes,  dessen  Gewicht  1060  Gran  betrug  und  das  eine  Eigen- 
srliwere  von  15,7  hatte.  Es  war  begleitet  von  Talk  undChloritschiefer, 
von  Serpentin  und  Griinstcin.  Es  ist  diess  das  zweite  Beispiel  des 
Vorkommens  von  Gediegen-Gold  in  Canadu.  (Bullet,  de  ta  Soc.  geol.  de 
France.    VI,  104.) 


Devaux:  über  die  Naphthine  (loa.  cit.  p.  139. )  Im  Über- 
gangs-Kalk der  Gemeinde  Beaulieu,  Dep.  der  Maine  und  Loire,  findet 
mau  eine  Substanz  von  weisser  Farbe,  die  an  der  Luft  gelb  wird,  und 
genau  wie  Naphtha  riecht. 


G.  Besencenet  :      Nachricht    über    die   Thermen    bei   Lavey 
(Notice  sur  les  eaux  thermales  de  Lavey.    Lausanne;    1836'.)     Das 


—     198     — 


Wasser  ist  vollkommen  klar  und  durchsichtig ;  riecht  etwas  nach  Schwe» 
fel-WasserstofF-Gas ;  Temperatur  am  12.  Oetober  1833  in  verschiedenen 
Tageszeiten  =  29  bis  36°  R. ;  Eigenschwere  =  1,00114.  Gehalt  nach 
S.  Baup: 


Kubik-Centtmet. 

Schwefel-WasserstofF-Gas     . 

3,51 

Kohlensaures  Gas 

»        •        •         • 

4,34 

Stickgas 

•        •        •         • 

27,80 
Gramme. 

Chlor-Potossium    . 

•         •         •         • 

0,0034 

—     Natrium 

•        •         •        • 

0,3633 

—     Lithium 

0,0056 

—     Calcium 

•        •        •         • 

0,0015 

—     Magnesium 

5              •              • 

0,0045 

Wasserfreies  schwefelsaures  Natron    . 

0,7033 

—    - 

—            Magnesia 

0,0068 

— 

—            Kalk      . 

0,0907 

— 

—            Strontian 

0,0023 

Kohlsaurer  Kalk  . 

0,0730 

—        Magnesia 

0,0018 

Kieselerde     . 

0,0566 

Brom 

Jod 

Fluor  Calcium 

Phosphorsaurer  Kalk   \      .        .         .        .     Spuren. 

Eisen-        ) 

Mangan-    j    ^^^^^ 

Extractiv-Stoflf 

Das  Gestein,  welchem  die  Thermen  entfliessen,  ist  theils  Protogyn, 
theils  Gneiss,  dessen  Lagen  ungefähr  senkrecht  stehen.  Der  Gneiss, 
in  welchem  der  Glimmer  durch  Chlorit  oder  Speckstein  [Talk?]  vertre- 
ten wird  [und  der  folglich  ein  Protogyn  von  Schiefer-Struktur  ist]  ,  geht 
in  etwa  400  F.  Entfernung  von  der  Quelle  im  Rhone  Beit  zu  Tag:  er 
setzt  steile  Felsen  zusammen,  über  die  ein  Giessbach  herabstürzt.  Die 
Thermen  kommen  im  Bette  des  Rhone  zu  Tag,  1000  Toisen  oberhalb 
der  Brücke  von  Saint  Maurice. 


II.     Geologie  und  Geognosie* 

Geologischer  Kongress  zu  Clermont  in  Auvergne  im 
Herbste  1833.  {Annalns  de  V Auvergne,  T.  VII,  p.  145  etc.  193  etc.) 
Es  war  diess  die  dritte  Versammlung  der  Gebirgsforscher  Frankreichs, 
durch  die  geologische  Sotietüt  in  Paris  veranlasst  (  die  beiden  ersten  Zusam- 
mentritte hatten  zu  Bemwais  und  zu  Caen  statt).     Wir  müssen  uns  auf 


—     199      — 

Mittheilung  des  Wesentlicheren  beschränken  *).  -—  25.  August.  Wande- 
rung nach  Pont-du-Chäteau ,  Untersuchung  von  Pup  de  la  Poix,  von 
Machal  u.  s.  w.  Auffallende  Horizontalität  der  Süsswasser-Ablagerun- 
gen.  Zur  rechten  Seite  des  Weges  Hügel  aus  vulkanischen  Konglome- 
raten zusammengesetzt,  zahlreiche  Basult-Bruchstiicke  in  diesen  Tuffen 
und  Brekzien.  Die  Aussicht  auf  dem  Puy  de  Crouel,  eine  der  schönsten 
in  Auvergne ,  ist  besonders  geeignet,  uns  den  gegenseitigen  Zusammen- 
hang der  weit  erstreckten  basaltischen  Plateau's  beurtheilen  zu  können, 
von  denen  die  Kalk-Gebilde  bedeckt  werden.  Am  Puy  de  la  Poix,  aus 
dem  erwähnten  Konglomerate  bestehend ,  das  denkwürdige  Vorkommen 
des  Erdpeches ;  es  quillt  aus  mehreren  Spalten  und  mit  ihm  Wasser, 
das  salzsaures  Natron  und  ziemlich  viel  Kieselerde  gelöst  enthält ;  auch 
geschwefeltes  Wasserstoffgas  entwickelt  sich  anhaltend.  Die  Kirche  des 
Dorfes  Pont  du  Chäteau  steht  auf  einem  ähnlichen  Konglomerate,  mit 
welchem  hier  geringmächtige  Kalk-Lagen  wechseln.  Die  kugeligen  Ab- 
sonderungen des  erstem  Gesteins  lieferten  in  früheren  Zeiten  die  zier- 
lichen, mit  dünner  Chalcedon-Rinde  überkleideten  Quarz- Krystalle  von 
Bitumen  begleitet.  Auf  dem  linken  Allier-VieT ,  an  der  Stelle  genannt 
Escarpement  de  Machal,  an  einer  mächtigen  Kalkbank  häufige  Natron- 
Efflorescenzen.  Über  dem  Kalke  vulkanische  Alluvionen  und  noch 
höhere  Rollstücke.  Am  Ufer  grosse  Blöcke  von  Süsswasser-Kalk, 
reich  an  fossilen  Muscheln,  namentlich  Steinkernen  von  Helix,  zum  Theil 
mit  einem  Bitumen-Überzuge.  Den  Puy  de  Mur  und  den  Pic  de  Bal- 
let bedeckt  ein  Basalt-Plateau.  Der  Süsswasser  Kalk  enthält  Lagen  ter- 
tiärer Oolithe.  —  26.  Aug.  Wanderung  nach  Gergovia.  Der  Weg 
führt  über  einen  ziemlich  breiten  Lavastrom,  den  der  Vulkan  von  Grav^- 
noire  ergossen  hat  und  welcher  nun  gänzlich  angebaut  ist.  Der  Gergovia-' 
Berg  besteht  aus  meist  horizontalen  Kalk-Lagen,  überdeckt  von  einem 
basaltischen  Plateau.  Mehrere  tief  eingeschnittenen  Schluchten  lassen 
Basalt-Gänge  erkennen,  die  durch  den  Kalk  emporgestiegen  sind.  In  der  Nähe 
des  Dörfchens  Merdogne  ist  einer  der  günstigsten  Beobachtungs  -  Punkte. 
Die  unteren  Lagen  sind  kalkig,  die  oberen  bestehen  aus  vulkanischen 
Konglomeraten  und  Tuffen  mit  vielen  eingemengten  Kalk-Tiieilen.  Zwi- 
schen diesen  verschiedenartigen  Gebilden  bemerkt  man  einen  breiten 
Basalt-Streifen ,  der  zwar  äusserlich  vollkommen  horizontal  erscheint, 
aber  dennoch  die  Kalke  unterteufen  dürfte.  Grabungen  oberhalb  M^r- 
Jo^we  haben,  vor  langer  Zeit  schon,  rundliche  Halbopal-Massen  zwischen 
einer  Lage  weissen  Kalks  entdecken  lassen.  Ohne  Zweifel  verdanken 
dieselben  Mineral-Quellen  ihre  Entstehung.  —  Mit  besonderem  Interesse 
betrachtet  man  die  Erscheinungen  ,  welche  die  Basalt-Gänge  da  hervor- 
riefen, wo  dieselben    mit  andern  Gesteinen  in  Berührung  gekommen.  -- 


*)  Dass  manche  Einzelnheiten  nicht  unerwähnt  blieben,  werden  uns  diejenigen  unserer 
Leser  Dank  wissen,  welche  solche  Angaben  als  Anhalte-Punkte  zu  Excursionen 
in  der  so  Uhrreichen  Gegend  von  Clermont  benutzen  wollen. 


—      *iOO     — 

27.  August.     Wanderung   in  die    Kette    der    Puys.     Der    Weg    führt 
über  Montfervand  nach  der  Stadt  Reom  und  nach    Vuhnc.    Die  letztere 
kleine  Stadt    liegt   am   Fusse    des  Puy  de  Banniere ,    auf  dessen  Gipfel 
ein  Vulkan  ausgebrochen  ist  und  denselben  mit  zahllosen  rothen  Schlacken 
bedeckt  hat.     Die  Schlacken  zerfallen  in  Kugeln  ;  viele  enthalten  Granit- 
Stucke,   Trümmer   jenes   Puy''s,     dessen    Basis    durchaus  granitisch  ist. 
Volvic   ist   auf^  einer   schwarzen ,    augitischen  Lava  gebaut,    die  Olivin- 
Theile  führt.   Eine  andere  Lava,   in  ihren  Merkmalen  etwas  verschieden, 
die  eigentliche  Lava  von   Volvic,  als  Baustein  so  bekannt  und  geschätzt, 
bedeckt  die  erstere,  und  da,    wo   beide  einander  begrenzen,    bricht  eine 
Quelle  hervor.     Aus  der  Mitte  des  vulkanischen  Meeres  erhebt  sich  eine 
granitische  Insel.  Auf  dem  Puy  de  la  Nuyere  wurde  der  grosse  Krater 
untersucht,  an  dessen  Rande  ein  Schlacken-Hügel  den  vormaligen  Haupt- 
schlund verhüllt.     Die  ergossene  Lava   umfloss  eine  granitische  Hervor- 
ragung.     Ein    weit    erstrecktes    Plateau     begrenzt     diesen    vulkanischen 
Kegel.      Am  Fusse  des  Puy  Coquille  ist  ein  kleiner  Berg,     der  Puy  de 
Leyronne  genannt,    bemerkenswerth.     Er  hat  einen  sehr  kleinen,  seltsa- 
men Krater,    der  sich  mitten  zwischen  Domit-Trümmern  aufgethan,    und 
von  Schlacken  nicht  die  geringste  Spur  zeigt.    Eine  nachbarliche  Schlucht 
liefert    viele    zerkläi'ttte    und    oberflächlich    geschmolzene   Domit-Bruch- 
stücke.   —    Vom  Puy  Cuquille    begab   man  sich  zum  Chopine-Berg  y    der 
mit   steilen  Gehängen   aus    der  Mitte    des   kreisrunden  Puy  des  Gouttes 
emporsteigt.     Der  Clwpine  bietet,   wie  bekannt,  das  eigenthümliche  Ver- 
bundenseyn    des  Domits    mit   mehreren  in  höheren  und  geringeren  Gra- 
den   veränderten    ürgebirgsarten    dar.      Ein   Basalt-Streifen    macht    das 
Ganze  noch  verwickelter.     Nur  durch  Erhebung  sind  die  Erscheinungen 
zu  erklären.  —  Die  Tageszeit    reichte    nicht   mehr   hin ,    um  den  Gipfel 
des  Sarcuuy  zu  ersteigen,    die   künstliche  Grotte   zu  besuchen  und  den 
Domit  an  der  Stelle  zu  sehen  ,    wo  salzsaure  Dämpfe   denselben    durch- 
drungen und  umgewandelt  haben  ;    man  begnügte  sich  damit,  die  Bezie- 
hungen zwischen  dem  grossen    und  dem  kleinen  Sarcuuy  kennen  zu  ler- 
nen ;  der  letztere  hat  das  Ansehen  vom  Segment  eines  geräumigen  Kra- 
ters am  nördlichen  Fusse  des  Domit-Berges.   In  der  Nähe  der  Mitte  des 
kleinen  Sarcouy    sind    sehr    frische  Schlacken    hervorgebrochen.  —  Auf 
dem  Rückwege  nach  Clermont  erreicht   man  bald  das  primitive  Gebiet ; 
bis  Dartol  ,    wo  der  Lavastrom  von  Pariou  überschritten  werden  muss, 
ist   derselbe  von  tiefen  Schluchten  durchzogen.  —  28.  Aug.      Nach  dem 
Puys  d*^  Pariou  und  de  Dome,  nach  Fontanat  und  Royat.     In  geringer 
Entfernung   vom    Doiie    Cliamalieres ,    das    als  Vorstadt    von   Clermont 
gelten  kann,    ist  eine  Lava    erstarrt,     welche    vom   Vulkan  Gravenoire 
herabkam,  und    nicl:t  weit  davon  erreicht  man,  an  der  Stelle  Fontmort 
genannt,  das  Ende  eines  der  Laven-Arme  des  Pariou.  Dem  Strome   fol- 
gend, auf  einer  alten  Römer-Strasse,  welche  theilweise  auf  dem  Strome 
selbst  hinzieht,  gelangt  man  zum  Vulkan.     Seitlich  ein  granitischer,  mit 
Basalt  überdeckter,  Berg*,  die  Lava  stellt  sich  in  regellos  zerklüfteten  und 
zerpaltenen  Massen  dar,  welche  meist  auf  einer  grauen  Aschen-Lage  ruhen. 


—     201     — 

Jenseits  des  Weilers  Villars  dehnt  sich  dt  r  Lavenstrom  plötzlich  in  der 
Mitte  einer  kleinen  Ebene  nnhr  aus.  liier  findet  man  einen  Haufen 
geschmolzenen  Materials  ;  die  Vegetation  hat  kaum  begonnen  sich  zu 
entwickeln.  Von  hier  beträgt  die  Entfernung  des  Pariou  noch  über 
eine  Stunde ;  aber  alle  Erscheinungen  verkünden  schon  die  grössere 
Nähe  des  Feuerbergs.  Der  Weiler  Arcmes  liegt  auf  Gneiss ,  jedoch 
ganz  in  der  Nähe  der  Lava,  deren  Strom  das  Auge  bis  zur  Basis  des 
Pariou  verfulgen  kann.  Auf  der  erhabensten  Stelle  des  Plaleaus,  in 
uiindesteus  1000  Metern  Höhe,  zeigen  sich  grosse  Granit-Massen,  welche 
von  den  vulkanischen  Erzeugnissen  nicht  überdeckt  worden.  —  Wenige 
Kratere  sind  so  gut  erhalten ,  als  der  der  Pariou.  Sein  Durchmesser 
beträgt  900  F.,  die  Tiefe  300  F.  —  Der  Puy  de  Dome  wurde  am  Abend 
noch  erstiegen  und  der  Rückweg  durch  das  granitische  Thai  von  Fonta- 
«af  genommen,  das  seiner  ganzen  Längen-Erstreckung  nach  einen  Lava- 
strom aufzuweisen  hat,  dessen  Ursprung  zweifelhaft  ist.  —  Am  29.  August 
weilte  die  Gesellschaft  in  Clermont.  In  der  Sitzung  las  Lecoq  seine 
Abhandlung  über  den  Mont-Dore  \  er  betrachtet  diesen  Berg  als  empor- 
gehoben zur  Zeit,  wo  die  neueren  Vulkane  zu  wirken  begonnen.  Mehrere 
Einreden  fanden  statt.  Croizet  bemerkte,  die  neuen  Vulkane  hätten  den 
Puy  de  Dome  nicht  zu  erheben  vermocht ,  und  noch  viel  weniger  den 
Mont-Dore.  Diese  Feuerberge  waren,  nach  seiner  Ansicht,  im  Begriff 
zu  erlöschen,  als  sie  den  Mont-Dore  erreichten,  auch  bezeugen  die  drei 
Kratere,  welche  sich  auf  seinem  Gehänge  öffneten ,  ihre  beschränkte 
Macht  im  Vergleicli  zu  den  Wirkungen  derselben  in  der  Kette  der 
Monis  Domes.  Der  Gipfel  des  Montchatme ,  der  erhabenste  unter  den 
neuern  Vulkanen  des  Mont-Dore ,  habe  600  Meter  weniger  Höhe  ,  als 
die  trachytischen  Spitzen  in  der  Gebirgs-Mitte.  Lecoq.  erwiederte :  die 
geringe  Zahl  von  Kratern  auf  dem  Mont-Dore-Gehänge  beweisen  kei- 
neswegs, dass  die  Feuerberge  der  Monis  Domes  im  Begriffe  gewesen 
seyen  zu  erlöschen  ;  im  Gegcntheil,  nachdem  dieselben  hier  Beweise 
ihrer  ganzen  Macht  gegeben,  hätten  sie  zuerst  die  Gesammt-Masse  tra- 
chytischer  und  basaltischer  Streifen  emporgehoben,  und  da  sie  sich  nicht 
durch  die  ungeheure  Haufwerke  als  von  Feuer-Erzeugnissen  hindurch  zu 
arbeiten  vermochten,  so  wären  nur  einige  jener  Vulkane  an  einzelnen 
Stellen  dieser  Berg-Gruppe  an  den  Tag  getreten,  und  hätten  alsdann 
eine  nördliche  Richtung  genommen  bis  zum  Puy  de  Chalard.  Keine 
Thatsache  deute  darauf  hin,  dass  die  Kette  der  Monis  Domes,  welche 
aus  ungefähr  60  vulkanischen  Bergen  besteht  —  auf  Linien  vertheilt, 
wie  die  grossen  Feuerberge  Amerika^s  —  im  N.  eher  zu  brennen  be- 
gonnen haben^  als  im  S.  —  Constant  Prevöt  sprach  ebenfalls  gegen 
die  LEC0(i'sche  Ansicht.  Er  glaubt  nicht,  dass  neuere  Vulkane  oder 
Puys  mit  Kratern  eine  Masse  wie  den  Mont-Dore  zu  erheben  ver- 
möchten, überall  habe  er  gesehen ,  dass  das  geringste  Hinderniss  das 
Fortschreiten  eines  Stromes  hemme,  darum  erachtet  er  es  für  unmöglich, 
dass  eine  Gewalt  dieser  Art  nur  die  mächtigen  Bänke  zu  erschüttern  im 
Staude  sey,  woraus  der  Mont-Dore  besteht.    Bezeichne  man  aber  durch 


—     202     — 

den  Ausdruck  moderne  Vulkane  die  Ursache  oder  die  Gewalt,  welche 
Kegel  mit  Kratern  erzeugt,  d.  h.  die  Expansiv-Gewalt  gasiger  Materien, 
welche  sich  über  dem  Boden  anhäuften,  so  müssen  die  durch  solche 
Gase  erhobenen  Materien  sofort  zurückfallen ,  wie  eine  ÖflFuung  ihnen 
gebahnt  worden,  und  damit  habe  auch  die  Spannung  derselben  ihr  Ende 
erreicht.  Als  Beweise  von  der  geringen  Macht  der  Ausbrüche  moderner 
Vulkane  bezieht  sich  Prevot  auf  Thatsachen,  die  er  am  Vesuv  beobach- 
tete. Er  sah  Lava  sehr  allmählich  aus  engen  Öffnungen  hervorbrechen, 
welche  sie  ohne  Zweifel  vergrössert  haben  würde,  wenn  ihr  die 
Macht  zugestanden  hätte,  und  kein  Beweis  sey  dafür  vorhanden,  dass  der 
Boden,  vor  dem  Erscheinen  der  Vulkane ,  welche  auszubrechen  suchten, 
emporgehoben  und  zerstückt  worden  wäre.  Die  von  ihm  besuchte  Insel 
Julia  lasse  nicht  ein  einziges  Erhebun|^s-Phänomen  wahrnehmen ;  nicht 
der  Boden  sey  über  das  Niveau  des  Wassers  emporgehoben  worden,  wohl 
aber  schlackiges  Material,  welches  das  Wasser  anfänglich  verbreitet 
habe,  und  das  später  aufgehäuft  worden  sey.  Die  domitischen  Puys  be- 
trachtet Prevot  als  besondere,  in  der  Natur  ihrer  Erzeugnisse  von  den  übri- 
gen abweichende  Vulkane.  Domit-Kegel  können  sich  nach  ihm  ebenso 
gut  auf  der  Stelle  bilden  wie  Schlacken-Kegel.  Er  sah  auf  den  Lipa- 
Tischen  Inseln  ähnliche  Berge,  wovon  einige  selbst  Ströme  aufzuweisen 
hatten.  Einer  derselben  schien  ganz  aus  Obsidian  zu  bestehen.  — 
Lecoq's  Antwort  war  :  ein  Vulkan  habe  keine  Expansiv-Gewalt  mehr, 
so  wie  eine  freie  Verbindung  zwischen  dem  Innern  des  Bodens  und  dem 
Äussern  hergestellt  wäre,  was  jedes  Mal  der  Fall  sey ,  wenn  Lava  er- 
gossen werde  ;  allein  vor  jener  Verbindung  sey  seine  Gewalt  bedeutend 
und  vermöge  die  grössten  Wirkungen  hervorzubringen.  Erdbeben  in 
der  Umgegend  thätiger  Feuerberge  gingen  stets  den  Eruptionen  voran 
und  folgten  denselben  nie.  Sie  endigen ,  so  wie  die  Lava  aus  dem 
Krater  fliesst ,  oder  am  Bergfusse  hervorbricht.  Die  neuen  Vulkane  am 
Mont-Dore  mussten  zuerst  suchen ,  sich  durch  die  Spalten  Luft  zu  ma- 
chen, welche  bereits  vulkanische  Erzeugnisse  geliefert  hatten,  und  da  sie 
stark  zusammengepresst  waren  durch  die  Ungeheuern  Haufwerke  vulkani- 
schen Materials,  so  hatten  sie  Gewalt  genug,  um,  ohne  an  den  Tag  zu  treten, 
die  breiten  Trachyt-  und  Basalt-Streifen  emporzuheben,  welche  gegen- 
wärtig das  Gehänge  des  Mort-Dore  überdecken  und  eine  Neigung  ha- 
ben, die  ihnen  nicht  verblieben  seyn  würde,  wenn  sich  dieselben  in 
dieser  Lage  ergossen  hätten.  Von  den  domitischen  Puys  glaubt  Lecoq, 
dass  das  Gestein,  welches  sie  zusammensetzet,  nie  habe  fliessen  können ; 
es  würde  mindestens  immer  teigig  gewesen  seyn.  Wenn,  wie  diess  all- 
gemein angenommen  worden  ,  die  Älassc  in  solchem  Zustande  hervor- 
getreten wäre  und ,  sich  aufhäufend ,  die  trachytischen  Dome  in  der 
Umgegend  von  Clermont  gebildet  hätte,  so  würde  der  grosse  Domit- 
Streifen,  welcher  den  bedeutenderen  Theil  des  Plateaus  ausmacht,  und 
durch  den  hindurch  fast  alle  neuen  Vulkane  herausbrachen,  dennoch  nicht 
ihr  Werk  seyn  können.  Hätten  diese  Feuerberge  aber  in  Wahrheit  Ströme 
geliefert,    so  müssten  diess  Obsidiane    und  keine  DoniJte    seyn.  —  Auch 


—     203     — 

Graf  MoNTLOsiEK  erklärte  sich  gegen  die  LECOc^'sche  Ansicht ;  er  ist  der 
Meinung^    dass  es  nie  gelingen  werde,   die  meisten  geologischen  Phäno- 
mene zu  erklären,  wenn  man  nicht  die  heftigen  senkrechten  Regengüsse 
(fduies  verticales)    berücksichtige ,     welche   in   verschiedenen  Zeiten   die 
Aussenfläche    unserer    Erde    durchfurcht   haben.  —  —  —  An  diese  Dis- 
kussion   reihte    sich   die  Vorlesung    einer  Abhandlung  von  Croizet  über 
die   organischen   Reste,     welche    der   Boden    der  Auvergne   unischliesst. 
Die  Gebilde  heutiger  Zeit:    Damnierde,    neue  AUuvionen,  Torf,  Kalktuif 
u.  s.  w.,  enthalten  im  Allgemeinen  nur  organische  Überbleibsel,    welche 
den,  noch  gegenwärtig  vorhandeneuen  Pflanzen  und  Thieren  analog  sind; 
indessen  ist  nicht  in  Abrede  zu  stellen,  dass  manche  Gattungen  in  Süd- 
Frankreich  ,    wie  in  andern  Gegenden ,     seit  dem  Daseyn  der  Menschen 
verschwunden  sind.    —   In  Hinsicht  der  Bildung  der  Höhlen  und  der  Art  und 
Weise,    wie  die  verschiedenen  fossilen  Reste  in  dieselben  gebracht  wor- 
den,  wird  niclit  eine  und  die  nämliche  Theorie  für  alle  Grotten  zulässig 
seyn.  —  Diluvial-Ablagerungen.  In  diese  Epochen  gehören  nicht  nur  die  von 
den  Wassern    herbeigeführten    Massen,    sondern    auch    die    vulkanischen 
Produkte    der  Auvi'rtjne,    gewisse  Torfe    und  Kalk-Tufie ;     letztere,    die 
Travertine    kann    man    in    drei    geologischen  Epochen    nachweisen.     Die 
Ablagerungen  von  Uor^t  unfern  T/«>r*  enthalten  zahlreiche  fossile  Pflanzen, 
wovon  die  Geschlechter   meist  noch   in  Auvergne  vorhanden  sind  ,    Mol- 
lusken- und  Vögel-Reste.     In  den  vulkanischen  AUuvionen  kommen  wie- 
der Überbleibsel  von  Pachydermen,  von  Wiederkäuern,  von  Fleischfressern, 
Nagethieren  und  selbst  von  zahnlosen  Säugethieren  vor.     In  der  dritten  geo- 
logischen Epoche,    d.  h.   in    den   tertiären  Süsswasser-Gebilden    der  Li- 
mayne,    sind  interessante  fossile  Überbleibsel  zu  finden.     Cr.  theilt  jene 
Gebilde  in  drei  grosse  Formationen:  die  obere,  in  welcher  der  kalkige 
Mergel  vorherrscht  und  zu  der  die  Travertine  und  die  bituminösen  Schie- 
fer gehören,  die  mittle,  an  mehreren  Stellen  gypsig,  und  die  untere 
Formation,    aus  rothem  und  grünem  Thon  und  aus  Arkose  zusammenge- 
setzt.    In    der    ersten    dieser    Formationen    finden    sich    viele  erloschene 
Thier-Gattungen,  wovon  jedoch  die  Geschlechter  noch  lebend  vorhanden 
sind ;    die  zweite  enthält  meist  ausgestorbene  Geschlechter ;    in  der  drit- 
ten kommen  nur  wenige  organische  Überbleibsel  vor.    Die  Braunkohlen- 
Ablagerungen  von  Menat,  die  Schichten  mit  den  interessanten  Pflanzen- 
Abdrucken  gehören  der  erstem  Formation  an.     Auch  Insekten  und  zahl- 
lose Fische  werden  daselbst  gefunden.  Lecoq  betrachtet  letztere  als  von 
Cyprinuspapyraceus  abstammend;  Croizet  beobachtete C.  leuciscus 
und  Cobitis.     Die  Vegetation  dieser  Epochen    wird    auch    an    mehrern 
Stellen,    besonders  um  Ravel,    in  einem  Sandstein  mit  kalkigem  Binde- 
mittel getroffen.  Die  obere  Formation  liefert  ferner  Indusia  tubulata 
Cyprisfaba,  Potaraides,  Limueus,  Planorbis,  Helix,  Bulimus 
und  Cy  clostoma,  besonders  aber  viele  Reste  von  Wirbelthieren,  Gebeine 
mehrerer  Rhfiioceros-  Arten,  den  heutigen  Tages  in  Indien  lebenden  am 
nächsten  stehend,  ferner  Knochen,  welche  denen  von  Moschus,  Mus, 
Castor,  Canis,  Felis,  Sorex  giganteus  u.  s.  w.  verglichen  werden 


—      204      — 

können.  Die  mittle  Formation  hat  die  Paläotherien,  A  nop  lolh  crien, 
Anthracothcrien,  Krokodile,  Schildkröten  und  andere  kleinere 
Reptilien  geliefert,  so  wie  Gebeine  analog  dem  Geschlechte  Anas  und  Eier; 
auchlndusi  a  tubulat  a,  Cypris  taba  und  mehrere Univalven  und  Bival- 
ven  kommen  darin  vor.  Croizet  beschloss  seineu  Vortrag  mit  Betrachtungen 
über  die  erste  Vegetation  unserer  Erde  und  bezog  sich  namentlich  auf 
die  zahlreichen,  zum  Theil  noch  nicht  bestimmten  Pfianzenreste  im 
Kohlen-Sandstein  von  Langeav  {Haute- Loire).  Peghoux  fügte  Bemer- 
kungen bei  über  die  Lagcrungs-Verhältnisse  der  Arkosen  und  über  die 
Abtheilung  der  Tertiär-Gebilde.  —  30.  August.  Bertrand  Geslin  sprach 
über  Thatsachen ,  welche  ihm  eine  mit  Montalembert  nach  der  Dau- 
phinee  unternommenen  Wanderung  dargeboten  hatte.  Sie  bezogen  sich 
zumal  auf  die,  schon  von  Beaumont  wahrgenommene,  Auflagerung  des 
Granits  auf  Lias  im  Champsaur.  Domnando  legte  mehrere  Thierreste 
vor  und  gab  Nachricht  von  einem  ,  neuerdings  durch  Geoffroy  Saint- 
HiLAiRE    unfern    Saint-Geraiid-le-Puy    aufgefundenen    Vorkommen    von 

fossilen  Körpern.     Die  Knochen  weiden  hier  in  Spalten  getroffen. 

31.  August.  Wanderung  nach  dem  Munt-Dure.  Der  Weg  führte  über 
die  kleine  Ebene  Salins ,  bekannt  durch  die  häufigen  Entwicklungen 
von  Kohlensäure.  Oberhalb  der  Ebene  steigt  der  basaltische  Montiiu- 
düU  empor  ;  am  Fusse  desselben  zieht  sich  die  Fahistrasse  über  merge- 
ligen Kalk  und  über  die  Arsosen,  von  denen  hier  der  Rand  des  ehemaligen  Li- 
mayneSee^s  gebildet  wird.  Hin  und  wieder  sieht  man  grosse  Blöcke 
von  Basalt,  sehr  reich  an  Olivin  und  Augit ;  sie  werden  immer  häufiger 
und  bilden  endlich  den  obern  Theil  eines  Stroms,  die  Fortsetzung  des 
ausgedehnten  Basalt-Plateaus  von  Charade  ,  aus  dessen  Mitte  der  Vul- 
kan von  Gravenuire  hervorgebrochen  ist.  In  der  Abendsitzung  (ungün- 
stiges Wetter  hatte  zur  Rückkehr  nach  Clermont  genöthigt)  sprach 
Peghoux  über  die  als  primitive  bezeichneten  krystallinischen  Felsarten. 
Gneisse,  Glimmerschiefer  und  Talkschiefer  (steaschistes)  sind  die  älteren 
Gesteine  der  Äuvergne.  Einst  bildeten  .sie  eine  zusammenhängende 
Decke;  jetzt  findet  man  dieselben  in  dem  Grade  verrückt  und  zer- 
stückt, dass  sie  nur  hin  und  wieder  auftreten,  mitunter  in  sehr  verein- 
zelten Streifen.  Die  Störungen  ,  welche  jene  Gebilde  erlitten  ,  wurden 
vorzüglich  durch  granitische  und  porphyrische  Eruptionen  bedir.gt. 
Gneisse  und  Talkschiefer  hat  man  als  feuerige  Modifikationen  der  Glin;- 
merschiefer  anzusehen.  Die  Lagen  dieser  Felsarten  erscheinen  aufgerich- 
tet und  gebogen  um  die  grossen  Bergmassen  herum;  so  namentlich  am 
Granit-Plateau,  welches  den  westlichen  Theil  des  Puy-de- Döme-Depai  te- 
ments  ausmacht,  so  wie  in  den  Bergen  der  Lozere  und  des  Fore%. 
Hornblende-Gestein,  Protogyne  und  Porphyre  erfüllten  anfangs  den  Raum 
zwischen  dem  Gneiss  und  dem  Granit;  später  stiegen  Basalte  durch  die 
nämlichen  Spalten  empor,  und  zuletzt  hatten  die  neueren  vulkanischen 
Ausbrüche  Statt  und  riefen  manchfaltige  Störungen  hervor.  An  beiden 
Enden  der  Mords  Domes  wirkten  die  vulkanischen  Mächte  auf  die  Ba- 
salt-Ergüsse,   von  denen  die  Cberfläche  des  Bodens  bedockt  war.      Von 


—     205     - 

den  Basalttuffcn  (Pept^rites)  glaubt  P.,  dass  sie  auf  Eruptiouen  zurück- 
zuführen seyen ,  welche  unter  einer  Wasser-Bedeckung  Statt  gefunden 
hätten.  Lficoti  erklärte  sich  dafür,  dass  es  scheine,  als  hätten  mehrere 
dortländische  Vulkane  ihre  Schlacken  in  Wasser  geschleudert,  und  hier 
seyen  dieselben  modificirt  und  mit  Kalk-Bruchstücken  untermengt  worden. 
Der  Puy  de  Crouel  uufcrn  Clermunt,  mitten  in  der  Ebene  gelegen,  lasse 
sich  als  eines  der  auffallendsten  Beispiele  betrachten.  Es  ist  ein 
isolirter  Hügel,  aus  vulkanischen  Trümmern  bestehend  und  aus  kleinen 
zum  Theil  kieseligen  Kalk-Fragmenten.  Im  S.  und  SW.  des  Hügels 
nimmt  man  ziemlich  tiefe  Höhlungen  wahr  in  Stufen-artigen  Absätzen  vom 
Gipfel  bis  zum  Fusse.  Sie  dürften  als  das  Werk  von  Wogen  und  Strömungen 
zu  betrachten  seyn,  auch  wirkten  ohne  Zweifel  die  Winde.  Besonders  in- 
teressanten Thatsachen  ,  was  das  Niveau  der  Wasser  des  See's  betrifft, 
welcher  einst  die  Gegend  überdeckte,  bietet  der  Phryganen-  (Indusien-) 
Kalk  dar.  Man  findet  denselben  an  sehr  vielen  Stellen  und  in  äusserst 
ungleichen  Höhen,  so  dass  sich  daraus  denkwürdige  Änderungen  des 
Wasserstandes  ergeben.  Im  Allgemeinen  erscheinen  die  Phryganen- 
Kalke  von  keiner  anderen  Formation  bedeckt,  hin  und  wieder  etwa  sieht 
man  sie  mitten  zwischen  dem  mergeligen  Kalk,  wie  unter  anderem  am 
Plateau  von  Gergovia.  Solche  Massen  enthalten  keine  Röhren  in  ihrem 
Innern.  Bei  Chaptuzat  eignen  sich  solche  Massen  die  vielartigsten  Ge- 
stalten an;  oft  hat  es  ganz  das  Ansehen,  als  wären  die  kalkigen  Ma- 
terien um  Pflanzen-Stengel  abgesetzt  worden;  andere  Gebilde  der  Art 
sind  durchaus  dem  Blumenkohl  zu  vergleichen,  und  oft  trifft  man  Massen 
solcher  Art  durch  Lagen  geschieden,  welche  ganz  mit  Cypris  faba  er- 
füllt  sind,  und  in  deren  Mitte  zahlreiche  Überreste  von  Säugthieren  und 
von  Vögeln  vorkommen,  so  wie  abgerundete  mit  kalkigen  Inkiustationen 
überdeckte  Heliciten.  Lecoq  ging  in  Betrachtungen  über  die  obere 
Formation  des  Phryganen-Kalkes  ein.  (Wir  übergehen  diese,  weil  von 
dem  Verf.  in  Kürze  eine  umfassende  Abhandlung  über  das  Tertiär- 
Becken  AevLimagne  zu  erwarten  ist.)  —  Am  1.  Septbr.  wurde  die  Wande- 
rung nach  dem  Mont-Dore  zum  zweiten  Male  angetreten.  Über  Grave- 
noire  begab  man  sich  nach  den  Basalten  von  Prudelles.  Sie  bilden  ein  ziem- 
lich bedeutendes  steiles  Gehänge,  das  ins  Thal  vortritt,  und  sind  augen- 
fällig geflossen.  Eine  Lage  von  Sand  und  von  kleinen  Schlacken  scheide 
den  Basalt  vom  Granit.  Constaivt  Prevost  äusserte  die  Meinung, 
das  Thal  und  das  steile  Gehänc^e  seyen  bereits  vorhanden  gewesen,  oder 
der  Basalt  geflossen  und  nur  die  Abkühlung,  die  Erstarrung  haben  den- 
selben am  Weiterfliessen  gehindert.  —  Jenseits  Laschamp  besuchte  die 
Gesellschaft  dei:  vulkanischen  Berg  gleichen  Namens ,  überschritt  den 
feldspathigen  Strom,  der  sich  ^e^^n  Fontfreide  erstreckt,  so  wie  die 
von  den  Pvys  de  la  Vache  und  de  Lassolas  ergossenen  Lava-Massen, 
und  kehrte  auf  dem  Landsitze  des  Grafen  von  Montlosier  ein.  Am 
2.  Septbr.  befanden  sich  die  Geologen  im  Mont-Dore-Gehirge ,  und  un- 
tersuchten zuerst  die  Phänomene  an  der  yffrande  Cascade".  Der  obere 
Trachyt,  welcher  den  Rand  des  Wasserfalles  ausmacht,  ist  ein  Theil  des 


—     206     — 

weit  erstreckten  Stromes,  welcher  von»  Roc  de  Cuzean  herabzukommen 
scheint.  Das  Gestein  ist  voll  grosser  Feldspath-Krystalle :  sein  unterer 
Theil  zersetzt  sich  und  zerfällt  zu  grauer  Asche;  stellenweise  wurde  die 
lockere  Unterlage  hinweggetiihrt  und  auf  solche  Weise  einige  geräu- 
mige Höhlungen  erzeugt.  Von  der  Aschen-Lage  bis  zum  Grunde  des 
Thaies  hinab  untervscheidet  man  zwei,  durch  vulkanische  Konglomeraten 
von  einander  getrennte  Trachyt-Bänke ,  von  deren  unterer  sich  einige 
Gänge  in  das  Konglomerat  hineinziehen.  Der  Ruc  de  Cuzeau  stellt 
sich  als  eine  mächtige  trachytische  Gangmasse  dar.  Der  Berg-Gipfel 
beherrscht  einen  weit  erstreckten  Circus  ,  der  in  der  Mitte  trachytischer 
Ströme  und  ihrer  Konglomeraten  ausgeweitet  ist  und ,  indem  er  sieb 
später  mehr  zusammenzieht,  das  Dordogne-Thal  bildet.  Deutlich  sieht 
man,  wie  die  vulkanischen  Lagen  gegen  die  Mitte  aufgerichtet  sind, 
konvergirend  nach  dem  Pic  de  Saucy  hin.  —  Exkursionen  nach  dem 
Valon  de  la  Cour,  nach  der  Gorge  des  Enfers  und  nach  dem  Puy 
de  Mareille,  An  der  Cascade  de  Queureille  erscheint  der  Basalt 
in  Berührung  mit  einem  Bimsstein-artigen  Trass.  Rings  um  den  Ba- 
salt und  an  seinem  oberen  Theil  zeigt  sich  überall  Trachyt ; 
unverkennbar  ist  der  verändernde  Eiufluss,  welchen  der  Basalt  bei  seinem 
Hervortreten  aus  der  Tiefe  auf  den  Trachyt  ausgeübt  hat.  —  Mehrere 
Mitglieder  der  Gesellschaft  gelangten,  ungeachtet  des  Schnee's,  der  so 
ungewöhnlich  früh  gefallen  war,  bis  zum  Gipfel  des  P'ic  de  Saucy, 
dem  Kulminatious-Punkte  des  3Iont-Dore,  1,887  Meter  überdem  Meere.  Die* 
Felsart,  welche  den  Gipfel  zusammensetzt,  ist  ein  grauer  Trachyt  mit 
gelben  Feldspath-Krystallcn.  —  Am  3c  September  besuchte  man  den 
Lac  de  Query,  so  wie  die  Rockes  Tuilliere,  Malviale  und  Sanadoire. 
Das  Wasser,  welches  den  genannten  See  unterhält,  der  am  Fusse  eines 
mächtigen  Phonolith-Berges ,  des  Puy  de  Louere,  liegt ,  stürzt  in  das 
Becken  über  den  Rand  eines  phonolithischen  Stromes.  Die  Rockes  Tui- 
liere  und  Sanadoire  sind  ausgezeichnet  durch  die  Schönheit  ihrer  Säu- 
len-förmigen  Absonderungen.  C.  Prevost  theilte  seine  Ansichten  über 
die  Bildung  der  Phonolithe  mit.  Er  glaubte  zwischen  jenen  Fels- Ge- 
bilden des  Mont-Dore  und  den  Cyclopen-\nse\n,  deren  Gipfel  über  die 
Fluthen  sich  erheben ,  und  die  allem  Vermuthen  nach  mit  dem  Ätna 
zusammenhängen,  wieder  gemeinsame  Beziehungen  zu  erkennen.  Amalzyni, 
so  gewöhnlich  im  Phonolith  der  genannten  Inseln,  findet  sich  auch  in 
einigen  Blasenräumen  und  Höhlungen  der  Säulen  von  la  Tuiliere.  Die 
Felsen  Tuiliere,  Sanadoire  und  Malviate  betrachtet  Pr.  als  trachytische 
Eruptions-Stellen;  die  Gesteine  gelten  ihm  als  gemodelt  nach  der  Form 
der  Schlünde,  in  welchen  sie  aufstiegen,  und  als  erstarrt  innerhalb  der- 
selben j  von  den  Wandungen  der  Schlünde  nimmt  er  an,  dass  sie  zer- 
stückt worden.  Mehrere,  in  der  Nähe  vorhandene,  trachytische  Ströme 
wurden  durch  jene  alten  Eruptions-Stellen  gebildet.  Pr.  sieht  die  Pho- 
nolithe nicht  als  neuere  Felsarten  an,  von  denen  Trachyte  und  Basalte 
emporgehoben  worden,  sondern  glaubt,  dass  die  Basalte  durch  die  Pho- 
nolithe   hindurch  an    den  Tag  stiegen.       Die  Gesteine  von   Tuiliere  und 


—     207     — 

Sanadoiref  welche  das  Thal  einst  geschlossen  zu  haben  scheinen,  lassen 
in  ihrem  Bestände  merkwürdige  Differenzen  erkennen.  Zwischen  beiden 
tritt  Granit  auf,  der  wenige  Spuren  erlittener  Störungen  zeigt.  —  Dis- 
kussion zwischen  Boübeb  und  LECoq  über  die  Erhebungs -Kratere.  B. 
leitet  die  tiefen  Schluchten  der  Monts-Bore  vom  Einwirken  heftiger 
Fluthen  ab.  —  Den  6.  Septbr.  begab  sich  die  Gesellschaft  nach  Issoire. 
Die  Tour  de  Doulade  war  die  einzige  Stelle,  welche,  des  ungünstigen 
Wetters  halber,  besucht  werden  konnte.  In  der  Nähe  des  Allier  über- 
rascht das  steile  Gehänge,  welches  von  Wasser  entblösst  worden.  Rothe 
und  grüne  Thone,  wechselnd  mit  einander,  ruhen  unmittelbar  auf  Granit; 
sie  führen  keine  fossile  Körper  und  werden  den  tertiären  Bildungen  bei- 
gezählt. Ein  Basalt-Gang  hat  alle  die  Lagen  durchsetzt.  An  der  Grenze 
zwischen  ihm  und  dem  Thon  sind  manche  interessante  Erscheinungen 
wahrzunehmen;  so  u.  a.  ein  Faserkalk,  dessen  Dichtheit  und  glasiger 
Bruch  an  Quarz  erinnern.  In  der  Abend-Sitzung  verlas  Peghoüx  den 
Scbluss  seiner  Abhandlung  über  die  Urgebilde  der  Auveryne.  Die 
Gneiss-  und  Glimmerschiefer-Ablagerungen  von  Pontgibaud ,  Menat  und 
jene  zwischen  den  Monts  Bornes  und  der  Limagne  sind  eine  jede  durch 
gewisse  Eigenthümlichkeiten  ausgezeichnet.  Um  Pontgibatid  gewaltige 
Eintreibungen  neuen  Granits ;  bei  Menat  mehrere  granitische  Aus- 
brüche u.  s.  w. 


W.  Hutton :  über  Trapp massen,  die  in  North umberland 
und  Dur  h  am  im  Bcrgkalk  eingeschlossen  erscheinen. 
CTrans.  of  the  Soc,  of  nat.  hist,  of  Northumberl.  11^  1,  IST  und  Bul- 
let.  de  la  Soc.  geoL,  Vol.  V,  p»  254  etc.)  Sedgwjck  betrachtet  jene  Massen 
als  in  den  Kalk  hineingetrieben,  Hutton  nimmt  an,  dass  in  dem  Land- 
striche Ergüsse  von  Lava  Statt  gefunden.  Der  Verf.  schildert  zahlreiche 
Stellen,  wo  die  grosse  plutonische  Masse,  Whiii-Sill  genannt,  zu  Tag 
geht ,  und  zeigt  die  Beziehungen  derselben  zu  den  Lagen  geschichteter 
Gesteine  und  zu  erzführenden  Gängen.  In  der  Nähe  des  Trapps  wird 
der  Kalk  mitunter  mehr  krystallinisch ,  aber  hin  und  wieder  hat  diese 
Änderung  erst  in  gewisser  Weite  vom  Trapp  Statt  gefunden  und  die 
denselben  unmittelbar  begrenzenden  Felsarten  blieben  unverändert. 


P.  Savi:  Geologie  der  Insel  Elba  (Niiov.  Giorn.  de^  Letter  ati. 
Nro  71  und  Bullet,  de  la  Soc.  geol.  V.  321  etc.>  Die  Insel  besteht 
fast  ganz  aus  Macigno,  dem  Apenninen-San^stein  mit  Fukoiden,  der 
auf  kalkigen  Lagen  und  auf  einem  von  dem  Verf.  Verrucano  genannten 
Gebilde  ruht.  Letzteres,  dessen  Schichten  aus  W.  in  0.  streichen,  setzt 
die  ganze  östliche  Küste  von  Capo-di-Pero  bis  zum  Calamita-Bcrge  zu- 
sammen.    Die  Schiefer    zeigen  Übergänge    in   Thonschiefer   und  in  eine 

Jahrgang  1837.  14 


—     20S     — 

Art  von  Giulss.     Auf  ilif.ser  Formation  liegt  an  vielen  Stellen  ein  dich- 
ter rnuohgrauer  Kalk  im  Wechsel  mit  schieferigem  Thon.    Kleinere  Kalk- 
untl  Bitterspalh-Ailcrn  setziMi  darin  auf;    auch  zeigen  sich  hin  und  wie- 
der Umwandlungen  der  Masse  in  kavernösen  oder  körnigen  Kalk,     und 
selbst  in  einen  Cipolin.     Über   dem    eigenthiimlichen  Kalkstein    tritt    der 
sekundäre  SandsfiMO  der  y^/;^«/j«/«/'w  auf  und  wechselt  auch  mit  demselben. 
Tertiäre    Felsarteu    gibt    es    nicht   auf   Elba,    aber   Ailuvionen,    kalkige 
Trümmer-Gesteine  mit  Feldspath-Bruchstücken   und  Tuff-Konglomeraten. 
Letztere ,    obwohl  sie    über    dem  Wasser-Niveau   ihre  Stelle    einnehmen, 
zeigen    sich    durchaus    denen    ähnlich,    welche    noch    heutigen  Tages  an 
der  Küste  von  Toskana  durch  Verkittung  von  Sand  und  den  Bruchstücken 
von    Muscheln    gebildet   werden.       Savi    erklärt    jene   Thatsache     durch 
inkrustirende  Quellen.    —    Die  plutonischen  Gebilde  des  Eilandes  beste- 
hen in  Gängen  und  Stocken  von  Magneteisen  und  Eisenglanz,  in  Nestern 
von  Hornblende  und  Lievrit,    in  Serpentinen,  Ophioliten,    Diallage-  und 
^canitischen    Gesteinen.     Der  Verf.    unterscheidet    drei    Eisenerz-Lager- 
stätten :  mächtige  Gänge  von  Magneteisen,  mitten  zwischen  iieptunischeii 
Folsarten  eingetrieben  ;  kleinere  Eisenglanz-Gänge,  Folgen  von  Sublima- 
tionen ;  Eisenoxyd-Hydrat,  bei  dessen  Bildung  Wasser,  Luft  und  Säuren 
thätig   waren.     Die    ersten    dieser   Lagerstätten    trifft   man   nur   in   dem 
von     ihm     als    Vcrrucano     bezeichneten    Gebilde;       die     berühmten 
Gruben  von   Ri(t  bauen  darauf.  Der  Verruca  no  ist  sehr  verändert,  die 
quarzigen    Schiffer    erscheinen    in    chloritischen    Schiefer    umgewandelt. 
Die  Eintreibung  des  Eisens  war  vom  Emporsteigen    des  Granits  beglei- 
tet, einer  Art  Grünstein  [?] ,  so  wie  der  Serpentin.  Lievrit,  Hornblende, 
eisenreicher  Granat,     Gyps  ,     bunte  Mergel    zeigen  sich  den  Eruptions- 
Erzeugnissen   verbunden  und  müssen,  wenigstens  theilweise,  als  Kontak- 
Produkte    gölten.      Die    Serpentine    und    Euphotide    kommen    mitten    im 
Kalk-  oder  im  Apenninen-  Sandstein-Gebiete  vor.     Durch  sie  wurde  der 
Raum  erfüllt,     welcher  die  Sandstein-Höhen  von  den  aus  Kalk  und  aus 
Verrucano   bestehenden  Bergen    von   Riese    trennt.      Granite   erscheinen 
sehr   häufig  auf  Elba    und    führen   die    manchfaltigsten  Mineralien.     Sie 
treten  in  Gängen  im  Sekundär-Gebiete  auf;  durch  sie  soll  der   Verru- 
cano  in  Gneiss    umgewandelt    worden    seyn.     Am  Vorgebirge  Calitmita 
durchsetzt  der  Granit  den    VerrucauOf  dringt  in  den  Kalk  vor,  der  (an- 
geblich) in  Dolomit  umgewandelt  wird  u.  s.  w. 


Grosse  Malachit-Masse.  Das  grösste  Stück  Malachit,  wel- 
ches man  bisher  kannte,  war  ein  30  Zentner  schwerer  Block  aus  den 
WfrchoturiscUen  Bergweiken  in  Sibevien ,  seit  Jahren  schon  im  Berg- 
Institut  zu  St.  Petersburg  befindlich.  In  diesem  Jahre  aber  hat  man  in 
einer  der  DEivuDOFF'schen  Kupfergruben  bei  Niscime  Taifilks  am  Ural  ein 
\l\'  langes,  8'  breites  und  sV  hohes  Stück  Malachit  gefunden.  Sein 
Gewicht    ist    auf  500    bis  600  Zentner    zu,  schätzen.      Bisher    war    man 


—     209     — 

beschäftigt,  dieses  Stück,  das  in  einer  Teufe  von  252'  angeffthren 
wurde,  zu  entblössen,  nun  will  man  einen  besondern  Schacht  abteufen, 
um  es  in  seiner  glänzen  Grosse  an  das  Tageslicht  fördern  zu  können. 
Die  Masse  ist  derb,  von  der  schönsten  smaragdg:rünen  Farbe  und  zum 
Bearbeiten  sehr  geeignet.  Vielleicht  findet  man  sie  nach  der  j^usförde- 
rung  zu  einem  grossen  Kunstwerke  der  Skulptur  geeignet.  (Zeitungs- 
Nachricht.) 


HisiNGER  hat  eine  geogiiost Ische  Karte  von  Sclnveden  heraus- 
gegeben ,  von  der  Südspitze  des  Reiches  bis  zu  den  nördlichen  Theilen 
der  Gouvernements  Gcfleborg  und  Falun. 


Artesischer  Brunnen  in  Granit.     Zu  Aoeräeen  in  Schottlavd 
wurde  in  jüngster  Zeit,    180  Engl.  Fuss  unter  Tag,   Wasser  in  Granit 
erbohrt,    140'  unter  der  obern  Grenze  des  Gesteins.    Es  war  sehr  rein 
hatte  eine  Temperatur  von  55**  F. ,    floss  reichlich,   und  stieg  6  F.  über 
den  Boden. 


R.  J.  Graves  :  Granit-  Gänge  im  Glimmerschiefer  der 
Grafschaft  WicJilow  aufsetzend.  C'^ourn.  of  ihe  geol.  Soc.  of 
Dublin.  Jj'  //,  09  etc.)  Unter  allen  die  Entstehungsweise  des  Gra- 
nits bctreßenden  Beobachtungen  sind  keine  wichtiger  ,  als  jene, 
durch  welche  das  Vorhandonsoyn  granitischer  Gänge  und  Adern  im  an- 
dern sogenannten  „gcschicl»teten  Urgebirge"  dargelhan  worden.  Der 
Verf.  erinnert  namentlich  an  Maccüllochs  Beschreibungen  der  so  merk- 
würdigen Granit-Gänge-  im  Gneiss  und  Hornblendeschiefcr  bei  Cape 
Wralh  in  Schottland,  an  die  Granit-Gange,  welche  bei  Glentilt  im  ge- 
schichteten Kalkstein  eindringen  u.  s.  w.  Bis  jetzt  scheint  man  im 
Glimmerschiefer  Eiußands  und  Schottlands  noch  keine  Granit-Gänge 
wahrgenommen  zuhaben;  \n  Amerika  aber  dürfte  diess  nach  Hitchcocks 
Angabc  der  Fall  seyn.  Bei  Wicldow  fand  Graves  die  Küste  aus  augen- 
fälliggeschichteten, aber  sehr  zerstörten  und  gewundenen  Glimmerschiefern 
zusammengesetzt.  Das  schroffe  Gehänge  lässt  zahlreiche  Höhlen  wahi- 
iiehmen,  die  theils  Folge  Statt  gehabter  lange  dauernder  Auswaschungen 
sind,  theils  aber  und  hauptsächlich  durch  Störungen  und  Eniporhehungen 
gebildet  wurden.  Die  grosse,  von  so  vielen  Fremden  besuchte  Grotte 
unterhalb  des  Leucht-Thurmes  auf  der  Höhe  von  Wicklow  entstand  ohne 
Zweifel  aut  die  zuletzt  erwähnte  Art.  Von  der  Küste  in  eini'»^er  Ent- 
fernung südwärts  erhebt  sich  ein  anderes  Hochland,  Carrigivhee  ge- 
nannt, und  noch  etwas  weiter  in  der  nämlichen  Richtung  tritt  ein  unter 
dem  Namen  Long  Rock  bekanntes  Felsen-Riff  hervor.  Der  vom  Verf. 
beschriebene  Granit-Gang    bildet    zum    grössten  Theil    den   Boden    einer 

14* 


—     210     — 

Schlucht,  die  sich  von  Long  Bock  herabzieht.  Der  Granit  ist  sehr  klein- 
körnig, arm  an  Glimmer  und  weiss  von  Farbe,  Im  Boden  der  Schlucht 
misst  der  Granit-Gang  ungefähr  15  F.  Breite,  und  Jässt  sich  etwa  30  bis 
40  F.  weit  in  der  Länge  vcrfolgeuj  sodann  verschwindet  derselbe  unter 
dem  Meere.  An  beiden  Seiten  berührt  der  Granit-Gang  den  Glimmer- 
schiefer unmittelbar ;  an  einer  Stelle  ruhen  die  Glimmerschiefer-Lagen 
boö^ewförmig  auf  einem  gewaltigen  granitischen  Pfeiler.  Li  einiger  Ent- 
fernung von  der  Küste  erhebt  sich  die  granitische  Gangmasse  wieder 
und  bildet  einen  steilen  Abhang.  Meist  erscheinen  die  Beriihrungs-Flä- 
chen  zwischen  Granit  und  Glimmerschiefer  eben,  stellenweise  aber  grei- 
fen auch  beide  Gesteine  in  einander  ein,  und  nicht  selten  sieht  man 
Glimmerschiefer-Bruchstücke  vom  Granit  umschlossen.  Nahe  am  Granit 
zeigt  sich  der  Glimmerschiefer  im  Allgemeinen  reicher  an  Quarz  und  an 
Andalusit* 


P.  Merian  :  Zusammenstellung  aller  bekannten  Höhen- 
Messungen  im  Kanton  Basel  und  in  den  zunächst  gelege- 
nen Gegenden.  (Bericht  über  d.  Verhandl.  d.  naturf.  Gescllsch.  in 
Basel.  I,  49.)  Dieses  Verzeichniss  umfasst  die  Höhenbestimmungeu  von 
113  Punkten  im  Kanton,  und  von  44  Punkten  in  den  angrenzenden  Ge- 
genden. Die  meisten  Bestimmungen  beruhen  auf  Barometer-Beobachtun- 
gen. Für  manche  Punkte  liegen  Angaben  mehrerer  Beobachter  vor. 
Nur  ein  kleiner  Theil  der  im  Verzeichniss  enthaltenen  Messungen  war 
bis  jetzt  zur  öffentlichen  Kenntniss  gekommen.  Die  Angaben  sind  in 
Pariser  Vvxs&Gn  über  den)  Nullpunkte  des  Rheininessers  an  der  Brücke  zu 
Basel  ausgedrückt,  welcher  selbst  nur  sehr  wenig  (0',8)  unter  dem,  im 
Monat  Februar  1830  beobachteten,  niedrigsten  Stande  des  Rheinspiegels 
liegt.  Der  niedrigste  Punkt  de.1  Verzeichnisses ,  nämlich  die  grösste 
Pvheintiefe  innerhalb  der  Stadt  Basel ,  unter  der  PfaH ,  liegt  17  Fuss 
unter  dem  Nullpunkte.  Die  bedeutendsten  Höhen  sind  das  Hörn  bei 
Ifenthal:  2972',  und  der  Passwang  :  2961'.  Die  bis  jetzt  bekannt  ge- 
wordenen ,  zuverlässigsten  Angaben  der  Höhe  des  Nullpunktes  des 
Rheinmessers  über  dem  Meere  sind : 

Vom  Verfasser  (Beitr.  z.  Geognosie  1821)  .         .         .         766'. 

Von  Obrist-Lieutenant  Buchwalder  (Karte  des  Bisthums  ßrtS^O  777'. 

Von  Hauptmann  Michaelis  (Hertha  1827)  .         .         .         752'. 

Von  Hoff.  HoRNER  {Atti  di  Lugano  1833)  .         .         .         762'. 


Gregory,  Walker  und  Connell  :  Analysen  der  Coprolithen, 
der  Exkremente  verschiedener  antediluvianischcn  Raubthiere,  wie  solche 
in  Höhhtt  u.  s.  w.  mit  fossilen  Knochen  getroffen  werden.  (Ed,  neiv  pliil. 
Jouriu  XVIII,  i6'4,  191.) 


—     211 


und 

Organische  Materien  mit 

Walker 

Sclnvcfcleisen  und  etwas 

Kieselerde 

4,134 

Kohlensaure  Kalkerde 

61,000 

„          Talkerde 

13,568 

Eisenoxyd    mit  etwas 

Thonerde 

6,400 

Phosphorsaurcr  Kalk 

9,576 

Fiussspath  u.  Mangan- 

oxyd 

Spur 

Wasser  und  Verlust     . 

5,332 

Kieselerde 

, 

Von  Itourdiehoute 
Gregory  Cosnctl 


3,95 
10,78 


8,508 


0,34 


Ans  h'ifesfiire. 

Grcgpky  und 

Walker 


3,380 
24,255 

2,888 


65,596 


Spur 
3,328 


J.  B.  GiBSON :  geolog^ischc  Verhältnisse  der  Sce'n  und 
des  Thaies  vom  Mississippi.  (Silliman  Journ.  XXIX,  20L  etc.) 
In  Pennsylvanien  trifft  man  die  Gesteine  in  derselben  Folge,  wie  in 
Europa :  Granit,  Gnciss,  Glimmerschiefer,  Thonschicfcr,  Grauwacke, 
alte  rothe  Sandsteine,  Übergangskalk  und  Alpenkalk  [?] ,  so  wie  die 
grosse  Steinkohlen-Formation  ,  welche  sich  aus  N.O.  nach  S.W.  erstreckt. 
Zwei  neuere  Gebilde  kommen  im  nordwestlichen  Thcil  von  New-York, 
in  Ohio  und  noch  weiter  gegen  W.  vor.  Das  eine  dieser  Gebilde  ist 
bunter  Sandstein  ;  ihn  begleiten  Dolomit,  Gyps  und  Steinsalz,  über  dem 
bunten  Sandstein  liegt,  in  grosser  Verbreitung ,  die  Kalk-Formation, 
welche  den  Niagava'Pä.W  bildet.  Sie  erhebt  sich  220  F«  über  den  Sand- 
stein. Der  Kalkstein  ist  thonig  und  steht  dem  Lias  am  nächsten. 
Saurier-Reste  hat  man  bis  jetzt  nicht  darin  gefunden.  Er  wechselt  mit 
einem  sehr  bituminösen  Schiefer.  Dortländische  Geologen  sind  der  Mei- 
nung, der  JSiagara-^AW  habe  sich  einst  bei  Queenstown  befunden,  aber 
allmählich  das  Gestein  ausgenagt  und  nähere  sich  mehr  und  mehr  dem 
See,  dessen  Abzug  der  IS'iayara-SUom  bildet.  Während  der  letzten 
50  Jahren  wurde  er  genauer  beobaclitet,  und  so  wollte  man  die  Zeit  be- 
rechnen, wo  der  ganze  Kalkdamm  durchfressen  seyn  und  ein  plötzlicher 
Durchbrach  der  gewaltigen  AVassermasse  des  See's  Statt  haben  würde. 
Andere  Naturforscher  glauben  dagegen  ,  die  Aushöhlung  der  tiefen 
Schlucht,  in  welche  der  Niaf/ara  sich  stürzt,  und  in  der  er  weiter 
strömt,  sey  einer  mächtigen  Wasserlluth  zuzuschreiben,  deren  Spuren 
und  Piichtung  man  noch  an  grossen  Syenit- Blöcken  und  Rollstücken 
nachweisen  könne.  Allerdings  zerstäubt  das  Wasser  beim  Fallen  in 
Tröpfchen  von  höchster  Kleinheit,  Tröp/chen  ,  deren  unmittelbare  Ein- 
wirkung kaum  merkbar  seyn  dürfte,  unter  dem  Kalk  liegt  indessen 
Schiefer,  der  nach  und  nach  rissig  und  endlich  weggefühit  wird.  Nun 
stürzt  der  Kalk,  welcher  dem  Wasserfalle  weit  längern  Widerstand  ge- 
leistet haben  würde,  nach.    Da  die  Schichten  ohne  Ausnahme  wagerecht 


—     212     — 

und  ungefähr  gleich  mächtig  sind,  so  ist  zu  vermuthen,  dass  diese  Er- 
seheinnng  sich  stets  wiederhole  und  der  Fall  endlich  den  See  erreichen 
müsse.  Allein  die  grössere  oder  geringere  Geschwindigkeit,  womit  das 
Aushöhlen  vorschrcitet  ^  ist  von  so  manchfaltigen  zufälligen  Umständen 
abhängig,  dass  auch  jede  annähernde  Berechnung  unmöglich  bleibt.  — 
Was  die  Beschaffenheit  und  Richtung  der  gewaltigen  Strömung  betrifft, 
welche  die  lange  Reihe  von  Seen,  die  vom  Macke n%ie-Flusse  bis  zur 
nördlichen  Grenze  \on  Pennsi/limnieH  reicht,  ausgewaschen  haben  dürfte, 
so  glaubt  der  Verf.  solche  den  Wassern  heutiger  Zeit  nicht  zuschreiben 
zu  dürfen.  Die  vielen  Granit-Geschiebe  und  Blöcke  vulkanischer  Ge- 
steine, welche  auf  dem  Ungeheuern  Striche  überall  vorkommen,  scheinen 
darauf  hinzudeuten,  dass  die  Wasser-Menge,  durch  welche  die  Thäler 
entblösst  und  sämmtliche  tiefe»  Becken  ausgehöhlt  wurden,  vom  südlichen 
Ozean  ausgegangen  scy  und  theils  in  den  Mexikanischen  Meeresbusen, 
theils  in  die  St.  Lorenzu''s-Bütht  sich  ergossen  habe.  Zu  beiden  Seiten 
des  Ohio  und  Mississippi  bis  Natchez  im  Süden,  ist  der  Boden  mit  den 
Trümmern  weggeschwemmter  Formationen  überdeckt. 


P.  W.  Forcuhammer:  der  Kopaische  See  und  seine  unter» 
irdischen  Abzugs-Kanäle.  (Poggend.  Ann. XXXVIII, 241  ff.)  Böotien 
zerfällt  in  zwei  wesentlich  von  einander  verschiedene  Theile,  deren  einen 
man,  nach  einem  See  in  seiner  Mitte,  das  Kopaische,  den  andern,  nach 
einem  ihn  durchziehenden  niedern  Bergrücken,  das  Teitmessische  Döotien 
nennen  kann.  Das  Kopaisvhe  Böotien  ist  ein  tiefer  Gebirgs-Kessel.  £s 
würde  bei  gänzlichem  Mangel  eines  offenen  Abflusses  für  seine  Gewäs- 
ser gleichwohl  durch  eine  grössere  Zahl  seiner  unterirdischen  Abzugs- 
Kanälc  viel  leichter  als  die  Thäler  von  Stymphalos  und  von  Pheneos  der 
Gefahr,  zum  Landsee  zu  werden,  entgehen ,  wenn  nicht  fast  alle  Ge* 
Wässer  aus  Doris  und  Phokis  durch  eine  kleine  Öffnung  zwischen  den 
Abhängen  des  Helikon  und  dem  Akontion  mittelst  des  Kephissos  ihren 
Abfiuss  in  die  Kopaische  Ebene  fänden.  In  dem  sehr  schmalen 
Tliale  ist  der  Kephissos  gezwungen ,  sich  dorn  Akontion  nahe  anzu- 
schliessen;  unfern  Toplia  theilt  er  sich  in  mehrere  Arme,  um  die  Ein- 
gänge der  unterirdischen  Abzugs- Kanäle  am  östlichen  Ende  des  See's 
zu  erreichen.  Wären  diese  Kanäle  überall  weit  genug,  um  stets  den 
ganzen  Zufluss  des  Kephissos  abzuleiten ,  so  würde  die  Ebene  sich  zu 
keiner  Zeit  in  einen  See  verwandeln.  Und  auch  bei  der  jetzigen  Hem- 
mung des  Abflusses  würde  der  See  doch  nicht  jährlich  die  grosse  Aus- 
dehnung gegen  S.W.  erreichen ,  gesellten  sich  nicht  zum  Kephissos  die 
vielen  kleinen  Bäche  des  Wasser-reichen  Leibethrios  und  der  benachbar- 
ten  Hügel.  Gleichwohl  ist  die  sogenannte  Kopais  keineswegs  immer 
ein  See.  Sie  gewinnt  vielmehr  alljährlich,  obgleich  nur  auf  einige 
Monate  den  Charakter  einer  Ebene,  mit  Ausnahme  eines  sehr  kleinen 
Bassins  um  die  cyklopisch  befestigte  Insel  bei  Topolia.    Mit  dem  ersten 


—     213      - 

Herbstregen  beg;innt  das  Steij^cn  der  Wasser  und  nimmt,  bpsoiulois  lun 
die  Zeit  der  Winter-Sonnenwende  reissend  zu,  indem  nicht  nur  Pvej^fn- 
güsse  die  Flüsse  unmittelbar  füllen,  sondern  auch  die  Sonne,  hier  im 
Januar  so  warm,  als  bei  uns  im  März,  eine  Menge  Schnee  der  Gebirge 
in  Wasser  verwandelt,  so  dass  z.  B.  1834  in  der  Mitte  Mai\s  das  Sin- 
ken der  Überschwemmung  noch  nicht  begonnen  hatte,  obgleich  seit  f«.st 
li  Monaten  kein  Tropfen  Regen  gefallen  war.  Bei  der  grossen  Fläche 
des  See's  ist  allerdings  die  Abnahme  der  Gewässer  vermittelst  der  Ver- 
dunstung durch  die  Luft,  so  wie  durch  deren  Findringen  in  die  Erde 
bedeutend.  Die  beträchtlichste  und  eigenthümlichste  Weise  der  Ab- 
nahme der  Wasser  aber  besteht  in  Abfluss  durch  die  natürlichen  un- 
terirdischen Abzug-Kanäle,  deren  Eingänge  Kataholhra  genannt 
werden,  wiewohl  der  Name  häufig  auf  (\Qn  Kanal  selbst  und.  aus  IMiss- 
verständniss,  auch  auf  die  veitikalen  Schächte  künstliclicr  Kanäle  ausge- 
dehnt wird.  (Der  Verf.  bezeichnet  nur  die  Eingänge  der  natürlichen 
Abzug-Kanäle  mit  dem  Ausdrucke  Katahothra  und  nennt  die  Ausg.inge 
Kephalaria,  die  unterirdischen  Kanäle  selbst  aber  Gänge.)  ITicKatn- 
hothra  haben  überall  dieselbe  Form.  Sie  linden  sich  da,  wo  das  Ufer 
am  höchsten  und  am  meisten  felsig  ist.  Sie  sind  sichtbar  von  der  Na- 
tiir  gebildet,  so  regelmässig  auch  oft  der  Einschnitt  in  das  Fels-Ende 
erscheint.  Die  Entstehung  der  Gänge  und  ihrer  Katabuthra  erklärt 
sich  80  am  einfachsten:  wie  die  Kruste  einer  kochenden  Masse  erhob 
sich  das  Kalk-Gebirge  und  wurde  dadurch  im  Innern  hoiil.  Während 
sich  die  Kruste  abkühlte,  suchten  die  Dämpfe  im  Innern  einen  Ausweg, 
den  sie  am  leichtesten  da  fanden,  wo  sich  die  gehobene  zähe  Masse 
von  der  fest  gebliebenen  Begrenzung  loszureissen  strebte  ,  und  wo  sie 
zugleich  am  ersten  in  einen  spröden  Zustand  überging.  So  geschah  es, 
dass  gerade  am  Ende  der  Gebirgs-Rücken  Stücke  abgerissen  wurden, 
und  dass,  statt  der  allinäliclien  Abdachung,  eine  gerade  Felswand  mit 
einer  Höhlen-Öffnung  sich  darstellt.  Dass  nun  häufig  an  den  Seiten 
dieser  Felswand  das  Gebirgs-Ende  ganz  auslauft,  hat  ohne  Zweifel  dar- 
in seinen  Grund,  dass  die  andrängenden  Dämpfe  auf  diese  niciit  unmit- 
telbar wirken  konnten ,  und  es  von  der  Gewalt  der  Bewegung  und  der 
Beschaffenheit  des  Steines  abhing,  ob  das  ganze  Ende  des  Bergrückens, 
oder  nur  das  Stück,  welches  die  Hölilung  schloss,  abgerissen  wurde*). 
Die  Katabothra  befinden  sich  am  östlichen  Ende  des  See's.  Wir  müs- 
sen deren  genauere  Schilderung  übergehen,  und  bemerken  aus  dem  Re- 
sultate der  Untersuchung  noch  Folgendes.  Die  Kopnische  Ebene  wird 
alljährlich  zu  See,  ist  aber  nicht  permanent  ein  See.  Es  fragt  sich 
also,  wenn  von  Wieder-Gewinnung  der  See-Ebene  zum  Ackerbau  die 
Rede  ist,  nicht,  wie  man  den  See  ein  für  alle  Mal  ableite,  sondern  wie 
man  die  Ableitung  beschleunige,  so  dass  der  See  niclit,  wie  jetzt,  erst 
im  Herbst,  sondern  im  Frühling  zur  trockenen  Ebene  werde.    Die  Kcphalar'ui 


•)   Das«   übrigen«   die  Kunst   nachgeholfen   hat,      sieht    man    deutlich    an   den    neben 
den  Katabol/tra  liegenden  abgeiiauencu  Gcstcin-Stütkthen. 


—     214     — 

leiten  nach  Innen  aber  so  viel  Wasser  aus  dem  See  ab  ,  als  sie  jemals 
abzuleiten  im  Stande  gewesen  sind.  Es  ßndct  also  durchaus  keine  Ver- 
stopfung der  natürlichen  unterirdischen  Kanüle  Statt.  Der  einzige  Grund 
eines  geringeren  Abflusses  ,  oder  gänzlichen  Aufhörens  des  Abfllessens 
durch  die  Kephalaria  ist  das  Sinken  des  See^s  unter  die  Schwelle  des 
Katahothrons,  also  der  Mangel  an  Zufluss.  Das  nächste  Mittel  zur  Be- 
schleunigung des  Abflusses  des  See's  ist  die  Erweiterung  der  Kepha- 
laria, Ein  anderes  haben  die  Hellenen  des  höchsten  Alterthums  ange- 
wendet, indem  sie  das  Verhältniss  der Katabothra,  der  Gänge  und  der 
Kephalaria  nicht  beachteten  :  sie  haben  zwei  Stellen  durch  das  Fels- 
Gebirge  gehauen. 


Unter  Lava  begrabene  Stadt.  Öffentlichen  Blättern  zufolge 
entdeckte  im  September  1836  ein  Hirt,  der  verlorne  Schafe  suchte, 
fünf  Stunden  von  Jalapa,  eine  alte,  scheinbar  nicht  unbedeutende  Stadt, 
die  durch  Lava  verschüttet  worden.  Auf  dem  grössten  Gebäude  dieser 
uralten  Stadt  steht  ein  Baum.  Leichen  will  man  in  sitzender  Stellung 
gefunden  haben.  Die  Geschichte  weiss  nichts  von  einem  Orte  auf  jeuer 
Stelle.  Der  Kommandant  von  Feracruz  begab  sich  hin ,  um  die  Aus- 
grabung zu  leiten. 


Artesischer  Brunnen  von  u  ngemein  grosser  Ergiebig- 
keit. Zu  Congesur-le-Cher,  im  Dept.  tTJndre  et  Loire  ^  wurde  ein 
Artesischer  Brunnen  gebohrt,  welcher: 

bei  210'  Tiefe  in  Kreide  .        .        600   j        LJtres 

„    374'      „   /    „Grünsandstein    j        1000    ( v^a^^lr  in  der 

»    ^'^'     "   ^        •      .•        •        I        2^««   (Minute  gab, 
und  bei  noch  tieferem  Bohren  4050    / 

folglich  einen  wahren  Strom  liefert.     (Zeitungs-Nachricht.) 


J.  M'adam :  Geologie  der  Gegend  von  Fannet  in  der 
Grafschaft  Donegal.  CJourn.  of  the  geol.  Soc.  of  Dublin.  T^ 
i2S  etc.J  *)•  Die  erwähnte  Grafschaft  liegt  aiVi  nordwestlichen  Ende 
von  Ireland,  ihre  Küsten  sind  allen  Stürmen  des  Atlantischen  Oceans 
ausgesetzt,  daher  die  vielen  Buchten  und  Einschnitte,  die  zahlreichen 
Sandbänke,  die  Ablagerungen  von  Gruss  u.  s.  w.  Inseln  und  Halbin- 
seln finden  sich  manche  längs  der  Küste.  Für  geologische  Untersu- 
chungen sind  solche  Verhältnisse  besonders  günstig;     an  nicht  wenigen 


■'■)  Durch  briefh'che  Mittheilung  wissen  wir,  dass  der  Verf.  das,  von  ihm  mit  dem 
Namen  Eurit  bezeichnete  Gestein  als  eine  Abänderung  der  von  Mac  CuLtocK 
unter  der  allgemeinen  Benennung  ^  Quart  rock"  beschriebenen  Felsart  zu  be- 
trachten geneigt  ist.  D.  R. 


—     215     — 

stellen  finden  sich  die  Ausgehenden  der  Schichten  entblösst;  vom 
verschiedenartigen  Einwirken  der  Wasser  auf  Mineral-Massen  trifft  man 
häufige  Beweise;  an  den  kleinen  FIuss-Mündungen  sieht  man  unbe- 
trächtliche Deltas  und  andere  Ablagerungen  von  Alluvial -Material.  In 
den  verschiedenartigsten  Niveaus  sind  Seen  vorhanden ;  einige  liegen  in 
geringer  Weite  vom  Meere,  andere  auf  den  Gipfeln  der  Berge.  Die 
ganze  Gegend  ist  gebirgig,  und  die  einzelnen  Höhen  lassen  in  ihren 
verschiedenen  Verhältnissen  die  grösste  Manchfaltigkeit  wahrnehmen. 
Was  die  geognostische  Beschaflfenheit  betriÖft ,  so  zeigen  sich  im  N.W. 
von  Dublin  weit  verbreitete  sekundäre  Kalksteine  ;  hierauf  folgt  Grau- 
wacke.  Im  nördlichen  Tlieil  der  Grafschaft  Tyrone  herrscht  primitiver 
Kalkstein ,  welcher  in  der  Gegend  von  Raphoc  vorzüglich  schön  aufge- 
schlossen ist.  Das  Gestein  kommt  mit  Glimmerschiefer  vor  [der  Verf. 
spricht  von  gegenseitigen  Übergängen  beider  Felsarten].  Glimmerschiefer 
tritt  ferner  sehr  verbreitet  auf  in  Letterkenny  und  zieht  sich  bis 
Rathmelton»  Von  besonderem  Interesse  ist  Mulroy  Longh  an  der  Nord- 
küste von  Donegal.  Einem  Flusse  gleich  hat  dieser  See  einen  sehr 
schmalen  Anfang  und  erweitert  sich  allmählich.  Er  bildet  zahlreiche 
Buchten.  Mit  Mulroy  Longh  hat  Lough  Swilly  eine  parallele  Erstreckung ; 
das  Zwischenland  bildet  eine  Art  Halbinsel.  Von  Rathmelton  aus  be- 
tritt man  ein  gebirgiges  Land,  in  welchem  Glimmerschiefer  herrscht, 
dessen  Lagen  die  vielartigsten  Erscheinungen  zeigen.  In  mehreren 
Theilen  der  Halbinsel  Fannet  erscheinen  Streifen  primitiven  Kalksteins. 
Ausser  den  erwähnten  [sogenannten]  Urgebilden  finden  sich  noch  manche 
andere  Formationen.  Überlagerungen  von  Trapp  sind  sehr  häufig;  sie 
nehmen,  vielleicht  den  Syenit  abgerechnet,  ihre  Stelle  auf  den  verschie- 
densten Gesteinen  ein.  Man  trifft  sie  in  jedem  Niveau  von  den  Ebenen 
bis  zum  Gipfel  der  höchsten  Berge.  Sie  steigen  theils  in  Kegeln  empor, 
theils  bilden  dieselben  langgezogene  Rücken.  Trapp  (Grünstein)  findet  sich 
u.  a.  auf  dem  Gipfel  des  Murrin,  eines  der  erhabensten  Punkte  des 
Landstrichs.  Hin  und  wieder  erlangt  die  Masse  ein  Schichten-ähnliches 
Aussehen.  Stellenweise  bildet  eine  Felsart  auch  Gänge,  so  namentlich 
an  Watching  Point  im  östlichen  Theile  der  Halbinsel  Fannet.  Strom- 
ähnliche  Erscheinungen  von  Grünstein  sind  nicht  ungewöhnlich;  man 
sieht  sie  u.  a.  nordwärts  von  Crooghan.  Grunstein-Massen  zeigen  sich, 
die  verschiedensten  Felsarten  überlagernd,  so  z.  B.  den  Kalkstein  bei 
Kindrum.  In  der  nämlichen  Gegend,  an  einer  andern  Stelle,  bilden  jene 
Grünsteine  auf  primitiver  Formation  ruhend  das  Kap  Cashel.  Im  W. 
des  Berges  liegen  dieselben  auf  Thonschiefer,  und  an  der  westlichen 
Seite  der  Halbinsel  erscheinen  sie  auf  Glimmerschiefer  gelagert.  Viele 
der  Grünstein-Ausläufer  (outliers)  haben  ganz  das  Ansehen  der  Theile 
von  Strömen ,  so  u.  a.  im  Westen  des  Ca5Äe?-Berges,  wo  eine  solche 
Strom-ähnliche  Masse  auf  beträchtliche  Länge  verfolgt  werden  kann. 
Oft  wird  der  Grünstein  durch  eingeschlossene  Feldspath-Krystalle  Por- 
phyrartig. In  andern  Fällen  wird  sein  Gefüge  dicht ,  selten  faserig, 
gleich  Hornblende-Gestein.     Endlich    haben  Übergänge   ins   Schieferige 


-:     216     — 

Statt.  Säulenaitige  Absonderungen  sind  nirgends  wahrzunehmen.  — 
Zu  den  sogenannten  primitiven  Massen  rechnet  der  Verf.  u.  a.  dcu 
£urlt ;  der  Teig  ist  Feldstein  ,  zu  den  Einschlüssen  gehören  besonders 
Quarz  und  Glimmer.  Die  Felsart  zeigt  manchfaltige  Verschiedenheiten 
und  wird  von  zahlreichen  Quarz-Gängen  und  Adern  durchsetzt.  Hin 
und  wieder  scheint  der  £urit  in  Gneiss,  auch  in  Glimmerschiefer  über- 
zugehen. £r  senkt  sich  in  südöstlicher  Richtung,  wie  diess  namentlich 
am  Dter  des  Longh  SwUlp  beobachtet  werden  kann,  woselbst  prachtvolle 
Gangmassen  in  den  See  hineinsetzen.  Ihre  Oberfläche  zeigt  auffallende 
Glätte,  als  wäre  dieselbe  mit  Meissein  bearbeitet.  An  einer  Steile 
des  See-Ufers  sieht  man  einen  Mauer-ähnlichen  senkrechten  Absturz  von 
275  F.  Höhe,  und  auf  dem  erhabensten  Punkte  liegen  einige  Grünstein- 
Partien.  Die  Eurit-Formation  schliesst  Lagen  von  primitivem  Kalk- 
stein und  von  Thonschiefer  ein.  Der  Kalkstein  führt  Glimmer  und  er- 
langt mitunter  ein  schieferiges  Gefüge.  Bei  Rossgall  liegt  Grünstein 
über  dem  Kalk,  und  bei  ümricam  treten  Kalk,  Grünstein  und  Eurit 
unter  einander  auf.  —  Die  Syenit-Formation  erstreckt  sich  von  Doagh 
Mure  westwärts  bis  zum  Leuchtthurni  im  Osten. 


W.  W.  Baddeley:  Über  Bewegung  von  Blöcken  in  gros- 
sen M  e  e  r  e  s  t  i  e  f  c  n.  (Silliman.  Araeric.  Journ. ;  XXVIIf,  111  etc.) 
Theoretische  Ansichten  und  Muthmassungen,  welche  zu  keinem  Resultate 
führen. 


Derselbe:  Entdeckung  von  Gold  im  Lower  Canada.  (Ibid.; 
112).  Die  Verhältnisse  des  Vorkommens  scheinen  die  nämlichen,  wie  in 
andern  Gegenden  von  Amerika  und  wie  in  Russland. 


Bertrand  -  Geslin  :  geologische  Mittheilungeu  über 
Tyrol.  CBuUet  de  la  Soc.  geoL  de  France.  T.  VI,  p,  8.J  Im  vul- 
kanischen Tuff,  welcher  den  Melaphyr  am  rechten  Ufer  des  Giessbaches 
vom  Cipit  begleitet,  auf  den  Weideplätzen  der  Seisser  Alpe  fand  der 
Verf.  mehrere  fossile  Muscheln  :  Cerithium,  Ostrea,  Area,  eine  grosse 
Venus.  —  Da  die  Tuffe  und  der  Melaphyr  sich  in  der  Höhe  am  Frotn^ 
bachey  wo  man  in  die  Seisser  Alpe  eintritt,  eine  an  schönen  Mineralien 
reiche  Lagerstätte  enthalten  und  die  grösste  Ähnlichkeit  mit  den  vulka- 
nischen Gesteinen  vom  Montecchio-Maggiore  im  Vicent'mischcn  haben  ; 
so  glaubt  B.  G. ,  dass  die  grösste  Analogie  zwischen  beiden  entfernten 
Örtlichkeiten  besteht;  die  Melaphyre  r^/ro^«  wären  folglich  auch  während 
der  Tertiär-Epoche  an  den  Tag  getreten.  Nirgends  wollte  es  dem  Verf. 
gelingen ,  den  wahren  Dolomit  im  Kontakt  mit  Melaphyr  zu  sehen ;  er 
sah   ihn    im    Gegentbeil   auf   dichtem    blauem,      mit   thouigen    Mergein 


—     217     — 

wechselndem  Kalkstein  ruhen.  Ungeheure  Massen  dichten,  blauen  nnd 
l>;raucn  Kalkes  finden  sich  eingeschlossen  in  Melaphyr-Konglonierat.  Die 
Lagen  des  Melaphyrs  haben  in  Tyrol ,  was  ihre  Stellung  betrifft ,  zum 
Tuff  ungefähr  das  nämliche  Verhältuiss,  wie  die  Trachyt-Lagen  im 
Cantal,  Die  Tuffe  herrschen  vor.  An  die  Umwandlung  dichter  Kalk- 
steine durch  den  Melaphyr  ist  B.  G.  nicht  geneigt  zu  glauben.  Seiner 
Ansicht  nach  stand  dem  Kalk  sein  Talkerde-Gehalt  schon  bei  der  Abla- 
gerung zu,  und  er  erlangte  nur  sein  krystallinisches  Gefüge  in  Folge 
von  Phänümenen,  welche  das  Emporsteigen  des  Melaphyrs  begleiteten.  Vom 
Jamella-Berge  aus,  der  von  Tuff  und  Melaphyr  gebildet  wird,  kann  man 
die  Ausdehnung  des  Melaphyr-Gebietes  übersehen  ;  es  ist  gleichsam  nur 
ein  Punkt,  umgeben  von  einem  unermesslichen  Gürtel  dolomitischer 
Kämme  und  gewaltiger  Massen.  Es  zeigt  sich  hier  ein  weiter  Erhebungs- 
Krater,  dessen  Mitte  der  Melaphyr  einnimmt.  Die  Verbindung  der  rothen 
und  grauen  Granite  vom  Monte  Miitato  bei  Preda%%o  mit  den  grünen 
und  blauen  Eurit-Gesteinen  ist  augenfällig.  Der  rothe  Granit  oder 
Syenit  dringt  mit  zahlreichen  Gangen  in  den  Eurit-Porphyr  ein  und 
dürfte  folglich  sehr  neuen  Ursprungs  seyn.  Das  Anthophyllit-Gcstein 
von  Klausen  ist  eine  granitische  Emporhebung,  welche  seltsame  Phäno- 
nie  da  hervorgerufen  hat,  wo  die  talkigen  Glimmerschiefer  von  ihr 
berührt  wurden. 


III.   Petrefaktenkunde. 

Bernstein -Insekten  (Übersicht  der  Arbeiten  und  Veränderungen 
der  Schlesischen  Gesellschaft  für  vaterländ.  Kultur  i.  J.  1834,  Breslau, 
1835,  4",  S.  92  —  93).  Dr.  Berendt  in  Dan%ig  hatte  i.  J.  1833  den 
Prof.  Gravenhorst  um  Bestimmung  seiner  Bernstein-Insekten  angegan- 
gangen,  dieser  die  entomologische  Sozietät  in  Breslau  ersucht,  sich  in 
die  Arbeit  zu  theilen  ,  und  dann  Berendt  sowohl  als  die  physikalisch- 
ökonomische Sozietät  in  Königsberg  um  Einsendung  der  Sammlungen 
gebeten ;  welcher  Einladung  inzwischen  nur  die  letztere  entsprochen 
hat.     746  Stück  Bernstein  ergaben  1174  Insekten,  und  zwar 

1.  Diptera  724  Exemplare,  wobei  317  Tipularia,  277  Musei- 

de n  etc. 

2.  Hyraenopterall9  Exempl. ,   wobei  82  Form  icari  ae  ;    die 

übrigen  zu  Diplolepis,    Psilus,  Vespa,  Cryptus,  Bra- 
con,  Ichneumon,  Chelonus,  Tenthredo  gehörig. 

3.  Neuroptera  113,  wobei  61  Phryganeae  sind,  die  meisten 

übrigen  zu  Hemerobius^    Semblis,   Psocus  etc.  gehören. 

4.  Octopoda  96,  meist  Araneae,  6  0pilionen,  iChelifer  etc. 

5.  Goleoptera    77,    meist   Pflanzenbewohner:      20   Elater-, 


—     218     — 

11  Clirysoroela»  etc^  Arten,  doch  auch  1  Garabus,  iSta- 
phylinus,  1  Aleochara. 

6.  Lepidop  tc  r  a  40,    die  vollständig  entwickelten  insgesammt  zu 

Tinea  und  Tort  rix  gehörend,  mit  manchen  noch  inländi- 
schen Arten  in  Gestalt  und  Grösse  übereinkommend ,  wie  mit 
Tinea  culmella,  T.  pellionella,  Tortrix  lecheana, 
T.  arcuana,  T.  urticana,  T.  falcana*,  —  die  Raupen  aber 
scheinen  sämmtlich  Schildraupen  und  der  von  Papiiio  W. 
album  ähnlich  zu  seyn. 

7.  Hemiptera  36,     wovon    nach    Schelling   8   zu  Jassus   (dem 

J.  atomarius,  J.  lineatus  und  J.  unifasciatus  nahe,  1 
mit  kürzeren  Flügeldecken  und  1  Larve),  —  6  zu  Miris  (2 
der  M.  Tanaceti,  1  der  M.  rufipennis,  1  der  M.  populi, 
1  der  M.  campestris  verwandt,  1  zweifelhafte);  —  6  zu 
Cercopis  (1  der  C.  gibba,  1  der  C.  pini  verwandt,  1  zwei- 
felhaft);  —  2  Larven  zu  Aphrophora;  —  2  zweifelhaft  zu 
Lygaeus;  —  2  zu  Copsus  (C.  spissicornis  und  C.  tri- 
guttatus  ähnlich);  —  2  zu  Flata  (mit  Fl.  nervosa 
verwandt)  gehörig,  und  4  (zweifelhafte)  vielleicht  zu  Aphis 
kommen  müssen. 

8.  Orthop  tera  17,  wovon  11  zu  Blatta,  4  zu  Gry  Mus,  2  zu 

F  o  r  f  i  c  u  I  a  kommen. 

9.  Aptera  6,  nämlich  6  Machilis,  1  Podura. 

10.  Foly meria  6,  insbesondere  4  Scolopendrae,  iJuIusund 
vielleicht  1  Oniscus,  Überall,  wo  diese  Insekten  kenntlicher 
sind,  zeigen  sie  Europäische  Formen.  Die  vielen  Phryga- 
nen  und  Tipularien  deuten  auf  feuchten  Boden,  Sümpfe, 
letztere  insbesondere  auf  zahlreiche  Pilze  hin  u.  s.  w. 


J.  J.  Kauf:  Die  zwei  ur  weit  liehen  Pferde-artigen  Thiere, 
welche  im  tertiären  Saude  bei  Eppelsheim  gefunden  worden, 
bilden  eine  eigene  ünterabth  eilung  der  Gattung  Pferd 
(N.  Act.  pitys,  med.  Acad.  Leopod.  nat  Cur.  1835,  XV 11,  i,  171—18» 
T.  xir  B.)  Der  Verf.  findet  nicht  nur,  dass  v.  Meyer's  Vergleichung 
dieser  Gebeine  mit  denen  des  Pferdes,  Maulthiers  und  Esels  *)  unhaltbar 
sey,  indem  solche  von  zwei  wesentlich  verschiedenen  Arten  herstammen, 
sondern  erkennt  in  denselben  sogar  ein  besonderes  Subgenus,  H  i  p  p  u- 
thcrium,  mit  vier  Zehen  vorn  und  dreien  hinten,  das  mithin  den 
IJbergang  zum  Palaeotherium  bildet  und  von  Mevkr  auch  schon  in 
den  „Palaeologica"  S.  148  angenommen  ist.  Die  Griffelfortsätze  der  4  Füsse 
sind  aussen  und  innen  nämlich  mit  Gelenkflächen  ,  an  welche  sich  die 
Zehenglieder  der  (beim  Pferd  nur  durch  hornartige  Auswüchse  und  lange 
Haarbüschel  angedeuteten)  Afterklauen  anschlössen,  und  die  derVorder- 


•^')  N.  Jahrb.  1835,  S.  109-111. 


—     219     — 


füsso  Koch  mit  einem  ferneren  äusseren  Griffelfortsatz  als  viertem  Fin- 
ger, wie  bei  Palaeotheriuni,  versehen. 

Dem  Verf.  stunden  in    der  Grossherzogl.  Sammlung  zu  Barmstadt 
für   diese  Untersucliun{2p    zu  Gebote  :    ein  Oberkiefer-Fragment   mit  allen 
Backcnzühnen,  viele  Unterkiefer  mit  gewechselten  und  MilcIi-BackenzÜh- 
nen,  fast  der  ganze  Hinterfuss,  der  grössere  Theil  des  Vorderfusses  und 
eine    unzähliclie  Menge   einzelner  Schneide-,    Eck-  und  Mahl-Zahne. 
1.     Equus    grucilis    (Hippo  theriu  m  gr  acile). 
Equus   caballus    primigenius    v.  Mey. 
Equus  roulus  primigenius  v.  Mey. 

So  gross,  wie  ein  mittelmassiges  Pferd  (dem  Skelette  nach),  doch 
die  zwei  ßackenzahn-Reihen  kaum  länger  als  am  Esel. 

a)  Die  obern  Backenzähne  (Fig.  1)  in  einem  Kieferfragment 
sitzend,  sind  ganz  wie  beim  Pferd  beschaffen,  doch  die  Schmelzfalten 
komplicirter,  der  innere  unpaare  Schmelzkegel  erst  langgezogen,  dann 
oval,  endlich  bei  weiterer  Abnutzung  rund.  Das  erste  kleine  Zühnchen 
ist  wie  beim  Pferd,  zweiwurzelig;  vom  zweiten  besitzt  der  Verf.  20  ein- 
zelne Exemplare,  von  0m029  —  on»0365  (horizontaler)  Länge;  Milch- 
Zähne  an  dieser  Stelle  mögen    daher   bis    von  0,040  Länge    vorkommen. 

Ausmessungen    in    Millimetern. 


Equus  gracilis. 

Equus 

asinus. 

Equus  caballus. 
(grosse    Stute.) 

Liiuge. 

Breite. 

Länge. 

Breite. 

Länge. 

Breite. 

1.  Zahn 

32 

26 

32 
27 
24 
23 

23 
~25^- 

40 

24 

2.       „ 

26 

29 

28 

30 

26 

3.       „ 

25 
2li 

22 

26 

25.^ 

4.       „ 

26 

24^ 

27^ 

26 

5.       „ 

23 

26 

24A- 

22 

27 

24 

6.       „ 

28 

25 

1-6.  „ 

156 

154 

180 

b)  Die  untern  Schneidezähne  mit  e  i  n  e  m  T  h  e  i  1  der  E  c  k- 
zahn-Alveolen  (Fg.  2)  finden  sich  in  einem  Unterkiefer-Fragment  bei- 
sammen, wie  beim  Pferde  beschaffen,  jedoch  auf  ihrer  untern  Seite,  statt 
der  durchgehenden  flachen  Hohlkehle,  mit  mehreren  unregelmässigen 
Längen-Riefchen,  mit  kleineren  und  schlankeren  Wurzeln,  und  mit  brei- 
teren und  von  vorn  nach  hinten  kürzeren  Kauflächen  versehen,  auf  der 
innern  Seite  aber  durch  eine  tiele  Furche  in  zwei  ungleiche  Hälften  ge- 
thcilt.  Die  Entfernung  der  Ränder  der^ussersten  Schneidezähne  ist  48, 
bei  einem  zehnjährigen  Pferd  mit  Milchzähnen  63,  und  bei  einem  männ- 
lichen Esel  mit  Milchzähnen  46mm.  Die  Eckzähne  sind  bedeutend  schwä- 
cher, als  bei  genanntem  Pferde. 

c)  Die  untern  Backenzähne  haben  sich  ebenfalls  alle  von 
einem  alten  Individuum    zusammengefunden  (Fg.  3),    denen    des  Pterdes 


220     — 


g^leichend,  unter  sich  nur  durch  die  ungleiche  Bildung  des  äusseren  Ein- 
schnittes verschieden,  welcher  den  Zahn  in  zwei  Hälften  trennt.  25  ein- 
zelne Exemplare  des  ersten  dieser  Zähne  besitzen  27™™  —  ssram  Länge 
mit  allen  Zwischengrössen. 


In  Millimetern. 

Milchzähne. 

Equus 
gracilis. 

Equus 
asinus. 

Equus 
caballus. 

Länge  des   I.Backenzahns. 

25 

29 

27 

33 

»         »       2.          „ 

28 

25»- 
25^ 

26 

30 

H              »          3«                 » 

31 

23iV 

28 

>»              »>          ^*                 » 

22 

24 

27Ä 

»              »          ^'                » 

25 

24 

27^ 

n         »       ^'           )» 

30 

29 

30 

w         »   1     "•        » 

156 

154 

177 

Die  Milchbackenzähnc  sind  viel  länger  und  schmäler ,  und  besitzen 
stielförmige  Ansätze,  die  mit  einander  verbunden  sind,  mitten  auf  der 
äussern  Fläche^  und  der  2te  und  3te  noch  an  ihrem  Vorderrande. 

Eq. gracilis.     Eq.asinus.     £q. caballus. 
Kiefer-Höhe  unter  dem  1.  Backenzahn        53 — 55  46i  54 

am  Hinterende  des  5.         „  72 — 75  79  80 

Entfernung  des  Hinterendes  des  Ner- 
venlochs vom  1.  Backenzahn.  32 — 43 

d)  Vorderfuss.     Das  Schulterblatt  ist  an  seiner  (allein  be- 
kannten) untern  Hälfte  viel  schmäler  und  zierlicher  als  beim  Pferd,    vom 
Rande  der  Gelenkfläche  bis  zum  Tuberc.  corac.  70™  n>  (beim    Pferd  102) 
breit;     die    Gelenkfläche    selbst    besitzt    51  Länge    und  37  Breite    (beim 
Pferd  65  und  47). 

Das  Oberarmbein  kennt  man  ebenfalls  nur  dem  Untertheile 
nach;  es  ist  ganz  wie  beim  Pferd  gebildet,  nur  viel  zierlicher.  Seine 
Breite  an  der  Gelenkfläche  ist  65"»™,  sein  Umfang  2rV"  darüber  ist  114 
(beim  Pferd  75  u.   140). 

Der  Kadi  US  eines  nicht  ganz  ausgewachsenen  Thieres  ist  273™'" 
lang  und   an  der  oberen  Gelenk-Fläche  63™  ™  breit  (beim  Pferd  355  u.  74). 

Der  Metakarpus  (Fg.  4)  ist  wie  beim  Pferde;  seine  Länge  =  213 
(beim  Pferd  242).  An  seinem  oberen  Ende  besitzt  er  aussen  Gelenkflä- 
chen für  einen  Grit  fei  fortsatz  (Fg.  5) ,  er  selbst  wieder  an  seiner 
äusseren  Seite  eine  Gelenkfläche  für  ein  viertes  Zehen-Rudiment,  walir- 
scheinlich  wie  bei  Palaeotberium  gestaltet,  darbietet.  Das  erste  Fin- 
gerglied  ist  schlanker  als  beim  Pferd,  64  lang  (Pferd  72),  das  zweite 
hat  28  Länge  (Pferd  40)  ;  der  Metakarpus  mit  beiden  Zehengliedern 
zusammen  misst  298^,  beim  Pferd  380. 

e)  Hinterfuss.  Das  Schenkelbein  (Fg.  6)  ist  gestreckter 
als  das  des  Pferdes  ,  sonst  aber  ihm  äusserst  ähnlich  ;  der  Gelenkkopf 
ist  schmäler,  der  diitte  Trochanter  schmäler  und  länger.  Gesammtlänge 
=  435mm  (beim  Pferd  419). 


—     221     — 

Die  T  i  b  i  a  ist  schlanker  als  beim  Pferde,  378  (statt  382)  lang.  Die 
unteren  Gelenkflüchen  haben  64—68  (beim  Pferd  78)  Breite. 

Der  Astra«;alus  ist  wie  beim  Pferd,  nur  die  innere  Gelenkfläcbe, 
welche  an  die  des  Calcaneus  stösst,  ist  breiter,  die  des  Scaphoides 
schmäler  =  45  (beim  Pferd  63). 

Der  Calcaneus  ist  nur  zierlicher,  und  die  Gelenkfläcbe  für  den 
Astrngalus  ist  schmäler  als  beim  Pferd. 

Os  scaphoides  und  cunei  forme  sind  kleiner  als  beim  Pferd, 
und  an  letzteren  Knochen  sind  alle  Gelenkfluchen    unter  sich  verbunden. 

Der  Metatarsus  (Fg.  7)  ist  weniger  hoch  und  schlanker  =:  235 
als  beim  Pferd  (284). 

Griffelforts  ätze  Hegen  zwei  sehr  wohl  erhaltene  vor  (Fg.  8), 
viel  stärker  als  die  blossen  Rudimente  beim  Pferde  sind,  und  am  unteren 
Ende  mit  Gelenkflächen  für  1  —  2  Afterklauen. 

Das  1.  Zehenglied  ist  schlanker  (56)  als  beim  Pferd  (66);  das 
2te  ist  27  (statt  31)  lang.  Metatarsus  mit  beiden  Zehcngliedern  zusam» 
men  messen  318  (beim  Pferd  381). 

2.     Equus  nanus  (H i  ppo  t her i  u  m  n  a  n  u  m)  (Fg.  10). 
Equus  Asinus  primigenius  Mey. 
Von  der  Grosse  eines  kleinen  Esels. 

Man  kennt  nur  die  3  ersten  Backenzähne  des  linken  Unterkiefers, 
welche  bloss  durch  ihre  Kleinheit  von  denen  der  vorigen  Art  abweichen. 

£q.  nanus,  Eq.  graciiis. 

Länge  des  1.  Backenzahns         ...  24         .         .         29 

„       „      2.  „  ....  21  .         .         25« 

n       „      3.  „  ....  20  .         .  25^ 

„       „  1— 3         „  ....  65         .         .         80 

Die  Entwickelung  der  beim  Pferde  vorkommenden  Ewei  Afterklaucn 
zu  Zehen  bei  Hippotherium  würden  dem  Verf.  noch  nicht  genügt  haben, 
dieses  Subgenus  nufzustellen  ,  wenn  sich  nicht  bei  der  grösseren  Art 
auch  noch  die  Ansatzfläche  für  einen  weiteren  Finger  am  Vorderfusse 
gefunden  hätte.  Vielleicht  würde  der  Schädel  auch  eine  Anlage  zur 
Rüsselbildung  zeigen  und  somit  den  Übergang  zu  Palaeotherium  noch 
besser  herstellen. 

Der  Familien-Charakter  der  Pferde  würde  nun  seyn  :  Schneidezähne  *; 
Diastema;  Backenzähne  zusammengesetzt  ^;  Zehen  ^  oder  |^ ,  wovon 
der  mittle  mit  einem  Huf,  die  zwei  seitlichen  mit  Afterklaucn  versehen 
sind  oder  als  Grift'elfortsätze  erscheinen. 

Tausende  dieser  Thiere  haben  ihre  Reste  bei  Eppelsheim  hinter- 
lassen ;  Spuren  davon  sollen  nach  Jäger  auch  im  Bohnerz  der  Alp 
vorkommen. 


A.  GoLDFuss :     Abbildungen    u  n  d  B  e  s  c  h  r  e  i  b  u  n  g  e  n    der    P e- 
trefakten    Deutschlands    und    der     angrenzenden    Lander, 


—     222     — 


unter  Mitwirkung  des  Hrn.  Grafen  G.  zu  Münster  heraus- 
gegeben. Fünfte  Lieferung.  (Düsseldorf  \8Z6,  fol-,  enthaltend 
Bnd.  II,  S.  69—140  u.  Tf.  97-121.)  Vgl.  Jahrb.  1834,  S.  495.  Das 
gegenwärtige  Heft,  welches  uns  erst  lange  nach  seinem  Erscheinen  und 
nur  auf  wiederholte  Anforderung  von  der  Verlagshandlung  übersendet 
worden  und  dessen  Anzeige  desshalb  hier  so  spät  erfolgt  *)  ,  enthält , 
nach  den  Formationen  und  Geschlechtern  geordnet,  folgende  Zahl  vie- 
ler Arten : 


Ch 

überhaupt. 

•1 
CR 

?. 

►1 

re^ 

•^ 

3 

a> 

5* 

tf 

Bl 

S: 

O 

Z 

s 

S' 

GO 

1 

(6 

7 

» 

fD 

cn5 

CA 

• 

• 

1 

N 

B 

fq 

S 

Exogyra  Suppl.  . 

. 

. 

. 

. 

1 

. 

1 

1 

P  e  c  t  e  n,  Fortsetzung 

gestiahlte 

, 

, 

. 

. 

. 

11 

11 

11 

c5 

glatte        .     • 

1 

2 

6 

1 

5 

5 

20 

7 

Lima  (Plagiostoma) 

. 

4 

6 

23 

14 

• 

46 

28 

Spondylus  (Podop- 

sis,  Dianchora,  Pa- 

chytes)        .     .     . 

. 

1 

. 

4 

12 

2 

19 

14**) 

Flicatula        .     . 

. 

. 

4 

1 

2 

7 

3 

L  i  m  e  a  Bronn  ***) 

• 

• 

1 

1 

, 

2 

2 

Vulsella    .     .     . 

. 

. 

• 

. 

1 

1 

1 

Per na      .     .     .     . 

, 

1 

. 

4 

. 

2 

7 

3 

Inoceramus  .     . 

2 

. 

9 

2 

21 

34 

19 

P  0  s  i  d  0  n  i  a       .     . 

1 

1 

3 

4 

• 

9 

6 

Gervil  lia  .     .     . 

. 

1 

1 

2 

1 

5 

1 

Avicula(Meleagrina 

7 

11 

3 

6 

4 

51 

20 

Pteri  n  ea  Goldf. 

14 

. 

. 

. 

• 

14 

13 

Monotis     .     .     . 

3  t) 

1 

1 

2 

• 

7 

6 

Im    Ganzen     13 

28 

22 

33 

50 

61 

20 

214 

135 

Im  Einzelnen  haben  wir  nur  wenige  Bemerkungen  beizufügen.  Von 
P.  spinulosus  scheint  dem  Verf.  nur  die  eine  Klappe  bekannt,  die 
andere -ist  der  von  P.  Janus  ähnlich.  Pecten  sarmentitius  ist 
schon  2mal  als  P.  clathratus  Eichw.  und  P.  Makowii  Dübois  be- 
schrieben worden  und  ist  Ostrea  Tranquebarica  Brocchi. 
Pecten  Hausmanni  vom  Grafenberge  hat  mehr  Radien  als  der  von 
Bünde  (30—40  statt  20—24) ,  wesshalb  wir  ihn  jedoch  nicht  für  eine 
verschiedene  Art  halten  möchten,  und  ist  in  den  Lieferungen  des  hiesi- 
gen Comptoirs  früher  als  P.  m  u  1  ti  s  u  1  c  a  t  u  s  versendet  worden.  Die 
Benennung  P.  vestitus  statt  der  bereits  so  bekannten  P.  laevigatus 


=!=)  Auf  Ostern  soll  das  6te  Heft  ausgegeben  werden. 
**)  Eine  dieser  Arten  war  oben  als  gestreifter  Pecten  .nufgefiihrt  worden. 
-**)  Nicht  Lamarck,  wie  im  Text  steht,  hat  dieses  Genus  aufgestellt, 
t)  Diese  Arten  finden  sich   im  Salzhurger  Salzgebirgsstock ,     dessen  Formation  noch 
nicht  genug  herausgestellt  ist. 


—     223     — 

einzufüliren,    scheint  weder  nothig  noch  wünschcnswerlh,    wenn  gleich 
der  einmal   bestehende  Art-Namen  eine  Eigenschaft  bezeichnet,     welche 
vielen  Arten  gemein  ist.     Er   ist    zum  Eigennamen    geworden,     welcher 
bestehen  muss,   wie  bei  Menschen,     seye  auch  z.  B.  ein  Herr  Gottlieb 
Gross  nicht  der  Einzige,  welcher  gross  und  Gott  lieb  ist,    oder  seye  er 
sogar  weder  Gottes  Liebling,     noch  gross.  —  Pecten  calvus  Goldf. 
ist  von  Merian  verschiedentlich  als  P.  diseiformis  ausgetheilt  worden. 
Mit  Unrecht    werden    unserem    P.  cristatus    in    der  Diagnose    paario^o 
Radien  zugeschrieben ,    da    der  Italienische   wenigstens    sie   verhältniss- 
mässig  selten,  mehr  zufällig  besitzt.  —  Die  als  charakteristisch  angege- 
benen   kleinen  Stacheln  auf  den  Rippen    nächst   dem  Wirbel  des  Spon- 
dylus  armatus  sind  an  unseren   übrigens  identischen  Exemplaren  nicht 
aufzufinden.    —    Spondylus    bifrons  Münst.  ist  Spond.   spinosus 
Bronn  in  ,Jtal.  Tertiärgehilden",  welcher  IName  aber  durch  die  Vereini- 
gung von  Pachytes  mit  Spondylus  doublet  geworden  ist.  ~  Plica- 
tula  sarcinula  Münst.    dürfte   nur  eine    der   manchfaltigen  Varietäten 
von  PI.  tegulata  seyn,  mit  der  sie  auch  in   Württemberg  untermengt 
nebst    Übergangsformen    vorkommt.     —     Diese    Plicatula    tegulata 
Münst.  ist  von  Zieten's  Placuna  nodulosa,    welche  Art-Benennung 
die  Priorität  hat.  —  Die  34  In  o  cerara  us- Arten  scheinen  uns  über  die 
Gebühr  vervielfältigt  zu  seyn  ;    doch  gehören  sehr  günstige  Verhältnisse 
und  ein  eigenes,  anhaltendes  Studium  dazu,  die  vom  Alter  u.  a.  Umstän- 
den bedingten  Formenänderungen,  welche  zu  einer  Art  gehören,  zu  ver- 
folgen. —  Die  hier  abermals  aufgestellte   Posidonia  Bronnii  können 
wir  noch   immer  nicht  von  P.  Becheri  unterscheiden;    sie  weicht  von 
dieser  nach  des  Vfrs.  ei':ener  Abbildung  und  Beschreibung  weit  wenio^er 
ab,  als  manche  Varietäten  von  beiden  je  unter  sich.    —    Ob  Gervillia 
Hartmanni  mehr  als  eine  Varietät  von  G.  aviculoides  Sow.  sey,  müs- 
sen weitere  Beobachtungen  lehren.    —    Unter   den  dargestellten  Gegen-, 
ständen  bemerkt  man  eine  Menge  von,     durch  ihre  Schönheit  und  Voll- 
kommenheit ausgezeichneten,     Exemplaren  aus  altern  Formationen,     wo 
niittelmässige  Exemplare  schon  eine  Seltenheit  sind. 

Die  Lithographie'n,  noch  immer  von  Hohe,  sind  vortrefilich;  manche 
Detail -Zeichnungen  insbesondere  lassen  nichts  zu  wünschen  übrig.  — 
Vorzüglich  freuen  wir  uns ,  die  Hoffnung  hegen  zu  dürfen ,  dass  dieses 
Werk  nicht  aufhören  wird  in  der  begonnenen  Form  zu  erscheinen. 


L.  Agassiz:  Prodrome  d'une  monographie  des  Radiaires 
et  des  Echinodermes  ( Extrait  des  31em.  de  la  Societe  d.  scienc. 
nat.  de  Neuchätel,  Tome  J,  1836,  p.  168  —  199. )  Obschon  diese  Ab- 
handlung sich  nicht  auf  fossile  Arten  allein  bezieht,  so  glauben  wir  doch 
einen  vollständigeren  Auszug  daraus  mittheilen  zu  müssen,  weil  sie  we- 
sentlich begründete  Änderungen  in  den  bis  jetzt  aufgestellten  Geschlech- 
tern und  sogar  Arten  herbeiführt. 

Jahrgang  1837.  15 


—     224     — 

Die  Pflanzenthiere  sind  sämmtlicli  Strahirnthiere,  Eadiarien,  und 
zerfallen  in  drei  Klassen:  Polypen,  Acalephen  (Medusen)  und  Echino- 
dermen  (Radiarien  im  bisherigen  engeren  Sinne),  indem  die  Eingeweide- 
Würmer  und  viele,  wenn  nicht  alle,  Infusorien  zu  den  Kerbthiercn  ge- 
rechnet werden  nnissen. 

Die  Echinodcrmen  enthalten  die  LiNisE'schen  Geschlechter  Holo- 
thuria,  Echinus  und  Asterias,  die  sich  zu  eben  so  vielen  Ordnungen: 
Fistulideu,  Echiniden  und  SteUeriden,  erheben,  welche  jene 
drei  Klassen  wieder  repräsentiren. 

Um  die  Einheit  im  Typus  ihrer  Körper-Gestalt  zu  erkennen  und  die 
analogen  Gegenden  desselben  bei  Thieren  der  verschiedeneu  Ordnungen 
mit  einander  vergleichen  zu  können,  niuss  man  die  Untersuchung  vor- 
aussenden, was  bei  den  symmetrisch  Fünfstrahligen  vorn  und  hinten 
seye.  —  Bei  den  länglich  geformten  Spatangen  ist  das  leicht  zu  unter- 
scheiden :  Mund  und  After  liegen  beide  auf  der  Unterseite  des  Körpers;  — 
wo  der  Mund  liegt,  wird  naturgemäss  vorn  genannt,  wo  der  After  sich  befin- 
det, ist  hinten.  Fünf  mit  Poren  eiugefasste  Strahlen  —  Fühler-Strahltfu,  Ra- 
dii  ambulacrales  mit  je  2  Fühlergängen,  ambulacra  —  ziehen  divergirend  vom 
Mund  zum  Scheitel,  wo  sie  sich  wieder  vereinigen  ;  fünf  andere  Strah- 
len —  Zwischenfühlerstrahlen,  Radii  interambulacrales,  —  liegen  wech- 
selnd zwischen  ihnen.  Der  After  liegt  im  unpaaren  Zwiscbenfühlerstrahl, 
und  dieser  ist  mithin  hinten,  der  unpaare  Fühlerstrahl  ist  ihm  entgegen- 
gesetzt und  daher  vorn.  Ahnlich  ist  es  bei  den  Clypeastern,  Nucleoliten, 
Galeriten  u.  s.  w.  Daraus  folgt,  dass  auch  bei  den  symmetrischen  Cidariten, 
Echiniten  und  Asterien  etc.  der  unpaare  oder  fünfte  Fühlerstrahl  vorn,  der  un- 
paare Zwischenfühler-Strahl  hinten  seyn  müsse ;  .«ber  diese  sind  von  den  an- 
dern paarigen  nicht  zu  erkennen.  Nun  sieht  man  bei  denEchinodermen  ferner 
am  Scheitel  in  der  Krustenhülle  des  Körpers  5  (zuweilen  4)  grössere  und  ei- 
genthümlich  gestaltete,  mit  je  einem  Loch  (Eyleitermündung)  durchbohrte 
Täfelchen  (Eyleiter-Täfelclien),  die  mit  fünf  andern  kleinern  und  gleichgebil- 
deten am  Anfange  der  Fühlerstrahlen  —  Zwischen-Eyleitertäfelchen  —  alter- 
niren,  und  wovon  das  fünfte  ,  unpaarige  sich  bei  den  Echiniden  von  den  paa- 
rigen durch  eine  schwammige  Bildung  unterscheidet,  ganz  entsprechend 
dem  Madreporen-artigen  Körper  bei  den  Asterien.  Dieses  unpaarige  ent- 
spricht mithin  dem  unpaarigen  Zwischenfühler-  oder  After-Strahle,  und 
ist  das  hintere:  bezeichnet  mithin  auch  die  Hinterseite  des  Körpers  in 
Beziehung  zum  Scheitel.  Bei  einigen  Geschlechtern  fehlt  jedoch  das 
unpaare  Täfelchen  und  ein  Eindruck  der  Oberfläche  oder  eine  Lücke  be- 
zeichnet dann  die  Stelle  ,  wo  es  ausgefallen.  Der  jenem  Madreporen- 
artigen  Täfelcheu  entgegenstehende  Strahl  ist  auch  beim  Geschlechte 
Asterias  der  vordere.  Überhaupt  entsprechen  die  Täfelchen  beiderseits 
längs  der  Rinne  auf  der  Unterfläche  der  Arme  von  Asterias  den 
Fühler-Strahlen,  und  wenn  man  von  den  in  zwei  Reihen  längs  der  Sei- 
tenflächen der  Arme  hinziehenden  Täfelchen  die  untere  zu  Schliessung 
der  unteren,  die  obere  zu  Schliessung  der  oberen  Seite  des  Körpers  um- 
g^elegt  und  die  äussersten  vergrössert  denkt,  dass  sie  die  Zwischenräume 


—     225     — 

zwischen  den  fünf  Armen  ausfüllen ,    so  bleibt  kein  wesentlicher  Unter> 
schied   mehr    zwischen    den   Asterien   und  Echiniden.     Denn  jene  umge- 
legten Seiten -Täfelchen   sind   die    der  Zwischenfübler- Strahlen.     In  der 
That    trogen    sie   auch   die   grossen    Stacheln,    womit    manche  Seesterne 
versehen  sind,    wie   die  Täfelchen    der  Zwischcnfühler-Strahlen   bei   den 
Echiniden  thun.   Mittelst  dieser  an  ihrer  ßasis  angelenkten  sehr  mobilen 
Stacheln  bewegen  sich  diese  Thiere  ,     nicht  mit  den  feinen  zarten  häuti- 
gen Röhrchen,    die  hervortreten  durch    die  Poren  der  Fühlergänge  oder 
Ambulacra,  welch*  letztere  Benennung  Veranlassung  zur  Meinung  gege- 
ben zu  hauen  scheint,     dass  sie  zur  Bewegung  behülflich  seyen.     Diese 
Röhrchen    dienen   vielmehr    zur  Respiration,    indem    sie   die  Einwirkung 
des  Wassers  auf  das  Innere  des  Körpers  vermitteln.    —    Die  fünf  Zähne 
in  der  Mundöffnung  stehen  am  Anfang  der  Zwischenfühler-Strahlen,  der 
fünfte  daher  hinten.  —  Bei  den  Echiniden  sind  sämmtliche  Täfelchen  in 
20  strahlensfändige  Reihen  geordnet,  welche  vom  Mund  nach  dem  Schei- 
tel laufen.     Zwei  Reihen    liegen    in   jedem  der  zehn  Strahlenfelder,  von 
denen  abwechselnd  eines,  oder  fünf  im  Ganzen,  von  den  Poren  der  Am- 
bulacra durchbohrt  (Fühler-Strahlen),    fünf  nicht  durchbohrt  sind    (Zwi- 
schenfüliler-Strahlen).     Hier  kann  man  am  deutlichsten  sehen,     dass  die 
Anzahl    der  Täfelchen   in   jeder  Reihe  mit   dem  Alter  der  Individuen  zu- 
nimmt und  so  das  Wachsthum  derselben  bedingt,    obschon  die  Verschie- 
denheit dieser  Zahl  neuerlich  wieder  zur  Bildung  vieler  Echiniden-Arten 
benützt  wurde.    Es  ist  leicht  zu  erachten,  dass  die  neuen  Täfelchen  bei 
den  Echiniden  immer  an  dem  Theil  des  Körpers  entstehen  müssen ,    wo 
sie  am    kleinsten    gefunden  werden :     das    ist   um    die  Scheitel-Täfelchen 
herum,     am  Anfange   der  20  Reihen,    woselbst   überhaupt   die  Täfelchen 
weniger  genau  aneinander  zu  schliessen  pflegen,    da  sie  in  Kapseln  der 
schwammigen  Haut  als  von  eben  so  vielen  Verknöcherungs-Punkten  aus 
sich    bilden    und  erst  im  Verhältnisse ,    als   sie    bei   ihrer  Vergrösserung 
aneinander  stossen  ,    eckig  werden.      Im  Leben  sind  auch  die  Täfelchen 
nur  so  mit  einander  verbunden ,     dass   das  Thier  die  ganze  obere  Seite 
seiner  Hülle  aufblähen  und  zusammensinken  lassen  kann ,    und  behalten 
insbesondere  die  ganz  kleinen  Täfelchen  unmittelbar  um  Mund  und  After 
fortwährend  eine  grössere  Beweglichkeit,  um  die  Bewegung  der  Ränder 
bei  der  Öffnung,  beim  Verschlingen  etc.  zu  gestatten.     Auf  diese  Weise 
werden  die  zuerst  gebildeten  Täfelchen  durch  nachkommende  immer  wei- 
ter nach  der  Peripherie  des  Körpers  geschoben,  und  muss  sich  auch  die 
Körperform   selbst    mit   dem  Alter   ändern.     Anfangs   ist  der  Körper  am 
flachsten ;  dann  hören  die  Täfelchen  um  den  Mund,  die  der  ganzen  Un- 
terseite urfd  endlich  die  der  Peripheri.^  auf  zu    wachsen    und    schliessen 
sich  mit  ihren  Rändern  dichter  an  einander.     Wenn    nun  inzwischen  am 
Scheitel  immer  mehr  neue  Täfelchen  hinzukommen,  und  die  älteren  noch 
fortwachsen,   so  muss  die  flache  Form  des  Körpers  sich  oben  zur  kuge- 
ligen  wölben    und   endlich  zur    konischen    erheben.      Da   die   Tafelchen 
zweier  nebeneinanderliegenden  Reihen    nie  selbst   nebeneinander  liegen, 
sondern  mit  einander  alterniren ,    so  succediren  sich    die  neu  gebildeten 

15* 


—     226     — 

Täfelclicn  nicht  in  geraden  Reihen  vom  Scheitel  zum  Mund,  sondern  in 
Spiral-Reihen  um  den  ganzen  Körper  herum.  —  Die  Wachsthumsweise 
der  Seesterne  nun  ist  ganz  ähnlich;  obschon  bei  ihnen  die  kleinsten 
Täfclchen  der  vom  Mund  zum  Scheitel  ziehenden,  minder  regelmässigen 
Reihen  in  der  Peripherie,  nämlich  an  der  Spitze  der  Arme  liegen.  Die  neuen 
Täfelchcn  entstehen  bei  ihnen  nämlich  in  den  Winkeln,  welche  die  Arme 
mit  einander  machen^  an  der  oberen,  wie  an  der  Unter-Seite  des 
Körpers. 

Die  Charaktere  aus  der  Aneinanderfügung  der  Täfelchen  und  der 
Anordnung  der  Fühlergän^e  gezogen,  scheinen  dem  Verf.  'oesser  zur 
Bildung  natürlicher  Unterabtheiluugen  des  Systems  zu  dienen ,  als  die 
Stellung  von  Mund  und  After. 

1.     Ordnung:     Fistuliden(Holothurien.) 

Zehen  Genera,    wovon  bei  der  Weichheit  ihres  ganzen  Körpers  bis  jetzt 
noch  nichts  im  fossilen  Zustand  gefunden  worden  ist. 
II.     Ordnung:     Echiniden. 

Kruste  des  Körpers  hart,  sphäroidisch ,  aus  aneinander  liegenden  Täfel- 
chen gebildet  und  mit  beweglichen  Stacheln  bedeckt.  Mund  und  After 
getrennt. 

A.  Familie  der  Spatangen. 

Körper  verlängert,  buckelig;  Mund  mit  Kinnladen  (Zähne)  versehen  und 
gegen  das  vordere  Ende  des  Körpers  gelegen;  der  After  nahe  am  hin- 
teren, üben  oder  unten.  Kruste  dünn,  mit  vielen  aber  kleinen  Stachel- 
warzen,  worunter  einige  zerstreut  stehende  grössere  manchmal  wie  bei 
den  Cidariten  durchbohrt  sind.  Stacheln  borstenförmig,  oft  zusammenge- 
drückt, ungleich  gross.  Der  vordere  Fühlergang  gewöhnlich  weniger 
entwickelt,  als  die  übrigen;  alle  Fühlergänge  bilden  Furchen  um  den 
Mund,  in  welchen  die  Poren  für  den  Austritt  ästiger  Tentakeln  grösser 
sind.     Nur  vier  Eylclter-Täfelchen. 

1.  Disaster  Aü.  (Spatangus,  Ananchytes  und  Nwcleolites  auctt) 
Der  Scheitel  der  drei  vorderen  Fühlergänge  entfernt  von  dem  der  zwei 
hintern.     Arten  alle  fossil  in  Jurakalk  und  Kreide. 

1.  D  hicordatiis  (Spatangus  bicordatus  Goldi'.)  6.  D.  capiitratus  (Spatangus  capIst.GoLDP.^ 

2.  D.ellipticus    (Ananchytes  eilipticus  Lk.)      7 .  D.  curinatut    (  ,  earin.  Goldf.) 

3.  Ü.excetitriciis(,Vuc\enUtesexcentTicMv-ss.T.)8.D.ov/i{u  (  „  ovalis    Park.) 

4.  ö.canaZifMZaf«*  (Nucleolites  canal.  MÜNST.)   9.D.annUs         {Sc/iteeitxer  Juia.} 

5.  D.granulosus     (  „  granui.MÜNsT.) '0.  D.  ringen«       (  .,  „     ) 

2.  Holaster  Ag.  (Spatangus  auctt)  Herzförmig;  ein  Scheitel, 
After  oben;  Arten  alle  fossil,  meist  in  Kreide. 

1.  H.  graniilotjii  (Spatangus  granul.  GoLDr.)        6.  fl^.fo»Jj9j'«»«fM*(Spatang.conipI.BtAixv.) 

2.  H.ÄfmMpÄamcwii  Spatangus  hemispli. Phil.)  1.  H.intermfdiits  {       „        intcrni.lVlössT.) 

3.  H.  laevis  (        „  laevis  Deluc.)     S.  H,  sj/hglobosus  i      „        subglob.  Le»k,) 

4.  H.  nodulosus         (        ,.         nodul.  Goi.dp.)     9-H.suborbicularis{     ,        suborb.  Defh.) 

5.  H. planus  (        „  planus  Mant.)    10. H.tTuncat7tt        <      „        trunc,  Goldf.) 

3.  Ananchytes  Lmk.  (Echinocorys  Breyn  et  Gray,  Gulea  et 
Galeolä  Klein.)  Oval ,  ohne  Rinne  längs  des  vorderen  Fühlergangcs. 
After    länglich    und   längs    gekehrt;    Fühlergänge    mit    einem  Scheitel, 


—     227     — 

g^erade  nach  oben,  mit  sehr  g:edrängten  Poren.     Arten  fossil,  in  Kreide  *, 

ohne  Noth  nach  dem  Alter  vervielfältigt. 

1.    A.  ovata  Lk.  2.    A.  hemisphaerica  Brgn. 

(A.  pustulosa  Lk.  :  Kern.)  (A.  quadriradiata  Lesk.  :  monströs.) 

4.  Hemipneustes  Ag.  (Spatangus  anett.)  Herzförmig;  der  vor- 
dere Fiihlcrgang  mit  kleinen,  gleichen  Poren;  die  übrigen  aus  je  zwei 
Keihen  Doppeiporen;  die  hinteren  viel  deutlicher  als  die  mittelu.  Eine 
Art,  fossil,  in  Kreide. 

1.     H.  radiatus  Ac.  (Spatangus  radiatus  Lmk.) 

5.  Micraster  Ag.  (Spatangus  auctt.,  Brissoides  Klein,  Amygdala 
et  Ovum  Phels.)  Herzförmig;  Rückentheil  der  Fiihlergänge  sehr  ent- 
wickelt, etwas  Stern-ähnlich.  Arten  meist  in  Kreide,  einige  tertiär, 
zwei  lebend. 

1.  M.  amygdala  (Spatangus  amygd.  Gldp.)  8.  M.  Goldfutsii   (Spatangus  lacunosus  G. 

2.  M.hucItlandiU.        ,  Bncklandii     .)  nicht  Gmel.) 

3.  M.bucardiumi        ,  bucardium    G.)  9.  M.pruneUu      (  ,        prunella  Lk. 

4.  M.hiifo  (        »  bufo  Brsn.)  10.  M.uanninattiH  .        acuminat.   G.> 

5.  JM".  cor  «/?g-MiwMm(Spatang. cor anguin.LK.)  II.  M.  S7tborl)iculans  (Spatang.  suborb.  M.) 

6.  M.  cor.  tettudinurium  (Spatangus  cor  tes-  M.  canaliferus  (Spatang.canaliferus  Lk.) 

tudinarium  G.^  M. lacunosus    <        „        lacunosusGiMEL. 

7.  M.gibbus         (Spatangus  gibbus  Lk.)  nicht  Gqi^df.) 

6.  Spatangus  Klein  und  Gray  (Echinospatangus  Bbeyn).  Herz- 
förmig; eine  breite,  tiefe  Rinne  vom  Mund  zum  Scheitel  mit  einem  Füh- 
Jergang  aus  sehr  kleinen,  gleichen  Poren,  die  vier  andern  auf  dem 
Rücken  aus  je  2  Reihen  von  Doppelporen,  welche  Reihen  sich  gegen  den 
Scheitel  und  den  Umfang  einander  nähern  und  somit  Sterne  (oder  ßlu- 
menblätter)  bilden.  Einige  grössere  schlanke  Stacheln  zwischen  den 
kleineren.     Arten  in  Kreide  oder  tertiär  ;  einige  lebend. 

1.  Sp.  ornatus  Brgx.  Sp.  meridtonalii  Riss. 

2.  Sp.  Desinurestii  Münst.  Sp,  ovutus  Lesk. 

3.  Sp.  Hoffmanni  Goldf.  Sp.  crux  Andreae  Lk. 
Sp.  purpureus  Lecke.  Sp.  planulatus  Lk, 

7.  Amphidetus  Ag.  (Echinocardium  Phels.  et  Gray,  Spatan- 
gus, A  Blainv.)  Herzförmig;  Rinne  vom  Mund  zum  Scheitel  tief;  dar- 
in der  Fühlergaug  mit  sehr  kleinen  Poren  zwischen  die  zwei  mittlen 
hinein  verlängert.  Die  vier  paarigen  aus  je  zwei  mitten  am  Rücken  zur 
Blattform  auseinander  weichenden  Reihen  von  Doppelporen.  Die  grösse- 
ren Stacheln  am  Ende  spathelförmig,  die  kleineren  glatt.  Arten  eine  in 
Kreide,  zwei  lebend. 

1.    A.  Goldßtssii  (Spatangus  arcuarius  Goldf.)  nicht  Lmk. 

A.  Sebae  (Echinocardium  Sebae  Gkay)  A.  pusillus  (Spat,   pusillus  Lesk, 

8.  Briss  US  Klein  et  Gray,  Nuces Phels.,  Spatangus,  D Blainv.) 
Vorn  ohne  Rinne;  vorderer  Fühlergang  fast  unmerklich,  die  4  andern 
flachgedrückt,  am  Scheitel  eine  Art  Kreuz  bildend,  das  von  einer  bogni- 
geu  Linie  umschrieben   ist;    keine  Stachelwarzen.     Arten  lebend,  8. 

9.  Schizaster  (Echinocardium  Ph.  et  Gray ;  Spatangus,  B  Blainv.) 
Herzförmig,   hinten  sehr  hoch;   Muudscbeitel- Rinne  lang  und  sehr  tief; 


—     228     — 

am  Scheitel  noch  4  andere  Kinnen  tief  und  schtnal,  die  paarigen  Fühler» 
gänge  enthaltend.     Arten  eine  tertiär^  und  eine  lebend. 

(1.     Seh.  atropoi  (Spatangus  atropos  Lk.)        2.     Seh,  SCuderi  (Italien). 

B.    Familie  der  Clypeastern. 

Mittel  formen  zwischen  der  ersten  und  der  dritten  Familie.  Gestalt 
meisteng  kreisrund.  Mund  ziemlich  zentral;  After  randlich,  oben  oder 
unten. 

10»  Catopygus  Ag.  (Nucleolites  auctt.)  Eyförmig;  Fühlergänge 
glcichmässig  gegen  den  Scheitel  zusammenlaufend.  After  oben.  Arten 
in  Oolithen,  Kreide  und  tertiär. 

1.  C.  tttni^lobus  (Nucleol.semigl.  MÜNST.)  5.  C.  ovulum  (Nucl.  Ovulum  Lmk.) 

äi  C.carinatus  (      „         carinat.  Goldf.)  6.  C.  depressus        (    „      depressus  Brgn.^ 

8.  C.castanea  (      „         castanea  Brgn.)  7.  C.  suhcunnatus  (    „      subcarinatus  G. 

4.  C.  pyriformis  (      »         pyriform.  G.)  8.  C.  obovatus  A.G.  (Kreide) 

11.  Pygaster  Ac.  (Nucleolites  et  Clypeus  auctt.)  Kreisrund; 
Fühlergänge  gleichförmig  in  den  Scheitel  zusammenlaufend.  After  gross, 
oben.     Arten  in  Jura  und  Kreide. 

1.  P.  iemitulcatus  (Clypeus  semisulc.  Phil.)    2.  P.  depressus  (Nucleolites  depr.  MünsT.) 

12.  Galerites  Lmk.  (Conulus  Klein,  Echinoconus  Blainv.)  Kreis- 
rund; Fühlergänge  schmal,  mit  entfernt  stehenden  Foren,  gegen  den 
Scheitel  gleichförmig  zusammenlaufend;  Mund  mittelständig ;  After  rand- 
lich, unten.     Arten  in  der  Kreide. 

1.  G.  vulgaris  Lmk.  ^G.  quadrifasciata  Brüg. 

2.  G.  abbrevmta  Lmk. 

3.  G.  subrotunda  Mamt. 


(G.  quadrifasciata  Brüg.     )  N 

G.  sexfasciata  Defr.  j  «'"^  Monstrositäten.^ 


13.  Discoide  a  Klein  et  Gra^  (Conulus  Lesk. ,  Echinodiscites 
Phels.,  Galerites  Lmk.)  Fühlergänge  breiter ,  Poren  feiner  und  dichter 
als  bei  vorigem.     Arten  in  Jura-Gebilde  und  Kreide. 

1.  D.  depressa        (Galerites  depressa  Lmk.)    5.  D.  rotula,  (Galerit.  rotul.  Brgn.) 

2.  f).  speciosa         (        „         spec.  Münst.)    6.  J9.  ro^7/?am  Klein  (      „         rotularis  Lw.) 
8.  D,  albogalera    (        „         sAhogsX. auctt.')    7.  D.  macropyga  k.G.    in  Kreide. 

4.  D.  canaliculatai       ^        canallcul.   G.) 

14.  Clypeus  Klein  (Echinoclypeus  Blainv.,  Echinosinus  Phels., 
Galerites  Lmk.,  Nucleolites  Defr.)  Kreisrund,  flach,  Fühlergänge  gegen 
den  Scheitel  und  die  Peripherie  zusammenlaufend.  After  randlich,  oben; 
Arten  in  Jurabildung,  Kreide  und  tertiär. 

1.  Cl.  sinuatus  Park.  6.  Cl.  conoideus       (Echinoclyp.  con.  Lesk.) 

2.  Cl.   emarginatus  Phill.  7.  Cl.hemisphaericusi        »  hemisp.LK.) 

5.  Cl.  patella  (Galerites  patella  Lk.^  8.  C^.^wfwrfinanMJ  (Nucleol.testud.  Mühst.) 

4,  Cl.  orbicularis  Phill.  9.  Cl,  scutella  C        •.      scutella  G.) 

5.  Cl.  Sotc.      i'Ag.  (Nucleol.Sowerb.ÜEPR.) 

15.  Nucleolites  Lmk.  ( Echinobrissus  Breyn,  Clypeus  Phill.) 
Eyrund  oder  herzförmig,  Fählergänge  deutlicher  am  Scheitel  als  an  der 
Peripherie,  doch  nicht  blumenförmig  wie  bei  vorigem.  Arten  in  Oolithen, 
Kreide  und  tertiär. 


-     229     — 

• 
J.  JV.  tnitatu  Le.  6.  tnctmosa  G. 

2.  N.  cluniculurii    (Clypeus   clunicul.  Sm.)     7.  tcrohicuhitn  Q, 

3.  N.  dimidiata        (      ,         dimid.  FiiiLL.)    8.  N.  Offersii  Ag.  (Kreide.) 

4.  N.  plannt a   Rom.  9.  N.  Grignonensis  DeFR. 

5.  N.  cordata  G. 

16.  Cassidulus  Lmk.  (Nucleolites «wc«.)  Eyfürmig,  Fühlergänge 
blumenblätterförmig ;  After  zwischen  Scheitel  und  Hinterraud.  Arten  in 
Kreide  und  tertiär. 

1.  C.  lapti  cuncri  Lk.  3.  C  complanatus  Lk. 

2.  C.  patellarit  CNucleoIites  patell.  Goi.dp.^ 

17.  Fibularia  Lk.  (Echinocyamus  Lesk.  Gray,  Echinoncus 
GoLDF.)  Kugelig,  zuweilen  etwas  länglich ;  Fühlergänge  blumenblätter- 
förmig; After  zwischen  Mund  und  Hiuterrand.  Arten  in  Kreide,  tertiär 
und  lebend. 

1.  F.  placenta        ^chiiion.  placenta  G.)       5.  F.  Siiffnlcien$is  Leatii. 

2.  F.  suhglohosa    (        «         subglobosaG^         Jf>".  CTaniohtris  Gmkl. 
8.  F.  ovata  (        „         ovat.  Münst.^         F.  Ovulum  Lk. 

4.  F.  scutata  (        „         scutatiis  Msx.^ 

18.  Echinoneus  Phels.  Lk.  (Echinanaus  Kön.  ,  Eehinoconus 
Breyn).  Oval  ,  etwas  flach  ;  Fühlergänge  linear  ;  After  zwischen  Mund 
und  Hinterrand.     Arten  lebend,  3. 

19.  Echinolampas  Gray  (Echinanthus  Leske.  ,  Clypeaster  und 
Galerites  Lk.)  Eyförmig  oder  kreisrund  ;  Vorderrand  mehr  oder  weniger 
ausgeschnitten;  Fühlergänge  am  Scheitel  sehr  breit,  Blumenblätter-förmig, 
aneinander  stehend  ,  aber  gegen  die  Peripherie  hin  sich  verschmälernd. 
After  randlich,  unten.  Arten  in  Jurabildungen,  Kreide  oder  tertiär;  eine 
lebend. 

1.  E.  pentagonalis  ^Clypeast.pentag.PniL.)  12.  JE.  co?ioirieus        (Clypeaster  conoid.  G.) 

2.  E.  fornicatus        (        „        fornlcatus  G.)  13.  E.  Cuvieri            (  ,  Cuvieri  M.) 

3.  E.  glnhosus          CGalerites  globos.DefR J  14.  E.  ellipticus         (  ,  elliptic.  M.) 

4.  E.  Kötiigii  Gr.  \h.  E.hemisphaericus{  ,  heniisp.LK.) 

5.  E.  LesJcei               CClypeaster  Leskei  G.;  16.  E.  Kleinii              (  .,  Kleinii    G.) 

6.  E.  Montmollini  Ag.  CKreide.^  17.  E.  Linlcii              (  ,  Linkii  G.) 

7.  E.  productus  Ag.  (ib.)  18.  E.  politus              (  «  politusLK.) 

8.  E.  mitior  Ag.  (ib.)  19.  E.  stelliferus        (  »  stellif.  Lk.) 
9.  E.  affinis             ^Clypeast.  affinis  G.^  20.  E.  subcylindricusi  ,  subcyl.  M.) 

10.  E.  Bouei  (        ,         Bouei  G.)        21.  E.  Irilobus  (        .         tritob.DEF.) 

11.  E.  Brongniarti    (        »  Brougb.  M.)  E.  Orient ali$  Gr. 

20.  Clypeaster  Lmk.  (Echinanthus  Breyn,  Gray;  Echinodorus 
und  Echinodiscus  Phels.,  Lagana  Gray,  De  Blainv.)  Eyförmig  oder 
fünfeckig;  Fühlergänge  und  Scheitel  in  Form  breiter,  am  Ende  abgerun- 
deter Blumenblätter,  After  randlich,  unten.  Kruste  sehr  dick;  innere 
Höhle  des  Körpers  durch  senkrechte  Säulen  fächerig.  Arten  tertiär  und 
lebend. 

1.  Cl.  marginatui  Lmk.  ,        Cl.  rosacem  Lmk. 

2.  Cl.  ultut  Lk.  Cl.  subdepressut  (Ecliin.  subdepr.  Gr.) 

3.  Cl.  Gaimardi  Bronqn.  '  Cl.  ambigenus  Blainv. 
Cl.  Biehardi  Desm.                                        Cl.  scutiformii  Lmk. 

21.  Echinarachnius    Leskk,     Gray    (Arachnoides    Klein, 


—     230     — 

Echliiodiscus   et  Lagana  Blainv.  ,    Scutella  Lmk.)   Kreisrund  oder  eckig, 

flaeh  und  scharfkantig;    Fiihlergänge    wie    bei   vorigem;    After  randlich. 

Arten  eine  tertiär,  andere  lebend. 

1.  JB.  lenticitlaris  Gr.  E.  placunarius  (Scutella  placun.  Lk.) 

E.  placeuta  Gr.      (Scutella  plac,  Lmk.)    E.  latittimus      C        ,.  latissioia  Lk.) 

E.  parmd  Gr.      (  „         parnia  Lk.)    E.  Rumpfii   (.Echinodiscus  Rumpgi  Blaihv.) 

22.  Scutella  Lmk.  Blainv.  (Echinodiscus  Lesk.  Gr.;  Meilita  et 
Rotula  Klein  ;  Lagana  Blainv.)  Flach,  rund,  scharfrandig;  Fühlergänge 
%vie  bei  Clypeaster,  aber  noch  grösser,  After  unten.  Arten  22,  tertiär 
und  lebend. 

1.  Se.  Jltavillensis  Defr.  5.  Sc.  oecitana  Defr. 

2.  Se.  gihberula  Serr.  6.  Sc.  striatula  Serr. 

3.  Sc,  hispaniea  Defr.  7.  Sc.  tubrotttnda  Lk. 

4.  Scnummularia  Defr. 

C.  Familie  der  Cidariten. 
Kugelförmig,  mit  zweierlei  Stacheln;  die  grösseren  auf  grossen  Sta- 
chelwarzen, die  kleineren  um  deren  Basis  und  auf  den  Fühlergäugen 
sitzend.  Mund  zentral,  After  auf  dem  Rücken,  ebenfalls  zentral,  von 
besonderen  TUfelchen  umgeben  und  gegenüber  dem  hinteren  Zwische  n 
fühler-Strahle. 

23.  Cidaris  Lmk.  Fühlergänge  schmal,  mit  kleinen  zusammen- 
gedrückten Stacheln  bedeckt.  Zwischenfühler-Strahlen  breit,  auf  jedem 
ihrer  Täfclchen  nur  1  grossen  Stachel  tragend,  um  welchen  mehrere 
kleinere  herumstehen.  Arteu  37.  —  Im  Juragebilde,  in  Kreide,  tertiär 
und  lebend.     Die  fossilen  sind: 

1.  Blumenbachii  Mühst.  13.  C.  Schmic^eliiM. 

2.  C.  Buchii  M.  14.  C.  spinulosa  Rom. 

3.  C.  coronata  Gold?.  15.  C.  regalis  Gr. 

^.  C.crenultirishK.  16.  C.  clavig'eraKöit. 

5.  C.florigemma  Phh.  17.  C.  coroUaris  Makt. 

C.  elongata  RöM.  18.  C.  cretosa  Mant. 

6.  C.  glandifera  G.  19.  C.  clunifera  Ag.  (Kreide.) 

7.  C.  marginata  G.  20.  C.  vesiculosa  G. 

8.  C.mnxima  M.  21.  C  Ihnaria  Broun. 

9.  C.  monilifera  G.  22.  C.  discus  Br. 
10.  C .municataKöVl,  23.  C.  rosariaBR. 
\l,  C.no bilis M.  24.  C.  sertaria Er. 
12.  C.propinqua  M. 

24.  Diadema  Gray  (Cidarites  Lk.)  Flacher,  Fühlergänge  breiter, 
linear.  Stacheln  oft  röhrenförmig;  die  Stachelwarzen  durchbohrt,  aber 
kleiner  und  zahlreicher ,  als  bei  vorigen.  Arten  in  Juraformation  und 
Kreide  ;  auch  lobende. 

\.  D.Bechei  (Cidar.  ßechei  BRoi).)  €.  D. Kranit; *r*MmAG.  (Jura.) 

1.  D.subangularei     „        vagans  Fhtll.)  1.  fj.variolare     (Cidar. variolarisBRGir.) 

8.  D.  Vagant  (    „        .subangularis  G.)  8.  D.granulosumi      »      granulosus  G.) 

A.D.mammillanumi    „        manimill.RöM.)  9.  IJ.  ornatum      (      „      ornatus  G.) 

6.  D.  hemispAaericum  Aa.  (Jura) ,  10.  D.  rotulare  Ao.  (Kreide.) 
dann  5  lebende  Arten. 

25.  Astropyga  Ag.  (Cidarites  Lk.)  £ine  lebende  Art,  Cid. 
radiata.  Lk. 


—     231     — 

26.  Salenia  Gray  (Cldarites  auctt).  Die  Täfelchen  zwischen  den 
Ftihlergängen  nur  mit  einer  einzelnen  grossen  und  undurchbohrten  Warze. 
Um  den  After  stehen  ungewöhnlich  grosse  an  ihren  Rändern  ineinander 
gelenkte  Täfelchen.  Auch  die  Eyleiter-Täfelchen  sind  sehr  gross.  Arten 
alle  fossil  in  Jura-  und  Kreide-Formation. 

1.  S.Hoffinftnni  (Cidar  Hoffin.  Rom.)        3.  S.scutigera  Gray. 

2.  S,  hemisphaeriea     (     „       hemisph.  R.)        4.  S.peltata  Ao.  (Kreide.) 

27-  Echinometra  Breyn,  Puels.  Gray  (Echinus  auctt.)  .  .  .  . 
13  lebende  Arten. 

28.  Arbacia  Gray.  (Echinus  auctt.)  Den  Diademen  ähnlich, 
aber  mit  undurchbohrten  Stachelwarzen.  Fiihlergang  -  Strahlen  schmal, 
Fiihlergänge  gerade  und  einfach,  oder  aus  je  2  Reihen  Doppelporen.  In 
Jura,  Kreide,    tertiär  und  lebend. 

1.  .:^.  Ät>rog-?yp^if«  (Echinus  hieroglyph.G.)  5.  A.  alutacea  Ao.    (Echiii.  allutac.  G.) 

2.  A.sulcata  (      »        sulcatus   G.)  6.  A.radiata  (       ,      radiat.  Höw.) 

3.  A.  noditlota  (      »        nodulosus  M.)  7.  A.  putilla  (      ^      pusillus  M. 

4.  A.  granulota         (      ,      .  granulosus  M.)         A.  punctulata  Gr. 

A.  pustulosa  G. 

29.  Echinus.  Sehr  regelmässig  rund  oder  etwas  eckig.  FühUr- 
gäiige  aus  Bogen-Segraenten  zusammengesetzt,  die  von  mehreren  Poren- 
Paaren  gebildet  werden,  und  linear  sind.  Arten  in  Jura,  Kreide  und 
tertiär,  viele  lebend. 

1.  E.germinani  Phili..  E.MilleriD. 

2.  E.  perlatus  Desm.  E.  regalis  Höir. 

3.  E.lineatus  G.  und  II  andere. 
E.Menardi  Dzsni. 

III.  Ordnung:     Steileriden. 

Der  Körper  selbst  sternförmig,  die  Strahlen  beweglich  und  oft  ästig ; 
Mund  mitten  auf  der  Unterseite. 

A.  Familie  der  Asterien. 
Eine  gemeinschaftliche  Mund-  und  After-Öffnung,  ohne  Zähne.  Auf 
der  Rückenfläche  zwischen  den  Anfängen  der  2  hinteren  Strahlen  ein 
höckeriges,  blätteriges  oder  vielmehr  faseriges  Täfelchen,  der  sg.  Madre- 
poren-förmige  Körper.  Vom  Mund  zur  Spitze  der  Strahlen  ziehen  tiefe 
Rinnen,  von  mehreren  Stachel-Reihen  begleitet. 

1.  Asterias  Ag.  (Astropecten  Link;  Crenaster Lloyd,  Pentasterie 
Blainv.,  Stellaria  Nardo.)  Sternförmig,  die  obere  Seite  getäfelt,  die 
Strahlen  flach,  neben  eingefasst  von  2  Reihen  grosser  Täfelchen,  welche 
kleine  Stacheln  führen.     Arten  lebend,  A.  aurantiaca  Lin.  etc. 

2.  Coelaster  Ag.  Die  innere  Höhle  umschlossen  von  Täfelchen, 
welche  wie  bei  den  Cidariten  geordnet  sind,  und  in  deren  Scheiteln  man 
einen  Stern  von  Fühlergängen  sieht.  Form  der  Asterien,  Organisation 
der  Crinoideen.     Eine  Art,  in  Kreide. 

1.  A,  Couloni  Ao. 

3.  Goniaster  Ag.  (Scu^asterie  und  Platasterie  Blainv.)  Körper 
5eckig ,  eingefasst  von  einer  doppelten  Reihe  breiter  Täfelcben ,  die  mit 


—     232     — 

Stacheln  besetzt  sind.     Obere   Seite   knotig.     Arten  in  ?Jura^   Kreide 
und  lebend. 

1.  CporoJ««Ao.  (Kreide.)  4.  G.jutensis  (Asterias  jarensin  M.) 

2.  G.Couloni  Ka.i      »      )  ?  5.  Asteriat  sn/tata-    \    wenn    nicht   von 
8.  G.quingueloha  (Asterius  quinquel.  G.)  6.  Asteriat  stelliferaj    Crinoideen     her- 

7.  Asterias  tubulata    \    rührend. 

4.  Oph  idiaster  Ag.    Eine  lebende  Art  (Asterias  ophidianus  Lamk.) 

5.  Linkia  Nardo.     Drei  lebende  Arten   (Ast.  variolata  Lmk.  etc.) 

6.  ?PIeuraster  Ag.   2  fossile  Arten. 

1.  P.  .  .  .  (Asterias  obtusa  Gr.  2.  P.  .  .  .  (Asterias  arenicola  G.) 

7.  Stellonia  Nardo.  (Pentasterie  Blainv.,  Solasterie  Blainv.) 
Sternförmig,  ganz  mit  vorstehenden  Stacheln  bedeckt.  —  Arten  viöle 
lebende ;  dann  wahrscheinlich  2  fossile. 

1.  St.  .  .  .  (Asterias  lanceolata  G.)  2.  St,  ,  .  ,  (Asterias  lumbricalis  G.) 

8.  A  s  t  e  r  i  n  a  Nardo.  (Asterias ,  C  Blainv.  ,  Pentaceros  Link.) 
Eine  lebende  Art,  A.  minuta.  Lin. 

9.  Palmipes  Link.  (Palmasterie  Blainv.,  Anseropoda  Nardo.) 
iine  lebende  Art,   P.  membranaceus. 

10.  CulcitaAG.  (Orciller  Blainv.)  Eine  lebende  Art,  A.  discoidea  Lk. 

B.    Familie  der  Ophiuren. 
Der  Körper  bildet   eine    gegen"  die   5  Strahlen  abgegrenzte,   runde, 
flache  Scheibe ;  Arme  verlängert,  oft  verästelt,  unten  ohne  Rinne. 

11.  Oph  iura  Ag.  (Ophiura,  A  Blainv.)  Scheibe  sehr  flach.  Strah- 
len einfa<;h,  beschuppt ,  mit  sehr  kurzen  angepressten  Stacheln.  Einige 
lebende  Arten  (0.  lacertosa  etc.) 

12.  Ophiocoma  Ag.  (Ophiura,  B  Blainv.)  Wie  vorige,  doch 
lange  Stacheln.     Einige  lebende  Arten  (0.  squamata  etc.) 

13.  Ophiurella  Ag.  Scheibe  kaum  unterschieden,  Arten  alle  fossil. 

1.  O.carwa^a  (Ophiura  carinataMÜNST.)  3.  O.MiUeri      (Ophiura  Milleri  Phill.) 

2.  O.  speciosa  (       ^      speciosa  M.)  4.  O.  Egertoni  (        „       Egertoni  Brod.) 

14.  Acroura  Ag.  Ophiura  sehr  ähnlich,  jedoch  Schuppen  statt 
der  Stacheln  an  der  Seite  der  sehr  schlanken  Arme.  Eine  Art,  fossil. 
1.  A.prisca  (Ophiura  pri&ca  Mükst.) 

15.  A  s  p  i  d  u  r  a  Ag.  Scheibe  auf  der  Oberseite  durch  einen  Stern 
von  10  Täfelchen  bedeckt;  Arme  verhältnissmassig  dick,  mit  Dachziegel- 
ständigen  Schuppen  belegt.    Eine  Art,  fossil. 

l.    A.loricata  (Ophiura  loricata  G.) 

16.  Tricaster  Ag.  (Euryale auctt)  Arme  am  Ende  gabelförmig 
getheilt.     Lebende  Art  (Euryale  palmifer  Lk.) 

17.  Euryale  Lk.  (Astrophyton  Link;  Gorgonocephalus  Shaw). 
Scheibe  fünfseitig;  Arme  von  der  Basis  an  mehrmals  getheilt.  Fünf 
lebende  Arten. 

C.    Familie  der  Crinoiden. 
Darmkanal  mit  doppelter  Mündung,  diese  jedoch  zuweilen  zwischen 
den  Armen  versteckt.    Mitte  der  Rückenfläche  meistens  an  einem  bieg- 
samen Stiel  angewachsen. 


-     233     - 

(A.     Freie,  ungcstielte.) 

18.  Conitttula  Link,  (Astrocoma  Blainv.,  Decameros  Link,  An- 
tedon  Fhem.j    Alecto  Leach.)   Lebende  Arten.    (C.  raedituranea  etc.) 

19.  Comaster  Ag.  (Coraatula  auctt.)  Wie  vorige,  doch  die 
Anne  mehrmals  verästelt.     Lebende  Arten.  (C.  multiradiata  etc.) 

20.  Pterocoraa  Ag.  Scheibe  verschwindend.  Arme  ganz  tief, 
gabeljg  und  fiederästig.     Eine  Art. 

1.  P.  pinnata  (Comatula  pinnatu  GotDP.) 

21.  Saccocoraa  Ac.  Frei.  Die  Scheibe  in  Form  eines  runden 
Beutels,  an  dessen  Rand  5  schlanke,  bis  zur  Basis  einfach  gabelige,  ge- 
fiederte Arme  eingelenkt  sind.  Die  3  Arten  fossil,  in  lithographischen 
Jura-Schiefern. 

1.  S.tenella  (Comatula  tenella  Goldf.)  3.  S.filiformis  (Comatula  filiformis  G.) 

2.  S. pectittuta  (ComiLtuld  pectinataG.) 

22.  Glenotrem  ites  Goldf.  scheint  nur  die  Scheibe  eines  mit 
Comatula  verwandten  Crinoiden  und  auf  keine  Weise  näher  mit  den 
Echiniden  verwandt  zu  seyn.  Die  durchbohrten  Vertiefungen  der  Ober- 
fläche würden  dann  als  Insertions-Stellen  für  die  Rücken-Arme,  statt  für 
Stacheln,  anzusehen  seyn;  die  5  Rinnen  um  den  Mund  wären  die  der 
Haupt-Arme.  Auch  stehen  noch  5  trichterförmige  Öffnungen  um  densel- 
ben.  Eine  Art,  fossil,  in  Kreide. 

1.  GI.paradoxiisG. 

23.  G  a  n  y  m  e  d  a  Gr.  Hiemit  verhält  es  sich ,  wie  mit  Glenotre- 
niites,  wovon  sich  dieses  Genus  durch  den  Mangel  der  5  Trichter-Off- 
nungen und  der  5  damit  abwechselnden  Rinnen  um  den  Mund  unter- 
scheidet. Der  niedergedrückte  Raum  des  Scheitels  ist  viereckig.  Eine 
Art,  lebend. 

1.  G.  pulchella  Gr. 

24.  Marsupites  Mant.  (Marsupium  Kön.,  Marsupiocrinites  Blainv.) 
Scheibe  aus  grossen  vieleckigen  Täfelchen,  wovon  eines  in  der  Mitte  des 
Rücken-Scheitels  liegt,  ohne  Spur  eines  angeheftet  gewesenen  Stieles. 
Drei  Kreise  von  Täfelchen  bilden  die  Seiten  der  Scheibe,  welche  die  Ge- 
stalt eines  Beutels  hat,  auf  dessen  Rande  5  Arme  stehen.  Der  Mund 
ist  noch  von  vielen  kleinen  Täfelchen  umgeben.  Eine  fossile  Art  in 
Kreide. 

1,  M.  ornatusM. 

In  die  Nähe  dieses  Geschlechts  gehören  vielleicht  die  schon  oben 
angeführten  Täfelchen  von  Asterias  scutata,  A.  stellifera  und 
A.  tabu  lata. 

25.  Phytocrinus  Blainv.  (Hibernula  Flem.,  Pentacrinus  Thomps.) 
Stiel  rund  und  gegliedert ,  kahl.  Scheibe  rund ,  auf  dem  Rücken  aus 
einem  Stücke,  welches  einer  Kreis  einfacher  Rücken-Arme  und  näher 
am  Rande  einen  Kreis  gegabelter  und  vom  4ten  Gliede  an  gefiederter 
Arme  trägt;  die  ersten  Glieder  derselben  berühren  sich  mit  der  Basis. 
]&tiie  Art,  lebend. 


—     234     — 

Pli.  Europaeus  Blainv.    (Pentacrinus  Europaeus  Thomps.  *). 

26.  Pentacrinus  Mill.  (Pe  nt  agoni  te  s  Kaff.)  Stiel  mehr 
oder  weniger  5kantig;,  mit  entfernt  stehenden  Wirtein  einfacher  Äste. 
Die  Scheiben-Arme  an  den  Stiel  befestigt,  jeder  mittelst  eines  keilförmi- 
gen Stückes,  wonach  2  einfache  Täfelchen  folgen,  worauf  sich  die  Arme 
einmal,  später  zum  2ten  Male  gabeln  und  sich  endlich  in  viele  an  den 
Rändern  gefiederte  Anhänge  theilen.  Die  Eingeweide-Höhle  zwischen 
derBasis  der  Strahlen  ist  von  oben  mit  vielen  kleinen  Täfelchen  bedeckt. 
Arten:  eine  lebend  und  viele  fossile**)  in  Muschelkalk,  in  Jura-,  Kreide- 
und  Tertiär-Bildungen.  Man  könnte  diejenigen  als  Cladocrinus  be- 
zeichnen,  deren  Hiiifs-Arme  entfernt  stehende  Wirtel  bilden. 

1.  P.  dubius  GoiDf. '  9.  P.scalarisGoLDr. 

2.  P.  basaltiformis  MiLt.  10.  P.  subangularis  MiLL. 

3.  P.  Briareus  Mill.  U.  P.  scrlptus  Rom. 

4.  P.  cingulatus  Münst.  12.  P.  subsulcatus  Mükst. 

5.  P.  moniliferus  MüKST.  (nicht  MiLL.)  13.  P.  subteresMüNsT. 

C.  P.  aanulatus  Rom.  14.  P.  tuberculatus  Mill. 

7.  P.  pentagonalis  GoLor.  15.  P.  moniliformis  Mill.  (nicht Mükst.) 

8.  P.  laevis  Mill.  J6.  P.  subbasaltiformisMiLL. 

P.  Caput  Medusae  Mill.  (lebend.) 

27.  Isocrinus  H.  v.  Mey.  Den  Pentacrinen  sehr  nahe;  der  Stiel 
mit  einfachen  Armen.  Aber  die  ersten  Glieder  der  Scheiben-Strahlen 
bilden  keine  (keilförmige)  Vorsprünge ;  dagegen  ist  der  obere  Thcil  des 
Stieles  mehr  entwickelt.     Eine  Art,  fossil^  in  Jura-Kalk. 

1.  J.  pendiilus  v.  Mky. 

28.  Encrinus  Guett.  Stiel  rund  und  glatt;  Scheibenstrahlen  an 
ihrer  Basis  gebildet  aus  3  aufeinander  folgenden  einfachen  Gliedern,  auf 
deren  letzten  sich  2  Reihen  kleinerer  Glieder  einlenken,  deren  jeder  noch 
weiterhin  2  gegliederte  und  gefiederte ,  auf  ihrer  Basis  bewegliche  Arme 
trägt.     Arten  zwei  in  Muschelkalk. 

I.  £.  liliiformis  auctt.  2.  E.  Schlotheimü  Querst. 

29.  Apiocrinus  ***)  Mill.  (Astropoda  Defr.  ,  Ceriocrinus  Kön.  ; 
Pomatocrinus  et  Symphytocrinus  Köis.)  Stiel  rund  und  glatt,  aufwärts 
gegen  die  Strahlen  allmählich  verdeckt,  welche  zuerst  aus  je  3  aufeinan- 
der liegenden  Gliedern  in  Wechselstellung  mit  5  vom  Stiel  abgetrennten 
Täfelchen  bestehen,  sich  dann  gabeln  und  fiederartig  werden.  Basis  des 
Stieles  verdickt.    Alle  Arten  fossil  in  Jura-  und  Kreide-Bildungen. 

1.  A.  elongatus  Mill.  6.  A.  obconicus  G. 

2.  A.  flexuosus  G.  7.  A.  Prattii  Gr. 

3.  A.  incrassatus  Rum.  8.  A.  rosaceus  Scu. 

4.  A.  niespiliformis  ScHLOTH.  9.  A.  ellipticus  Mill. 

5.  A.MiileriScii. 


*)  Thompsok  sucht  neuerlich  zu  beweisen,  dass  dieses  Thier  nur  die  jugendliche  Form 
von  Comatula  seye,  die  sich  bereits  vom  Stiele  abgelöst  und  mehr  Fiederchen 
aus  den  Armen  getrieben  habe.  Br« 

••)  Da  der  Vf.  den  Charakter  nicht  hauptsächlich  in  die  Zeichnungen  der  Gelenkflächen 
der  Stielgliedcr  setzt,  so  fällt  die  Art  des  Übergangskalks  weg. 

•♦v)  Um  die  ohnehin  langen  Namen  abzukürzen ,  verwandelt  der  Vf.  Apiocrinite»  in 
Apriocrinus  u.s.w.  —  Die  zweifelhafteren  Arten  übergeht  er  für  jetzt  noch. 


—     235     — 

30.  Eu^cniacrinus  Mill.  (Symphytocrinus  Kön.)  Stiel  rund 
und  nacktj  aus  wenigen.  langen  Gliedern.  Jeder  der  5  (selten  4)  Strali. 
len  hat  in  seiner  Basis  ein  starkes ,  verdicktes  Glied  ,  das  mit  seinen 
Nachbarn  verschmolzen  ist; ob  sie  sich  verästeln,  ist  nicht  be- 
kannt (E.  m  e  s  p  i  1  i  fo  r  m  i  s  Goldf.  aus  Grauwacke  scheint  ein  ande- 
res Genus  zu  bilden).     Alle  Arten  fossil^  in  Jurabildungen. 

1.  E.  carynphyUatus  GoLor.  5.  E.  moniliformis  MÜNst. 

I.  E.  compressiis  .  6.  E.  nutans  Goi.of. 

3.  E.  Hausmanni  Rom.  •  7    E.  pyriforrais  Münst. 

4.  E.  HoferiMÜJJst.  8.  E.  quinquangularis  Mill. 

31.  Solacrinus  Goldf.  Scheint  auf  den  ersten  Anblick  vom  vo- 
rigen nur  abzuweichen  durch  besondere  kleine  Glieder  zwischen  der 
Basis  der  Strahlen.  Dennoch  scheint  es  sich  den  Comateln  und  Gicno- 
tremiten  mehr  zu  nähern.  Stiel  sehr  kurz,  an  seinem  unteren  Ende  ab- 
gerundet, daher  wahrscheinlich  nicht  angewachsen;  auf  seiner  Oberfläche 
mit  Eindrücken  versehen,  welche  zur  Anheftung  von  Armen,  wie  die  Rücken- 
Arme  der  Comateln  sind.     Arten  3  fossile,  in  Jura-Gebilden. 

1.  S.  costatus  Goldf.  3.  S.  Jägeri  Goldf. 

2.  S.scrobicuIatusMÜNST. 

32.  Rhodocrin  US  MiLL.  Stiel  gerundet,  Nahrungs-Kanal  5kan- 
tig;  Basis  der  5  Haupt-Strahlen  aus  5  kleinen  Gliedern,  über  denen  sich 
je  2  etwas  grössere  erheben,  worauf  kleinere  und  minder  regelmässige 
Täfelchen  die  EIngeweide-Hühle  von  unten  schliessen,  von  deren  Rande 
6  wie  bei  Pentacrinus  verästelte  Strahlen  entspringen.  Arten  fossil,  io 
Grauwacke  und  Kohlenkalkstein.  Schlotheims  Rh.  echinatus  mit  ge- 
stacheltem  Stiele  aus  Jurakalk  wird  wohl  ein  besonderes  Genus  bilden.*) 

1.  Rh.  canaliculatus  Goldp.  4.  Rh.crenatus  0. 

2.  Rh.gyratusG.  5.  Rli.  verusM. 

3.  R.  quinquepartitus  G.  6.  Rh.  quinquanguIarisM. 

33.  Actinocrinus  Mill.  (Rhodocrinus  Kön.)  Verschieden  vom 
vorigen  durch  einen  runden  Nahrungskanal,  durch  zahlreichere  und  min- 
der regelmässig  gestellte  Täfelchen  an  der  Seite  der  Scheibe.  Arten 
fossil  in  Grauwacke  und  Koblenkalk. 

i.  A.  cingulatus  Goldf.  7.  A.  laevis  M. 

2.  A.  granulatus  G.  8.  A.polydactylusM. 

3.  A.  moniliformis  Mill.  9.  A.tesseratus  G. 

4.  A.  muricatus  G.  10.  A.  triacontadactylus  M. 

5.  A.  nodulosus  O.  II.  A.  tesseracontadactylusM. 

6.  A.  Gothlandicus  G. 

34.  Melocrinus  Goldf,  Von  beiden  vorigen  nur  dadurch  ver- 
schieden, dass  die  Basen  der  5  Hauptstrahlen  mit  5  Täfelchen  am  Ende 
des  Stieles  abwechseln,  und  die  Täfelchen,  welche  die  Eiugewelde-Höhle 
oben  schliessen,  grösser  als  jene  sind,  welche  zwischen  der  Basis  der 
Strahlen  stehen.     Arten  fossil  in  Grauwacke  und  Kohlenkalkstein. 

1.  M.  gibbosusG.  2.  M.  laevis  G.  3.  M.  hieroglyphicus  G. 


*)  Er  dürfte  dem  Apiocr.  Goldfussii  Voltz  angehören.  Bb. 


—     236     — 

35.  Eucalyptocrinus  Goldf.  Eingeweide-Hohle  geräumig ;  am 
Grunde  umgeben  von  5  Täfelchen,  welche  mit  3  Reihen  von  10  Täfelchen 
wechseln,  auf  deren  Rand  die  Strahlen  eingefügt  sind.  Eine  Art  in 
Grauwacke. 

1.  E.  rosaceus  G. 

36.  Poteriocrinus  Mill.  iSticl  rund  mit  rundem  Kanal.  Ein- 
geweide-Höhle seitlich  mit  3  Wechselreihen  aus  je  5  grossen  6seitigen 
Täfelchen,  wovon  die  oberen  5  gabclige  Strahlen  aus  verlängerten  Glie- 
dern tragen.    Arten  fossil  in  Kohlenkalk. 

1.  P.  crassus  M.  2.  P.  tenuis  M. 

37.  Platycrinus  Mill.  Basis  der  Strahlen  aus  5  grossen  Täfel- 
chen, welche  unter  sich  zusammenhängen  und  mit  vom  Ende  des  Stieles 
abgesonderten  Stücken  in  Wechsel  stehen.  Auf  ihrem  Rande  stehen  die 
5  Strahlen,  zwischen  deren  Basen  man  5  kleinere  Täfelchen  unterschei- 
det; andere  sehr  kleine  schliessen  die  Eingeweid-Höhle  von  oben.  Arten 
fossil  in  Grauwacke  und  Kohlenkalk. 

1.  PI.  ventricosus  G.  5.  PI.  striatus  M. 

2.  PI.  granulatus  M.  .  6.  PI.  laevis  M. 

3.  PI.  pentangularis  M.  7.  PI.  tuberculatus  M. 

4.  Pl.rugosusM.  8.  PI.  depressus  ü. 

38.  Cyathocrinus  Mill.  Zwei  R,eihen  (statt  einer,  wie  hei 
vorigem)  von  grosse  Täfelchen  um  die  Eingeweide -Höhle,  Zwischen 
dem  Grunde  der  Strahlen  ein  kleines  sechsseitiges  Täfelchen.  Stiel 
rund  oder  Skantlg,  mit  kleinen  einfachen  Hülfsarmen.  Arten  fossil ,  ia 
Grauwacke  und  Kohlenkalk. 

1.  C.  geometricus  G.  5.  C.  planus  M. 

2.  C.  primatusG.  6.  C.  quinquangularisM. 

3.  C.  rugosus  M.  7.  C.  abbreviatus  M. 

4.  C.  tuberculatus  M.  8.  C.  pentagonus  G. 

39.  Sphaeronites  Hisinger  (Echinosphaerites  Wahlenberc). 
Der  Vf.  kennt  nur  unvollständige  Exemplare.  Das  Genus  steht  Cyatho- 
crinus sehr  nahe.     Arten  fossil,  in  Grauwacke. 

1.  S.  pomura  His.  S.  granatum  "Wahlenb. 

2.  S.  auraiitium  Wahienb.  S.  WalilenbergüEsMARK. 

40.  C  a  r  y  o  c  r  i  n  u  s  Say,  Eingeweid-Höhle  umgeben  von  viel» 
scitigen  Täfelchen ,  welche  2  Reihen  von  6  und  eine  von  8  Täfelchen 
bilden,  deren  4  zweitheilige  Strahlen  tragen.  Arten  fossil,  in  Grauwacke. 
1.  C.  ornatus  Say.  2.  C.  lorlcatus  Say. 

41.  Cupressocrinus  Goldf.  Stiel  rund:  Kanal  kreuzförmig; 
an  seinem  Ende  5  verdickte  Stucke,  zwischen  welchen  die  2  ersten  und 
kleinsten  von  der  Basis  der  Strahlen  eingelenkt  sind,  auf  denen  sich 
grössere  in  Form  von  Pyramiden  erheben,  auf  deren  Rändern  kleine  be- 
wegliche Anhänge  stehen.  Arten  fossil,  in  Grauwacke  <C.  gracilis  Goldf. 
scheint  eher  ein  Cyathocrinus.) 

C.  crassus  Q. 

42.  Pentremites  Say.    Körper  etwas  Skantig:   auf  sehr  kurzem 


—     237     — 

Stiele  erheben  sich  5  getrennte  Stücke,  über  denen  5  Strahlen  von  Py- 
ramiden-Form, wie  die  Zwischenstrahlen-Felder  der  Echiniden  stehen; 
dazwischen  5  Strahlenfelder,  die  an  der  obern  Fläche  des  Körpers  sehr 
breit  sind,  und  an  dessen  Spitze  6  grosse  Locher  damit  in  Wechsel 
stehen.  Dieses  Genus  nimmt  mithin  an  den  Charakteren  aller  Echino- 
dermen-Familien  Statt,  wie  es  eines  der  ältesten  ist. 
1.  P.  florealis  Say.  4.  P.  pyriforniis  Say. 

2.~P.  ovalis  Say.  5.  P.  ellipticusSow. 

S.  P.  Deibyensis  Sow.  6.  P.  globosus  Say. 


Becks:  über  das  Vorkommen  fossiler  Knochen  in  dem 
aufgeschwemmten  Boden  des  Münsterlandes  C^arst.  Ar  eh.  /, 
min.,  1835,  VII r,  390—417,  Taf.  IV  und  V.J  Das  Diluvial-Land  im 
Münsterschen,  überall  unmittelbar  auf  Kreide  liegend,  besteht  in  Thon 
und  Sand,  wovon  der  letztere  da,  wo  beide  Gebilde  zusammen  vorkom- 
men ,  stets  über  dem  Thone  liegt ,  eine  gelbe  oder  eine  schwärzliche 
Farbe  besitzt  und  eine  Mächtigkeit  von  20'— 30'  erreicht,  wesshalb  der 
Thon  nur  da  aufgeschlossen  zu  seyn  pflegt,  wo  Flussbetten  tiefer  ein- 
schneiden, oder  Brunnen  u.  dgl.  gegraben  werden.  Der  Thon  allein  ist 
es,  welcher  die  fossilen  Knochen  enthält,  nie  der  Sand;  wesshalb  diese 
denn  auch  nur  längs  der  Flussbetten  gefunden  zu  werden  pflegen,  wie 
an  der  Lippe,  der  Ems  und  der  Werse.  Am  reichsten  hat  sich  aber 
das  Lippe-Bett  erwiesen,  wo  die  Knochen  von  oberhalb  Lippstädt  an  ab- 
wärts bis  Dorsten  gefunden  worden  sind:  wohl  desswegen  hauptsächlich, 
weil  die  Schifffahrt  und  die  für  sie  nöthigcn  Flussbauten  an  diesem 
Flusse  mehr  Veranlassung  gegeben  haben.  Die  Knochen  pflegen  überall 
nur  einzeln  vorzukommen;  nur  bei  der  Stadt  Gesecke  wurde  1833  auf 
dem  Wege  viaich  Hären  ein  ganzes  Elephanten- Skelett,  aber  in  einem 
völlig  aufgelockerten  und  zerfallenen  Zustande  gefunden.  Alle  Knochen 
mit  Ausnahme  der  Pferde-Gebeine  haben  ihre  sämmtliche  Gallerte  ein- 
gebüsst.  Wenn  sie  im  Trocknen  aufbewahrt  werden,  so  schälen  sich 
allmählich  viele  dünne  Lagen  von  deren  Oberfläche  ab,  bis  der  ganze 
Knochen  zerfallen  ist.  Sie  lassen  sich  nur  dadurch  aufbewahren ,  dass 
man  sie  mehrmals  mit  Auflösungen  von  Gummi  arabicum  tränkt,  nach 
dem  man  den  entstandenen  Überzug  inzwischen  jedesmal  wieder  trocken 
werdiiu  Hess.  Die  meisten  der  aufgefundenen  Knochen  sind  in  das  Museum 
zu  Münster,  andere  in  das  des  Fürsten  Bentheim  gekommen,  einige  sind 
für  jenes  zu  Bonn  erworben  worden ;  einzelne  finden  sich  in  den  Hän- 
den von  Privatleuten.  Alle  unten  genannten  Reste  stehen  in  dem  erste- 
ren  beisammen;  alle,  von  welchen  nicht  ein  anderer  Fundort  angegeben 
worden,  stammen  von  der  Lippe.     Es  sind : 

L  Von  Elephanten:  mehrere  Stosszähne  bis  von  7'  Länge;  — 
mehrere  Backenzähne  auf  verschiedenen  Graden  der  Abnutzung,  0»n04 
bis  Om09  breit,  mit  12  —  15  Lamellen,  alle  von  E.  primigen  ins  her- 
rührend, —ein  beschädigter  Atlas,  0,16  lang,  —  wie  ein  erster  Rückenwirbel 


—     238     — 

ebenfalls  etwas  beschädigt,  mit  0,07  langem  Körper  und  0,07  weitem 
Kanäle ;  —  mehrere  Rippen,  wovon  eine  vollständige  über  die  Wölbung 
0  87  Länge  zeigt ;  —  vom  decken  das  ungenannte  Bein  mehrmals,  wor- 
unter sich  das  besterhaltene  durch  zwei  Merkmale  von  dem  des  E.  pri- 
ni  igen  ins  bei  Cüvier  unterscheidet,  indem  nämlich  die  Pfanne  0,16 
Durchmesser,  das  ovale  Loch  fast  0,14  Länge  und  fast  0,07  Breite  be- 
sitzt, während  Cüvier  bei  letztgenannter  Art  für  die  Pfanne  5"  und  für 
die  Länge  des  ovalen  Loches  6''6'"  umgibt  (Ann.  Mus.  VIII,  256),  und 
i.idem  zwischen  dem  oberen  Ende  des  Schambeines  und  dem  innern 
Rande  der  Pfanne  eine  fast  kreisförmige  Vertiefung  von  fast  0,05 
Durchmesser  vorkommt,  welche  sich  gegen  das  Schambein  hin  aüscbne 
und  in  der  von  Cüvier  gegebenen  Abbildung  nicht  bemerkt  wird,  so  dass 
dieses  Becken  eine  andere  Art  anzudeuten  scheint.  —  Ferner  ein  Ober- 
schenkelbein ,  ohne  Epiphysen  0,83  lang,  mehrere  Oberarmbeine  ,  stets 
ohne  obern  Kopf,  —  zwei  Ellenbogeuröbren  ohne  untere  Enden,  —  eine 
Speiche  ohne  untere  Epiphyse. 

II.  Vom  Rhinozeros:  mehrere  Backenzähne,  ganz  ähnlich  denen 
bei  Cüvier  (^Ann.  du  Mus.Yll,  pl.  i,  fig.  1— 3,  und  III,  pl.  iii,  fig.  1,5), — 
einige  nicht  ganz  vollständige  Oberarmbeine,  —  zwei  durchaus  vollstän- 
di^-e  linke  Speichen  von  0,37  Länge  mit  0,12  breiter  oberer  und  0,14 
breiter  unterer  Gelenk-Rolle,  —  eine  Ellenbogeuröhre,  —  einige  Atlasse, 
worunter  einer  dem  bei  Cüvier  (1.  c.  VII,  Tf.  vii.  Fg.  7)  entspricht,  der 
andere  von  einer  abweichenden  Art  ist,  und  welche  der  Vf.  beide  ver- 
gleichungsweise  abbildet  (Tf.  IV,  Fig.  A  und  B)  und  beschreibt;  er  hat 
an  des  Basis  der  obern  (vordem  ?)  Randes  seiner  Queerfortsätze  eine  viel  ge- 
ringere Ausschweifung  von  nur  -^"  statt  \\"  Breite  etc.  Keine  dieser 
zwei  Nashorn-Arten  wird  vom  Vf.  näher  bestimmt. 

III.  Vom  Ochsen,  und  zwar  dem  Lithauischen  Bos  urus'  ein 
Schädel  mit  gewaltigen,  2"  vor  der  Hinterhauptleiste  entspringenden  Horn- 
zapfea  u.  e.  a.  Reste  ;  einige  aus  dem  H^t^r^^-ßett. 

IV»  Von  Hirschen:  Zwei  unvollständige  Schädel,  mehrere  Ge- 
weih-Stücke und  einige  Knochen  der  Extremitäten.  Das  charakteristische 
Schädel-Stück  ist  Taf.  V  (Fig.  1  —  3)  abgebildet ;  auch  ein  dort  vorge- 
fundenes Geweihstück  (Fg.  4),  welches  unten  am  Rosenstock  abgebro- 
chen, unten  etwas  platt  gedrückt,  0,09  dick,  0,38  lang  erhalten,  nach 
oben  schaufeiförmig  verflächt,  am  Ende  0,05  dick  und  über  0,15  breit, 
und  durchaus  ohne  Augsprossen  ist,  daher  offenbar  einer  ausgestorbenen 
Art  [dem  Hirsch  mit  dem  Riesengeweih?]  angehört  hat.  Der  zweite 
Kopf  jedoch  scheint  dem  Vf.  nur  geschlechtlich  vom  vorigen  verschieden 
zu  seyn ,  da  er  kleiner,  ohne  Geweih-Zapfen,  an  der  Stirne  schmäler 
und  mit  schwächerer  Hinterhauptleiste  versehen  ist.  Vom  gemeinen 
Edelhirsch  sind  mehrere  Geweihe  im  Werse-Bett  vorgekommen. 

V.  Vom  Pferde:  Backenzähne  u.  a.  Theile,  ganz  mit  denen  des 
gemeinen  Pferdes  übereinkommend,  auch  durch  ihren  Gehalt  an  Gallerte 
ein  jüngeres  Alter  verrathend,  obschon  sie  in  gleichen  Gegenden  {Lippe) 


—     239     — 

wie  vorige  Arten  gefunden  worden.  Doch  ist  die  Gleichheit  der  Schich- 
ten nirgends  nachgewiesen. 

Der  Vf.  findet  die  Erklärung  schwierig,  wie  der  nordische  Auerochse 
in  demselben  tropischen  Klima  wie  die  Elephanten  und  Nashorne  habe 
leben  können,  und  möchte  daher  vermuthcn,  dass,  trotz  der  Ähnlichkeit 
in  den  einzelnen  Knochen,  die  fossile  Art  von  der  lebenden  verschieden 
gewesen  »eye. 


Deshayes  :  Berichtigte  Bestimmungen  einer  von  Andrze- 
jowsKi  an  BoüE  geschickten  Sammlung  fossiler  Konchylien 
Poduliens  {Bullet,  geol.  1835,  VI,  321—32.) 


Andrzejowski's 

Deshayes'      i 

Andrzejowski's 

Deshayes* 

Benennungen. 

Benennungen. 

Cor bula 

Cytherea 

gibba 

Corbula     gibba 

erycina 

Cytherea?  Ery. 

n.  sp. 

■    cina. 

Volhynica 

einzige  Art, 

Venus 

elliptica 
Gaetani 

der    C.    nucl  e  u  s 
\      selir  nahe. 

tricuspis 
littorea 

Venus   n.  sp. 

Lut  rar  ia 

Lutraria       ellip- 

Astarte 

tica  var. 

incrassata 

A  s  t  a  r  t  e      in- 

M ac  tr  a 

crassata. 

cyrena 

Mac tra  7i,  sp. 

pulchella 

Venus    radiata 

triangula 

7 

jun. 

striatellu 

ist  die  erste  Art. 

senilis 

Cytherea    mul- 

chamata 

M  a  c  t  r  a  n.  sp. 

t  i  1  a  ni  e  1 .  var. 

Erycina 

Puschii 

Cytherea  n.  sp. 

aiacrodoD 

Corbula      n.     sp. 

pseudodysera 

Venus    casina. 

affin.      C.    com. 
plan  ata  e. 

auricularis 

1       „          m  o  d  e- 
/                 staDuB. 

apelina 
Amphidesma 

dieselbe. 

planata 

l       „         obtusa 
)                 Sedg.  M. 

elliptica 

Amphidesma   el- 

C a  r  d  i  u  m 

liptica. 

ciliare 

Card!  um    echi- 

Tellina 

n  a  t  u  m 

rostralina 

Te  llina?(juvenilis) 

Lk.  «ar. 

D  o  n  a  X 

D  onax. 

Pallasianum 

e  X  i  g  u- 

Lucin  a 

u  m  MoKT. 

irregularis 

Lucina       gibbo- 

seniialatuni 

obli- 

sula Lmk. 

quum 

nummularia 

Lucina  nummu- 

jun. 

1  a  r  i  a  n.  SJ9. 

vcrrucosum 

.    H          n.sp. 

cülumbella 

,         c  0  1  u  ni> 

obliquum 

n.sp.l; 

niehtC.  oIjü- 

'         quum     Lmk. 

b  e  1 1  a  var. 

lithopodolicum 

notabilis. 

nivea 

„        nivea   n. 

pusillum 

C.   praeced. 

sp. 

quadrangulum 

Jun. 

eburnea 

n        eburnea 

V  ener icurdia 

n.  sp. 

aculeata 

Venericardia 

Cytherea 

».  sp. 

nitens 

Cytherea  chlo- 

planicosta 

Venericardia 

ne  var.  Ivevior, 

, 

n.  sp. 

Jahrgang  1837. 


16 


—     240     — 


AHDRK.IOW8K1'»  DESHAYEs'. 

Bvuennungen. 


V  en  er  icardi  a 

orbicularis 
p  ec  t  u  n  cul US 

nuniismalis 

affin  is 
orbiculus 

PlumstedicHS 

Tariabilis 

nummifotmis 

gracilis 

Area 
barbata 
minuta 

Nucula 
niargaritacea 


Venericardia 
s  u 1 ca  t  a 

;  Pectunculus. 
i      n.  sp. 
Pect.      ?  g  1  y  c  i  ni  e- 

r  i  s  var. 
Pect.      P 1  u  m  s  t  e- 

d  i  e  n  s  i  s. 
Pect,     cglycime- 

r  i  s    var. 
Pect,  zu  obigem  nu- 

niisnialis. 
Pjcet.    gracilis   n. 

'sp. 

Area  barbata 
Area  lactea   var. 

N  ucula  margar  i- 

tace  a 
unbestininib.  Kern. 


Isocardia 

^  ps^eud'ogryphina  Lk.C  hama   asperilla 


squamosa 

M  y  t  i  1  u  s   • 
plebejus 

navicula 

marginata 

Spondylus 

antediluvianus 

P  ec  t e  n 
Besser! 

elegaiis 

strialus 

gracilis 
C  a  l  y  p  t  r  a  e  a 

Duboisii 
T  u  r  r  i  t  e  1 1  a 

bicarinata 

Archimedis 

fasciata 

Tro  ch  u» 
patulus 

7 

turgidulus 

creHulalus 

Puschii 
graiiulato  striatus 

celina 

subcarinatus 

Andrzejowskii 

striatus 
Zttkowcensis 


Lk. 

Cliania  unbestimm- 
bai:. 

?Modiola  cym- 
baeformis  Sedg. 

Modioia  navi- 
cula 

M  o  d  i  o  1  a  ni  a  r  g  i- 
na  ta. 

P  1  i  c  a  t  u  1  a. 

P  e  c  t  e  n    ?  B  u  r  d  i- 

g  a  1  e  11  s  i  s  var. 
Pecteu    elegans 
Pecten      striatus 
Pecteu     gracilis 

PatcUa 

Turrit.     terebra 

Lmk. 
Turrit.   .\  r  c  h  i  u«  :  - 

dis. 
Turrit.  Arch  i  m  e- 

d  i  s  var. 

Trochus  patnius 
V  a  r  i  a  b  i- 
1  i  s  Sedgw.  M. 
Trochus      turgi- 
dulus. 
Trochus   Daude- 

b  a  r  d  i  var. 
Trochus    Puschii 
g  r  a  n  u- 
lato    striatus 
Trochus    celina 
w.  sp. 
„  Andrze- 

jowskii; 
Trochus  striatus 
?    c  o  n  u- 
l  u  s  var. 


Andrzejowski's 


Deshayes' 


Benennungen. 


Turb  o 

Creaienensis 
flavo  pictus 
helicoldes  i 

scobina 

Monodonta 
Araouis 

mammilla 
Ri  s  s  o  a 
striatula 

semicostata 

intlata 

turbiiiea 

costata 

tiirritella 

reticulata 

M  el  ania 
Eichwaldi 

rngulosa 
?  varicosa 
?  nieianopsis 

N  e  r  i  t  i  n  a 
ornatula 

N  a  t  i  c  a 
?  spadicea 

epiglottina   Pusch. 

helicina  Lmk. 

F  u  s  u  s 
acutiforntis 
poiygonatus 

Pleurotoma 
tuberculata 

suturalis 
glaberrima 
niinuia 
gracilis 
C  e  r  i  t  h  i  u  m 
plicatuin 

pygmaeum 


Campanicum 

gibbosuni 

rubiginosum 

calculosuni 

baccatuni 

pictuni 

coronatiim 
Turritella 

Triton 
Eichwaldii 
cancellinus 

M  ur  e  X 
plicatus 
angulosus 
scabridus 
tortuosus 


Namen  können  blei- 
ben. 


Monodonta       co- 
r  a  1 1  i  u  a 

Monodonta,  bleibt. 

Rissoa  cechlea- 

rella 
Riss,   costata  var. 

"       i      Namen 
*       \      bleiben. 

.        1  i  ni  a  ta. 
bleibt. 

Melania    spira- 
lis  s  im  a  Dub. 

Melania  I     bleibt. 

.         acuta. 

bleibt. 

Natica        Guille- 
mini  Payr. 

Natica    ?Diilwy- 
n  i  i. 

Natica       maculo- 
sa e  affin. 

F  u  s  u  s  bleibt. 

„        s  u  b  1  a  T  a- 
t  u  s  Bast. 


Pleurotoma 
berculosa. 

Pleur.      id. 

:     ::( 
..  \ 


tu- 

var. 
bleibt. 


C  e  r  i  t  h  i  u  m  n,  sp, 
Cerith.  /Latreil- 
1  lii  Payr. 
j  re  t  i  cu- 
( lat  um. 


bleibt. 


n.  sp. 

p  i  c  t  u  m 


var. 
C  e  r  i  t  h  i  u  ni 

tum  var. 
Cerithium     id 
C  e  r  i  t  h  i  u  m    id. 


p  1  c- 


Triton  (bleibt.)^ 

Mn'rex  n.  sp. 
J  bleibt. 


—     241      — 


AwoRiKJowsKt's  Deshayes' 

Benennungen. 


Akdrzejowski's  Dgshäte*' 

Benennungen. 


Balln  Cyc;lostoma 

Lajonkairiana  var,  Bulla  n.  $p.  I      Bialozurcense  Cyelostonia  I     bleibt. 

A.  !      rotundatum  .  i 

Lichtensteinil  ..        bleibt.  i 

lignarioides  .        bleibt.  j 


H.  R.  Göppert:     über    den    Zustand,   in    welchem  sich   dieigi 
fossilen  Pflanzen  befinden,    und  über  den  Versteinerungs- 
Process  insbesondere  CPoggknd.  Annal.  d.  Phys.  1836,  XXXVUl,^ 
561—573,  und  XXXIX,  222—823).    Wir  haben  schon  eine  vorläulige 
Nachricht    über    diesen    Gegenstand    mitgetheilt    f^ahrb.  1837,  S.  H7.J 
Hier  das  Ausführlichere.    Verwandlung  durch  Feuer.     Gewöhnlich 
liegen  Pflanzeatheile  älterer  Formationen  wie  verkohlt,  höchst  selten  aber 
nur  gebräunt,     noch  völlig  biegsam    und    wie    getrocknet    zwischen    den 
Schieferplatten.     Doch    hat    der  Vf.  einen  Saaujcn    der  Art  aus  der  Por- 
phyrkohlen-Formation von  Charlottenbrunn  und  eine  neue  Alethopteris 
in  weisslichem  Thone  der  Steinkolilen-Formalion  aus  den  Thoneisenstein- 
gruben     von    Kreutzburg    in    Oberschlesien    vor    sich.  *)      An    ersteren 
kann  man  die  zellige  Struktur,    an    letztern    die  gestreiften  Gefasse  der 
Blattnervcn,    das  Zellgewebe  des  Parenchyms,  die  netzförmige  Oberhaut 
und  sogar  die  Stomate  wieder  erkennen.     Nach    dem  Glühen    der  Stein- 
kohlen-Fähren bleibt,  wie  an  denen  der  Jetztwelt,  ein  aus  Kali  bestehen- 
des Skelett  zurück,    welches    aber    durch  Wasser    bis   auf  einen  kleinen 
kieseligen  Rückstand    sogleich    aufgelöst   wird ,    zum  Beweise,    dass  vor 
oder  während  der  Einschliessnng  diese  Pflanzen  in  Thon  das  Wasser  unmög- 
lich lange  auf  dieselben  eingewirkt  haben  könne,  wie  denn  auch  Karsten  bei 
der  chemischen  Zerlegung  des  fossilen  Holzes  und  der  Braunkohle  kein 
feuerbeständiges  Alkali  erhielt.  —  Biingt  man  frische  Fahren,  Dikotyle-' 
douen  u.  s.  w.  zwischen  weiche  Thonplatten,  trocknet  diese  im  Schatten 
und  erhitzt  sie  allmählich  bis  zum   Glühen  ,    so    kann    man    den  fossilen 
Pflanzen  täuschend  ähnliche   Produkte  erhalten  :  von  dem  gebräunten  bis 
zum  völlig  verkohlten  Zustande,  selten  jedoch  glänzend  schwarz  auf  der 
Platte  fest  anliegend ;  bei  anhaltendem  Glühen    bis  zur  Zerstörung  alles 
Organischen  bleibt  der  blosse  Abdruck  zurück,  wie  von  den  Pflanzen  in 
der  Schlesischen   Grauwacke,    im  Kohlensandstein  und  von  den  zahlrei- 
chen Dikotyledonenblättern  in  Quadersandstein.    Die  geringe  Menge  von 
Kohlenstoff,  welche  die  Pflanze  liefert,  durchdringt  dabei  die  benachbar- 
ten Thonlager    bis    zu    völliger  Schwärzung,    woraus  hervorgeht,    dass 
man    die    schwarze    Farbe    der   Kolilenschiefer    nicht    von    beigemengter 
Steinkohle    herzuleiten    brauche,    so  wenig  als    die    in    den    fossilen  Ab- 
drücken   enthaltene    schwarze   Masse    als  Steinkohlenmasse    zu    erklären 


*>  Derselbe  Fall  tritt  «ehr  ausgezeichnet  ein  bei  den  Cycadeen    der   neuen  Welt 
bei  Batet.  Br. 


—     242     — 

ist.  —  Nichts  an  den  in  Schlesien,  Berlin  und  Prag  untersuchten  Pflan- 
zen der  Steinkohlen-Formation  verrieth  dem  Vf.  die  Spur  einer  durch 
Fäulniss  veranlassten  Destruktion  ,  wesshalb  man  annehmen  kann  ,  dass 
die  Steinkohlen-Formation  ein  vollständiges  Bild  der  damaligen  Vegetation 
liefere  9  und  auf  Lindley's  Versuche  über  die  verschiedene  Einwirkung 
von  Fäulniss  auf  verschiedene  Pflanzen-Familien  nicht  zu  grosses  Ge- 
wicht legen  darf. 

Einwirkung  des  Wassers.  Dieser  Resultate  ungeachtet  glaubt 
der  Vf.  doch ,  dass  die  Umbildung  der  fossilen  Pflanzen  viel  häufiger 
*auf  nassem,  als  auf  trockenem  Wege  erfolgt  seye,  weil  er  sich  sonst 
nicht  die  oft  an  einem  und  demselben  Holzstücke  vorkommende  lagen- 
ifeise  Verwandlung  in  Holz,  Kohle  oder  Stein  genügend  zu  erklären 
wüsste ,  welche  schon  im  XVI.  Jahrhundert  IBalthasar  Klein  und 
Mathiolüs  (epist.  edit.  Bauhm.  III,  p.  142,  Liigd.  Bat  1564)  beobachtet 
haben.  Die  Pflanzen-Reste  der  Braunkohle  sind  oft  nicht  verkohlt,  son- 
dern nur  getrocknet  und  von  demjenigen  Holze  wenig  unterscheidbar, 
das  eine  Zeit  lang  in  Wasser  gelegen. 

Die  Versteinerung  der  wirklich  versteinerten  Pflanzentheile  Hess 
Agricoi:'A  {lib.  III  de  ortu  et  causis  subterran.  p.  507 ;  lih.  VII  de  na- 
tura fossilium  p.  639)  durch  einen  in  die  Zwischenräume  eindringenden, 
steinhaltigen  Saft  geschehen.  Schf.uchzer,  Walch,  Schulze,  Schröter, 
Wallerius  d.  ä.  kamen  in  der  Ansicht  überein ,  dass  bei  der  Versteine- 
rung gewisse  Theile  durch  Exhalation  —  welche  bei  Pflanzen  durch  Ver- 
erdung,  bei  Thieren  durch  Caicination  bewirkt  werde  —  ausgeschieden 
und  dann  durch  erdige  und  metallische  ersetzt  würden.  Neuer- 
lich hat  Niemand  den  Prozess  durch  Experimente  weiter  verfolgt ,  und 
Faraday  erklärte  ihn  zu  Anfang  des  Jahrs  1836  für  völlig  unbekannt, 
indem  alle  neueren  angeblichen  Versteinerungen  blosse  Überziehungen 
mit  kieseligen  und  kalkigen  Stoffe«  ohne  die  sons^  gewöhnliche  schöne 
Erhaltung  der  organischen  Form  seyen.  (The  Lancett,  1836.  Feh.  6  > 
Froriep  Notitz.,  1836,  Mai,  XLVIII,246—247.)  Inzwischen  gelingt 
der  Versuch  loicht  und  in  unerwartet  kurzer  Zeit  sehr  wohl.  Legt  man 
Pflanzentheile  in  eine  massig  konzentrirte  Auflösung  von  schwefelsaurem 
Eisen  einige  Tage  oder  Wochen  lang,  so  lange  nämlich,  bis  die  Aus- 
scheidung desselben  an  ihren  äusseren  Tbeilen  eine  hinreichende  Sätti- 
gung andeutet,  trocknet  sie  ab  und  glühet  sie,  bis  sich  ihr  Volumen 
nicht  mehr  ändert  oder  jede  Spur  organischer  Substanz  verschwunden 
ist ,  so  erhält  man  beim  Erkalten  das  hiebei  gebildete  Oxyd  in  Gestalt 
der  Pflanze  wieder.  Vertikal-Schnitte  von  Pinus  sylvestris  zeigten 
noch  dieser  Behandlung  die  punktirten  Gefässe  noch.  Fahren  ihrer  Spo- 
rangien  ;  Bluthenstaub  und  selbst  Pilze  wie  Agaricus  deliciosus  und  Cia- 
varia flava  erhielten  sich  trefflich.  Versuche  mit  Kieselerde  gediehen 
.  am  besten  bei  Anwendung  der  Kieselfluor- Wasserstoffsäure,  deren  Fluor- 
säure sich  beim  Brennen  verflüchtigt  und  die  Kieselerde  in  Form  der 
Pflanze  zurücklässt.  So  gelangt  man  auch  mit  den  übrigen  Erden  und 
Ketallen  zum  Ziele,  wenn  man  Verbindungen  wählt,  deren  Säure  durch 


—     243     — 

<lie  Hitze  leicht  versetzt  wird,  wie'essigsaure  Kalk-,  Schwer-  undThon- 
Erde,  welche  in  kohisaure  Verbindungen^  —  salpctersaures  Silber,  salz- 
saures  Gold  und  Platin^  welche  in  regulinisches  Metall ,  —  essig- 
saures Kupfer,  welches  in  braunes,  —  essigsaures  Nickel  und  sau- 
res chromsaures  Kali  ,  welches  in  olivcngriines  ,  —  essigsaures 
Blei ,  welches  in  gelbes ,  —  Mangan,  welches  in  metallisch  glän- 
zendes Oxyd,  »^  Kobalt,  Wolfram  und  Malybdän ,  welche  ebenfalls  in 
Oxyde,  mehr  oder  weniger  mit  Beibehaltung  der  organischen  Struktur 
verwandelt  werden.  Je  mehr  Gefässe  und  je  weniger  Zellgewebe  und 
Kali  ein  Pflanzenthcil  enthält,  desto  besser  gelingen  die  Versuche^  u.  u. 
Daher  Kraut>artige  Pflanzen  sich  zur  Erhaltung  auf  diesem  Wege  so 
wenig  eignen.  —  Legt  man  das  Präparat  in  Wasser ,  so  löst  sich  das 
noch  vorhandene  Kali-Skelett  auf,  und  man  sieht  sodann  deutlicher,  dass 
die  Fasern,  Zellen  und  Gefässe  selbst  in  Erde  oder  Metall  verwandelt, 
und  nicht  bloss  damit  erfüllt  oder  überzogen  sind.  Bei  Verwandlungen 
in  regulinisches  Metall  darf  man  das  Glühen  nicht  über  ^  Stunde  fort- 
setzen, weil  sonst  das  Metall  zusammensintert  und  hiedurch  die  Struktur 
alterirt  wird.  Enthält  eine  Pflanze  zu  viel  Kali,  so  löst  sich  fast  Alles 
wieder  in  Wasser  auf,  und  es  bleiben  nur  einzelne  auseinanderfallende 
Gefässe  oder  Zellen  zurück.  So  ergibt  sich  von  dieser  Seite  allerdings 
eine  Andeutung  darüber ,  welche  vorweltliche  Pflanzen  ohne  Hinterlas- 
sung einer  Spur  untergegangen  seyn  dürften.  —  Auch  faserige  und 
überhaupt  härtere  thierische  Theile  (Krebs-Muskeln,  Insekten-Flügel  und 
-Fühler,  Infusorien  etc.)  sind  zur  nämlichen  Behandlung  geeignet;  aber 
der  Versuch  raisslingt  um  so  mehr,  je  mehr  Fett  diese  Theile  enthalten, 
da  sich  dieses  beim  Glühen  aufblähet  und  das  Ganze  in  eine  formlose 
Masse  verwandelt.  —  Somit  ergibt  sich,  dass  der  natürliche  Versteine- 
rungs-Prozess  mit  einer  Imprägnation  begann ,  wonach  das  Organische 
entweder  durch  hohe  Temperatur  ,  oder  auf  nassem  Wege ,  oder  wahr- 
scheinlich durch  alimähliche  stille  Verwesung  entfernt  wurde. 

Pfia^nzen  eine  Zeit  lang  in  Kiesel-Fluorwasserstoflf-Säure  gelegt,  er- 
balte» einen  hellen  und  durchsichtigen  Chalcedon-LJberzug  (wie  Hyalith.) 


Virlet:  über  die  Thierfährten  im  Sandstein  von  Hild- 
burghausen (Bullet,  geol.  1836,  VIII,  220—224:.)  V.  will  nur  eine 
Beschreibung  des  Gegenstandes  geben,  ohne  sich  auf  eine  Deutung  der 
Thiere  einzulassen,  von  welchen  diese  Fährten  herstammen;  nur  bemerkt 
er ,  dass  die  Netz-förmigen  Figuren  auf  der  Oberfläche  der  Gesteins- 
schicht eine  auf  denjenigen  Flächen  mancher  Sandsteine,  welche  auf  sich 
stärker  zusammenziehenden  thonigen  Schichten  aufliegen,  gewöhnliche 
Erscheinung  seye.  Da  übrigens  der  Vf.  die  nämliche  Platte  vor  sich 
hat,  welche  Kbssler  auf  seiner  I.  Tafel  abgebildet  und  wovon  schon  in 
diesem  Jabrbuche  (183  7,  S.  111)  die  Rede  gewesen,  so  müssen  wir  uns 
sehr  wundern,  durch  diese  nur  zur  Feststellung  der  Thatsachen  bestimmte 


—     244     — 

Beschreibung^,  d«D  SicKLER'scheii  und  KEssLEa'scheii  Mittheilungen  ge- 
genüber, zu  erfahren:  1)  dass  die Vorderfüsse  der  grossen  Thiere  (Chi- 
rotherium  majus)  nur  dreizehig  seyen  ;  2)  dass  das  zweite  Thier 
(Ch.  minus)  nur  ein  kleineres  Individuum  des  vorigen  sey ;  3)  dass 
beiderlei  Füsse  des  dritten  Thieres  nur  vierzehig  seyen,  4)  dass  es  nur 
5  Schritte  auf  dieser  Steinplatte  gemacht  (Kessler  zeichnet  6  Schritte 
mit  7  Fährten-Paaren)  und  5)  dass  die  Fährten  wie  beim  Hunde  gestellt 
seyen !  Später  (S.  260)  will  er  Croiset's  Ansicht  (s.  nachher)  über  den 
Daumen  nicht  für  unmöglich  halten,  und  gibt  nach  Michelin  au,  dass 
die  zwei  ersten  Individuen  zweien  Arten  angehören  sollen. 


Croizet  eben  darüber  (ibid.  S.  259—260.)  Cr.  hatte  dieselbe 
Platte  mitViRLET  untersucht,  dieselben  thatsächlichen  Resultate  erhalten, und 
ist  über  den  unorganischen  Ursprung  der  angeblichen  Pflanzenwurzeln 
mit  ihm  gleicher  Meinung ;  leitet  aber  2)  die  Fährten  der  zwei  ersten 
Thiere  von  einem  Reptile  aus  der  Zeit  jener  Sandsteinbildungen  ab, 
dessen  Füsse  eben  von  denen  unserer  jetzigen  Reptilien  sehr  verschieden 
gewesen  seyen ,  hält  jedoch  mit  Laurillarb  den  angeblichen  Daumen 
bloss  für  einen  fleischigen  Anhang  ohne  Nagel  unter  der  Ferse,  wodurch 
sich  dessen  nach  aussen  gerichtete  Stellung  erkläre. 


Croizet  :  Nachtrag  zum  vorigen  (ibid.  S.  265 — 266.)  Er  gesteht 
ein  ,  sich  überzeugt  zu  haben  ,  dass  die  zwei  ersten  Individuen  (Chiro- 
therien)  auch  an  den  Vorderfüssen  vier  Zehen  besessen,  und,  da  grosse 
Säugethiere  in  der  Bildungszeit  des  bunten  Sondsteines  noch  nicht  ge- 
lebt hätten,  mit  deren  Füssen  diese  Fährten  allerdings  mehr  Ähnlichkeit 
haben  würden ,  so  glaubt  er  diese  von  einem  Reptil  ableiten  zu  müssen 
und  mit  grösster  Wahrscheinlichkeit  von  einem  Salamander  ableiten 
zu  können  ,  da  auch  die  Salamander  vier  Zehen  an  beiderlei  Extremitä- 
ten und  nackte  (unbeschuppte)  Fusssohlen  besässen  ;  obschon  anderseits 
wieder  ihre  Füsse  länger  und  weit  mehr  nach  aussen  gerichtet  seyen. 
Allerdings  deute  ferner  die  Schrittweite  auf  lange  Beine  hin ,  und  kamen 
auch  Beutelthiere  schon  in  den  Oolithen  vor.  Wie  die  Beutelthiere  habe 
jedoch  die  grosse  Thierart  ihre  Füsse  nicht  gestellt.  —  (Virlet  bemerkt, 
dass  bei  Batrachiern  der  Hinter-  und  der  Vorder-Fuss  nicht  so  nahe 
beisammen  stehen  könnten.) 


IV.  Verschiedenes. 


Mineralogische  Vorträge  bei  der  Versammlung  Deut- 
scher Naturforscher  und  Ärzte  in  Jena  im  Sept.  1836  (Amtli« 
eher  Bericht  darüber,  4^.  Jena  1837.) 

A)    In  den  allgemeinen  Sitzungen  trug  vor 


~     245     — 

1)  Göppert:  über  den  Zustand,  in  welchem  sich  die  fos- 
silen Pflanzen  befinden,  und  über  den  Versteinerungs-P  ro- 
zess  insbesondere  S.  49  —  53.  [Wir  thciiten  darüber  den  Auszug; 
einer  ausgeführteren  Abhandlung  schon  S.  241  mit,] 

2)  OsANN :  über  die  in  Perioden  steigende  und  fal- 
lende Salzquelle  der  Saline  zu  Kissingen  S.  53 — 57.  ")  Diese 
Quelle  zwischen  den  Gradirhäusern  gelegen,  war  bis  1822  wenig  aus- 
giebig. Kleinschrod  liess  Bolirvcrsuche  anstellen ,  in  deren  Folge  sie 
aus  298' Tiefe  unter  dem  Boden  des  26'  tiefen  und  8'  weiten  Bohrschachts 
in  ihrer  jetzigen  Form  und  Reinheit  hervortrat.  Das  Bohrlocl), 
in  der  Mitte  jenes  Bodens,  ist  4"  weit  und  liefert  in  jeder 
Minute  40  C  oder  16  Eimer  Salzwasser  von  Z\^.  Anfänglich  wa- 
ren ihre  Erscheinungen  sehr  unregelmässig:  sie  blieb  halbe,  ganze  und 
mehrere  Stunden,  im  J.  1823  sogar  einmal  18  Stunden  lang  ganz  aus. 
Seit  6 — 7  Jahren  aber  sind  ihre  Erscheinungen  in  ihrer  Regelmässigkeit 
gleich  geblieben.  Das  Wasser  beginnt  aus  der  Mündung  des  Bohrloches, 
unter  welche  es  nie  hinabsinkt,  überzusprudeln,  sein  Spiegel  hebt  sich 
im  Schachte  mit  zunehmender  Geschwindigkeit  bis  einige  Fuss  unter 
dessen  Pvand ,  wo  noch  etwas  tiefer  eine  seitliche  Abflussröhre  es  ablei- 
tet; es  wirft  dabei  Blasen  in  Menge,  es  wallet,  wie  im  Sieden  begriffen, 
auf  und  ein  weisser  Schaum  strömt  von  der  Mitte  des  Spiegels  gegen 
dessen  Ränder  hin  ab ;  einige  Fuss  hoch  über  dem  Spiegel  bildet  sich 
eine  Schichte  von  kohlensaurem  Gase,  das  man  mit  einem  Hute  davon 
abschöpfen  kann  ;  man  vernimmt  endlich  dumpfe  ferne  Stösse  ,  der  Was- 
serspiegel wird  ruhiger  und  beginnt  wieder  ^is  zur  Mündung  des  Bohr- 
loches zu  sinken,  die  es  nach  15  Minuten  erreicht  hat.  Dieser  Wechsel 
wiederholt  sich  täglich  mehrmals:  alle  4  Stunden  einmal,  wenn  zugleich 
zwei  der  im  Schachte  stehenden  Saugröhren  dessen  Wasser  zu  den 
Werken  fördern,  und  fast  alle  2  Stunden  einmal,  wenn  sieben  es  thun. 
Auf  den  benachbarten  Wiesen  sind  Stellen,  wo  sich  kohlensaures  Gas 
aus  dem  Boden  entwickelt:  es  wächst  nur  weniges  röthliches  Gras  dar- 
auf und,  wenn  der  Boden  durch  Regen  nass  ist,  sieht  man  Luftblasen 
sich  bilden.  0.  erklärt  sich  die  Erscheinung  auf  folgende  Weise.  Im 
Innern  der  Erde  entbindet  sich  fortwährend  kohlensaures  Gas,  wahr- 
scheinlich durch  Zerlegung  von  vulkanischer  Glühhitze  ausgesetzten 
Kalksteinen.  Die  Nähe  eines  vulkanischen '  Heerdes  erkennt  man  aus 
den  alten  Eruptions-Kratern  (z.  B.  zwischen  dem  Euter  und  dem  Pferde- 
köpf ;  die  zwei  Gleichberge  bei  Bhömhild  etc.)  und  den  Asche-  und  Lava- 
Anhäufungen  {Pferdekopf)  in  der  benachbarten  Rhone.  Dieses  Gas 
strömt  in  ein  unterirdisches  Gewölbe,  in  welches  aus  andern  Bassins 
auch  Salzwasser  eindringt.  Letzteres  sammelt  sich  zu  unterst,  ersteres 
darüber.  Eine  Öffnung  in  der  Nähe  des  Bodens  leitet  aus  diesem  Ge- 
wölbe in  das  Bohrloch.  Im  Verhältniss,  als  das  Gas  sich  unter  dem 
Gewölbe  ansammelt,  treibt  es  das  Wasser,  das  sich  zugleich  damit  an- 
schwängert  und   bei   dem    grossen   mechanischen   Druck   im   Übermaas 


•)  Vergl.  Jahrb.  1834,,  S.  124. 


—     246     — 

dasselbe  aufnimmt,  in  jene  Öffnung  und  Im  Bohrloch  in  dfe  Höhe,  l^is 
es  über  dem  niedergedrückten  Wasserspiegel  selbst  in  die  Öffnung  ein- 
drino-en  und  im  Bohrloche  emporquellen  kann.  Letzteres  geschieht  der 
Leichtigkeit  des  Gases  wegen  mit  grösserer  Geschwindigkeit,  als  von 
Seiten  des  Wassers ,  dem  es  zuvoreilt.  Je  näher  Wasser  und  Gas  der 
Oberfläche  kommen,  desto  mehr  dehnt  sich  das  letztere,  des  verminderten 
Druckes  wegen,  aus  und  desto  schneller  treibt  es  die  noch  darüber 
stehende  Wassersäule  aufwärts,  woraus  sich  das  beschleunigte  Steigen 
des  Spiegels  im  Schachte  erklärt.  Weiter  gegen  Tag  hin  geht  das 
Bohrloch  durch  lockere  Erdschichten,  in  welche  ein  Theil  des  Gases  ein- 
dringt ,  um  auf  der  Wiese  hervorzutreten  ,  und  sodann  einen  Nachlass 
im  Steigen  des  Spiegel-s  bewirkt.  So  wie  ein  Theil  des  Gases  entwi- 
chen ist,  kann  der  übrige  die  Wassersäule  nicht  mehr  tragen  ;  sie  stürzt 
zurück  und  veranlasst  die  dumpfen  Stösse.  Je  mehr  Saugröhren  gleich- 
seitig im  Schachte  schon  während  des  Ansteigens  an  der  Entfernung 
des  Wassers  arbeiten,  desto  geringer  bleibt  der  Wasserdruck,  desto  freier 
entwickelt  sich  das  minder  komprimirte  Gas,  desto  kürzer  ist  die  Periode 
des  Stefgens.  Die  Elastizität  des  Gases  ist  zweifelsohne  noch  erhöhet 
durch  eine  wärmere  Temperatur  ,  die  es  im  Innern  der  Erde  hat ,  und 
durch  welche  auch  dessen  Kompression  bis  zum  tropfbar-flüssigen  Zu- 
stand mehr  gehindert  wird. 

3)  C,  E.  Hammerschmidt  aus  TVien ,  über  artesische  Brun- 
nen und  eine  neue  Methode  zur  Boiirung  derselben. 
S.  65 — 66,  begleitet  von  Vorlegung  eines  Models. 

4>  Plikninger  :  über  die  Resultate  der  bisherigen 
Bohrversuche  auf  Wasser  in  den  verschiedenen  Ge- 
birg s  -  Fo  rma  ti  o  n  e  n  Württembergs^  S.  66—69.  Man  kennt  in 
Württemberg  120  angestellte  Bohrversuche.  1)  Im  bunten  Sand- 
stein einen  zu  Kalw\  er  gab  aus  104'  Tiefe  in  festem  Gestein  ein 
eisenhaltiges,  nun  zu  einer  Badeanstalt  benutztes  Wasser,  dessen  Niveau 
sich  3'  über  dem  Nagold ~S^\ege\  auch  bei  fortgesetztem  Pumpen  kon- 
stant erhält.  —  2)  Alle  17  Bohrungen  in  dem  über  Muschelkalk  zu 
Kanstadt  und  Berg  *)  durch  die  aus  diesem  entspringenden  natürlichen 
Sauerquellen  allmählich  in  40' Mächtigkeit  und  Meilen-weiter  Erstreckung 
abgesetzten  Süsswasserkalk  und  eisenschüssigen  Kalktuff  haben  ein  über- 
strömendes Sauerwasser  geliefert,  das  überall  dieselben  Bestandtheile  an 
Salzen  und  Kohlensaure,  nur  in  lokal  abweichenden  Verhältnissen  und 
in,  mit  der  Entfernung  von  genanntem  Mittelpunkte  abnehmender  Stärke 
des  Gehalles  zeigt.  Im  Jahre  1777  wurde  der ^ erste  dieser  Versuche 
veranstaltet  und  lieferte ,  statt  der  erwarteten  Soole ,  den  heutigen 
Kurbrunnen  von  ZCäfwsfaiff;  die  übrigen  fanden  erst  in  den  letzten  6  Jah- 
ren Statt ,  ergaben  aber  jedesmal  nicht  nur  selbst  eine  geringere ,  son- 
dern auch  die  der  älteren  Bohrlöcher  vermindernde  Wassermenge.  Diese 
Bohrlöcher   dringen    bis   auf   oder   in    den   Muschelkalk   ein.     Auch  im 


•)  Vergl.  Jahrb.  183T,  S.  137. 


-     247     — 

Oberarat  Vaihingen  trieb  man  in  solchem  über  Muschelkalk  ruhenden  Süss- 
wasserkalk,  um  Aufschlagvvasser  für  eine  Mühle  zu  erhalten,  etwa 
%0  Bohrlöcher  in  12'  —  30'  Entfernung  von  einander  auf  30'  —  40'  Tiefe 
nieder,  wovon  die  Hälfte  ein  nur  1' übersteigendes  schwach  mineralisches 
Wasser  lieferte.  Bei  der  Schwefelquelle  des  Bades  Niederau  in  Muschel- 
kalk erhielt  man  eine  im  Schacht  bis  10'  unter  Tag  ansteigende  Quelle, 
welche  reich  an  Kohlensäure  und  ohne  Spur  von  Schwefelwasscrstoffgas 
ist.  Eine  Viertelmeile  davon  ergrub  man  am  Neckar-\](er,  geleitet  durch 
Bodenstellen  ohne  Vegetation,  wo  sich  bei  Regenwetter  Luftblasen  bil- 
deten ,  in  18'  Teufe  eine  Quelle ,  welche  reich  an  Kohlensäure  ,  aber  är- 
mer an  fixen  Salzen  ist,  als  die  Kan^tadter  sind,  und  bereits  zum  Ba- 
den benutzt  wird.  Mehrere  andere  Versuche  in  Muschelkalk  lieferten 
anstehendes  Wasser,  oder  misslangen  nur  durch  die  Schuld  der  Arbeiter. 
Im  Ganzen  gaben  von  39  in  Muschelkalk  niedergeschlagenen  Bohrlöchern 
25  ein  überströmendes  ,  2  ein  anstehendes  Wasser  und  sind  12  misslun- 
gen  ;  und  von  7  verschiedenen  Lokalitäten,  wo  diese  Versuche  gemacht 
wurden,  gaben  3  ein  günstiges  l^lesultat.  —  3)  In  der  Keuperformation 
hat  man  an  33  Orten  46  Bohrungen  angestellt,  von  welchen  12  Orte  mit 
23  Bohrlöchern  ein  wenig  überströmendes,  4  Orte  mit  16  Löchern  ein 
durch  Pumpen  zu  förderndes  Wasser  lieferten  ,  7  Bohrlöcher  aber  miss- 
langen. In  mehreren  Fällen  leitete  auch  hier  das  Vorkommen  eines 
Süsswasser-Tuffs  bei  Auswahl  der  Bohrplätze,  und  einige  bereits  erzielte 
Pumpwasser  verloren  sich  wieder  beim  Weiterbohren  in  die  Tiefe.  — 
4)  Im  Lias  hat  man  an  11  Orten  13  Bohrlöcher  getrieben,  wovon  an 
4  Orten  4  Löcher  ein  schwach  überströmendes  etwas  Schwefelwasser- 
stoflf-haltiges,  und  2  ein  Pump-Wasser  gaben.  An  einer  Stelle  kommt  eben- 
falls KalktufF  vor.  —  5)  Im  Jurakalk  stehen  an  13  Orten  18  Bohrlöcher, 
4  im  Donau-  und  im  Är^wx-Thale,  9  auf  der  Höhe  der  Schwäbischen 
Alp.  Jene  4  gaben  Pumpwassev,  diese  9  misslangen  theils  vor  der  Voll- 
endung, theils  nach  derselben  durch  Versenkung  des  bereits  erhaltenen 
Pump-Wassers  in  grössere  Bohrtiefe.  Erreicht  man  beim  Brunnengraben 
auf  der  Alp  Basalt  oder  Basalt -Tuff,  so  kann  man  —  eine  schon  alte 
Beobachtung  —  mit  Sicherheit  auf  baldiges  Erscheinen  von  Wasser 
schliessen.  Ein  reichliches,  bis  zu  12'  Höhe  übersteigendes  Wasser  er- 
hielt man  dagegen  kürzlich  zu  Oberdissingen  im  Do«a«-Thale  mit  3  bis 
zu  101'  Tiefe  durch  den  Süsswasserkalk  der  Molasse  in  den  Jurakalk 
niedergebrachte  Bohrlöchern. 

5)  Ehrenberg:  über  die  neuesten  Fortschritte  in  der 
Erkenntniss  der  Infusorien  als  Felsmassen,  S.  .69— 77.  j^Wir 
verweisen  auf  unsere  besondern  Auszüge,  S.  105  und  spater.] 

B.     In  der  physikalischen  Sektion  sprach 

1)  DovE :  über  ein  optisches  Unterscheidungs-Mittel  rechts  und 
links  gewundener  Krystalle. 

2)  Magnus  :  über  die  Temperatur-Zunahme  in  einem  artesischen 
Brunnen  bei  Magdeburg  \  sie  betrug  0**5  Reaum.  auf  jede  50'  Tiefe. 


—     248     — 

3)  MiTSCHERLicH :  Über  Einfluss  der  Wärme  auf  ungleiche  Ausdeh- 
nung der  Krystalle  mit  entschiedenen  Achsen. 

C.  In  der  physikalisch-chemischen  Sektion 

1)  legte  DÖBEREINER  mehrere  in  einem  Hochofen  am  Hartae  heim 
Kupferröst-Prozesse  des  Kupferkieses  und  des  arsenikhaltigen  Schwefel- 
kieses durch  Sublimation  gewonnene,  zu  Drusen  versammelte,  deutlich 
ausgebildete,  aber  nach  dem  Mittelpunkte  hin  eingesunkene  oktaedrische 
Krystalle  der  arsenigen  Säure  vor. 

2)  TiLEsius  sprach  über  submarine  Vulkane. 

3)  MiTscHERLicH  legte  mehrere ,  versthiedenen  Mineralien  analoge 
Kunstprodukte  vor,  nämlich  Magneteisenstein,  Zinkblende,  Augit  (zu 
Paris  mit  Berthier  dargestellt),  Chrysolith  in  grossen  und  gut  ausge- 
bildeten Krystallen,  welche  auch  riicksichtlich  der  physikalischen  Eigen- 
schaften mit  den  natürlichen  Individuen  genau  übereinstimmen  :  —  ferner 
künstlichen  einachsigen  Glimmer  beim  Kupferschmelz- Prozesse  entstan- 
den, durch  leichte  Schmelzbarkeit  und  einen  Gehalt  von  Eisenoxyd  an 
der  Stelle  der  isomorphen  Thonerde  ausgezeichnet;  —  Feldspath-Krystalle 
von  der  Sancferhäuser  Kupferhütte  u.  s.  w.  Er  redete  über  Kohlen- 
säure: Entwickelung  aus  der  in  Erdrisse  eingedrungenen  atmosphärischen 
Luft,  —  und  von  einigen  ohne  Schmelzung  vulkanisirten  Terrains  in  der 
EifeL 

4)  Brandes  redete  vom  Gehalt  der  Mineralquellen  an  Kohlensäure, 
von  deren  Entstehung  und  Ausdehnung. 

5)  Neef  theilte  eine  Notitz  mit  über  Cross's  künstliche  Bil- 
dung von  Krystallisationen,  insbesondere  von  Quarzkrystallen 
aus  Fluorkieselsäure,  durch  jahrelang  fortgesetzte  Wirkung  eines  Elek- 
trometers. Der  Quarz  erschien  zuerst  als  ein  Sechseck  auf  der  Matrix  ; 
alsdann  strahlten  Linien  vom  Mittelpunkte  ans,  hierauf  bildeten  sich 
neue  Linien,  welche  die  Konturen  der  Säule  bezeichneten,  wodurch 
das  Individuum  immer  dicker  wurde.  Und  indem  ein  zweiter  Krystall 
auf  dem  ersten  entstand,  wurde  das  Wachsthum  des  ersten  unter- 
brochen. 

D.  In  derSektion  fürGeognosie,  Geographie  undMine- 
ral  ogie  sprach 

1)  V.  Hoff  über  den  geognostischen  Bau  des  sich  zunächst  an  den 
TÄwrtWjgr^r- Wald  anschliessenden  Thüringenschen  Terrains  im  Gothaischen, 
beschrieb  die  Erscheinungen  der  Oberfläche  und  die  Schichten-Ordnung, 
zeigte  einige  Muschel-Versteinerungen  aus  dem  Keuper,  deren  Ursprung 
aus  dem  Meere  oder  aus  Süsswassern  zweifelhaft  war,  legte  Zeichnun- 
gen von  Pflanzen-Versteinerungen  un,d  eines  mit  ihnen  vorgekommenen 
grossen  Reptiles  vor  (Plteninger  zeigte  ein  ähnliches  Gestein  mit  ähnli- 
chen Knochenresten  aus  Württemberff).  In  den  tertiären  [?]  Torflagern 
von  Langensalza  war  ein  Fichtenstamm  mit  Spuren  eines  Sägeschnitts 
gefunden  worden.  Bei  Tona  hatte  man  mit  Elephanten-Zähnen  zu- 
sammenliegend auch  Geweihe  von  Cervus  Elaphus  entdeckt;  erstere 


-     249     — 

schrieb  v.  Hoff  der  lebenden  Art  zu,  andere  Anwesende  leiteten  sie  von 
£.  primigenius  ab. 

2)  Tantsgher  über  die  Verrückung  des  Kupferschiefers  durch  den 
Kupfererzgang  Kronprinz  bei  Kammsdorf. 

3)  Germar  über  die  versteinerten  Insekten  des  Solenhofer  Jura- 
schiefers ins  Münstkr's  Sammlung.  Meistens  sind  es  Süsswasser-Insek- 
ten  ,  wie  Libellula,  Agrion,  Aeschna,  jedoch  mit  einer  an  Myr- 
nieleon  erinnernden  Körperbildung,  Nepa,  Gerris,  PygoJanipis. 
Die  übrigen  sind  meistens  Phyllo  p  h  agen,  wieTiOCusta,  Mantis 
(durch  Springbeine  an  Locus  t  a  angrenzend),  Cercopis,  auch  Sphynx, 
einige  Dipteren,  auch  Hymen  optere  n.  Alle  diese  Formen  deuten 
auf  ein  warmes,  jedoch  nicht  gerade  tropisches  Klima. 

Die  in  der  Braunkohle  des  Siebengebirges  befindlichen  und  im  J3ow- 
«<?r  Museum  aufbewahrten  Insekten  sind  meistens  Dung-Insekten  [?], 
namentlich  Xylophagen.  Sie  zeigen  keine  fremden  Gestalten,  und 
wurden  wahrscheinlich  durch  Fäulniss  in  Wasser  defekt. 

4)  Derselbe  zeigt  instruktive  Pflanzentheile  aus  der  Steinkohlen- 
Formation  von  Lübejün  und  Wettin  vor,  woraus  sich  ergibt,  dass 
V.  STER^BERG■s  Volkmanuia  gracilis  (Fase.  V  et  VI,  Tf.  .  .  .,  Fg.  3, 
nicht  Fg.  1  und  2)  die  Ähre  von  Sphae  nop  h  ylli  t  es  Schlotheimii 
Brongis.  seye,  und  dass  eine  andere  grosse  Ähre  wahrscheinlich  einer 
neuen  Art  von  S  p  h  a  e  n  o  p  h  y  1 1  i  t  e  s  angehöre.  Exemplare  von  A  s  t  e  r  o- 
phyllites  e  quise  ti  formis  bewiesen  die  Ähnlichkeit  mit  den  Sphae- 
nophyllen,  und  eine  andere  Fucus-ähnliche  Pflanze  zeigte  durch  deut- 
liche Adern  und  Fruchtknoten  an  den  Blattspitzen  die  Annäherung  zu 
den  Fahren.  Eine  ahnliche  ohne  Früchte  hat  v.  Gutbier  in  seiner  Be- 
schreibung der  Zwickauer  Pflanzen-Abdrucke  abgebildet. 

5)  Otto:  über  wichtige  Schlesis che  Petrefakten:  a)  aus  dem 
Übergangsgebirge,  worin  2  auch  von  v.  Buch  als  sehr  merkwürdig  be- 
zeichnete Amnion  iten,  Fisch  seh  uppe  n,  Fucoideen  (von  Güppert 
schon  in  den  Leopoldiner  Akten  beschrieben)  und  ein  neues  in  der  PiCgel  Fels- 
spitzen überziehendes  R  Öhre n-K oral  1  vorkommt;  —  b)  aus  dem  Oolith 
des  Muschelkalkes  eine  neue  Avicula  (nach  Münster  ?  A.  inaequi- 
striata  var.)  und  ein  neuer  gelappter  Zoophyt  (eine  ähnliche  Art 
kennt  Münster  aus  Italien)^  —  c)  aus  dem  Planer  einige  zu  Callia- 
uassa  antiqua  gerechnete  Krebse;  —  d)  aus  dem  bunten  Sandstein 
von  Ruppersdorf  die  zwei  schon  bekalmten  Palaeoniscu  s-Arten  und 
rundliche,  theilweise  aus  Opal  bestehende  Koprolithen. 

6)  General  von  Tscheffkin  zeigt  prachtvolle  Sibirische  Mineralien, 
namentlich  schöne  Gold-  und  Platin-Krystalle  aus  den  Schiefergebirgen, 
die  wegen  ihres  schönen  Erhaltenseyns  nicht  weit  von  ihren  ursprüng- 
lichen Bildungsstätten  entrückt  gewesen  seyn  konnten. 

7)  Berger  sprach  über  die  Versteinerungen  um  Koburg ,  nament- 
lich die  Schuppen  und  Blaltspitzen  von  Cycadeen  im  Keupersandstein, 
über  ein  von  Otto  für  ein  Fisch gaumeu- Stück  erklfirtes  Fossil  aus  dem 


—     250     — 

unteren  Keuper ;    über   ein  von    Münster    dem   Nothosaurus    zuge- 
schriebenes Schädelstück  von  da. 

8)  Kaufmann  Laspe  zeigte  ein  Stück  des  am  13.  Oktob.  1819  bei 
Gera  gefallenen,  2o'  tief  in  den  Boden  geschlagenen  Aerolithen, 
eine  neue  Pinna  aus  dem  Zechsteine  von  Gera  u.  m.  a.  vor. 

9)  Von  Gutbier  :  über  die  gegenseitige  sehr  gesonderte  Lagerung 
und  die  gänzlich  von  einander  abweichenden  Pflanzen-Abdrucke  des 
Rothliegenden  und  der  Kohlen-Formation  der  Gegend  von  Zwickau. 

10)  Prof.  Plieninger  zeigte  in  Auftrag  des  Prinzen  Paul  v. 
Württemberg  einen  Schädel  von  Palacomephitis  Steinhel- 
lu  e  n  s  i  s  Jäger  aus  dem  Süsswasserkalke  von  Steinheim  ;  die  Sprung-, 
^eine  eines  Wiederkäuers  aus  der  Molasse  von  Scheer  und  eine  Menge 
kleiner  schwarzer  Zähne  in  Gesellschaft  A  1  cy  o  n  ie  n-artiger  Wülste 
(Webster)  auf  der  Unterfläche  einer  Konglomeratschichte  zwischen  Mu- 
schelkalk und  Keuper  bei  Stuttgart. 

11)  Ehrenberg  demonstrirte  seine  neuesten  Entdeckungen  der  Infu- 
sorien als  Felsmassen  unter  dem  Mikroskope ,  und  legte  vor  von 

12)  Dr.  Palliardi  in  Fran%enshrunnen  eine  Abhandlung  über  die 
Kieseiguhr  im  Franzensbrunner  Torfmoor ,  so  wie  eine  Probe  dieser 
fast  ganz  aus  Navicula  viridis  bestehenden  Guhr. 

13)  GÖPPERT  bringt  seine  Monographie  der  fossilen  F ah  ren  aus  den 
ßomier  Akten,  so  wie  andere  Abbildungen  von  Petrefakten  zur  Einsicht, 
und  Abschnitte  des  Stammes  einer  noch  lebenden  Pip  erace  e  n-Art 
mit  welchen  Cotta's  Calamitea  rücksichtlich  der  innern  Organisation 
die  o-rösste  Ähnlichkeit  wahrnehmen  lasst.  Cotta  hat  sich  noch  neuer- 
lich überzeugt,  dass  Calamites  von  Calamitea  nicht  getrennt  wer- 
den dürfe. 

14)  VON  Sternberg  legt  Abbildungen  vor,  welche  zum  VII  und  VIII 
Hefte  seiner  vorweltlichen  Flora  bestimmt  sind;  darunter  welche  von 
neuen  Peco  pteris- Arten,  von  einem  ganz  runden,  aufrechten  Lepido- 
dendron-Stamme,  der  beim  Zerschlagen  im  Innern  mit  lauter  fremdarti- 
gen Pflanzen-Abdrucken  erfüllt  war,  neue  Equiseten  mit  auffallenden 
Gelenkflächen  (wie  E.  hyemale)  aus  der  Kohlenformation,  Cycadites 
Cordai  als  Abdruck  und  innerlich  doch  auch  stellenweise  noch  mit 
deutlicher  Struktur,  endlich  Co  n  i  f  eren-Zapfen  aus  der  Böhmischen 
Kreide. 

15)  Reichenbach:  über  einige  der  schönsten  Petrefakten  des  Dres- 
dener Museums  ,  insbesondere  den  Stamm  eines  Dikotyledonen-ßaumes, 
MegadendronSaxonicum  Reiche.,  und  ungemein  grosse  St  aar- 
steine; —  und  legte  Zeichnungen  dichotom  verästelter  Wulste  vor, 
welche  bei  Welschufen  in  der  Gegend  von  Bippoldiswalde  in  Quader- 
sandstein gefunden  worden  sind,  ähnlich  den  von  Webster  (GeoL 
Transact.  II,  1814J  als  Alcyouien  abgebildeten  Körpern. 

16)  B.  Cotta;  über  Pflanzen-Abdrucke,  insbesondere  ein  Cred- 
n  e  r  i  a  •  Blatt   und   Haliserites  Reich  ii  Sternb.)  aus  dem  untern 


—     251     — 

Quadersandstein  (  Wealden-Formation  )  von  Niederscitöna.     Die  meisten 
Anwesenden  kalten  letztern  für  einen  Fucoiden.  (Vgl.  Jahrb.  183^,  S.  584.) 

17)  V.  Münster  li'gt  ausgezeichnete,  für  Sternberg's  Flora  be- 
stimmte Abbildungen  seiner  neuen  fossilen  Fähren-Gattung  P  h  1  e  b  o  p- 
teris  aus  dem  Keuper  vor.  (Jahrb.  1836,8.509.) 

18)  Weiss:  über  das  mit  Gediegen  -  Gold  vorkommende  Pallad 
von  Tilgerode  ain  Harz-,  —  über  die  Fortsetzung  der  HoFPMANN'schen 
geognostischen  Charte  durch  Dechen  und  Gumprecht  ;  —  über  das  Vor- 
kommen der  Thier-Fährten  von  Hildburghausen  in  mehreren  übereinander 
liegenden  Schichten  des  bunten  Sandsteines  (wie  es  auch  zu  Harras  nach 
Bernhardi  gesehen  wird)  in  Gesellschaft  eines  Rippenknochens;  —  und 
über  die  sogen,  bienenzelligen  Echiniten.  Die  Schaale  überzieht 
sich  innen  zuerst  mit  Kalkspath-Krystallen ,  füllt  sich  später  mit  Quarz- 
niasse,  die  bei  endlicher  Zerstörung  der  äusseren  Theile  als  bienenzelli- 
ger  Echinit  übrig  bleibt. 

19)  Göppert:  Geschichte  der  fossilen  Blüthen.  Ad.  Brongmart 
fand  zuerst  die  einer  Grasart;  später  einige  andere  in  Braunkohle  und 
Tertiär-Schichten  des  Monte  Bolca,  Keferstein  beschrieb  eine  Vale- 
riana Salzhausensis  —  aus  der  Salzhauser  Braunkohle,  welche 
aber  Künth  für  eine  Amen t aceen-Blüthe,  denen  unserer  Alnus- 
Arten  ähnlich  erkannte,  was  Göppert  vollkommen  bestätiget. 

20)  VON  Humboldt  über  Länder- Aufnahmen ,  geognostischc  Zeich- 
nungen u.  s.  w. 

21)  C,  Westhoff:  Beitrag  zur  Geogonie. 

22)  Zipser:  Relation  über  Schüler's  Beiträge  zur  Geologie,  beson- 
ders in  Beziehung  auf  Ungarn  und  Siebenbürgen. 

23)  VON  Struve:  schriftlicher  Bericht  über  den  Aerolithen-Hagel 
Vßn  1824  im  Gouvernement  Orenburg, 

24)  VON  Gross  ,  Engelhard  und  Bernhardi  erklären  den  Uessber- 
ger  Sandstein  für  Keuper,  Weiss  bestimmt  für  bunten  Sandstein. 

25)  VON  Buch  über  die  wesentlichen  Unterschiede  vonTerebratula, 
Spirifer  und  Orthis. 

26)  VON  Holger  über  Entstehung  und  richtigen  Fundort  des  Gur- 
hofians,  den  er  nach  seiner  chemischen  Zusammensetzung  für  umge- 
wandelten Serpentin  erklärt,  obschon  von  Buch  der  Ansicht  ist,  ein  ein- 
fachtes  IVIineral  könne  nicht  dyrch  Umwandlung  aus  einem  zusammen-« 
gesezten  entstehen* 

27)  von  Münster  über  das  Sivatherium;  es  sey  nicht  das  erste 
ausgestorben  gefundene  Wiederkäuer-Genus  ,  da  von  Meyer  schon  län- 
ger [?]  das  Geschlecht  Palaeomeryx  aufgestellt  habe. 

28)  B.  CoTTA  über  die  bisherigen  Resultate  der  Bohrversuche  bei 
Hohnstein  (Jahrbuch  1837.  S.  1.) 

29)  VON  Sternberg  über  den  von  schmalen  Basalt -Gängen  durch- 
setzten Granit  am   Veitsberge  bei  Carlsbad. 

30)  Zeune  über  allmähliche  Senkungen  im  Flötzgebirge  bei  Ulm, 
Naumburg  und  Jena, 


—     252     — 

31)  GÖPPEBT  Über  die  Struktur  der  Steinkohle.  Er  pHichtet 
Witham'n  bei,  der  darin  die  Struktur  derConiferen  entdeckte;  die  Schie- 
feruug  derselben  leitet  er  von  mechanischem  Drucke  ab  und  zeigt  Mu- 
ster von  Holzstücken  vor,  die  unter  der  Wasserpresse  breit  gequetscht 
wurden,  ohne  darum  hohl  gewesen  zu  seyn. 

32)  Münster  legt  im  Bayreuther  Arbeitshause  gefertigte  sehr 
dünne,  polirte  Schnitten  von  versteinerten  Hölzern  vor,  die  sich  zur 
mikroskopischen  Untersuchung  eignen. 

33)  Weiss  erläutert  die  gewundenen  Bergkrystalle  durch  natürliche 
Exemplare  und  Modelle  und  weiset  nach  ,  dass  dieses  Phänomen  im  ge- 
nauesten Zusammenhange  mit  dem  Vorhandenseyn  der  Trapezoidenflächen 
stehe  und  durch  eine  während  der  Krystallisation  konstant  fortwirkende 
Drehkraft  hervorgebracht  seyn  müsse.  Er  folgert  daraus  zugleich:  dass 
auch  bei  den  Zv/illingsbildungen  eine  wirkliche  Drehkraft  auf  die  ein- 
zelnen Individuen  gewirkt  habe. 

34)  VON  Eichwald  legt  viele ,  zum  Theil  neue  Arten  tertiärer  Zoo- 
phyten  und  Konchyiien  Yolhyniens  und  vom  Kaspischen  Meere  vor,  und 
bietet  einen  Tausch  damit  an. 

35)  VON  Münster  erläutert  viele  neue  Gattungen  und  Arten  fossiler 
Körper  durch  Abbildungen  oder  durch  natürliche  Exemplare.  Darunter: 
a)  aus  dem  Kupferschiefer  von  Glücksbrunn  den  Gaumenknochen  eines 
ganz  neuen  Fisches,  wovon  einen  Thcil  Scülotheim  früher  für  einen 
Trilobiten  gehalten,  und  welchem  ganz  ähnliche  aus  dem  Mansfelder 
Kupferschiefer  Otto  bei  Germar  in  Halle  und  im  Dresdener  Natura- 
lienkabinete  gesehen;  —  h)  aus  Q\em  AichstedterJuraikalkschie[er:  Sepia 
obscura,  S.  linguata,  S.  regularis,  S.  gracilis,  S.  venusta, 
S.  hastiformis,  S.  antiqua,  S.  caudataf  Loligo  subhastata; 
,Onychoteuthis  cochlearis,  O.  speciosa,  O.  lata,  0.  sagittata^ 
0.  tricarinata,  0.  subovata,  O.  augusta,  O.  intermedia? 
0.  Ferussacci  mit  den  Armen  und  allen  feinen  Häkchen  daran;  Be- 
lonostomus  (sonst  Aspidorhyn  chus)  sph  yrenoide  s,  B.  tenui- 
rostris,  B.  tabulatus,  B.  ventralis,  B.  brachysomus,  B.  Mün- 
steri,  Undina  penicillata  ;  Pterodactylus  longipes.  Aus  ei- 
nem der  Exemplare  von  Onychoteuthis  ergibt  sich  ,  dass  B  e  1  e  ra- 
n  0  s  e  p  i  a  nich-ts  weiter  ist,  als  ein  mit  dem  Alveoliten  eines  B  e  1  e  m  n i- 
ten  zusammenliegender  Onychoteuthis,  —  c)  sms  dem  Baireutker 
Keuper  Reste  eines  Sauriers  mit  doppelter  Zahnreihe. 

36)  Wackenroder  erläutert  eine  Gebirgsarten- Suite  aus  der  Ge- 
gend von  Jena, 


Geogiios  tische 

und 

physikalische  Beobachtungen 

über  die 

Vulkane  des  Hochlandes  von  Quito^ 

von 

Herrn  A.  v.  Humboldt. 


(Vorgelesen  in  der  Sitzung  der  Akademie  der  Wissenschaften  zu  Berlin 

am  9.  Febr.  1837.) 


Erste    Abhandlung. 

Wenn  Vulkanismus  im  weitesten  Sinne  des  V^orts  alle 
Erscheinungen  bezeichnet,  die  von  der  Reaktion  des  inneren 
flüssig  gebliebenen  Theils  eines  Planeten  gegen  seine  oxydirte 
und  durch  Wärmestrahlung  erhärtete  Oberfläche  abhängen, 
so  können  wohl  nur  wenige  Gegenden  der  Erde  das  Schau- 
spiel von  dem  manchfaltigsten  Zusammenwirken  vulkani- 
scher Kräfte  in  einem  gleichgrossen  Maasstabe  darbieten, 
als  das  Hochland  von  Quito,  Was  ich  bei  einem  achtmonat- 
lichen Aufenthalte  in  dieser  Gegend  von  Messungen  und 
mir  wahrscheinlichen  Resultaten  gesammelt,  ist  in  mehreren 
Theilen  meines  Amerikanischen  Reisewerks  zerstreut ,  vor- 
züglich in  dem  geognostischen  und  barometrischen  Nivellement 
-    Jahrffans    1837.  17 


—     254     — 

der  Andes-Kette^  in  dem  Buche  über  Schichtung  und  Lage- 
rung der  Gebirgsarten,  und  in  einer  Abhandlung:  Esquisse 
dun  tahleau  geoluijique  de  lAmerique  meridionale  au  nord 
de  la  riviere  des  Amazones,  Die  einzelnen  topographischen 
Beschreibungen  der  Vulkane,  gleichsam  Monographie'n  der- 
selben, sind  noch  ungedruckt  geblieben.  Geognostische  Be- 
schreibungen einzelner  Erdräume  beruhen  aber  auf  zwei 
ganz  verschiedenen  Fundamenten ,  von  welchen  die  einen 
abhängig  von  der  Zeit,  von  dem  jedesmaligen  Zustande  un- 
seres fortschreitenden  physikalischen  und  mineralogischen 
Wissens,  die  anderen  durch  Beziehung  auf  bloss  räumliche 
Verhältnisse  (auf  Grösse,  Stellung  oder  Lage)  unveränder- 
lich und ,  wenn  etwa  Natur-Revolutionen  die  Konfiguration 
der  Erdfläche  umgestalten,  um  so  wichtiger  sind,  als  sie  die 
Möglichkeit  einer  numerischen  Vergleichung  in  dem  Resultate 
der  Umgestaltung  gewähren.  Wo  strenge  Unterscheidung 
der  Formationen  nach  zoologischen  Charakteren,  das  ist 
nach  dem  epochenweisen  Zusammenleben  vorweltlicher  Orga- 
nismen, oder  nach  o  r  y  k  t  o  g  n  o  s  t  i  s  c  h  e  n  Charakteren,  das 
ist  nach  der  Natur  der  krystallinischen  Gewebe  einer  Ge- 
birgsart,  erheischt  wird  ,  da  verliert  die  aufgezeichnete 
Beobachtung,  wenn  sie  der  Zeit  und  den  Ansichten  entrückt 
wird,  unter  deren  Einfluss  sie  angestellt  wurde,  von  ihrer 
Bestimmtheit  und  ihrem  wissenschaftlichen  Werthe.  Wer 
ein  reines  und  inniges  Interesse  für  seine  Wissenschaft  hegt, 
klagt  nicht,  wenn  er  je  sich  entschliessen  muss,  einen  Blick 
auf  seine  früheren  Arbeiten  zu  werfen,  über  diese  Wirkung 
der  fortschreitenden  Zeit,  über  ein  Veraltern  des  Stolfes. 
Es  gewährt  ihm ,  neben  dem  regen  Wunsche,  das  Halbge- 
sehene noch  einmal  und  mit  neuerem  Wissen  bereiehert 
wiederzusehen,  das  frohe  aufrichtende  Gefühl  der  zuneh- 
menden Erweiterung  der  Wissenschaft.  Ein  anderer  Theil 
des  Gesammelten,  der  topographische,  räumlich  beschreibende, 
ist  unabhängig  von  der  Epoche  des  Einsammelns.  Er  be- 
ruht nicht  auf  wechselnden  Ansichten ,  sondern  auf  den  al- 
ten   Grundvesten    mathematischen    Wissens.     Mit    grösserer 


—     255     — 


Vervollkommnung  der  Instrumente  erlangt  allerdings  auch  die 
Weltstellung  (astronomische  Position),  die  trigonometrische 
oder  barometrlsclie  Ilöhenbestimmung  (Hypsometrie)  eine 
grössere  Schärfe,  aber  die  Bedürfnisse  des  geoanostischen 
und  orographischen  W-ssens  sind  leichter  zu  befriedigen, 
als  die  Bedürfnisse  der  Astronomie,  wenn  diese  den  Stand 
oder  Lauf  der  Himmelskörper  bestimmen,  die  Gestalt  und 
Dichtigkeit  unseres  Planeten  ergrüiirlcn,  gleichsam  „die  Erde 
messen  und  wiegen«  soll.  Seit  dem  Ende  des  letzten  Jahr- 
hunderts sind  die  astronomischen  und  gäodetischen  Instru- 
mente, deren  Auswahl  dem  Reisenden  zu  Gebote  steht,  voll- 
kommen genug,  um  besonders  durch  geschickte  Benutzung 
feiner  und  dabei  sicherer  Winkelbestimmungen  numerische 
Resultate  zu  erlangen ,  deren  Genauigkeit  innerhalb  der 
Grunzen  liegt,  welche  dem  Zwecke  der  Untersuchung  geeig- 
net sind.  Dieser  orographische  ,  messende  Theil  der  Beob- 
achtungen gewälirt  dazu  den  Vortheil,  dass,  wenn  das  De- 
tail der  Messungen  (wie  immer  geschehen  sollte)  publizirt 
oder  wenigstens  aufbewahrt  wird,  es  noch  nach  Jahren  das 
Maas  des  Vertrauens  bestimmt,  welches  der  Arbeit  zukommt, 
ja  zu  neueren  und  besseren  Kombinationen  führen  kann» 

Indem    ich    freimüthig  auf   den  Unterschied  aufmerksam 
mache  zwischen    dem  schnell  veralternden  und  dem  von  der 
Zeit  unabhängigen  Theile  geognostischer  Beobachtungen,  habe 
ich    den    relativen  Unwerth   der  Arbeit  bezeichnet,    die  ich 
Ihnen  heute  vorlege.    Jeder  Reisende,  der  von  Europa  auch 
nur  drei  oder  vier  Jahre  in  Lagen  entfernt  bleibt,  in  denen 
er    des    wissenschaftlichen  Verkehrs    mit    der  Heimath    ent- 
behrt,   fühlt  schon  am  Tage  seiner  Rückkunft,  wie  sieb   mit 
der  raschen  Erweiterung  der  Ansichten    über   die  Bildungs- 
verhältnisse  der  Gebirgsmassen  auch   die  jene  Ansichten  be- 
zeichnende Sprache  verändert  hat.     Diese  Entfremdung  nun 
veranlasst  oft  einen  unseeligen  Trieb  des  Anpassens  und  Deu- 
tens; und  da  zu  jeder  Epoche  nur  das  allgemein  gefällt,  was 
dem  herrschenden  Glauben  entspricht,  so  unterliegt  nach  und 
nach  das  einfach  Wahrgenommene  den  Verstandes-Operationen 

17* 


—     256     — 

theoHsireiider  Deutung.  Eine  solche  Gefahr,  der  es  schwer 
ist,  sich  ganz  zu  entziehen,  da  ein  rühmliches  Bestre- 
ben den  Menschen  antreibt,  den  rohen  empirischen  Stoif 
durch  Ideen  zu  beherrschen,  wird  um  so  grösser  und  dro- 
hender,' als  die  Zahl  der  Jahre  anwächst,  die  uns  von  dem 
Moment  der  wirklichen  Beobachtung  trennt.  Wenn  ich  nun, 
unter  den  bezeichneten  Verhältnissen,  nicht  anstehe  zum  Ge- 
genstand meiner  Abhandlungen  Fragmente  aus  meinen  noch 
ungedruckten  südamerikanischen  Tagebüchern  zu  wählen,  so 
gründet  sich  dieser  Muth  auf  dem  festen  Vorsatz,  das  Beob- 
achtete grossentheils  mit  denselben  Vi^orten  wiederzugeben, 
in  denen  es  an  Ort  und  Stelle  niedergeschrieben  wurde,  auch 
das  Beobachtete  von  den  späteren  Deutungen  zu  trennen ;  es 
gründet  sich  dieser  Muth  auf  der  Berichtigung  der  Nomen- 
klatur der  Gebirgsarten,  welche  die  oryktognostische  Untersu- 
chung der  freilich  nur  sehr  kleinen  mitgebrachten  Samm- 
lungen gestattet ;  er  gründet  sich  endlich  (und  diess  ist  das 
eigentliche  Motiv  der  Bekanntmachung)  auf  der  Ansicht,  dass 
der  grösste  Theil  meiner  geognostischen  Arbeiten  am  Ab- 
hänge der  Vulkane  von  Quito  vorzugsweise  Raumverhältnisse, 
Gestaltbeschreibungen  der  Oberfläche  und  die  nicht  veral- 
ternde physikalische  Orographie  eines  wundervollen  und  seit- 
dem nirgend  beschriebenen  Landstrichs  berührt. 

In  der  langen,  mauerartig  hingedehnten,  bald  einfachen, 
bald  zwei-  und  dreifach  gereihten,  und  dann  durch  schmale 
Queerjöcher  gegliederten  Andes-^ettQ  verkündigt  sich  regel- 
mässig und  fast  periodisch  die  Nähe  thätiger  Vulkane,  durch 
das  plötzliche  Auftreten  gewisser  Gebirgsarten  ,  welche  die 
vormals  sogenannten  uranfänglichen,  wie  die  schiefrigen  und 
sandsteinartigen  Übergangs-  und  Flötz-Formationen  trennen. 
Ein  so  leicht  zu  beobachtendes  Phänomen  musste  früh  die 
Überzeugung  anregen ,  dass  jene  sporadischen  Gebirgsarten 
der  eigentliche  Sitz  vulkanischer  Erscheinungen  wären,  und 
dass  sie  die  vulkanischen  Ausbrüche  bedingten.  Was  damals 
(um  unter  einem  eingeschränkteren  Gesichtspunkte  hier  bloss 
an    die   mineralogische    Zusammensetzung    zu    erinnern),    in 


—     257     — 

SM'Ameriha  als  eine  eigene  Art  quarzloser  Grünstein-  und 
Syenit-Porj)hyre  beschrieben  ward ,  nahm  später  in  Europa 
die  Benennung  Trachyt  an,  einen  Namen,  durch  welchen 
Haüy's  Distribution  mineralogique  des  roches  den  älteren 
mehr  charakteristischen  Namen  Do  mit  verdrängte.  Die 
neueste  Zeit  hat  gelehrt,  dass  jene  durchbrechenden  Massen 
(bald  als  kraterlose  Glocken  emporgehoben ,  bald  durch  die 
vulkanischen  Mächte  dergestalt  geöffnet,  dass  eine  permanente 
Verbindunof  zwischen  dem  Innern  der  Erde  und  dem  Luft- 
kreise  gebildet  wird)  unter  verschiedenen  Zonen  nicht  im- 
mer dieselbe  Zusammensetzung  darbieten.  Es  sind  bald 
eigentliche  Trachyte ,  welche  der  Feldspath  charakterisirt, 
wie  am  Pic  von  l^encriffa  und  am  Siebengcbirge ,  wo  sich 
etwas  Albit  dem  Feldspath  beigesellte, — Feldspalh-Trachyte,  die 
als  thätige  Vulkane  häufig  Obsidian  und  Bimsstein  erzeugen ;  bald 
sind  es  Melaphyre,  doleritartige  Gemenge  von  Labrador  und  Au- 
git,  der  Basaltformation  näherstehend,  wie  am  Ätna,  Stromboli 
und  Cliimborazo'^  bald  ist  Albit  mit  Höi-nblende  vorlierrschend, 
wie  in  den  neuerlich  sogenannten  Andesiten  der  Vulkane 
von  Chili,  in  den  prächtigen  als  Diorit-Porphyr  beschriebe- 
nen Säulen  von  Pisoje  bei  Popayan,  am  Fusse  des  Vulkans 
von  Purace  oder  im  mexihanischen  Vulkan  von  Tolucca ;  bald 
sind  es  endlich  Leucitophyre,  Gemenge  von  Leucit  und 
Augit,  wie  in  der  Somma,  der  alten  Wand  des  Erhebungs- 
Kraters  des  Vesuvs,  Über  diese  wichtige  Unterscheidung 
der  Gebirgsmassen,  durch  welche  vulkanische  Ausbrüche  sich 
einen  Weg  gebahnt  haben,  ist  durch  Gustav  Roses  vor- 
treffliche chemische  und  krystallographische  Zergliederung 
der  Feldspath-Gruppe  ein  neues,  einem  Theile  der  Geognosie 
wohlthätiges  Licht  verbreitet  worden.  Wenn  ich  in  diesen 
Worten  gleichsam  nur  ein  gewichtvolieres  ürtheil  an  dem- 
selben Orte  ausgesprochen ,  das  ürtheil  meines  vieljährigen 
Freundes  Leopold  von  Buch  wiederhole ,  so  geschieht  es 
zugleich,  um  an  ein  neues  Epoche  machendes  und  durch 
viele  Zusätze  bereichertes  Werk  dieses  grossen  Geognosteii 
zu  erinnern ,     welches  Alles ,     was  er   über   die  Natur  der 


—     258     — 

vulkanischen  Erscheinungen  ergründet  hat,  in  lichtvoller  Dar- 
stellung umfasst.  Die  französisciie  Ausgabe  der  Physika- 
lischen Beschreibung  der  Canarischen  Inseln,  welche 
so  eben  erschienen  ist,  enthält  unter  der  Abtheilung  ,,Cen- 
tral-  und  Reih  en  -  Vulkane**,  die  lebendigste  und  vollstän- 
digste Schilderung  der  Feuerausbrüche  des  ganzen  Erdkrei- 
ses, so  weit  derselbe  bisher  einer  wissenschaftlichen  Be- 
strebung zugänglich  gewesen  ist. 

Die  Vulkane  des  Hochlandes  von  Quito ,  mit  denen  ich 
mich  in  dieser  Abhandlung  beschäftige,  gehören  wegen  der 
trefflichen  geographischen  Arbeiten  von  La  Condamine, 
BouGUER  und  Pedro  Maldon  ado  zu  denjenigen  Reihen-Vulkanen, 
deren  Gruppirung  in  zwei ,  durch  ein  schmales  Längenthal 
getrennten  Cordilleren  am  frühesten  richtig  erkannt  worden 
ist.  Es  linden  daher,  mittelst  der  Vergleichung  mit  analogen 
Thatsaclien,  meine  eigenen  Beobachtungen  in  der  vorerwähn- 
ten Aufzählung  der  gesammten  Erscheinungen  das,  was  Ver- 
allgemeinerung der  Ideen  immer  gewährt,  erhöhtes  Interesse, 
Berichtigung  der  Ansichten  und  eine  Klarheit ,  die  wie  aus 
fernen  Lichtpunkten  zurückstrahlt. 

Ehe  ich  zu  der  Beschreibung  des  Vulkans  von  Pichincha 
übergehe,  muss  ich  zu  besserer  Orientirung  und  genauerer 
Erläuterung  der  Lage  der  Hochebene  auf  einige  Resultate 
von  Messungen  aufmerksam  machen,  die,  einzeln  genommen 
und  auf  das  Niveau  der  jiahen  Südsee  bezogen,  freilich  keine 
geognostische  Wichtigkeit  haben  würden,  aber  bei  Betrach- 
tung des  stufenweisen  Zunelimens  der  Bodenhöhe  in  an  ein- 
ander gereihten  Längenthälern  mginchfaltiges  Interesse  ge- 
währen. Neue  Bestimmungen  waren  hier  um  so  nothwen- 
diger,  als  die  barometrischen  der  französischen  Astronomen 
zur  Zeit  der  berühmten  Gradmessung,  den  dreifachen  Fehler 
einer  Vernachlässigung  der  Temperatur-Correction,  einer  irri- 
gen Annahme  des  mittlen  Luftdruckes  an  der  Meeresfläche 
und  einer  Nicht-Berücksichtigung  des  Einflusses  der  stünd- 
lichen Variationen  der  Barometer-Höhe  darbieten.  Durch 
zufällige    Compensationen    nahen    sich   allerdings     bisweilen 


—      259     — 

La  Condamike's  Resultate  den  immer  sehr  befriedigend  überein- 
stimmenden von  BoussiNGAüLT  und  mir  5  an  den  meisten  anderen 
Punkten  sind  aber  die  Unterschiede  beträchtlich,  bald  posi- 
tiv, bald  negativ,  und  immer  von  sehr  ungleichem  Werthe, 
so  dass  die  älteren  relativen  Bestimmungen  überall,  wo  von 
der  ungleich  gehobenen  Bergebene  über  dem  grossen  vul- 
kanischen Heerde  von  Quito  die  Rede  ist,  nur  wenig  Ver- 
trauen verdienen.  Diese  Mängel  wirken  natürlich  auch  auf 
die  absoluten  Resultate  trigonometrisch  gemessener  Höhen, 
da  bekanntlich  bei  diesen  Operationen  die  Standlinien  (Basen), 
an  deren  Endpunkte  sich  die  Hohen- Winkel  der  Berge  an- 
legen, nicht  in  der  Küsten-Ebene  lagen,  und  daher  jede  sol- 
cher Bergmessungen  in  der  Andes-Kette  nothwendig  aus 
einer  trigonometrischen  und  barometrischen  zusammenge- 
setzt ist. 

Wenn  man  einen  Blick  wirft  auf  den  Entwurf  einer 
hypsometrischen  Karte,  in  der  ich,  nach  sorgfältigen  Diskus- 
sionen der  neuesten  astronomischen  Ortsbestimmungen,  zuerst 
versucht  habe  das  Streichen,  die  Mäciitigkeit  und  die  manch- 
faltige  Gliederung  der  vorher  auf  allen  Karten  von  Süd' 
Amerika  so  verunstalteten  Andes-Kette  darzustellen  und  alle 
wichtigen  Höhen  Verhältnisse  einzutragen,  die  bis  dahin  (bis 
ISttl,  also  nach  Pentland's  Entdeckungen  m  Boliviä)  bekannt 
geworden  waren,  so  sieht  man ,  dass  die  seit  der  französi- 
schen Gradmessung  so  berufene  Bifurkation  der  Kordillere 
nur  von  3^  \  südlicher  bis  2^  20'  nördlicher  Breite  Statt 
findet  zwischen  dem  Bersfknoten  von  Loxa^  der  durch  die 
herrlichen  China- Wälder  seines  östlichen  Abhanges  berühmt 
ist,  und  dem  Bergknoten  der  Quellen  des  grossen  Mff</(/ß/ewe?2- 
Stromes.  Nördlich  und  südlich  von  dieser  Parallele  der 
äussersten  Bergknoten  von  Veru  und  Neu-  Granada  {Cundi- 
namarca)  sind  die  Andes  in  drei  minder  gleichlaufende  Zweige 
getheilt.  Die  Breite  der  Bergketten  wurde  sogar  ehemals 
gegen  Osten  aus  Gründen  vermehrt,  die  man  in  einer  wun- 
dersamen Sprach  -  Unwissenheit  suchen  muss.  Wo  in  der 
Karte  von  La  Cruz  Olmedilla,    dem  Typus  aller  englischen. 


—     260     — 

französischen  und  deutschen  Karten,  die  40  Jahre  lang 
erschienen  sind ,  die  Worte  standen :  „hier  wächst  wilder 
Cacao,  aqui  hay  montes  de  Cacao^^^  haben  berühmte  Geogra- 
phen Schneeberge  in  ihre  Karte  eingetragen,  weil  sie  das  in 
der  spanischen  Kolonie  allgemein  übliche  Wort  Monte 
(Wald)  für  Berg  (Cerros,  Serranias)  hielten  und  dabei 
yergassen,  dass  Theobroma  Cacao  nur  in  den  heissesten 
Ebenen  bei  einer  mittlen  Temperatur  von  23^  R.  gedeiht. 
Auch  im  reinsten  Europäisch-Spanischen  Dialekt  heisst  m  o  nte 
alto  Wald  mit  hohem  Baumwuchs.  Das  grosse  Längenthal, 
das  sich  zwischen  den  beiden  oben  genannten  Bergknoten 
hinzieht,  hat  über  60  geographische  Meilen  (15  auf  1®)  Aus- 
dehnung, aber  nur  eine  mittle  Breite  von  5  Meilen.  Es 
ist  durch  öueerjöcher  in  fünf  kleinere  Becken  getheilt,  deren 
Boden  zu  einer  sehr  ungleichen  Höhe  über  der  Meeresfläche 
sich  erhebt.  Die  Hochebenen ,  welche  diesen  Thalboden 
bilden,  sind :  die  drei  südlicheren,  in  denen  Cuenca,  Tacunga 
und  Quito  liegen,  1350,  1320  und  1340  Toisen  hoch,  merk- 
würdig übereinstimmend;  dann  folgt  die  1582  bis  lö50  Toi- 
sen hohe  Ebene  de  los  Pastos  ^  das  vulkanische  Tübet  von 
Amerika^  doch  noch  355  Toisen  niedriger  als  der  Thalboden 
um  den  von  Pentland,  Meyen  und  d'Orbigny  neuerlichst 
besuchten  See  von  Titicaca.  Das  nördlichste  fünfte  Bassin 
von  Almaguer  sinkt  plötzlich  bis  zu  1164  Toisen  herab. 
Von  den  Queerjöcheni  ist  nur  eines  wichtig,  der  Pass  von 
Assuai/y  mit  Ruinen  von  I  n  c  a- Schlössern  bedeckt,  dessen 
höchsten  Punkt  ich,  wo  der  Weg  über  die  Ladera  de  Cad-» 
lud  führt,  über  14500  Fuss  (2428  Toisen)  hoch  fand.  Nur 
400  Toisen  tiefer  steht  der  Palast  des  Inca  Tupayupangi 
mit  Resten  von  Bädern,  die  (man  muss  es  hoffen)  mit  war- 
mem Wasser  in  diesem  unwirthlichen  Klima  gefüllt  wurdeu. 
Da  Pentland's  Messungen  in  der  östlichen  Kordillere  von 
Bolivia,  wo  der  Sorata  3948  Toisen  (2368S  Par.  Fuss), 
also  nur  440  Toisen  niedriger  als  der  Dhavalagiri  des  Hi- 
malat/a-Gehirges  und  volle  600  Toisen  höher  als  der  Chim- 
borazo  ist,     zu  der  Meinung  verleitet  hat,    es  müssten  alle 


—     261     - 

Strukturverhältnisse  in  jenen  südlichen  Breiten  kolossaler 
als  in  der  dem  Äquator  nahen  Zone  seyn,  so  mache  ich  hier 
darauf  aufmerksam,  dass  der  Pass  über  das  öueerjoch  des 
Assua?/,  wo  die  grosse  Handelsstrasse  von  Quito  nach  Cuenca 
und  Lima  geht,  nur  von  zweien  unter  allen  von  Pentland 
gemessenen  Pässen  ( und  um  ein  sehr  Geringes )  an  Höhe 
übertroffen  wird.  Der  Pass  über  die  Altos  de  Toledo  ist 
25  und  der  von  Chullunquani  17  T.  höher.  Denn  überall 
verhalten  sich  die  mittlen  Höhen  der  Gebirgsrücken,  deren 
'  Minima  die  Pässe  uns  kennen  lehren,  nicht  wie  die  einzel- 
nen Gipfel,  wie  die  Kulminations-Punkte  der  Ketten.  Eine 
graphische  Darstellung  der  Alpen  und  Pyrenäen  (die  letzteren 
haben  bekanntlich  einen  sehr  hohen  Rücken  bei  geringer 
Höhe  der  einzelnen  Gipfel)   bekräftigt   diese   Betrachtungen. 

Da  man  von  dem  Felskamme  des  Vulkans  von  Pichincha 
hinweg  über  die  menschenleeren  und  undurchdringlichen 
Waldungen  der  Yumhos  und  der  Provinz  de  las  Esmeraldas 
in  die  Südsee  hineinblickt,  und  da  schon  westlich  von  den 
Felsinseln  Puna  und  *S'/.  Clara  (le  Amertajado)  bei  sehr  hei- 
terem Wetter  der  Chimhorazo  auf  der  Schifffarth  von  Lima 
nach  Guayaquil  gesehen  werden  kann ,  so  ist  der  wahre 
Abstand,  der  Küste  von  den  westlichen  Kordilleren  ein  Ge- 
genstand, mit  dem  ich  mich  besonders  beschäftigen  musste. 
Die  zu  bestimmende  Entfernung  hängt  hauptsächlich  von  der 
Längendifferenz  zwischen  den  Städten  Quito  und  Guayaquil^ 
von  dem  Azimuth  und  dem  Höhenwinkel  der  Spitze  des 
Chimhorazo  f  wie  dieselbe  auf  dem  Littorale  von  Guayaquil 
gesehen  wird,  ab.  Ich  muss  mich  hier  begnügen,  zu  bemer- 
ken, dass  die  Zweifel,  welche  der  Kapitän  Basil  Hall  ge- 
gen die  von  mir  gefundene  Länge  von  Guayaquil  erhoben 
hatte  ,  durch  die  letzte  grosse  englische  Expedition  in  den 
Schiffen  Adventure  und  Beagle  ( Kapit.  King  ,  Stokes  und 
Fitz  Roy)  zur  Aufnahme  der  Küste  von  West-Patagonien 
bis  Guayaquil  völlig  und  zu  meiner  Zufriedenheit  gelöst  wor- 
den sind.     Nach    den    erst    vor   wenigen   Monaten   von   Sir 


—     202     — 

John  Barrow  bekannt  *)  gemachten  Resultaten  der  Expe- 
dition ist  Guayaquily  ungeachtet  die  Zeit  von  einem  sehr 
fernen  Punlite,  Valparaiso^  übertragen  wurde,  bis  auflTZeit^ 
Sekunden  mit  meiner  nun  schon  sehr  alten  Länjrenbestim- 
mung  übereinstimmend  gefunden  worden,  ja  für  den  Hafen 
Callao  de  Lima^  auf  den  ich  Guayaquil  chronometrisch  bezog, 
findet  die  letzte  englische  Expedition,  wie  die  Seefahrer  aus- 
drücklich bemerken,  ein  mittles  Resultat,  das  nur  um  2  Zeit- 
sekunden von  der  Länge  abweicht,  welche  Oltmanns  aus 
meiner  Beobachtung  des  Durchganges  des  Merkur  auf  der 
Sonnenscheibe  schloss.  Da  bei  so  grossen  Hohen  und  auf 
so  langen  Wegen  (der  Pichincha,  um  weniges  höher  als  der 
Montblanc^  kann  ohne  Refraktion  in  der  Entfernung  von  34, 
der  Chimborazo  in  einer  von  39  geogr.  Meilen  gesehen  werden) 
die  Wahrscheinlichheit  abnimmt,  dass  der  Lichtstrahl  durch 
keine  der  neben  und  über  einander  gelagerten  Wolkenschich- 
ten gehindert  werde,  zu  dem  Auge  zu  gelangen,  so  geniesst 
man  am  Ufer  der  Südsee  selten  des  erfreulichen  Anblicks 
der  majestätischen  Andes-Keite.  Ein  Höhenwinkel  des  Chim- 
borazo (nur  1^57' 40"),  den  der  gelehrte  spanische  See-Offi- 
zier, Don  Josef  Espinosa  **)  während  der  MALASiPNA'schen 
Weltumseegelung  am  Strande  von  Guayaquil  erlangte,  ist  der 
Gegenstand  eines  auf  diesem  Wege  nicht  zu  schlichtenden 
Streits  über  die  wahre  Höhe  des  Chimborazo  geworden,  da 
Refraktion  und  Azimuth ,  wie  die  horizontale  Entfernung 
selbst,  nicht  gehörig  erörtert  wurden. 

Ich  habe  noch  einen  anderen  Punkt  zu  berühren,  der 
sich  auf  die  Positions-  und  Dimensions- Verhältnisse  der Äor- 
dilleren  bezieht.  Leopold  von  Buch  hat  in  seiner  lichtver- 
breitenden Theorie  des  Hervortretens  von  Gebirgsketten 
durch  Spalten  mehrfach  auf  die  Beziehungen  hingewiesen, 
die  man  zwischen  der  Richtunof  der  Gebirgsketten  und  naher 
oder    ferner    Küsten     bemerkt.       Das     Phänomen    thätiger, 


*)  Journal  of  the  Royal  Geogr.  Soc.  T.  6,  P.  2,  p.  337. 
'*)  Memorias  de  los  Navegantes  Espanoles,  T.  /,  p.  i87. 


—     263     — 

dauernder  Vulkane  ist  in  Süd-Amerika  bekanntlich  auf  den 
West-Rand  des  Kontinents  beschränkt,  und  meine  hypsome- 
trische Darstellung  der  ganzen  Andes-ILQÜQ ,  welche  in  die 
neuesten  Karten  von  Rrue  übertragen,  nirgends  aber  rich- 
tiger und  geschmackvoller  wiederholt  worden  ist,  als  in  einer 
leider  noch  immer  nicht  erschienenen  kleinen  Karte  von 
Berg  HA  US  *),  zeugt  für  den  innigsten  Zusammenhang  zwi- 
schen der  Form  (dem  Umriss)  des  Kontinents  und  dem 
wechselnden  Streichen  der  Kette.  Der  Wendepunkt  bei 
Arica ,  wo  die  Küste  ihr  nordsüdliches  Streichen  plötzlich 
in  ein  nordwestliches  verwandelt,  eine  Einbiegung  unter 
18^^  südlicher  Breite,  welche  der  ganz  ähnlichen  Einbie- 
gung der  Westküste  des  pyramidalen  Kontinents  von  Afrika 
(in  4^  ^  nördlicher  Breite)  bei  Fernando  Poj  entspricht,  ist 
in  seiner  geologischen  Bedeutsamkeit  schon  mehrmals,  von 
mir  an  anderen  Orten  bezeichnet  worden.  Das  plötzlich 
veränderte  Streichen  der  Andes-Kette  im  Parallel  von  Arica 
ist  nicht  auf  die  der  Südsee-Küste  nahe  westliche  Kordillere 
eingeschränkt ;  sie  erstreckt  sich  in  eben  dem  Maase  auf  die 
östliche  Kette,  welche  den  frühesten  Sitz  menschlicher  Kul- 
tur in  Süd-Amerika,  die  Hochebenen  von  Titicaca^  begränzt 
und  auf  ihrem  Rücken  die  erst  neuerlichst  bekannt  gewor- 
denen Bergkolosse  des  Sorata  und  Ilimani  trägt.  Der  Pa- 
rallelismus der  Kordilleren  unter*  sich  ,  besonders  zwischen 
5^  südlicher  und  5^  nördlicher  Breite  ist  so  auffallend,  als 
der  Parallelismus  mit  den  Sinuositäten  des  Littorals.  Ein 
einziges  5  sein  Streichen  veränderndes  abscharendes 
T  r  u  m  m  vereinigt  die  neuere  Gebirgsspalte  der  Andes  von 
Quito  Auveh  Neu- Granada,  östlich  von  Bogota,  mit  der  älte- 
ren Gebirgsspalte  der  Küstenkettc  von  Caracas, 

Westlich  vom  Hochlande  von  Quito  scheint  die  Rich- 
tung der  Ketten  selbst  zu  beweisen ,  dass  ein  Küsten-Ein- 
schnitt, der  Golf  von  Gua^aquil,  ein  kleines  zufälliges  Phä- 
nomen späterer  Entstehung  ist,    als  die  der  Ketten-Hebung. 


")  Karte  des  ganzen  Neuen  Kontinents. 


—     264     — 

Hier  nähert  sich  die  Küste  bis.  auf  25  Bogen -Minuten  der 
westlichen  Kordillere  in  der  Gegend  von  Cuenca^  südlich 
von  dem  oben  ervrähnten  Queerjoch  des  Assuay^  vfo  die  viel 
besuchte  Landstrasse  fast  die  Höhe  des  Montblanc  erreicht. 
Kein  Einfluss  dieser  grösseren  Meeres-Nähe  auf  die  Stel- 
lung der  Vulkane  zeigt  sich  aber  hier.  Schon  zvi^anzig  geo- 
graphische Meilen  nördlicher^  seit  dem  Parallel  des  lunguragua, 
ist  die  lange  Reihe  thätiger  Vulkane  gegen  Süden  geendigt, 
Hindernisse  in  den  Gesteinschichten  haben  vielleicht  hier, 
der  Seeküste  näher,  den  Durchbruch  der  elastischen  Kräfte 
und  eine  permanente  Verbindung  mit  dem  Inneren  gehindert. 
Auffallend  ist  es  sogar,  dass  das  Hinderniss  v^'^eniger  gross 
nach  der  von  dem  Littoral  abgekehrten  Seite  gewesen  ist; 
denn  am  Fuss  der  östlichen  Kette  ist  der  Sangai/y  oder  Vul- 
kan von  MacaSj  einen  vollen  halben  Grad  südlich  vom  Pa- 
rallel des  Tunguragua  in  einer  vt^aldreichen  Ebene,  an  den 
Quellen  des  Rio  Morona  ^  ausgebrochen.  Rüppel  gibt  dem 
rauchenden  Kegelberge  in  Kordofan  -84  Meilen  Entfernung 
vom  Meere,  während  der  Peschan  in  Inner-Asien,  von  dem 
sich  noch  in  späteren  ganz  historischen  Zeiten  Lavaströme 
ergossen  haben,  und  andere  thätige  Vulkane  der  Kette 
Thianschan  nach  meiner  Skizze  der  Bergketten  von  Inner" 
Asien  drei  Mal  so  weit,  volle  260  geographische  Meilen  von 
allen  Meeren  entfernt  und  keinesweges  von  grossen  Binnen- 
Wassern  umgeben  liegen. 

W^enn  gleich  in  einem  grossen  Theile  der  Welt  das 
Emporsteigen  von  Trachyt-,  Andesit-  und  Dolrit-Massen  die 
höchsten  Gipfel  der  Ketten  oder  Insel-Gruppen  gebildet  hat, 
so  lehren  dagegen  andere  Zonen  (z.  B.  der  Himalaya  und  die 
östliche  Andes- Kordillere  von  Bolivia) ,  dass  dieser  Zusam- 
menhang zwischen  dem  Maximum  der  Erhebung  und  der 
Natur  des  sichtbaren  Gesteins  kein  nothwendiger  ist.  In 
Mexiko,  wo  alle  Vulkane  auf  einer,  den  Isthmus  und  die  Axe 
der  Kette  fast  rechtwinkelig  durchschneidenden  Spalte  em- 
porgestiegen sind  (Leopold  von  Buch  vergleicht  diese  unter- 
geordnete Queerspaltung  mit  der  im  Inneren  von  Java)y  sind 


—     265     — 

allerdings  alle  Nevados,  das  heisst  alle  Gipfel,  welche  hoch 
über  die  ewige  Schneegränze  hinausreichen  Vulkane  und 
aus  den  eben  genannten  Gebirgsarten  zusammengesetzt.  Eben- 
falls in  dem  Hochlande  von  Quito  liegen  die  -Kulminations- 
punkte der  Kordillere  allerdings  in  Dolerit-Glocken  und  Ke- 
geln;  aber  auch  in  eben  dem  Hochlande,  gegenüber  dem 
Chimhorazo  und  dem  Vulkan  Tunguragua,  sind  die  hohen 
Nevados  von  Condorasto,  Ciivillan  und  Collanes  Glimmer- 
schiefer und  Gestellstein.  Die  höchsten  Berge  der  ganzen 
AndeS'lLette,  der  Sorata  oder  Tusuhaya  etwas  westlich  von 
der  Mission  Challana^  und  der  llimani^  südlich  von  dem 
Missions -Dörfchen  Ocobaya^  zwei  Gipfel,  von  denen  jener 
fast  nur  um. eine  grosse  Thurmhöhe  (78  Toisen)  niedriger 
ist  als  der  zweite  und  einzig  gut  gemessene  Koloss  *)  des 
Himalaya^  bestehen  aus  Grauwackenschiefer,  aber  nach  hand- 
schriftlichen Noten  von  Pentland,  die  ich  besitze,  finden 
sich  wenigstens  am  westlichen  Abfalle  des  llimani  Syenit- 
und  Porphyr-Massen,  in  denen,  als  Zeugen  des  Durchbruchs, 
eckige  Stücke  von  Grauwackenschiefer  eingebacken  sind. 
Alle  diese  Thatsachen  beweisen,  dass  die  absolute  Höhe  ein- 
zelner Gipfel  (ein  Phänomen,  welches  von  jeher  das  popu- 
lärste Interesse  auf  sich  gezogen  hat)  bloss  eine  lokale,  in 
mehr  oder  minder  Widerstand  gegründete  Zufälligkeit  ist, 
geognostisch  unwichtig  in  Vergleich  mit  Richtung  der  Axe, 
Beharrlichkeit  im  Streichen  und  mittler  «Höhe  des  Rückens 
einer  Bergkette. 

Nach  diesen  allgemeinen  Betrachtungen  der  Andes-Kor-^ 
diller en  gehe  ich  zu  der  Schilderung  einzelner  Vulkane  der 
Hochebene  von  Quito  über.  Ich  beginne  mit  einem  der  nie- 
drigsten Gipfel,  Pichincha ,  weil  er  der  Stadt  am  nächsten 
liegt,  weil  er  eine  von  der  der  meisten  feuerspeienden  Berge 
sehr  abweichende  Form  hat,  und  für  mich  der  Gegenstand 
dreier  Expeditionen  war.  In  Europa  hat  dieser  Bero-  in  der 
Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  einen  grossen,  jetzt  freilich 


*)  Jawahir  4026  Toisen,  Sorata  3948  Toisen. 


—     266     — 

längst  verhallten  Ruf  gehabt,  da  Bouguer  und  La  Cokdamine 
auf  seinem  Rücken  drei  Wochen  lang  eine  Hütte  bewohnten, 
in  der  sie  meteorologische  Beobachtungen  anstellten.  Diese 
Hütte  lag  2430  T.  hoch,  also  nur  ISO  Fuss  tiefer  als  der 
Gipfel  des  Montblanc.  Derjenige  Theil  des  Längenthals  zwi- 
schen der  östlichen  un.l  westlichen  Kordillere  oder,  wie  ich 
mich  lieber  ausdrücke,  zwischen  der  Kordillere^  des  Antisana 
und  Coiopaxi  und  der  des  Pichincha  und  Chimborazo  ^  in 
welchem  die  Stadt  Quito  liegt,  ist  wiederum  durch  eine  nie- 
drige Hügelkette,  die  von  Jchimbio  und  Poingasi,  der  Länge 
nach  von  Süden  nach  Norden  in  zwei  Hälften  getheilt. 
Östlich  von  diesen  Hügeln  liegen  die  fruchtbaren  anmuthigen 
Ebenen  von  Puembo  und  Cliillo  ^  westlich  dem  Vulkan  Pi^ 
chincha  näher,  die  öderen  Grasflächen  von  Ihaquito  und 
Turabamba.  Das  Niveau  beider  Hälften  des  Thals  ist  ver- 
schieden. In  der  östlichen  milderen  ist  der  Tbalboden  S040, 
in  der  rauheren  westlichen  ist  er  fast  9000  Fuss  (nach  mir 
1492,  nach  Boussijvgault  1496  T.)  über  dem  Meeresspiegel 
erhoben.  Die  lateinische  Inschrift,  welche  die  französischen 
Astronomen  in  dem  Jesuiten-Kollegium  aufgestellt  haben, 
und  welche  die  Länge  von  Quito  viel  zu  westlich  setzt,  gibt 
auch  die  Höhe  der  Stadt  aus  Gründen,  die  ich  oben  berührt 
habe,  270  Fuss  zu  niedrig  an.  Wenn  man  nun  erwägt,  dass 
Quito  dicht  an  der  Felsmauer  des  Pichincha  erbaut  und  von 
vielen  sehr  tiefen  J  offenen ,  meist  wasserleeren  Spalten, 
Guaycos,  durchschnitten  ist,  die  alle  dem  Vulkan  rechtwinke- 
lig zulaufen  ,  wenn  man  sich  dazu  erinnert,  dass  wir  daselbst 
fast  in  jedem  Monate,  mit  und  ohne  Erdbeben,  ein  schreck- 
haftes unterirdisches  Getöse  (  bramido)  unter  unseren  Füssen 
hörten,  so  darf  man  sich  nicht  wundern ,  dass  der  dem  Vulkan 
nähere  Thalboden  in  den  Ebenen  von  Inaquito  und  Turubamba 
durch  die  noch  heute  wirkenden  vulkanischen  Kräfte  höher 
gehoben  sey,  als  der  Boden  von  Chillo  in  dem  entfernteren 
östlicheren  Theile  des  Thals.  Die  mittle  Wärme  von 
Quito  ist,  nach  meinen  Beobachtungen  von  Maximis  und  Mi- 
nimis    der  Lufttemperatur    in   kaum    vier  Monaten  11^,5  R., 


—     267     — 

nach  BoussiNGAULT,  ans  der  Wärme  der  trocliiien  Erde  ge- 
schlossen ,  etwas  höher  =12^,2,  Unterschied  0**,7.  Das  ist 
fast  die  mittlere  Wärme  von  Rom,  aber  auf  der  Höhe  von 
Quito  und  fast  unter  der  Linie  selbst;  welche  Verschieden- 
heit in  der  Vertheilung  der  Wärme!  In  Quito  sind  die 
Extreme  4*^,8  und  17^,6  R.  Spuren  von  Eis  oder  dünne 
Eisrinden  sieht  man  unendlich  selten  und  nur  als  Wirkung 
der  Wärmestrahlung  gegen  einen  wolkenfreien  Himmel.  Die 
französischen  Akademiker  schildern  das  Klima  milder  als  es 
jetzt  ist.  Die  Vergleichung  mit  dem  Thalkessel  von  Caschmir 
scheint  vollends  unpassend.  ISach  den  neuesten  Messungen 
von  Victor  Jacquemont  *)  und  Baron  Hijgel  **)  liegt  die 
Stadt  Caschemir  volle  3700  Fuss  niedriger  als  Quito.  Von 
dem  grossen  Stadtmarkte  (Plaza  major)  aus  sieht  man  in 
drohender  Nälie  die  stroffen  Abhänge  (faldas)  des  Vulkans 
von  Pichiticha,  nicht  die  Reihe  der  Gipfel,  die  wir  bald 
beschreiben  werden  ;  man  sieht  auf  einem  kahlen  hervortre- 
tenden Hügel,  der  freilich  höher  als  der  Pic  von  Teneriffa 
ist,  das  von  La  Condamine  als  Signal  errichtete  Kreuz  (la 
Cruz  de  Pichincha)  und,  was  einen  schönen  Anblick  gewährt 
westlicher  und  tiefer  den  silberglänzenden  Wasserfall  von 
Cantuna  in  nur  1728  Toisen  Höhe.  Der  Fuss  des  Wasser- 
falls bleibt  unter  einem  vorspringenden  Felsen  verdeckt. 

Pichincha. 

Ich  habe  einen  topographischen  Plan  des  Vulkans  und 
aller  Thäler,  die  am  südöstlichen  zugänglicheren  Abhänge 
zu  seinem  weit  ausgedehnten  Rücken  führen,  in  Quito  selbst 
entworfen  und  zur  Erläuterung  dieser  Karte  eine  Profil- 
Ansicht  geliefert,  wie  man  sie  bei  heiterer  Luft  unfern 
Chillo  in  der  Grasflur  Cachapamba  geniesst.  Die  Karte  ist 
in   dem   Atlas    von  Süd- Amerika ,     der   meinen   Reisebericht 


*)  Correspondance  pendant  son  Voyac/e  dans  VInde,  T.  IT,  p.  58,  74. 
**)  Journal  of  the  Royal  Geogr.  Soc.  T.  VT,  P.  2,  p  3S4.  jAcguEMONx 
gibt  5350,  HiTGEL  5850  engl.  Fiissj  Mittel  875  Toiseu. 


—     268     — 

begleitet,  die  pittoreske  Ansicht  aber  in  den  Vues  des  Cor" 
dilleres  erschienen.  Ausser  den  barometrischen  Messungen 
vieler  einzelner  Gipfel  habe  ich  eine  trigonometrische  Mes- 
sung aller  Gipfel  in  der  Ebene  von  Cachapamba  vorgenom- 
men, die  vom  Krater  des  Rucupichincha  14,211  Toisen  ent- 
fernt ist.  Da  mir  eine  eigentliche  Triangulation  zvt'ischen 
den  engen  Schluchten  des  Vulkans  am  Abhänge  selbst  un- 
möglich war  und  viele  Wochen  Zeit  erfordert  haben  würde, 
so  ist  die  kürzere  hypsometrische  Methode,  die  sich  der 
Höhenwinkel  und  senkrechten  Standlinien  bedient,  vorgezo- 
gen worden,  eine  Methode,  deren  Genauigkeit  durch  meinen 
Versuch  den  Längenunterschied  von  Mexiko  und  Veracruz 
in  einer  Entfernung  von  drei  Längengraden  hypsometrisch 
zu  bestimmen,  empfehlenswert!!  seheint.  Aus  den  Winkeln 
hat  sich  dazu  die  Masse  des  ganzen  Vulkans  und  der  ein- 
zelnen Gipfel  ergeben.  Die  Entfernung  des  noch  brennen- 
den Kraters  von  dem  Thurm  de  la  Merced  in  Quito  (ein 
Element,  das  die  Einwohner  dieser  Stadt  lebhaft  interessirte) 
habe  ich,  von  dem  Hügel  von  Poingasi  aus,  wo  man  zugleich 
den  Thurm  und  die  den  Krater  umgebenden  drei  Felsen 
sieht,  durch  eine  etwas  verwickelte  Triangulation  bestimmt. 
Ich  fand  sie  aus  mehreren  Kombinationen  55S6  T.  Zu  mei- 
ner grossen  Freude  habe  ich  in  Paris,  lange  nachdem  mein 
Plan  gestochen  war,  den  ersten  Entwurf  einer  handschrift- 
lichen Karte  aus  La  Condamine's  Nachlass  erhalten,  deren 
Maasstab  erlaubte,  sich  eines  Abstandes  von  8  bis  10  T,  zu 
versichern.  Diese  Karte  enthält,  ausser  der  Stadt  Quito 
und  dem  Thurme  der  Kirche  de  la  Merced,  vom  Pichincha 
selbst  nur  das  Centrum  des  Kraters.  Die  darauf  graphisch 
gesuchte  Entfernung  war  5520  T. ,  Unterschied  66  T»  oder 
^L.  Magnetische  Azimuthe  sind  fast  gar  nicht,  oder  nur  in 
Poingasi  für  sekundäre  Punkte  in  1800  T.  Entfernung  von 
dem  Abhänge  des  Vulkans,  also  an  einem  Orte  benutzt  wor- 
den ,  wo  ich  mittelst  eines  LAMBERTschen  vierzehnzöUigen 
Deklinatoriums  die  lokale  magnetische  Abweichung  bestimmen 
konnte.       Diese    allgemeine ,      nur    schon     zu     umständliche 


—     269     — 

•f 

Übersicht  der  bei  der  Konstruktion  meiner  Karte  angewandten 
Mittel  soll  die  Richtigkeit  der  Haupt -Dimensionen  eines 
Vulkans  bewähren,  der  in  seiner  Hauptrichtung  von  SW. 
nach  NO.  eine  isolirte,  ununterbrochen  fortlaufende  Wand 
bildet.  Auch  der  ümriss  des  Berges  in  der  pittoresken 
Ansicht  ist  nach  Horizontal-  und  Höhen- Winkeln  gezeichnet, 
die  wiederholt  mit  dem  Sextanten  gemessen  wurden. 

Die  Beschreibungen,  welche  La  Condamiive  an  mehreren 
Stellen  des  Mesure  de  la  Meridienne  von  dem  Vulkan  von 
Pichincha  gibt,  sind  überaus  unbestimmt.  Er  spricht  zwar 
von  mehreren  Gipfeln,  neinit  deren  aber  nur  drei,  statt  vier. 
Den  höchsten,  südwestlichsten  Gipfel,  aus  dem  allein  die 
grossen  Ausbrüche  erfolgt  sind,  haben  die  französischen 
Akademiker  gar  nicht  gemessen.  Die  einzige  Kuppe,  deren 
in  der  Inschrift  des  Jesuiten- Kollegiums  erwähnt  ist,  und 
die  bloss  als  Cacumen  lapideum  bezeichnet  wird,  ist 
der  dritte  thurmähnliche  Gipfel,  von  S.W.  nach  N.O.  gerech- 
net. Wo  übrigens  die  Hütte  stand,  in  der  die  Beobachter 
mit  so  rühmlicher  Ausdauer  Wochen  lang  schliefen,  ist  nach 
der  angegebenen  Barometerhöhe  und  bei  aller  mangelnden 
Tradition  schwer  zu  ergründen.  Klarheit  kann  man  nur  in 
die  Beschreibung  der  Struktur  des  Berges  bringen ,  wenn 
man  sich  der  indischen,  sehr  bestimmten  Benennungen  der 
Gipfel  bedient. 

Was  zuerst  am  Pichincha  auffällt,  ist  seine  von  der  ge- 
wöhnlichen Kegelform  der  Vulkane  so  verschiedene  Gestalt. 
Den  grössten  Kontrast  bietet  der  Pichincha  mit  dem  Coto- 
paxi  dar,  dessen  Schnee-Mantel  die  kleinsten  Unebenheiten 
eines  vollkommenen  Kegels  bedeckt,  und  von  dem  die  spani" 
sehen  Kreolen  mit  Recht  sagen  ,  er  sey  wie  von  der  Dreh- 
bank gekommen,  hecho  al  torno  {fait  au  tour)  ■').  Der  Pichincha 
bildet  eine  lange  Mauer,  und  diese  Ausdehnung  in  der  Länge 
bei  einer  in  Verhältniss  geringen  Höhe  (kaum  15,000  Fuss) 
vermindert  an  Punkten ,  wo  man  das  ganze  isolirt  stehende 


*)  Man  vergleiche  meine  Vttes  des  Cordilleres,   PI.  10  und  61. 
Jahraransr   1837,  18 


—     270     — 

Gebirge  mit  einem  Blick  umfassen  kann,    den  majestätischen 
Eindruck  der  Ansicht. 

Pichincha  liegt  auf  dem  Rücken  der  westlichen  Kordil^ 
leren,    als  ein  Ganzes  betrachtet   allerdings    in  einem  Alig- 
nement,  d.  h.  in  derselben  Axenrichtung  mit  den  Schnee- 
bergen Jlinha,  Corazon  und  Cotocachi]  er  bildet  eine  Reihe 
mit  ihnen ,  aber  bei  dem  jähen  Absturz,  den  die  Kordilleren 
gegen  das   Meer  hin  zeigen,  kann  man  sagen,  d&ss  Pichincha, 
speciell  betrachtet,  die  fortlaufende  Kurdillere  wie  miit  einem 
Mauer-Stücke  krönt,     und    dass    die  Richtung  dieser  Mauer 
von  der  Richtung  der  Basis,    auf  der  sie  ruht  (von  der  ali- 
gemeinen Axe    der  Kordillere)   um  volle  35**  abweicht.     Die 
Axe    der    westlichen    Kordillere   liegt   zwischen  0^  40'    südl. 
und  0^20'  nördl.  Breite,  N.  21^   O. ;     die  specielle  Axe  des 
Vulkans,  durch  seine  Gipfelreihe  gelegt,  liegt  N.  56^  O.  Nach 
neueren  Ansichten  würde  man  daher  sagen,  dass  die  später 
entstandene  Mauer,  die  wir  Pichincha  nennen,  auf  einer  en- 
geren Spalte,  die  mehr  vom  Meridian  gegen  Osten  abweicht, 
hervorgetreten  ist.      Von  diesen  Erscheinungen,    die  den  all- 
gemeinen untergeordnet  sind,  gibt  auch  die  g'osse  Bergebene 
des  Antisana  in  12jö00  Fuss  Höhe  ein  merkwürdiges  Beispiel. 
Der  schneebedeckte  runde  Gipfel  des  Berges  erhebt  sich  in- 
selförmig  in  dieser  Ebene,    aber  gegen  Westen   ist  aus  der- 
selben,   in    der    Richtung    von    INorden    gegen    Süden,     eine 
schwarze  Felswand  hervorgestiegen,    der  Chussolongo ,     der 
im  Kleinen  der  Form  nach  an  den  Pichincha  erinnert.     Der 
letztere   ist    zwar    von   allen    Selten    isolirt,     doch  ist  er  es 
minder  gegen  den   Corazon  und  gegen  Iliniza  hin  ,     wo  der 
Atacazo  sich  ihm  naht,    als  gegen  Norden,  gegen  den   Cerro 
de  Cuicocha  und  den  Nevada  de  Cotöcachi  hin,    wo  in  einer 
weiten  Öifnung  der  Fluss  Guallabamha  sich  aus  der  Obsidian- 
reichen  Hochebene  von  Quinche  einen  Weg  nach  der  Südsee 
bahnt.     Zu    besserer  Verständigung    des  Folgenden  füge  ich 
im  Allgemeinen    noch    hinzu,     dass    die    vier  Gipfel    des  Pi- 
chincha, die  aus  der  Ferne  theils  als  Kegel,  theils  als  Thurra- 
spitzen  und  Ruinen  von  Bergschlössern  erscheinen,  von  N.O. 


—     271     — 

gegen  S.W.  folgende  Reilie  bilden :  1)  ein  ungen<innter 
Kegelberg ,  nahe  bei  dem  Rücken  Ingapüca ,  den  ich  nach 
der  Frequenz  der  grossen  Condor-Geyer,  und  weil  gegen  ihn  die 
tiefe  Spalte  von  Cundurguachana  endigt,  durch  welche  Blöcke 
in'  die  schöne  Grasebene  ( Exido )  von  Ifiaquito  gekommen 
sind,  Aew  Condor-Gi\i{e\  nenne.  2)  Guaguapichincha ,  das 
heisst,  das  Kind  des  alten  Vulkans.  3)  Picacho  de  los  La- 
drillos ,  wegen  der  mauerartigen  Spaltung  so  benannt  und 
durch  einen  schmalen  Sattel  mit  einem  anderen  mehr  südlich 
vorliegenden  Kegel,  Tablahuma,  zusammenhängend.  4)  Ru- 
cupichincha y  der  Alte  oder  Vater,  den  Krater  enthaltend, 
und ,  da  er  etwas  ausserhalb  der  Reihe  mehr  gegen  die 
Südsee  gerichtet  ist,  von  Chillo  oder  Poingasi  aus  unter 
einem  etwas  kleineren  Höhenwinkel  erscheinend,  als  der  Ka- 
stel-artige  Gipfel  des  Guaguapichincha,  Die  kupferfarbigen 
Eingeborenen  nennen  Vulkane,  weil  es  für  sie  gleichsam 
Individuen  (einzelne  Kegel)  sind,  die  ganzen  Berg-Kolosse 
des  Cotopaxi  und  Tungui  ahua'^  aber  am  Pichincha  nennen 
sie  el  Volcan  bloss  den  südwestlichsten  Theil,  von  dem  sie 
der  Tradition  nach  wissen,  dass  in  den  Jahren  1,533,  1539, 
1560,  1566,  1577,  15S0  und  1660  so  grosse  Feuerausbrüche 
Statt  fanden ,  dass  die  Stadt  Quito  ganze  Tage  lang  durch 
fallende  Asche  in  tiefe  Finsterniss  gehüllt  war.  Sie  bedie- 
nen sich  sogar,  wenn  sie  für  mehr  lateinisirt  (muy  la- 
tinos),  d,  h.  gebildet  gehalten  werden  wollen,  der  Benen- 
nung Vulkan  für  den  letzten  und  vierten  Gipfel  öfter  als 
der  Benennung  Rucupichincha. 

Erste  Besteigung.  —  Wir  machten  den  ersten 
Versuch,  an  den  Krater  des  Pichincha  zu  gelangen,  an  einem 
heiteren  Morgen  im  Monat  April  *).  Unsere  Begleitung 
war  zahlreicher,  als  wir  es  gewünscht  hätten,  ein  Übel, 
das  man  bei  keiner  Reise  vermei^den  kann ,  in  welcher  die 
Instrumente,  deren  man  sich  bedient,  die  Neugierde  der 
Einwohner  des  Landes  auf  sich  ziehen.     Da  in  den  unteren 


")  Den  14.  April  1802. 

IS 


—     272     — 

Revieren  des  Vulkans  häufig  gejagt  wird,  auch  die  Indianer 
ein  Geniisch  von  Hagel  und  Schnee,    freilich  nicht  von  dem 
schneebedeckten  Gipfel    des  Kraters ,     sondern   aus    tieferen 
Schnee-  und  £is-Ilöhlen  zur  Stadt  bringen,   so  rühmten  sich 
alle  unsere  Begleiter,  Weisse  und  Farbige,  der  Gegend  sehr 
kundig  zu  seyn.    Ich  war  gerade  vor  einem  Monat  mit  Hrn. 
BoNPLAND  und  dem  jungen  Sohne   des  Marquis  de  Selvale- 
GRE,  Carlos  Moktufar,    der  uns  nach  dem  AmazonenSivLine 
Lima,  Mexiko  und  Paris  begleitete,  aber  nach  seiner  Zurück- 
kunft    von  Europa    in    dem    edlen  Kampfe    für    die    Freiheit 
seines  Vaterlandes  den  Tod  fand,  auf  demAniisana gewesen. 
Wir  gelangten    dort    auf  einem    Felskamme,     der    über    die 
ewige  Schneegränze  hinausreichte,     zu  der  Höhe  von  mehr 
als  17,000  F.,    so  dass    die  Erreichung    des  höchsten  Gipfels 
des  Pichincha,   der  den  Montblanc  kaum  um   180  Fuss  über- 
steigt, uns  vergleichungsweise  ein  leicht  auszuführendes  Un- 
ternehmen schien.     Der  Erfolg  hat  gezeigt,    dass  die  spalt- 
ähnlichen   tiefen    Thäler,    welche    die    vier   Hauptgipfel   des 
Pichincha  trennen,    an  vielen  Punkten  unübersteigliche  Hin- 
dernisse   darbieten.     Wir    nahmen    unseren    Weg   von  Quito 
aus   wegen  Nordwesten,  um,   neben  dem  Klostergarten  Reco- 
leccion  de  la  Merced  vorbei,     zu  dem   Wasserfall   Chorro  de 
la    Cantuna    zu    gelangen.      Die    Recoleccion    liegt    zwischen 
zweien  der  Guaycos  oder  offenen  Spalten  von  30  bis  40  Fuss 
Breite,  von  denen  ich  oben  sprach,    und  die  alle  dem  Berg- 
gehänge zulaufen.    Beide  Spalten  vereinigen  sich  etwas  nörd- 
lich von  der  Kirche  de  la  Merced,  wo  eine  Brücke  über  sie 
geschlagen    ist.     Weiter    hin    nach    dem  Platze    des  heiligen 
Franciscus,    werden  die   Guaycos  unsichtbar,    da   hohe  Ge- 
bäude durch  Wölbungen  sie  verdecken.     Einige  dieser  Guay- 
cos gleichen  mächtigen  offenen  Gangen,   60  bis  80  Fuss  tief. 
An    vielen  Punkten    sind   sie,     in  30  bis  40  Lachter  Länge, 
gar  nicht  nach  oben  geöffnet,  sondern  bilden  natürliche  Stol- 
len,   unterirdische    Weitungen.     Es    ist    ein    Volksglaube    in 
Quito,    dass    die  Stadt  darum  so  wenig  an  ihren  prächtigen 
Kirchen    und    hohen  Häusern    bei  häufigen  Erdbeben  leidet. 


~     273     ~ 

weil  diese  in  anderer  Hinsicht  geognostisch  wichtigen  offenen 
Klüfte  den  (elastischen)  Dämpfen,  ä  los  vapores,  freien  Aus- 
gang gewährten.  Eine  solche,  aucji  von  Ülloa  angenommene 
Theorie,  die  mit  der  uralten  römischen  Meinung  vom  Nutzen 
der  Brunnen  bei  Erdstössen  zusammenhängt,  wird  aber 
durch  die  Erfahrung  wenig  bestätigt.  Aufmerksame  Beob- 
achter haben  bemerkt,  dass  einige  östlichere  Quartiere  der 
Stadt  Quito  bei  Santa  Barbara  und  San  Juan  Evangelista^ 
die  von  keinen  Guaycos  durchschnitten  sind,  minder  leiden, 
als  die  den  Guaycos  näheren.  Die  wenig  steilen  Abhänge 
(faldas),  die  zum  Wasserfall  führen,  sind  mit  kurzem 
Rasen  von  geselligen  Grasarten  (Podosaemum  debile, 
Gymnothrix  und  Stipa  eminens  Ca  van.)  bedeckt.  In 
dem  Rasen  blühen  vereinzelt  einige  Ca^ceolarien.  Der 
Wasserfall  von  Cantuna^  1728  T.  über  dem  Meere  gelegen, 
war  gerade  sehr  dürftig,  und  hatte  in  anderen  Älonaten, 
von  der  Plaza  major  aus  gesehen,  unsere  Erwartungen  mehr 
gespannt.  Wir  folgten  weiter  aufwärts  einer  engen  Schlucht, 
durch  die  wir,  das  weit  gesehene  Kreuz  von  LaCoadamine, 
La  Cruz  de  Pichincha,  (2072  T.)  rechts  zur  Seite  lassend, 
in  eine  kleine,  ganz  horizontale  Ebene  (IJano  de  la  Toma 
oder  Llano  de  Palmascuchü)  gelangten.  Die  absolute  Höhe 
dieser  Ebene  ist  2280  T.  Eine  ganz  ähnliche  Ebene,  aber 
fast  zur  Hälfte  kleiner,  von  kaum  300  T.  Breite,  Llano  de 
AUarcuchu,  liegt  weiter  westlich,  ebenfalls  dicht  an  dem 
Hauptkamm  oder  Rücken  des  Gebirges.  Beide  Ebenen,  al- 
tem Seeboden  ähnlich ,  bilden  das  Ende  aufsteigender  Thä- 
1er  und  sind  durch  ein  Bergjoch  getrennt,  auf  dessen  Fort- 
setzung der  groteske  Gipfel  Guaguapichinclia  emporsteigt. 
Auf  der  ersten  nordöstlicher  gelegenen  kleinen  Ebene  von 
Palmascuchü  genossen  wir  eines  herrlichen  Anblickes  auf 
Antisana,  den  sogenannten  Vulkan  von  Ansango,  auf  Cotopaxi 
und  Sinchulahua^  alle  zur  östlichen  Kordillere  gehörig.  Es 
war  11  Uhr  Morgens,  und  trotz  der  Höhe  stieg  das  Ther- 
mometer im  Schatten  auf  11^  R.  Guaguapichinclia  aus  der 
Ebene  gesehen,  erscheint  wie  eine  zertrümmerte  hohe  Burg. 


—     274     — 

Wir   glaubten   anfangs,     dass    diese    Burg    aus   gegliederten 
senkrechten  Säulen    bestehe ;    als    wir    aber   an   ihr    hinauf* 
klimmten,  fanden  wir  ein  pechsteinähniiches,    schwarzes  Ge- 
stein 5     das    in    ganz    dünne    Schichten    gespalten    war.      Die 
Schichten    hatten    oft    nur  2  bis  3  Zoll  Mächtigkeit;     einige 
Gruppen  waren   12  bis   14  Zoll  dick,     alle  fielen  sehr  regel- 
mässig mit  85^  g<?g^"  Norden.     Ihr  Streichen  war   hör.  6,4 
unseres    deutschen    Gruben -Kompasses.      Querspalten    gaben 
dem  sehr  frischen,    glänzenden,    unverwitterten  Gestein,  bei 
der  fast  seigeren  Schichtung ,    in  der  Ferne  einige  Ähnlich- 
keit   mit    einem  Fels  von  Porphyrschiefer.     Ich    nannte    das 
Gestein    damals    pechsteinartigen    Trapp-Porphyr.       Wo    ich 
Hornblende  in  dem  Gewebe  vermuthet  hatte,    erkiinnte  Leo- 
pold   VON    Buch,     der    meine    damals    etwas    reichhaltigeren 
Sammlungen    bald    nach    meiner    Rückkunft    unter   der  Lupe 
sorgfältig  untersuchte,  deutlich  Augitkrystalle,    Er  fand  diese 
auch  in    den  vulkanischen  Gesteinen    des   Chimborazo,     Nach 
einer  neueren  üntersuchunor    meines  Freundes  Gustav  Rose 
enthält  die  schwarze    pechsteinartige  Grundmasse    von  Cm«- 
guapichincha   in  2378  T.  Höhe   ausser    dem  Augit    auch   La- 
brador, nicht  Feldspath,  nicht  Albit,  nicht  Hornblende,    Der 
Glanz  des  Gesteins  ist  geringer  als  beim  eigentlichen  Pecli- 
stein;    die  Grundmasse  ist  nur  schimmernd,    an  den  Kanten 
schwach    durchscheinend    und   uneben    im   Bruch.     Vor  dem 
Löthrohr    sah    sie  Gustav  Rose  (schwierig  und  nur  an  den 
Kanten)  zu  einem  weissen  Glase  schmelzen.     Der  Labrador 
findet  sich    daran    in  Zwillingskrystallen    mit  einspringenden 
Winkeln.     Die  Krystalle  sind  weiss ,    stark  durchscheinend, 
«uf  dem  Bruche    stark    perlmutterglänzend.     Sie  erscheinen 
nur  klein  und  schmal,  auf  den  Spaltungsflächen  mit  den  ein- 
springenden Winkeln  etwa  zwei  Linien    lang,     und   sind    in 
der  Grundmasse   sehr    häufig    zerstreut.     Die  Augitkrystalle 
sind  schwärzlichgrün,    nur   klein    und    sehr    sparsam    einge- 
wachsen.    Wir    haben    also    am   Pichincha    wieder ,    wie    am 
Ätna,  ein  Dolerit-Gestein  mit  vorwaltendem  Labrador.      Die 
Umrisse  des  Guaguapichincha  sind  wunderbar  zackig,  was  bei 


—     275     — 

vielem  schwarzen  vulkanischen  Gestein  der  Andes  bemerkt 
wird.  Gegen  Südwesten  sahen  wir  Zapfen  und  Zacken,  die, 
bei  kaum  10  Zoll  Dicke,  wohl  8  bis  9  Fuss  Höhe  hatten 
und  senkrecht  aufstiegen.  Die  Zeichnung,  die  ich  bei  SOma- 
liger  Vergrösserung  von  dem  Unu'iss  des  Giiaguapichincha 
(aus  der  Ebene  von  Chillo ,  also  in  einer  Entfernung  von 
13,326  T.)  mit  Sorgfalt  gemacht  habe,  lehrt,  dass  Giiagua- 
pichincha wohl  das  acutum  et  lapideum  cacumen  der 
Jesuiten-Inschrift  von  La  Condamine  ist.  Die  oberste  Spitze 
ist  thurmartig  abgestumpft. 

Wir  hatten  im  Hinaufsteigen  durch  die  enge  Schlucht, 
die  nach  der  kleinen  Ebene  Palmascuchu  an  den  Fuss  des 
Guaguapichincha  führt,  schon  unterhalb  dem  Signal- Kreuze, 
etwa  in  ISOO  T.  Höhe,  den  nackten  Felsen  hie  und  da  mit 
Bimsstein  bedeckt  gefunden.  Diese  Lagen  Bimsstein  wurden 
häufiger,  je  höher  wir  stiegen.  Es  wurde  uns  auch  bald 
auffallend,  dass  der  Bimsstein  an  dem  grotesken  Gipfel  von 
Guaguapichincha  sich  mehr  an  dem  westlichen  und  südwest- 
lichen Abhänge  (also  nach  der  Seite  des  Kraters  von  Rucu- 
pichincha  hin),  denn  in  entgegengesetzter  Richtung  fand.  Es 
kontrastirte  sonderbar  seine  weisse,  bisweileji  gelbliche  Farbe 
mit  der  Schwärze  des  Augit-Gesteins. 

Die  Eingebornen,  die  uns  zu  Führern  dienten,  gestan- 
den uns  bald  selbst,  dass  sie  nie  bis  zu  dem  Gebirgskamme 
gelangt  wären :  sie  wussten  keinen  anderen  Rath ,  um  zu 
dem  dritten  Gipfel,  Pico  de  los  Ladrillos,  und  so  dem  Kra- 
ter näher  zu  gelangen ,  als  uns  erst  in  die  Ebene  von  Pal' 
mascuchUy  und  dann  (das  steile  Bergjoch  von  Loma  Gorda, 
das  zwei  benachbarte  und  ziemlich  parallele  Spalten  trennt, 
überschreitend)  in  die  Neben-Schlucht  von  Allar-  und  Verde-' 
cuchu  hinabsteigen  zu  lassen.  Ein  Blick  auf  die  Karte 
wird  die  sonderbare,  aber  doch  eigentlich  einförmige  Struktur 
des  Berges  erläutern.  Viele  wasserleere  Thäler  (eigentlich 
Spalten)  ziehen  sich  vom  Kamm  gegen  die  Hochebene  von 
Quito  herab.  Es  sind  die  Spalten  von  Cundurguachana,  wel- 
chen, wie  wir  bald  erwähnen  werden,  eine  gewisse  Öffnung 


—     276     — 

bei  Guapuloy  dem  Pichincha  gegenüber,  entspricht;  die  Que- 
brada,  die  nach  Palmascuchu  führt;  dann  Verdecuchu  und 
das  breitere  Thai  von  Yuyucha ;  endlich  eine  fünfte  Schlucht, 
welche  aus  der  bimssteinreichen  Ebene  am  Fuss  des  Rucu^ 
pichincha  in  das  Thal  von  Lloa  Chiquito  führt.  Die  Aus- 
mündungen dieser  engen  Schluchten  sind  so  gelegen,  dass 
grosse  Wasserfluthen,  die  der  schmelzende  Schnee  bei  jedem 
vulkanischen  Ausbruch  erregt ,  von  der  Stadt  Quito  abge- 
lenkt werden,  und  nach  Lloa  und  in  die  Ebene  der  Turu~ 
iff»2Äa  gelangen.  Nach  den  Ansichten  der  neueren  .Geognosie 
darf  man  auf  dieses  Phänomen  der  Spalten  von  Pichincha 
wohl  einige  Wichtigkeit  legen.  Ihre  Entstehung  hängt  mit 
der  Hebung  des  Berges  zusammen,  sie  sind  nicht  durch 
Wasser  eingefurcht,  können  aber  später  Wasserbecken  schmel- 
zenden Schnees  eingeschlossen  haben ,  da ,  wo  sie  durch 
Querdämme  getrennt  waren.  In  der  That  glaube  ich,  als 
wir  von  der  kleinen  Ebene  von  Verdecuchu  (2173  T.)  in  die 
Ebene  von  Altarcuchu  (2256  T.)  hinaufstiegen,  diese  stufen- 
weise Lage  von  Becken  ehemnliger  kleiner  Alpen-Seen,  dem 
Gebirgsrücken  nahe,  deutlich  erkannt  zu  haben. 

Statt  auf  dem  mit  Bimsstein  ganz  überschütteten  schma- 
len Kamme,  der  Guaguapichincha  mit  dem  Picacho  de  los 
Ladrillos  (dem  Ziegelberge)  verbindet,  zu  diesem  letzteren 
zu  gelangen,  Hessen  unS^  die  Indianer  aus  dem  von  fast  senk- 
recht abgestürzten  Felswänden  umgebenen  Becken  von  Al- 
tarcuchu auf  den  Ziegelberg  selbst  steigen.  Die  relative  senk- 
rechte Höhe  betrug  nur  1)00  Fuss.  Der  Gipfel  des  Ziegel- 
berges  ist  ein  fast  ganz  mit  Bimsstein  bedeckter  Kegel. 
Diess  Ersteigen  erinnerte  uns  an  den  Aschenkegel  (Pan 
de  azucar)  des  Pics  von  Teneriffa,  Ein  Kranz  von  schwar- 
zem pechsteinartigen  Gestein,  in  dünne  senkrechte  Schichten 
gespalten,  hat  den  Namen  Pico  de  los  Ladrillos  veranlasst. 
Die  Eingebornen  nennen  es  ein  Gemäuer.  Die  Ähnlichkeit 
mit  dünnen  Basaltsäulen  ist,  von  Ferne  gesehen,  sehr  gross. 
Dieser  Kranz  von  Dolerit-Gestein  ist  übrigens  durch  eine 
sonderbare  Schicht    von    Bimsstein ,     die    inselförmig    darin 


# 


—     277     ~ 

liegt,  unterbrochen.  Ich  habe  die  Ansicht  des  Kegels  zwei- 
mal gezeichnet,  einmal  ganz  nahe  in  einer  Enfernung  von 
500  T.,  und  dann  durch  das  Fernrohr  von  Chillo  aus.  Beide 
Skizzen  sind  sehr  übereinstimmend ,  und  der  inselförmige 
Bimssteinflecken  hat  mich  oft  davor  gesichert,  nicht  einen 
Gipfel  mit  dem  andern  bei  Winkelmessungen  zu  verwech- 
seln. Wir  fanden  die  Höhe  ^qs  Pico  de  los  Ladrillos  24^02  T, 
Es  war  auf  demselben  Raum  genug,  um  ein  Graphometer 
von  Ramsden  auf  sein  Gestell  zu  schrauben,  und  mittelst  des 
Sextanten,  zur  Begründung  der  Karte  des  Vulkans  und  zur 
Bestimmung  der  relativen  Lage  seiner  einzelnen  Kuppen  ge- 
gen die  benachbarten  Schneeberge,  die  nöthigen  Winkel  zu 
messen.  Die  Kälte  war  sehr  empfindlich,  gegen  3^  R.  Ein- 
zelne Schneemassen  bedeckten  den  Abhang.  In  Westsüd- 
westen erblickten  wir  nun  in  seiner  vollen  Pracht,  aber  lei- 
der durch  Abgründe  von  uns  getrennt,  den  ganz  mit  Schnee 
bedeckten  Rucupichincha,  Wo  der  Krater  sich  geöffnet,  blieb 
uns  damals  noch  unbekannt,  denn  seit  dem  Junius  1742  war 
Niemand  an  seinen  Rand  gelangt.  Man  wusste  nur  noch, 
dass  er  sich  gegen  das  Südmeer  hin  Öffne. 

Nach  eben  dieser  Seite  hin  geniesst  man  von  dem  Gipfel 
des  Pics  de  los  Ladrillos  einen  der  wundervollsten  Anblicke, 
die  sich  mir  je  auf  allen  meinen  Gebirgreisen  dargeboten 
haben.  Der  südwestliche  Absturz  des  Pichincha  ist  über- 
aus jäh.  Auch  dort  ist  derselbe  in  parallele,  auf  den  Kamm 
senkrecht  zulaufende  Spalten  getheilt.  Wir  erfuhren,  bei 
anderen  Exkursionen,  die  Namen  nur  zweier  dieser  Thal- 
Klüfte,  dev  Quebrada  de  Nina  Urcu,  und,  dem  Rucupichincha 
näher,  die  Quebrada  de  las  minas  de  Melizaldi,  Auch  in 
diesen  hohen  Einöden  mitten  im  vulkanischen  Gestein  hat 
man  bald  nach  Erzen ,  bald  nach  vergrabenen  Schätzen  ge- 
schürft. Den  Vordergrund ,  nach  dem  unteren  Theile  des 
Abhanges  zu,  bildet  die  Waldvegetation  von  los  Yumbos, 
die  fast  undurchdringlich  sich  bis  an  die  Meeresküste  er- 
streckt und  die  weite  heisse  Ebene  erfüllt.  Um  zu 
antersuchen,    welcher   Theil   des  Littorals    dem  Vulkan    am 


—     278     — 

nächsten  liegt,  kann  man  bis  jetzt  nur  zu  den  Aufnahmen 
von  Malaspina,  Espinosa  und  Bau:5A  seine  Zußucht  nehmen« 
Die  Expedition  der  Descubierta  und  A  t  r  e  v  i  d  a  ist  der 
Küste,  von  Guayaquil  an  bis  zum  Vorgebirge  Guasacama,  in  einer 
Nähe  von  15  bis  16  Seemeilen  ((iO  auf  einen  Grad)  gefolgt. 
Der  Irrtlium  von  J  Längengrad,  die  meine  Beobachtungen 
für  die  Stadt  Quito  haben  kennen  gelehrt,  und  die  ebenfalls 
viel  zu  östliche  Lage,  vt^elche  Malaspina  und  alle  späteren 
Seefahrer  und  Geographen  dem  Hafen  Guayaquil  geben,  ha- 
ben natürlich  einen  w^ichtigen  Einfluss  auf  die  Bestimmung 
der  Entfernung,  in  der  die  Kü4te  der  Südsee  dem  Vulkan 
am  nächsten  gelegen  ist.  Da  die  chronometrischen  Längen 
von  3Ialaspina  auf  Diff'ei*enzen  mit  dem  Meridian  von  Guaya- 
quil beruhen,  so  bedurften  sie  einer  Korrektion  von  18  iio- 
genminuten,  woraus,  wenn  ich  Pichincha  auf  das  nahe  Quito 
beziehe  und  diesem  seine  wahre  Länge  von  81^4'  gebe, 
folgt,  dass  die  dem  Auge  nächste  Küste  der  Südsee  in  ei'ner 
Entfernung  von  88  Bogenminuten  oder  22  geogr.  Meilen  liegt. 
Diess  ist  unmittelbar  westlich  vom  Vulkane  die  Entfernung 
der  Mündung  des  Rio  de  Palmar^  wie  gegen  Nordwesten 
die  Entfernung  der  kleinen  Busen  de  las  Sardinas  und  San 
Mateo  nahe  beim  Fluss  Esmeraldas.  In  der  übrigens  mit 
Recht  sehr  belobten  Karte  der  Provinz  Quito  von  La  Cok- 
DAMiNE  und  MALDo>fADO  siud  leider  die  Küsten  so  falsch  ver- 
zeichnet, dass  die  zuerst  genannte  Entfernung  gegen  den 
Rio  Esmaraldas  hin  um  mehr  als  30  Bogenminuten  falsch 
ist.  Die  Krümmung  der  Erde  erlaubt  für  die  Höhe  des 
Pichincha  einen  Gesichtskreis  von  2^  13'  Halbmesser,  ohne 
Refraktion;  mit  dieser,  wie  sie  unter  dem  Äquator  gewöhnlich 
ist,  etwa  2^  25',  Es  bleibt  also  kein  Zweifel  übrig,  dass 
man  von  dem  Kamm  des  Vulkans  weit  in  das  Meer  hinein- 
sehen kann.  Der  Meerhorizont,  welcher  sich  bekanntlich 
bis  zur  Höhe  des  Auges  erhebt,  so  dass  j^Ue  näheren  Ge- 
genstände auf  der  Meeresfläche  projicirt  erscheinen,  liegt 
für  Pichincha  noch  56  Bogenminuten  oder  14  geogr.  Meilen 
jenseits  des  Littorals.      Die   dichten    Urwälder   der   Yumbos 


—     279     — 

und  der  ehemaligen ,  von  vielen  Strömen  durchschnittenen 
Governacion  de  Esmaraldas  crgiessen  ehie  ungeheure  Masse 
von  Wasserdämpfen  in  die  Atmosphäre.  Daher  fanden  wir, 
als  wir  auf  den  Kamm  des  Gebirges  gelangt  waren ,  gegen 
SO,,  nach  der  Hochebene  von  Quito  zu,  den  reinsten  wol- 
kenleersten Himmel  ( das  SAUSSURE'sche  Cyanometer  zeigte 
37^)  5  während  über  der  Vegetations-reichen  Fläche  gegen 
Westen  dieses  Gewölk  hing.  In  diesem  Gewölk  war  eine 
einzige  Öffnung,  und  durch  diese  erblickten  wir  eine  weite 
bläuliche  Fläche.  War  es  eine  der  dünnen  Wolkenschich- 
ten, die  ich  über  dem  Ozean  ausgebreitet  am  frühen  Morgen 
auf  dem  Pic  von  Teneriffa  und  auf  mehreren  Gipfeln  der 
Kordilleren  gesehen,  und  deren  obere  Fläche  oft  ganz  ohne 
alle  Unebenheiten  ist,  oder  war  es  (wie  meine  Begleiter  be- 
haupteten ,  und  die  Farbe  anzudeuten  schien)  die  Südsee 
selbst  ?  Ich  wage  nicht  zu  entscheiden.  Wenn  der  Meer- 
horizont über  zwei  Grad  entfernt  liegt,  ist  die  Masse  des 
von  dem  Wasser  reflektirten  Lichts  so  gering,  dass  durch 
den  langen  Weg  bis  zu  dem  Gipfel  eines  Berges,  der  auch 
nur  15000  Fuss  Höhe  hat,  der  grössere  Theil  durch  Ab- 
sorption in  der  Atmosphäre  verloren  geht.  Dann  scheint  die 
Gränze  des  Gesichtskreises  nicht  mehr  die  Luft  selbst,  auf 
einer  Wasserlinie  ruhend,  zu  seyn,  sondern  man  sieht  in 
das  Leere,  als  wäre  man  in  einem  Luftball,  zu  welchem 
nach  Gay-Lussac's  Erfahrunof  Schallwellen  höher  als  schwa- 
ches  vom  Horizont  reflektirtes  Erdenlicht  gelangen. 

Bei  der  sehr  niedrigen  Temperatur  von  3^  (in  ungefähr 
gleicher  Höhe  und  bei  einer  südlichen  Breite  von  0°  11'  ha- 
ben in  ihrer  Hütte  die  französischen  Astronomen  das  Reau- 
MURsche  Thermometer  bei  Nacht  bis  fast  5^  unter  den  Ge- 
frierpunkt sinken  sehen)  stand  das  DfiLUCsche  Fischbein- 
Hygrometer  zwischen  12  und  1  Uhr  im  Schatten  auf  32^.  Diese 
grosse  Trockenheit  erhielt  sich  zu  meinem  Erstaunen  auch 
dann,  wenn  wir  kurz  vorher  in  leichten  Nebel,  vorüberge- 
hend, gehüllt  gewesen  waren.  Das  Hygrometer  stieg  dann 
nicht  über  34^,     Die   elektrische  Spannung   der  Atmosphäre 


—     280     — 

bot  eine  sonderbare  Erscheinung  dar:  so  lange  wir  nicht 
von  Nebel  umgeben  waren,  zeigte  ein  VoLXA'sches  Elektro- 
meter mit  einem  aufgeschrobenen  metallischen  Leiter,  also 
8  Fuss  hoch  über  dem  Felsen,  3  Linien  positiver  Elektricität. 
Es  war  unhöthig,  die  Spitze  mit  rauchendem  Schwämme  zu 
bewaffnen.  So  vvie  wir  aber  in  eine  Nebelschicht  traten, 
wurde  plötzlich  die  Elektricität  negativ,  etwa  eine  Linie, 
und  ging  dann  abwechselnd  während  des  Nebels  vom  nega- 
tiven zum  positiven  über.  Es  war  also  wie  ein  kleiner,  sonst 
unbemerkbarer  Gewitterprocess  in  den  Dunstbläschen,  die 
wahrscheinlich  in  abgesonderten  Schichten  gelagert  waren. 
Von  dem  Pico  de  los  Ladrillos ,  auf  dem  wir  standen, 
geht  ein  schmaler  Felskamm,  ganz  mit  Bimsstein  überschüttet, 
zu  der  etwas  niedrigeren  Neben  -  Kuppe  Tahlahuma  einem 
vollkommenen  Kegel.  Der  horizontale  Kamm  liegt  46  T, 
niedriger  als  der  Ziegelberg,  34  T.  niedriger  als  Tahlahuma. 
Wo  das  Gestein  sichtbar  wird,  ist  es  w^ieder  dünngeschich- 
tet, stark  einfallend,  dem  Porphyrschiefer  durch  seine  Ab- 
sonderung ähnlich.  Ich  hatte  mir  zu  meiner  Reise  von  dem 
geschickten  Mechaniker  Paul  in  Genf,  ausser  dem  ziemlich 
unvollkommenen  Cyanometer,  den  von  Saussure  gebrauchten 
sehr  schönen  Apparat  zur  Bestimmung  des  Siedpunktes  auf 
grossen  Berghöhen  anfertigen  lassen.  Ich  benutzte  das 
Bouilloire  thermoscopique  nicht,  wie  nur  zu  oft  von 
neueren  Reisenden  in  Klein-^^/ew,  Persien  und  der  Bucharei 
geschehen  ist,  um  Höhen  nach  einer  schon  1739  von  Le 
MoNNiER  ausgeführten  Methode  zu  bestimmen  ( der  Fehler 
eines  Fahrenheit'schen  Grades  in  der  Bestimmung  des  beob- 
achteten Siedpunktes  kann  einen  Fehler  von  340  Fuss  Höhe 
nach  sich  ziehen) ;  ich  beobachtete  vielmehr  den  Stand  des 
Barometers,  die  Luft-  und  Quecksilber-Temperatur  und  den 
Siedgrad  des  Wassers  so  oft  ich  konnte  gleichzeitig,  um 
Thatsachen  zur  Berichtigung  der  damals  noch  so  schwan- 
kenden DELUc'schen  Theorie  von  dem  Siedpunkte  zu  sam- 
meln. Als  der  Apparat  eben  aufgestellt  war,  entdeckten 
wir  mit  Bedauern,  dass  der  Indianer,   der  das  gewöhnliche 


—     281     — 

Feuerzeug   trug,     die    Anhöhe    noch    nicht    erreicht    hatte. 
Glücklicherweise   war    heller   Sonnenschein.     Wir   wussten. 
dass  eine  wollige,  von  uns  zuerst  beschriebene  Aipen-Füanze 
aus  der  Familie  der  Kompositen,    eine  Pflanze,    die  erst  in 
13,500  Fuss  zu  wachsen  anfängt,  Culcitium  rufescens 
sehr  leicht  entzündliche,  stets  trockne  Materie  (yesca)  dar- 
bietet.    Dieser  „Frailejon"  von  Pühincha  ist   nicht    mit    dem 
gleichnamigen  und  eben  so  wolligen  Frailejon  von  "NevL-Gra' 
nada,  einer  Espeletia,     zu  verwechseln.     Wir  schroben   das 
Objectiv  aus   einem  grossen  DoLLOND'schen  Fernrohr  ab  und 
zündeten    die  Blattwolle    des  Culcitiums,     die    sich    mit   der 
Oberhaut  wie  ein  Handschuh  abziehen  lässt,  durch  die  Son- 
nenstrahlen an.     Das  Gefäss  mit  Schneewasser  gefüllt,    gab 
den  Siedpunkt    zu  187^,2  Fahr.,      etwas  unter  69^,0  R.  an. 
Das  Barometer  zeigte  ganz  in  der  Nähe,  auf  den  Nullpunkt 
reducirt,    16    Zoll  4,64    Linien    (altes    französisches    Maas). 
Professor  Poggendorff  findet,  dass  meine  Beobachtungen  des 
Siedpunkts,  nach  einer  auf  GAi'^-LussAc's  Versuchen  ^eo-rün- 
deten  Tafel  von  August,  entsprechen  199,4  Par.  Linien,  nach 
der  auf  Daltoiv's  Versuchen  gegründeten  Tafel  von  Biot  etwa 
anderthalb  Linien  mehr,  200,92  Par.  Linien  (die  Quecksilber- 
säulen immer  auf  den  Gefrierpunkt  reducirt).    Ich  las  durch 
unmittelbare  Beobachtung  auf  dem  Felskamme,    der  den  Zie- 
gelberg  mit  der  Kuppe  Tablahuma  verbindet,  an  meinem  Ba- 
rometer 196,64^/2;'.  Lin.  (auf  0^  reducirt):  der  Gay-Lussac- 
AuGUSTSchen  Tafel  also  näher,    als    der  DALTON-BiOT'schen ; 
man  vergesse  nicht,  dass  in  diesen  Beobachtungen  ein  Grad 
Fahrenheit  schon  4,5  Linien  Barometerhöhe  entspricht.  Wäre 
den  jetzigen  Tafeln  und  den  Elasticitäts- Bestimmungen  des 
Wasserdampfs  unter  80^  R.  mehr  zu  trauen,   so  würde  aus 
diesen  Vergleichungen   folgen,    dass   ich  den  Siedpunkt   des 
Schneewassers  in  einem  Gefäss,     ans  dem    nach  Saussure*s 
Vorschrift  die  Dämpfe  leicht  entweichen  könnten,     doch  um 
einige  Bruchtheile  zu  hoch  gefunden  habe. 

Der   feuerspeiende  Gipfel  Rucupichincha  war  noch,  wie 
ich  schon  oben  bemerkt,  in  beträchtlicher  Entfernung,  durch 


—     282     — 

eine  ungeheure  Kluft  von  uns  getrennt.  Des  Weges  un- 
kundig wäre  es  unvorsichtig  gewesen,  da  wir  nur  auf  drei 
Stunden  Tageshelle  reelmen  konnten,  den  Versuch  zu  wagen 
die  Kluft,  oder  vielmehr  das  grosse  Becken  des  Sienega  del 
Yulcan  zu  umgehen.  Ein  zufälliger  Umstand,  so  unwichtig 
er  auch  war,  bewog  meine  Begleiter  auf  eine  sehr  baldige 
Rückkehr  zu  dringen.  Ich  war  eine  Zeit  lang  allein  auf 
dem  Kamm  von  Tablahuma  geblieben,  um  den  Versuch  des 
Siedpunkts  zu  grösserer  Befriedigung  zu  wiederholen.  Er- 
müdung nach  zehnstündiger  Wanderung  zu  Fuss  auf  steilen 
Wegen,  Kälte  und  dichter  Kohlendampf,  eine  Gluth,  über 
die  ich  mich,  um  sie  genau  zu  beobachten,  unvorsichtig  hin- 
gebeugt (weil,  wie  bekannt,  in  Höhen  von  nur  15  bis  16  Zoll 
Luftdruck  die  Flammen  schwer  zusammenzuhalten  sind)  ver- 
ursachte mir  Schwindel  und  Ohnmacht.  Ich  habe  nie,  bei 
grösserer  Anstrengung  und  viele  Tausend  Fuss  höher,  vorher 
und  nachher  etwas  Ahnliches  erfahren.  Der  Kohlendampf 
wirkte  gewiss  mehr,  als  die  unbeträchtliche  Höhe  von  2356  T. 
Meine  Begleiter,  die  auf  dem  östlichen  Abhänge  standen, 
erkannten  bald  den  Unfall  und  eilten  mich  aufzurichten,  und 
durch  etwas  Wein  zu  stärken.  Wir  stiegen  nun  durch  das 
Thal  von  Yuyucha  langsam  herab  und  wurden  auf  dem 
Rückwege  durch  den  Anblick  des  vom  Monde  herrlich  er- 
leuchteten Vulkans  Cotopaxi  erfreut.  Unter  allen  Schneeber- 
gen ist  es  der,  welcher  (vielleicht  wegen  seiner  vollkomme- 
nen Kegelform  und  wegen  des  gänzlichen  Mangels  an  Un- 
ebenheiten der  Oberfläche)  am  häufigsten  ganz  wolkenfrei 
bleibt.  Wir  gelangten  schon  um  7  Uhr  Abends  nach  Quito, 
Die  Gebirgsart  des  Pichincha  ist  in  der  unteren  Region 
von  der  der  oberen  den  ßestandtheilen  nach  wahrscheinlich 
wenig  verschieden,  aber  das  minder  feinkörnige  Gemenge 
hat  ein  verschiedenes  Ansehen.  Ein  Steinbruch  {Canterä) 
nahe  bei  dem  Panecillo  {Javirac)^  einer  freistehenden  rund- 
lichen Kuppe,  unter  der  die  Incas  einen  Stollen  (Durchgang) 
nach  Turubamha  versucht  haben,  ist  geognostisch  von  vielem 
Interesse,     Das  Gestein   wird    dort   von    dem    Volke  Sand- 


# 


~     283     — 

stein  genannt:  es  ist  ungeschichtet,  meist  grünlichgrau,  in 
einzehien  Massen  rüthlich  und  mit  Blättchen  schwarzen  Glim- 
mers sparsam  gemengt.  Ich  hatte  es  auf  der  Reise  einen 
feinkörnigen  Grünstcinporpliyr  gei^annt.  Nach  Gustav  Ro- 
se's  genr.uer  und  mehr  wissenschaftlicher  Bestimmung  ist  es 
ebenfalls  ein  Doloritgestein  voll  kleiner  Poren.  In  der 
Grundmasse  liegen  weisse  Krystalle  von  Labrador  mit  deut- 
lich einspringenden  Winkeln,  und  viele  schwärzlichgrüne 
Krystalle  von  Augit.  Hornblende  ist  nicht  darin  zu  linden. 
In  noch  tieferem  Niveau  habe  ich,  in  dem  Boden  der  Stadt 
Quito  selbst  bei  der  Kirclie  San  Roque  ^  in  einer  Ausgra- 
bunof  von  15  Fuss  Tiefe  in  einem  Thonlatjer  S  bis  10  Zoll 
dicke  Streifen  von  Bimsstein  gefunden. 

Am  Schluss  dieser  ersten  Expedition  nach  dem  Vulkan 
Pichincha  muss  icli  noch  der  vielen  scharfkantigen  Blöcke 
erwähnen,  welche  am  nordöstlichen  Ende  des  langen  Berges 
in  der  schönen  Grasebene  von  Inaquito  zerstreut  liegen, 
einer  Ebene,  welche  durch  die  daselbst  I54ö  zwischen  Gon- 
ZALO  PiZARRO  und  dem  Vice-König  Blasco  Nunez  Vela 
gelieferte  Schlacht  berühmt  geworden  ist.  Die  Blöcke  von 
ungeheurer  Grösse ,  scharfkantig  und  nicht  porös,  sind  dem 
peclisteinartigen  Gesteine  von  Guaguapichincha  sehr  ähnlich. 
Die  Eingebornen  nennen  sie  eine  lieventazon,  ein  unbe- 
stimmtes Wort,  mit  dem  sie  die  Folge  einer  vulkanischen 
Erschütterung  wie  auch  Ausbruchphänomenc  bezeichnen. 
Die  Blöcke  liegen  ziemlich  reihenweise  hinter  einander,  aber 
immer  dicht  am  Fuss  des  Vulkans.  Der  Ort  heisst  Rumi- 
pamba.  Ich  glaube,  dass  die  Blöcke  vielleicht  bei  Erhebung 
des  Berges  durch  die  Spähe  Cundurguachana  herabgestossen 
worden  sind.  Sehr  auffallend  war  mir,  dass  in  derselben 
Richtung  die  kleine  Hügelkette,  welche  die  Ebene  yonJna- 
quito  oder  Anaquito  östlich  begränzt,  durch  eine  Spalte,  die 
einen  eigenen  Namen  (Boca  de  Nayon)  führt,  durchbro- 
chen ist.  Ich  finde  in  meinem  Tagebuche  die  Worte:  die- 
selbe  Kraft  (Ursache),  welche  an  dem  Abhänge  des  Vulkans 
das  enge  Thal   Cundurguachana  aufgerissen  hat,     wird  auch 


—     284     — 

wohl  diese  Spaltöffnung  hervorgebracht  haben.  Die  Boca 
de  Nayon,  ein  natürliches  Thor,  führt  in  einen  kleinen  Kes- 
sel dessen  Boden  840  Fuss  tiefer  als  die  Ebenen  der  Blöcke 
liegt.  Ein  wohlhabendes  Dorf,  Guapulo,  dessen  schöne  Kirche 
mit  Säulen  dorischer  Ordnung  geziert  ist,  liegt  an  dem  en- 
gen Becken.  Das  Ganze  gleicht  einer  offenen  Gangkluft, 
und  man  kann  sich  kaum  der  Besorgniss  erwehren,  dass  in 
einem  Lande,  welches  so  grossen  Revolutionen  der  Erdober- 
fläche noch  immer  ausgesetzt  ist,  die  Bergkluft  sich  einmal 
schliessen,  und  Dorf  und  Kirche  mit  dem  wunderthätigsten 
aller  Heiligen-Bilder  von  Quito  spurlos  in  Schutt  vergraben 
werde. 


über 

die  subfossileii  Seethier- Reste  von 

Pozzuoli  bei  Neapel  und  auf  der 

Insel  Ischia, 

von 

Hrn.  Prof.  Dr.  R.  A.  Philippi. 


(Hiezu  Tf.  III,  Fg.  4,  5.) 


Bei  der  Erweiterung  des  Hospitals  von  Pozzuoli^  wel- 
ches dicht  bei  dem  Thore  nach  Neapel  liegt ,  kamen ,  als 
*  man  im  Juli  1832  die  Fundamente  dazu  ausgrub,  eine  Menge 
wohlerhaltener  Konchylien  zum  Vorschein,  deren  Verzeich- 
niss  hier  nachfolgt.  Die  Farben  haben  sie  meistens  verlo- 
ren, doch  sind  sie  fest  und  glänzend,  wie  die,  welche  im 
Serapis-Tempel  angetroffen  worden.  Man  fand  sie  SO  Neap, 
Palmen,  ungefähr  22  Fuss,  unter  dem  Strassenptlaster  in 
einer  Lage  groben  Sandes  vermischt  mit  einer  staubigen 
Erde.  Die  Höhe  des  Fundortes  schätzten  meine  Freunde  Prof. 
Hoffmann  und  Escher  von  der  Linth  auf  mindestens  25  Fuss 
über  dem  Meeresspiegel.  Es  ist  diess  daher  wiederum  einer 
von  den  vielen  Beweisen  ,  dass  die  Küste  bei  Pozzuoli  sich 
gehoben  hat,  denn  auf  eine  andere  Weise  lässt  sich  das 
Vorkommen  von  Muscheln  in  diesem  Niveau  nicht  erklären, 
da  zwar  der  Fundort  nahe  beim  Meer,  aber  in  einer  solchen 
Jalugjang:  1837.  19         ' 


286     — 


Höhe  ist,  wohin  das  Wasser  des  MittellHiidischen  Meeres 
nicht  reichen  kann,  wo  bekanntlich  der  Unterschied  zwischen 
Ebbe  und  Fluth  höchst  unbedeutend  ist  und  nur  sechs  Zoll 
bis  höchstens  einen  Fuss  betragen  dürfte.  Ich  bemerke  noch, 
dass  die  Zahl  der  KonchyJien  so  gross  war,  dass  ich  von 
manchen  Arten  über  100  Exemplare  gehabt  habe,  und  dass 
sämmtliche  Arten  im  Mittelländischen  Meere  vorkommen,  mit 
alleiniger  Ausnahme  von  Diplodonta  dilatata ,  die  ich  lebend 
nur  aus  dem  Rothen  Meere  kenne,  die  aber  leicht  auch  im 
Mittelländischen  Meer  angetroffen  werden  kann,  ja  vielleicht 
schon  von  Payraudeau  als  Lucina  lactea  erwähnt  ist. 


Gastrochaeiia  cuneata  Lam. 
Solen  e  n  s  i  s  L. 

„       coarctatus  L. 

„       s  1 1  i  ^  i  1  a  t  u  s  L. 
Thraciapubescens   Leach. 
Mactra  triang-ula  Ren. 
Corbuianucieu  sLam.  nicht  selten. 
Byssoniya  Guerini  Payr. 
Venerupis  decussata  Phil. 
Psammobia    vespertina    Law. 

F  s  a  in  m  0  b  I  a  d  i  s  c  o  r  s. 
Tellina  balaustina  L.  Poli. 
Tellina  serrata  Broc. 

„         donacina  L.  häufig. 

„  d  i  s  1 0  r  t  a  Poli. 

„  nitida  Poli. 

„  depressa  Lam. 

Donax  longa  Bronn. 
Diplodonta  iupinus  Bronn. 

„  dilatataPH.  häufig. 

Lucina  p  e  c  t  e  n  Lam. 

„         hiateiloides  Bast. 

„         f  r  a  g  i  1  i  s  Ph. 

„         lactea  Lam. 

„         commutata  Phil. 
Astarte     incrassata     de    la 

JoNK.  häufig. 
CythereaChione   Lam.    häufig. 
,)  V  e  n  e  t  i  a  n  a  Lam.  häu- 

fig. 
Cytherea  lincta  Lam.  häufig. 
Venus  g  a  I  1  i  n  a  L. 


r  a  d  i  a  t  a  Broc. 

d  i  s  ci  n  a  Lam. 

B  r  o  n  g  n  i  a  r  t  i  Pa  yjr. 

verrucosa  L.  häufig. 

geographica  L. 

c  a  s  i  n  a  L. 


Cardin  nilaevigatur^L.  über- 
aus häufig. 
C  a  r  d  i  u  ju     p  a  p  i  1 1  o  s  u  ni     Poli. 

sehr  häufig. 
Cardin  ni  tuber  culatuoi  L. 
„  e  X  i  g  u  u  ni  L.  ■' 

„  sulcatuni  Lam. 

„  e  r  i  n  a  c  e  u  ra  Lam. 

Cardita  aculeata  Ph. 
Area  Noae  L.  überaus  häufig. 
^,       barbataL.  sehr  häufig. 
„       lactea  Lam. 
Pectunculus     pilosns    Lam. 

sehr  häufig. 
Pectunculus  violacescens 

Lam. 
N  u  c  u  1  a    nj  a  r  g  a  r  i  t  a  c  e  a   Lam. 

,,  e  ai  a  r  g  i  n  a  t  a  Lam. 

Chania  gryphoidesL.  häufig. 

,y  u  n  i  c  o  r  n  u  Lam. 

Modiola  barbata  Lam. 
Avicula  Tareietina  Lam. 
Lima    s  q  u  a  m  o  s  a    Lam.    häufig;. 
„        i  n  f  1  a  t  a  Lam. 
„        t  e  n  e  r  a  Turton. 
Pecten  hyalinus  Ph. 

„  p  0  1  y  ni  0  r  p  h  u  s  Bronn. 

„  J  a  c  0  b  a  e  u  s  Lam. 

„  V  a  r  i  u  s  Lam.  sehr  häyfig. 

yf  p  e  s  f  e  1  i  s  Lam. 

„  0  p  e  r  c  u  1  a  r  i  s  L.  klein. 

„  m  u  i  t  i  s  t  r  i  a  t  u  s  Ph. 

Spoudylus  gaederopus  L. 
A  n  o  m  i  a  e  p  h  i  p  p  i  u  ni  L. 

„  s  c  a  b  r  i  c  u  1  ä  Ph. 

Patella  aspera  L.  ? 
Eniai-ginula  canccllata  Ph. 
„  elongata  Costb. 

Fissur ella  Graeca  Lam. 


287     — 


Calyptraea  vulgaris  Ph. 
Crepiduta  fornicata  Lam. 
Bulla  striata  Brg. 
Auricula  conoidea  Fer. 
Mclania  Campanellae  Ph. 
Natica  Guilleinini  Payr. 
Haliotis  tubcrculata  L. 
Siliquaria  anguina  Lam. 
Solarium  stramineuni    Lam. 
Trochus  magus  L. 

„  z  i  z  y  p  h  i  n  u  s  L. 

Monodonta    fragarioides    L. 
nicht  selten. 

Turbo  rugosus   L. 
Phasian  ella  pulla  Payr. 

Rissoa  ventricosa  Desm. 
,,  granulata  Ph. 

Turritella  du  plicata  Broc.  ? 
„  terebra   Broc. 


Cerithiuin    vulgatum    Bro. 

häufig. 
C  e  r  i  t  h  i  u  m  I  i  m  a  Brg. 
Pleurotoma  suturale  Broivn. 
„  Bertrandi  Payr? 

Fusus  lignarius  Lam. 
M  u  r  e  X  e  r  i  n  a  c  e  u  s  L. 

yy         c  r  i  s  t  a  t  u  s  Broc. 

fy        b  r  a  n  d  a  r  i  s  L. 
T  r  i  t  o  n  i  u  m    c  o  r  u  g  a  t  u  m    Lam. 
Chenopus  pes  pelecani  Ph. 
Cassis  sulcosa  Lam. 
Columbclla  rustica  Lam. 
B  u  c  c  i  n  u  ni  L  i  n  n  a  e  i  Payr. 
Mitra  cornea  Lam. 
Ovula  spelta  Lam, 
Cypraea  lurida  L. 
Dentaliuni  eutalisL.  häufig. 

yy  tl  6  n  t  a  I  i  s  L. 

B  a  1  a  n  u  s  t  u  1  i  p  a    Ranz. 


Ausser  diesen  Konchylien  fand  ich  noch  von  Echinodermen 
die  im  Mittelmeere  häufige  Fibularia  taren  tina  Lamk?, 
mehrere  S e r p u  1  a -Arten ,  unter  denen  sich  Serpula  In- 
fundibulum  und  S.  Cereolus  auszeichnen;  von  Korallen: 


Desmophyllum  stellare  Eh- 
renberg. 

D  e  s  m  0  p  h  y  1 1  u  m  c  o  m  p  r  e  s- 
s  u  m  72.  sp. 


Cladocora     calyculata     Eh- 
renberg. 
Cellepora  pumicosa  L. ? 
N  u  1 1  e  p  o  r  a. 


In  den  Jahren  18J>0  und  1832  habe  ich  Gelegenheit  ge- 
habt, theils  selbst  mit  meinen  obengenannten  Freunden, 
Fr,  Hoffmann  und  Arn.  Escher  von  der  Linth  eine 
Menge  Versteinerungen  auf  Ischia  zu  sammehi,  theils 
hat  rtiir  Herr  Monticelli  in  Neapel  während  meines 
zvv^eiten  Aufenthalts  daselbst  eine  Menge  in  der  Ge- 
gend von  Mezzavia  gesammelter  Arten  zur  Bestimmung 
gütigst  mitgetheilt.  Diese  letztere  Lokalität  habe  ich  nicht 
selbst  besucht;  sie  muss  sehr  ergiebig  seyn ;  allein  die  Ver- 
steinerungen kommen  dort  meist  nur  im  jugendlichen  Zustand 
oder  zertrümmert  vor.  Ich  bin  dadurch  in  den  Stand  ge- 
setzt, ein  weit  vollständigeres  Verzeichniss  der  Versteine- 
rungen Ischia's  zu  geben,  als  bisher  geschehen  ist. 

19* 


—     288     — 

Die  Lokalitaten,  nn  denen  die  Versteinerungen  vorkom- 
men, sind  hinlänglich  bekannt;  allein  ich  finde  es  nirgends 
bemerkt,  dass  der  Thon,  in  welchem  sie  sich  finden,  und 
der  zu  Töpferwaaren  gebraucht  wird ,  aus  der  Zersetzung 
vulkanischer  Asche  hervorgegangen  ist ;  nicht  selten  schliesst 
er  noch  wohlerhaltene  oder  nur  halb  zersetzte  Bimsstein- 
stücke ein. 

Mit  Ausnahme  sehr  weniger  Arten ,  die  Lyell  in  der 
ersten  Ausgabe  seiner  Principles  of  Geology  anführt,  und  die 
mit  einem  *  bezeichnet  sind ,  habe  ich  alle  selbst  gesehen 
und  bestimmt,  mehrere  davon  sind  von  mir  zuerst  in  meiner 
Enumeratio  molluscorum  Siciliae  j  Berlin ,  1836 ,  4,  beschrie- 
ben ;  es  sind  folgende : 


Mollusca. 

Erycina  Reuieri  Bronn. 
Corbula  Nucleus  Lamk. 
Saxicava     arctica     ( Hiatella 

aucit 
Teliinadonacina   L. 
Diplodonta    lupinus  Broms.  '*' 
Lucina  hiatelloides  Bast. 

„  r  a  d  u  1  a  Lamk. 

Astarte     incrassata    de    la 

JONK. 

Cytherea  apicalis  Phil. 

„  y  e  u  e  t  i  a  n  a  Lamk. 

Venus  radiata  Broc. 
„  verrucosa  L. 

Cardium  sulcatum  Lamk. 

„  r  u  s  t  i  c  u  111    Chemn. 

yf  t  u  b  e  r  c  u  1  a  t  u  m  L. 

„  e  r  i  u  a  c  e  u  m     Brug. 

juven. 
Cardium  papillosuni  Poli  (C. 

planatum  Ren.  Broc.  p.  507.) 
Area    lactea    Lamk.     (nodulosa 

Broc.  p.  478.) 
Nucula  niargaritacea  Lamk. 
Chama  gryphoides  L. 
Modiola  barbata  Lamk. 
Pectuncuius   pilosus    Lamk. 

(Area  p.  Broc  p.  487.) 
Pectuncuius     violaeescens 

Lamk.  jun. 
Pecten  varius  Lamk. 

,y  opercularis  Lamk. 

„.        polymorph  US     Bronn. 


P-e  cten  Testae    Bivon.     Phil. 

op.  c. 
Pecten  Dflmasii  Payp..  *  Lyell. 
y,  Jacobaeus  Lamk.  '^  L. 

0  s  t  r  e  a  e  fragmentum. 
A  n  o  m  i  a  £  p  h  i  p  p  i  u  m  L. 

Terebratula  bipartita  Dfr.  ? 

^ragm. 
Hyalae  tridentata  Lamk. 

„         depressa  Bivon.  (Phil. 
op.  c.) 
Fissurella  costaria  Desh. 
Piieopsis  hungarica  Lamk. 
Calyptraea  vulgaris  Ph. 
Auricula  conoidea  Fer. 
MelaniaCamhessedesi  Peyr, 

yy         nitida  Lam. 

„         d  i  s  t  o  r  t  a  Desh. 
Natica  millepunctata  Lamk. 

„         G  u  i  1 1  e  m  i  n  i  Payr. 

„         V  a  1  e  n  c  i  e  n  n  e  s  i  i  Payr.  ? 

„         g  1  a  u  c  i  n  a  Lamk.  ' 

Tornatella  fasciata  Lamk. 
„  e  1  o  n  g  a  t  a  n.  sp. 

Siliquaria  anguina  Lamk. 

D  e  n  t  a  i  i  u  in  d  e  n  t  a  1  i  s    L.    var. 

novemcostatuai  Desh. 
Dentalium    entalis     L.      vaf . 

striatum. 
Trochus  conuloides  Lamk. 
«,  crenulatus      Broo. 

p.  354. 
Trochus  striatus  L. 
„  ni  a  s:  u  s  L. 


—     289     — 


Trochus  canaliculatus  Pu.,  ] 

non  Broc. 
Trochus  umbilicaris  L. 

„  rugosus  (Turbo  L.) 

ideiu     pull.    Trochus    solaris 
Broc.  p.  357. 
Monodonta  Couturii  Payr. 
PhasianeUa  pulla  Payr. 

„  V  i  e  u  X  i  i  Payr. 

Rissoa  cime  x  Bast.  Turbo  Broc. 

p.  368. 
Rissoa  ventricosa  Desiu. 
„        o  b  1  o  n  g;  a  Desivi. 
„        Bruguieri  Payr. 
TurriteUa    tcrebra,     Turbo 

T.  Brog. 
Cerithiuni    vulgatum    Brug. 
(Murex)  Alucaster  Broc.    p.  438. 
Cerithiuni  liraa   Brug.,     Murex 

scaber  Broc.  p.  448. 
Cerithiuni  perversum  Lamk. 
Pleurotonia    Bertraodi 

Payr. 
Fusus  lavatus  Bast.  ? 

„        rostratus    Defr.,    var. 
ecarinatus. 
Fusus  lamellosus  Phil. 
Murex  trunculus  L. 
„        brandarisL. 
„         Edwardsii  Menke. 
„        cristatus  Broc.  var. 
nodulosa. 
Cbenopus       pes      pelecani 

Phil. 
Buccinum  prismatlcum    Broc. 
„  asperuiuni  Broc. 

„  d'Orbignyi  Payr. 

t,  Liu  naei  Payr. 

Mitra  cornea  Lamk. 


Mitra  Savigni  Payr. 

„        obsolcta  Bronn, 
Margin  ella    clandestina    Ba. 
Volvaria  triticea  Lamk. 

,^   •         ni  i  1  i  a  c  e  a  Lamk. 
Erato  cypraeola  Riss. 
Cypraea  coccinelia  Lamk. 

„  1  u  r  i  d  a  L.  *  Lyell. 

Conus  Meditcrraneus  Brug. 


Cirripedia. 

T  i  n  t  i  n  n  a  b  u  1  u  ni 


B  a  1  a  n  u  s 
Ranz.  ? 


Echinodermata. 

E  c  h  i  n  o  II  e  u  s. 

E  c  h  i  n  u  s  nicht  gut  zu  bestimmen. 

Spatangus  desgleichen. 

Z  0  o  p  h  y  t  a. 

C  y  a  t  h  i  n  a  t  u  r  b  i  n  a  t  a  n.  sp. 
Desmophyllum     steUaria 

Ehrenb. 
Desmophyllum    compressum 

n.  sp. 
Corallium  nobile  Lamk. 
Millepora  truncata  Lamk. 
Polytrema  corallinum  Riss. 
CelleporapuniicosaL. 
Flustra. 

A  n  n  u  1  a  t  a. 

Serpulae  plures  species. 

P  1  a  n  t  a  e. 

Nulllpora  '■'") 

Zosterae       oceanicae        radix 
(Amphitoites  Desh.) 


Am  häufigsten  sind  darunter  Trochus  magus,  Tr. 
crenulatuS)  Rissoa  eimex,  TurriteUa  terebra, 
Cerithium  vulgatum,  Cerithium  lima  und  Bucci- 
num prismatioum. 

Unter  den  aufgeführten  92  Arten  von  Mollusken  sind 
nur  drei,  weiche  bisher  nicht  im  Mittelmeer  beobachtet  sind : 


*)  Die  NuUiporen  sind  bisher  bald  für  Thiere,  bald  für  Pflanzen,  ja  so- 
gar für  unorganische  Bildungen  gehalten  worden  ;  es  ist  mir  gelungen, 
unter  dem  Mikroskop  ihre  pflanzliche  Struktnr  anf  das  Deutlichste 
zu  erkennen,  welche  der  von  Corallina  am  nächsten  steht;  mehrere 
Arten  sind  sogar  reich  an  Stärkmehl. 


—     290     — 

Terebratula  bipartita,  Hyalaea  depressa  und  Tor- 
natella  elongata,  welche  aber  vielleicht  später  auch  noch 
in  diesem  Meere  aufgefunden  werden.  Allein  selbst  wenn 
diese  Arten  gänzlich  ausgestorben  sind,  so  ergibt  ihr  Ver- 
hältniss  zu  den  lebenden  dennoch ,  dass  die  Erhebung  der 
Insel  Ischia  aus  dem  Meeresgrunde  nicht  nur  um  sehr  viel 
jünger  ist,  als  die  Bildung  der  Subapenninen-^ügGlf  sondern 
auch  als  die  der  tertiären  Massen  Siziliens ,  unter  deren 
Versteinerungen  doch  mehr,  als  der  fünfte  Theil  ausgestor- 
benen Arten  angehört.  Sie  muss  demnach  in  die  Periode 
des  Diluviums  fallen. 

Einige  Bemerkungen  über  verschiedene  der  oben  ver- 
zeichneten Arten  mögen  hier  ihren  Platz  finden. 

1.  Gardium  planatum  Ren,  Broc.  ist  mit  Ca  r- 
dium  papillosum  Poli  identisch.  Brocchi  gibt  p.  507 
Ischia  als  Fundort  an,  und  die  Exemplare,  welche  ich  dort 
gesammelt  habe,  stimmen  durchaus  mit  jungem  Individuen 
der  PoLi'schen  Art  überein,  deren  ausgewachsenen  Exemplare 
allerdings  einige  Verschiedenheiten  zeigen.  Wie  sorgfältig 
man  sich  in  Acht  nehmen  muss,  nicht  auf  Altersverschieden- 
heiten Arten  zu  gründen ,  zeigt  Pectunculus  numma- 
rius,  der  nur  ein  junger  P.  violacescens  ist,  und  Broc- 
CHi*s  Troohus  solaris,  welcher  der  Jugend  -  Zustand 
des  Turbo  rugosus  ist,  u.  s.  f.     Auch 

2.  C  a  r  d  i  u  m  e  r  i  n  a  c  e  u  m  ist  im  jugendlichen  Alter 
so  verschieden  von  dem  ausgewachsenen,  dass  ich  im  Begriff 
war,  es  für  eine  neue  Art  zu  erklären ,  als  ich  glücklicher 
Weise  ein  etwas  grösseres  unter  meinen  lebenden  fand,  wel- 
ches mich  auf  den  rechten  Weg  brachte.  Das  ausgewachsene 
Cardium  erinaceum  ist  35'"  lang  (im LiisNE'schen  Sinn), 
32'"  breit,  sehr  schief,  hinten  viel  breiter,  fast  abgestutzt j 
hat  40  Rippen,  die  doppelt  so  breit  als  die  Furchen  sind; 
von  diesen  sind  die  vordem  mit  stumpfen  dicken  Höckern 
besetzt,  die  mittlen  haben  eine  nach  der  hintern  Seite  und 
in  die  Queer  gebogene  Spitze,  die  hintern  einen  beinahe  gera- 
den oder  nach  unten  gebogenen,    langen  Dorn.     Das  fossile 


—     291     — 

Exemplar  hat  keines  ilieser  Kennzeichen  ,  es  ist  10'"  lan'Vj 
11'"  breit,  beide  Seiten  sind  fast  ganz  gleich,  und  der  Um- 
fang ist  sehr  nahe  ein  Kreissegment  5  es  sind  nur  30  Rijjpen 
vorhanden  von  der  Breite  der  Zwischenräume,  alle  mit  glei- 
chen kleinen  Dörnchen  besetzt.  —  Zwischen  diesem  ,  wie  man 
sieht,  sehr  abweichend  gebildeten  Jugendzustand  und  der 
ausgewachsenen  Form  steht  ein  Exemplar,  beide  vermittelnd^ 
da,  welches  17"'  Länge,  161"'  Breite  hat,  hinten  bereits 
breiter  und  schief,  wenn  auch  nicht  in  dem  Maase,  wie  bei' 
dem  ausgewachsenen  ist.  Es  zeigt  34  Rippen,  welche  bereits 
breiter  als  die  Zwischenräume  sind,  allein  nur  eben  die 
Spur  der  zukünftigen  Verschiedenheit  der  Stacheln  zeigen. 

3.  T  roch  US  erenulatus  Brocchi.  Die  einzi<re  Lo- 
kalität,  welche  Brocchi  für  diese  seine  Art  angibt,  ist  grade 
Jschia.  Ich  habe  neun  Exemplare  von  verschiedener  Grösse, 
die  sehr  v/ohl  erhalten  sind,  und  kann  bestimmt  versichern, 
dass  sie  identisch  mit  der  lebenden  Art  Siziliens  sind,  welche 
wohl  unzweifelhaft  sowohl  Tr.  Matonii  Payr,  als  Tr, 
p  y  r  a  m  i  d  a  t  u  s  Lamk.  ist.  Die  Exemplare  von  Ischia  sind 
nur,  wie  auch  die  BROCCHi'sche  Figur,  weit  kleiner  als  ausge- 
wachsene iebende.  Wenn  Brocchi's  Trochus  miliaris 
nicht  zu  breit  wäre,  so  wäre  ich  sehr  geneigt,  auch  diese 
Art  für  eine  blosse  Varietät  des  Tr.  erenulatus  zu  hal- 
ten, wo  der  Gürtel  an  der  Basis  der  \}mg^nge,  anstatt  durch 
mehrere  feine  Linien  gestreift  zu  seyn,  durch  eine  derselben 
tief  getheilt  ist.  Hin  und  wieder  zeigen  lebende  Exemplare, 
und  selbst  ein  paar  fossile  von  Ischia  schon  eine  Annähe- 
rung an  diese  Bildung. 

4.  Trochus  solaris  Brocchi  ist  als  Art  zu  strei- 
chen, indem  er  nur  ein  sehr  junges  Exemplar  des  Turbo 
rugosus  ist*),  der  sehr  grosse  Altersverschiedenheiten  zeigt. 
Wenn  die  Schaale  erst  3  oder  4  Umgänge  hat,  so  hat  sie 
einen  gekerbten  Nabel,    ist    oben   glatt,    an    den  Seiten    mit 


*)    Dieselbe  Reinerkung;    hatte   ich    kürzh'ch    auch    an    Exemplaren   ge- 
macht, welche  aus  dem  Tegel  bei  Wien  stammen.  Br. 


—     292     — 

einem  doppelten  Kiele  versehen,  von  denen  der  obere  lO  — 
12  grosse  dreieckige  etwas  nach  oben  gebogene  Dornen,  der 
untere  eben  so  viel  gewölbte  Schuppen  hat.  Kommen  noch 
ein  paar  Umgänge  dazu,  so  zeigen  diese  Knoten  oben  an 
der  Naht.  Sind  5  —  7  Umgänge  vorhanden,  so  ist  der  Nabel 
in  der  Regel  schon  geschlossen,  und  ausser  den  Dornen,  den 
Knoten  an  der  Naht  und  den  gewölbten  Schuppen  findet 
man  zwischen  den  beiden  Kielen  einen  erhabenen  Gürtel 
und  5 — 6  andere  auf  der  Unterseite,  während  bei  den  Er- 
wachsenen in  der  Regel  Kiele  und  Dornen  völlig  verschwun- 
den sind. 

5.  Rissoacimex  Bast.  Diese  Art  ist  mir-  selbst 
nicht  lebend  vorgekommen.  Sre  ähnelt  zwar  meiner  Rissoa 
granulata,  unterscheidet  sich  aber  doch  leicht  ein  Mal 
durch  die  Öffnung,  welche  nur  J  der  Länge,  bei  R.  gra- 
nulata ^  derselben ,  erreicht,  so  wie  durch  die  Zahl  der 
Reihen  von  Knötchen ,  deren  man  auf  dem  letzten  Um- 
gang bei  R.  c i m e X  12 ,  bei  R.  granulata  nur  8  zählt. 

6.  Tornatellaelongataw.  Ä/7.  (Taf.  III,  Fg.  4  und  5.) 
T.  testa  suhturrita;  anfractibus  transversim  sulcatts,  sul- 

cisque  aliquot  longitudinalibus  decussatis ;  apertura  ovata  bis 
(juintam  totius  longitudmis  partem  occupante. 

Diese  Art  ist  61"'  lang,  beinahe  thurmförmig,  indem  das 
Verhältniss  der  Breite  zur  Länge  wie  1  zu  2^  ist.  Die 
Windungen,  acht  an  der  Zahl,  sind  schwach  gewölbt,  durch 
deutliche,  ziemlich  tiefe  Nähte  geschieden.  Auf  jedem  Um- 
gang, die  beiden  obersten  ausgenommen,  zählt  man  7 — 8  her- 
vortretende flache  Linien  und  eben  so  viel  gleich  breite  Fur- 
chen. Flache  Längsfurchen,  die  nach  unten  zu  schwächer 
werden,  durchkreutzen  dieselben,  machen  sie  aber  nicht  ge- 
körnt. Die  eiförmige  Öffnung  erreicht  zwei  Fünftel  der 
ganzen  Länge  ;  die  Spindel  ist  ziemlich  grade  und  oben  mit 
einer  schiefen,  wenig  erhabenen  Falte  versehen.  Die  Spin- 
dellippe ist  äusserst  dünn,  angewachsen,  kaum  durch  grössere 
Glätte  und  Glanz  zu  erkennen ;  die  äussere  Lippe  ist  an 
beiden  Exemplaren  abgebrochen. 


Beschreibung 


einer 


neuen  Art   N  e  r  i  n  e  a    und  einer 
neuen  fossilen  Art  Pecten, 

von 

Hrn.  Prof.  Dr.  R.  A.  Philippi. 


(Hiezu  Taf.  III,  Fg.  1,  2,  3,  6,  7.) 


Aus  dem  Coral  rag  des  Lindner^Berges  bei  Hannover 
besitze  ich  zehn  mehr  oder  weniger  vollständige  Exemplare 
einer  neuen  Nerinea,  von  denen  das  grösste  unten  4"' diek 
und  beinahe  1^  Zoll  lang  ist.  Die  Gestalt  ist  sehr  verlän- 
gert kegelförmig,  so  dass  die  Breite  sich  zur  Länge  w^ie 
1  zu  6  verhält.  Die  einzelnen  Windungen  sind  ganz  flach, 
die  Nähte  weder  vertieft  noch  erhaben,  und  daher  wenig 
bemerklich.  Nur  bei  zwei  Exemplaren  kann  ich  Uueerstrei- 
fen  sehen,  etwa  S  auf  dem  Umgang,  wenig  hervortretend, 
Anwachsstreifen  bei  keinem  5  gewöhnlich  erscheinen  sie  ganz 
glatt.  Das  Verhältniss  der  Höhe  zur  Breite  ist  wie  3  zu  4 ; 
der  letzte  Umgang  geht  mit  einem  ziemlich  scharfen  Winkel 
in  die  Basis  über.  Die  Columella  ist  undurchbohrt  und  zeigt 
eine  massige ,  scharfe  Falte.  Ein  angeschlififenes  Exemplar 
zeigt,  dass  ausserdem  noch  zwei  andere  Falten  vorkommen, 
eine  auf  der  vorhergehenden  Windung,    die  andere  auf  der 


—     294     — 

äussern  Seite  oder  auf  der  äussern  Lippe.     Beide  sind  fast 
gleich  gross  und  stärker,  als  die  Falte  der  Spindel. 

Zahl  und  Stellung  der  Falten  haben  unter  den  glatten 
Nerineen  nur  N.  supra jurensis  ,  N.  cylindrica  und 
N.  involuta  mit  dieser  Art  gemein*)  ;  N.  supra  juren  sis 
hat  aber  vertiefte  Umgänge  und  eine  erhabe  Naht,  ist  auch 
mehr  als  doppelt  so  gross ;  N.  cylindrica  hat  schwach 
gewölbte  Umgänge  und  gerandete  Näthe;  N.  involuta 
endlich  ist  durch  die  sich  weit  überdeckenden  Umgänge  und 
die  enge  Öffnung  sehr  ausgezeichnet.  Ich  halte  daher  ge- 
genwärtige Art  für  neu ,  nenne  sie  Nerinea  Roemeri, 
und  charakterisire  sie  in  der  Kürze  so : 

Nerinea  Roemeri  mtki^  tab.  III,  fig.  1,  2. 

JV.  testa  elongato-turrtta  y  anfradibus  planissimis  ^  trans- 
versim  striatis  {laevibus);  aperturae  plicis  tribus,  duabus  in 
columella,  una  in  labro*  **) 

Ich  bemerke  bei  dieser  Gelegenheit,  dass  in  den  älteren 
Kalksteinen  Siziliens  ebenfalls  Nerineen  vorkommen.  Was 
die  Bestimmung  ihres  Alters  so  sehr  erschwert,  ist  nicht 
sowohl  ein  gänzlicher  Mangel  an  Versteinerungen,  sondern 
der  Umstand,  dass  die  Versteinerungen  mit  dem  Gestein  aus 
einem  Gusse  sind  und  nur  durch  die  Verwitterung  oder  das 
Anschleifen  derselben  zum  Vorschein  kommen.  Wir  haben 
daher  nur  äusserst  wenig  Versteinerungen  mitbringen  kön- 
nen, namentlich  einige  Ammoniten  und  Belemniten  von 
Taorminay   welche  Herr  von  Buch    die  Güte  gehabt   hat  zu 


*)   V^I.  Jahrbach  18^6,  S.  551  flF. 

*'"'}.  Diese  Art  scheint  nach  dem  übersandten  Exenipiare  zu  urtheilen, 
die  eine  der  Formen  zu  seyn ,  welche  von  Roemer  als  N.  f a  s- 
ciata  bezeichnet  worden  und  von  denen  ich  anhangsweise  zu  N. 
fascia  ta  VoLTz  (Jahrb.  1836,  S.  555)  gesprochen  habe.  Schon 
das  Erseheinen  der  Queerstreifen  auf  bloss  2  Exemplaren  deutet  an, 
dass  dieselben  ein«  sehr  unvollkommene  Oberfläche  besitzen ;  bes- 
sere Exemplare  würden  wohl  auf  diese  Streifen  auch  noch  die 
Knötchen  haben  erkennen  lassen,  von  welchen  ich  gesprochen 
habe.  Da  übrigens  der  RoEMEa'sche  Name  nicht  beibehalten  wer- 
den kann,  so.  mag  der  neue  eiustweilen  gelten.  Br. 


—     295     — 

bestimmen,  und  welche  zu  Gunsten  der  Meinung  meines 
Freundes  Hoffma.nn  sprechen ,  dass  dieser  Kalkstein  der 
Juraformation  angehöre.  Derselbe  Kalkstein  setzt  grössten- 
theis  die  Madonie  (-Berge)  zusammen,  bildet  den  sonderba- 
ren isolirten  Felsen  von  Cefalu  und  die  hohen  Berge  bei 
Palermo  von  Termini  bis  Cap  della  Rama,  Auf  einer  Fels- 
wand bei  Cefalü  waren  durch  die  Verwitterung  zahlreiche 
Versteinerungen  hervorgetreten,  welche  ich  flüchtig  abge- 
zeichnet habe,  und  welche  wenigstens  eine  Bestimmung  der 
Gattung  zulassen.  Darunter  befindet  sich  auch  eine  deutliche 
Nerinea  mit  einer  Spindelfalte,  welche  ich  Fig.  3  wieder- 
gegeben habe.  Leider  musste  die  Zeichnung  zu  unsicher 
bleiben,  als  dass  die  Art  daran  erkannt  werden  könnte.  — 
Ausser  dieser  Nerinea  fanden  sich  an  der  Felswand  deut- 
lich mehrere  Korallen- Arten ,  die  dem  Genus  Lithoden- 
dron  GoLDFuss  oder  Cladocora  Ehrenberg  angehören 
und  im  Habitus  mit  Lithodendron  caespitosum  Goldf., 
Cyathophyllum  quadrigeminum,  oder  den  lebenden 
Cladocora  calyculata  und  C.  caespitosa  grosse  Ähn- 
lichkeit haben,  so  wie  ein  einzelner  Stern  von  19'"  Durch- 
messer, der  einem  Anthophyllum  angehört  haben  mag. 
Die  Vereinigung  der  Nerinea  mit  den  Korallen  erinnert 
an  den  Coral  rag. 

Den  übrigen  Raum  der  Tafel  habe  ich  benutzt,  um  dar- 
auf eine  merkwürdige  fossile  Pecten-Art  abzubilden. 
Pecten  Chiragra  mihi^  Tab.  III,  fig.  6,  7. 

P.  testa  orhicularij  ohliqua;  auriculis  magnis  inaequalihus ; 
cosiis  quindecim  rotundatis^  interstitiisque  aequalihus  sulcatis; 
costis  quinque  hinc  inde  valde  elevatis  et  nodosis, 

Fossil  im  Tertiärgebilde  von  Papantla  bei  Vera  Cruz  in 
Mexico ,  von  wo  ihn  Schiede  nach  Kassel  geschickt  hat. 
Einer  meiner  Schüler,  Herr  Wille,  hat  mir  diesen  Pecten 
nebst  einem  unbestimmbaren  Cardium?  von  ebendaher  mit- 
getheilt,  und  er  schien  mir  wegen  seiner  sonderbaren  Bil- 
dung eine  Beschreibung  zu  verdienen.  Ich  besitze  nur  die 
obere    Schaale ,    ihre    Länge   im    LiNNE'schen    Sinne    beträgt 


—     296     — 

19"',  die  Breite  18i'",  die  grösste  Wölbung  5'''.  Die  Ohren 
sind  gross,  schief,  mit  sehr  schwachen  strahlenförmigen  Strei- 
fen versehen.  Die  Rippen,  15  an  der  Zahl,  sind  zugerun- 
det, mit  den  Zwischenräumen  von  gleicher  Breite,  und  wie 
diese  von  4  bis  5  Längsfurchen  durchzogen,  welche  von  ge- 
drängten, feinen,  aber  deutlichen  Anwachsstreifen  durch- 
kreutzt  werden.  Was  diese  Art  sehr  auszeichnet^  ist,  dass 
5  Rippen  durch  je  2  oder  3  andere  geschieden,  von  Zeit  zu 
Zeit  sich  weit  stärker  erheben  und  starke  Knoten  bilden. 
Das  Gestein,  in  welchem  sich  diese  Versteinerung  befindet, 
ist  ein  graulich  weisser  Kalkmergel,  der  durch  Eisenoxyd- 
hydrat stellenweise  gelb  gefärbt  ist,  und  eine  Menge  schwar- 
zer, Obsidian-ähnlicher  Körner  einschliesst.  Auch  befinden 
sich  darin  kleine,  graue,  durchsichtige,  abgerundete  Körnchen, 
die  ich  für  Quarz  ansprechen  möchte. 


üb 


er 


ein   neues   Vorkommen   von   krystallisirtem 
und  derbem  Nickelantimonglanz, 

von 

Hrn.  Bergamtsverwalter  Engelhardt 
in  Saalfeld. 


Der  Nickelantimonglanz  5  welcher  zeitber  hauptsächlich 
auf  mehreren  Gruben  im  Nassauischen  in  Begleitung  von 
Spatheisenstein,  Kupferkies  und  Bleiglanz  vorkam:  findet 
sich  neuerer  Zeit  sehr  ausgezeichnet  und  in  ziemlich  bedeu- 

o 

tender  Menge  auf  einigen  Spatheisenstein- Gruben  in  der 
Nähe  von  Lobenstein  im  Fürstenthum  Reuss,  Derselbe  wird 
von  Späth-  und  Braun-Eisenstein,  Kupferkies,  etwas  Bleiglanz 
und  Nickelblüthe  begleitet:  kömmt  demnach  ganz  unter  den- 
selben Verhältnissen  wie  am  Westerwalde'^  aber  in  zwei 
sehr  wesentlich  verschiedenen  Varietäten  vor. 

Die  erstere  dieser  Varietäten  besitzt  eine  silbervi^eisse, 
nur  w*enig  ins  Stahlgraue  fallende  Farbe  und  kömmt  sehr 
häufig  krystallJsirt  vor.  Die  Hauptkrystall-Gestalt  ist  das 
reguläre  Octaeder,  das  durch  Abstumpfung  der  Ecken  zu- 
weilen in  das  Hexaeder  übergeht.  Sowohl  hinsichtlich  der 
Farbe ,  als  Gruppirung  der  Krystalle ,  besitzt  diese  Varietät 
viel  Ähnlichkeit  mit  dem  Speiskobalte.  Auf  den  Klüften 
findet  sich  fast  immerwährend  ein  brauner  Anflug. 

Die  zweite  Varietät  hat  eine  bleigraue  Farbe,  die  beim 
Liegen  an  der  Luft  noch  dunkler  wird.  Von  Krystallisation 
konnte    bis  jetzt  nichts  an  ihr  beobachtet  werden ;    dieselbe 


—     298     — 

besitzt  jedoch  eine  leichte  Spahbarkeit  nach  dem  Hexaeder. 
Sie  ist  weniger  hart,  als  die  vorige,  und  der  Anflug  auf  den 
Klüften  ist  bei  ihr  gewöhnlich  schwarz. 

Bei  den  Versuchen,  die  mit  beiden  Varietäten  vor  dem 
Löthrohre  angestellt  wurden,  zeigte  sich  kein  Unterschied, 
der  auf  verschiedene  Bestandtheile  hätte  schliessen  lassen  5 
allein  bei  der  qualitativen  Untersuchung  auf  nassem  Wege, 
fand  sich  in  der  krystallisirten  Abänderung  ein  nicht  unbe- 
deutender Gehalt  an  Kobalt;  während  die  nicht  krystallisirte 
Varietät  nur  Spuren  von  diesem  Metalle  zeigte. 

Von  grossem  Interesse  dürfte  es  seyn,  wenn  nachgewie- 
sen würde,  ob  der  Kobalt-Gehalt  der  ersten  Varietät:  der- 
selben nicht  nur  die  leichte  Krystallisirbarkeit  und  lichtere 
Farbe,  sondern  auch  die  bedeutendere  Härte  ertheilte.  Es 
wäre  leicht  möglich,  dass,  da  das  Atomgewicht  des  Nickels, 
dem  des  Kobalts  so  sehr  nahe  kommt,  letzterer  den  ersteren 
theilweise  verträte,  und  dass,  wenn  die  dunklere  Varietät  des 
Minerals  arsenigschwefliges  Schwefelnickel  mit  unterantimo- 
nigsaurem  Schwefelnickel  ist,  die  hellere  arsenigschwefliges 
Schwefelnickel  mit  unterantimonigsaurem  Schwefelkobalt  wäre. 

Ich  würde  mich  dieser  Arbeit  selbst  unterzogen  haben , 
wenn  ich  Zeit  dafür  erübrigen  könnte. 

Sollten  sich  Liebhaber  zu  Exemplaren  beider  Varietäten 
flnden,  so  dürfen  sich  dieselben  nur  an  Herrn  Fabriksbesitzer 
Röscher  in  Saal feld  wenden,  der  jeden  Auftrag  nach  Wunsch 
befriedigen  wird  *). 


*)  In  neuerer  Zeit,  wo  die  Argentan-Fabrikation  den  Verbrauch  des 
ISickelmetalls  so  sehr  erhöht,  kann  dieses  Mineral,  wo  es  häufig^ 
vorkommt ,  einen  bedeutenden  Gewinn  gewähren.  Da  dasselbe 
jedoch  fast  immer  in  Begleitung  von  Späth eisenstein  einbricht,  von 
dem  es  auf  mechanischem  Wege  nicht  getrennt  werden  kann,  so  ist 
die  Darstellung  der  eisenfreien  Nickelspeise  aus  ihm  —  ohne  die 
Anwendung  einiger  hüttenmännischen  Vortheile  —  nicht  leicht. 
Ich  bin  erbütig,  auf  briefliche  Anfragen  Auskunft  über  die  zweck- 
niässigste  und  billigste  Darstellung  der  Nickelspeise  aus  diesem 
Minerale  auf  trockenem  Wege  zu  ertheilen. 


Über 


organische  Gestalten  im  Schlott- 
witzer  Achatgange , 

von 

Hrn.  Dr.  Bernhard  Cotta. 


(Hiezu  Taf.  III,  Fig,  8—13.) 


Der  Achat   von  Schlottwilz   in  Sachsen   bildet   einen   20 
bis  30  Fuss  mächtigen  Gang  im  Gneise,  der  schon  von  Char- 

PENTIER,  HOFFMANN,  WER^KR,  V.  LiEBENROTH  und  FrEIESLEBEN  *) 

beschrieben  worden  ist,  wesshalb  ich  über  seine  mineralogisch 
geognostische  Beschaffenheit  hier  nur  wenig  zu  erinnern 
habe.  Die  ganze  Masse  scheint  zuerst  Bandacliat  gewesen 
und  durch  den  allmählichen  Absatz  dünner  Lagen  von  bei- 
den Salbändern  nach  der  Mitte  zu  entstanden  zu  seyn. 
Spätere  Aufreissungen  und  Erschütterungen  haben  diese  re- 
gelmässige Bandachatmasse  zersprengt  und  theilweise  so  zer- 
stückelt, dass  durch  Verbindung  mittelst  weissem  und  blauem 
Amethyst  und  Chalcedon-ähnlichem  Gesteine  ein  schöner  fester 


'')  Charpentier  niinerul.  Geograph.  S.  143;  Hoffmann  Oryktographie 
S.  265  und  286,  und  Bergm.  Journ.  1790,  B.  II,  S.  462;  Werner, 
Gangtheorie  S.  73  ;  v.  Liebenroth  ,  geognostische  Beobachtungen 
1791  ,  S.  7Q  und  1798  S,  31  und  113;  Fbeiesleben  Oryktographie 
H.  II,  S.  15. 


—     300     — 

Trümmepachat  entstanden  ist.  Auch  dieser  ist  wieder  zer- 
sprengt und  von  Gängen  durchzogen ,  welche  meist  aus 
Amethyst  bestehen  und  hie  und  da  Chaicedon  enthalten. 
Amethyst  und  Chaicedon  sind  sonach  hier  die  jüngsten  Bil- 
dungen. 

In  diesen  Zäment-  und  Gang-Gesteinen  des  Trümmer- 
Achates  findet  man  nun  kleine  regelmässige  Bildungen,  deren 
Gestalt  mehr  auf  organischen  als  unorganischen  Ursprung 
hindeutet.  Auf  T.  III  sind  solche  Körper  abgebildet.  Bei 
Fg.  8  ist  A  gewöhnlicher  Trümmer- Achat ,  B.  ein  durch- 
setzender Amethyst-Gang,  d  reiner  blauer  Amethyst,  c  weisses 
Chalcedon-Gestein  mit  den  fraglichen  Körpern  (Alles  in  na- 
türlicher Grösse).  Die  kleinen  Körper  sind  an  der  Seiten- 
fläche des  Amethyst-Ganges  auf  den  Trümmer-Achat  festge- 
wachsen und  ragen  von  da  aus  2  bis  5  Linien  in  die  Gang- 
masse hinein.  Ihre  Gestalt  ist  im  Allgemeinen  zylindrisch, 
mit  mehr  oder  weniger  regelmässigen  Einschnürungen  und 
einem  abgerundeten  kugelförmigen  Ende.  Sie  sind  hohl,  jetzt 
aber  natürlich  mit  Chalcedon-Masse  erfüllt,  und  in  der  Mitte 
geht  ein  Stab  oder  eine  Röhre  hindurch.  Ihre  Form  erinnert 
sehr  an  die  von  Corda  abgebildeten  Oscillatorien  aus 
den  warmen  Quellen  Karlsbads  (Älmanach  de  Carlsbad,  1836, 
besonders  Fg.  21  und  22);  doch  sind  sie  um  Vieles  grösser, 
und  unterscheiden  sich  durch  die  körperliche  Axe. 

In  einigen  Exemplaren,  bei  denen  man  die  hohle  Struk- 
tur und  die  innere  Röhre  weit  deutlicher  erkennt,  z.  B.  bei 
den  unter  Fg.  9  vergrössert  dargestellten,  sind  dagegen  die 
Zylinder-artigen  Einschnürungen  um  so  unregelmässiger.  Diese 
sind  besonders  regelmässig  bei  Fg.  10,  und  vergrössert  bei  a. 

Geht  die  Schnittfläche  des  Steins  senkrecht  durch  die  Axe 
der  kleinen  Körper,  so  sieht  man  nur  einen  kleinen  Kreis 
mit  einem  Punkt  in  der  Mitte  (Fg.  9  und  10).  Gewöhnlich  ist 
der  kleine  Zylinder  zunächst  von  abwechselnd  mehr  und 
minder  opaken  Chalcedon-Ringen,  wie  von  einer  Atmosphäre 
umgeben,  und  dann  erst  beginnt  der  Amethyst,  welcher  sich 
konzentrisch   strahlig    um    die  Röhre    herum   anoi'dnet.     Bei 


—     301     — 

Fg.  11  sind  die  inneren  Theile  dieser  Strahlen  noch  weiss 
und  in  Ringe  abgesondert,  während  ihre  äussere  Hälfte  in 
blaue  durchsichtige  Krystallspltzen  endigt. 

Es  entsteht    nun    zunächst   die  Frage :    sind  diese  zylin- 
drischen   Körperchen    organischen    Ursprungs ,     oder    nicht  ? 
sind  es  versteinerte  Organismen,  oder  nicht?  —  Ehrenbergs 
neueste  Arbeiten  haben  dargethan,   dass  man  von  den  klein- 
sten aller  lebenden  Wesen,  von  den  Infusorien  unzählige, 
wohl  erkennbare  fossile  Überreste  findet,  und  dass  die  Kie- 
selerde  es    ist,    welche    vorzugsweise    die   Versteinerung    so 
zarter  Theile    und  so   kleiner  Organismen  zu  bewirken  ver- 
mag. Hier  finden  wir  nun  im  Chalcedon  und  von  Amethyst  um- 
schlossen (die  Körperchen  liegen  nie  unmittelbar  im  Amethyst, 
sondern  stets  in  einer  Chalcedon-Hülle)  kleine  regelmässig  gestal- 
tete Formen,  in  Intervallen  zusammengeschnürte  oder  gegliederte 
hohle  Zylinder,  mit  einer  abgesonderten,  wahrscheinlich  hoh- 
len Axe.    Das  ist  weder  die  Form  eines  Krystalls  noch  über- 
haupt eines  Minerals.    Sieht  man  die  ganze  Suite  von  Schiott' 
witzer  Achaten,  welche  mein  Vater  zu  dem  Ende  nach  ver- 
schiedenen Richtungen  hat  schleifen  lassen,  so  wird  es  schwer, 
eine  andere  Idee  zu  fassen,  als  dass  diese  überall  gleichför- 
migen   Körperchen     von     lebenden     Organismen     herrühren. 
Warum    sollten    es    auch    nicht    Thiere    seyn ,     ähnlich     den 
Oscillatorien ,  nur  viel  grösser  und  mit  einer  festen  Axe ? 
Berücksichtigen  wir  die  geologischen  Verhältnisse  ihres  Vor- 
kommens,    so   wird    die  Analogie    noch    grösser.     Chalcedon 
entstand    und  entsteht  noch   jetzt    durch  Absatz  aus  heissen 
Quellen  oder  Dämpfen  :     aus  Quellen  auf  Island^  aus  Dämpfen 
nach  L.  V.  Buch  auf  den  Canarischen  Inseln.    NiclUs  spricht 
gegen  die  Annahme,    dass  der  Achat-Gang  bei  Schlottivitz  auf 
ähnliche  Weise  durch  Absatz  aus   heissen  Quellen  entstanden 
sey.    Leben  nun  die   Oscillatorien  in  den  heissen  Quellen 
Karlsbads,    warum  sollen  nicht  unse^i'e  Chalcedon -Thierchen 
in    den    heissen    Kieselquellen    von  SchloUwüz    und    in    den 
Klüften  gelebt    haben   können,    aus  denen  dieselben  hervor- 
drangen ?     Man    findet    sie    stets   auf  einer    festen  Basis  des 
Jahrgang   1837.  20 


—     302      — 

altern  Trürainergesteiiies  aufsitzend ,  fast  nie  allseitig  von 
Cbalcedon  und  Amethyst  umgeben.  Sie  hafteten  im  lebenden 
Zustande  stets  an  den  Steinwänden  fest  und  lebten  auf  ihr 
nen  gesellschaftlich  beisammen. 

So  sehr  ich  nun  auch  überzeugt  bin,  dass  die  besehrie-!- 
benen  Körper  wirklich  einst  Thieren  angehörten,  so  werde 
ich  doch  noch  nicht  wagen  ihnen  schon  jetzt  einen  systema- 
tischen Namen  beizulegen ,  sondern  erlaube  mir  nur ,  sie 
einstweilen  „Chalced  on-Thierchen^^  zu  nennen  und  zu 
ihrer  genaueren  Untersuchung  aufzufordern.  Vielleicht  ündet 
sieh  später  Gelegenheit,  sie  genauer  und  unter  mehrerlei 
Verhältnissen  kennen  zu  lernen. 

Es  würde  höchst  voreilig  seyn  auf  die  Verrauthung, 
dass  die  beschriebenen  Körper  von  Thieren  herrühren,  ent- 
fernt ähnlich  den  Karlshader  Oscillatorien,  den  Schluss 
gründen  zu  wollen ,  dass  die  umschliessenden  Gesteine  von 
heissen  Quellen  abgesetzt  seyn  müssten.  Da  es  aber  ohne- 
hin für^die  Entstehung  der  Achat-  und  Amethyst-Gänge  kaum 
eine  wahrscheinlichere  Hypothese  gibt,  als  ihre  Erklärung 
durch  warme  kieselhaltige  Quellen,  so  treten  nun  die  physi- 
kalisch-chemischen und  organischen  Erscheinungen  in  ein 
gewisses  Wechselverhältniss,  was  zur  gegenseitigen  Deutung 
wohl  benutzt  werden  darf.  Es  würde  wichtig  seyn,  wenn 
Achat-,  Amethyst-  und  selbst  Quarz-Gänge  recht  vieler  Ge- 
benden genau  untersucht  würden.  Organismen  wie  bei 
SchloUwitz  kann  man  zwar  nicht  überall  darin  erwarten, 
und  ihr  Auffinden  hängt  sehr  vom  Zufall  ab ;  aber  das  phy- 
sikalische Verhalten  derselben  kann  auf  manche  interessante 
Schlüsse  führen.  Fast  scheint  es,  als  seyen  in  den  altern 
Schöpfungs- Perioden  die  heissen  und  kieselhaltigen  Quellen 
ungleich  häufiger  und  ergiebiger  gewesen  als  jetzt,  und  die- 
ses Resultat,  wenn  es  sich  erweisen  lässt,  steht  offenbar  in 
erwünschtem  Einklang  mit  den  gangbaren  Ansichten  über 
die  Entstehung  und  Ausbildung  der  Erde.  Zugleich  scheinen 
die  Produktionen  jener  vorweltlichen  Quellen  von  denen  der 
jetzigen  etw^as  abzuweichen:  sie  lieferten  mehr  krystallinische 


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KieseJgesteine ,  als  heute.  —  Sonst:  Quarz,  Amethyst  und 
'Achat,  dann  Chalcedon,  Opal,  Hyalith  und  Kieseltuff ,  von 
denen  einige  noch  jetzt  entstehen. 

Auch  in  einigen  anderen  Chalcedon-Varietäten  findet  man 
in  den  Sammhingen  häufig  kleine  regelmässige  Gestalten, 
welche  mehr  oder  weniger  an  die  obigen  erinnern.  Z.  B, 
in  einem  reinen  und  ziemlich  durchscheinenden  Chalcedon  : 
blasenförmige  und  längliche  Höhlungen,  wie  aus  einer  we- 
niger durchscheinenden  Haut  gebildet  und  mit  einer  gänzlich 
opaken  Axe  in  der  Mitte  (Fg.  12  in  nat.  Gr.)  Ferner  in 
einem  ähnlichen  Chalcedon:  runde,  sehr  durchsichtige  Zylin- 
der mit  einer  dunkeln  Axe  oder  Röhre  in  der  Mitte,  von 
welcher  von  Zeit  zu  Zeit  kreisförmige  Sprünge  sich  aus- 
breiten, als  würden  dieselben  durch  eine  Art  von  Abgliede- 
rung  des  durchsichtigen  Zylinders  bedingt  (Fg.  13  in  nat.  Gr.) 
Leider  ist  von  beiden  Chalcedon-Stüoken,  welche  mein  Vater 
besitzt,  der  Fundort  gänzlich  unbekannt,  und  ich  würde, 
daher  auch  der  sehr  problematischen  Erscheinungen  kaum 
erwähnen ,  schienen  sie  nicht  mit  den  oben  beschriebenen 
deutlicheren  in  einiger  Verwandtschaft  zu  stehen» 


20 


Er  s  t  e     Notiz 

über 

das     Genus     Aptychus, 


von 


Hrn.  General-Berg-Inspektor  Voltz. 


(Aus  einem  Vortrag  bei  der  Strasburger  naturforscbenden  Gesellschaft.) 


Die  fossilen  Körper,  welche  von  Schlotheim  mit  dem 
Namen  Tellinites  problematicus  und  T.  solenoides, 
von  Parkinson  als  TrigonelliteSj  von  Germar  als  Lepa- 
dites,  von  Meyer  als  Aptychus  und  neuerlich  von  Des- 
LONGCHAMPS  als  Münstcria  bezeichnet  worden  sind,  bieten 
eine  Struktur  dar,  welche  schon  auf  den  ersten  Blick  nicht 
gestattet,  sie  unter  die  Bivalven  zu  stellen,  was  auch  Herr 
VON  Meyer  in  seiner  Arbeit  über  diese  fossilen  Körper  rich- 
tig aufgefasst  hat.  In  der  That  sieht  man  daran  Zuwachs- 
streifen immer  im  Innern  der  Klappen,  zuweilen  mit  solchen 
auf  der  äusseren  Seite  (Apt.  elasma).  In  andern  Fällen 
bietet  diese  letzte  übereinanderliegende  Lamellen  dar,  wie 
der  Deckel  der  Neriten  oder  die  Schaale  der  Crassatellen 
und  einiger  Venus- Arten  (A.  imbricatus,  A.  bullatus). 
Noch  andere  Arten  lassen  auf  dieser  nämlichen  Seite  ein 
dickes  zelliges  oder  schwammartiges  Gewebe  wahrnehmen 
(A,  laevis).     Von    Meyer    hatte    aus    dieser    Erscheinung 


—     305     — 

geschlossen,  dass  die  Aptychen  innerliche ,  nicht  äusserliche 
MoJlusken-Schaalen  seyen. 

Um  sich  eine  richtige  Vorstellung  von  Aptychus 
zu  machen,  muss  man  vom  A,  elasma  ausgehen,  der  offen- 
bar nur  eine  einfache  hornartige  Platte  war,  mehr  oder  we- 
niger herzförmig,  ein-  und  nicht  zwei-klappig,  symmetrisch  aus 
zwei  Lappen  gebildet,  welche  auf  der  Mittellinie  durch  einen 
FaJz  miteinander  so  verbunden  gewesen,  dass  sie  sich  wie 
Muscheln  auseinander  legen  und  zusammenklappeUj  aber  beides 
nur  bis  zu  einem  gewissen  Grade  konnten.  Diese  Bildung 
sieht  man  sehr  deutlich  bei  einem  Exemplar,  das  ich  im  In- 
neren des  Ammonites  opalin  us  Rein.  (A.  primordialis 
ZiET.)  entdeckte.  Der  Aptychus  liegt  darin  fast  gänzlich  im 
Grunde  der  letzten  von  dem  Thiere  eingenommenen  Kammer, 
noch  jetzt  fast  ganz  symmetrisch ,  der  Falz  in  der  Fläche 
des  Kiels  der  Schaale,  der  herzförmige  Rand  auf  dem  Rücken 
des  vorletzten  Umganges,  der  konvexe  Rand  gegen  den  Rücken 
der  Schaale,  aber  tiefer  und  nahe  bei  der  letzten  Scheide- 
wand. Untersucht  man  den  Falz,  so  sieht  man  deutlich, 
dass  er  ungetheilt  ist  und  beide  Lappen  zusammen  nur  ein 
einziges  Stück  bilden.  Die  Zuwachsstreifen  gehen  vom  mittein 
Theile  des  herzförmig  konkaven  Randes  aus  und  folgen  dann 
den  konvexen  Seitenwänden  der  Schaale. 

Der  Aptychus  elasma  hat  die  einfachste  Form  un- 
ter den  Arten  dieses  Geschlechtes,  welche  man  in  drei  Fa- 
milien, trennen  kann,  wovon  die  erste,  die  der  C  o  r  n  e  i ,  die 
aus  einer  einfachen  hornartigen  Platte  bestehenden,  die  zweite, 
die  der  Imbricati,  diejenigen  Arten  in  sich  begreift,  de- 
ren hornartige  Platte  äusserlich  von  einer  kalkigen  Schichte 
mit  Ziegeldach-artig  übereinanderliegenden  Leisten  bedeckt 
ist  (A.  imbricatus),  —  die  dritte,  Cellulosi,  aussen  an 
der  Schaale  mit  einer  dicken  zelligen  Kalklage  überzogen  ist 
(A.  I  a  e  v  i  s). 

Alle  Aptychus- Arten  zeigen  im  Inneren  ihrer  Klap- 
pen die  Zuwachsstreifen  der  hornartigen  Platte  oder  wenig- 
stens deren  Abdrücke ;  aber  diese  Platte  selbst  besteht  nicht 


^     306     — 

mehr  bei  allen.  Man  sieht  sie  nur  bei  denjenigen,  die  in 
Schichten  vorkommen,  wo  die  freie  thierische  Materie  nicht 
«erstört  worden  ist.  Zu  Gmidershofen,  wo  das  Gestein  grau, 
»nd  nicht  weiss  ist  und  noch  Kohlenstoff  in  merklicher 
Menge  enthält,  sind  diese  Aptychen  schwärzlich  braun 
und  ziemlich  wohl  erhalten.  —  Im  Lias  von  BoU^  welcher  dun- 
kelgrau ist  und  noch  Sepie  von  Loligo-  und  Belemniten-Arten 
enthält,  sind  die  Aptychus-Arten  der  ersten  Familie  ganz 
«chwarz,  während  die  Loligo-  und  Belemniten-Platten  (Lei- 
sten) noch  wie  Hörn  aussehen,  weil  sie  nicht  aus  reiner 
^hierischer  Materie  bestanden ,  sondern  reichlich  mit  Kalk 
durchdrungen  gewesen,  —  In  &en  lithographischen  Schiefern 
von  Solenhof €71  ist  alle  reine  thierische  Materie  gänzlich  zer- 
stört worden.  Man  erkennt  daselbst  noch  gut  die  Form 
«des  Dintensacks  der  Sepien  und  <ler  Kalmars ,  aber  die 
Schwärze  ist  verschwunden.  Die  Loligo-  und  Belemniten- 
Leisten  bestehen  auch  hier  noch ,  aus  dem  Grunde  wie  vor- 
hin. Diese  Schiefer  zeigen  keine  Aptychen  der  ersten  Fa-i 
milie :  man  wird  später  sehen ,  warum.  Dagegen  sind  die 
Imbricati  und  die  Cellulosi  häufig,  weil  sie  auf  der 
Horn-artigen  Platte  noch  einen  dicken  kalkigen  Überzug  hatten, 
obschon  diese  Platte  selber  fast  immer  verschwunden  ist,  wie 
alle  reine  thierische  Materie,  wie  die  Dinte  der  Sepien,  der 
Kalmars  und  der  Belemniten;  aber  ihr  Abdruck  auf  der  in- 
neren Fläche  ist  hinterblieben,  wie  der  des  Dintensacks  des 
Loligo  priscus  Rüpp.  und  mancher  Sepien  und  Belemniten, 
welche  Graf  Münster  besitzt.  Doch  hat  das  Strasburger 
Museum  einen  Ammoniten ,  wie  es  scheint,  aus  der  Familie 
der  Macrocephalen  ,  woran  man  einen  Aptychus  laevis  wahr- 
nimmt mit  noch  erhaltener  Horn-Platte,  welche  aber  in  einen 
weissen  Faserkalk  umgewandelt  ist.  —  Die  kalkigen  Schaa- 
len,  welche  diese  Hornplatte  bedeckten ,  sind  fast  immer 
allein  übrig  geblieben  an  diesem  Orte  sowohl  als  in  dien 
Kalkschichten  der  Württembergischen  Alp,  die  ebenfalls  keine 
thierische  Materie  mehr  enthalten.  Aber  auf  der  konkaven 
Seite   derselben    sieht    man   ganz   gjit  noch   die   Eindrücke, 


—     307     — 

welche  von  den  Zuwachsstreifen  der  Hornplatte  herrühren : 
sie  haben  im  Allgemeinen  dieselbe  Form  und  deuten  die 
nämliche  Art  des  Wachsthums  an,  wie  bei  den  Cornei. 
Überhaupt  gestattet  die  Natur  dieser  kalkigen  Schaalen  nicht 
anzunehmen^  dass  diese  Streifen  ihnen  eigen  seyen ;  denn 
einem  so  grosszelligen  Gewebe,  wie  das  des  A»  laevis  ist, 
können  nicht  so  feine  Zuwachsstreifen  entsprechen,  als  diese 
sind.  Dieses  zellige  Gewebe  besteht  aus  ziemlich  starken 
dicht  aufeinander  liegenden  Schichten.  An  einigen  Exem- 
plaren kann  man  Zuwachsstreifen  auf  dessen  äusseren,  kon- 
vexen Seite  wahrnehmen,  und  deutlich  unterscheiden,  dass 
sie  von  denen  der  konkaven  Fläche  abweichend  sind.  — 
Eben  so  verhält  es  sich  mit  dem  A.  imbricatus,  dessen 
inwendigen  Zuwachsstreifen  weder  in  Zahl  noch  in  Form 
den  Leisten  der  konveien  Oberfläche  entsprechen ,  gerade 
wie  an  den  Nerita-Deckeln  die  Leistchen  der  äusseren  kal- 
kigen Lage  nicht  mit  den  Streifen  der  inwendigen  Horn- 
Platte  übereinstimmen. 

In  den  lithographischen  Schiefern  hauptsächlich  sieht 
man  viele  Aptychen,  deren  beide  Klappen  mit  ihrem  gera- 
den Rande  aneinander  und  oft  in  einer  Ebene  lieoen,  zuweilen 
aber  auch  so,  dass  sie  mit  ihrer  porösen  Seite  eine  starke 
Wölbung,  mit  der  gestreiften  eine  grosse  Vertiefung  bilden. 
Dieses  scheint  auch  die  natürliche  Form ,  ersteres  nur  die 
Wirkung  mechanischen  Druckes  zu  seyn. 

Es  scheint,  dass  die  Aptychen  sich,  wenn  auch  nur 
wenig,  öffnen  und  schliessen  konnten  und  der  Falz  ihnen 
hiebei  gewissermaasen  als  Charniere  diente,  wesshalb  eben 
die  kalkige  Schichte  auf  der  äusseren  Seite  des  Aptychus 
laevis  und  A,  imbricatus  sich  in  Form  zweier  Schaalen  ab- 
setzen musste,  dass  der  Falz  biegsam  blieb.  Wenn  daher 
auch  diese  kalkigen  Theile  gewissermaasen  Zweiklapper  dar- 
stellen ,  so  lassen  sich  die  Aptychen  im  Ganzen  genommen 
doch  keineswegs  auf  wirkliche  Muscheln  zurückführen.  Bei 
ihnen  ist  auch  die  Horn-Platte  —  Epidermis  —  im  Innern 
der  Klappen  und  die  Kalkablagerang  äusserlich  darauf.    Bei 


—     308     — 

den  Muscheln  wird  jene  Epidermis  gleich  der  Kalkmasse 
durch  den  Mantel  hervorgebracht,  dessen  Rand  die  Epider- 
mis bildet ,  dessen  Fläche  die  Kalkschaale  absetzt  und  beständiaf 
verdickt.  Bei  den  Aptychen  dagegen  wurden  die  Hornplatte 
und  die  Kalkschaalen  offenbar  von  zw^ei  sehr  verschiedenen 
Theilen  des  Körpers  abgesetzt,  die  während  der  Bildung 
übereinander  befindlich  waren.  Bei  den  Muscheln  kommen 
immer  Anheftstellen  der  Muskeln  auf  der  Kalklage  und  ent- 
fernt vom  Rande  vor.  Bei  Aptychus  sieht  man  die  Anheft- 
steilen für  die  Muskeln  niemals  auf  der  Kalkschaale ,  und 
dieselben  scheinen  wie  bei  den  Schnecken-Deckeln  auf  dem 
Rande  der  Horn-Platte  nach  der  ganzen  Länge  der  An- 
wachsstreifen befestigt  gewesen  zu  seyn. 

Grösser  scheint  die  Ähnlichkeit  der  Aptychen  mit  inner- 
lichen Schaalen.  So  hat  ein  hornartiger  Aptychus  viel  Ana- 
logie mit  der  Horn-Platte  einer  Aplysie,  nur  dass  diese  un- 
symmetrisch gestaltet  ist.  Auch  haben  die  Cornei  Analogie 
mit  den  Hornleisten  der  Kalmar-artigen  Thiere  5  aber  diese 
bestehen  jederzeit  wesentlich  aus  zweierlei  Regionen:  aus 
der  Rücken-  und  der  Hyperbolar-Gegend,  was  man  hier  nicht 
wahrnimmt.  Die  Aptychen  mit  kalkiger  Schaale  aber  haben 
gar  keine  Analogie  mit  den  innerlichen  Kalkschaalen  von 
Cephalopoden,  weil  diese  wesentlich  immer  die  Kalkschaale 
jau  innerst  und  die  Hornplatte  darüber  haben,  welche  selbst 
wieder  durch  eine  zweite  ,  von  einer  andern  Membran  ab- 
gesetzte Kalklage  bedeckt  wird:  so  bei  den  Belemniten, 
den  Sepiostarien,  den  Belopteren  und  sicher  auch 
den  B  e  1  o  s  e  p  i  e  n.  Auch  sind  die  äusseren  Kalklagen  die- 
ser Schaalen,  die  Scheide  der  Belemniten  und  der  chagri- 
nirte  Überzug  der  Sepiostarien,  von  einer  Membran  gebildet 
worden,  welche  Kalkmasse  in  ihrer  ganzen  Erstreckung  ab- 
setzte ;  während  bei  den  Schneckendeckeln  und  den  Apty- 
chen die  Kalkschichte  sich  nur  vom  Rande  her,  nicht  auf 
der  ganzen  Fläche,  anlegt  und  allmählich  mit  dem  Wachs- 
thum  der  Hornplatte  voranschreitet»  Inwendige  Schaalen 
thun    diess    nie ,     und    haben    nie    eine    mit    übereinander 


—     309     -^ 

geschobenen  Leistchen  versehene  Oberfläche ,   wie  sie  an  den 
Deckeln  der  Nerita-  und  Na tica- Arten  so  deutlich  ist. 

Fragt  man  nun,  welchen  Konchylien  oder  welchen 
Schaalen  die  Aptychen  sich  am  meisten  nähern,  so  wird 
man  wohl  aus  dem  Gesagten  ersehen,  dass  diess  die  Deckel 
sind.  In  der  That  bietet  die  Mehrzahl  der  Gasteropoden- 
Deckel  dieselbe  Struktur,  wie  die  Aptychen  dar :  insbeson- 
dere die  von  Turbo,  Trochus,  Nerita,  Fusus,  Cerithium,  Pa- 
ludina,  Atlanta  u.  s.  w.  Denn  alle  bestehen  sie  wesentlich 
aus  einer  Hornplatte,  auf  welcher  man  oft  eine  Kalkschichte 
abgesetzt  findet,  welche  zuweilen  übereinander  liegende  Leist- 
chen darbietet;  ihr  Wachsthum  findet  auf  dieselbe  Weise 
wie  bei  den  Aptychen,  und  auf  ganz,  andere  Art  als  bei  den 
Hornplatten  Statt.  Zwar  habe  ich  noch  keine  solche  Deckel 
mit  zelliger  Textur  gesehen,  was  aber  ohne  Zweifel  davon 
herrührt,  dass  sie  alle  kriechenden,  nicht  schwimmenden 
Thieren  angehörten ,  für  welche  sie  leichter  seyn  müssen. 

Schon    1829    behauptete  Rüppell  bei    der  Versammlung 
der  Naturforscher  in  Heidelberg^    dass  die  Imbricati  Deckel 
der  Sülenhofer  Planuliten    seyn    müssten ,    glaubte    aber    die 
Cellulosi  andern  Mollusken  zuschreiben  zu  müssen.     Damals 
bestritt  ich  diese  Ansicht  heftig,    weil    ich  Aptychus   imbri- 
catus    nicht  von  A.  laevis    trennen    konnte  und  die  Struktur 
der  Schnecken-Deckel    noch    nicht    studirt    hatte.      Erst    als 
ich  beim  Zerbrechen  des  erwähnten  Ammonites  opalinus  von 
Gundershofen  den  Aptychus  elasma  in  fast  natürlicher  Deckel- 
Lage  fand ,    fing   mir    die  Sache    an  glaublicher  zu  werden  ; 
ich    studirte    die  Konchylien -Deckel    unseres   Museums    und 
die  Arbeit  von  Duges   {Ann.  d,  scienc.  nat.  XVIII)  und  be- 
griff nun    bald,    dass  Aptychus    ein    wirklicher  Deckel   sey. 
Doch    blieben    noch    gewichtige    Einwendungen    gegen    diese 
Meinung  übrig,  die  man  zuerst  widerlegen  musste,  und  über 
welche  ich  mich  etwas  verbreiten  will. 

Der  Aptychus  elasma  war  in  Ammonites  opalinus  aller- 
dings nicht  ganz  in  der  natürlichen  Lage  eines  Deckels, 
nicht    in   der   Nähe    der   Mündung,    sondern   fast  ganz   im 


—     310     — 

Grunde  der  letzten  Kammer»  Aber  es  würde  auch  etwas 
ganz  Ausserordentliches  seyn ,  ihn  noch  da  zu  finden ,  wo 
das  Thier  seinen  Fuss  hatte ;  denn  als  dasselbe  in  Fäuiniss 
gerieth,  musste  die  Entwickelung  von  Gas  ihn  schon  aus 
seiner  Lage  drücken ,  und  als  der  Schlamm ,  welcher  jetzt 
die  letzte  Kammer  des  Ammoniten  ausfüllt,  in  dieselbe  ein- 
drang, musste  er  auch  den  Deckel  wieder  vor  sich  her 
schieben.  Gewöhnlich  findet  man  den  Deckel  noch  an  seiner 
Stelle  nur  bei  denjenigen  Mollusken,  welche  an  der  Luft 
vertrocknen,  nicht  bei  jenen,  welche  im  Wasser  faulen.  Un- 
ter den  vielen  fossilen  Deckel-Konchylien,  welche  ich  schon 
untersucht  habe,  habe  ich  auch  nicht  eine  noch  wirklich  mit 
ihrem  Deckel  gefunden :  gewöhnlich  ist  dieser  aus  der  Schaale 
herausgefallen.  Es  ist  sogar  sehr  selten,  die  Deckel  selbst 
überhaupt  nur  fossil  zu  finden,  und  es  scheint,  dass  ihre 
Struktur  ihren  Übergang  in  den  Fossil-Zustand  weniger  be- 
günstigte, als  die  der  Konchylien,  *) 

H.  V.  Mei'er  führt  zwei  Aptychus-Arten  (A.  imbricatus 
und  A.  laevis)  an,  die  er  in  derselben  Ammoniten-Art  gefun- 
den habe,  und  bildet  sie  auch  so  in  seiner  Abhandlung  ab. 
Aber  selbst  wenn  diese  Thatsache  ganz  ausser  Zweifel  ge- 
setzt wäre,  so  würde  sie  keinen  unumstösslichen  Beweis 
gegen  meine  Ansicht  bieten,  da  ja  die  eine  jener  zwei  Arten 
einmal  zufällig,  wie  so  manche  andere  Körper,  in  die  Mün- 
dung eines  fremden  Ammoniten  gespühlt  worden  seyn  könnte. 
Aber  die  zwei  Ammoniten,  welche  H.  w  Meter  anführt 
und  abbildet,  sind  unbestimmbar;  der  in  Fig»  12  seiner  Tafel 
abgebildete  könnte  wohl  aus  der  Familie  der  Planulaten,  der 
in  Fig.  5  irgend  ein  Macrocephale  seyn.  Das  Strasburger 
Museum  besitzt  einen  Ammoniten,  der  ebenfalls  ein  Macro- 
cephale zu  seyn  scheint  und  einen  Apt  laevis  einschliesst*  **) 

*)  Fossile  Deckel  kenne  ich  nur  in  tertiären  Bildungen  :  hauptsäclilicii 
von  Turbo  rugosus,  kaum  2—3  von  andern  verwandten  Arten  ; 
dann    von    P  a  1  u  d  i  n  a    i  ni  p  u  r  a  u.  e.  a.  A.   (Figline  etc.) 

Br. 
**)    Ich  besitze  einen  Apt.   imbricatus  in  einem  Ammonites  fle- 
xuösus  voü Solenhof eit  der L^ugQ  nach  auf  der  Seite  liegend.    Br. 


-     311     — 

Auch  wendet  man  ein,  es  seye  sich  zu  wundern ,  dass 
man  eine  so  grosse  Zahl  Ammoniten-,  und  doch  erst  so 
wenige  Aptychus-Arten  kenne,  die  ihre  Deckel  seyn  sollen. 
Wirklicli  hat  man  auch  bisher  nur  etwa  12  Aptychus-Arten 
beschrieben  und  abgebildet,  doch  zweifelsohne  desswegen, 
weil  man  zu  wenig  Aufmerksamkeit  auf  sie  gerichtet  und  sie 
nicht  gesammelt  hat.  Denn  seit  der  kurzen  Zeit,  da  ich  auf 
diesen  Gegenstand  aufmerksam  geworden  bin,  habe  ich  allein 
schon  12  neue  Aptychus-Arten  gefunden.  Auch  ist  nicht 
gesagt,  dass  alle  Ammonlten-Arten  Deckel  haben  mussten. 
D'Orbignv  hat  so  eben  in  der  Beschreibung  der  auf  seiner 
Reise  beobachteten  Arten  von  Atlanta^  einem  den  Ammoniten 
mehrfach  verwandten  Geschlechte,  nachgewiesen,  dass  diese 
Thiere  je  nach  Verschiedenheit  der  Arten  ohne  oder  mit 
einem  Deckel  versehen  sind,  und  dass  sich  derselbe  sogar 
bei  der  nämlichen  Art  nicht  immer  vorfindet,  sondern  leicht 
verloren  zu  gehen  scheint. 

Eine  fernere  Einwendung  ist  daraus  entnommen  worden, 
dass  man  nicht  immer  eine  Beziehung  zwischen  der  Anzahl 
und  den  Arten  der  Ammoniten  und  der  Aptychen  einer  Ab- 
lagerung wahrnehmen  und  die  beiderseitigen  Arten  so,  wie 
sie  zusammengehören,  zusammenfinden  könne.  Man  muss  sich 
aber  erinnern,  wie  ich  schon  anführte,  dass  wohl  nicht  alle 
Ammoniten -Arten  mit  Deckeln  versehen  gewesen  seyn  müs- 
sen ;  dass  nicht  alle  diese  Deckel-Arten  durch  ihre  Struktur 
gleich  fähig  waren ,  sich  fossil  zu  erhalten ,  und  dass  auch 
die  ßedingnisse  des  Überganges  in  den  fossilen  Zustand  nach 
Verschiedenheit  der  Schichten  wechselten.  Schlug  sich  näm- 
lich eine  Schichte  mit  Ammoniten  rasch  nieder  und  ehe  diese 
in  Fäulniss  übergehen  konnten,  so  mussten  die  Deckel  in 
denselben  bleiben  ;<^erfoIgte  aber  der  Niederschlag  langsam 
und  die  Fäulniss  noch  vor  dem  Einschlüsse  in  den  kalkigen 
Niederschlag,  so  musste  die  leichte ,  in  den  Kammern  d.  i. 
in  der  Hälfte  ihres  inneren  Raumes  ungefähr  immer  mit 
Luft  erfüllte,  Schaale  sich  zur  Oberfläche  des  Wassers  erheben 
und  für  immer  aus  der  Schichte  verschwinden,     in  welcher 


—     312    — 

der  herausfallende  schwerere  Deckel  zurückbleiben  konnte. 
So  kann  es  geschehen,  dass  eine  Schichte  reich  an  Ammoniten- 
Deckeln  und  doch  ohne  Ammoniten  ist.  Schlug  sich  endlich 
die  Schichte  massig  langsam  nieder,  so  musste  die  mehr 
derbe  oder  mehr  gallertige  Beschaffenheit  der  verschiedenen 
Arten  einen  wesentlichen  Einfluss  auf  die  weiteren  Vorgänge 
ausüben.  Die  Ammoniten ,  welche  ein  derberes ,  der  Zer- 
setzung länger  widerstehendes  Fleisch  besassen,  blieben  mit 
Schaale  und  Deckel  auf  dem  Meeresgrunde  in  der  dort  ent- 
stehenden Schichte  zurück,  während  die  Arten  mit  zarterem^ 
rascher  faulendem  Fleische  daselbst  nur  ihre  Deckel  hinter- 
liessen.  Sbgar  die  verschiedenen  Theile  eines  und  desselben 
Ammoniten  konnten  einer  verschieden  raschen  Zersetzung 
fähig  gewesen  seyn,  und  so  mag  mitunter  die  schon  fast  leer 
gewordene  Ammoniten- Schaale  sich  im  Wasser  gehoben  ha- 
ben, während  der  Deckel  mit  dem  derberen  noch  unzersetz- 
ten  Fusse  auf  dem  Grunde  zurückblieb  und,  in  dem  sich 
bildende  Gesteine  eingeschlossen,  noch  jene  Eindrücke  be- 
wahrte, welche  man  zuweilen  noch  an  A.  1  a  e  v  i  s  wahr- 
nimmt. 

Bisher  hatte  man  nur  kleine  Deckel  selbst  in  denjenigen 
Schichten  gefunden ,  welche  grosse  Ammoniten  bewahren, 
was  sich  zum  Theile  aus  dem  schon  Gesagten  erklären  lässt. 
Jedoch  habe  ich  kürzlich  durch  die  Herren  Dr.  Hartmann 
und  Grafen  Mandelsloh  auch  mehrere  Aptychen  aus  dem  Lias 
von  Boll  und  Metzingen  erhalten,  welche  alle  sehr  gross 
sind.  So  besitzt  jeder  Lapjjen  meines  A.  latifrons 
O^OO  Länge  auf  0"033  Breite:  Dimensionen,  welche  den 
Mündungen  gewisser  Ammoniten  in  jenen  Liasschichten  ent- 
sprechen *). 


*)  Vergl.  V.  Meysr  unten,  S.  315. 


Briefwechsel. 


Mittheilungeii,  an  den  Geheimenrath  v.  Leonhard 

gerichtet. 

Krakow,  11.  Febr.  1837. 
Verschiedene  Umstände  hielten  mich  den  vergangenen  Sommer  zu 
Hause:  nur  einige  kleine  Ausflüge  in  der  Umgegend  und  ins  benach- 
barte Oberschlesien  konnte  ich  unternehmen.  Ich  fand  mehrere  Saurier- 
Knochen  im  Muschelkalk ;  leider  aber  nirgends  etwas  Deutliches.  Zu 
Drieckowice  an  der  Przemsa  sind  die  Knochen  gut  erhalten  und  voll- 
ständig^ die  von  Jawort&no  gewöhnlich  zerbrochen,  die  Theile  halten 
zusammen ,  aber  ein  schwacher  Schlag  sprengt  die  Stücke  auseinander. 
Im  nahen  Dorfe  S%c%akowa  sind  Knochen  eine  Seltenheit.  Bei  Königs- 
hütte  um  Tarnoivitii  kommen  die  Knochenreste  in  kolossalerem  Maas- 
stabe vor;  Vieles  hat  Hr.  Mentzel  gesammelt,  und  wir  erwarten  in 
Kurzem  seine  Beschreibung.  Was  die  Lagerungs- Verhältnisse  des  Tar~ 
ttowitzer  Muschelkalks  betrifft,  so  linde  ich  sie  den  Polnischen  vollkom- 
men entsprechend.  Grauer  Kalkstein,  der  oft  mergelig  wird  und  dann 
Neigung  zum  Schiefrigen  hat,  mit  charakterischen  Petrefakten  des  Ge- 
steins, wieAmmonites  nodosus^  Encrinites  liliiforrais,  Lin- 
gula  tenuissima,  Plagiostoma  striatum,  Mytulitessocia- 
lis  bildet  die  Unterlage.  Darauf  folgt  die  Erzlage,  welche  in  Tarno- 
wit'&  nur  aus  Bleiglanz  besteht;  in  Polen  ist  das  Bleiglanzlager  unter- 
geordnet und  gewöhnlich  sehr  dünn  oder  im  kohlensauren  Zinklager 
eingesprengt.  Die  Bleierze  sah  ich  stets  im  untersten  Lager.  Das 
Bleiglanzlager  von  Tarnowit^ ,  einige  Zoll  mächtig,  verfliesst  in  den 
aufgelagerten  körnigen  Dolomit ;  in  Polen  bedeckt  Dolomit  das  Galmai- 
Lager. 

Zkuschner. 


—     314     — 


Berlin,  23.  April  1837. 
Herr  Professor  Weiss  beklagte  sieh  gegen  mich  über  den  Schluss 
meines  Aufsatzes  im  Isten  Hefte  Ihres  Jahrbuchs  für  1837  (S.  9).  Es 
ist  dieser  Schluss,  wie  Sie  aus  einer  Randbemerkung  des  Manuskriptes 
ersehen  haben  werden ,  allerdings  ein  späterer  Zusatz  zu  dem  von  mir 
in  Jena  gehaltenen  Vortrage,  und  Hr.  Pr.  Weiss  hat  daher  in  Jena  nicht 
Gelegenheit  gehabt,  dagegen  zu  sprechen;  er  betrachtet  nämlich  die  Phä- 
nomene von  Zscheila  als  ganz  unabhängig  von  denen  von  Hühnstein  und 
Weinböhla ,    über  welche  letztere  er  seiue  Ansichten  nie  verändert   hat. 

Bermhard  Cotta. 


Mittheilmigen  5  an  Professor  Bronn  gerichtet. 

Frankfurt,  4.  April  1837. 

Verflossenen  Spätherbst  hielt  ich  mich  ein  paar  Wochen  in  Bayreuth 
auf,  um  in  den  Reichthümern  der  Sammlungen  des  Herrn  Grafen  zu 
Münster  und  der  Regierung  des  Obermainkreises  zu  schwelgen.  Solche 
Sammlungen  sollten  in  allen  Kreisen  Bayern^s  bestehen.  Dieses  Land 
amfasst  beinahe  die  ganze  Manchfaltigkeit,  mit  der  die  Geologie  ausge- 
stattet ist.  Welche  Annehmlichkeit  wären  daher  diese  Sammlungen  für 
den  Geologen ,  und  welcher  Gewinn  für  Land  und  Wissenschaft !  Sie 
wären  einer  Zcntral-Sammlung,  aus  dem  ganzen  Lande  an  einen  Ort  zu- 
sammengeführt, weit  vorzuziehen.  Dem  Herrn  Präsidenten  vonAndriapj 
und  dem  Herrn  Grafen  zu  Münster  verdankt  der  Obermainkreis  die 
Errichtung  und  fortwährende  Vervollständigung  einer  ausgezeichneten 
Kreissammlung,  welche  besonders  an  Versteinerungen  reich  ist. 

Der  Hauptzweck  meiner  Reise  nach  Bayreuth  war,  die  Schatze  an 
fossilen  Knochen  von  Sauriern,  welche  dort  aus  dem  Muschelkalk 
angehäuft  sind,  und  vom  Herrn  Grafen  zu  Münster  und  mir  gemeinschaftlich 
veröffentlicht  werden,  näher  kennen  zu  lernen.  Daneben  habe  ich  manche 
andere  Notitz  gesammelt.  Mein  Eryon  Hartmanni  scheint  für  den 
Lias  sehr  bezeichnend;  er  liegt  nicht  nur  in  der  Nahe  von  Göppingen, 
woraus  ich  das  prachtvolle  Exemplar  beschrieben ,  sondern ,  nach  den 
Bayreuther  Sammlungen  auch  im  Ahornthal  bei  Rabenstein  und  bei  Ba7i% 
im  Lias.  Da  ich  der  Krebse  gedacht  habe,  so  will  ich  Ihnen  auch  mit- 
theilcn  ,  dass  ich  in  diesen  Sammlungen  eine  dritte  Species  meines  Ge- 
nus Prosopon  aus  den  Mergelschichten  des  untern  Coralrags,  dem  so- 
genannten Scyphien-Kalke ,  bei  Streitberg  gefunden  habe  ;  sie  scheint 
nicht  sehr  selten  zu  seyn  ,  ich  nenne  sie  Pr.  siraplex.  Auch  besitzt 
Graf  zu  Münster  meine  Glyphea  pustulosa  aus  dem  Coralrag  von 
Derneburg  und  von  Wendhausen  bei  Hildesheim,  und  aus  ersterera 
noch  Fragmente  einer  Glyphea,  welche  von  der  Gl.  Dressieri  nicht 
verschieden  zu  seyn  scheint.    Ein  ganz  ähnlicher  Cephalothorax  wie  der, 


—     315     — 

welchen  Herr  Graf  Mandelsloh  m-r  aus  dem  Farrenberf/  bei  Mossinyen 
zuerst  mitgetheilt,  und  woraus  ich  die  Species  Glyphea  Mandels« 
lohii  bildete,  liegt  in  der  Kreissammlung  in  Bayreuth  aus  dem  Oxford- 
thon  von  Rabenstein  und  Thurnau ;  aus  demselben  Gebilde  rührt  auch 
ein  Fragment  her,  welches  entweder  der  Glyphea  ventrosa  oder 
einer  dieser  sehr  nahe  stehenden  Species  angehört ;  das  Fragment  ist 
zu  unvollständig,  um  darüber  gewisser  zu  entscheiden.  Die  Beiträge, 
welche  ich  fortwährend  für  die  Genera  fossiler  Krebse  erhalte,  mit  de- 
nen ich  mich  zu  beschäftigen  begonnen ,  hielten  mich  bisher  von  deren 
Publikation  ab.  Erst  kürzlich  noch  theille  mir  Herr  Bergrath  von  Al- 
BERTi  einen  Crustaceen  aus  der  untern  Abtheilung  des  Lias  von  Tritt' 
lingen  bei  Rottweil  mit,  welcher  auch  zu  meinem  Genus  Giyphea  ge-» 
hört  und  die  giösste  Species  bildet,  welche  mir  bis  jetzt  davon  vorge* 
konnnen  ist,  wesshalb  ich  sie  auch  Gl.  g r  a n  d i s  benannt  habe  ;  es  ist  diess 
nun  die  zweite  Glypheen-Species  aus  dem  Lias.  Sie  sehen  hieraus,  wie 
zahlreich,  wie  verbreitet  und  wie  bezeichnend  dieses  Genus  ist.  Anden 
Specien  ist  nicht  zu  zweifeln.  Bei  ihrer  Errichtung  habe  ich  es  mir 
besonders  angelegen  seyn  lassen,  alle  die  Täuschungen  zu  beseitigen, 
zu  welchen  die  Kruste  solcher  Thiere  im  versteinerten  Zustande  verlei- 
ten könnte  (Lethäa  S.  478). 

Im  „Institut'^  werden  Sie  das  Ausführliche  über  die  Ansicht  gelesen 
haben,  welche  unser  verehrter  Freund  Voltz  von  meinem  Genus  Aptychu& 
hat*).    Ich  werde  Ihnen  demnächst  für  das  Jahrbuch  Einiges  mittheilen, 
was  sich  der  Annahme  entgegenstellt,     dass    diese  Versteinerungen    die 
Deckel  von  Ammoniten  sind,  und  das  hauptsächlich  auf  der  grossen  An- 
zahl von  Exemplaren  beruht,  welche  die  MüiNSTER'sche  Sammlung  besitzt, 
Zu  meinem  Isocrinus  scheinen  Sie  kein  rechtes  Vertrauen  zu  be- 
s^itzen,    weil  Sie    in  Ihrer  trefflichen  Lethäa  (S.    268)  ihn  dem  Penta- 
crinus  cingulatus  einverleibt  haben '•"O«    Wenn  irgend  ein  Crinoidenr 
G«nus  selbsständig  ist,    so  ist  es  Isocrinus.     Ich  habe  micii  während 
meines  letzten  Aufenthaltes  in  Bayreuth  in  den  Materialien  der   dortigep 
Sammlungen,  auf  denen  die  Errichtung  der  beiden  genannten  Pentacrinen 
beruht,  überzeugt,  dass  von  denselben  bis  jetzt  keine  Kronentheile  vorliegen, 
sondern  nur  Stielglieder ,    welche  vielleicht  eher  dem  Isocrinus  als  dem 
Pentacrinus  angehören.     Von    der    Trüglichke|it    der   Schlüsse    aus  Stiel- 
gliedern auf  das  Genus  sind  Sie  in  Ihren  Forschungen  über  die  Crinoi- 
den-Reste  aus  dem  Muschelkalk  (Jahrb.  1887,  S.  30)    selbst  überzeugt. 
Es  gehören  wirklich  die  fünfeckigen  oder  fünfblätterigen  StielgUeder  eben 
so  wenig  ausschliesslich  dem  Genus  Pentacrinus  an,  als  die  runden  dem 
Encrinus  ;    die    verschiedensten    Crinoideen    können    grosse    Ähnlichkeit, 
und  ein  und  dasselbe  Genus  in  seinen  Spezien  grosse  Verschiedenheit  in 


-=)  Vgl.  S.  304. 

«*)  Der  Grund  der  Anführung  unter  Pcntacr.  cingulatus  lag  in  der  ji.  >i,  0, 
angedeuteten  Ansicht  von  Voltz  in  einer  Zeit,  wo  ich  selbst  von  diesem  Thiere 
nur  den  Namen  kannte.  Denn  den  angeführten  Brief  (  Jahrjj.  1836,  5?)  hatte  ich 
«rst  wrährend  des  Abdruckes  diese  Stelle  der  Lethäa  erhalten  und  daher  keinen 
weitern  Gebrauch  mehr  davon  machen  können,  als  darauf  zu  verweisen.        Br. 


—     316     — 

Betreff   der   Form    und    Zeichnung   cer  Stielglieder    darbieten.     Als  ich 
Quenstedt's  Abhandlung    über    die  Encriniten    des  Muschelkalks    durch-^ 
nahm,  um  den  Encrinites  Schlotheimii  mit  dem  Isocrinus  zu  vergleichen, 
überzeugte    ich    mich ,    dass    erstere  Form    kein  wirklicher  Encrinus   ist. 
Sie    gehört    einem    neuen    Genus    an,    das    ich  Chelocrinus  nenne; 
diese  Form   ist  Chelocrinus  Schlotheimii.     In    dasselbe  Genus 
gehört  auch  Ihr  Encrinus  pentactinus,    der  eine  zweite  Species, 
Ch.  pentactinus,  bildet.    Im  Chelocrinus  sitzen  nämlich  dein  letzten 
der  drei  Glieder,     welche  die  fünf  Strahlen  um  den  Stiel  herum  bilden, 
zwei  Reihen    kleinerer  Glieder  auf,    und  erst    das    letzte  dieser  Glieder 
träo-t  die  zwei  Reihen  Endstrahlen  ,     deren  Glieder  bei  weiterer  Entfer- 
nung  vom    Zentrum    durch    allniühlichen    Übergang    zweizeilig   werden  ; 
während  im  Encrinus  diese  eigenthümlichen  Endstrahlen   unmittelbar   in 
das  letzte  der  drei  Glieder,  welche  die  fünf  Strahlen  um  den  Stiel  herum 
bilden,  einlenken.     Ersterer  Typus  des  Chelocrinus ,    in  ihrem  Encrinus 
pentactinus     rein     entwickelt    und    im    Encrinus    Schlotheimii     vorherr- 
schend*), ist  also  verschieden  von  dem,  nach  welchem  die  Krone  des  En- 
crinus   gebildet   ist.     Eine  weiter  durchgeführte  Vergleichung  soll  meine 
Beschreibung  des  Isocrinus  enthalten. 

Herr  Dr.  Engelhardt  in  Nürnberg  brachte  zur  Versammlung  der 
Naturforscher  in  Stuttgart  einige  Knochen  von  einem  Riesenthier  aus 
einem  Breccien-artigen  Sandstein  des  obern  Keupcrs  seiner  Gegend.  Der- 
selbe hatte  die  Gefälligkeit ,  mir  alle  Knochen ,  welche  aus  diesem  Ge- 
bilde herrühren,  mitzutheilen.  Ich  habe  sie  bereits  untersucht  und  die 
besten  davon,  welche  in  fast  vollständigen  langen  Gliedmassenknochen 
und  in  Wirbeln  bestehen,  abgebildet.  Dieser  Fund  ist  von  grossem  In- 
teresse. Die  Knochen  rühren  von  einem  der  riesenmässigsten  Saurier 
her  welcher  zufolge  der  Schwere  und  Hohlheit  seiner  Gliedmassenkno- 
chen dem  Iguanodon  und  Megalosaurus  verwandt  ist,  and  in  die  zweite 
Abtheilung  meines  Systems  der  Saurier  gehören  wird.  Keiner  seiner 
Verwandten  war  bisher  so  tief  im  Europäischen  Kontinent  und  aus 
einem  so  alten  Gebilde  bekannt.  Diese  Reste  gehören  einem  neuen 
Genus  an,  das  ich  Plateosaurus  nenne;  die  Species  ist  PI.  Engel- 
hardti.    Das  Ausführliche  darüber  werde  ich  später  bekannt  machen. 

Noch  muss  ich  Ihnen  mittheilen,  dass  ich  bei  Untersuchung  vieler 
vereinzelten  Knochen  von  Pterodactylus  aus  dem  Lias  der  Gegend 
von  Bayreuth  entdeckt  habe,  dass  einige  derselben  mit  Luftlöchern  ver- 
sehen sind,  wie  gewisse  Vögelknochen,  wodurch  eine  neue  Seite  der 
Annäherung  zu  diesen  gegeben,  aber  auch  eine  Verwechselung  mit  Vö- 
gelknochen  noch  leichter  möglich  ist. 

Herm.  V.  Meyer» 


*)  Vorherrschend  doch  wohl  nicht,  da  von  2  Armen  des  C  h.  Schlotheimii  immer 
nur  einer  sich  wieder  unterabtheilt.  An  diesem  würde  also  abwechselnd  einer  der 
zehn  Arme  zu  Encrinus,  der  andere  zu  Chelocrinus  gehören  ?  und  seine  Stellung 
in  eines  der  zwei  Genera  ganz  wällkührlich  seyn  ,  \venn  man  nicht  dennoch  die 
Säule  als  generisches  Merkmal  zu  Hülfe  nehmen  will.  *  Br. 


—     317     — 

Paris,  11.  Febr.  1837. 

Geschäfts-Überhäufuiig  hat  mich  abgehalten,  Ihnen  noch  vor  meiner 
Versetzung  hicher  als  Inspecteur  general  adjoint  au  corps  royal  des 
mines  zu  schreiben ;  doch  werden  Sie  die  drei  Tafeln  erhalten  habeiif 
welche  zu  meiner  Arbeit  über  die  Ceph  alopoden  •  Schaalen  gehören^ 
die  nächstens  nachfolgen  wird.  Auch  einen  Aufsatz  über  Aptychus 
werde  ich  Ihnen  in  Kurzem  senden.  —  Die  fünfte  Lieferung  des  Me- 
moires  de  la  Suciete  d'histoire  naturelle  ist  ihrer  Vollendung  nahe.  In 
paläontologischer  Hinsicht  enthält  sie  eine  Abhandlung  von  Duvernoy  über 
einen  fossilen  Du  gong  in  der  Molasse  von  Räder  sdorf  \m  Oberrhein" 
Dept. ,  —  die  Arbeit  von  H.  v.  Meyer  über  die  fossilen  Saurier  dca 
bunten  Sandsteins  von  Sulzbad,  —  eine  Notitz  von  mir  über  denselben 
Sandstein ;  —  im  botanischen  Theile  derselben  wird  Schimper  gar  deut- 
lich nachweisen,  dass  der  Schieferthon  dieses  Gebildes  das  Produkt  der 
meteorologischen  Phänomene  des  Frühlings,  der  Sandstein  selbst  aber 
derjenigen  des  Winters  ist,  was  wohl  in  Sandsteinbildungen  ziemlich  all- 
gemein seyn  dürfte.  Daher  mag  es  auch  wohl  kommen ,  dass  in  den 
Steinkohlen  -  Schiefern  die  Filiciten  so  selten  Fruktifikationen  zeigen. 
Wohl  haben  schon  mehrere  Geognosten  dieses  gesagt,  aber  noch  nie  hat 
sich  die  Sache  so  evident  dargestellt,  wie  im  bunten  Sandstein  von 
Sulzbad. 

Aus  der  Umgegend  von  Neuchätel  in  der  SchweiH  und  von  Com- 
mercy  im  Mtias-Dept.  habe  ich  wieder  mehrere  neue  Nerin  ea-Arten  er- 
halten, nämlich  N.  turritella,  N.  subdepressa,  N,  scalata,  N. 
turris  und  N.  perforata. 

VoLTZ. 


Cassel,  23.  Febr.  1837. 
Hiebei  erhalten  Sie  einige  Versteinerungen  von   Helgoland ,    wo   die 
Kürze  meines  Aufenthaltes    mir    nicht  gestattete,  mehr  zu  sammeln.     Es 
befindet  sich  eine  Terebratula  darunter,  die  ich  für  T.  deprcssa  halte*). 


*)  Diese  Art  hat  sich  nicht  vorgefunden.  Die  erhAltenen  Ve^^teinerungen,  abgesehen 
von  einigen  mir  völlig  unbestimmbaren  Stücken,  bilden  einen  Nachfrag  zu  den  im 
Jahrb.  1832,  S.  173  und  1835  S.  416  und  418  bereits  gelieferten  Bestimmungen.  Die 
Belemniten  sind  auch  diessmal  sehr  abgerollt,  doch  nicht  ganz  undeutlich  ge- 
worden. Einer  ist  nach  Form,  Alveole,  Spalt  und  zwei  seitlichen  Depressionen  an 
der  ihm  entgegengesetzten  Seite  der  B.  mucronatus  der  Kreide;  ein  anderer 
gleich  über  der  Alveole  abgebrochener  ohne  Spalt  und  Rinne  besitzt  auf  jeder  Seite 
eine  Doppellinie  ,  welche  ihrer  ganzen  Länge  nach  um  den  vollen  Halbmesser  von 
einander  entfernt  bleiben,  wie  bei  einer  dem  Actinocamax  fusiformis  nahe  stehen- 
den Art  der  Kreide  bei  (  Castellune  Basset  Alpes )  ;  —  zwei  andere ,  deren 
grösster  3"  4'"  lang  und  6"  dick,  an  der  bis  zu  1/3  Länge  hinaufreichen- 
den Alveole  zusammen,  gegen  die  Spitze  flach  gedrückt  ist,  zeigen  eine  flache, 
breite  Rinne  von  der  Spitzle  bis  in  die  Alveolen-Gegend,  wo  sich  dieselbeverliert; — 
dann  ein  A  m  m  o  n  it ,  dem  A.  navicularis  Sow,  aus  der  Kreide  ähnlich,  der  ganz 
erhalten  4"  Durchmesser,  liy/j"  Dicke,  einen  fast  kreisrunden  Queerschnitt  der  Um- 
gänge und  einfache,    etwas  scharfe,    gani  um  die  Unig.änge  herumziehende  Rippen 

Jahrgang  1837.  21 


—     318     — 

Bei  dieser  Gelegenheit  kann  ich  nicht  unterlassen  ,  Ihnen  ein  hüb- 
sches Vorkommen  von  Schwefelkies  mitzutheilen.  Bei  einem  meiner  Helgo- 
lander Belemniten  sind  nämlich  mehrere  Scheidewände  des  Alveoliten 
in  dieses  Mineral  verwandelt  und  sehen  aus ,  wie  das  feinste  Messing- 
blech. Ihre  obere  Fläche  ist  vollkommen  glatt  und  polirt ,  die  untere 
rauher,  und  den  sehr  feinen  Sipho  kann  man  deutlich  sehen.  Die  ganz 
abgeschlossene  Spitze  des  Alveoliten  enthielt  Blätter  von  2'"  im  Durch- 
messer und  darüber  von  schwärzlich  stahlgrauer  Blende,  wie  eine  Unter- 
suchung meines  Freundes,  des  Professors  Wöhler,  ausser  Zweifel  setzte« 
Auch  in  andern  Exemplaren  fand  ich  einzelne  Blättchen  von  Blende  oft 
noch  festsitzend.  Beide  Schwefelmetalle  haben  sich  wohl  unstreitig  aus 
schwefelsauren  Salzen  vermittelst  der  Reduktion  derselben  durch  die 
übrig  gebliebene  animalische  Substanz  des  Belemniten  gebildet. 

R.  A.  Philippi. 


Krakow,  12.  März  1837. 

Meine  Terebrateln  konnte  ich  erst  jetzt  an  Sie  abschicken,  da  eine 
schwere  Krankheit  mich  2  Monate  lang  zur  Arbeit  unfähig  machte.  — 
Im  verflossenen  Sommer  besuchte  ich  von  Neuem  Sanka  und  überzeugte 
mich,  dass  die  grosse,  früher  für  Pecten  bestimmte  Versteinerung 
Lima  proboscidea  ist.  Sie  findet  sich  als  schmale  und  als  runde 
Varietät,  diese  zuweilen  von  1'  Durchmesser.  Neben  ihr  Hegen  eine 
Menge  der  langen  Fortsätze ,  welche  nicht  hohl ,  sondern  mit  gelbem 
feinkörnigem  Kalkstein  ausgefüllt  sind. 

Auf  einer  meiner  letzten  Karpathen-Reisen  habe  ich  auch  die  Ver- 
steinerungen -  führenden  Schichten  von  Szafiary  und  Rogoznik  an  der 
Tatra  wieder  besucht  und  sehr  viele  Versteinerunfc;;en,  besonders  A  m- 
nioniten  gesammelt,  welche  ohne  allen  Zweifel  Arten  der  Oolithe, 
nicht  der  Kreide  sind,  wornach  denn  auch  der  Karpathen-Sandstein  nicht 
als  Glied  des  Grünsandes  angesehen  werden  darf,  wie  allgemein  ge- 
schehen war.  W^elche  Stelle  aber  der  Karpathen-Sandstein  in  der  Ooli- 
then  -  Reihe  einnefime ,  konnte  ich  noch  nicht  ermitteln.  Viele  der  von 
mir  gesammelten  Ammoniten  gehören  der  untern  Schichte  derselben,  und 
zwar  dem  Inferior-Oolithe  an. 

Zeuschner. 


Paris,  21.  März  1837. 
Ich    bin    von    der  Reise    nach  Russland   und   der  Türkei,     die    ich 
vorigen    Sommer    unternommen,    zurückgekehrt,    und    habe    über    meine 


mit  rnnclen  breiteren  Zwischenfurchen  besitzt;  Bruchstifcke  von  2  —  3  andern 
Arten  J —  Eisenstein-Kerne  einer  ?  R  o  st  e  1  1  a  r  i  a  und  eine  grosse  Nucula, 
N,  myoidea  MüJtsr.  oder  N.   Ha  mm  er  i  Defr.  ans  ünteröolith  und  Lias. 

Broun. 


—     319     — 

Beobachtungen  in  der  Krimm  eine  Verlosung  bei  der  geologischen  Sozietät 
gehalten,  welche  demnächst  gedruckt  werden  wird.  Ich  habe  viele  fos- 
sile Reste  in  den  neuesten  tertiären  Bildungen  gesammelt,  welche  die 
Steppen  Süd-Russlands  von  der  Mündung  der  Donau  an  bis  zum  Kaspi- 
sehen  Meere  bilden.  Viele  dieser  Arten  sind  neu ;  Deshayes  befasst  sich 
mit  ihrer  Beschreibung  und  wird  diese  meiner  Abhandlung  anschliessen  • 
die  wichtigsten  Arten  werden  abgebildet  werden.  Ich  bin  jetzt  gänzlich 
mit  dem  Studium  der  Übergangs-Formationen  beschäftiget,  und  werde 
nächsten  Sommer  nach  Deutschland  kommen,  um  solche  auch  dort  näher 
kennen  zu  lernen.  Später  gehe  ich  nach  Amerika,  um  solche  in  beiden 
Hemisphären  zu  vergleichen.  —  D'Orbigny  ist  jetzt  an  seiner  ausführ- 
licheren Arbeit  über  die  mikroskopischen  Poly  thalamien,  so  wie  an  einer 
andern  über  die  Krinoideen,  worin  er  alle  bisherigen  Leistungen  dar- 
liber  zu  erschöpfen  beabsichtiget;  er  besitzt  mehrere  neue  Arten,  und 
schöne  Exemplare  von  Apiocriniten.  —  Deshayes  wird  nach  Belgien 
reisen  und  die  vielen  neuen  Arten  aus  der  Kreide  dieses  Landes  zeich- 
nen lassen  ,  um  sie  später  bekannt  zu  machen.  Das  wird  ein  schönes 
Werk  geben ,  dessen  Erscheinen  sich  aber  noch  lange  hinausziehen  kann.  — 
BouE  will  gegen  Ende  Aprils  in  die  Türkei  zurückkehren,  er  wird  die 
östliche  Bulgarei  besuchen,  den  Balkan  von  Sophia  bis  zum  schwar- 
zen Meere  und  die  Ufer  des  Bosphorus  bereisen. 

Ed.  de  Verneüil. 


21 


Neueste   Literatur. 


A.    Bücher. 


1836. 


A.  F.  Besnard:    das  Titan  und  seine  Verbindungen,   eine  Inaugural-Ab« 

Handlung.    München,  30  SS.  8**. 
Carte  geulogiqne  du  dept  de  la  Manche ^   l.feuille  grand-aigle,    color. 

Paris  [5  fr  ]. 
E.  F.  Germar  :    Insectorum   protogaea   specimen   (19tes  Heft  der  Fauna 

Insectorum  Europae).     Halae  8^  [ifl.  24kr.]. 
Grateloup  :  Memoire  de  geo-zoologie  sur  les  Oursins  fossiles  (Echinides), 

qui  se  rencontrent  dans  les  terrains  calcaires  des^  environs  de  Dax, 

Bordeaux,  90  pp,,  1  pl.  8^, 
HiLDRETH :    observations  on    the   bituminous   coal   deposits   of  tbe  Valley 

of  Ohio  and  the  accompanying  rock  strata.     Marietta,  166  pp.  8**. 
Ph.  Joannis  :    Untersucliungen  von  den  Stein-  und  Staub-Niederschlägen 

und    den    damit    verbundenen    Meteoren.      Eine    Inaugural  -  Schrift. 

München  8°   100  SS.  [48  kr.]. 
J.  Thürmann  :    Essai    sur    les    soulevemens   jurassiques ;    second  cahier. 

Porrentruy  51  pp.  4*^  (mit  2  Tafeln  von  Profilen  und  einer  grossen 

Karte). 

1837. 

H.  Abich:  Vues  illustratives  de  Phenomenes  geologiques  observes  sur 
Ic  Vesuv  et  VEtna  pendant  les  annees  1833  et  1834,  Berlin,  oder 
—  erläuternde  Abbildungen  geologischer  Erscheinungen  am  Vesuv  und 
ÄtnaeXc,  8  Seiten  doppelten  Textes  mit  10  lith.  Tafeln  in  gr.  fol. 

W.  BucKLAisD :  die  Urwelt  und  ihre  Wunder  (ein  Theil  der  Bridgewater- 
Bücher),  a.  d.  Englischen  übersetzt  von  Friedr.  Werner;  mit  vie- 
len Abbildungen.  Stuttgart,  8",  erste  Lieferung,  [werden  5—6  Lieff. 
zu  48  kr.  seyn]. 


—     321      — 

Ch.  LvELt:  Priiiciples  ofGeology,  5tli  edition,  with  numerous  addJtions 
and  improvements  aud  62  new  ülustrations.  IV.  voll.  12",  London 
[l  Pf.  8  sh.]. 

Da  Rio:  Catalogo  ragi'onato  delle  roccie  e  delle  altre  produzioiii  mine- 
rali  dei  monti  Euganei  tratto  dali'  „Orittologia  Euganea"  Padova,  4<>. 

A.  F.  WiEGMANN  sen.:  über  die  Entstehung,  Bildung  und  das  Wesen 
des  Torfes  (von  der  Berliner  Akademie  gekrönte  Preisschrift),  nebst 
einem  Anhang  über  die  Entstehung,  Bildung  und  das  Wesen  der 
Raseneisensteine  und  das  erdige  Eisenblau.  BtuiunschiVi^ig,  90  SS.  8**. 

B.    Zeitschriften. 

1.  Transactions  of  the  Geological  Society  of  London. 
(London  4**), 

1837,  IV,  2.     (vergl.  Jahrb.  1836,  S.  366.) 

W.  H.  Fitton:     Beobachtungen  über  einige  dpr  Schichten  zwischen  der 

Kreide  und  dem  Oxford-Oolith  in  Südosten   Englands,    nebst  J.  de 

Carle  Sovverby's  Beschreibung  der  abgebildeten  Konchylien,  S.  103 

bis  378,  Taf.  VII  —  XXIII. 
Th.  Bell:    Zoologische   Beobachtungen' über  eine   neue   fossile  Art  von 

Chelydra  von  Öningen,  S.  379—  382,  Taf.  XXIV. 
A.  Sedgwick:     über    die   New-red-sandstone-Reihe    im  Becken  des  Eden 

und  an  den  N.W.-Küsten  von  Cumberland  und  Lancashire,    S.  383 

bis  408,  Tf.  XXV. 
W.  H.  SvKES :    über  einen  Theil  von  Diikhun  in  Ostindien,  S.  409—432, 

Tf.  XXVI,  XXVII,  XXVIII     (vergl.  Jahrb.  1833,  S.  361). 
L.  HoRNER  :     über   die  Geologie    der    Gegend    von  Bonn,  S.  433  —  481, 

Tf.  XXIX. 

2.  Memoires  de  la  Societe  geologique  de  France,  Paris  4^ 
(vgl.  Jahrb.  1835,  S.  77). 

1835,  11,  I. 

J,  Levallois:  Identität  der  Formationen,  welche  in  Hier  Lorraine  und  in 
Schwaben  den  Gryphiten-  vom  Muschel-Kalk  trennen,  S.  1 — 28. 

Ch.  Leveille  :  geologische  Wahrnehmung  über  einige  an  Konchylien 
sehr  reiche  Gegenden  auf  den  Grenzen  zwischen  Frankreich  und 
Belgien,  S.  29—40. 

ToüLMOucHE :  erklärende  Bemerkung  über  die  sechste  Tafel  der  geologi- 
schen Karte  des  Ile-  und    Vilaine-De^i.,  S.  41—42. 

A.  BouE  :  Übersicht  der  geologischen  Zusammensetzung  der  Illyrischen 
Provinzen,  S.  43 — 90. 

C.  Prevost:  Bemerkungen  über  die  Insel  Julia,  als  Beitrag  zur  Ge- 
schichte der  Entstehung  vulkanischer  Berge,  S.  91  —  124. 


—     322     — 

1836,  II,  II. 

Dausse  :   Versuch   über   die  Form   und  Zusammensetzung   der  Rousses- 

Kette  in  OisanSf  S.  125—156. 
D'Archiac:  Abhandlung  über  die  Kreide-Formation  im  Südwesten  FranÄ- 

reicJts,  S.  157-192. 
Provana  de  Collegno  :    geologischer  Versuch  über  die  Superga  -  Hügel 

bei  Turin,  S.  193—210. 
Felix  Dujardin  :    Abhandlung   über   die  Erdschichten    in  Touraine  und 

Beschreibung  der  Konchylieu  in  der  Kreide  und  den  Muscbelhaufen 

(faluns),  S.  211—312.    M.  Abbild. 
Cm,  Leveille  :  Beschreibung  einiger  neuen  fossilen  Konchylien  im  DepU 

des  Basses  Alpes,  S.  313— 315,  Taf.  XXII,  XXIIl. 

3.  Annales  des  mines,  1835,  livr.  IV,  bis  1836  livr,  V.  (Vergl. 
Jahrb.  1835,  S.  74)  *) ,  enthält  (ausser  rein  Berg-  und  Hütten-mäo- 
nischen  Aufsätzen  und  Journal-Auszügen). 

1835,  VIII,  I. 

G.  Rose  :  Abhandlung  über  den  Grünstein  und  Grünstein-Porphyr  (aus 
Poggendobff's  Annalen  übersetzt)  S.  3—32.  [Jahrb,  1836,  S.  385.] 

Teploff  :  Übersicht  des  Mineral-Reichthums  des  Russischen  Reichs, 
S.  51—54. 

J.  Burkart:  über  den  Erzgang  und  die  Grubenwerke  von  Veta-grande 
bei  der  Stadt  Zacatecas  in  dem  Mexikanischen  Staate  gleichen  Na- 
mens, S.  55—87,  Tf.  I. 

BouLANGRR  :  Abhandlung  über  die  Zusammensetzung  der  Euphotid- 
Gesteine,  S.  159—168. 

Düfrenoy  :  über  die  geologische  Stelle  des  kieseligen  Gebirges  von  la 
Brie  und  die  Mühlsteine  der  Gegend  von  la  Ferte,  S.  169  — 190, 
Taf.  III. 

1835,  VIII,  II. 

J.  DE  Charpentier:  Notitz  über  die  wahrscheinliche  Ursache  der  Fort- 
bewegung der  Felsblöcke  in  der  Sehweite,  S.  219—236. 

Düfrenoy:  der  Dreelit,  eine  neue  Mineral-Art,  S.  237  —  242  [Jahrb. 
1836,  S.  214.] 

Düfrenoy:  Beschreibung  des  Blei-Gummi's  der  Grube  la  Nussiete  bei 
Beaujeu  {Rhone)  S.  243—246.    [Jahrb.  1836.  S.  216.] 


*)  Es  war  ein  unglückliches  Zasammentreifen  verschiedener  Verhältnisse  ,  welche  einige 
Monate  lang,  aller  unserer  Requisitionen  ungeachtet,  das  Ausbleiben  fast  aller  von 
uns  bezogenen  Journale  veranlassten,  wesshalb  wir  nunmehr,  wie  schon  im  vori- 
gen Hefte,  zu  Nachholungen  gcnöthigt  sind.  Auch  jetzt  f«hlea  uns  noch  V  iii, 
VI  und  VII  dieser  Annalen.  D.  R* 


—     323     — 

Jasikoff  :  Notitz  über  das  Kreide-Gebirare  des  Gouvts.  Simbirsk  in 
Russland;  aus  dem  Russischen  Berg;  -  Journal  übers,  von  Teploff. 
S.  303—316. 

A.  TouLMOUCHE :  Versuch  einer  geologischen  und  mineralogischen  Be- 
schreibung des  Depts.   Ile-et'  Vilaine,  S.  337—368. 

I835j  VIII,  III. 

DvFRENOY :  Über  Kry stalllsation  und  Zusammensetzung  des  L  a  u  m  o  n  i  t  s, 
S.  503—514,  Tf.  IX    (vgl.  S.  332). 

1836,  IX,  I. 

Düfrenoy's  Note  über  ein  Tripel-Schwefel-Hydrat  von  Eisen,  Alaunerde 
und  Kali  aus  der  Solfatara  bei  Neapel,  S.  165  — 170  (vgl.  S.  820). 

—  —  Note  über  den  Apophyllit  des  Puy-de-la-Piquette  iwAuvergne, 
S.  171—172. 

L.  Elib  de  Beaumont  :  Untersuchungen  über  die  Struktur  und  die  Ent- 
stehung des  Ätna's.    Erster  Theil,  S.  175—216,  Tf.  1— V. 

1836,  IX,  II. 

Letebvre  :  geologische  Notitz  über  einige  Punkte  des  Dept.  des  Landes, 
nebst  Bemerkungen  über  die  Dünen  von  Cascogney  S.  245 — 272. 

CoMBES :   Abhandlung  über  die  Salinen  in  Schwaben,  S.  391— 415,  F.  f. 

Alluaud  d.  Ä. :  Notitz  über  das  Quecksilber  von  Peyrat,  Haute  Vienne, 
S.  415—420.  [Jahrb.  1836,  S.  608.] 

1836,  IX,  III. 

C.  Giraud:  Abhandlung  über  die  Ausbeutung  der  Anthrazit- Grube  La 
Rivoire,  S.  427— 448.  ' 

CoMBEs:    über  die  schwäbischen  SaAmen  (Schluss  zu  S.  415),  S.  443— 474. 

L.  Elie  de  Beaümont:  über  den  Ätna,  zweiter  Theil  (zu  S.  216). 
S.  575— 630. 

1836,  X,  1. 

Blum:  Notitz  über  die  Goldgruben  von  Berezowka  uad  Miask  in  Russ- 
land, S.  87— 93. 

Tabelle  über  das  jährliche  Erzeugniss  Busslands  an  edlen  Metallen  von 
1827—1834,  S.  94. 

E.  Thirria:  über  das  Jura-Kreide-Gebirgc  der  Franche  Comte,  S.  95— 14Ö. 

Manes:  geoghostische  und  statistische  Abhandlung  über  die  Kohle-füh- 
renden  Sandstein-Gebirge,    welche    in     den    Aveyron-   und    Tarn- 


—     324     — 

Departementen  den  westlichen  Abhang  des  primitiven  Plateau's  von 
Mittel-Frankreich  bedecken,  S.  147—192,  Tf.  IV,  V. 

1836,  X,  II. 

Mabuno  E.  Rivero:     geologische    Notitz    über    Santiago    de    Chile, 

S.  279—288. 
L.  Elie  de  Beaumont:    über   den  Ätna,    dritter  Tbeil   (zu  IX,  630). 

S.  351—370. 
DuFRENOY :    Abhandlung   über  die  Zusammensetzung  und  die  Krystalli- 

sation  des  Bournonites,  S.  371— 380,  Tf.X  (vgl.  S.  326). 


1  .   ,. 


u    s   z    ü    g   e. 


I.  Mineralogie,  KrystallographiC;  Mineralchemie. 

Maläguti:  über  den  Ozocerit  (VInstit  1837,  86).  Al.  Brongniart 
hatte  die  Untersuchung  veranlasst,  ob  das  fossile  Wachs  von  Zietrisika 
in  Aer  Moldau  übereinstimmte  mit  jenem,  welches  Magnus  1833  und 
Schrotter  1836  studirt  haben.  Maläguti  nun  fand  eine  ähnliche  quali- 
tative Zusammensetzung,  aber  ein  etwas  abweichendes  Verhalten  wohl 
in  Folge  kiemer  quantitativen  Differenzen.  So  schmilzt  das  fossile  Wachs 
von  Zietrisika  bei  -|-  84<^  C  (  statt  -j-  82  ) ,  kocht  bei  -f-  300»  ( statt 
210®)  und  hat  eine  Dichte  von  0,946  bei  +  20<*,5  Temperatur  (statt  von 
0,933  bei  15°).  Bei  der  Zersetzung  durch  Hitze  liefert  es  eine  sehr 
reichliche  Menge  von  Paraffine  und  eine  geringe  Menge  einer  andern 
damit  verwandten  Substanz,  welche  M.  Wachs  des  Ozocerits  nennt. 


P.  Lychnell:    Untersuchung  des  Agalmatollthes    (Kongl.   Vetensk. 
Akad.  Handl.  für  1834,  S.  101—102). 


P.  Lychnell:  Untersuchung  des  Specksteins  (Kongl.  Vetensk.  Akad. 
Handl.  für  1834,  S.97— loo). 


L.  F.  Swanberg:  Beitrag  zur  näheren  Kenntniss  der  chemischen 
Zusammensetzung  der  Amerikanischen  Platin -Erze  (Kongl.  Vetensk, 
Akad.  Handl.  für  1834,  S.  84—88). 


CG. Ehrenberg:  über  mikroskopische  neue  Charaktere  er- 
diger und  derber  Mineralien.  (Poggend.,  Ann.  d.  Phys.  XXXIX, 
S.  101  S.)  Aller  Quarz ,  auch  der  wahre  Bergkrystall ,  zeigt  unter  dem 
Mikroskop  in  seinen  feinsten  Fragmenten  dicht  aneinander  gedrängte  kleine 
Ktigelchen ,  welche  bis  2üöö  Linie  im  Durchmesser  haben  und  sehr 
gleichförmig  sind.  Ahnliche  Elementar-Theile  lässt  der  Glimmer  wahr- 
nehmen,   wenn    er   erhitzt    und    dadurch    mit  Verlust    der  Flusssäure 


—     326     — 

undurchsichtig  geworden.  Meerschaum,  vieles  Steinsnark,  Bergseife  und 
dergi.  bestehen  aus  gegliederten  Stäbchen,  oder  aus  reihenweise  verbun- 
denen gleichartigen  Elementar  -  Theilen  *)•  Bergleder  ist  ein  lockerer 
Filz  solcher  Kiesel-Glieder-Fäden.  Dichter  Kaolin  besteht  aus  platten, 
bis  3g  Linie  grossen,  oft  kleineren,  scheibenförmigen  Körpern,  welche  in 
konzentrische  Ringe  oder  Schaalen  zerfallen.  Kohlensaurer  Kalk,  aus 
absichtlichen  chemischen  Niederschlägen ,  unter  dem  Mikroskop  betrach- 
tet, zeigt  ovale  Körner  von  jg^  bis  ggg  Linie  Grösse,  und  diess  sind 
^ziemlich  deutliche,  kleine,  stumpf  doppelt  zugespitzte  Krystalle.  Berg- 
niiich  besteht  aus  steifen ,  einfachen  ,  geraden  ,  feinen  Gliederstäbehen. 
Weisse  Kreide  von  Rügen ,  die  an  den  Dänischen  Inseln,  und  die  gelbe 
Kreide  von  Puskaresz  zeigen  elliptische ,  sehr  kleine  platte  Körpercben, 
welche  nur  aus  wenigen  konzentrischen  Ringen  bestehen. 


DuFRENOY :  Krystall-Fornien  und  chemische  Zusammen- 
setzung des  Bournonits.  (Ann.  des  Mines.  3.  Ser.  X,  p.  37i 
etc.)  Die  vor  wenigen  Jahren  im  Kohlen-Sandstein  der  Grube  de  Cen- 
dras  hei  Alaisim  Depart.  du  Gard  gefundenen  Krystalle  lieferten  den  Beweis, 
dass  die  Grundform  der  Gattung  keine  quadratische,  sondern  eine  gerade  rek- 
tanguläre  Säule  ist.  Krystalle  aus  Cornwall,  Kapnick  und Pontgibaud in 
Auvergne,  von  Servo%  im  Chamouny-ThdAe  und  aus  Preussen  bestätigen  diese 
Überzeugung;  die  unter  dem  Namen  Nadelerz  bekannten  Krystalle  sind 
Zwillinge.  Mexiko  lieferte  sehr  grosse  Krystalle ;  sie  ähneln  am  meisten 
denen  aus  Cornwall.  Von  allen,  durch  D.  untersuchten  Krystallen  zeigt 
keiner  Blätter-Gefüge.  Eigenschwere : 

Bournonit  aus  Cornwall 

„        von  Alais 

„        aus  Mexiko 

„        von  Servoz 
Resultate  der  chemischen  Analyse: 


Blei 
Kupfer 
Antimon 
Schwefel 


11     —  67,90 

—  68,29 

—  58,45 

—  57,10 

Bournonit 

von  Alais 

aus 

Mexiko. 

38,g       . 

. 

40,2 

12,3       . 

• 

13,3 

.29,4       . 

• 

28,3 

19,4       . 

17,8 

100,0  99,6 


Thomson:  Zerlegung  des  Raphilits.  (Outl.  of.  Min,  I,  153.J 
Fundort  Pertk  in  Oher-Canada.  Holmer  in  Montreal  hat  das  Mineral 
früher  beschrieben.  Farbe  weiss  ins  bläulicbgrüne.  Die  Massen  beste- 
hen aus  nadeiförmigen  Krystallen,  welche  alle  gegen  einen  Mittelpunkt 
konvergiren.    Eigenschwere  =  3,75.    Härte  =  2,85.   Analyse: 


*)  Verfälschten  Meerschaum  kann  man  durchs  Mikroskop  sogleich  erkennen ;  er  ent- 
hält  awischen  seinen  regelmäsiigen  Gliederfäden  unregelmässige  (Sand)  Kör- 
perchen. 


-     327     - 


Kieselerde 

56,478 

Kalkerde 

14,750 

Kali 

10,533 

Talkerde 

6,451 

Thonerde 

6,160 

Eisen-Protoxyd 

5,389 

Mangan-Protoxyd 

0,447 

Feuchtigkeit 

0,500 

99,708 

J.  Kudernatsch:    Untersuchung  des  Zinnkieses   aus  Com- 
wall  (PoGGEiSDORFF  Ann.  d.  Phys.  XXXIX,  146  flf.) 
Schwefel         .  .  29,64 


Zinn 

25,55 

Kupfer 

29,39 

Eisen    . 

12,44 

Zink      . 

1,77 

Bergart 

1,02 

90,81 

P.  Beuthier:  über  Kaolin  und  Thone.  (Ann.  de  Chim.  et  de 
Phys,  LXITj  225  etc.)  Kaolin  von  Limoges  besteht,  nach  einer  altern 
Analyse  des  Verf.,  aus: 

Kieselerde  .         .         0,468 

Thonerde  .         .         0,373 

Kali  .         .         .         0,025 

Wasser      .        .        .        0,130 

0,996 
Die  Gegenwart  des  Kalis  schien,  ungeachtet  der  Homogenität  der 
Substanz,  einigemengte  Feldspath-Theile  anzudeuten.  Seitdem  erkannte 
B.  in  jenem  Kaolin  auch  Talkerde  in  nicht  unbeträchtlicher  Menge ;  diess 
veranlasste  neue  Untersuchungen  des  fraglichen  Minerals  und  zugleich 
über  die  Art  des  Verhaltens  vom  Thone  gegen  Schwefelsäure  und  gegen 
Kaolin.  Ein  Thon  aus  dem  Siegenschen,  so  weiss  wie  Kaolin^  aber  um 
Vieles  weicher  anzufühlen,  gab : 

Kieselerde        .  .        0,468 

Thonerde  .  .        0,372 

Talkerde  .  .        0,008 

Wasser  .         i        0,142 

0,990 
Eine,   im  vulkanischen  Gebirge  desselben  Landes  an  vielen  Stellen 
vorkommende  thonige  Substanz,   wie  vermuthet  wird,    aus  Zersetzung 
von  Basalten  entstehend,  und  als  Wacke  bezeichnet   —    dicht,  weich, 


—     328 


sanft  anzufühlen,    graullchweiss   und   bin   und   wieder  mit  rundliclien, 
rein  weissen  Punleten  —  enthält : 

Kieselerde        .  .         0,382 

Thonerde  .  .         0,283 

Kali  und  Natron         .        0,045 

Eisen-Peroxyd  .  .        0,122 

Wasser    .  .  .0,164 

0,996 
Resultat  der  Untersuchungen  war,    dass  der  Kaolin   von  Lifnoges 
allerdings  mit  zersetztem  Feldspath  gemengt  und  seine  Zusammensetzung 
folgende  sey: 


0,8400 


Kiesejerde 

0,3625] 

Thonerde 
Talkerde 

0,3335  ( 
.  .      0,0240  j   t'^oniger  Theil 

0,1200  ) 

Wasser 

Kieselerde 

0,1084  J 

Thonerde 
Talkerde 

0,0306  ( 

0,0054/  Feldspath        . 

Kali 

0,0156) 

0,1600 


1,0000 


1,0006 

Andere  zerlegte  Kaoline  zeigten  Übereinstimmung  mit  gewöhnlichem 
Thoue,  was  ihre  chemische  Natur  betrifft,  und  enthalten  nur  wenig  Wasser. 


W.J.Jordan:  Zerlegung  eines  Kupfer-Antimon-Arse- 
nik-Fahlerzes  (sog.  gemeines  Fahlerz)  von  S.  Andreasberg.  (Erd- 
mann und  Schweigger-Seidel,  Journ.  f.  prakt.  Chem.  IX,  92ff.)  Bericht 
auf  der  Grube  Ä.  Andreaskreutz  in  einem  Gange  mit  Kalkspath, 
Quarz,  Bleiglanz,  Kupferkies,  mit  Spuren  von  Blende,  selten  mit  Roth* 
gültigerz,  öfter  mit  Gediegen-Silber.  Mit  Bleiglanz  zeigt  sich  das  Fahl- 
erz so  innig  gemengt,  dass  es  nicht  möglich  ist,  solches  ganz  davon  zu 
trennen.  Sp.  Schw.  =  4,61.  Gehalt: 
Schwefel 


Kupfer 

39,3936 

Antimon 

34,7483 

Silber     . 

1,1955 

Arsenik 

.          . 

1,5356 

Eisen 

1,5466 

100,000 

Thomson:  Analyse  des  Eisenspathes.  (Ow«wi^äo/*Mim.  1,290.) 
Vorkommen  in  den  Laven  ^er  Somma,  begleitet  von  Nephelin  und  Mejonit. 
Graulichweiss  ins  Gelbe.  Durchscheinend.  Glasglünzeud.  Die  Krystalle 
haben   ein  schiefes   rhombisches   Prisma   mit  Winkeln  von  120^    40'  zur 


—     329 

Kernform.    Eigenschwere  =  2,436.    Härte  =  3,0.    Schmilzt  vor  dem 
Löthrohr  schwierig;  zu  halbdurchsichtigera  Glase.      Chemischer  Bestand: 

Kieselerde        .  .         63,56 

Thonerde  .  .         24,06 

Kali         .  .  .  0,03 

Kalkerde  .  .  0,94 

Eisen-Peroxyd  .  0,92 

Wasser  »  .  0,37 

99,88 


Derselbe :    Zerlegung  des  Leeliths.    ( loc.  cit  p*  300. )  Eigen^ 
schwere  ss  2,606.    Härte  =  6,25.     Bestandtheile : 
Kieselerde         .  .         81,91 

Kali         .  .  .  8,88 

Thonerde  .  .  6,55 

Eisen-Protoxyd  .  6,42 

103,76 


Düfrenoy:  über  ein  gewässertes  Tripel  -  Sulphat  voi/ 
Eisen,  Thonerde  und  Kali.  Ann.  des  Mines,  3.  Serie.  IX, 
p.  165  etc.)  Der  Grund  des  Circus  der  Solfatara  bei  Neapel  wird  von 
thoniger  Erde  gebildet,  entstanden  durch  Zersetzung  der  trachytischen 
Gesteine,  welche  die  Runder  der  geräumigen  Vertiefung  ausmachen. 
Die  schwefeligen  Dämpfe,  welche  ohne  üntcrlass  dem  Berge  entsteigen, 
setzen  Schwefel  in  grosser  Menge  inmitten  jener  thonigen  Erden  ab ; 
die  Substanz  ist  ziemlich  regelmässig  darin  verbreitet,  so  dass  man  die 
ganze  Masse  durch  kleine  Schächte  von  ungefähr  45'  Tiefe  gewinnt» 
Weiter  abwärts  ist,  der  sehr  zunehmenden  Temperatur  wegen,  keine 
Gewinnung  möglich.  —  Die  mit  Schwefel  untermengten  Erden  werden 
in  Sandstein -Vasen  der  Destillation  ausgesetzt,  und  man  trifft  nach 
Beendigung  des  Prozesses  zuweilen  in  der  Mitte  des  Rückstandes  eine 
Masse  sehr  zierlicher  Krystalle,  regelmässige  Oktaeder,  theils  entkantet, 
auch  entoktaeterscheitelt.  Farbe :  sehr  dunkel-bouteillengrün  ;  starkglän- 
zend. Leidet  nicht  durch  Einfluss  der  Luft ;  in  Wasser  schwierig  lösbar. 
Ergebniss  der  Analyse  : 

Schvi^efelsäure  .  .         45,67 


Eisen-Protoxyd 
Kali      . 
Thonerde 
Wasser 

unlösbarer  Rückstand       .  o,46 

Verlust  •  .  .  0,68 

100,00 


28,69 
5,47 
3,27 

15,77 


—     330     — 

Zur  Destillation  des  Schwefels  ist  eine  Hitze  höher  als  400^  notb- 
wendig.  Die  Gegenwart  des  Wassers  in  so  starkem  Verhältnisse,  in 
einem  Salze  bei  sehr  hoher  Temperatur  erzeugt ,  scheint  eine  denkwür- 
dige Thatsache.  Der  Verf.  erachtet  sie  als  das  einzige,  bis  jetzt  be- 
kannte Beispiel,  wo  es  gelungen,  das  Wasser  auf  trockenem  Wege  zu 
verbinden.  Bis  zu  gewissem  Grade  kann  man  dadurch  die  Gegenwart 
mancher  Wasser-haltigcn  Silikate,  wie  die  Zeolithe  es  sind,  in  der  Mitte 
vulkanischer  Gesteine  begreifen  lernen.  Ziemlich  allgemein  nimmt  man 
zwar  an ,  es  seyen  jene  Mineralien  nach  dem  Festwerden  der  sie  um- 
schliessenden  Felsarten  entstanden.  Eine  solche  Hypothese  verträgt  sich 
wenig  mit  der  bekannten  Art  und  Weise,  wie  die  Zeolithe  vorkommen*). 
Übrigens  steht  das  Beispiel  keineswegs  isolirt ;  die  Fumarolen  gewäh- 
ren ein  anderes  und  weit  grossartigeres.  Woher  kommt  das  Was- 
ser, welches  oft  nach  Verlauf  ganzer  Monate  aus  Lava  hervor- 
dringt, die  längst  aufgehört  hat  mit  dem  Innern  eines  Vulkans  in  Verbin- 
dung zu  stehen?  Niemand  dürfte  der  Meinung  seyn,  dass  es  aus  dem 
Boden  stamme,  über  welchen  die  Lava  sich  verbreitet  hat.  Wäre  der 
wässerige  Dampf  frei  inmitten  der  Lava,  so  würde  derselbe  bald  durch 
den  Druck,  welchen  er  zu  leiden  hat,  ausgetrieben  werden.  Es  muss 
folglich  das  Wasser  in  Verbindung  mit  der  Lava  seyn  ;  ja  man  ist 
berechtigt  zu  glauben,  dass  es  deren  Scbraelzbarkeit  sehr  vermehrt,  denn 
das  Erstarren  derselben  folgt  fast  unmittelbar  auf  das  Erlöschen  der 
Fumarolen. 


G.  Rose:  fernere  Bemerkungen  über  den  Rhodizit 
(PoGGEND.  Ann.  d.  Phys.  XXXIX,  321  flF.)  Der  früher  beschriebene  Rhodizit 
(a.  a.  0.  XXXni,  253  und  daraus  im  Jahrb.  1835,  S.  81  ff. ) 
stammt  nicht  von  Schaitansk,  sondern  von  Sarapulsk  bei  Mursinsk» 
Aber  das  Mineral  findet  sich  auch  am  erstgenannten  Orte,  wo  seine 
Kry stalle  theils  auf  Quarz  auf-,  theils  im  Turmalin  ein-ge wachsen  sind, 
theils  in  Thon  liegen,  der  sich  in  kleinen  Höhlungen  zwischen  Gemeng- 
theilen  des  Granits  findet.  Krystall- Dodekaeder,  an  den  abwechselnden 
dreiflächigen  Ecken  durch  die  Fläche  eines  Tetraeders  abgestumpft. 
Graulich-  oder  gelblich-weiss ;  Glasglanz  in  Diamantglanz  übergehend. 
Ritzt  Topas ,  Sp.  Schw.  =  3,415.  Durch  Temperatur- Veränderung 
Werden  die  Krystalle  sehr  stark  polarisch-elektrisch.  —  Es  ist  möglich, 
dass  der  P».hodizit  nichts  sey,  als  ein  Kalk-Borazit,  wie  der  gewöhn- 
liche Borazit  ein  Talk-Borazit  ist. 


J.  C.  Jordan:   über  den  Rammels^bercßer  muscheligen  und 
erdigen  Och  er.     Erdmann  und  Schweigger-Seidel  ,    Jouru.  f.  prakt. 


*)   Es  sey  mir  erlaubt,  an  dasjenige  zu  erinnern,  was  über  diesen  G«genstand  in  mei? 
nen  „Basalt-Gebilden",  Tb.  1,  S.  206  ff.  gesagt  worden.  Lxokharo. 


—     331     — 

Cbem.  IX,  95  ff,)  Der  Rammelsherg  fuhrt  in  seinen  Lagen  eine  bedeu- 
tende Manchfaltigkeit  von  Metallen:  Gold.  Silber,  Kupfer,  Blei,  Eisen, 
Zink,  Arsenik,  Antimon,  Kobalt  und  Nickel.  Alle  sind  durch  Schwefel 
oder  Selen  vererzt.  Selen  ,  vom  Verf.  erst  vor  mehreren  Jahren  ent* 
deckt,  kommt  in  sehr  unbedeutender  Menge  vor.  Durch  anhaltenden 
Bergbau  von  mehreren  Jahrhunderten,  insbesondere  durch  das  Feuer- 
setzen, sind  in  den  Erz-Lagerstätten  des  Rammelsberyes  grosse  Räume 
gebildet  und  wieder  ausgefüllt  worden.  Hierdurch  ist  der  Luft  und  dem 
Wasser,  neben  der  in  den  Gruben  durch  Feuersetzen  erregten  Wärme, 
die  Einwirkung  auf  die  Erze  erleichtert,  so  dass  deren  Zersetzung  an 
vielen  Stellen  ungemein  beschleunigt  wird.  Die  Salze ,  welche  sich  bei 
diesen  Zerlegungen  bilden,  werden  durch  die  Tagewasser  gelöst  und 
damit  zum  grossen  Theile  durch  Abführungs-Stollen  aus  den  Gruben- 
Gebäuden  geleitet.  Die  Salze  der  Lösung  zersetzen  sich  auf  ihrem 
Wege  durch  Einfluss  des  Sauerstoffes  der  Luft  wieder,  und  fallen  theil- 
weise  in  basischer  Beschaffenheit  zu  Boden.  Besonders  an  schwefelsaurem 
Eisen-Oxydul  wird  diese  Veränderung  auffallend  wahrgenommen.  Es  senkt 
bei  seinem  Absätze  noch  andere  basische  Salze,  obgleich  nur  in  geringer 
Menge,  mit  sich  zu  Boden,  und  setzt  so  im  Grunde  des  Stollens,  zu- 
mal aber  in  und  vor  dem  Mundloche  desselben,  das  Gebilde  ab,  welches 
der  Verf.  als  muscbligen  Ocher  bezeichnet.  Später,  wenn  das 
Gruben-Wasser  länger  in  Sümpfen  vor  dem  Stollen-Mundloche  an  der 
Luft  fliesst,  so  ändert  sich  der  Absatz,  er  wird  locker,  loser  und  er- 
hält die  bekannte  ochergelbe  Farbe,  aber  zugleich  auch  einen  abgeänder- 
ten Bestand.  Der  mu  schiige  Ocher  zwischen  leber-  und  scwärzlich- 
braun  ist  derb,  meist  mit  sehr  dünnen  Lagen  erdigen  Ochers  durch- 
zogen, starkglänzend,  im  Bruche  vollkommen  muschlig,  ungemein  spröde 
und  durch  Kalkspath  leicht  ritzbar.  Der  erdige  Ocher  hat  eine  schöne 
ochergelbe  Farbe.     Zerlegung : 

Muschliger  Ocher.         Erdiger  Ocher. 


Eisenoxyd 

Schwefelsäure            ..... 

63,854 
13,585 

68,750 
9,796 

Zinkoxyd            .         . 

Thon  und  Kiesel  mit  einer  Kohlenstoff- 

1,232 

1,293 

Spur  (Thonschiefer) 
Kupferoxyd  mit  einer  Kobalt- und  Nickel- 

2,000 

4,137 

Spur          

Wasser  und  Verlust 

0,875 
18,454 

0,500 
15,524 

100,000 

100,000 

Thomson:  über  den  Rhodalit.  (Outlines  of  Min.  I,  334  etc.) 
Vorkommen  in  Irland  in  einem  Mandelslein.  Rosen-,  auch  Fleisch-roth  : 
besteht  aus  Zusamraenhäufungen  rechtwinkeliger  Prismen.  Spez.  Schw. 
ungefähr  =  2.    Härte  =  2.    Chem.  Bestand : 


—     332     — 


Kieselerde 

55,9 

Eisen-Peroxyd 

IM 

Thonerde 

8,8 

Kalkerde 

14 

Talkerde 

0,6 

Wasser 

22,0 

99,3 

Derselbe:  über  den  Dysulit,  (loc.  cit.  p.  220,)  Entdeckt  von 
Keating  zu  Sterling  in  New^Jcrsey*  Vorkommen  in  [körnigem?]  Kalk, 
begleitet  von  Magneteisen.  Gelbbraun ;  undurchsichtig  *,  glasglänzend  ; 
regelmässiges  Oktaeder:  Gefiige  blätterig.  Spz.  Schw.  =  4;55.  Härte 
=  4,5.  Vor  dem  Löthrohr  unschmelzbar ,  nur  mit  Borax  in  Fluss  kom- 
inend*     Chem,  Bestand: 

Thonerde 

Zink-Oxyd 

Eisen-Protoxyd 

Mangan-Pi 

Kieselerde 

Feuchtigkeit 


♦ 

30,490 

« 

16,800 

tyd 

41,954 

toxyd 

7,600 

• 

2,960 

♦ 

0,400 

100,190 

Derselbe:  über  das  vanadinsaure  Blei,  {loc,  cit  p.  575.) 
Aus  einer  verlassenen  Grube  in  der  irländischen  Grafschaft  Wicklow, 
Klein-nierenförmige  und  traubige,  mit  kleinen  Krystall-Spitzen  (angeblich 
regelmässigen  sechsseitigen  Säulen)  besetzte  Masse,  oder  Überzug  auf 
phosphorsaurem  und  arseniksaurem  Blei.  Lichte  gelblichbraun :  harz- 
glänzend;  undurchsichtig;  Bruch  muschlig.  Eigenschwere  =  6,663. 
Härte  =  2,75.  Vor  dem  Löthrohr  zur  schwarzen  Schlacke;  mit  Natron 
Bleikörner  gebend,  der  Rest  zu  schwarzer  Schlacke J  mit  Phosphorsalz 
zu  smaragdgrünem  Glase.     Chem.  Bestand : 

Chlor  .  .  .  2,446 

Blei  .  .  .  7,065 

Bleioxyd  .  .         '  66,326 

Vanadinsäure  .  .  23,456 

Eisen-Peroxyd  und  Kieselerde  0,165 

99,454 


DuFRENOT :über  Krystallisation  und  chemische  Zusam- 
mensetzung des  Laumonits.  {Ann.  des  Mines^  3.  Si'r,  T.  VII f, 
p,  503  etc.)  Deutliche,  wohlerhaltene  Krystalle  von  Phippsburg  im 
Staate  Maine  in  N, Amerika ,    schmale   Gänge  in  Gneisse   bildend   und 


—     333      — 

begleitet  von  Quarz  und  Kalkspath,  ferner  Krysfalle  der  Substanz  von 
Huelgoat  und  von  Cormayeur  im  Mont-Dlanc-Gch'n^e ,  woselbst  das 
Mineral  auf  Gängen  in  einem  talkigen  Gneisse  vorkommt,  ergaben  den 
Winkel,  welchen  die  M-Flächen  der  Kernform,  einer  schiefen  rhombischen 
Säule,  miteinander  machen,  =  95"5o'  und  jenen  von  P  auf M  =  H4«>54' 
Die  Eigenschwere  wurde  zwischen  2,550  und  2,410  schwankend  befun^ 
den.    Die  Resultate  der  vorgenommenen  Analyse  waren: 

beim  Laumontit 
von  PhippsbuTg.        von  Cormaytur. 

Kieselerde  ;  .  .         51,98  ,  50,33 

Thonerde  .  .  ,         21,12  ,  21,43 

Kalkerde  ,  .  ,         11,71  .  11,14 

Wasser  .  .  ,  15,05_  ,  16,15 

99,86  ""99,10"' 

Aus  dieser  Gehalts-Differenz  leitet  der  Verf.  folgende  Formeln  ab- 

C3  S2  4.  AI--*  ä«  +  12  H; 

oder  CS^  -j-  3  aS^  -|-  4  Aq. 

Die  angehängten  Bemerkungen  über  die  Bestimmung  der  Dimen- 
sionen der  Primitiv-Gestalt  und  über  die  Ableitungs-Gesetze  sekudärer 
Flächen  eignen  sich  nicht  zu  einem  Auszuge. 


II.     Geologie  und  Geognosie» 

Al.  Caldcleugh:  Bericht  über  das  grosse  Erdbeben  in 
Chili  am  2  0.  Febr.  1835,  nebst  einer  Karte  {Lond.  Philos.  Trans- 
act,  1836,  1,  21  —  26).  Die  heftigen  Erschütterungen  der  Erde  in  Süd- 
amerika  halten  keine  bestimmten  Perioden  ein  und  kehren  in  sehr  kur- 
zen Zeiträumen  wieder.  So  kennt  man  seit  Anfang  dieses  Jahrhunderts 
die  von  Caraccas  1812,  von  Cojn,jpo  1818,  von  Santiago  1822,  von 
Bogota  1827,  von  Santiago  1829,   von  Huasco   1832. 

Unter  den  mancherlei  angeblichen  Vorzeichen  verdienen  einige  eine 
fortgesetzte  Prüfung.  Wenige  Stunden  vor  dem  Erdbeben  von  1822  und 
1835  sah  man  grosse  Flüge  von  Seevögeln  von  der  Küste  nach  den 
Kordilleren  ziehen,  und  am  Morgen  vor  der  letzteren  Katastrophe  ver- 
schwanden alle  Hunde  aus  TalcaUiiano.  Der  Sommer  war  in  Chili  käl- 
ter als  in  vorigen  Jahren:  der  mittle  Theraiometer-Stand  im  Januar  und 
Februar  betrug  zu  Santiago  in  2000' Seehölie  =  72  «  F. ,  der  mittle  Ba- 
rometer-Stand =:  28",25,  d.  i.  0",1  unter  dem  gewöhnlichen  in  dieser 
Zeit;  noch  beträchtlich  tiefer  war  der  Stand  des  letzteren  wenn  man 
ihn  nur  vom  1.  Febr.  an  berechnet ;  am  14.  Febr.,  wo  mau  eine  leichte 
Erdschwingung  von  20  Sekunden  gewahrte ,  war  er  28"1,  am  20.  Febr. 

Jahrgang  1837.  22 


—     334     — 

=  28",17,  der  Thermometer  =  76°  bei  sehr  schönem  Welter;  wogegen 
za  Valdivia  am  16.  Febr.  sich  der  erste  auf29"92  gehoben  hatte.  Wäh- 
rend des  Erdbebens  selbst  pflegt  der  Barometer  vor  jedem  beträchtlichen 
Stosse  zu  fallen  und  sich  dann  allmählich  wieder  auf  seinen  Mittelstand 
zu  heben.  Bei  dem  nicht  unbeträchtlichen  Erdbeben  vom>  26.  Septbr. 
1829  fiel  unmmittelbar  nach  jedem  Stosse  ein  starker  Regenstrom,  der 
dann  bis  zum  nächsten  Stosse  wieder  langsam  nachliess. 

Die  Feuerschlünde  der  ganzen  Kordillere  waren  vor  und  während 
dem  letzten  Erdbeben  in  grosser  Thätigkeit,  von  dem  flach  abgestutzten 
Vulkan  im  Angesicht  der  Insel  Chitoe  an  bis  zu  der  hohen  Andes-Reihe 
in  Mittel- Amerika  hin.  Der  Vulkan  von  Osornu,  N.O.  von  Chiloe,  brach 
am  20.  Januar  mit  unbegreiflicher  Wuth  aus,  und  des  Nachts  sah  man 
seine  Lava  sich  von  dem  3900'  hohen  Krater  herabwälzen.  Von  den 
Ebenen  von  Talca ,  80  Stunden  südlich  von  der  Hauptstadt,  sah  man 
einige  Tage  nach  dem  20.  Febr.  zwei  Vulkane  in  grösster  Thätigkeit 
beim  See  von  Mundaca  ,  25  Stunden  O.  von  der  Kordillere.  Eine  an- 
dere neue  Feueresse  sah  man  von  der  Küste  an  Cerro  Colorado  genannt, 
rechts  von  der  Quelle  des  Maule-YXvxs&es.  Auch  der  Vulkan  y on  Petoroa 
und  ein  anderer  in  dessen  Nähe,  welchem  ein  Asphalt-Strom  cntfliesst, 
so  wie  der  von  Maipu  und  Aconchngua  waren  einige  Monate  lang  activ. 
Gegen  Ende  Januars  wurde  der  von  Coseguina  in  Xentral-Amerika  sehr 
thätig  und  warf  eine  Laven-Masse  aus,  welche  eine  Fläche  von  8  Stun- 
den Umfang  3^  Yards  (zu  3  Fuss)  tief  bedeckte  und  Häuser  und  Vieh 
verschüttete  ;  der  AscbenRegen  währte  5  Tage  lang  und  erreichte  Ent- 
fernungen von  300  Stunden. 

Am  20.  Febr.  um  11  Uhr  Morgens  spürte  man  zu  Santiago  die  erste 
leichte  Erschütterung,  worauf  binnen  2^  Minuten  zwei  sehr  heftige  Wel- 
lenbewegungen aus  S.W.  nach  N.O.  folgten.  Zu  Talca,  80  Stunden  S., 
waren  die  Erscheinungen  heftiger  und  nicht  durch  ein  vorhergehendes 
Rumpeln  angekündigt.  Zu  Concepcion  war  die  Erschütterung  sehr  hef- 
tig und  es  war  die  zweite  Wellenbewegung,  wodurch  die  Gebäude  zer- 
stört wurden  ;  vor  diesem  und  vielen  anderen  der  nachfolgenden  Stosse 
hörte  man  von  S.  her  einen  Knall,  wie  von  einem  Vulkan.  Alle  Häuser 
von  Talcahuano,  welche  in  der  Tiefe  lagen,  wurden  zu  Boden  gestürzt, 
und  als  die  Einwohner  o  Stunde  nachher  von  den  Höhen  und  offenen 
Plätzen  zurückkehrten,  war  die  See  so  weit  zurückgewichen,  dass  alle 
Felsen  in  der  Bay  sichtbar  waren,  und  die  im  Hafen  geankerten  Schiffe 
trocken  lagen.  Dann,  aber  kehrte  eine  ungeheure  Woge  langsam  zurück, 
von  der  lioca  Chica  her:  die  Einwohner  hatten  Zeit  zu  entfliehen  und 
sahen  von  der  Höhe  den  ganzen  Ort  durch  dieselbe  überfluthet  bis  zu  28' 
über  die  Hochwasser-Grenze.  Ein  fast  zum  Auslaufen  vollendeter  Schoo- 
ner  von  80  Tonnen  ward  über  die  Reste  der  Wälle  hinweg  300  Yards 
weit  fortgeschleudert.  Der  Rückfluss  dieser  Woge  riss  Alles  mit  sich 
ins  Meer.  Auf  sie  folgte  eine  zweite  noch  stärkere  und  eine  dritte  ,  welche 
aber  die  Ruinen  von  Talcahuano  verschonte  und  die  Insel  del  Rey  ver- 
wüstete.    Eine  vierte  schwächere  machte  den  Schluss ,  fand  aber  nichts 


—     335     - 

mehr  zu  zerstören.  Während  dieser  Bewegungen  sah  man  zwei  dichte 
Hauchmasseu  aus  dem  Meere  brechen  ;  eine  in  Form  eines  hohen  Thurmes 
in  der  Ausfahrt  [aus  dem  Haven?],  die  andere  in  der  kleinen  Bay  von 
San  Vicente  ;  nach  ihrem  Verschwinden  entstund  ein  Wasserwirbel,  in- 
dem sich  ein  tiefer  Trichter  bildete,  als  ob  das  Meer  in  eine  ÖflFnung 
hinabstürzte.  Überall  in  dieser  Bay  sowohl  als  zu  Talcahuano  stiegen 
grosse  Luftblasen  in  die  Höhe  ,  welche  das  Seewasser  schwarz  färbten 
und  einen  stinkenden  Schwefelgeruch  verbreiteten.  Zu  San  Tome  an 
der  andern  Seite  der  Bay  that  die  Woge  Ungeheuern  Schaden,  und  auf 
der  Insel  Quiriquina  stürzte  das  Rindvieh  vor  Schrecken  von  den  Klip- 
pcn  herab;  die  Wogen  beschädigten  Gebäude,  welche  sich  40'  über  dem 
jetzigen  Hoch  Wasserstande  befinden,  und  während  der  3  folgenden  Tage 
kamen  Ebbe  und  Fluth  nur  unregelmässig.  In  der  Bay  von  Cuncepcion 
ragen  die  anstehenden  Thonschiefer-Schichten  ,  wie  man  insbesondere 
deutlich  an  einem  Felsen  am  Landungsplatze  sehen  kann,  jetzt  3'— 4' 
höher  aus  dem  Wasser  hervor  als  früher,  und  die  Boje  (schwimmende 
Merkzeichen  vorhandener  Untiefen)  der  Delen-Bank  haben  4'  wenio-er 
Wasser  als  vorher.  Ein  vor  Anker  gelegenes  Schiff  hatte  nach  dem 
Erdstoss  1  Faden  Wasser  verloren,  was  aber  auch  von  einem  unbemerk-^ 
tcn  Orts-Wechsel  herrühren  könnte.  Im  Haven  von  San  Vicente  etwas 
südlich  von  Talcahuano  hat  sich  das  Land  t^' hoch  gehoben,  und  längs 
der  Küste  der  letzteren  Bay  sieht  man  Schichten  von  todten  Muscheln 
die  ausser  dem  Wasser  geblieben.  Südlich  vom  Eingang  der  Bay  von 
Concepcion  ist  eine  kleine  Insel  Santa  Maria  von  7  Engl.  Meil.  Länge 
und  2  Meil.  Breite.  SchifiFskapitän  Fjtz  Roy  untersuchte  ganz  genau  die  ganze 
Ufer-Linie  im  südlichen  Haven  so  wie  an  der  Nordküste  der  Insel  ,  und 
nach  den  Schichten  todter  Mollusken  -  Reste  ,  nach  seinen  Sondirungcn 
und  nach  unbefangenen  mündlichen  Zeugnissen  scheint  es  über  jeden 
Schatten  von  Zweifel  gewiss,  dass  an  letzterer  Stelle  die  Emporhebung- 
des  Landes  nicht  über  10' ,  in  der  Mitte  der  Insel  9'  und  im  südlichen 
Haven  8'  betrage.  Rings  um  die  Insel  zeigt  das  Senkblei  1^  Faden 
weniger  Tiefe;  die  150'  ~  200'  hohen  Uferklippen  sind  in  allen  Rich- 
tungen zerborsten,  und  grosse  Massen  davon  sind  ins  JMeer  gestürzt. 
Kapitän  FiTz-Ror  und  Kapt.  Simpson  sind  beide  der  Meinung,  dass  die 
Emporhebung  zur  Zeit  des  Erdbebens  noch  beträchtlicher  gewesen  seye, 
dass  aber  bei  späteren  schwachen  Erschütterungen  wieder  ein  Niedersetzen 
Statt  gefunden  habe.  Zu  Subul,  etwas  S.O.  von  Santa  Maria,  scheint 
die  Hebung  der  Schichten  6'  zu  betragen.  —  Zu  Nuevo  Bilbao^ 
dem  Haven  des  MawZ^^-Flusses,  70  Stunden  N.  von  Concepcion  fiuthete 
1^  Stunden  nach  dem  Stosse  das  Meer  über  das  gewöhnliche  Wasserzei- 
chen und  hielt  sich  ^  Stunde  lang  in  dieser  Höhe,  ehe  der  Rückfluss 
begann.  Fünfzig  Minuten  später  wogte  das  Meer  in  grosser  Bewet»^ung 
längs  der  Küste  und  dem  Flusse  und  stieg  12'  hoch  über  das  Wasser- 
zeichen ;  bei  seinem  letzten  Andränge  riss  es  zwei  Schooner  von  den 
Ankern  los  und  warf  sie  150  Yards  weit  vom  Ufer  ins  Gebüsche.  Noch 
\  Stunde    später   erfolgte    ein    drittes    Anschwellen    des    Meeres    bis    zu 

22* 


^      330     — 

Q*  Höhe  und  noch  48  Stunden  lang  kamen  immer  erneute  Wogen  ,  doch 
mit  nachlassender  Stärke.  In  dieser  Gegend  hat  man  keine  Emporhebung 
der  Küste  bemerkt ;  aber  an  der  Mundung  des  Flusses  findet  man  jetzt 
2'  Wasser  mehr.  —  Zu  Vulfiuraiso  kam  und  ging  das  Meer  zu  wieder- 
holten Malen,  jedoch  langsam  und  ohne  Heftigkeit. 

In  den  südlichen  Provinzen  von  Chili  haben  diese  Erschütterungen 
unermesslichen  Schaden  an  Häusern  u.  s.  w.  veranlasst.  Südlich  von 
Talca  ist  kaum  eine  Mauer  stehen  geblieben.  Durch  die  Provinzen 
Canqneües  und  Concepcion  ist  die  ganze  Erdrinde  in  allen  Richtungen 
geborsten  ;  Spalten  von  einigen  Füssen  Breite  und  Tiefe  ziehen  auf 
grosse  Erstreckungen  fort.  Bei  ChiUan,  30  Stunden  von  der  Küste  ist 
aus  den  Spalten  schlammiges  Salzwasser  hervorgebrochen,  welches 
grosse  Massen  eines  grauen  pulverigen  Tuffs  abgesetzt  hat;  kreisrunde 
Vertiefungen  sind  mit  Salzwasser  erfüllt  geblieben  und  einige  warme 
Quellen  sind  hervorgekommen.  Stellenweise  ist  der  Grund  zu  einer 
grossen  Blase  aufgeschwollen,  aus  der,  wenn  sie  zerbirst,  ein  schwarzes 
und  sehr  stinkiges  Wasser  hervorkommt. 

Die  Schwingungen  des  Bodens  reichten  bis  Coquimbo  im  Norden  und 
bis  Mendo^a  am  östlichen  Zuge  der  grossen  Aiuies-KeWe.    Schiffe  spür- 
ten   den  Stoss    im  Stillen  Meere  100  Meil.  von    der  Küste.      Die    Barke 
Glenmalia  ward  95  Meil.  vom  Ufer    dem  Maule-YXw^s   gegenüber  plötz- 
lich so  sehr  in  ihrem  Laufe  aufgehalten,    dass  sie  nur  noch  einen  Kno- 
ten   statt  sieben  lief    und  man  glaubte  ,     sie  streife  über  eine  Sandbank 
hin,    während  das  Meer  sehr  bewegt  und  das  Schiff  tiO    hoch  zu  heben 
schien.    —    Die    Insel   Juuan  Fernamlez ,    eine  Basaltmasse  360  Meilen 
von  der  Küste,  verspürte  das  Erdbeben  in  schwächerem  Grade  :  die  See 
stieg  zur  Höbe  des  Walles,  zog  sich  dann  zurück,  so  dass  die  Ciimber- 
laiid-tiay  auf  einige  Erstreckung  von  der  Küste  hin  trocken  lag,  und  schwoll 
darauf  15'  hoch  über  die  gewöhnliche  Höhe  an.  Zu  dieser  Zeit  bemerkte 
der  Gouverneur  Sutcliffe  eine  dichte  Rauchsäule ,     welche    eine    Meile 
von  der  Landspitze  liacahw  entTernt  von  der  See  aufstieg  und  bis  2  Uhr 
Morgens   anhielt,     wo  eine   uncrmessliche  Explosion  Statt  fand,     durch 
welche    das  Wasser    nach    allen  Richtungen    fortgetrieben    wurde;     den 
übrigen  Theil    der   Nacht    hindurch   braci)en  grosse  Flammen  von  dieser 
Stelle  aus,    so   dass    die  Insel    davon    beleuchtet  wurde.     Kapt.  Simpson 
konnte  einen  Monat  später    in  dieser  Gegend    nirgends  Grund  finden  in 
weniger    als    96  Faden    Tiefe.     Als    am  24.  May  1751   Concepcion  durch 
Erdbeben  und  Wasserwogen  auf  ähnliche  Art  heimgesucht  wurde,  ward 
auch  die  damals  im  Entstehen  hp^r\ffene  Ko\on\e  Jouan  Fernanden  über- 
schwemmt,   und    der  Gouverneur    mit    seiner   Familie    und  35  Personen 
kamen  um.  '"^ 

Nach  dem  Erdbeben  erfolgten  die  gewöhnlichen  atmosphärischen  Be- 
wegungen :  furchtbare  Stürme  und  gewaltige  Regengüsse,  wie  sie  zu 
dieser  Jahreszeit  ganz  ungewöhnlich  sind.  Die  Temperatur  der  warmen 
Quellen  von  Caiiqueues  sank  von  118°  auf  92®  F. ,  wie  auch  i.  J.  1822 
eine  Temperatur  Erniedrigung  eintrat,  und  hob  sich  nach  kurzer  Zeit  wieder. 


—     337     — 

Al.  Caldcleugh  ;  Bericht  über  den  vulkanischen  Aus* 
bruch  des  Coseguina  in  der  Bay  von  Fonseca ,  gewöhnlich  Con- 
chugua-Bay  genannt,  a  n  d  e  r  W  e  s  t  k  ü  s  t  e  von  Mittel-Amerika CLond. 
philos.  Transact.  1836,  TT,  27—30  wx^A  Lond.  a.  Edinb.  Philos.  Magaz, 
1836,  VIII,  414— 415).  Der  Coseguin/i-Berg  hat  nur  etwa  5üO' Seehöhe  und 
liegt  in  13"  N.  Br.  und  87*^  3  W.L.  auf  drei  Seiten  vom  Meere  umgeben. 
Er  hatte  Ausbrüche  in  den  Jahren  1709  und  1809.  Nach  26jähriger 
Kühe  begann  er  am  19.  Jänner  1835  aufs  Neue  seine  Thätigkeit  in  einer 
Weise,  die  durch  den  starken  und  fortdauernden  Aschenfall  ausgezeichnet 
war.  Zuerst  ein  schwaches  Getöse  mit  Rauch;  am  folgenden  Tag  eine 
hohe,  die  Farbe  wechselnde  und  von  Flammen  durchbrochene  Rauch- 
wolke sich  über  seinen  Krater  erhebend  und  in  der  Höhe  sich  ausbreitend; 
dann  ein  mehrere  Tage  bis  zum  24.  wälirender  Aschenfall  ,  wobei  man 
selbst  zur  Tageszeit  die  Hand  nicht  vor  den  Augen  sah,  —  Detonationen 
u.  s.  w.  Die  Asche  bedeckte  zu  San  Antonio,  16  Stunden  südlich,  den 
Boden  2"  dick  zuerst  mit  sclnvarzer,  dann  graulicher,  endlich  weisser 
Farbe.  Die  Asche  fiel  aber  bis  Chiapa,  400  Stunden  nordwärts :  in  der 
Richtung,  von  wo  der  Wind  wehte.  —  Zu  St.  Anne  in  Jamaika^  in 
700  Meli.  Entfernung,  fiel  sie  am  24.  und  25.  Jänner,  und  muss  daher 
täglich  170  Meil.  weit  getrieben  worden  seyn  ;  —  und  das  Schifl^Co  n  way 
segelte  in  7*^  26  N.  Br.  und  104*^  45  L.,  1100  Meilen  vom  Vulkane,  vierzig 
Meilen  weit  durch  schwimmenden  Bimsstein  ,  zum  Theil  in  grösseren 
Stücken.  In  der  Hacienda  von  Coseguina^  8  Stunden  S.  vom  Krater,  lag 
die  Asche  3^  Yard  tief:  die  Wälder  zerstörend.  Am  Vorgebirge  selbst 
hat  sie  die  Küstenlinie  800'  weiter  hinaus  gerückt,  und  in  der  Bay  von 
Fonseca,  2  Meil.  vom  Vulkan,  sollen  zwei  Inseln  von  200'  —  300'  Länge 
durch  den  Schlacken-Fall  entstanden  seyn.  —  Rinder  und  Wild  kamen 
,zu  Tausenden  um,  und  die  Oberfläche  des  Körpers  deren,  die  am  Leben 
blieben  ,  war  grossentheils  mit  Beulen  bedeckt ;  die  Flüsse  warfen  un- 
zählige todte  Fische  ans  Ufer.  —  Am  3.  März  war  der  Vulkan  noch 
thätig,  aber  warf  keine  Asche  mehr  aus. 

Diese  Erscheinungen  haben  grosse  Ähnlichkeit  mit  dem  Ausbruche 
des  Tomboro  in  Sumbaya  vom  Jahr  1815,  den  Raffles  beschrieben  bat. 


Gh.  Lyell:  i'iber  die  Beweise  einer  allmählichen  He- 
bung des  Landes  in  einigen  Theilen  Schwedens  (Philos, 
Transact.  i835.  I,  p.  1—38,  pl.  I  u.  II).  Eine  sehr  lesenswerthe  Ab- 
handlung, woraus  wir  die  Resultate  bereits  früher  (1836,  S.  372)  mitge- 
theilt  haben.  Der  Anhang  enthält  eine  Liste  der  Konchylien  der  Ostsee, 
welche  sich  an  den  neu  gehobenen  Stellen  fossil  finden.  Die  vollständige 
Französische  Übersetzung  in  der  Mem.  d.  Neuchätel,  1836,  I,  haben  wir 
bereits  angegeben.  " 


Keilhav:    Thatsachen  über  die  Hebung  Skandinaviens  in   neuern 
Perioden   (?  Magaz.   for   Natur oidenska b erne ,    Ute  Reihe,  .  .  ,  >► 


—     338      - 

Jamss,  Edinb.  n.  philos.  Journ.  1836,  XX,  425— 428).  Der  Vf.  hatte 
schon  in  dem  angeführten  Magazine,  ßd.  I,  eine  alte,  vom  Drontheimer 
Golf  früher  gebildete  Küstenlinie  am  Fusse  einer  Sandbank  hei  JSteenIfjor, 
,20'  über  dem  Fjord ,  so  wie  auch  die  horizontalen  Rinnen  beschrieben, 
welche  der  alte  Meeresspiegel  in  der  Präfektur  Nordland  und  in  Fin- 
mark  60'— lOO'  über  seinem  jetzigen  Stande  im  losen  Boden  sowohl, 
als  in  harten  Felsen  liinterlassen  hat.  Schive  hat  bei  Sandmoor  An- 
häufungen von  Rollblöcken  in  parallelen  Linien  am  Meeresrande  wahr- 
genommen ,  die  er  nächstens  beschreiben  will.  Die  von  Buch,  Brongniart 
und  HisiNGER  bekannt  gemachten  Thatsachen  wieder  anzuführen  ,  ist  nicht 
nöthig.  Dazu  gesellen  sich  nun  des  Vfs.  und  Professor  Böecks  Beobach- 
tungen, welche  sie  im  letzten  Sommer  in  der  Präfektur  Smaalenene  [in  Nor" 
wegen?]  u.  a.  gesammelt  haben.  Auch  bei  Hellesaaen,  8  Stunden  von 
der  Küste  und  430'  über  dem  Meeresspiegel  haben  sie  Balan  en-Reste 
an  Felsflächen  hängen  sehen ,  wie  Brongniart  früher  zu  TJddewalla  in 
Schweden  in  200'  Seehöhe,  Auch  den  Muschel-Kies  mit  sehr  wohl  er- 
haltenen Überresten  von  noch  in  dortigen  Meeren  lebenden,  mitunter 
sehr  zerbrechlichen  Konchylien  haben  sie  in  grosser  Ausdehnung  ver- 
folgt, und  sämmtliche  Lager  von  Ziegelthon  ,  welche  eine  grosse  Er- 
streckung  und  im  S.O.  Norwegens  bis  100'  Mächtigkeit  besitzen,  schei- 
nen mit  ihm  von  gleichem  Alter  zu  seyn.  Deshayes  hat  aus  beiden 
Gebilden  50  Konchylien-Arten  untersucht,  und  alle  mit  noch  lebenden  Arten 
der  Nordsee  übereinstimmend  gefunden,  wie  es  auch  alle  von  Hisinger 
neuerlich  aufgeführten  Arten  sind.  Im  J.  1682  hat  man  im  Thone  vom 
Fistedal  bei  Frederikshald  ein  Wal-Gerippe  gefunden,  und  ein  anderes 
im  Stordal ;  einige  Fisch-Reste  und  Echiniden  sind  in  erhärtetem 
Thone  von  Romsdal  und  Nordmoor  entdeckt  worden.  Der  Seegewächs- 
Reste  im  Torfe  von  Oreland  hat  schon  Fabricius  erwähnt.  Aus  diesen 
Beobachtungen  zieht  der  Vf.  die  Folgeirungen  :  1)  der  Norwegische  TAe- 
gelthon,  der  Muschelsand  und  der  Torf  von  Zoffera  deuten  durch  die 
verschiedene  Höhe,  worin  ihre  Massen  abgelagert  sind,  wiederholte  Em- 
porhebungen des  Landes  an;  2)  die  Thoai  -  Niederschläge  insbesondere 
bilden  Terrassen  in  verschiedenen  Höhen,  bis  zu  600'  über  dem  Meere; 
3)  der  Muschelsand  insbesondere  dehnt  sich  von  Nord- Schweden  bis 
Finmark  aus  und  liefert  Anzeigen,  dass  wenigstens  einzelne  der 
kleinen  aber  oft  wiederkehrenden  Hebungs-Akte  in  eben  so  grosser  Er- 
streckung Statt  gefunden.  —  Zu  diesen  Beobachtungen  gesellt  sich  die  in- 
teressante Thatsache,  dass  in  den  Gebirgen  die  obere  Grenze  der  Holz- 
Vegetation  einst  höher  hinauf  gereicht  habe.  Man  findet  Baumwurzeln 
noch  in  Höhen ,  wo  jetzt  kaum  noch  Sträucher  wachsen  ;  Kiefernwaldungen 
sind  längs  ihrer  obern  Grenze  durch  Strecken  von  abgestorbenen  Bäumen 
begrenzt,  welche  mehr  oder  w^eniger  lange  Zeit  in  aufrechter  Stellung 
geblieben  sind,  —  und  so  zwar  nicht  allein  in  Schweden,  sondern  auch 
in  Norwegen,  welches  keiner  ähnliehen  Hebung,  wie  der  östliche  Theil 
der  Halbinsel  ausgesetzt  zu  seyn  scheint.  Folgendes  ist  die  Liste  der 
im  Muschelsand  aufgefundenen  Konchylien  nach  den  Bestimmungen  von 
Deshayes  und  Deslongchaivifs  : 


—     339     — 

Corbula  nucleus  Lk.,  C.  pisiformis,  Mya  truncata,  Lutraria 
Boysii,  Amphidesma  n.  sp.,  Saxicava  rugosa  Lk.,  S.  arctica 
Desh.,  S.  pholadis  Lk.,  Tellina  n.sp.,  Lutraria  radula,  Venus 
radiata  Brocchi  ,  Astarte  ««.  spp.  3,  Cypriualslandica,  Car- 
dio m  e  d  u  1  e  V  a  r.,  C  a  r  d  i  u  m  e  c  h  i  n  a  t  u  m,  Area  ri.  sp.,  N  u  c  u  I  a  r  o- 
strata  Lk.,  N.  margaritacea  Lk. ,  N.  n.  sp.,  Mytilus  unibili- 
catus  Penn.,   M.  edulis,    Pecten  pse  ud  a  «i  u  si  um  Chemn.  ,  P.  Is- 

laudicus^  Ostrea  margaritacea  Lk.,  0 ,    A  iioui  i  a  e  p  hi  p- 

p  i  u  m  Lk.,  D  e  n  t  a  1  i  u  m  e  ii  t  a  1  i  s  ,  D.  d  o  n  t  a  I  i  s,  P  a  t  c  1 1  a  .  . . ., 
Emarginuia  fissura,  Rimula  n.  sp. ,  Bulla  lig^naria, 
Natica  clausa  Lyell ,  Turritella  terebra,  Turbo  litto- 
r  e  u  s  Lk.  ,  Trochus  einer  arius,  Cerithium  reticulatum, 
Fusus  corneus,  F.  Peruvianus,  Rostellaria  pespelecani 
Buccinum  uu^datum,   B.  reticulatum,    Baianus  sulcatus, 

B. . . . ,    B ,     S  e  r  p  u  I  a. . . . ,    S -,     --      N  u  1 1  i  p  o  r  a   p  o  1  y- 

ni  0  rph  a. 


Pingel :  Notitz  über  einige  Tb  atsachen,  welche  di« 
allmähliche  Senkung  eines  T  heiles  der  Westküste 
Grönlands  beweisen.  ( Geolog.  Soc.  1835 ,  18.  Nov.  ^  Lond, 
a.  Edinb.  philos.  Maga%.  1836,  VIII,  73.)  Schon  Arctander  bat 
zwischen  1777  und  1779  die  Beobachtung  gemacht,  dass  eine  kleine 
Felsen-Insel  im  Meerbusen  Igallico  in  60*^43'  N. ,  einen  Kanonenschuss 
weit  von  der  Küste  gelegen,  bei  Springfluthen  fast  ganz  überschwemmt 
werde,  obschon  darauf  noch  die  Mauern  eines  Hauses  von  52'  Länge, 
30'  Breite,  5'  Dicke  und  6'  Höhe  aufrecht  stehen-,  —  als  Pingel  ein 
halbes  Jahrhundert  später  diese  Stelle  besuchte,  ragten  nur  noch  diese 
Ruinen  alleiti  aus  dem  Wasser  hervor.  —  Im  nä.iilichen  Busen  wurde 
1776  die  Kolonie  JuUunahaab  und  an  einem  Felsen,  das  Kastei  genannt, 
ihr  Vorrathshaus  errichtet,  welches  jetzt  nur  bei  sehr  niederem  Wasser- 
stand trocken  steht.  --  In  der  Nähe  der  Kolonie  F reder ikehaab  (62**  N.) 
waren  einst  Grönländer  angesiedelt,  von  deren  Wohnungen  aber  man 
nichts  mehr  als  einen  Steinhaufen  sieht,  über  welchen  das  Meer  bei 
hohem  Stande  hinwegströmt.  —  Bei  dem  Gletscher,  welcher  die  Distrikte 
Frederikehaab  und  Fiskenäss  trennt,  ist  eine  Gruppe  kleiner  Inseln, 
Falluartalik  genannt ,  welche  nun  verlassen  sind ;  doch  stehen  an  der 
Küste  noch  Ruinen  von  Winterwohnungen,  die  oft  uberfluthet  werden.  — 
Eine  halbe  Meile  W.  vom  Dorf  Fiskenäss  (63<*  4' N.)  gründeten  die  Mäh- 
rischen Brüder  [Moravians]  die  Niederlassung  Lic//^<?w/tfM  •,  waren  jedoch 
binnen  30 — 40  Jahren  ein-,  wo  nicht  zwei-mal  genötbigt,  die  Pfähle  zu- 
rückzusetzen, auf  die  sie  ihre  grossen  Boote,  „Umiak  oder  Frauenboote 
genannt,  zu  stellen  pflegten.  Noch  stehen  diese  Pfähle  als  stille  Zeugen 
da,  doch  unter  Wasser.  —  Im  N.O.  der  Mutter-Kolonie  Godihaab  (64<* 
19' N,)  ist  eine  Landspitze  VÜdmanns  näss  von  St.  Egedb  genannt,    zu 


—     340     - 

dessen  Zeit  i.  J.  1721 — 1736  sie  von  einigen  Grönländer -Familien  be- 
wohnt war,  deren  Winter- Wohnungen  aber  nun  verlassen  und  zerfallen 
sind,  da  das  Meer  bei  hoher  Fluth  in  sie  eindringt ;  kein  eingeborner  Grön- 
länder würde  sein  Haus  so  nahe  an  den  Rand  des  Wassers  gebaut  ha- 
ben. Die  bis  jetzt  angeführten  Stellen  hat  Pingel  selbst  besucht;  aber 
er  führt  auch  noch  die  Angabe  eines  glaubwürdigen  Landsmannes  an, 
dass  zu  Sapparsok,  10  Dan.  (45  Engl.)  Meil.  von  Ky-Sukkt-rtop  {65^ 
20' N.)  bei  niederem  Wasserstand  die  Ruinen  alt  Gfrö/?iä;jrf?ÄCÄ<;r  Winter- 
wohnungen sichtbar  werden.  Nördlicher  sind  ihm  zwar  keine  weiteren 
Beobachtungen  bekannt,  doch  verniuthet  er,  dass  die  angedeutete  Erschei- 
nung wenigstens  bis  JOisco-Bay  (69°  N,)  Statt  finden  dürfe. 


Cautlby  :  über  die  in  den  Sewalik-B  ergen  gefundenen 
Säugethier-  Reste  (Lond.  a.  Edinb.  pMlos.  Mag.  1836,  VIII, 
S75 — 577).  Wir  haben  über  diesen  Gegenstand  schon  zwei  Auszüge 
mitgetheilt  (Jahrb.  1837,  S.  98)  oder  noch  zu  geben.  Gegenwärtige  Abhand- 
lung berichtet  mehr  über  die  geognostischen  Beziehungen.  Diese  Bergkette 
erstreckt  sich  vom  Sutluj  bis  zum  Burhampooter  im  Bezirke  Cuoch 
Behar ,  anfänglich  aus  JX.W.  nach  S.O.,  später  aus  W.  nach  O.,  län^s 
dem  Himalaya,  bald  im  Zusammenhang  mit  ihm,  bald  durch  3— 10  Meil. 
breite  Thälcr  von  demselben  getrennt,  unter  welchen  das  Dtyra-Thal 
zwischen  dem  Ganges  und  Junma ,  das  Kearda-  und  das  P/w/orf-Thal 
zwischen  Acta  Jiimna-  und  dem  Sutütj  die  bedeutendsten  sind.  Die  Kette 
hat  6—8  Meil.  Breite  und  2000'— 2500'  mittle  Höhe  über  dem  Meere, 
oder  500' — 1000'  über  den  benachbarten  Ebenen.  Ihre  höchsten  Gipfel 
übersteigen  3000'  Seehöhe  nicht.  Kein  Weg  führt  durch  dieselbe,'  als 
längs  den  tief  eingeschnittenen  Flussbetten.  Da  sie  keinen  besondern 
Namen  besitzt,  so  hat  Cautley  den  oben  gebrauchten  vorgeschlagen,  in- 
dem Sfwalik,  aus  Shibwalhi  (die  Wohnung  von  Shib)  verstümmelt,  ehe- 
dem der  Bezirk  zwischen  Jumna  und  Ganges  hiess. 

Zwischen  dem  Ganges  und  Sutluj  besteht  diese  Kette  aus  Wechsel- 
lagerungen von  Konglomerat,  Sandstein,  Mergel  und  Thon,  deren  Schichten 
unter  \^  15°  bis  35°  einschiessen.  Mergel  waltet  im  W.,  Konglomerat 
(Indisch  i.SA{/7j/^<f)  im,0.  des  Jumna  vor.  Letztres  hat  eine  ungeheure 
Mächtigkeit  und  besteht  aus  Stücken  von  Granit,  Gneiss,  Glimmerschie- 
fer, Hornblendeschiefer,  Trapp,  welche  oflFenbar  vom  Himalaya  herabge- 
kommen und  entweder  nur  lose  zusammengehäuft,  oder  durch  Thon  und 
Kalk-Zäment  verbunden  siod^-  Der  Sandstein  besteht  aus,  durch  Eisen- 
oxyd  oder  Kalk-Karbonat  verbundenen  Quarzkörnchen  und  Glimmer- 
schuppen, hat  manchmal  ein  krystallinisches  Ansehen,  ist  verschiedenartig 
roth  und  grün  und  enthält  viele  kohlige  Materie:  bald  Bruchstucke 
dikotyledoner  Gewächse  ,  bald  Körner  in  fast  gleicher  Menge  mit  dem 
Sand.  Auch  kommt  kohlige  Materie  im  Mergel  und  im  Konglomerat 
vor )    aber   nie   in   einer    zur   Nutzung   geeigneten   Weise.    Das  Thou- 


-     341     — 

Konglomerat  besteht  aus  Stücken  erhärteten  Thones,  welche  durch  Thon, 
Sand  und  Kalk-Zäment  verkittet  sind ,  und  es  widersteht  der  Zerstörung 
durch  fliessendes  Wasser  mehr,  als  die  übrij^en  Schichten.  Trapp  steht 
bei  Nahun  an.  Soda  blühet  aus  Konglomerat  und  Sandstein  aus. 
Selenit  kommt  im  Thon  vor.  —  In  diesen  Schichten  hat  man  folgende 
Foßsil-Reste  gefunden,  meistens  beim  Kalüwala-Fsisse, 
Konglomerat  (Shingle) :  Lignit. 

Sandstein:  sehr  viele  D  ik  oty  1  ed  o  n  en- Stämme,  Lignit,  Repti- 
lien-Knochen. 

Mergel  (Thon)  :  Fachyderraen;   Anthracotherium,  Zähne 
,  und  Knochen. 

Carnivoren:   einige  Zähne  wie  beim  Bären,  u.  a. 

Nager:    Ratten;  kleiner  Biber. 

Wiederkäuer:    Hirsch,  mehrere  Arten. 

Pferde:    Zähne. 

Gavial  und  Krokodil:    Zähne  und  Knochen  in 
Menge. 

E  m  y  s  und  T  r  i  o  n  yx  :    Bruchstücke. 

Fische:  Wirbel  und  Schuppen. 

Konchylien:  aus  Süsswasser-Geschlechtern. 
Zwischen  dem  Sutlitj  und  Jumna  bietet  sich  dieselbe  Reihenfolge 
von  Gesteinen  dar,  aber  die  Konglomerate  stehen  mehr  zurück  und  sind 
mehr  aus  Thouschiefer-  und  Quarz-Stücken  zusammengesetzt;  der  Mer- 
gel geht  nur  zu  Nahun  zu  Tage  ,  wo  er  dieselben  Fossil-Reste  wie  am 
Kahowata-Vass  enthält.  Von  \ahun  bis  zu  den  Ebenen  folgen  sich 
Sandsteine  und  Thone  mit  einem  N  Schichtcnfall  von  20<*.  Die  Thone 
enthalten  mehr  Testazeen-,  die  Sandsteine  S  ä  u  ge  t  h  i  e  r -Reste. 
Letztere  hat  Caütley  theils  an  ihrer  ursprünglichen  Lagerstelle ,  theils 
da  aufgesammelt ,  wo  die  Sandstein-Wände  zusammengestürzt  waren, 
Sie  rühren  her  von  Mastodon,  Elephas,  Rhinoceros,  Hippo- 
p  0  t  a  m  u  s  ^  Schweinen,  Pferden,  Ochsen,  E  1  e  n  n  ,  Hir- 
schen, Hunde-  und  Katzen-  artigen  Raubthicren,  Krokodilen, 
Gavialen,  Emys,  Trionyx,  Fischen  und  unbeschriebenen 
S  ä  u  g  e  t  h  i  e  r  e  n.  Nur  die  Pferde-  und  R  a  u  b  t  h  i  e  r- Reste  dar- 
unter sind  selten,  die  Kopf-Theile  am  besten  erhalten.  Der  Vf.  hält  mit 
Falconer  dieses  Gebirge  für  gleich  alt  mit  jenem  von  Prome  am  Ira- 
waddij  worin  Crawfurd  ähnliche  Gebeine  gefunden  hat. 

Er  bemerkt  bei  dieser  Gelegenheit,  dass  Mastodon  elephan- 
toi  des  und  M.  latidens  vereinigt  werden  müssen,  indem  er  Kinn- 
laden gefunden  hat,  worin  vorn  der  Backenzahn  von  M,  latidens 
und  hinten  der  von  M.  elephan  toides  gesessen. 


CoQUANT  meldet  die  Entdeckung  von  Paläotherien-  und  R u m i- 
n a n t e n-Resten   mit   Cerithium  lapidum   im  Gypse   von  Äw  in 


—     342      — 

Provence  und   will   daraus  die  Gleichzeitigkeit  mit  dem  Pariser  Gyps« 
folgern.   CBullet  geolog.  1836,  VI,  191.) 

DuFRENor  erinnert,  dass  die  Pal  ä  o  t  h  e  r  i  e  n  •  Art  nicht  bestimmt 
seye  ;  dass  eine  Art  auch  zu  La  Grave  bei  Lihourne  in  der  Muschel- 
Molasse  vorkomme;  dass  der  Gyps  von  Aix  wahrscheinlich  wie  zu 
Sijean  in  den  Ost-P//r^w«^;»  auf  derselben  Muschel-Molasse  ruhe,  welche 
dem  oberen  Niederschlage  der  Pariser  Tertiär-Gebirge  und  nicht  dem 
dortigen  Gypse  entspreche.  Das  angebliche  Cerithium  lapidura 
könnte  eine  der  Potamiden  der  Süsswasserkalke  seyn  Obid,J. 


Deshaybs  hält  die  sg.  C  y  t  h  e  r  e  e  n-Schichte  über  dem  Pariser 
Gypse  für  eine  Süsswasser-Bildung  {bull.  gSol.  i836,  VII,  200), 
Die  darin  so  häufigen  Muschel-Eindrücke,  welche  man  von  Cythereen 
abgeleitet,  dürften  vom  Genus  Glauconomya  Gray  herrühren,  wel- 
ches in  den  Flüssen  Indiens  lebt,  indem  das  Schloss,  wie  in  diesem, 
drei  Zähne  darbiete  und  auch  mit  dem  von  Sowerby's  P  u  1 1  a  s  t  r  a 
Ähnlichkeit  habe.  Es  sind  zwei  Arten.  —  So  kömmt  in  den  Tertiär- 
Schichten  von  Paris  auch ^das  Genus  Cyrenella  Desh.  vor,  welches 
jetzt  noch  in  den  Süsswassern  vom  Seneg/xl  einheimisch  ist.  Auch  die 
kleinen  Krustazeen  in  jener  Schichte  sind  nicht  Meeresbewohner. 
(Co^uant  hat  unbestimmbare  Pflanzen-Reste  darin  entdeckt.) 


Bei  Gelegenheit ,  wo  D^Archiac  in  'einer  Abhandlung  über  „die 
Kreide-Formation  im  S.W.  von  Frankreich"  ihres  Übergangs  in  die 
Xertiärbildungen  gedenkt,  drückt  Deshayes  seine  Versicherung  aus,  dass 
er  noch  keine  fossile  Art  kenne,  weiche  in  beiderlei  Formationen  zugleich 
vorkommen ;  dass  auch  Neritina  conoidea  und  CrassateUa  tu- 
mida,  welche  Dufreivoy  angegeben^  schwerlich  in  einer  wirklichen 
Kreide-Schichte  und  mit  Kreide- Versteinerungen  vorgekommen  seyn  dürf- 
ten, und  dass  die  Alveolina  cretacea  wohl  verschieden  seye  von 
der  tertiären  A.  oblonga  (^.  c.  S.  200).  D'Archiac  besteht  nicht  auf 
der  Behauptung  einer  wirklichen  Vermischung  der  Fossil-Arten  beider 
Formationen,  sondern  bemerkt,  dass  er  nui;  von  einem  Übergang  durch 
gegenseitige  Annäherung  in  der  Beschaffenheit  des  Gesteins  ,  wie  im 
Gesararat  -  Charakter  der  fossilen  Arten  sprechen  wolle,  (ib.  S.  201.)  — 
(Die  Fortsetzung  dieser  Diskussion  am  Ende   des   folgenden  Aufsatzes.) 


D*Archiac  :  über  eine  Grobkalk-Bank  zwischen 
Töpferthon  und  Kreide  bei  Meudon,  {ibid.  273—275.)  Ein 
Durchschnitt  des  Bodens  hat  zu  les  IHolineaux  am  Berge  bei  Meudon 
folgende  Schichtenordnung  ergeben: 


—      343     — 

1)  Grobkalk 

2)  Rother,  grauer  und  weisser  Töpferthon  .         .         .  l^SO 

3)  Graue,  grünliche  und  weissbunte  Fausseglaise     .  1    60 

4)  Grobkalk-Bank 1    40 

5)  „  „     5  härter  als  vorige 0    40 

6)  Cai  Masse,  erste  Kreide-Schichte,  durchlöchert  .         1    50 

7)  Weisse  Kreide  mit  Feuersteinen 

Die  obere  der  zwei  Grobkalk-Bänke  ist  gelblich,  fest,  auch  erdig,  zu- 
weilen oolithisch ,  in  ihrem  oberen  Theile  durchzogen  von  dünnen ,  oft 
unterbrochenen  Lagen  grauschwärzlichen  Thones ,  und  selbst  reich  an 
thoniger  Materie.  Zuweilen  wird  sie  2™  mächtig.  Sie  ist  reich  an 
Konchylien  -  Abdrücken  ,  insbesondere  von  einer  L  u  c  i  n  a ,  sehr  ähn- 
lich der  L.  saxorum,  von  Corbis  lamellosa,  Crassa- 
tella  tumida  var.  b.  ,  von  einem  Card  i  um,  einer  Veneri- 
cardia,  Modiola  cor  data,  zwei  L  i  m  a-Arten  ,  welche  der  L. 
muricata  und  L.  granulata  der  Kreide  ähnlicher  sind,  als  denen 
des  Grobkalkes,  von  Turritella  imbricataria  oder  T.  ?hybrida 
von  Cerithium,  Fusus,  Pileopsis,  ?Cypraea,  Milioli- 
t  e  s,  dann  von  Cid  a  r  i  tes-Stacheln,  As  te  r  ien-Gliedern,  Dentalien 
und  einer  Turbinolia:  Geschlechtern,  welche  meistentheils  im  unteren 
und  mittlen  Grobkalke  vorkommen.  Die  zweite  Bank  ist  weniger  mächtig, 
aber  regelmässiger,  von  dichterer  Textur,  gelblich  weisser  Farbe,  ent- 
hält dieselben  Fossil-Arten  und  verliert  sich  gegen  Osten  hin.  —  Unmit- 
telbar darunter  liegt,  durch  deutliche  Auflagerungsfiächen  geschieden, 
die  erste  Kreideschichte,  die  sg.  Cai  Ilasse,  bezeichnet  durch  den 
Mangel  an  Feuersteinen,  durch  ihre  Härte  (die  grösser  als  bei  der  wei- 
chen Kreide  ist),  durch  ihren  eckigen  und  unebenen  Bruch,  ihre  gelbe 
bis  weissliche  Farbe,  und  durch  eine  Menge  ästiger,  sie  in  allen  Rich- 
tungen durchziehender  Röhren  von  einigen  Linien  bis  2"  Weite,  welche 
zuweilen  stumpf,  gewöhnlich  aber  fein  auslaufen.  Sie  enthält  Ostrea 
vesicularis  und  Ananchytes  ovata,  doch  selten.  Brongniart 
und  CüviER  hatten  eine  analoge  Schichte  hinter  der  Glasfabrik  von 
Sevres  angegeben  und  jene  Röhren  von  Gas-Entwicklungen  abgeleitet. 
Die  Caillasse  enthält  keinen  der  Eindrücke  der  Grobkalk-Bänke.  D'Ar- 
CHiAc  hält  gleichwohl  diese  letztern  für  das  Analogon  der  unregelmässi- 
gen, von  EtiE  DB  Beaümont  bei  Bougival,  Port  Marly  und  Vigny  an- 
gegebenen Kreideschichten  mit  gemischten  Konchylien ,  bemerkt  jedoch, 
dass  diese,  wie  vorige ,  da  die  Konchylien  nicht  wirklich  gemischt  in 
•einer  und  derselben  Schichte  durch  einander  liegen,  vielmehr  dem  Grob- 
kalk zu  verbinden  seyn  würde.  —  Elie  de  Beaümont  erkennt  die  Rieb- 
tigkeit  der  von  D'Archiac  angegebenen  Thatsachen  an,  vertheidigt  je- 
doch seine  frühere  Verbindung  der  in  den  genannten  Gegenden  bezeich- 
neten Schichten  mit  der  Kreide,  statt  mit  dem  Grobkalk,  worin  ihm 
Deshayes,  de  Roissy^  und  D'Archiac  aus  zoologischen  Gründen  wider- 
sprechen. Deshayes  bemerkt  noch,  dsuss  selbst  in  den  jugendlichsten 
Kreide-Schichten  Belgiens  keine  Vermischung  der  Arten,  kein  Übergang 


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einer  Art   In    die   andere  For